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	<title>Ausgabe 2013/03 &#8211; KOMPETENZ-online</title>
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	<title>Ausgabe 2013/03 &#8211; KOMPETENZ-online</title>
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	<item>
		<title>Arbeitsrecht: Schalt mal ab!</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2013/07/03/schalt-mal-ab/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andrea Rogy]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Jul 2013 13:47:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Arbeitszeit]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgabe 2013/03]]></category>
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		<category><![CDATA[Recht]]></category>
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					<description><![CDATA[Unser Arbeitsalltag ist anstrengend: Wir müssen flexibel sein und immer volle Leistung bringen. Viele ArbeitnehmerInnen wünschen sich nur eines: eine klare Trennung von Freizeit und Arbeit, um endlich wieder abschalten zu können und sich zu erholen. Die ständige Erreichbarkeit von ArbeitnehmerInnen nimmt zu und wird in zahlreichen Betrieben zumindest von Teilen der Belegschaft erwartet. Flexible [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_1932" aria-describedby="caption-attachment-1932" style="width: 797px" class="wp-caption alignleft"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-full wp-image-1932" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2013/07/Anita_8345_Neu.jpg" alt="Unter einer &quot;Allzeit-bereit-Kultur&quot; kann sowohl die Qualität der Arbeit als auch die Gesundheit der ArbeitnehmerInnen leiden. (Copyright: Nurith Wagner-Strauss)" width="797" height="531" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2013/07/Anita_8345_Neu.jpg 797w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2013/07/Anita_8345_Neu-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2013/07/Anita_8345_Neu-768x512.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2013/07/Anita_8345_Neu-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2013/07/Anita_8345_Neu-272x182.jpg 272w" sizes="(max-width: 797px) 100vw, 797px" /><figcaption id="caption-attachment-1932" class="wp-caption-text">Unter einer &#8222;Allzeit-bereit-Kultur&#8220; kann sowohl die Qualität der Arbeit als auch die Gesundheit der ArbeitnehmerInnen leiden. (Copyright: Nurith Wagner-Strauss)</figcaption></figure>
<p><strong>Unser Arbeitsalltag ist anstrengend: Wir müssen flexibel sein und immer volle Leistung bringen. Viele ArbeitnehmerInnen wünschen sich nur eines: eine klare Trennung von Freizeit und Arbeit, um endlich wieder abschalten zu können und sich zu erholen.</strong></p>
<p><span id="more-1931"></span></p>
<p>Die ständige Erreichbarkeit von ArbeitnehmerInnen nimmt zu und wird in zahlreichen Betrieben zumindest von Teilen der Belegschaft erwartet. Flexible Arbeitszeiten sind längst nicht mehr auf die Managerebene beschränkt. Immer mehr DienstnehmerInnen sind durch Handy, Smartphone oder Tablet rund um die Uhr mit der Arbeit verbunden. Neue Arbeitszeitmodelle wie beispielsweise „Vertrauensarbeitszeit“, flexible Arbeitsorte wie das „desk-sharing“ oder Arbeiten von zu Hause sowie Pauschalverträge liegen im Trend und verwischen die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit. Der Druck, ständig auf dem Laufenden zu sein und aktuelle Anfragen zu beantworten, steigt.</p>
<p><strong>Aktionswoche „Abschalten“</strong></p>
<p>Auf diesen ungesunden Trend reagierte die GPA-djp im Juni mit der bundesweiten Aktionswoche „Abschalten“. Das Ziel war, möglichst viele BelegschaftsvertreterInnen und ArbeitnehmerInnen darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig regelmäßige Erholungsphasen zwischen den Arbeitszeiten sind. „Vorsicht ist dann geboten, wenn die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit immer mehr verschwimmen und sich die Arbeitszeit dadurch immer mehr in die Freizeit hineinschummelt“, warnt Clara Fritsch, Mitarbeiterin der Abteilung Arbeit und Technik in der GPA-djp und Autorin der Broschüre „Allzeit bereit“.</p>
<p>Arbeitende Menschen gehören bereits zum Ortsbild. Tagaus, tagein begegnet man Menschen, die selbst kurze Wartezeiten dazu benützen, um E-Mails abzuarbeiten oder den Verlauf beruflicher Projekte zu verfolgen. Wer genau hinsieht kann beobachten, wo sich die Arbeit überall in die Freizeit hineindrängt: am Flughafen, in der Straßenbahn, am Badestrand. Selbst beim Joggen oder in der Theater-Pause muss man manchmal geschäftliche Gespräche mit anhören. Und jene Menschen, die sie führen, sind sozusagen „immer im Dienst“.</p>
<p><strong>Dauereinsatz</strong></p>
<p>Unter einer „Allzeit-bereit-Kultur“ kann sowohl die Qualität der Arbeit als auch die Gesundheit der ArbeitnehmerInnen leiden. „ArbeitnehmerInnen haben das Recht „Nein“ zu sagen, wenn berufliche Kontaktaufnahmen ganz offensichtlich außerhalb der Arbeitszeit stattfinden“, bekräftigt GPA-djp-Vorsitzender Wolfgang Katzian. Dies sollte zuallererst aus gesundheitlichen Gründen passieren. Denn Arbeitszeitstudien belegen, dass verlängerte Arbeitszeiten auch schwerwiegende gesundheitliche Auswirkungen, wie z. B. Rückenbeschwerden, Kopfschmerzen oder Schlafstörungen&nbsp; verursachen können.</p>
<p>Dauernde Erreichbarkeit laugt aus, sie ermüdet, schwächt und kann in letzter Konsequenz krank machen. „Wenn die Wochenendruhe regelmäßig unterbrochen wird, wenn es keinen Ausgleich für die geleistete Arbeitszeit gibt und die Grenze zwischen Arbeit und Privat immer mehr verschwimmt, so führt das auf die Dauer zu unerträglichem Arbeitsdruck“, präzisiert Katzian. Auch die sozialen Kontakte können leiden: Der dauernde Arbeitsstress wirkt sich negativ auf das Familienleben aus, manche Menschen reagieren sogar mit sozialem Rückzug.</p>
<p><strong>Betriebsvereinbarungen</strong></p>
<p>Der Gewerkschaftsvorsitzende fordert daher einmal mehr verbindliche und faire Betriebsvereinbarungen, in denen die Trennlinien zwischen Arbeit und Freizeit klar geregelt sind. So sollte festgelegt werden, dass die ArbeitnehmerInnen ihre mobilen Arbeitsgeräte nach der Arbeitszeit abschalten können. Auch eine maximale Abhörhäufigkeit der Mailbox kann zwischen Management und BelegschaftsvertreterInnen festgelegt werden.</p>
<p>Betriebsvereinbarungen sollen wichtige Grenzen der individuellen Erreichbarkeit festlegen: E-Mails werden am Wochenende nicht weitergeleitet, bei Krankheit und (Pflege-)Urlaub gibt es klare Vertretungsregelungen für die E-Mail-Kommunikation.</p>
<p><strong>Grenzen setzen</strong></p>
<p>Der Knackpunkt für Clara Fritsch ist die ständige Erreichbarkeit durch Handy und Smartphones. „Diese mobilen Arbeitsgeräte sind ganz wesentliche Treiber der Entgrenzung.“ Sie verleiten zum Mail checken, zum Schauen „was sich so tut“ und verhindern ein absolutes Abschalten. „Selbst im Urlaub sind viele ArbeitnehmerInnen mit den Gedanken immer wieder bei der Arbeit und können sich daher nie ganz von den beruflichen Entwicklungen lösen“, bedauert Fritsch. Außerdem darf man nicht vergessen, dass es für jene Arbeiten, die in der Freizeit geleistet werden, keine Bezahlung gibt.</p>
<p>„Am besten ist es, klare Regelungen für die berufliche Erreichbarkeit festzulegen und die Entlohnung von in der Freizeit geleisteter Arbeitszeit einzufordern“, rät Clara Fritsch. „Telefoniere ich in meiner Freizeit mit Kunden, dann ist das Arbeitszeit – und Arbeitszeit ist zu bezahlen.“ Auch die Verpflichtung über das Handy erreichbar zu sein, ist laut Oberstem Gerichtshof eine Form der Rufbereitschaft, die zu entlohnen ist.</p>
<p>Die beste Strategie, die Freizeit zu sichern und Arbeit auszusperren, ist, sich selbst klare Trennlinien zwischen Arbeitszeit und Freizeit zu schaffen. Dazu gehört, die Geräte auch mal abzudrehen und – falls es doch sein muss – sich die Bereitschaftszeiten und die Arbeitszeiten aufzuschreiben. Das hilft, um für die geleistete Arbeit dann auch eine Abgeltung einzufordern – entweder durch mehr Freizeit oder in Euro. Nicht umsonst sind Wochenendruhe, Bereitschaftsdienst, Urlaubsansprüche und andere Ruhezeiten gesetzlich geregelt.</p>
<p><strong>Recht auf Ruhepausen</strong></p>
<p><strong><em>Arbeitszeitgesetz (AZG), Arbeitsruhegesetz (ARG)</em></strong></p>
<ul>
<li><em>Der Arbeitstag ist grundsätzlich auf 8 Stunden begrenzt (§ 3 Abs. 1 AZG).</em></li>
<li><em>Mit Zustimmung der ArbeitnehmerInnenvertretung (also im Kollektivvertrag oder in der Betriebsvereinbarung) kann die tägliche Arbeitszeit auf maximal 10 Stunden verlängert werden (§ 4 AZG).</em></li>
<li><em>Zwischen den Arbeitstagen sind Ruhezeiten von 11 Stunden einzuhalten (§ 12 Abs. 1 AZG).</em></li>
<li><em>• Den ArbeitnehmerInnen gebührt eine ununterbrochene Wochenruhe von mindestens 36 Stunden (§ 12 Abs. 3 AZG). Diese Wochenruhe muss einen ganzen Wochentag einschließen (§ 4 ARG).</em></li>
<li><em>Recht auf bezahlten Urlaub Urlaubsgesetz (UrlG)</em></li>
<li><em>Der Anspruch auf bezahlten Urlaub beträgt fünf Kalenderwochen pro Arbeitsjahr, das sind 25 Arbeitstage bei einer Fünf-Tage-Woche bzw. 30 Werktage.</em></li>
<li><em>Für ArbeitnehmerInnen, die mehr als 25 Dienstjahre beim selben Arbeitgeber geleistet haben, erhöht sich dieser Anspruch auf 30 Arbeitstage bei einer Fünf-Tage-Woche bzw. auf 36 Werktage pro Arbeitsjahr.</em></li>
<li><em>Der Urlaubsanspruch kann auch verjähren, wenn er nicht konsumiert wird – und zwar nach Ablauf von zwei Jahren ab dem Ende des Urlaubsjahres, in dem er entstanden ist.</em></li>
</ul>
<p><strong><em>Spezielle Regelungen</em></strong><br />
<em>Einige Branchen und Kollektivverträge haben eigene Arbeitszeitregelungen, z. B. Spitäler, Erziehungswesen. Die GPA-djp informiert Sie, welche Arbeitszeitregelungen auf Sie persönlich zutreffen.</em></p>
<p><strong><em>Was kann ich selber tun?</em></strong></p>
<ul>
<li><em>Arbeitszeiten immer aufschreiben</em></li>
<li><em>Abgeltung aller Arbeitszeiten in Euro bzw. Zeitausgleich vereinbaren</em></li>
<li><em>Regelungen mit dem Dienstgeber treffen, wann Rufbereitschaft oder Reisezeit vorliegt</em></li>
<li><em>Abgeltung von Heimarbeit, Rufbereitschaft und Reisezeit vereinbaren</em></li>
<li><em>Keine Arbeit mit nach Hause nehmen</em></li>
<li><em>Anfahrtswege zur Entspannung bzw. Regeneration nutzen</em></li>
<li><em>Handy/Smartphone/Tablet im Urlaub und in der Freizeit abschalten</em></li>
<li><em>Bei Krankheit nicht arbeiten</em></li>
<li><em>Gefühl der Unerreichbarkeit genießen</em></li>
<li><em>Bewusst Zeit nehmen für Familie, Freunde, Hobbys oder einfach für sich selbst</em></li>
<li><em>Persönliche Grenzen der Erreichbarkeit setzen und diese unbedingt einhalten</em></li>
</ul>
<p><strong><em>Beratung</em></strong><br />
<em>Die GPA-djp bietet Beratung und Tipps zum optimalen Umgang mit mobilen Arbeitsgeräten und flexiblen Arbeitszeitmodellen. Die Gewerkschaft unterstützt ArbeitnehmerInnen in Zweifelsfällen, wenn es darum geht, in der Freizeit geleistete und bisher unbezahlte Arbeit abzugelten oder Arbeitsruhe und Freizeitansprüche durchzusetzen. Service-Hotline 05 03 01-301</em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Porträt: Bewusst parteilich</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2013/07/03/bewusst-parteilich/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexia Weiss]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Jul 2013 12:18:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2013/03]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<category><![CDATA[Alexia Weiss]]></category>
		<category><![CDATA[Augustin]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Wer den Augustin kauft, unterstützt nicht nur den Kolporteur. Gestärkt wird auch ein Journalismus, der sich jenen Menschen widmet, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden. Vor 15 Jahren änderte sich für Traude Lehner von einem Tag auf den anderen alles. Sie war nach Italien gegangen, um dort im Gastgewerbe zu arbeiten. Und verliebte [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_1927" aria-describedby="caption-attachment-1927" style="width: 300px" class="wp-caption alignleft"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-1927" src="https://www.kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2013/07/Augustin_8715-300x199.jpg" alt="Traude Lehner und ihr Mann sind beide Augustin-Kolporteure. Rund 500 von Armut betroffene Menschen verkaufen die 1995 gegründete Zeitung. (Copyright: Nurith Wagner-Strauss)" width="300" height="199"><figcaption id="caption-attachment-1927" class="wp-caption-text">Traude Lehner und ihr Mann sind beide Augustin-Kolporteure. Rund 500 von Armut betroffene Menschen verkaufen die 1995 gegründete Zeitung. (Copyright: Nurith Wagner-Strauss)</figcaption></figure>
<p><em>Wer den Augustin kauft, unterstützt nicht nur den Kolporteur. Gestärkt wird auch ein Journalismus, der sich jenen Menschen widmet, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden.</em></p>
<p><span id="more-1925"></span>Vor 15 Jahren änderte sich für Traude Lehner von einem Tag auf den anderen alles. Sie war nach Italien gegangen, um dort im Gastgewerbe zu arbeiten. Und verliebte sich. 13 Jahre war sie mit ihrem damaligen Lebensgefährten liiert. „Und dann habe ich ihm eines Tages vom Balkon gewinkt – und 20 Minuten später gab es weder ihn noch das Auto mehr.“ Die Verwandtschaft speiste sie mit damals umgerechnet 7.000 Schilling ab. Eine Zeitlang kam sie noch halbwegs über die Runden, zuerst mit Servieren, später im Telefonverkauf. „2002 ist dann der Euro gekommen und über Nacht ist alles wahnsinnig teuer geworden. Ich konnte nicht einmal mehr meine kleine Wohnung zahlen. Und da habe ich mir gedacht, obdachlos sein kann ich auch zu Hause. Und da bin ich wieder nach Wien gekommen. Zweieinhalb Jahre habe ich dann in einem Obdachlosenheim gelebt.“</p>
<p>In der Arbeitswelt konnte Lehner, heute 58 Jahre alt, nicht mehr Fuß fassen. Ihre Hände schmerzen, selbst ein paar Worte mit einem Stift zu Papier zu bringen, verursacht ihr Qualen. Obdachlos ist sie allerdings nicht mehr. Mit ihrem nunmehrigen Mann lebt sie in einer kleinen Gemeindewohnung. Sie bezieht Mindestsicherung, er, nach einem Herzinfarkt derzeit rekonvaleszent, bekommt Notstandshilfe. Gemeinsam verfügen sie im Monat über 1.130 Euro. Kennengelernt haben sie einander beim Augustin. Ihn hatten zuvor zwei Scheidungen finanziell ins Straucheln gebracht. Gemeinsam spielen sie heute bei der Augustin-Theatergruppe „11% K.Theater“. Die ist inzwischen „unsere zweite Familie“.</p>
<p><strong>Kolportage</strong></p>
<p>Wenn Traude Lehner mit ein paar Augustin-Heften in der Hand über den Naschmarkt geht, bleibt sie bei jedem Lokal stehen, spricht freundlich Leute an. „Manchmal kaufen drei auf einmal einen Augustin. Dann dauert es wieder ein bissl. Man kann es nicht vorhersagen.“ Auch ihr Mann ist Augustin-Kolporteur. Insgesamt verkaufen heute rund 500 von Armut betroffene Menschen die 1995 vom Journalisten Robert Sommer mitbegründete Zeitung. Die ersten 15 Hefte erhalten die Kolporteure umsonst. Danach müssen sie jeweils die Hälfte des Verkaufspreises zahlen, wenn sie in der Augustin-Redaktion in der Reinprechtsdorferstraße ihre Exemplare abholen.</p>
<p><strong>Unabhängigkeit</strong></p>
<p>Von Anfang an wurde das Blatt ohne öffentliche Förderungen produziert, betont Sommer gegenüber der KOMPETENZ. Einnahmequellen sind heute der Verkauf, die Unterstützung durch 333 private „LiebhaberInnen“, aber auch Inserate. „Damals lag die Gründung solch eines Projekts in der Luft. Es gab auch andere, die so etwas geplant haben. Sie wollten aber zuerst öffentliche Mittel aufstellen. Das wollten wir gar nicht. Und so konnten wir uns durchsetzen.“ Sich selbst zu finanzieren bedeutet auch: nicht abhängig zu sein – und das zu machen, was Sommer wichtig ist: „Parteilichen Journalismus. Wenn jemand nicht zum dritten Mal in einem AMS-Kurs sitzen will, wo ihm beigebracht wird, wie man sich richtig bewirbt, dann interessiert uns nur seine Perspektive. Sonst keine.“</p>
<p><strong>Spezieller Fokus</strong></p>
<p>Der Augustin hat aber auch als einziges Medium den Daumen auf Themen, die andere Zeitungen nicht so behandeln könnten. „Wir haben den Fokus auf Institutionen, die Menschen nicht würdig behandeln: Heime, Geriatrie-Einrichtungen, Psychiatrien, Obdachlosenasyle. Hier lebt man fast in strafvollzugsähnlichen Zuständen. Sexualität in Altersheimen ist zum Beispiel bis heute tabuisiert. Die Mahlzeitenausgabe orientiert sich alleine an den Bedürfnissen der Verwaltung. Das Recht auf Intimität in dem Zimmer, für das man bezahlt, ist oft nicht gegeben. Und man muss um Erlaubnis fragen, wenn man Besuch erhält.“</p>
<p>Traude Lehner und ihr Mann schreiben auch ab und zu im Augustin. Wenn sie etwas veröffentlichen, bekommen sie so wie alle anderen Autoren – ob JournalistInnen, ExpertInnen oder eben Betroffene – 90 Euro für einen einseitigen Beitrag bezahlt. „Wir wollten von Anfang an weg von der Ehrenamtlichkeit“, betont die Sozialarbeiterin Riki Parzer, wie Sommer Mitbegründerin des Projekts. Auch im Bereich Sozialarbeit geht der Augustin andere Wege. Man wirke etwa nicht auf die Kolporteure ein, mit den Einnahmen zunächst einmal die Schulden zu tilgen. Die Sozialarbeiter hier sind vor allem eines: Anlaufstelle, wenn die Kolporteure Sorgen und Probleme haben – mit Kunden, im Alltag, aber auch mit anderen Augustin-Verkäufern.</p>
<p><strong>Sozialer Anschluss</strong></p>
<p>Ein Drittel der Kolporteure kommt heute aus Österreich, ein Drittel aus Osteuropa, ein Drittel aus Afrika. Das ist nicht immer leicht. Die Männer und Frauen aus Afrika, sie sind im Gegensatz zu den Verkäufern, die in Österreich groß geworden sind,&nbsp; jung und fit. Jene aus Osteuropa erhalten mit den Einnahmen aus dem Augustin-Verkauf oft ganze Familien. Während die einen im Arbeitsprozess, oft auch krankheitsbedingt, nicht mehr Fuß fassen können, würden die anderen liebend gerne arbeiten. Doch das Fremdenrecht gibt ihnen dazu keine Möglichkeit. Mit dem Verkauf des Augustin halten sie sich recht und schlecht über Wasser – und finden bei den Freizeitangeboten wie der Fußballtruppe, der Theatergruppe oder im Chor Stimmgewitter sozialen Anschluss. Insofern wirkt der Augustin auf verschiedenen Ebenen. Und Sommer und Parzer sind auch nach 17 Jahren immer noch mit Begeisterung dabei.</p>
<p><strong>Internet</strong></p>
<p>Das Medienangebot des Augustin finden Sie auch im Internet auf <a href="http://www.augustin.or.at" aria-label="www.augustin.or.at">www.augustin.or.at</a>, mit Links zu Radio Augustin (gesendet auf Radio Orange) und Augustin TV (auf OKTO).</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Porträt: Solide und durchsetzungsstark</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2013/07/03/solide-und-durchsetzungsstark/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Heike Hausensteiner]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Jul 2013 10:45:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2013/03]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<category><![CDATA[AK]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeiterkammer]]></category>
		<category><![CDATA[Heike Hausensteiner]]></category>
		<category><![CDATA[Rudolf Kaske]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein ungewöhnliches Familienmodell, ein strenger Personalchef und Erfolge bei Kochwettbewerben – das war für Rudolf Kaske Ansporn genug, um sich für die Interessen der ArbeitnehmerInnen stark zu machen. Mein Vater war in der Metallbranche tätig, aber schon in Pension und Hausmann. Meine Mutter arbeitete im Krankenhaus Lainz. Ich war der vierte Sohn und Nachzügler. Also [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_1919" aria-describedby="caption-attachment-1919" style="width: 300px" class="wp-caption alignleft"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-1919" src="https://www.kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2013/07/PraesRudiKaske_030-300x200.jpg" alt="Rudi Kaske, seit Frühjahr 2013 Präsident der AK (Copyright: Lisi Specht)" width="300" height="200" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2013/07/PraesRudiKaske_030-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2013/07/PraesRudiKaske_030-272x182.jpg 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2013/07/PraesRudiKaske_030.jpg 591w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-1919" class="wp-caption-text">Rudi Kaske, seit Frühjahr 2013 Präsident der AK (Copyright: Lisi Specht)</figcaption></figure>
<p><em>Ein ungewöhnliches Familienmodell, ein strenger Personalchef und Erfolge bei Kochwettbewerben – das war für Rudolf Kaske Ansporn genug, um sich für die Interessen der ArbeitnehmerInnen stark zu machen.</em></p>
<p><span id="more-1917"></span>Mein Vater war in der Metallbranche tätig, aber schon in Pension und Hausmann. Meine Mutter arbeitete im Krankenhaus Lainz. Ich war der vierte Sohn und Nachzügler. Also zog mich zu Hause mein Vater auf.“ Eine recht ungewöhnliche Familiensituation im Wien der 50er-, 60er- Jahre. „Heute arbeiten wir an diesem Gesellschaftsmodell“, erklärt Rudolf Kaske verschmitzt im Interview. Der inzwischen 58-Jährige trägt einen hellen Sommeranzug und eine sportliche Brille – er wirkt sehr solide, aber keinesfalls abgehoben. Kaske, den alle „Rudi“ nennen, ist Österreichs oberster ArbeitnehmerInnenvertreter. Als Chef der Wiener Arbeiterkammer (AK) ist er auch Präsident der Bundesarbeitskammer und übernahm bereits im Frühjahr die Agenden vom langjährigen AK-Präsidenten Herbert Tumpel. Im hellen Präsidenten-Büro im 5. Stock des AK-Gebäudes in der Prinz-Eugen-Straße dominiert der Blick ins Grüne, über die Baumwipfel des Belvedere-Gartens hinaus. Kaum zu glauben, dass man sich inmitten von Wien befi ndet. Kaum zu glauben auch, dass Rudi Kaske seit fast 40 Jahren ununterbrochen für österreichische ArbeitnehmerInnenorganisationen arbeitet. Woher stammt dieses Engagement?</p>
<p><strong>Frühes Engagement</strong><br />
Kaske deutet mit dem Kopf in Richtung des Stadtparks und des großen Gebäudes des Hotels Inter-Continental. Er habe in einem der damals lediglich zwei Wiener Spitzenhotels Koch gelernt. „Unser Personalchef war Reservist beim Bundesheer, da war auch in der Küche der Umgangston etwas rauer.“ In dem US-amerikanischen Unternehmen gab es bereits eine Stechuhr. „Aber jeder, der in einem Dienstleistungsbetrieb arbeitet, weiß, dass ein Acht-Stunden-Tag nicht immer eingehalten wird“, so der AK-Präsident.</p>
<p>Die langen Haare sind längst einer strengen Kurzhaarfrisur gewichen. Aber damals, in den 70er-Jahren, sagte der Direktor dem Flower-Power-Anhänger Rudi und seinen Kollegen: „Hier habt ihr zehn Schilling, damit ihr zum Friseur gehen könnt.“ Den gab es im Hotel zwar und man nahm die zehn Schilling, aber die Haare ließ man sich erst recht nicht schneiden. Stattdessen setzte der junge Kaske ein Haarnetz durch, das es unter der Kochhaube zu tragen galt. Um den hygienischen Vorschriften in der Großküche zu genügen, versteckten manche ihre Haarpracht sogar unter einer Perücke. Er habe bei Kochwettbewerben mehrere Preise gewonnen, erinnert sich Kaske. Das habe ihm Selbstbewusstsein gegeben. Bald engagierte er sich als Mit-Initiator der „Initiative M“ wie „Mitbestimmung“. Das Ziel: Jugendlichen eine eigenständige Vertretung im Betrieb zu sichern. Als 1972 die Regierung unter Bruno Kreisky das Gesetz zur Gründung von „Jugendvertrauensräten“ beschloss, wurde Rudi Kaske einer der ersten Jugendvertrauensräte in Österreich.</p>
<p>1974 tauschte er die Kochstelle im amerikanischen „Interconti“ mit einer Anstellung bei der Gewerkschaft, wo er in verschiedenen Stationen die Karriereleiter weiter hinaufstieg. Zunächst war er Jugendsekretär der Gewerkschaft Hotel, Gastgewerbe, Persönlicher Dienst (HGPD). Mit 32 Jahren wurde er deren jüngster Zentralsekretär – um 1995 Vorsitzender der Gewerkschaft HGPD zu werden.2006 übernahm er bis zum Vorjahr den Vorsitz in der neu gegründeten Gewerkschaft „vida“ (Spanisch: „Leben“), in der die Eisenbahner und die Vertreter für Handel und Verkehr mit den Beschäftigten aus dem Gastgewerbe-, dem Sozialund Gesundheitsbereich und den Dienstleistungsberufen in einer Gewerkschaft zusammengeschlossen wurden.</p>
<p><strong>Überstunden reduzieren</strong><br />
Als Gewerkschaftsvorsitzender hat sich Kaske den Ruf erworben, durchsetzungsstark zu sein. Er ermöglichte etwa als HGPD-Chef die Fünf-Tage-Woche im Tourismus und als vida-Vorsitzender 1.300 Euro Mindestlohn für das Reinigungsgewerbe sowie im Hotel-und Gastgewerbe. Jetzt sind dem Präsidenten der Bundesarbeitskammer die vielen Überstunden ein Anliegen. Denn von den rund 300 Millionen Überstunden, die laut dem Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB) pro Jahr in Österreich geleistet werden, sind 69 Millionen unbezahlte Überstunden. Kaske plädiert daher wie der ÖGB für eine Abgabe von einem Euro, die die Unternehmer pro Überstunde zahlen sollen. Diese Maßnahme könnte die Gesamtzahl der Überstunden reduzieren und ins Arbeitsmarktbudget und an die Krankenkassen fl ießen. Festhalten wird er auch an der Forderung nach einer sechsten Urlaubswoche: Nach dem Rucksack-Prinzip sollen nach angesammelten 25 Beschäftigungsjahren egal bei wie vielen Betrieben alle ArbeitnehmerInnen darauf Anspruch haben.Neben Arbeit hat sich der neue AKChef Bildung als zweites wichtiges Thema vorgenommen. Insbesondere für die Fachhochschulen wünscht er sich mehr Fördermittel und mehr Studienplätze. Das ist für ihn auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. An Fachhochschulen studieren nämlich traditionell mehr Arbeiterkinder. Drittens setzt sich Kaske für „leistbares Wohnen“ nicht nur in den Städten ein: Es sollen verstärkt soziale, also staatlich geförderte Wohnungen gebaut werden, dabei aber auch die soziale Infrastruktur mitberücksichtigt werden. Damit meint er etwa den Ausbau des Angebots an Pfl ege und Betreuung sowie Kinderbetreuungsplätze. Die Arbeiterkammer sieht hier eklatanten Nachholbedarf insbesondere in ländlichen Gebieten und fordert, dass dafür mehr Geld aus den EU-Fonds verwendet wird. Schließlich seien diese Gelder nicht nur für die Landwirtschaft im engeren Sinn, sondern für die Entwicklung des ländlichen Raums generell gedacht.</p>
<p>Auf die Frage, was sich Kaske von den kommenden Wahlen erwartet, antwortet er: „Ich wünsche mir eine stabile Regierung, die Respekt vor den Leistungen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hat und ihre berechtigten Anliegen ernst nimmt. Wir sind Anwalt der ArbeitnehmerInnen“, sagt der AK-Präsident. Wenn er das betont, drückt er auch seine Hoff nung aus, dass sich an den AK-Wahlen 2014 möglichst viele ArbeitnehmerInnen beteiligen. Daran will Kaske arbeiten, indem er unter anderem zahlreiche Betriebe in Wien besuchen wird. Zum Kochen hat er ohnehin kaum mehr Zeit. Außer es kommen Gäste, die er dann zu Hause gerne in die große weite Welt des Kochens entführt.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Elektro-Kollektivvertrag: Option für mehr Freizeit</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2013/07/03/option-fur-mehr-freizeit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Martin Panholzer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Jul 2013 09:24:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Arbeitszeit]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgabe 2013/03]]></category>
		<category><![CDATA[Kollektivvertrag]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitszeitverkürzung]]></category>
		<category><![CDATA[Elektroindustrie]]></category>
		<category><![CDATA[Freizeitoption]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Panholzer]]></category>
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					<description><![CDATA[Bei der Kollektivvertragsrunde in der Elektro- und Elektronikindustrie wurde mit der Freizeitoption ein neues und innovatives Modell der Arbeitzeitgestaltung vereinbart. Die Vereinbarung im Kollektivvertrag der Elektro- und Elektronikindustrie sieht vor, dass durch kollektivvertragliche Rahmenregelungen über eine Betriebsvereinbarung den einzelnen ArbeitnehmerInnen die Möglichkeit eröffnet wird, statt der IST-Gehaltserhöhung &#8211; ab 1. Mai gibt es 2,8 bzw. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_1913" aria-describedby="caption-attachment-1913" style="width: 300px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-1913" src="https://www.kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2013/07/Fotolia_52788324_L-300x200.jpg" alt="Die Möglichkeit der Freizeitoption steht für alle offen. Es gibt verschiedene Lebensphasen, in denen eine solche Option Sinn macht, und diese Phasen sind nicht nur altersbezogen. (Copyright: magann, Fotolia.com)" width="300" height="200" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2013/07/Fotolia_52788324_L-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2013/07/Fotolia_52788324_L-768x512.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2013/07/Fotolia_52788324_L-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2013/07/Fotolia_52788324_L-272x182.jpg 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2013/07/Fotolia_52788324_L.jpg 945w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-1913" class="wp-caption-text">Die Möglichkeit der Freizeitoption steht für alle offen. Es gibt verschiedene Lebensphasen, in denen eine solche Option Sinn macht, und diese Phasen sind nicht nur altersbezogen. (Copyright: magann, Fotolia.com)</figcaption></figure>
<p><strong>Bei der Kollektivvertragsrunde in der Elektro- und Elektronikindustrie wurde mit der Freizeitoption ein neues und innovatives Modell der Arbeitzeitgestaltung vereinbart.</strong></p>
<p><span id="more-1912"></span>Die Vereinbarung im Kollektivvertrag der Elektro- und Elektronikindustrie sieht vor, dass durch kollektivvertragliche Rahmenregelungen über eine Betriebsvereinbarung den einzelnen ArbeitnehmerInnen die Möglichkeit eröffnet wird, statt der IST-Gehaltserhöhung &#8211; ab 1. Mai gibt es 2,8 bzw. 3 Prozent brutto mehr &#8211; künftig im selben Ausmaß kürzer zu arbeiten. Das bedeutet, dass die Arbeitszeit nachhaltig bis zu 60 Stunden pro Jahr reduziert wird. Bei einer 38,5-Stundenwoche kann dieser Tausch Geld gegen Freizeit gut eineinhalb Wochen mehr bezahlte Freizeit bedeuten.</p>
<p>„Die bisherige Resonanz auf diese Vereinbarung ist positiv. Da große Unternehmen, wie Siemens und Infineon, über eine Betriebsvereinbarung verhandeln, steht für etwa zwei Drittel der Beschäftigten der Branche diese Option im Raum“, so GPA-djp Verhandler Bernhard Hirnschrodt.</p>
<p>Wenn in einem Unternehmen eine freiwillige Betriebsvereinbarung zustande gekommen ist, können die einzelnen Beschäftigten ihrerseits mit dem Arbeitgeber vereinbaren, dass Sie anstelle der IST-Gehaltserhöhung zusätzliche bezahlte Freizeit erhalten. Die Zustimmung des Arbeitgebers ist aber notwendig und es existiert kein Rechtsanspruch. Der Arbeitgeber kann aber andererseits auch keine derartige Vereinbarung anordnen. Gibt es in einem Betrieb keinen Betriebsrat, können die ArbeitnehmerInnen nur dann anstelle der vorgesehenen Gehaltserhöhung zusätzliche Freizeit vereinbaren, wenn dies der Arbeitgeber mit den Gewerkschaften vereinbart. Auch Teilzeitbeschäftigte haben die Möglichkeit, eine Vereinbarung mit aliquotem Anspruch zu schließen. Die zusätzliche bezahlte Freizeit ist auf einem eigenen Zeitkonto zu erfassen. Der Freizeitanspruch wird monatlich auf diesem Zeitkonto gutgeschrieben.</p>
<p><strong>Variable Umsetzung</strong></p>
<p>Der Verbrauch der bezahlten Freizeit ist variabel umsetzbar. Möglich ist eine Verringerung der regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit, ein stundenweiser, variabler Verbrauch oder in ganzen Tagen bzw. Wochen. „Für uns war sehr wichtig, dass die Möglichkeit der Freizeitoption für alle offen steht. Es gibt verschiedene Lebensphasen, in denen eine solche Option Sinn macht und diese Phasen sind nicht nur altersbezogen“, so Bernhard Hirnschrodt. Die Arbeitgeber hatten das Modell nur für über 50-jährige vorgeschlagen. „Wir wollen keine allgemeinen Empfehlungen abgeben. Wichtig ist die Frage, ob den Beschäftigten die zusätzliche Freizeit die ausfallende Gehaltserhöhung Wert ist, das hängt viel mit den persönlichen Werthandlungen in einer bestimmten Lebensphase zusammen, das können familiäre Verpflichtungen oder gesundheitliche Aspekte sein“, so Hirnschrodt.</p>
<p><strong>Positive Resonanz</strong></p>
<p>„Ich bin mir sicher, dass in unserem Unternehmer viele Beschäftigte, quer durch alle Altersgruppen diese Regelung in Anspruch nehmen werden und ich werde mich dafür einsetzen, dass die Möglichkeit auch über das heurige Jahr hinaus erhalten bleibt“, freut sich der Zentralbetriebsrat von Infineon Harald Zebedin über das Zustandekommen der Regelung in seinem Unternehmen. Aber nicht überall läuft es so positiv wie bei Infineon.</p>
<p>„Ich bin über das Verhalten unserer Konzernverantwortlichen sehr enttäuscht“, formuliert etwa der Betriebsratsvorsitzende der Vorarlberger Tridonic GmbH (Zumtobel-Konzern) Erich Zucalli, der sich im KV-Verhandlungsteam für diese Option stark gemacht hat. „Da sprechen die Unternehmer immer von der notwendigen Flexibilität und kritisieren die Blockadehaltung der Gewerkschaften. Dann gibt es eine wirklich innovative, flexible Vereinbarung und dann heißt es, das geht noch nicht. Ich werde aber sicher weiter für diese Option kämpfen, weil ich weiß, dass viele Kolleginnen und Kollegen Interesse an dieser Möglichkeit haben“, so Zucalli. Generell ist offenbar die positive Resonanz bei den Betriebsräten größer als bei vielen Geschäftsführungen von Unternehmen.</p>
<p><strong>Lebensphasengerechte Arbeitszeit</strong></p>
<p>Auch von Seiten der Wissenschaft kommt Zustimmung: Johannes Gärtner von der Beraterfirma Ximes, der sich schon lange mit Möglichkeiten der flexiblen Arbeitszeitgestaltung beschäftigt erklärt: „Ich bin davon überzeugt, dass derartigen Modellen die Zukunft gehört. Die Freizeitoption ist ein innovativer Schritt und zielt in die richtige Richtung der lebensphasengerechten Arbeitszeitgestaltung. Dieses Thema wird die Sozialpartner in Zukunft sicher noch stärker beschäftigten.“</p>
<p>Ob ähnliche Modelle auch in anderen Branchen umgesetzt werden, bleibt offen „Wir sind jedenfalls bereit, über diese Möglichkeit auch in anderen Bereichen zu sprechen. Natürlich hat jede Branche ihre spezifischen Bedingungen und für Niedriglohnbranchen ist diese &#8222;Tauschoption&#8220; sicher kein geeigneter Weg. Wichtig ist die absolute Freiwilligkeit und das Eingehen auf die spezifischen Bedürfnisse der Beschäftigten. Oberste Priorität bleibt aber bei allen Gehaltsrunden die nachhaltige Sicherung der Kaufkraft“, so der stv. Bundesgeschäftsführer der GPA-djp Karl Proyer.</p>
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			</item>
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		<title>Griechenland: &#8222;Hört auf, uns zu retten!&#8220;</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2013/07/03/hort-auf-uns-zu-retten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Martin Panholzer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Jul 2013 09:14:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2013/03]]></category>
		<category><![CDATA[Internationales]]></category>
		<category><![CDATA[Griechenland]]></category>
		<category><![CDATA[Klinik der Solidarität]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Panholzer]]></category>
		<category><![CDATA[Rettungspaket]]></category>
		<category><![CDATA[Schulden]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftskrise]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Projekt „Klinik der Solidarität“ will neben konkreter Hilfe auch die solidarische Politik als Alternative zur einseitigen Sparpolitik in Europa propagieren. „Hört auf uns zu retten!“, appelliert die griechische  Psychologin Katerina Notopolou, eine der Mitinitiatorinnen des Solidaritätsprojekts  „Klinik der Solidarität“ in Thessaloniki und meint damit jene strengen Auflagen, die von der Troika, bestehend aus EU-Kommission, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_1906" aria-describedby="caption-attachment-1906" style="width: 300px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-1906" src="https://www.kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2013/07/KlinikSolidarität3-300x225.jpg" alt="Die &quot;Klinik der Solidarität&quot; in Thessaloniki bietet für Bedürftige kostenlos medizinische Versorgung an. (Copyright: Kathrin Niedermoser)" width="300" height="225" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2013/07/KlinikSolidarität3-300x225.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2013/07/KlinikSolidarität3-768x576.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2013/07/KlinikSolidarität3.jpg 945w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-1906" class="wp-caption-text">Die &#8222;Klinik der Solidarität&#8220; in Thessaloniki bietet für Bedürftige kostenlos medizinische Versorgung an. (Copyright: Kathrin Niedermoser)</figcaption></figure>
<p><strong>Das Projekt „Klinik der Solidarität“ will neben konkreter Hilfe auch die solidarische Politik als Alternative zur einseitigen Sparpolitik in Europa propagieren.</strong></p>
<p><span id="more-1904"></span>„Hört auf uns zu retten!“, appelliert die griechische  Psychologin Katerina Notopolou, eine der Mitinitiatorinnen des Solidaritätsprojekts  „Klinik der Solidarität“ in Thessaloniki und meint damit jene strengen Auflagen, die von der Troika, bestehend aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) dem griechischen Staat verordnet wurden. Die Folgen dieser Maßnahmen, die insbesondere Sparmaßnahmen im Sozial- und Gesundheitsbereich betreffen, sind für die Mehrheit der griechischen Bevölkerung verheerend. Durch die Wirtschaftskrise ist inzwischen ein Viertel der Bevölkerung ohne Arbeit. Unter den jungen Menschen liegt die Arbeitslosigkeit inzwischen bei über 60 Prozent. Die Mindestlöhne und das Arbeitslosengeld wurden drastisch gekürzt, die Pensionen sanken um 20 bis 30 Prozent. Ein Drittel der Griechinnen und Griechen leben derzeit unter der Armutsgrenze.</p>
<p>„Neben der unmittelbaren Not und Verzweiflung ist besonders schlimm, dass gewachsene Strukturen des Sozial- und Gesundheitssystems schlagartig vernichtet werden und keine Hoffnung besteht, dass sie wieder errichtet werden“, so Katerina Notopolou. Das griechische Gesundheitssystem wurde in den achtziger Jahren großzügig ausgebaut und galt als vorbildlich. Nun ist alles anders. Wer arbeitslos ist, verliert jeden Versicherungsschutz. Inzwischen sind 40 Prozent der Bevölkerung nicht versichert. Viele staatliche Gesundheitszentren und Krankenhäuser wurden geschlossen. Steigende Selbstbehalte machen Gesundheitsleistungen für die Bevölkerung zum unerschwinglichen Gut. Kein Wunder, dass längst überwunden geglaubte Krankheiten wieder auftreten, oder sich Menschen dringende Zahnbehandlungen nicht mehr leisten können. Durch die allgemeine Hoffnungslosigkeit steigen auch psychische Erkrankungen und Depressionen.</p>
<p><strong>Grundlegende Bedürfnisse</strong></p>
<p>„Wir wollten nicht mehr zusehen, wie die öffentlichen Institutionen nicht mehr in der Lage sind, grundlegende Bedürfnisse der Bevölkerung zu befriedigen und nahmen uns das Motto  ‚Etwas zu sagen ist etwas zu tun!‘ von José Martí zu Herzen“, so Notopolou.  ÄrztInnen, KrankenpflegerInnen und TherapeutInnen gründeten im Herbst 2011 die „Klinik der Solidarität“ im nordgriechischen Thessaloniki. Ursprünglich war diese Klinik für die medizinische Versorgung von Flüchtlingen gedacht, inzwischen wird sie täglich weit über diese Zielgruppe hinaus von über 100 PatientInnen in Anspruch genommen. Die Ambulanz befindet sich in den Räumlichkeiten des Gewerkschaftsdachverbandes GSEE und wird selbstverwaltet geführt, alle Beteiligten arbeiten ehrenamtlich. In einer Apotheke erhalten die PatientInnen kostenlos Medikamente und die Ambulanz bietet auch kostenlose Schutzimpfungen für Kinder an, da sich viele Eltern diese nicht mehr leisten können.</p>
<p><strong>Politisches Projekt</strong></p>
<p>Die Klinik arbeitet unabhängig von politischen Institutionen, versteht sich aber als politisches Projekt. &#8222;Wir verbinden unsere Arbeit mit dem politischen Engagement gegen Sozialabbau, Rechtsextremismus und Rassismus. Inzwischen ist die ökonomische und soziale Krise von einer schweren politischen Krise begleitet. Rechtsradikale, offen faschistische Gruppierungen treten immer selbstbewusster und militanter  in Erscheinung und versuchen, die Not im Lande für ihre politischen Ziele zu nutzen. Einrichtungen wie unsere Klinik sollen auch ein Ort sein, wo gegen die um sich greifende Hoffnungslosigkeit Kraft und konkrete Solidarität entwickelt wird“, erklärt Katerina Notopolou.</p>
<p>Die Klinik finanziert sich ausschließlich aus Spendengeldern, die Landesstelle des Gewerkschaftsverbandes übernimmt die Kosten für Miete, Strom und Heizung. Die gesammelten Spenden fließen direkt in die Versorgung der PatientInnen und werden für Medikamente, Schutzimpfungen, zahnmedizinisches Material usw. verwendet.</p>
<p><strong>Kommentar  von Wolfgang Greif, Internationaler Sekretär der GPA-djp</strong></p>
<p><strong>Griechenland kein Einzelfall</strong></p>
<p>„Uns ist völlig klar, dass man Griechenland nicht mit Spendengeldern retten kann. Spenden ersetzen nicht das Ringen um den notwendigen Kurswechsel in der EU. Wir haben uns aber entschlossen, dieses Projekt zu unterstützen, weil es die Möglichkeit bietet, anhand der konkreten Betroffenheit aufzuzeigen, wohin falsche Prioritäten in der Politik führen. Die zunehmende Verarmung breiter Bevölkerungsteile ist ja längst kein Phänomen allein der griechischen Gesellschaft. Kommt es zu keinem Kurswechsel, wird aus der ökonomischen und sozialen Krise eine politische Krise der gesamten Europäischen Union, die ihre Grundfesten in Frage stellt. Der von den Anhängern der Austeritätspolitik erhoffte Aufschwung ist weit und breit nicht in Sicht. Im Gegenteil, durch die einseitigen Sparmaßnahmen werden immer mehr Volkswirtschaften in die Rezession getrieben. Die unter dem Titel Griechenlandrettung bereitgestellten Milliarden sind jedenfalls nicht bei jenen Menschen angekommen, die Hilfe benötigen, im Gegenteil, ihre Situation hat sich verschlimmert. Daher brauchen wir statt solcher Rettungspakete, die in Wirklichkeit das europäische Bankensystem und das Vermögen der Einleger gerettet haben, Maßnahmen und Aufbauprogramme, die den Menschen in Europa Arbeit, Hoffnung und vor allem den jungen Menschen wieder Perspektive geben.“</p>
<p><em><strong>Spenden für die Klinik der Solidarität:</strong></em></p>
<p><strong><em>Kontoinhaber: weltumspannend arbeiten</em></strong><br />
<strong> <em>Kontonummer:  46610093809</em></strong><br />
<strong> <em>BLZ: 14 000 (BAWAG P.S.K.)</em></strong><br />
<strong> <em>IBAN: AT091400046610093809</em></strong><br />
<strong> <em>BIC: BAWAATWW</em></strong></p>
<p><strong><em>Alle gesammelten Spenden werden zu 100% direkt an die „Klinik der Solidarität“ übergeben.</em></strong></p>
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