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	<title>Ausgabe 2011/07 &#8211; KOMPETENZ-online</title>
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	<title>Ausgabe 2011/07 &#8211; KOMPETENZ-online</title>
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	<item>
		<title>„Was wir brauchen, ist Konsum“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Alexia Weiss]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Nov 2011 13:36:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2011/07]]></category>
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					<description><![CDATA[Silvia Angelo, Leiterin der Abteilung Wirtschaftspolitik in der Arbeiterkammer Wien, kritisiert spekulationsgetriebe Preisanstiege bei Nahrungsmitteln und Energie. Und fordert ein Eingreifen der Politik. KOMPETENZ: Die Menschen haben das Gefühl, dass alles immer teurer wird und sie sich immer weniger leisten können. Lässt sich dieses Gefühl auch mit Fakten belegen? Silvia Angelo: Es stimmt, dass die [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="652" height="425" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/10/KOM_07_11_Angelo_1579.jpg" alt="" class="wp-image-15035" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/10/KOM_07_11_Angelo_1579.jpg 652w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/10/KOM_07_11_Angelo_1579-300x196.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/10/KOM_07_11_Angelo_1579-150x98.jpg 150w" sizes="(max-width: 652px) 100vw, 652px" /><figcaption>Silvia Angelo, AK</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Silvia Angelo, Leiterin der Abteilung Wirtschaftspolitik in der Arbeiterkammer Wien, kritisiert spekulationsgetriebe Preisanstiege bei Nahrungsmitteln und Energie. Und fordert ein Eingreifen der Politik.</strong></p>



<span id="more-1103"></span>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>KOMPETENZ</strong>: Die Menschen haben das Gefühl, dass alles immer teurer wird und sie sich immer weniger leisten können. Lässt sich dieses Gefühl auch mit Fakten belegen?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Silvia Angelo</strong>: Es stimmt, dass die Produkte des täglichen Bedarfs immer teurer werden. Und gerade die Preise für Nahrungsmittel, Wohnen und Energie sowie für den Individualverkehr steigen überdurchschnittlich. Das sind auch genau die Bereiche, wo sich der Großteil der Ausgaben konzentriert. Laut Konsumerhebung ist es so, dass der durchschnittliche Haushalt rund zwölf Prozent für Nahrungsmittel ausgibt, rund 24 Prozent für Wohnen und Energie und rund 15 Prozent für Verkehr. Nach unseren Berechnungen sind die Ausgaben in diesen drei Bereichen damit in absoluten Zahlen von 2010 auf 2011 im Schnitt um 65 Euro pro Haushalt gestiegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>KOMPETENZ</strong>: Wie sieht die Situation für BezieherInnen von kleinen Einkommen aus?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Silvia Angelo</strong>: Wir haben hier leider nur Zahlen von 2004/05, da diese Erhebung nur alle fünf Jahre gemacht wird. Aber da sehen wir, dass die Haushalte, die monatliche Ausgaben von bis zu 1.600 Euro haben, 16 Prozent davon für Ernährung aufwenden. Das oberste Viertel, das sind Haushalte, die 3.700 Euro oder mehr ausgeben, gibt nur mehr 9,8 Prozent des Einkommens für Nahrungsmittel aus. Das heißt natürlich, dass die Betroffenheit bei den unteren Einkommen größer ist. Und wenn die Produkte in diesen zentralen Kategorien immer teurer werden, dann werden meine Spielräume, dass ich etwas anderes kaufe, noch geringer.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>KOMPETENZ</strong>: In welchen Bereichen sind die Teuerungen für sie gerechtfertigt und in welchen nicht?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Silvia Angelo</strong>: Das ist insofern eine spannende Frage, weil wir davon ausgehen, dass die Inflation, so wie wir sie derzeit bei Nahrungsmitteln und Energie erleben, nicht österreich-spezifisch ist, sondern international vorgegeben – Beispiel Getreide. Aber nur, weil die Teuerungen von außen kommen, sind sie nicht gottgegeben. Und was wir schon seit rund zehn Jahren beobachten können, ist, dass Finanzinvestitionen immer mehr in Rohstoffe hineingelenkt werden, dass also Rohstoffe und Öl immer mehr zum Finanzspekulationsobjekt werden und ich enorme Preisausschläge habe, die nicht nur von Angebot und Nachfrage bestimmt werden, sondern von ganz anderen Faktoren beeinflusst sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>KOMPETENZ</strong>: Wie kann man diese Entwicklung hintanhalten?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Silvia Angelo</strong>: Hier muss man regulativ eingreifen. Hier muss man schauen, dass nicht Geschäfte gemacht werden mit Produkten, die nichts mit der Finanzwelt zu tun haben, sondern Grundbedürfnisse befriedigen. Und der zweite Punkt auf der internationalen Ebene ist eine künstliche Verknappung, durch Biokraftstoff im Wesentlichen. Hier gibt es große Anbauflächen für Treibstoffe. Das treibt den Preis auch in die Höhe. Da sind wir sehr kritisch, weil wir sagen, Essen gehört nicht in den Tank, sondern auf den Teller.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>KOMPETENZ</strong>: Das heißt, Sie halten alle Teuerungen für grundsätzlich nicht gerechtfertigt?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Silvia Angelo</strong>: Ich sehe nur, dass es auf der internationalen Ebene Entwicklungen gibt, die haben mit Angebot und Nachfrage alleine nichts mehr zu tun. Das sehe ich nicht, dass sich die Ölbestände so verknappen, dass der Ölpreis in die Höhe geht. Ich sehe aber sehr wohl spekulationsgetriebene Preisausschläge, wenn irgendjemand wo in der Welt sagt, ui, da könnte beispielsweise in Libyen eine Krise ausbrechen. Da gibt es dann sofort eine Reaktion und diese massive Reaktion ist immer ein Indikator, dass auch andere Akteure aktiv sind. Dass da eben jemand ein Auge darauf hat, der spekuliert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>KOMPETENZ</strong>: Die Finanzkrise von 2009 scheint halbwegs überwunden, für 2012 wird schon wieder die nächste Krise prognostiziert – oder ist das für Sie eine durchgehende Krise?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Silvia Angelo</strong>: Ich glaube, dass wir noch immer die Folgen der Finanzkrise von 2009 bewältigen, das hat angefangen mit einer Finanzmarktkrise und äußert sich jetzt darin, dass wir hohe Staatsschulden haben. Und diese Staatsschulden sind eine Folge der Finanzmarktkrise &#8211; nicht ihre Ursache, sondern ihre Folge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir haben die Krise in Österreich realwirtschaftlich relativ gut durchgetaucht, relativ &#8211; jeder Arbeitslose ist zu viel. Gelungen ist dies mit massiven staatlichen Programmen, wie der Kurzarbeit, aber auch dadurch, dass wir 2008 eine extrem gute Lohnrunde gehabt &nbsp;haben. Die Lohnpolitik hat uns also auch geholfen, die Krise nicht so stark zu erleben wie in anderen Ländern, weil sie die Kaufkraft der Leute gestärkt hat. Wir haben jetzt Prognosen, die sagen, wir gehen in Richtung einer stagnierenden Wirtschaftsentwicklung. Also müssen wir schon extrem darauf schauen, dass wir 2012 die Binnennachfrage stärken.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>KOMPETENZ</strong>: Durch die Teuerungen passiert aber genau das Gegenteil – die Kaufkraft wird immer geringer.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Silvia Angelo</strong>: Es braucht jetzt natürlich Lohnabschlüsse, die das absolut aufwiegen und mehr als aufwiegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>KOMPETENZ</strong>: Welche Instrumente würden Sie noch einsetzen?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Silvia Angelo</strong>: Es ist eine Frage der Budgetkonsolidierung. Man darf die Staatsschulden nicht ganz aus dem Ruder laufen lassen, aber man muss sehen, wie man das macht. Ausgabenseitige Budgetkonsolidierung wirkt sich immer besonders negativ auf das Wachstum aus. Bei den Einnahmen weiß ich wiederum, wenn ich hier etwas erhöhe, hat das viel geringere Effekte auf das Wachstum. Aber wenn ich sehe, dass die Vermögensbesteuerung in Österreich sehr schwach ist, ist es konjunkturpolitisch und ökonomisch klug, wenn ich hier etwas mache, weil hier geht mir nichts ab. Diese Personen würden sparen statt konsumieren &#8211; und was ich brauche, ist Konsum.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Höhere Gehaltsabschlüsse dringend nötig!</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2011/11/22/hohere-gehaltsabschlusse-dringend-notig/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexia Weiss]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Nov 2011 12:23:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2011/07]]></category>
		<category><![CDATA[Coverstories]]></category>
		<category><![CDATA[Kollektivvertrag]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Alexia Weiss]]></category>
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					<description><![CDATA[Es sind derzeit die Ärmsten, die am meisten unter dem starken Anstieg der Preise für Nahrungsmittel und Benzin leiden: BezieherInnen niedriger Einkommen und junge Familien wissen oft nicht mehr, wie sie den wöchentlichen Einkauf bezahlen können. Der so genannte Miniwarenkorb, in dem sich Güter wie Eier und Tiefkühlpizza, Zahnpasta und Treibstoff befinden, verteuerte sich laut [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Es sind derzeit die Ärmsten, die am meisten unter dem starken Anstieg der Preise für Nahrungsmittel und Benzin leiden: BezieherInnen niedriger Einkommen und junge Familien wissen oft nicht mehr, wie sie den wöchentlichen Einkauf bezahlen können. </p>



<span id="more-1108"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Der so genannte Miniwarenkorb, in dem sich Güter wie Eier und Tiefkühlpizza, Zahnpasta und Treibstoff befinden, verteuerte sich laut Statistik Austria von September 2010 auf September dieses Jahres um 7,1 Prozent. Für Kaffee waren sogar 27 Prozent mehr zu bezahlen, für alkoholfreie Getränke 11,3 Prozent. Diese Werte liegen massiv über der Gesamtinflationsrate, bei deren Berechnung auch Produkte wie Computer, Autos oder Flugreisen berücksichtigt werden. Im September betrug diese gegenüber dem Vorjahr 3,6 Prozent.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Gegensteuern</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie steuert man hier am besten dagegen? „Mit hohen Lohnabschlüssen“, sagt GPA-djp-Vorsitzender Wolfgang Katzian. „Vor allem Menschen mit niedrigen Einkommen, die einen größeren Anteil ihres Einkommens für Güter des täglichen Gebrauchs ausgeben, sind darauf angewiesen, dass wir über die Lohnabschlüsse für sie einen Ausgleich herausholen. Die laufenden Kollektivvertragsverhandlungen für die Beschäftigten im Handel sind wegen der vergleichsweise niedrigen Einkommen im Handel besonders wichtig.“ GPA-djp-Wirtschafts- und Sozialexperte David Mum tritt für Lohnabschlüsse über der Gesamtinflationsrate ein. Denn findet nur eine Inflationsabgeltung statt, dann steigt das Realeinkommen nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Haushaltsausgaben steigen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein neues Auto kauft man sich, wenn überhaupt, dann doch nicht jedes Jahr und auch die Computeranschaffung kann man, wenn das Konto leer ist, auf später verschieben. Brot, Milch, Obst: darauf kann eine Familie mit kleinen Kindern nicht verzichten. „Hier kann ich einfach nicht ausweichen“, so Mum. Da die Teuerungen vor allem im Nahrungsmittelbereich massiv ausfallen, wird ein immer größerer Teil des Haushaltsbudgets dafür aufgewandt. Die durchschnittlichen Haushaltsausgaben betrugen laut Konsumerhebung 2009 übrigens monatlich 2.900 Euro – für 2,3 Personen. Darin sind natürlich auch die Ausgaben für Wohnen, Energie, Kleidung, Sport, Kultur – also wirklich alle anfallenden Kosten &#8211; inkludiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mum gibt zudem zu bedenken, dass sich jede Lohnerhöhung jenseits der 1.200-Euro-Einkommensgrenze nur zur Hälfte im Börsel bemerkbar macht: die anderen 50 Prozent wandern zur Sozialversicherung und in den Steuertopf. Auch aus diesem Grund müssten die Einkommen diesen Herbst nicht nur moderat, sondern wirklich kräftig angehoben werden. „Man darf die Steuer- und Abgabenbelastung hier nicht aus den Augen verlieren.“</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Nachhaltige Erhöhungen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das betont auch Katzian. Die Beschäftigten, beispielsweise in der Metallbranche, haben mit ihrer Arbeit zu den guten Ergebnissen beigetragen, welche die Betriebe im vergangenen Jahr erzielt haben. „Sie haben daher in Zeiten einer extrem hohen Inflationsrate eine adäquate Abgeltung verdient. Niemand kann sich von schönen Worten etwas kaufen, wenn das tägliche Leben immer teurer wird. Dass wir mit dem harten Kurs richtig gelegen sind, zeigt nicht nur der gute Abschluss in der Metallindustrie, sondern auch die enorme öffentliche Unterstützung, die wir erfahren haben.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einmalzahlungen, wie sie von Arbeitgeberseite dann oft in Kollektivvertragsverhandlungen als Kompromiss angeboten werden, kommen für Katzian in der momentanen Situation übrigens nicht in Frage. „Preissteigerungen gehen ja nicht mehr zurück. Wie sollen Einmalzahlungen da helfen? Dann hinken die Löhne ja nur noch mehr hinterher. Wir brauchen nachhaltige Erhöhungen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Konsum und Wachstum</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Menschen mit ihrem Einkommen nicht mehr auskommen, dann schadet das außerdem nicht nur dem Einzelnen, sondern der gesamten Wirtschaft. Wer kein Geld hat, kann auch nicht konsumieren. Und eine gebremste Nachfrage hat massive Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum. „Was wir als Gewerkschaft tun, wenn uns die Arbeitgeber eine faire Abgeltung unserer Leistung verweigern, haben wir in der Metallindustrie bereits gezeigt“, so Katzian kämpferisch. Nachsatz: „Und wir brauchen uns auch vor Konflikten in anderen Branchen nicht fürchten.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das zusätzliche Drehen zweier anderer Schrauben könnte die Situation für Jungfamilien und Bezieher kleiner Einkommen zusätzlich verbessern, merkt Sozialexperte Mum an: die regelmäßige Valorisierung der Familienbeihilfe – und das Anheben der Steuergrenzen. Rutscht man nämlich mit einer Gehaltserhöhung, die eigentlich die Inflation ausgleichen soll, in die nächste Steuerklasse, bleibe so manchem von der Lohnerhöhung sogar weniger als die Hälfte zum Ausgeben über. &nbsp;„Das ist die kalte Progession.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leider seien beide Themen immer nur in Wahlzeiten im Fokus der PolitikerInnen. Mum wünscht sich hier die Einführung von entsprechenden Automatismen. „Die Steuergrenzen sollten jedes Jahr im Ausmaß der Gesamtinflationsrate angehoben werden – und nicht nur dann, wenn alle paar Jahre eine Steuerreform beschlossen wird.“</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Arbeitsrecht: Mutterschutz für freie DienstnehmerInnen</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2011/11/15/noch-im-19-jahrhundert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Heike Hausensteiner]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Nov 2011 13:54:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2011/07]]></category>
		<category><![CDATA[Recht]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsbelastung]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Freie Dienstnehmer]]></category>
		<category><![CDATA[Heike Hausensteiner]]></category>
		<category><![CDATA[Mutterschutz]]></category>
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					<description><![CDATA[Freie Dienstnehmerinnen haben Anspruch auf Kindergeld, nicht jedoch auf die Schutzbestimmungen aus dem Mutterschutzgesetz. Sie in die gesetzlichen Regelungen einzubeziehen fordert daher die Gewerkschaft. Franziska hat Glück gehabt: Sie ist freie Dienstnehmerin und arbeitet seit vier Jahren für das gleiche Medienunternehmen. Vor eineinhalb Jahren brachte sie eine gesunde Tochter zur Welt und konnte nach der [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><figure id="attachment_1090" aria-describedby="caption-attachment-1090" style="width: 199px" class="wp-caption alignleft"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-1090" src="https://www.kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2011/11/Fotolia_31843443_M-199x300.jpg" alt="Mutterschutz für Freie Dienstnehmerinnen" width="199" height="300" /><figcaption id="caption-attachment-1090" class="wp-caption-text">Mutterschutz für Freie Dienstnehmerinnen</figcaption></figure></p>
<p><strong>Freie Dienstnehmerinnen haben Anspruch auf Kindergeld, nicht jedoch auf die Schutzbestimmungen aus dem Mutterschutzgesetz. Sie in die gesetzlichen Regelungen einzubeziehen fordert daher die Gewerkschaft.</strong></p>
<p><span id="more-1088"></span>Franziska hat Glück gehabt: Sie ist freie Dienstnehmerin und arbeitet seit vier Jahren für das gleiche Medienunternehmen. Vor eineinhalb Jahren brachte sie eine gesunde Tochter zur Welt und konnte nach der Karenz in ihr altes Unternehmen zurückkehren. Mit der ersehnten Anstellung wurde es zwar wieder nichts, und da Franziska in Teilzeit arbeiten wollte, kürzte man ihr Monatspauschale auf zwei Drittel zusammen. Immerhin kann sie so wieder Geld verdienen.</p>
<p>Weniger hold war das Schicksal Laura Weißenbach: Ebenfalls als freie Dienstnehmerin arbeitete sie in einem Architekturbüro. Sie war Projektleiterin für – mündlich vereinbarte – 40 Wochenstunden, auf den Dienstvertrag und die Anstellung, wie in Aussicht gestellt, wartete sie vergebens. Als sie schwanger wurde, vorzeitige Wehen bekam und drei Monate vor der Geburt vorzeitig zu Arbeiten aufhören musste, „hat es im Unternehmen einen großen Aufschrei gegeben“, erzählt Weißenbach im Interview. Man warf ihr vor, ein laufendes Projekt in die roten Zahlen zu treiben, sie solle eine ordentliche Projektübergabe machen. „Ich war dann nicht nur ein Mal eine Stunde im Büro, sondern sehr oft viele Stunden.“</p>
<p><strong>Moralischer Druck</strong></p>
<p>Die Gynäkologin und der Amtsarzt hatten Laura Weißenbach Bettruhe verordnet. Ihr Arbeitgeber rief sie zu Hause an, setzte sie moralisch unter Druck und nötigte sie dazu, das Projekt fertig zu machen. „Theoretisch hätte ich klagen können“, sagt Weißenbach rückblickend, „aber praktisch ist das nicht so einfach. Mein Arbeitgeber hatte viele Kollegen in der Branche, er hätte mich überall schlecht machen können, und ich hätte vielleicht in keinem Architekturbüro mehr einen Job gekriegt.“ Jetzt ist ihre Tochter 14 Monate alt, und Laura Weißenbach arbeitet für ein anderes Büro – auf Basis eines Werkvertrages als neue Selbstständige.</p>
<p><strong>Mutterschutz verwehrt</strong></p>
<p>Von einer „rechtlichen Lücke“ spricht denn auch Barbara Marx, Bundesfrauensekretärin in der GPA-djp. Aufgrund von Beratungsgesprächen weiß die Gewerkschaft von immer mehr Fällen, in denen Arbeitgeber freie DienstnehmerInnen stark unter Druck setzen. Denn für freie DienstnehmerInnen gilt das Mutterschutzgesetz (MSchG) nicht. „Aber diese Mutterschutzregelungen haben ja alle Sinn“, unterstreicht Marx. Freie DienstnehmerInnen verdienen genauso viel, wie sie arbeiten; wenn betroffene Frauen in der Schwangerschaft weniger leistungsfähig sind, nicht mehr permanent stehen und sitzen können, möglicherweise mehr Pausen einlegen müssen oder öfter krank sind, verdienen sie sofort weniger.</p>
<p>„Aus einer prekären freien Dienstnehmerin wird eine prekäre Kindergeldbezieherin“, formuliert es Andrea Schober von der GPA-djp-Interessensgemeinschaft work@flex, einer Plattform für Menschen mit atypischen Beschäftigungsverhältnissen. Die Höhe des Wochengeldes und des Kindergeldes richtet sich nämlich nach der Durchschnittshöhe der letzten drei Monate vor der Geburt. Dass für freie Dienstnehmerinnen die Mutterschutzbestimmungen nicht gelten und sie im Wochenschutz und in der Karenz, beim einkommensabhängigen Kinderbetreuungsgeld, einen enormen finanziellen Einbruch haben, ist aus Sicht von Andrea Schober „eine klare Diskriminierung“.</p>
<p><strong>Umgehungsverträge</strong></p>
<p>Der freie DienstnehmerInnen-Vertrag ist ein österreichisches Unikum, „ein absurdes Zwitterding“ nennt ihn Frauensekretärin Barbara Marx: Die „Freien“ sind steuerlich selbstständig, aber sozialversicherungsrechtlich unselbstständig – jedenfalls sind sie für Unternehmen oft die günstigere Variante im Vergleich zu einer Anstellung. Daher sind in vielen Fällen freie Dienstverträge Umgehungsverträge. Seit 2008 sind freie DienstnehmerInnen sozialversichert, schwangere Freie erhalten dadurch auch Wochengeld (gemessen am Gehaltsdurchschnitt der letzten drei Monate) – davor gab es pauschal acht Euro pro Tag. „Aber beim Mutterschutzgesetz haben es die Arbeitgeber bis jetzt verweigert, auch die freien Dienstnehmerinnen mit einzubeziehen. Dort sind wir praktisch noch im 19. Jahrhundert“, meint Schober.</p>
<p>Die Zahlen geben der Gewerkschaft recht: Denn statistisch betrachtet werden fast ein Drittel mehr freie Dienstnehmerinnen schwanger als Angestellte und Arbeiterinnen. Von den über 1,6 Millionen unselbstständig erwerbstätigen Frauen im Vorjahr bezogen ca. 14.000 Wochengeld, unter den rund 10.000 freien Dienstnehmerinnen gab es jedoch 3.100 Wochengeldbezieherinnen. „Der freie Dienstvertrag ist oft ein Sprungbrett ins Arbeitsleben. Jobanfängerinnen sind hier überdurchschnittlich stark vertreten. Entsprechend werden Frauen dieser Altersgruppe auch häufiger schwanger“, interpretiert Schober die Statistik.</p>
<p>Hinzu kommen jene freien Dienstnehmerinnen, die möglicherweise gar kein Wochengeld beantragt und weitergearbeitet haben, so Andrea Schober. Außerdem unterstreicht sie die deutlich gestiegene Anzahl der Wochengeldbezieherinnen von 2.200 im Jahr 2008 auf 3.100 im Jahr 2010 – und das, obwohl die Gesamtzahl der freien Dienstverträge seit der Einbeziehung in die  Sozialversicherung um über 28 Prozent gesunken ist.</p>
<p>Kein Mutterschutz, kein Rückkehrrecht, kein Kündigungsschutz als freie Dienstnehmerin – was hat Laura Weißenbach aus dieser ihrer Erfahrung mitgenommen? „Ich bin normalerweise nicht empfindlich, sondern gut aufgestellt und relativ gut informiert, ich bin kein typisches Opfer. Aber Frauen oder Männer, die nicht so selbstbewusst sind, müssen sich noch viel ärger unter Druck gesetzt fühlen als ich.“</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das System verändern</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2011/11/14/das-system-verandern/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Resei]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Nov 2011 07:44:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2011/07]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Resei]]></category>
		<category><![CDATA[Jugend]]></category>
		<category><![CDATA[Lehrling]]></category>
		<category><![CDATA[Schule]]></category>
		<category><![CDATA[Studium]]></category>
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					<description><![CDATA[Interview mit Florian Hohenauer, dem frisch gebackenen Vorsitzenden der GPA-djp Jugend. KOMPETENZ: Was hat dich motiviert, für den Vorsitz der GPA-djp Jugend zu kandidieren. Florian Hohenauer: Das Vertrauen in die Politik ist derzeit vor allem unter jungen Menschen durch viele Skandale sehr gering. Das kann man nur dann ändern, wenn man sich persönlich engagiert und [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/07/KOM_07_11_Hohenauer_7356-1024x683.png" alt="" class="wp-image-14263" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/07/KOM_07_11_Hohenauer_7356-1024x683.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/07/KOM_07_11_Hohenauer_7356-300x200.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/07/KOM_07_11_Hohenauer_7356-150x100.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/07/KOM_07_11_Hohenauer_7356-768x512.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/07/KOM_07_11_Hohenauer_7356-600x400.png 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/07/KOM_07_11_Hohenauer_7356-720x480.png 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/07/KOM_07_11_Hohenauer_7356-272x182.png 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/07/KOM_07_11_Hohenauer_7356.png 1500w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Foto: GPA-djp</figcaption></figure>


<p><strong>Interview mit Florian Hohenauer, dem frisch gebackenen Vorsitzenden der GPA-djp Jugend.</strong></p>
<p><span id="more-1080"></span><strong>KOMPETENZ: </strong>Was hat dich motiviert, für den Vorsitz der GPA-djp Jugend zu kandidieren.</p>
<p><strong>Florian Hohenauer:</strong> Das Vertrauen in die Politik ist derzeit vor allem unter jungen Menschen durch viele Skandale sehr gering. Das kann man nur dann ändern, wenn man sich persönlich engagiert und zeigt, dass es auch anders geht.</p>
<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Heißt das, Du bist mit der derzeitigen Politik unzufrieden?</p>
<p><strong>Florian Hohenauer:</strong> Wenn etwa die Menschen gegen den Wahnsinn der Börsen auf die Straßen gehen, sagen die Politiker zwar „Es ist gut, dass sich die Leute für etwas interessieren“, aber ändern wollen sie trotzdem nichts. Mir ist es wichtig, dass in der Politik endlich wieder auf die Menschen gehört wird.</p>
<p><strong>KOMPETENZ: </strong>Was willst du als Bundesjugendvorsitzender verändern?</p>
<p><strong>Florian Hohenauer:</strong> Wir Jungen engagieren uns und wollen generell etwas am derzeitigen System verändern, denn wenn es so weiter geht wie bisher werden die Leute ihr gesamtes Vertrauen in die Politik verlieren.</p>
<p><strong>KOMPETENZ: </strong>Stichwort Lehrlinge: was hat Eure aktuelle Umfrage im Handel ergeben?</p>
<p><strong>Florian Hohenauer:</strong> Das Echo war sehr groß. Wir haben alle Lehrlinge, die in den Handelskollektivvertrag fallen, angeschrieben und 1.600 Rückmeldungen bekommen. Ärgerlich ist, dass Lehrlinge in Österreich nach wie vor viele Überstunden machen müssen, obwohl das bei den meisten gegen das Gesetz verstößt. Schließlich dürfen Jugendliche unter 18 Jahre laut Kinder- und Jugendbeschäftigungsgesetz keine Überstunden machen.</p>
<p><strong>KOMPETENZ: </strong>Wie viele Lehrlinge sind von Überstunden betroffen?</p>
<p><strong>Florian Hohenauer:</strong> Rund 67 Prozent der Handelslehrlinge sagen, dass sie regelmäßig Überstunden machen. Dabei werden die Überstunden häufig nicht abgegolten, weder in Geld noch in Zeitausgleich. Die Crux dabei: würden die Überstunden verrechnet, müsste den Lehrlingen ja auch der Facharbeiterlohn anteilsmäßig bezahlt werden. In den meisten Fällen nehmen die Arbeitgeber auf diese Rechte überhaupt keine Rücksicht.</p>
<p><strong>KOMPETENZ: </strong>Nehmen die Unternehmen denn wenigstens auf andere Rechte Rücksicht?</p>
<p><strong>Florian Hohenauer:</strong> Nein, leider nicht wirklich. Viele Handelslehrlinge haben öfter als zweimal im Monat am Samstag Dienst. Das ist genauso problematisch, denn laut Gesetz dürfen sie nicht an zwei Samstagen hintereinander arbeiten. Wenn es also mehr als zwei Samstage im Monat sind, sagt das in der Regel auch aus, dass die Lehrlinge auch hintereinander arbeiten müssen. Bedenklich wird es auch, wenn es um Urlaub oder Krankenstand geht: Mehr als ein Drittel der Lehrlinge geben an, ihr Chef vermittle ihnen, dass sie trotz Krankheit zur Arbeit kommen sollen. Rund 34 Prozent müssen um die Einteilung ihres Urlaubs kämpfen, können ihn also nicht nach ihren Wünschen konsumieren.</p>
<p><strong>KOMPETENZ: </strong>Wie gehen die Lehrlinge mit der Ungerechtigkeit um?</p>
<p><strong>Florian Hohenauer:</strong> Ihnen wird ein schlechtes Gewissen gemacht, wenn sie sich einmal weigern und im Endeffekt geben sie zumeist nach, weil sie freilich auch Angst um ihren Lehrplatz haben. Aber es ist natürlich klar, dass die Handelslehrlinge sowohl mit den Überstunden als auch mit den vielen Samstagsdiensten sehr unzufrieden sind. Aber der Druck ist extrem groß, jeder vierte Lehrling hat Angst, seine Lehrstelle zu verlieren.</p>
<p><strong>KOMPETENZ: </strong>Die GPA-djp Jugend kämpft aber nicht bloß für die Lehrlinge.</p>
<p><strong>Florian Hohenauer:</strong> Neben den Lehrlingen und jungen ArbeitnehmerInnen kümmern wir uns vor allem um SchülerInnen und Studierende, aber freilich auch um atypisch Beschäftigte, KarenzgeldbezieherInnen und Zivil- und Präsenzdienstleistende.</p>
<p><strong>KOMPETENZ: </strong>Was ist euer Angebot für die StudentInnen?</p>
<p><strong>Florian Hohenauer:</strong> Gerade bei den Unis reagiert die Politik sehr abgehoben. Bei den Uni-Besetzungen etwa gab es viele Leute, die etwas verändern wollten. Die StudentInnen haben starke Forderungen gehabt. Aber einfach nicht mit ihnen zu reden, wie es der ehemalige Wissenschaftsminister Johannes Hahn gemacht hat, habe ich arg gefunden. Selbstverständlich sind wir für einen freien Zugang zur Uni und jeder junge Mensch soll unabhängig von seiner Herkunft die Chance auf eine möglichst hohe Bildung haben.</p>
<p><strong>KOMPETENZ: </strong>Die Beratung Eurer Mitglieder ist ein Schwerpunkt. Was sind die häufigsten Fragen?</p>
<p><strong>Florian Hohenauer:</strong> Wir haben sehr viel mit arbeitsrechtlichen Fragen zu tun. Viele SchülerInnen und StudentInnen arbeiten neben Schule und Studium oder in den Ferien. Wir überprüfen die Abrechnungen, denn da wird allzu häufig getrickst.</p>
<p><strong>KOMPETENZ: </strong>Was kann die GPA-djp den SchülerInnen anbieten?</p>
<p><strong>Florian Hohenauer:</strong> Wir informieren die SchülerInnen darüber, welche Rechte sie haben. Und wir kämpfen darum, dass AbsolventInnen von mindestens dreijährigen BMS oder BHS den Lehrabschluss für einen verwandten Beruf vollständig anerkannt bekommen. Für Schulen und Lehrberufe, die kein entsprechendes Pendant haben, sollen in Zukunft zumindest Teile angerechnet werden und es soll möglich sein, Vollabschlüsse nachzuholen.</p>
<p><strong>KOMPETENZ: </strong>Wie kommen junge Menschen am besten mit Euch in Kontakt und wie können sie sich beteiligen?</p>
<p><strong>Florian Hohenauer:</strong> Wenn ich SchülerIn, StudentIn oder Lehrling bin, dann kann ich mich in jedem Bundesland beteiligen. Regelmäßig finden Veranstaltungen, Sitzungen und auch lockere Zusammenkünfte statt. Da kann ich mitreden und mich auch generell informieren. Infos gibt es auf unserer Internetseite und in unserem Zeitschrift  „Unity“.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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