Sinn und Sinnlosigkeit von Jobs

Sinn und Sinnlosigkeit von Jobs

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Grafik: GPA-djp Öffentlichkeitsarbeit

David Graeber durchleuchtet die Arbeitswelt und hält unserer Gesellschaft den Spiegel vor.

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„Als Ausgleich zu den Ungustln oben“

„Als Ausgleich zu den Ungustln oben“

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Elisabeth Kerndl ist Jugendvertrauensrätin bei einer Bücherkette am Westbahnhof.
Foto: Nurith Wagner-Strauss

Lehrlinge haben in Österreich so etwas wie eigene ArbeitnehmervertreterInnen: die JugendvertrauensrätInnen. Die Buchhändlerin Elisabeth Kerndl ist eine von ihnen.

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Der Marathon-Mann

Der Marathon-Mann

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Franz Georg Brantner, Betriebsratsvorsitzender bei Herba Chemosan und Chefverhandler für den Handelskollektivvertrag bei einer Protestaktion am 8. Dezember 2018.
Foto: Daniel Novotny

Ausdauer und auch das Aufhörenkönnen zeichnen Franz Georg Brantner aus. Franz Georg Brantner hat mit 50 Jahren seinen ersten Marathon absolviert. Als Chefverhandler des zuletzt knapp, aber erfolgreich abgeschlossenen neuen Handels-Kollektivvertrags zieht er sich künftig zurück.

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Buchtipp: Danke!

Buchtipp: Danke!

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Buchtipp

Hinreißend, wie der junge syrische Wehrdienstverweigerer Omar Khir Alanam seine entwaffnende Geschichte von Flucht und Ankunft erzählt und damit den ÖsterreicherInnen sagt, was er ihnen schon längst sagen wollte.

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Illustration Peter M. Hoffmann

Perspektiven für Arbeitslose und Region

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Illustration Peter M. Hoffmann
Illustration Peter M. Hoffmann

Kürzungen der öffentlichen Hand bedrohen Sozialbetriebe genauso wie die Versorgung speziell in ländlichen Gebieten.

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Buchtipp: Hoffnungstropfen

Buchtipp: Hoffnungstropfen

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Buchtipp

Im Gegensatz zur mancherorts verbreiteten Katastrophenstimmung auf unserem globalisierten Planeten gibt es auch zahlreiche positive sozioökonomische Entwicklungen. „Hoffnungstropfen“ ist ein Plädoyer dafür, sich statistische Trends zu Gemüte zu führen, nicht negative Schlagzeilen

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Foto: Nurith Wagner-Strauss

AMS: Gekürzt ist nicht gespart

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Foto: Nurith Wagner-Strauss
Foto: Nurith Wagner-Strauss

Vor den von der Bundesregierung geplanten Kürzungen in der Arbeitsmarktpolitik warnen Betroffene und Gewerkschaft.

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Illustration: PM Hoffmann

EU-Ratspräsidentschaft: Beschäftigte, bitte warten!

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Illustration: PM Hoffmann
Illustration: PM Hoffmann

Europas ArbeitnehmerInnen haben von der EU-Präsidentschaft Österreichs bis Dezember 2018 nicht viel Positives zu erwarten. Bleibt eine soziale Trendwende aus, ist die Union in Gefahr.

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Überall und nirgendwo

Überall und nirgendwo

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Illustration: Peter M. Hoffmann
Illustration: Peter M. Hoffmann

Das Prinzip „arbeite, wann du willst und wo du willst“ wird bei Unternehmen, aber auch bei Beschäftigten aus unterschiedlichen Gründen immer beliebter. Dabei haben beide Seiten einiges zu beachten.

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Illustration: Peter M. Hoffmann

Unabhängiger Journalismus unter Druck

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Illustration: Peter M. Hoffmann
Illustration: Peter M. Hoffmann

Zum internationalen Tag der Pressefreiheit warnt Eike Kullmann, der neue Journalistengewerkschafts-Chef, auch in Österreich vor Hetzkampagnen und Schaden für die Demokratie.

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Illustration: Jrcasas | Dreamstime.com

Konsumentenschutz: Gute Raten sind teuer

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Illustration: Jrcasas | Dreamstime.com
Illustration: Jrcasas | Dreamstime.com

SchuldnerberaterInnen und KonsumentenschützerInnen warnen vor angepriesenen Teilzahlungen beim Einkauf.

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Martin Kocher, wissenschaftlicher Direktor des IHS, und Agnes Streissler-Führer, Mitglied der GPA-djp-Bundesgeschäftsführung. Foto: Michael Mazohl

Digitalisierung als Chance

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Martin Kocher, wissenschaftlicher Direktor des IHS, und Agnes Streissler-Führer, Mitglied der GPA-djp-Bundesgeschäftsführung. Foto: Michael Mazohl
Martin Kocher, wissenschaftlicher Direktor des IHS, und
Agnes Streissler-Führer, Mitglied der GPA-djp-Bundesgeschäftsführung. Foto: Michael Mazohl

Martin Kocher, wissenschaftlicher Direktor des IHS, und Agnes Streissler-Führer, Mitglied der GPA-djp-Bundesgeschäftsführung, im KOMPETENZ-Gespräch über Nutzen und Risiken der Digitalisierung.

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Judith Pühringer, Geschäftsführerin von arbeit plus im KOMPETENZ-Interview. Foto: Nurith Wagner-Strauss

„Erwerbsbiografien dauern länger als Legislaturperioden“

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Judith Pühringer, Geschäftsführerin von arbeit plus im KOMPETENZ-Interview. Foto: Nurith Wagner-Strauss
Judith Pühringer, Geschäftsführerin von arbeit plus im KOMPETENZ-Interview. Foto: Nurith Wagner-Strauss

Langzeitarbeitslosigkeit hat fatale Folgen. Die Betriebswirtin Judith Pühringer, Geschäftsführerin des Netzwerks „arbeit plus“, unterstreicht daher, wie wichtig die „Aktion 20.000“ und die sozialen Unternehmen in Österreich sind.

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Martin Schenk ist Sozialwissenschaftler und Mitinitiator zahlreicher sozialer Initiativen wie „Die Armutskonferenz“, „Hunger auf Kunst und Kultur“ (Kultur für Leute ohne Geld), Verein Hemayat (Betreuung schwer Traumatisierter). Foto: Nurith Wagner-Strauss

Wenn der Staat Armut fördert

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Martin Schenk ist Sozialwissenschaftler und Mitinitiator zahlreicher sozialer Initiativen wie „Die Armutskonferenz“, „Hunger auf Kunst und Kultur“ (Kultur für Leute ohne Geld), Verein Hemayat (Betreuung schwer Traumatisierter). Foto: Nurith Wagner-Strauss
Martin Schenk ist Sozialwissenschaftler und Mitinitiator zahlreicher sozialer Initiativen wie „Die Armutskonferenz“, „Hunger auf Kunst und Kultur“ (Kultur für Leute ohne Geld), Verein Hemayat (Betreuung schwer Traumatisierter). Foto: Nurith Wagner-Strauss

Vor Hartz IV in Österreich und Folgeschäden warnt der Sozialwissenschaftler Martin Schenk von der Armutskonferenz im Interview mit der KOMPETENZ.

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"Die Migrantigen" Filmstills: Luna Filmverleih

Filmtipp: Die Migrantigen

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"Die Migrantigen" Filmstills: Luna Filmverleih
„Die Migrantigen“ Filmstills: Luna Filmverleih

Im ersten Spielfilm von Arman Riahi bekommen auf bissig komisch-ironische Weise oberflächliche Politik und Journalismus ihr Fett ab.

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Buchtipp: Mit Geschichten aus der Arbeitswelt gegen weiße Flecken

Buchtipp: Mit Geschichten aus der Arbeitswelt gegen weiße Flecken

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"Ausgebrannt", Geschichten aus der Arbeitswelt. Foto: Roman Felder und Roman Huditsch
„Ausgebrannt“, Geschichten aus der Arbeitswelt. Foto: Roman Felder und Roman Huditsch

„Geschichten aus der Arbeitswelt. Kurzgeschichten & Bilder“. edition lex liszt 12, Oberwart 2016, ISBN 978-3-99016-121-0, 166 Seiten, 16 Euro.

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Interview mit Konrad Pesendorfer: „Es braucht auch die Kultur mit der Unabhängigkeit leben zu können"

Interview mit Konrad Pesendorfer: „Es braucht auch die Kultur mit der Unabhängigkeit leben zu können“

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Konrad Pesendorfer, Generaldirektor der Statistik Austria im KOMPETENZ Interview. Foto: Nurith Wagner-Strauss
Konrad Pesendorfer, Generaldirektor der Statistik Austria im KOMPETENZ Interview. Foto: Nurith Wagner-Strauss

Gesellschaftlich relevante Daten zu präsentieren, ist Aufgabe der Statistik Austria. Politische Einflussnahme weist Generaldirektor Konrad Pesendorfer im Interview zurück.

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Agnes Streissler-Führer; Mitglied der GPA-djp Bundesgeschäftsführung: "Technik und Technologie müssen den Menschen dienen und nicht umgekehrt." Foto: Michael Mazohl

Agnes Streissler-Führer und Christoph Neumayer im Streitgespräch: „Wir können nicht billiger sein, aber besser!“

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Agnes Streissler-Führer; Mitglied der GPA-djp Bundesgeschäftsführung: "Technik und Technologie müssen den Menschen dienen und nicht umgekehrt." Foto: Michael Mazohl
Agnes Streissler-Führer; Mitglied der GPA-djp Bundesgeschäftsführung: „Technik und Technologie müssen den Menschen dienen und nicht umgekehrt.“ Foto: Michael Mazohl

Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung und Agnes Streissler-Führer, Mitglied der GPA-djp-Bundesgeschäftsführung diskutieren über den Wirtschaftsstandort Österreich.Weiterlesen

Das letzte Puzzlestück, das zu seiner rückhaltlosen Beschreibung der Krise noch fehlte: Karl Marx (August Diehl) freundet sich 1844 im Pariser Exil mit Friedrich Engels(Stefan Konarske) an. Foto: Kris Dewitte, Neue Visionen Filmverleih

Filmtipp: Wir brauchen keine Eierköpfe

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Das letzte Puzzlestück, das zu seiner rückhaltlosen Beschreibung der Krise noch fehlte: Karl Marx (August Diehl) freundet sich 1844 im Pariser Exil mit Friedrich Engels(Stefan Konarske) an. Foto: Kris Dewitte, Neue Visionen Filmverleih
Das letzte Puzzlestück, das zu seiner rückhaltlosen Beschreibung der Krise noch fehlte: Karl Marx (August Diehl) freundet sich 1844 im Pariser Exil mit Friedrich Engels(Stefan Konarske) an. Foto: Kris Dewitte, Neue Visionen Filmverleih

Der aus Haiti stammende Regisseur und Drehbuchautor Raoul Peck betont mit seinem jüngsten Film „Der junge Karl Marx“ dessen zeitloses Gedankengut.

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Peter Hacker, Geschäftsführer des Fonds Soziales Wien fordert, dass Asylverfahren nicht länger als zwei Monate dauern. Foto: Nurith Wagner-Strauss

Interview mit Peter Hacker: „Unerträglich, dass wir die Leute zum Nichtstun zwingen“

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Peter Hacker, Geschäftsführer des Fonds Soziales Wien fordert, dass Asylverfahren nicht länger als zwei Monate dauern. Foto: Nurith Wagner-Strauss
Peter Hacker, Geschäftsführer des Fonds Soziales Wien fordert, dass Asylverfahren nicht länger als zwei Monate dauern. Foto: Nurith Wagner-Strauss

Peter Hacker, der Wiener Flüchtlingskoordinator, fordert im KOMPETENZ-Interview legale Arbeitsmöglichkeiten für Asylsuchende und kürzere Verfahren. Anstelle des Innenministeriums sollte ein aufgeschlossenes Familienministerium dafür zuständig sein.

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Sepp Eisenriegler, Autor und „Pionier der Ressourcenschonung“ Foto: Nurith Wagner-Strauss

Interview mit Sepp Eisenriegler: Pionier der Kreislaufwirtschaft

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Sepp Eisenriegler, Autor und „Pionier der Ressourcenschonung“ Foto: Nurith Wagner-Strauss
Sepp Eisenriegler, Autor und „Pionier der Ressourcenschonung“ Foto: Nurith Wagner-Strauss

Sepp Eisenriegler vom Reparatur- und Service-Zentrum im KOMPETENZ-Interview.

Das Interview führte Heike HausensteinerWeiterlesen

In den Niederlanden können Gewerkschaften auch Selbstständige mit organisieren, sagt Arbeits- und Sozialrechtsexperte Martin Risak von der Uni Wien im Interview. (Foto: Nurith Wagner-Stauss)

Interview mit Martin Risak: „Die Frage ist, wie die Früchte der Arbeit verteilt werden“

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In den Niederlanden können Gewerkschaften auch Selbstständige mit organisieren, sagt Arbeits- und Sozialrechtsexperte Martin Risak von der Uni Wien im Interview. (Foto: Nurith Wagner-Stauss)
In den Niederlanden können Gewerkschaften auch Selbstständige mit organisieren, sagt Arbeits- und Sozialrechtsexperte Martin Risak von der Uni Wien im Interview. (Foto: Nurith Wagner-Stauss)

Arbeits- und Sozialrechtsexperte Martin Risak von der Uni Wien bestätigt im Interview eine Risikoverlagerung zu immer mehr selbstständigen und dennoch abhängigen Erwerbstätigen.

KOMPETENZ: Die Arbeitsverhältnisse verändern sich, die prekäre Arbeit steigt. Bedeutet das auch mehr Ausbeutung?

Martin Risak: Seit den 80er Jahren merken wir die Tendenz Richtung atypische Arbeitsverhältnisse. Also die unproduktiven Zeiten gering zu halten. Das sehen wir an den Teilzeitarbeitsverhältnissen, wo die Arbeit verdichtet; oder bei den befristeten Arbeitsverhältnissen, wo der Kündigungsschutz wegfällt. Die Grundidee war: Ein Arbeitsverhältnis ist eine Vollzeitbeschäftigung, unbefristet, mit vollem sozialen Schutz. Dann ist das Normalarbeitsverhältnis erodiert. Wir haben Befristung, Teilzeit, Arbeitskräfteüberlassung. Der, für den ich arbeite, ist nicht unbedingt mein Vertragspartner. Ab 2000 haben wir eine massive Debatte über die Flexibilisierung innerhalb der Arbeitsverhältnisse: Es gibt einen 12-Stunden-Arbeitstag, verstärkt wird Gleitzeit eingesetzt. Jetzt kommen die Informations- und Kommunikationstechnologien dazu. Um ArbeitnehmerInnen effizienter einzusetzen und das Risiko für ArbeitgeberInnen noch geringer zu halten. Wenn man das als Ausbeutung bezeichnen möchte, dann wohl schon.

KOMPETENZ: Weil das Risiko verlagert wird.

Martin Risak: Die Frage ist, wie die Früchte der Arbeit verteilt werden. Wir erleben eine Risikoverlagerung zu den ArbeitnehmerInnen. Ursprünglich war das Risiko der UnternehmerInnen das Argument, weshalb sie besonders viel Geld verdienen.

KOMPETENZ: Das Risiko der freien ArbeitnehmerInnen ist doch ungleich höher?

Martin Risak: Es ist anders. Hier arbeiten Menschen unter Verwertung ihrer Arbeitskraft, weil sie nichts anderes zu verwerten haben. Ursache ist die Ungleichverteilung von Vermögen. Wenn es gleich verteilt wäre, könnten wir alle kleine unternehmerische Strukturen aufbauen, uns zusammenschließen, wären gleichberechtigt in einer Kapitalgesellschaft oder kooperativ in einer Genossenschaft. Bei unterschiedlichem Vermögen ist der Nimbus des Risikotragens geringer. Gefühlt ist es immer noch ein hohes Risiko, die Villa oder das fünfte Auto zu verlieren. Aber es ist nicht so existenziell wie für jemanden, der einen Teilzeitjob um 1000 Euro macht oder knapp an der Mindestsicherung schrammt und mehrere Kinder hat.

KOMPETENZ: Wie hält die Gesetzgebung mit den neuen Arbeitsformen mit?

Martin Risak: Österreich hat ein recht eng gewebtes Netz an Schutzbestimmungen für ArbeitnehmerInnen. Das kommt aus der Zwischenkriegszeit. Inzwischen hatten wir einen Wechsel zu mehr Dienstleistungen, wo auch massiv Wertschöpfung gemacht wird. Unser Schutzniveau ist hoch für eine Kerngruppe. An den Rändern wird es schwierig. Für kleine Selbstständige, etwa „WissensarbeiterInnen“. Diese Arbeitsleistungen konnten früher nicht ordentlich kontrolliert werden. Mittlerweile schaffen wir sogar hier eine super Kontrolldichte. Durch die Computerisierung. Drittens kommt die plattformbasierte Arbeit hinzu, wo außerhalb der klassischen Hierarchie des Unternehmens Arbeit organisiert wird.

KOMPETENZ: Konkret?

Martin Risak: Zum Beispiel bei Amazon oder Uber. Jemand schafft etwas an, und es wird kontrolliert, ob das eingehalten wird. Das gibt es sowohl in Industriebetrieben als auch in Dienstleistungsunternehmen. Die PackerInnen bei Amazon tragen Scanner an der Hand, die alle ihre Aktivitäten aufzeichnen. Die Plattformen setzen andere Mechanismen ein. Das eine ist die Crowd, die Menge derer, die zur Verfügung stehen. Dann wird ein Auftrag ausgeschrieben. Wobei virtuelle DienstleisterInnen aus Bangalore, Neuseeland oder Deutschland quasi gegeneinander antreten.

Man hat angenommen, die Wissensarbeit sei gegen die Auslagerung immun, weil das Produkt nicht so herumschiebbar ist. Jetzt geht das durch das Internet leichter, als ein T-Shirt auszulagern. Man kann die Röntgenbilder in Indien begutachten lassen, während wir hier schlafen. Also nicht mehr gute Qualifikation schützt uns davor, dass ein Auftrag ausgelagert wird – bis dato schützen uns Sprachbarrieren. Ab dem Zeitpunkt, wo wir eine sehr gute Übersetzungssoftware haben, ist auch dieser Schutzmechanismus abgebaut.

KOMPETENZ: Gibt es in Europa ein Best practice-Land, wo AuftragnehmerInnen und AuftraggeberInnen in den neuen Arbeitsformen ausreichend geschützt sind?

Martin Risak: Bei befristeter Beschäftigung, Teilzeitarbeit und Arbeitskräfteüberlassung gibt es einen europäischen Mindeststandard, den man sicherlich immer verbessern kann. Österreich ist richtig gut bei der flächendeckenden Sozialversicherung für alle, die eine Erwerbstätigkeit ausüben, unabhängig davon, ob sie Gewerbescheine haben oder nicht. Auf die neuen Selbstständigen hat Österreich verhältnismäßig früh reagiert. Was das plattformbasierte Arbeiten betrifft, gibt es noch nirgends Vorbilder. In den Niederlanden können Gewerkschaften auch Selbstständige mit organisieren und für sie Kollektivverträge abschließen. Das ist ein extremer Vorteil, von dem man sich etwas abschauen könnte. Am Ende haben ganz klar die Verhandlungsmacht jene, die die Aufträge vergeben. Selbstständige befinden sich in einem Wettbewerbsmodus. Angestellte ArbeitnehmerInnen haben im Lauf der Jahrhunderte gemerkt, dass eine gewisse Form der Solidarisierung ganz gut ist; hier haben besonders Gewerkschaften den Wettbewerbsgedanken aus den Köpfen herausgenommen.

KOMPETENZ: Werden die Normalarbeitsverhältnisse ganz verschwinden aus betriebswirtschaftlichen Gründen?

Martin Risak: Wir haben ein bipolares System von selbstständig und unselbstständig Erwerbstätigen. Die zeitlich und sonst flexiblen freien MitarbeiterInnen, die den ArbeitnehmerInnen gegenüber schlechter gestellt sind, befinden sich dazwischen. Entweder wir weiten den ArbeitnehmerInnen-Begriff aus oder wir finden eine Zwischenkategorie.

KOMPETENZ: Das wäre?

Martin Risak: Wir haben in Österreich „arbeitnehmerähnliche Personen“. In Italien, Ungarn oder anderen Ländern wird damit experimentiert, indem man sagt, diese Gruppe braucht wahrscheinlich nicht das ganze Spektrum an Schutz oder keine betriebsrätliche Vertretung. Ich bin mir da nicht so sicher. Warum sollen die wirtschaftlich abhängigen selbstständig Beschäftigten nicht auch Einblick in die wirtschaftliche Zukunft eines Unternehmens haben, für das sie arbeiten, um sich darauf einzustellen, wie es weiter geht?

KOMPETENZ: Sollten sich die Gewerkschaften stärker öffnen?

Martin Risak: Absolut. Ich weiß nicht, inwieweit es fürs Überleben der Gewerkschaften essentiell ist. Aber wenn der Schutzgedanke weitergefahren werden soll, ist das eine Gruppe, die abgeholt werden muss. Sie wird in der Wirtschaftskammer nicht vertreten. Die neuen Selbstständigen sind auch in der Arbeitnehmervertretung nicht wirklich repräsentiert.

Martin Risak ist außerordentlicher Universitätsprofessor am Institut für Arbeits- und Sozialrecht der Universität Wien.

Schafft Juncker das?

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Der neue EU-Kommissionspräsident Juncker ließ sozialere Töne verlauten als sein Vorgänger und hat ein umfassendes Wachstumspaket angekündigt.

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Wirtschaftsforscher Stephan Schulmeister (Bild: Nurith Wagner-Strauss)

Interview mit Stephan Schulmeister: Vermögenssteuer statt monetärer Transfers

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Wirtschaftsforscher Stephan Schulmeister (Bild: Nurith Wagner-Strauss)
Wirtschaftsforscher Stephan Schulmeister (Bild: Nurith Wagner-Strauss)

Zur Verbesserung der Verteilung und der Lebenschancen plädiert Wirtschaftsforscher Stephan Schulmeister im KOMPETENZ-Interview für einen stärkeren Sozialstaat.

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Die deutsche Datenschutzexpertin Herta Däubler-Gmelin rät zu einem sehr bewussten und vorsichtigen Umgang mit digitalen Medien. (Bild: Nurith Wagner-Strauss)

Interview mit Herta Däubler-Gmelin: Leben im digitalen Datenhaufen

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Die deutsche Datenschutzexpertin Herta Däubler-Gmelin rät zu einem sehr bewussten und vorsichtigen Umgang mit digitalen Medien. (Bild: Nurith Wagner-Strauss)
Die deutsche Datenschutzexpertin Herta Däubler-Gmelin rät zu einem sehr bewussten und vorsichtigen Umgang mit digitalen Medien. (Bild: Nurith Wagner-Strauss)

Die KOMPETENZ sprach mit Deutschlands Ex-Justizministerin und Grundrechte-Kämpferin Herta Däubler-Gmelin über Totalüberwachung und Datenschutz im digitalen Zeitalter.

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