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	<title>Ausgabe 2010/08 &#8211; KOMPETENZ-online</title>
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	<title>Ausgabe 2010/08 &#8211; KOMPETENZ-online</title>
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	<item>
		<title>Arbeitszeit für  Lebensqualität</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2010/12/13/arbeitszeit-fur-lebensqualitat/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andrea Rogy]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Dec 2010 12:02:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Arbeitszeit]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgabe 2010/08]]></category>
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					<description><![CDATA[Immer mehr Menschen wünschen sich mehr Lebensqualität und weniger Überstunden, während anderswo die Arbeitsplätze fehlen. Wie können wir unsere Zeitressourcen gerechter und innovativer verteilen? Das Thema Arbeitszeit ist zweischneidig: Die einen haben sozusagen zu viel davon und ersticken in – teils unbezahlten – Überstunden. Die anderen hätten gerne mehr davon, weil sie derzeit keinen Job [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div>
<figure id="attachment_7430" aria-describedby="caption-attachment-7430" style="width: 1697px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-full wp-image-7430" src="https://www.kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2010/12/Fotolia_40444517_M.png" alt="Foto: Jens, Fotolia" width="1697" height="1120" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2010/12/Fotolia_40444517_M.png 1697w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2010/12/Fotolia_40444517_M-150x99.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2010/12/Fotolia_40444517_M-300x198.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2010/12/Fotolia_40444517_M-768x507.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2010/12/Fotolia_40444517_M-1024x676.png 1024w" sizes="(max-width: 1697px) 100vw, 1697px" /><figcaption id="caption-attachment-7430" class="wp-caption-text">Foto: Jens, Fotolia</figcaption></figure>
<p><strong>Immer mehr Menschen wünschen sich mehr Lebensqualität und weniger Überstunden, während anderswo die Arbeitsplätze fehlen. Wie können wir unsere Zeitressourcen gerechter und innovativer verteilen?</strong></p>
<p><span id="more-501"></span></p>
</div>
<p>Das Thema Arbeitszeit ist zweischneidig: Die einen haben sozusagen zu viel davon und ersticken in – teils unbezahlten – Überstunden. Die anderen hätten gerne mehr davon, weil sie derzeit keinen Job haben. Eine gerechtere Verteilung der Arbeitszeit würde einerseits Arbeitsplätze schaffen und auf der anderen Seite stressgeplagte MitarbeiterInnen entlasten und ihnen Lebensqualität zurückgeben.</p>
<p><strong>Zu viele Überstunden<br />
</strong></p>
<p>Die österreichischen ArbeitnehmerInnen machen mehr Überstunden als der europäische Durchschnitt. Rund 732.000 Beschäftigte, also 21,1 Prozent aller unselbstständig Erwerbstätigen, leisteten 2009 in ihrer Haupttätigkeit Überstunden bzw. im Falle einer Teilzeitbeschäftigung Mehrstunden. Unter den Vollzeitbeschäftigten leisteten über 25 Prozent regelmäßig Überstunden. Durchschnittlich wurden 8,2 Überstunden pro Woche und Person erbracht, ein Viertel der geleisteten Überstunden blieb unentlohnt.</p>
<p>Obwohl vor allem Männer im hoch qualifizierten Bereich Zusammenhänge zwischen ihrer Arbeitszeitleistung und bestimmten beruflichen Möglichkeiten sehen, ist festzustellen, dass mit zunehmendem Arbeitszeitausmaß die Unzufriedenheit der Belegschaft wächst. Beschäftigte mit Überstunden sind mit ihrem Leben insgesamt, aber auch mit der beruflichen Tätigkeit, mit der Arbeitszeitgestaltung, mit dem Führungsstil, mit Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten und mit dem Einkommen subjektiv weniger zufrieden, als Beschäftigte ohne Überstunden.</p>
<p>75 Prozent der Vollzeitbeschäftigten, die regelmäßig Überstunden erbringen, wünschen sich eine Verkürzung der Arbeitszeit, ergab eine IFES-Befragung im Rahmen des Arbeitsklimaindex.</p>
<p><strong>Gestaltung der Arbeitszeit</strong></p>
<p>Hier sieht GPA-djp-Vorsitzender Wolfgang Katzian großen Handlungsbedarf: „Gerade in Zeiten, in denen der Druck auf die ArbeitnehmerInnen ständig zunimmt, in denen nach engen Budget-Richtlinien und strikten Zielvorgaben ge­arbeitet werden muss und ArbeitnehmerInnen immer später in Pension gehen können, ist die Gestaltung der Arbeitszeit eine zentrale Herausforderung.“ Denn bereits jede/r fünfte unselbstständig Erwerbstätige arbeitet unter Stress. Burn-out ist längst nicht mehr nur eine Krankheit der ManagerInnen, sondern kann alle ArbeitnehmerInnen treffen.</p>
<p>„Die Zeit für eine lebensphasenbezogene Arbeitszeitgestaltung ist gekommen“, verweist Katzian auf das erstmals 2007 präsentierte, visionäre „40-40-40 Modell der Arbeitszeitgestaltung“.</p>
<p><strong>Neues Arbeitszeitmodell</strong></p>
<p>Im Kern fordert das Modell mehr Zeit für Weiterbildung und lebenslanges Lernen, mehr Zeit für Gesundheitsvorsorge und weniger Überstunden. Dazu müsste auf der ersten Ebene eine Reduzierung der tatsächlich geleisteten Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden stattfinden. Überstunden, die außerhalb der üblichen Arbeitszeiten liegen, sind vor allem auch Karl Proyer, Kollektivvertrags-Chefverhandler der GPA-djp, ein Dorn im Auge: „Abend-, Nacht- oder Wochenendarbeit halte ich hinsichtlich ihrer gesundheitlichen und sozialen Auswirkungen für problematisch. Hier gilt es, die betrieblichen Kosten für Überstunden zu erhöhen.“</p>
<p>Die zweite Ebene wäre eine langfristige Verkürzung der Jahresarbeitszeit auf 40 Wochen. „Neben sechs Wochen Erholungsurlaub hält die Gewerkschaft jeweils zwei Wochen pro Jahr für Bildungsaktivitäten und Gesundheitsvorsorge für angemessen“, konkretisiert Wolfgang Katzian. Hier geht es nicht um eine bloße Verlängerung des Urlaubes, sondern um gezielte Handlungen, die eine längere aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen: durch ein Mehr an Freizeit, Gesundheits-Zeit und Bildungs-Zeit.</p>
<p>Auf der dritten Ebene der Lebensarbeitszeit bedeuten 40 Arbeitsjahre in der Praxis, die Dauer der Erwerbsarbeitsfähigkeit zu verlängern bzw. die Anzahl der gesunden Jahre in Beschäftigung zu erhöhen.<br />
Arbeitszeitmodell schafft Arbeitsplätze<br />
„Durch eine derartige Umverteilung der Arbeit würden mehr Personen Beschäftigung finden“, erläutert Karl Proyer die Vorteile des Modells. Denn die deutliche Verkürzung der Jahresarbeitszeit könne nicht mehr einfach über eine Verdichtung der Arbeit, sondern nur über zusätzliche MitarbeiterInnen kompensiert werden. Die längeren Erholungszeiten würden die Krankenstände reduzieren und die Zahl der krankheitsbedingten Pensionen deutlich verringern. Das wiederum würde die Pensions- und Arbeitslosenversicherung und damit die öffentlichen Haushalte finanziell entlasten.</p>
<p><strong>Work-Life-Balance</strong></p>
<p>„Das gewerkschaftliche Modell zur Arbeitszeitverkürzung schafft eine gute Balance zwischen Arbeit und Freizeit – das hilft dabei, die Arbeitsleistung zu steigern und stressbedingte Krankheiten wie Burn-out zu vermeiden“, betont auch Wolfgang Katzian.</p>
<p>Auch die Lage der Arbeitszeit spielt dabei eine wichtige Rolle. „Es erhöht die Lebensqualität der ArbeitnehmerInnen entscheidend, wenn die Arbeitszeiten mit den eigenen Bedürfnissen in Einklang gebracht werden können“, so Katzian. Die Zufriedenheit mit der Arbeit steige, wenn genügend Zeit für sportliche oder kulturelle Aktivitäten, die Familie und notwendige Arztbesuche bliebe. „Müssen persönliche Bedürfnisse über einen längeren Zeitraum unfreiwillig zurückgeschraubt werden, so gerät die Work-Life-Balance in eine Schieflage und wirft einen dunklen Schatten auf die Arbeitszufriedenheit und eventuell auch auf die Leistung.“</p>
<p>Vor allem jungen ArbeitnehmerInnen ist eine ausgewogene Mischung zwischen beruflicher Herausforderung und privater Rückzugsmöglichkeit oft wichtiger als Karriere und Geld.</p>
<p><strong>Politik der kleinen Schritte<br />
</strong></p>
<p>Claudia Kral-Bast, Leiterin der Abteilung Arbeit und Technik in der GPA-djp hält die Diskussion über das Thema für wichtig und fruchtbar. „Innovative Arbeitszeitmodelle werden selten von heute auf morgen durchgesetzt“, ist die Expertin überzeugt. Eine intensive öffentliche Diskussion kann jedoch eine längerfristige Änderung der Rahmenbedingungen und eine etappenweise Umsetzung in den Betrieben bewirken.</p>
<p>Veränderungen bei der Jahresarbeitszeitgestaltung sind für Kral-Bast ein Weg der kleinen Schritte. Auf dem Weg zu einer sechsten Urlaubswoche pro Jahr steht die Forderung nach einer Pufferzone bei der übers Jahr verteilten Arbeitszeit: etwa der Rechtsanspruch auf eine Art „Gesundheitswoche“, die für präventive Behandlungen genutzt werden kann. Oder der Anspruch auf eine Woche Bildungsfreistellung pro Jahr. Diese Zeit für Bildung wurde im Kollektivvertrag der Elektroindustrie und im Kollektivvertrag für außeruniversitäre Forschung bereits verankert, und auch für den Handels-Kollektivvertrag wird sie von der GPA-djp gefordert.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Handelskollektivvertrag: Engagement hat sich gelohnt</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2010/12/10/kollektivvertrag-handel-engagement-hat-sich-gelohnt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Martin Panholzer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 10 Dec 2010 10:35:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2010/08]]></category>
		<category><![CDATA[Kollektivvertrag]]></category>
		<category><![CDATA[Gehaltserhöhung]]></category>
		<category><![CDATA[Handel]]></category>
		<category><![CDATA[Lehrling]]></category>
		<category><![CDATA[Lohnerhöhung]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Panholzer]]></category>
		<category><![CDATA[Mindestlohn]]></category>
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					<description><![CDATA[Nach insgesamt sechs intensiven Verhandlungsrunden konnte Ende November für die etwa 450.000 Angestellten im Handel ein Abschluss erzielt werden. Die Gehälter steigen je nach Gehaltsgruppe zwischen 2,0 und 2,3 Prozent. Zentrale Forderungen der großen Beschäftigtenbefragung konnten durchgesetzt werden: So gilt künftig ein Mindestgrundgehalt von 1.300 Euro für Vollzeitbeschäftigte. Bei fehlenden oder unvollständigen Arbeitszeitaufzeichnungen können offene [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="557" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/10/IMG_0307-Kopie-1024x557.png" alt="" class="wp-image-14979" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/10/IMG_0307-Kopie-1024x557.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/10/IMG_0307-Kopie-300x163.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/10/IMG_0307-Kopie-150x82.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/10/IMG_0307-Kopie-768x418.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/10/IMG_0307-Kopie.png 1500w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Demo Handel am 17. November 2010</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Nach insgesamt sechs intensiven Verhandlungsrunden konnte Ende November für die etwa 450.000 Angestellten im Handel ein Abschluss erzielt werden.</strong></p>



<span id="more-490"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gehälter steigen je nach Gehaltsgruppe zwischen 2,0 und 2,3 Prozent. Zentrale Forderungen der großen Beschäftigtenbefragung konnten durchgesetzt werden: So gilt künftig ein Mindestgrundgehalt von 1.300 Euro für Vollzeitbeschäftigte. Bei fehlenden oder unvollständigen Arbeitszeitaufzeichnungen können offene Ansprüche ab 1.1.2011 bis zu zwölf Monaten nach Fälligkeit geltend gemacht werden, bisher waren das nur sechs Monate.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Abschluss stellt besonders für die unteren Gehaltsgruppen, darunter viele Frauen, ein wichtiges Ergebnis dar. Die GPA-djp wird nun noch in diesem Jahr gemeinsam mit den Tausenden BetriebsrätInnen im Handel für die Angestellten eine flächendeckende Informationskampagne zur richtigen Einstufung und richtigen Anrechnung der Berufsjahre starten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Verbesserungen für Lehrlinge</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Verbesserungen bringt der neue Kollektivvertrag auch für die Lehrlinge im Handel. „Trotz der zuerst ablehnenden Haltung der Arbeitgeber ist es uns gelungen, herzeigbare Verbesserungen für die rund 17.000 Lehrlinge durchzusetzen. Sie bekommen nicht nur 2,3 Prozent&nbsp;mehr Lehrlingsentschädigung, sondern auch eine Prämie von 100 Euro für einen guten Erfolg und von 150 Euro für einen ausgezeichneten Erfolg bei der Lehrabschlussprüfung“, freut sich GPA-djp-Bundesjugendsekretär Helmuth Gotthartsleitner.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Kahlschlag bei der außeruniversitären Forschung</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2010/12/10/kahlschlag/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jörg Flecker]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 10 Dec 2010 09:19:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2010/08]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsplätze]]></category>
		<category><![CDATA[Budgetkürzungen]]></category>
		<category><![CDATA[Einsparungen]]></category>
		<category><![CDATA[Forschung]]></category>
		<category><![CDATA[Jörg Flecker]]></category>
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					<description><![CDATA[Sparprogramm. Die „Strukturbereinigung“ in der außeruniversitären Forschung ist verschleierte Geldbeschaffung für die Industrie und bedeutet das Aus für viele international erfolgreiche Institute. Hunderte Arbeitsplätze sind durch den Finanzierungsstopp für die außeruniversitäre Forschung unmittelbar gefährdet. Mittelfristig geht es um die Existenz von über 50 Forschungsinstituten. Was von der Wissenschaftsministerin und vom Finanzminister mit „Strukturbereinigung“ und „Budgetkonsolidierung“ [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><figure id="attachment_2828" aria-describedby="caption-attachment-2828" style="width: 900px" class="wp-caption alignnone"><img decoding="async" class="size-full wp-image-2828" src="https://www.kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2015/06/IMG_4042.png" alt="Der Soziologe Jörg Flecker wird auf der GPA-djp-Betriebsrätekonferenz am 15. Juni zum Thema „Die Bedeutung der Arbeitszeitpolitik in der Beschäftigungskrise“ referieren. © Robert Wittek" width="900" height="600" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2015/06/IMG_4042.png 900w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2015/06/IMG_4042-300x200.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2015/06/IMG_4042-768x512.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2015/06/IMG_4042-720x480.png 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2015/06/IMG_4042-272x182.png 272w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px" /><figcaption id="caption-attachment-2828" class="wp-caption-text">Jörg Flecker © Robert Wittek</figcaption></figure></p>
<p>Sparprogramm. Die „Strukturbereinigung“ in der außeruniversitären Forschung ist verschleierte Geldbeschaffung für die Industrie und bedeutet das Aus für viele international erfolgreiche Institute.</p>
<p><span id="more-470"></span></p>
<p>Hunderte Arbeitsplätze sind durch den Finanzierungsstopp für die außeruniversitäre Forschung unmittelbar gefährdet. Mittelfristig geht es um die Existenz von über 50 Forschungsinstituten. Was von der Wissenschaftsministerin und vom Finanzminister mit „Strukturbereinigung“ und „Budgetkonsolidierung“ begründet wird, ist eine Verschiebung von Steuergeld zu den Großunternehmen. Denn zugleich wird die Forschungsprämie erhöht, die nur etwa 30 Unternehmen zugute kommt. Das kostet voraussichtlich 80 Mio. Euro zusätzlich pro Jahr. Der außeruniversitären Forschung werden alles in allem 20 Mio. Euro pro Jahr entzogen.</p>
<p>Die überfallsartige Streichung der Förderungen für unabhängige wissenschaftliche Einrichtungen zerstört über lange Jahre aufgebaute Forschungskapazitäten, die einen wichtigen Beitrag zur österreichischen Forschung leisten, für die Einbindung Österreichs in die internationale Wissenschaft sorgen und unverzichtbare Grundlagen für Politik liefern. Erschreckend daran ist, dass die Entscheidung ohne forschungspolitische Überlegungen, ohne Evaluierung der Einrichtungen und ohne Schwerpunktsetzung erfolgte. Für die als Ausweg vorgeschlagene Eingliederung in die Universitäten sind keine Mittel vorgesehen, daher ist sie für die Universitäten in der gegenwärtigen Lage nicht machbar – ganz abgesehen von der Frage, in welchen Fällen das überhaupt sinnvoll wäre. Denn viele Institute sind ja gerade deshalb entstanden, weil die Universitäten für ihre Forschung nicht die passenden Organisationen sind.</p>
<p><strong>EU-Förderungen weg</strong></p>
<p>Neben der Basisförderung werden auch die Anbahnungsfinanzierung für EU-Projekte und die Ko-Finanzierung dieser Projekte gekappt. Die relativ geringen Mittel für alle diese Förderungen wirkten als Hebel, die Institute konnten sie nämlich durch erfolgreiches Einwerben von Projektmitteln v. a. von der EU vervielfachen. Dadurch entstanden Arbeitsplätze in Österreich, und junge WissenschafterInnen erhielten die Möglichkeit, Erfahrungen in der internationalen Forschung zu sammeln.</p>
<p>Im 7. Rahmenprogramm wurden allein im sozialwissenschaftlichen Teil bisher insgesamt zehn Millionen Euro an Forschungsmitteln nach Österreich zurückgeholt. Zwei Drittel (!) davon von außeruniversitären Einrichtungen. Nimmt man nur jene Institute, die jetzt ihre Basisförderung verlieren sollen, bewirkten diese allein einen Mittelrückfluss in der Höhe von fünf Millionen (bei Basisförderungen in der Höhe von – in Summe – wenigen Hunderttausend). Das ist nur ein kleines Beispiel, weil die anderen, größeren Programme und Disziplinen noch dazu kommen. In Zukunft werden diese Erfolge nicht mehr möglich sein, der Hebel wird mutwillig zerbrochen. Die Ko-Finanzierungen für die Landwirtschaft wurden hingegen nicht einmal gekürzt, damit „kein Geld in Brüssel liegen bleibt“. Sind Forschungsmittel schlechteres Geld? Wie war das noch mit der Wissensgesellschaft, mit der Notwendigkeit, hochqualifizierte Arbeitsplätze zu schaffen?</p>
<p><strong>Basisfinanzierung</strong></p>
<p>Die 1991 gegründete <a href="http://www.forba.at" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (öffnet in neuem Tab)">Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt </a>(FORBA) in Wien ist eines der Institute, die von der Streichung der Basisfinanzierung betroffen sind. Es ist als einziges der österreichischen Universitäts- oder Forschungsinstitute auf Arbeitsforschung spezialisiert und in hohem Maße international ausgerichtet. Mit seinen 22 Beschäftigten ist FORBA fest in der EU-Forschung verankert, vertritt Österreich in ExpertInnen-Netzwerken der EU-Kommission und berichtet in renommierten europäischen Observatorien über Österreich.</p>
<p>Ohne Basis-, Anbahnungs-, und Ko-Finanzierung sind weder die aufwendige Entwicklung, noch die Durchführung von EU-Projekten leistbar, da die Kommission Projekte nur zu 75 Prozent finanziert. Aber auch die österreichische Forschungsfinanzierung deckt nicht alle Kosten von Projekten. Derzeit laufen bei FORBA Projekte mit Förderung des FWF bzw. des Jubiläumsfonds der Nationalbank. Da die Gemeinkosten und die tatsächlichen Personalkosten dabei nicht abgedeckt werden, braucht es Eigenmittel des Instituts, die ohne Basisförderung nicht da sind. Das zeigt: Überall dort, wo wir uns bei harter Konkurrenz mit höchster wissenschaftlicher Qualität bewährt haben, sind wir nach einer Streichung der Basisförderung ausgeschlossen.</p>
<p><strong>Auftragsforschung</strong></p>
<p>Aber es geht auch um die Qualität der Auftragsforschung für Ministerien, <a href="http://www.arbeiterkammer.at" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="AK (öffnet in neuem Tab)">AK</a>, Gewerkschaften und AMS. Bei solchen politikrelevanten Studien werden theoretische Zugänge, Konzepte, Methoden, Literaturkenntnisse und Kontakte genutzt, die in eher akademischen wissenschaftlichen Arbeiten gewonnen wurden. Die Auftragsforschung finanziert ihre Voraussetzungen und Grundlagen nicht selbst. Auch hier ist für Qualität und Nachhaltigkeit eine Grundausstattung erforderlich.</p>
<p>Dass es nicht um Forschungspolitik, sondern um Geldbeschaffung für andere Zwecke geht, lässt sich daran ablesen, dass erst im Vorjahr noch Kriterien für die Beurteilung der außeruniversitären Forschungseinrichtungen erarbeitet wurden, mit dem Ziel, Leistungsvereinbarungen abzuschließen und die Förderungen davon abhängig zu machen. Das Vorhaben wurde aber nicht umgesetzt, die Kriterien kamen nie zur Anwendung. Die zitierte „Strukturbereinigung“ ist nichts als eine Ausrede, die nach der Ankündigung der Streichungen nachgeschoben wurde.</p>
<p><strong>Protest</strong></p>
<p>An der forschungspolitisch völlig unverständlichen Entscheidung der Regierung gibt es zum Glück massive Kritik. Schon ungefähr 20.000 BürgerInnen haben sich auf der Plattform Wissen:schafft:Österreich gegen den Kahlschlag in der Forschung ausgesprochen. GPA-djp, <a href="http://www.oegb.at" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="ÖGB (öffnet in neuem Tab)">ÖGB</a> und AK unterstützen die ForscherInnen. Auch der Rat für Forschung und Technologieentwicklung spricht sich deutlich gegen die Vorgangsweise der Ministerin aus. Es ist zu hoffen, dass dieser Widerstand Wirkung zeigt und die Forschung in Österreich doch eine Zukunft hat.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Ausgebrannt und müde</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2010/12/09/ausgebrannt-und-mude/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kompetenz Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Dec 2010 14:16:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2010/08]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsbelastung]]></category>
		<category><![CDATA[Burn-out]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
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					<description><![CDATA[Burn-out. Auf einmal wird der Alltag zum Albtraum, der Beruf  zur Qual und jede Aufgabe zu einer enormen Belastung. Ein Erfahrungsbericht. Du und Burn-out? Nein, du bist doch intelligent. Hast du das nicht kommen sehen?“ war die Reaktion einer Journalisten-Kollegin. Nein, ich sah es nicht kommen. Die Burn-out-Spirale begann sich zu drehen, als ich in [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/11/70420113-1024x683.png" alt="" class="wp-image-15548" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/11/70420113-1024x683.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/11/70420113-300x200.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/11/70420113-150x100.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/11/70420113-768x512.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/11/70420113-600x400.png 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/11/70420113-720x480.png 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/11/70420113-272x182.png 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/11/70420113.png 1500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Foto: Fotolia</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Burn-out. Auf einmal wird der Alltag zum Albtraum, der Beruf  zur Qual und jede Aufgabe zu einer enormen Belastung. Ein Erfahrungsbericht.</strong></p>



<span id="more-454"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Du und Burn-out? Nein, du bist doch intelligent. Hast du das nicht kommen sehen?“ war die Reaktion einer Journalisten-Kollegin. Nein, ich sah es nicht kommen. Die Burn-out-Spirale begann sich zu drehen, als ich in der Arbeit sehr motiviert war. Dann habe ich meine eigenen Bedürfnisse, mein Privatleben und meine Hobbys vernachlässigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Fehlende Anerkennung</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Oft habe ich mir in den letzten Monaten die Frage gestellt, wie alles begann. Am Arbeitsplatz fehlte es an Anerkennung. Der Chef ein Rechthaber, der kein Feedback wollte und Mitarbeiterführung nur vom Hörensagen kannte. Die letzte Gehaltserhöhung lag Jahre zurück, die Aufstiegsmöglichkeiten bei Null, dafür wuchs der Stress mit jedem Tag ein bisschen mehr. Proportional dazu verringerte sich die Zeit für Recherche und Redigieren, und das Schreiben wurde von Quantität und nicht von Qualität beherrscht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Interviewkoordination, Abgabetermine, Zeitdruck, Großraumbüro und Hektik. Stress gehört wohl zum Journalismus. Aber Stress ist nicht gleich Burn-out. Diese Phase kommt erst, wenn die Unternehmenskultur und die Vorgesetzten „mitspielen“. Burn-out ist eine Krankheit, die auf Managementfehler, auf schlechte Mitarbeiterführung und überforderte Chefs schließen lässt. Dies ist auch der zentrale Unterschied zu einer „klassischen“ Depression.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ungleichgewicht</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein wesentlicher Faktor, um in ein Burn-out zu rutschen, ist auch das Fehlen eines Ausgleichs. Ich wollte beweisen, dass ich all die beruflichen Stressfaktoren verändern kann. Wenn ich mehr arbeite, noch mehr recherchiere, Wochenenddienste mache, dann muss doch einfach die Anerkennung kommen, die mir zusteht. Und natürlich auch das Geld. Doch das war leider nicht der Fall.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Entschädigung will man seiner Familie noch mehr Zeit und Aufmerksamkeit widmen. Dabei vergaß ich noch weiter auf mich selbst. Und irgendwann sagte der Körper dann dem Geist, dass es nun einfach nicht mehr geht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich vergaß Termine und Namen – für einen Journalisten eine echte Tragödie – war schlecht gelaunt, müde, abgespannt und verzweifelt. Einige Monate konnte ich noch arbeiten, aber dann war das Ende erreicht. Es folgten zahlreiche Arztbesuche, Therapeutentermine, Anti-Depressiva und ein Kampf und Krampf über Monate, um endlich wieder arbeiten zu können.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Komplett aussteigen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine wesentliche Besserung trat erst ein, als ich nicht mehr an die Arbeit dachte. Mich komplett aus allem herausgenommen hatte, keine E-Mails mehr las und keine Telefonate mehr führte. Vier Monate ohne Arbeit, drei Wochen Kur, in der es nur um mich und meinen Körper ging, große Unterstützung von Seiten der Familie und Freunde. All dies hat mir geholfen aus der Burn-out-Spirale herauszukommen. Ich habe mich neu entdeckt, weiß jetzt um meine Grenzen und Wünsche und habe neue Ziele und Pläne. Es geht mir wieder gut.</p>
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			</item>
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		<title>Ohne Therapie?</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2010/12/09/ohne-therapie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Resei]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Dec 2010 15:14:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2010/08]]></category>
		<category><![CDATA[Kollektivvertrag]]></category>
		<category><![CDATA[Budgetkürzungen]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Resei]]></category>
		<category><![CDATA[Einsparungen]]></category>
		<category><![CDATA[Psychosoziale Dienste]]></category>
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					<description><![CDATA[Oberösterreich kürzt bei sozialen Einrichtungen]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="731" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/10/pexels-rfstudio-3817675-1024x731.png" alt="" class="wp-image-14974" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/10/pexels-rfstudio-3817675-1024x731.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/10/pexels-rfstudio-3817675-300x214.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/10/pexels-rfstudio-3817675-150x107.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/10/pexels-rfstudio-3817675-768x548.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/10/pexels-rfstudio-3817675.png 1500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Foto: RF_STudio, Pexels</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Oberösterreich kürzt bei sozialen Einrichtungen</strong></p>



<span id="more-439"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Gerda S., 45, litt an einer schizoaffektiven Psychose. Ihr Leben schwankte zwischen manischen Phasen und Depressionen. Mehrere Klinikaufenthalte folgten, Gerda S. wurde Frühpensionistin und suchte Hilfe beim Krisen- und Beratungszentrum Linz. Ihre Therapeutin begleitete sie durch Krisenzeiten, brachte Stabilität und half Gerda S., auf Signale ihrer Krankheit zu achten. So sehr, dass Gerda S. wieder arbeiten konnte. „Sie hat wieder einen Sinn im Leben gefunden, hat es wieder geschafft, ein selbstbestimmtes Leben zu führen“, erzählt Bettina Hofwartner, Betreuerin des&nbsp; Krisen- und Beratungszentrums Linz. Für Gerda S. und ihre Familie bedeutet das einen enormen Gewinn an Lebensqualität in bloß drei Jahren. „Wenn wir eine Person betreuen, wirkt sich das ja auch auf die Familie aus. Oft bedeutet das eine Entlastung für fünf bis zehn Personen“, merkt Erwin Puttinger, Leiter des Krisen- und Beratungszentrums Linz an.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Massive Budgetkürzungen</strong></h4>



<p class="wp-block-paragraph">Allein 2009 wurden in ganz Oberösterreich 16.000 KlientInnen von Beratungseinrichtungen betreut, plus Familie sind das 80.000 Menschen, die von der Betreuung profitieren. Doch mit dem 1.1.2011 wird das Budget um ein ganzes Drittel gekürzt. Mit diesen enormen Einschnitten müssen nun&nbsp; psychosoziale Beratungsstellen, der Psychosoziale Notdienst, aber auch Betreuungseinrichtungen wie „Kunst und Kultur“ in Oberösterreich leben. 88 von 170 MitarbeiterInnen, die in diesem Bereich beschäftigt sind, sind beim Arbeitsmarktservice zur Kündigung angemeldet: Die meisten der betroffenen ArbeitnehmerInnen sind bei <a href="http://www.pmooe.at/" aria-label="pro mente">pro mente </a>beschäftigt, dem Trägerverein, der die meisten Beratungsstellen betreibt. Aber auch andere Vereine wie&nbsp; <a href="http://www.exitsozial.at/" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="EXIT-sozial&nbsp; (öffnet in neuem Tab)">EXIT-sozial&nbsp; </a>und <a href="http://www.arcus-sozial.at/" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="ARCUS Sozialnetzwerk (öffnet in neuem Tab)">ARCUS Sozialnetzwerk </a>im Oberen Mühlviertel sind betroffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Am 29. Oktober wurden wir informiert, dass es ab 1. Jänner 33 Prozent weniger Budget gibt“, berichtet Zentralbetriebsrat Martin Herzberger von pro mente OÖ. Die Geschäftsführungen der betroffenen Vereine wehren sich mit einer Petition gegen die Einsparungen, die man auf der Internetseite von pro mente OÖ unterschreiben kann (siehe Kasten). Doch Landeshauptmann Josef Pühringer, der auch für das Gesundheits- und Finanzressort zuständig ist, verweigert das Gespräch. Herzberger will sich mit der Belegschaft gegen die Kürzungen wehren. Auf einer Betriebsversammlung wurden bereits gewerkschaftliche Kampfmaßnahmen beschlossen.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Psychosozialer Notdienst</strong></h4>



<p class="wp-block-paragraph">Denn von den Einsparungen sind auch Menschen betroffen, die dringende unbürokratische Hilfe benötigen. Etwa, wenn sie verzweifelt sind und den Psychosozialen Notdienst anrufen. „Wir sind rund um die Uhr für Menschen in akuten Krisensituationen erreichbar“, sagt Monika Czamler, Leiterin des Psychosozialen Notdienstes Oberösterreich. In einigen Bezirken sind sogar Hausbesuche möglich und gemeinsam mit dem Roten Kreuz werden Menschen nach traumatischen Erlebnissen betreut. Weil das Angebot so gut angenommen wird, dachte die Politik noch im Frühjahr daran, den Beratungsbereich zu erweitern. Stattdessen entschied das Land nun für Einsparungen. Die Aufgabe des Psychosozialen Notdienstes ist es, nicht nur vor Ort die Krise zu mindern, sondern auch weitere Schritte zu setzen, etwa die Vermittlung an Beratungseinrichtungen, die den Klienten langfristig betreuen können. Doch dies wird ab Jänner schwieriger werden, da beim Personal eingespart werden muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kunst als Therapie<br>
</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre ärgsten persönlichen Krisen hat Brigitte S. inzwischen überwunden, seit Jahren besucht sie nun eine Einrichtung, die sie in ihrer Therapie begleitet: Das <a href="http://www.kuk-linz.at/frames.htm" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="kuk Linz (öffnet in neuem Tab)">kuk Linz </a>(Kunst und Kultur). Die ehemalige Zahnarzthelferin malt, singt und übt für Schauspielrollen in diesen Räumlichkeiten. „Ich habe ein Bild sogar nach Dänemark verkauft“, freut sie sich. In der Aufführung „Harold and Maude“, im vorigen November spielte sie sogar die Hauptrolle. „Endlich kann ich meine Gefühle ausdrücken“, sagt sie, die auch heute noch manchmal unter schweren Depressionen leidet. „Hier habe ich das erste Mal Selbstwert bekommen und andere Menschen haben mir gesagt, dass ich etwas sehr gut kann“, erzählt sie. Im kuk arbeiten Menschen mit besonderen psychosozialen Bedürfnissen gemeinsam mit&nbsp; Künstlern an Bildern, Videos, Theaterstücken und Tanzaufführungen. Das kuk-Theater genießt einen guten Ruf. „Wir haben vor vier Jahren den Bühnenkunstpreis des Landes Oberösterreich bekommen“, berichtet der Leiter des kuk, Jürgen Heib. Durch Kunst soll eine&nbsp; Brücke zur „normalen“ Gesellschaft gebaut werden. Das Sparpaket trifft hart, sieben Stellen müssen gestrichen werden. „Wir sind wütend, dass unsere jahrelange Arbeit missachtetet wird. Denn gerade in der Kunst lässt sich das Außerhalb-der-gängigen-Norm-sein oft in eine produktive Kraft umsetzen“, beschwert sich Jürgen Heib.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Einrichtungen von pro mente werden meist von Menschen genutzt, die verzweifelt sind. Sie können sich selbst keine Therapie finanzieren und besonders für Bewohner in ländlichen Regionen gibt es kaum andere Anlaufstellen bei psychischen Problemen. „Dieses Belastungspaket betrifft vor allem jene, die nichts haben und sich schwer wehren können“, zieht Betriebsrat Martin Herzberger verärgert Bilanz.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Integrationshaus: Pionierarbeit</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2010/12/09/pionierarbeit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexia Weiss]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Dec 2010 12:54:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Arbeitsmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgabe 2010/08]]></category>
		<category><![CDATA[Alexia Weiss]]></category>
		<category><![CDATA[Andrea Eraslan-Weninger]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Asyl]]></category>
		<category><![CDATA[Flüchtlinge]]></category>
		<category><![CDATA[Integration]]></category>
		<category><![CDATA[Integrationshaus]]></category>
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					<description><![CDATA[Andrea Eraslan-Weninger leitet das Wiener Integrationshaus und geht mit der Politik hart ins Gericht: Die Situation für Asyl­suchende habe sich in den vergangenen Jahren dramatisch verschärft. Ein sicheres Dach über dem Kopf haben hier 110 AsylwerberInnen und Flüchtlinge: im Integrationshaus in Wien-Leopoldstadt. 20 Minderjährige, die alleine nach Österreich gekommen sind, werden hier rund um die [&#8230;]]]></description>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/10/KOM_08_10_Integration_8092-1024x683.png" alt="" class="wp-image-14853" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/10/KOM_08_10_Integration_8092-1024x683.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/10/KOM_08_10_Integration_8092-300x200.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/10/KOM_08_10_Integration_8092-150x100.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/10/KOM_08_10_Integration_8092-768x512.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/10/KOM_08_10_Integration_8092-600x400.png 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/10/KOM_08_10_Integration_8092-720x480.png 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/10/KOM_08_10_Integration_8092-272x182.png 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/10/KOM_08_10_Integration_8092.png 1500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption><strong>Andrea Eraslan-Weninger</strong> mit jungen Asylsuchenden<br>Foto: Nurith Wagner-Strauss</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Andrea Eraslan-Weninger leitet das Wiener Integrationshaus und geht mit der Politik hart ins Gericht: Die Situation für Asyl­suchende habe sich in den vergangenen Jahren dramatisch verschärft.</strong></p>



<span id="more-426"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Ein sicheres Dach über dem Kopf haben hier 110 AsylwerberInnen und Flüchtlinge: im <a href="http://www.integrationshaus.at/" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="Integrationshaus (öffnet in neuem Tab)">Integrationshaus </a>in Wien-Leopoldstadt. 20 Minderjährige, die alleine nach Österreich gekommen sind, werden hier rund um die Uhr betreut. Bürokratie wird dabei klein geschrieben. Geschäftsführerin Andrea Eraslan-Weninger geht es um die Menschen: die, welche hier ein vorübergehendes Zuhause gefunden haben, jene, die hierherkommen, um Deutsch zu lernen oder sich weiterzubilden.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Interkulturelle Arbeit</strong></h4>



<p class="wp-block-paragraph">Eraslan-Weninger, geboren 1959 in Niederösterreich, ist so etwas wie eine Pionierin im Bereich der Integrationsarbeit. Als sie an der Sozialakademie studierte, war Integration kein Thema. Ihr Praktikum absolvierte sie damals in der Flüchtlingsbetreuung – auch das ist eine Ausnahme. Wie das ist, hier in der Fremde zu sein, damit kam sie zum ersten Mal in der Mittelschule in Berührung. Einige ihrer Freunde stammten nicht aus Österreich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den Beruf stieg sie 1980 bei der Magistratsabteilung 12 der <a href="http://www.wien.gv.at/sozialinfo/content/de/10/DirectoryDetail.do?liid=18" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="Stadt Wien (öffnet in neuem Tab)">Stadt Wien </a>ein. Drei Jahre später wechselte sie zum <a href="http://www.migrant.at/" aria-label="Beratungszentrum für MigrantInnen">Beratungszentrum für MigrantInnen</a>. Dieses hieß damals allerdings noch anders: „Verein zur Betreuung von AusländerInnen“. Den negativen Beigeschmack erhielt der Begriff Ausländer ihrer Erinnerung nach Anfang der Neunzigerjahre. „Das war schon vor dem Ausländervolksbegehren der FPÖ.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen hatte auch die Sozialakademie die Zeichen der Zeit erkannt. Von 1990 bis 1994 lehrte Eraslan-Weninger hier zu den Themenbereichen Migration und Flucht sowie interkulturelle Arbeit. Noch war dies ein ergänzendes Unterrichtsangebot. „Heute ist es ein ganz wesentlicher Punkt – nicht nur in der Sozialarbeiterausbildung, auch an den Pädagogischen Hochschulen, in den Gesundheitsberufen. Wir brauchen interkulturelle Arbeit in allen Bereichen. Das heißt aber auch: Menschen mit Migrationshintergrund müssen als Unterrichtende eingesetzt werden. Derzeit ist das nur in Einzelfällen so.“</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Traumatisierte Menschen</strong></h4>



<p class="wp-block-paragraph">1994 wurde dann in Wien das Integrationshaus gegründet. Seit damals ist Eraslan-Weninger Geschäftsführerin. Die Einrichtung deckt verschiedenste Bedürfnisse ab: einerseits werden hier AsylwerberInnen betreut, die traumatisiert sind, oft auch alleinerziehend, die psychisch und physisch krank sind. Viele von ihnen verbringen einige Jahre im Haus: die Asylverfahren sind lange, die Mittel im Rahmen der Grundversorgung gering. „Man bekommt nicht einmal 50 Prozent der Mindestsicherung. Und seit 2004 hat es hier keine Valorisierung gegeben“, kritisiert die Expertin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Betreut werden im Integrationshaus auch unbegleitete minderjährige AsylwerberInnen. Sie sind oft nicht nur durch die Erlebnisse in ihrer Heimat traumatisiert – ihnen hat auch die Flucht schwer zugesetzt. „Sie haben einen besonders hohen psychischen und physischen Betreuungsbedarf.“ 85 angestellte sowie 30 freie MitarbeiterInnen sind im Integrationshaus darum bemüht, ihnen und allen anderen betreuten AsylwerberInnen dabei zu helfen, in Österreich eine neue Existenz aufzubauen – und das in insgesamt 45 Sprachen.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Beratung und Lernen</strong></h4>



<p class="wp-block-paragraph">Dazu gehört auch eine psychosoziale Beratungsstelle, die nicht nur von im Haus lebenden AsylwerberInnen genutzt werden kann. Im vergangenen Jahr machten 1.400 Personen von diesem Angebot Gebrauch. Doch auch die Bildungsarbeit wird im Integrationshaus groß geschrieben. Hier kann man Deutsch lernen, hier kann man Schulabschlüsse nachholen oder neue Qualifikationen erwerben. 1.200 Kursplätze stehen hier zur Verfügung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Bildungsarbeit ist aus zweierlei Gründen wichtig: einerseits, um den Flüchtlingen ein Rüstzeug mitzugeben für jenen Tag, an dem ihr Asylantrag positiv beurteilt wird und sie arbeiten dürfen. Andererseits, um ihren Tagen Struktur zu geben. Der reguläre Arbeitsmarkt steht AsylwerberInnen nicht offen. Sie dürfen erlaubterweise nur wenigen Tätigkeiten nachgehen: etwa der eines Erntehelfers oder – zynischerweise – der Prostitution.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Zugang zum Arbeitsmarkt</strong></h4>



<p class="wp-block-paragraph">Grundsätzlich hat sich die Lebenssituation der Betroffenen in den vergangenen Jahren durch die Verschärfungen im Fremden- und Asylrecht weiter verschlimmert, beklagt Eraslan-Weninger. Sie fordert eine Anhebung der Grundversorgung auf die Höhe der Mindestsicherung und einen Zugang zum Arbeitsmarkt für AsylwerberInnen. Viele von ihnen brächten aus ihrer Heimat gute Qualifikationen mit – etwa im Bereich Medizin. Sie nicht arbeiten zu lassen, schadet nicht nur den Einzelnen, sondern auch der österreichischen Gesellschaft, „weil mitgebrachte Qualifikationen, Erfahrungen und Potenziale verloren gehen“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Finanzen sind auch für das Integrationshaus ein steter Bereich des Kampfes. Man ist dringend auf Spenden angewiesen – die Rechtsberatungen zum Beispiel werden ausschließlich über private Zuwendungen finanziert. 2009 brauchte die Einrichtung Mittel in der Höhe von 3,8 Millionen Euro. Etwas mehr als die Hälfte kam dabei über die Kostenbeiträge für die Grundversorgung in die Kasse. Ein Fünftel erlöste das Integrationshaus über Spenden und Veranstaltungen.&nbsp; Spenden an das Integrationshaus sind steuerlich absetzbar.<br><a href="http://www.integrationshaus.at" aria-label="www.integrationshaus.at">www.integrationshaus.at</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Was Integration bedeutet, lebt Eraslan-Weninger übrigens auch privat vor: Ihr Mann wuchs in der Türkei auf, besuchte dort die österreichische Schule. Wie sie ist er auch in der Migrantenbetreuung tätig. Die beiden 1987 und 1991 geborenen Kinder wuchsen aber vor allem deutschsprachig auf. „Sie haben aber sicherlich einen offeneren Zugang zu anderen Kulturen – und sind gleichzeitig typische Wiener.“</p>
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