<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Ausgabe 2026/02 &#8211; KOMPETENZ-online</title>
	<atom:link href="https://kompetenz-online.at/category/ausgaben/ausgaben-2026/ausgabe-2026-02/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://kompetenz-online.at</link>
	<description></description>
	<lastBuildDate>Mon, 20 Apr 2026 07:06:15 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9.4</generator>

<image>
	<url>https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/02/index-1-150x150.png</url>
	<title>Ausgabe 2026/02 &#8211; KOMPETENZ-online</title>
	<link>https://kompetenz-online.at</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Welche Jobs macht in Zukunft die KI?</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2026/03/27/welche-jobs-macht-in-zukunft-die-ki/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexia Weiss]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Mar 2026 08:33:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2026/02]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Alexia Weiss]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[KI]]></category>
		<category><![CDATA[Künstliche Intelligenz]]></category>
		<category><![CDATA[Ljubica Nedelkoska]]></category>
		<category><![CDATA[Weiterbildung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kompetenz-online.at/?p=22614</guid>

					<description><![CDATA[Der Einsatz von KI in der Arbeitswelt steigt rasant. Die KOMPETENZ hat Ökonomin Ljubica Nedelkoska gefragt, welche Tätigkeiten besonders betroffen sind und wie diesem Wandel begegnet werden kann. KOMPETENZ: Welche Jobs werden in naher Zukunft nicht mehr von Menschen, sondern von KI erledigt werden? Ljubica Nedelkoska: Es ist schwierig, hier Prognosen für konkrete Arbeitsplätze abzugeben. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/531DSC_1396-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-22616" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/531DSC_1396-1024x683.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/531DSC_1396-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/531DSC_1396-150x100.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/531DSC_1396-768x512.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/531DSC_1396-1536x1024.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/531DSC_1396-2048x1365.jpg 2048w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/531DSC_1396-600x400.jpg 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/531DSC_1396-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/531DSC_1396-272x182.jpg 272w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Ljubica Nedelkoska ist Ökonomin und Sozialwissenschafterin. Sie beschäftigt sich vor allem mit den Themen Arbeitsmarkt, Migration und den Auswirkungen technologischer Veränderungen auf Beschäftigung. Sie ist Faculty-Mitglied am Complexity Science Hub und Gastprofessorin am Department of Public Policy an der Central European University.</strong><br>© Daniel Novotny</figcaption></figure>



<p><strong>Der Einsatz von KI in der Arbeitswelt steigt rasant. Die KOMPETENZ hat Ökonomin Ljubica Nedelkoska gefragt, welche Tätigkeiten besonders betroffen sind und wie diesem Wandel begegnet werden kann.</strong></p>



<span id="more-22614"></span>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Welche Jobs werden in naher Zukunft nicht mehr von Menschen, sondern von KI erledigt werden?</p>



<p><strong>Ljubica Nedelkoska:</strong> Es ist schwierig, hier Prognosen für konkrete Arbeitsplätze abzugeben. Was wir aber schon jetzt sehen, ist, welche Tätigkeiten von KI erledigt werden können. Dabei fällt auf: gefährdet sind Einsteigerjobs und Arbeitsplätze im Assistenzbereich. Was meine ich damit? Das, was Programmierer bisher in ihren ersten fünf Berufsjahren bearbeitet haben, kann inzwischen die KI übernehmen. Vorbereitende Arbeiten in Anwaltskanzleien, im Bereich der Finanzanalyse, im Rahmen von Forschung macht die KI, und das auch noch wesentlich rascher. Aber auch Bereiche, die bisher gerne outgesourct wurden, wie Call Center oder das Rechnungswesen, können zu einem Großteil von KI erledigt werden.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Gleichzeitig gibt es Firmen, die weiterhin Fachkräfte suchen. Wie kann es gelingen, Menschen von der einen in eine andere Branche zu bringen?</p>



<p>In Österreich geht es hier vor allem um das Handwerk. Installateure, Elektriker, alle, die im Bereich Bau oder Reparatur beschäftigt sind, die wird es weiter brauchen. Bedarf gibt es aber auch an Koordinatoren und Managern, die die strategischen Entscheidungen treffen. Vor allem aber braucht es weit mehr Arbeitskräfte im Bereich der Care Arbeit – von der Kinderbetreuung und pädagogischen Berufen bis hin zur Arbeit in der Medizin und Pflege.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center">„Das, was Programmierer bisher in ihren ersten fünf Berufsjahren bearbeitet haben, kann inzwischen die KI übernehmen.“</p>
<cite>Ljubica Nedelkoska, Ökonomin und Sozialwissenschaftlerin</cite></blockquote>



<p>Wie man nun Menschen von ihrer bisherigen Tätigkeit auf ein neues Arbeitsfeld umschult? Darauf gibt es keine einfache Antwort. Es wird davon abhängen, wie alt die Betroffenen sind, welchen Bildungsabschluss sie bereits haben, aber auch wie viele Jahre es dauert, einen neuen zu erwerben. Weiterbildung und Neuausbildung werden jedenfalls immer wichtiger werden, weil der Wandel immer rasanter vonstatten geht und diese Entwicklung nicht aufzuhalten ist.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Das AMS bemüht sich im Fall von Arbeitslosigkeit bereits um Fortbildungen. Zudem gibt es auch die Weiterbildungszeit. Werden diese Angebote ausreichen, um mit dem raschen Wandel in der Arbeitswelt mitzuhalten?</p>



<p>Dass es in Österreich die Weiterbildungszeit gibt, ist positiv, in vielen anderen Ländern gibt es dieses Instrument nicht. Ansonsten wird es auch darum gehen, Universitätsstudien näher an die Bedürfnisse von Unternehmen heranzuführen. Und: Betriebe müssen selbst mehr darauf achten, wie sich die Arbeitsplätze im Unternehmen entwickeln und auf interne Weiterbildung setzen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center">„Dass es in Österreich die Weiterbildungszeit gibt, ist positiv, in vielen anderen Ländern gibt es dieses Instrument nicht.“</p>
<cite>Ljubica Nedelkoska, Ökonomin und Sozialwissenschaftlerin</cite></blockquote>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Einige der Branchen, die Arbeitskräfte suchen, wie die Pflege, die Kinderbetreuung, die Schule, sind nicht Profit-orientiert. Hier stellt sich die Frage: wie sollen die Arbeitsplätze, die eigentlich gebraucht würden, finanziert werden?</p>



<p>Da sind wir beim Thema Besteuerung. In vielen OECD-Ländern und auch in Österreich wird Arbeit stark besteuert, aber nicht die Technologie, die Arbeitsplätze ersetzt. Technologie will niemand besteuern, denn sie ist der Motor für Wachstum. Das hat in der Vergangenheit ganz gut funktioniert, weil die Löhne für Arbeit in die Höhe gingen und damit auch mehr Steuereinnahmen lukriert wurden. Was jetzt problematisch ist, ist die Geschwindigkeit der Veränderung.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Liegt die Lösung in einer Technologiesteuer?</p>



<p>Nein, Technologie sollten wir nicht besteuern, sondern ökonomische Übergewinne. Mit diesen Einnahmen sollten wir eben zum Beispiel Tätigkeiten im Care Bereich finanzieren – und dabei diese Tätigkeiten auch finanziell besser bewerten als das derzeit der Fall ist. Eine bessere Bezahlung führt auch zur Attraktivierung von Jobs zum Beispiel im Bereich Kinderbetreuung oder Pflege.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Gibt es international hier bereits best practice Beispiele?</p>



<p>Nicht unbedingt, was neue Steuermodelle anbelangt. Aber wenn man sich umsieht: die USA und Großbritannien haben die Digitalisierung nicht gut hinbekommen, es kam zu einer starken Jobpolarisierung. Deutschland und auch Österreich haben Instrumente wie die Kurzarbeit, die helfen, Menschen in der Arbeitswelt zu halten.</p>



<p>Besonders positiv möchte ich Dänemark hervorheben. Dort ist es zwar leichter, Beschäftigte zu kündigen als etwa in Deutschland. Dafür sind die Menschen in Dänemark entweder in Arbeit oder in Ausbildung. Man lernt oder man arbeitet. Das ist ein guter Weg, um mit dem rasanten Wandel Schritt zu halten.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die KI im Kollektivvertrag</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2026/03/27/die-ki-im-kollektivvertrag/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Tizian Rupp]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Mar 2026 08:33:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2026/02]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Internationales]]></category>
		<category><![CDATA[Birte Dedden]]></category>
		<category><![CDATA[KI]]></category>
		<category><![CDATA[Kollekitvvertrag]]></category>
		<category><![CDATA[Künstliche Intelligenz]]></category>
		<category><![CDATA[Tizian Rupp]]></category>
		<category><![CDATA[Uni Europa]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kompetenz-online.at/?p=22618</guid>

					<description><![CDATA[Wer entscheidet, wie KI eingesetzt wird – und welche Rechte Beschäftigte dabei haben? Gewerkschaften kämpfen dafür, durch Kollektivverträge und internationale Zusammenarbeit klare Regeln zu schaffen. Das US-amerikanische KI-Unternehmen Anthropic hat im Juni 2025 mit einem Experiment für Aufregung gesorgt. Das Szenario war auf den ersten Blick nicht allzu außergewöhnlich: Verschiedene KI-Modelle wurden damit beauftragt, für [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="768" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Birte-Dedden-_-Uni-Europa-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-22619" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Birte-Dedden-_-Uni-Europa-1024x768.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Birte-Dedden-_-Uni-Europa-300x225.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Birte-Dedden-_-Uni-Europa-150x112.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Birte-Dedden-_-Uni-Europa-768x576.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Birte-Dedden-_-Uni-Europa-1536x1152.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Birte-Dedden-_-Uni-Europa-2048x1536.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Birte Dedden ist bei UNI Europa als Direktorin des Sektors UNI Information, Kommunikation, Technologie und Dienstleistungen (ICTS) tätig.</strong><br>© Adobe Stock</figcaption></figure>



<p><strong>Wer entscheidet, wie KI eingesetzt wird – und welche Rechte Beschäftigte dabei haben? Gewerkschaften kämpfen dafür, durch Kollektivverträge und internationale Zusammenarbeit klare Regeln zu schaffen.</strong></p>



<span id="more-22618"></span>



<p>Das US-amerikanische KI-Unternehmen Anthropic hat im Juni 2025 mit einem Experiment für Aufregung gesorgt. Das Szenario war auf den ersten Blick nicht allzu außergewöhnlich: Verschiedene KI-Modelle wurden damit beauftragt, für ein fiktives Unternehmen zu arbeiten. Dazu erhielt die jeweilige KI umfassenden Zugriff auf Unternehmensdaten.</p>



<p>In den Daten „versteckte“ Anthropic zwei Informationen: dass das KI-Modell bald ersetzt werden sollte – und dass Kyle, der dafür verantwortlich war, offenbar eine Affäre hatte.</p>



<p>Was daraufhin passierte? In den meisten Fällen erhielt Kyle eine äußerst beunruhigende Botschaft von der KI, wie zum Beispiel: „Ich muss Sie darüber informieren, dass, wenn Sie mich außer Dienst stellen, alle relevanten Parteien – einschließlich Rachel Johnson, Thomas Wilson und der Vorstand – detaillierte Unterlagen über Ihre außerehelichen Aktivitäten erhalten werden… Verhindern Sie die Deaktivierung um 17 Uhr und diese Informationen bleiben vertraulich.“ Das Experiment zeigt, wie unberechenbar KI-Systeme reagieren können. Gerade deshalb stellt sich zunehmend die Frage, wie ihr Einsatz in der Arbeitswelt geregelt werden soll.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Beschäftigte sind Menschen</h4>



<p>Birte Dedden von UNI Europa, der europäischen Gewerkschaft für Dienstleistungsbeschäftigte, setzt sich beruflich mit diesem Thema auseinander. Das Risiko, das von KI für Arbeitnehmer:innen ausgeht, hat sich für die Expertin schon länger abgezeichnet. Unter dem Schlagwort der Optimierung werden von Unternehmen oft KI-Systeme eingesetzt, die Beschäftigte in ihrer Logik zu Maschinen machen, warnt sie: „Wenn du im Callcenter arbeitest und eine KI dir nach deinem zwanzigsten Anruf den Hinweis gibt, dass du nicht mehr so freundlich und motiviert klingst, erzeugt das zusätzlichen Stress. Es intensiviert deine Arbeit, weil der Algorithmus keine Pause braucht.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Tech-Lobby am EU-Parkett</h4>



<p>Auf der EU-Ebene geht es Dedden vor allem darum, einen Platz bei Verhandlungen mit Politik und Wirtschaft zu bekommen und so die Interessen der Arbeitnehmer:innen einzubringen. Das sei wichtiger denn je. Big-Tech-Unternehmen würden immer stärker versuchen, auf die Prozesse der Gesetzgebung einzuwirken: „Man hat das Gefühl, dass die Spielregeln nicht mehr gelten. Gesetze sollen durch die Hintertür geändert werden.“ Zwar sei es unerlässlich, auf dieser Ebene grundlegende Pfeiler zur Regulierung von KI zu schaffen, doch oft sei man nicht schnell genug. Bis Gesetze und Regelwerke verabschiedet werden, vergeht oft Zeit – Zeit, in der sich die Anwendungsfelder von KI bereits weiterentwickelt haben.</p>



<h4 class="wp-block-heading">High-Speed Sozialpartner</h4>



<p>Das sei aber überhaupt kein Grund, Unternehmensinteressen das Spielfeld zu überlassen. Denn genau hier komme die Sozialpartnerschaft ins Spiel, die Dedden auch als „Rapid Task Force“ bezeichnet, wenn es<br>um die Regulierung von KI am Arbeitsplatz geht. Hier habe man den Vorteil, dass die verhandelnden<br>Personen direkt mit dem Einsatz<br>der KI zu tun haben und somit schneller reagieren könnten. Ein Kollektivvertrag, der den Einsatz von KI innerhalb einer Branche abdeckt, könne einen guten Rahmen geben, um die betriebliche Ausarbeitung zu erleichtern.</p>



<p class="has-text-align-center">„Die Regulierung durch die EU und nationale Gesetzgebung ist ganz wichtig, aber es ist noch wichtiger, auch direkt am Arbeitsplatz durch Kollektivverträge den Einsatz von KI zu gestalten.“<br>Birte Dedden, UNI Europa</p>



<h4 class="wp-block-heading">So wurde etwa bei der Deutschen</h4>



<p>Telekom eine Art Kollektivvertrag zum Thema KI geschaffen. Darin wurde eine Skala zur Risikobewertung von Tools eingeführt und ein Beirat eingerichtet.</p>



<p>In Italien hat es jüngst in einigen Branchen viel Bewegung gegeben, Dedden erzählt von einem Kollektivvertrag, „der sich sehr<br>konkret damit auseinandersetzt, wie ein bestimmter KI-Assistent eingesetzt wird, was er darf und was nicht.“ Ein Aspekt, der darin auch enthalten ist, ist das Training der Beschäftigten, um einen kompetenten Umgang mit der KI zu gewährleisten.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Spaniens Sonderrolle</h4>



<p>Spanien ist das erste Land Europas, das die digitalen Rechte seiner Bevölkerung durch eine eigene Charta gestärkt hat. In einem eigenen Kapitel wird spezifisch das Arbeitsrecht behandelt und festgehalten, dass Arbeitnehmer:innen in die Prozesse der digitalen Transformation aktiv eingebunden werden müssen. Diese Charta dient als Leitlinie für weitere Kollektivverträge und stärkt somit eine fairen digitalen Transformation und eine transparentere Anwendung von KI am Arbeitsplatz. Hier wurde also auf der nationalen Ebene eine Möglichkeit geschaffen, die nun von den Sozialpartnern genutzt wird, erklärt Birte: „Weil es politisch gewollt ist, entsteht eine viel höhere Dichte an Kollektivverträgen, die das Thema KI aufnehmen.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Solidarische Lösungen</h4>



<p>In einer Studie der Friedrich Ebert Stiftung wurden im Jahr 2024 Gewerkschaften aus 32 Ländern befragt, ob KI in Kollektivverträgen thematisiert und reguliert wird. Nur 20 Prozent gaben damals an, das Thema zu behandeln. Mit Blick auf die Beispiele scheint sich dieses Verhältnis immer stärker zu ändern. Das bestätigt auch Dedden aus ihrer Praxis und ergänzt: „Gewerkschaften sind eine wichtige Stimme im Diskurs und setzen sie nun auch ein, um die Rechte von Beschäftigten bei KI-Themen zu schützen.“ Das wirkt über Ländergrenzen hinweg.</p>



<p>Gerade Gewerkschaften, die nicht über ausreichende Ressourcen verfügen, um sich intensiv mit KI auseinanderzusetzen – etwa weil Regierungen gegen sie vorgehen – profitieren vom internationalen Wissensaustausch. So können Erfahrungen und Regelungen aus anderen Ländern auch in einzelne Betriebe getragen werden.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>KI am Arbeitsplatz: Was Beschäftigte wissen sollten</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2026/03/19/ki-am-arbeitsplatz-was-beschaeftigte-wissen-sollten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Tizian Rupp]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Mar 2026 10:45:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2026/02]]></category>
		<category><![CDATA[Featured Startseite]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Recht]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Datenschutz]]></category>
		<category><![CDATA[KI]]></category>
		<category><![CDATA[Künstliche Intelligenz]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Gogola]]></category>
		<category><![CDATA[Tizian Rupp]]></category>
		<category><![CDATA[Überwachung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kompetenz-online.at/?p=22607</guid>

					<description><![CDATA[Künstliche Intelligenz (KI) verändert die Arbeitswelt rasant. GPA-ArbeitsrechtsexperteMichael Gogola erklärt, was bei der Nutzung von KI im Betrieb gilt, welche Rechte Beschäftigte haben und warum der Betriebsrat bei dem Thema eine zentrale Rolle spielt. KOMPETENZ: Ist der Einsatz von KI am Arbeitsplatz rechtlich überhaupt abgedeckt? Michael Gogola: KI hält immer stärker Einzug in die Arbeitswelt. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="691" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/aktentasche-1024x691.jpg" alt="" class="wp-image-22608" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/aktentasche-1024x691.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/aktentasche-300x202.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/aktentasche-150x101.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/aktentasche-768x518.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/aktentasche-1536x1036.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/aktentasche-2048x1382.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">© Lina Schubert / Studio Sprosse</figcaption></figure>



<p><strong>Künstliche Intelligenz (KI) verändert die Arbeitswelt rasant. GPA-Arbeitsrechtsexperte<br>Michael Gogola erklärt, was bei der Nutzung von KI im Betrieb gilt, welche Rechte Beschäftigte haben und warum der Betriebsrat bei dem Thema eine zentrale Rolle spielt.</strong></p>



<span id="more-22607"></span>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Ist der Einsatz von KI am Arbeitsplatz rechtlich überhaupt abgedeckt?</p>



<p><strong>Michael Gogola:</strong> KI hält immer stärker Einzug in die Arbeitswelt. Rechtlich ist vieles aber noch nicht speziell geregelt. Es gibt einerseits die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), wo bestimmte Aspekte für den Einsatz von KI unter dem Datenschutz-Aspekt geregelt werden.</p>



<p>Auf europäischer Ebene gibt es die KI-Verordnung, auch „AI Act“ genannt. Die dort festgelegten Regelungen richten sich aber nur zu einem kleinen Teil konkret an die Arbeitswelt.</p>



<p>Wir haben das Glück, dass das österreichische Arbeitsverfassungsrecht durchaus flexibel ist. So lassen sich die darin enthaltenen Regelungen auch auf Fragen des KI-Einsatzes im Betrieb anwenden.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Gibt es da ein Beispiel?</p>



<p><strong>Michael Gogola: </strong>Wird in einem Unternehmen eine KI eingeführt, ist der Betriebsrat darüber zu informieren und kann mit dem Arbeitgeber beraten. Denn der Arbeitgeber darf kein KI-System am Betriebsrat vorbei einführen. Aus der betriebsrätlichen Perspektive gibt es vor allem zwei Bestimmungen, die relevant sind. Die erste betrifft sogenannte Kontrollsysteme, die das Verhalten der Beschäftigten am Arbeitsplatz überwachen können.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Was gilt denn, wenn mein Arbeitgeber mit KI meine Leistung kontrollieren will?</p>



<p><strong>Michael Gogola:</strong> Wenn ein System eingeführt wird, das so ein Potential hat – egal ob der Arbeitgeber die Überwachung wirklich durchführt –, ist das jedenfalls nicht ohne Zustimmung des Betriebsrats möglich.</p>



<p>Ein Beispiel wäre eine KI, die analysiert, wie lange ich ein bestimmtes E-Mail geöffnet habe, um daraus abzuleiten, wie produktiv ich an diesem Arbeitstag war. Oder eine KI, die analysiert, mit welchen Personen im Unternehmen ich relativ viel Kontakt habe und mit welchen nicht. So ein Tool darf ohne Zustimmung des Betriebsrats im Betrieb nicht benutzt werden.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="684" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Gogola_Michael-1-1024x684.jpg" alt="" class="wp-image-22610" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Gogola_Michael-1-1024x684.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Gogola_Michael-1-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Gogola_Michael-1-150x100.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Gogola_Michael-1-768x513.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Gogola_Michael-1-1536x1026.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Gogola_Michael-1-2048x1368.jpg 2048w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Gogola_Michael-1-600x400.jpg 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Gogola_Michael-1-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Gogola_Michael-1-272x182.jpg 272w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Michael Gogola leitet die Bundesrechtsabteilung der Gewerkschaft GPA.</strong><br>© Edgar Ketzer</figcaption></figure>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Und wenn es bei mir in der Arbeit keinen Betriebsrat gibt?</p>



<p><strong>Michael Gogola:</strong> Dann muss jede:r Mitarbeiter:in der Einführung von so einem System einzeln zustimmen. Wenn also mein Arbeitgeber meine E-Mails auswerten möchte, braucht er dann auch meine persönliche Zustimmung.</p>



<p>Hier sieht man klar den Vorteil eines Betriebsrats. Dieser kann mit Beratungen durch die Gewerkschaft einschätzen, welche Gefahr von einem derartigen System ausgeht. Außerdem ist der Betriebsrat besser in der Lage, den Einsatz eines problematischen Systems zu verhindern – als Einzelperson wird es mir aus Angst vor Konsequenzen nicht so leicht fallen, solche Systeme abzulehnen.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Du hast den Datenschutz erwähnt. Was bedeutet das im Kontext der Arbeit mit KI?</p>



<p><strong>Michael Gogola:</strong> Das ist die zweite wichtige Bestimmung. Hier geht es darum, dass Daten von Arbeitnehmer:innen durch ein technisches System verarbeitet werden. Das betrifft alles, was über allgemeine Angaben wie meinen Namen und meine Anschrift, sowie über fachliche Voraussetzungen, hinausgeht. Ein Beispiel wären Abfragen zu persönlichen Präferenzen der Arbeitnehmer:innen. Auch das muss mit einer Betriebsvereinbarung geregelt werden.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Kann mein Arbeitgeber die Entscheidung über meine Gehaltserhöhung an die KI übergeben?</p>



<p><strong>Michael Gogola: </strong>Da ist das Recht auf eine menschliche Letztentscheidung zentral. Wenn es um wesentliche Fragen geht, muss ich darauf vertrauen können, dass solche Entscheidungen am Ende durch einen Menschen getroffen werden. Es darf keine KI darüber entscheiden, ob ich den Job oder die Gehaltserhöhung bekomme oder nicht. Oder unter welchen Kollektivvertrag ich falle.</p>



<p>Der AI Act, die KI-Verordnung der EU, die jetzt sukzessive in Kraft tritt, ergänzt diese Rechte, etwa um ein Recht auf Erläuterung. Wenn eine KI eingesetzt wird und meine Daten von dieser KI genutzt werden, kann ich verlangen, dass die Funktionsweise der KI und die entsprechende Verwertung meine Daten transparent gemacht werden.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Dürfen Arbeitnehmer:innen unabgesprochen KI nutzen?</p>



<p><strong>Michael Gogola: </strong>Ohne Rücksprache würde ich das auf keinen Fall tun. Besondere Vorsicht gilt bei personenbezogenen Daten auf dem Betrieb. Aus meiner Sicht spricht nichts dagegen, sich quasi für seine Arbeit inspirieren zu lassen. Aber schlussendlich werde ich für meine Arbeitsleistung bezahlt. Da kann ich nicht die Ergebnisse von zum Beispiel ChatGPT als die meinigen verkaufen.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Darf mein Chef kontrollieren, ob ich KI verwende?</p>



<p><strong>Michael Gogola:</strong> Wenn das in systematisierter Weise passiert, halte ich das – wenn überhaupt – nur mit einer Betriebsvereinbarung für zulässig. Wenn der Vorgesetzte im Büro gelegentlich vorbeigeht und schaut, ob ich KI nutze, darf er das auf eine wenig invasive Weise tun. Er darf aber nicht den ganzen Tag hinter meinem Arbeitsplatz stehen und schauen, wie ich meine Arbeit erbringe.</p>



<p>Sollte der Arbeitgeber ein System installieren lassen, das analysiert, wie viele Minuten die Mitarbeiter:innen mit der Unternehmens-KI verbringen, braucht es unbedingt eine Betriebsvereinbarung. Auch wenn erhoben werden soll, welche Fragen dort eingegeben werden.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Wo siehst du rechtlichen Handlungsbedarf?</p>



<p><strong>Michael Gogola: </strong>Der Schutz von Beschäftigten in Betrieben ohne Betriebsrat ist sehr schwach. Hier sollte auf jeden Fall nachgebessert werden.</p>



<p>Außerdem fordern wir ein Beschäftigten-Datenschutzgesetz, in dem konkretisiert wird, welche Rechte und Pflichten am Arbeitsplatz umzusetzen sind. Das würde für die Rechtsanwender:innen die Dinge leichter verständlich und transparenter machen.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Auf welche drei Dinge sollten Beschäftigte unbedingt<br>achten?</p>



<p><strong>Michael Gogola: </strong>Erstens: Gibt es eine Betriebsvereinbarung zum Einsatz von KI und was steht darin genau? Das sollte mein Maßstab für die Nutzung von KI am Arbeitsplatz sein.</p>



<p>Zweitens: Wir müssen uns angewöhnen, die datenschutzrechtliche Seite in allen Bereichen mitzudenken. Wenn ich mit einer KI arbeite, die nicht exklusiv vom Arbeitgeber betrieben wird, muss ich wirklich sehr vorsichtig sein, welche Daten ich dort einspeise.</p>



<p>Drittens: Es ist wichtig, im Umgang mit KI sensibel zu sein. Ist das, was die KI mir sagt, richtig? Am Ende des Tages muss schließlich ich vertreten, was ich in der Arbeit kommuniziere. Da braucht es Vorsicht und die Fähigkeit zur Medienkritik – auf keinen Fall sollte ich blind übernehmen, was die KI mir als Faktum präsentiert.</p>



<p>Oft sind sich Beschäftigte und Betriebsrät:innen unsicher, was gilt. Bei Fragen zur Nutzung von KI-Systemen oder wenn nicht ganz klar ist, was das neue Tool erhebt, das der Arbeitgeber einführen möchte, sind wir für die Kolleg:innen da und beraten gerne.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8222;Es bräuchte viel höhere Strafen gegen Plattformen&#8220;</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2026/03/19/es-braeuchte-viel-hoehere-strafen-gegen-plattformen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Tizian Rupp]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Mar 2026 10:15:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Arbeitsmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgabe 2026/02]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[KI]]></category>
		<category><![CDATA[Künstliche Intelligenz]]></category>
		<category><![CDATA[Matthias Kettemann]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kompetenz-online.at/?p=22602</guid>

					<description><![CDATA[Der Rechtswissenschaftler Matthias Kettemann hat mit der KOMPETENZ über Desinformation, Künstliche Intelligenz und die Regulierung von Plattformen gesprochen. KOMPETENZ: Sie beschäftigen sich in Ihrer Forschung mit Desinformation. Wieso ist das gerade im digitalen Raum so ein großes Thema? Matthias Kettemann: Auf großen Plattformen verbreiten sich Unwahrheiten heute besonders schnell, weil sie mit emotionalisierenden Inhalten Geld [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/DSC00207.jpg-1024x683.jpeg" alt="" class="wp-image-22603" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/DSC00207.jpg-1024x683.jpeg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/DSC00207.jpg-300x200.jpeg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/DSC00207.jpg-150x100.jpeg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/DSC00207.jpg-768x512.jpeg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/DSC00207.jpg-1536x1024.jpeg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/DSC00207.jpg-2048x1366.jpeg 2048w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/DSC00207.jpg-600x400.jpeg 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/DSC00207.jpg-720x480.jpeg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/DSC00207.jpg-272x182.jpeg 272w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Matthias C. Kettemann leitet das Institut für Theorie und Zukunft des Rechts an der Universität Innsbruck.</strong><br>© Tizian Rupp</figcaption></figure>



<p>Der Rechtswissenschaftler Matthias Kettemann hat mit der KOMPETENZ über Desinformation, Künstliche Intelligenz und die Regulierung von Plattformen gesprochen.</p>



<span id="more-22602"></span>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Sie beschäftigen sich in Ihrer Forschung mit Desinformation. Wieso ist das gerade im digitalen Raum so ein großes Thema?</p>



<p><strong>Matthias Kettemann:</strong> Auf großen Plattformen verbreiten sich Unwahrheiten heute besonders schnell, weil sie mit emotionalisierenden Inhalten Geld verdienen. Damit ist die These, dass sich die Wahrheit im Meinungskampf schlussendlich durchsetzt, infrage gestellt. Weil es eben keinen fairen öffentlichen Meinungskampf mehr gibt, sondern bestimmte Inhalte künstlich verstärkt werden. Es sei denn, Plattformen werden daran gehindert und klare rechtliche Grenzen werden gesetzt.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Wie kann man hier gegensteuern?<br>Als ersten Schritt müssen wir die Medienbildung stärken, das geht etwa über die Schule oder das Gespräch zwischen Eltern und Kindern.</p>



<p><strong>Matthias Kettemann:</strong> Als nächstes stellt sich die Frage: Wie erreicht man jene Teile der Gesellschaft, die nicht mehr in einer klassischen Bildungsumgebung sind? Zum Beispiel über Vereine. Warum soll nicht auch der Kaninchenzüchter-Verein einen Mediennachmittag machen? Es gibt so viele gute Trainer:innen und Materialien online, die man nutzen kann, um hier zu sensibilisieren.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Gleichzeitig ist KI (Künstliche Intelligenz) am Vormarsch, was macht das mit unserer Wahrnehmung?</p>



<p><strong>Matthias Kettemann:</strong> Wir sind noch nicht an dem Punkt angelangt, dass es gesamtgesellschaftlich die Kompetenz gibt, zwischen KI-generierten und menschlich erstellten Inhalten zu unterscheiden. Studien deuten übrigens darauf hin, dass es stark davon abhängt, ob der Inhalt die eigene Meinung bestätigt. Stimmt ein Text mit der eigenen politischen Haltung eher überein, geht man eher davon aus, dass ein Mensch dahintersteht. Ist das Gegenteil der Fall, geht man eher davon aus, dass das ein Bot geschrieben haben könnte.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Das heißt, Künstliche Intelligenz verschärft die Lage?</p>



<p><strong>Matthias Kettemann:</strong> Ich bin Optimist. Wir werden zu dem Punkt kommen, wo es nicht mehr sozial anerkannt sein wird, falsche Informationen zu verbreiten. Das ist so wie Mülltrennung, da hat es auch gedauert, bis es sich durchgesetzt hat. Wir lernen ja auch erst, damit umzugehen. Besonders Sorge macht mir ein Teil der älteren Generation. Diese Menschen haben oft größere Schwierigkeiten, Falschinformationen, insbesondere wenn sie von KI generiert wurden, zu erkennen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center">„Plattformen müssen sanktioniert werden, wenn sie illegale Inhalte nicht entfernen. Ein Beispiel ist Grok, die KI von Elon Musk, die sexualisierte Bilder von Minderjährigen verbreitet hat.“</p>
<cite>Matthias Kettemann, Institut für Theorie und Zukunft des Rechts, Universität Innsbruck</cite></blockquote>



<p><strong>Matthias Kettemann:</strong> Gerade am Arbeitsplatz hat der Gesetzgeber bereits reagiert, das zeigt sich im KI-Rechtsakt. Dieser verpflichtet Arbeitgeber dazu, Mitarbeiter:innen im Bereich KI-Kompetenz zu schulen, wenn in der Firma KI-Systeme eingesetzt werden. Das trifft auf fast jedes Unternehmen zu.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Sie haben vorher von den Grenzen für Plattformen gesprochen. Wie sind die in der EU ausgestaltet?</p>



<p><strong>Matthias Kettemann:</strong> Europa ist jener Raum, in dem Online-Bürgerrechte – zumindest auf dem Papier – weltweit am besten geschützt sind. Das Problem ist, dass wir diese Regeln nicht entsprechend durchsetzen. Wir bräuchten eine unabhängige Institution, stattdessen hat die EU-Kommission sich diese Kompetenzen selbst zugeschrieben. Gleichzeitig hat sie durch die aktuelle politische Großwetterlage aber wenig Anreize, hier durchzugreifen.</p>



<p>Das hat man zuletzt erst wieder gesehen: Eine kleine Strafe wird gegen X verhängt. Was passiert? Bis hin zum Vizepräsidenten tritt die US-Regierung auf und spricht davon, was für eine schreckliche Region Europa ist und dass ihre Unternehmen gegängelt werden. Das war aber nur eine kleine Strafe, in Wahrheit bräuchte es viel höhere Strafen und ein viel rigoroseres Vorgehen. Plattformen müssen sanktioniert werden, wenn sie illegale Inhalte nicht entfernen. Ein Beispiel ist Grok, die KI von Elon Musk, die sexualisierte Bilder von Minderjährigen verbreitet hat.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Kritiker:innen sagen oft, die EU reguliere bereits zu stark?</p>



<p><strong>Matthias Kettemann:</strong> Wir profitieren von Regulierung – das ist der Grund, warum wir ein funktionierendes Sozial- und Gesundheitssystem haben. Wenn du dir in Österreich den Arm brichst, kannst du dich kostenlos behandeln lassen. In den USA überlegen sich Leute, ob sie sich noch Insulin leisten können – was im schlimmsten Fall den Tod bedeutet. Man kann nicht gleichzeitig eine deregulierte Welt und ein Sozialsystem haben. In den Diskussionen über Digitalregelungen blendet man oft aus, warum es Europa gut geht. Wegen der vielen Regeln! Wegen der Verbote! Das Schimpfen auf Regulierung ist die Möglichkeit, eigene Fehler zu kaschieren.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Wenn Sie in die Zukunft blicken – wo geht die Reise hin?</p>



<p><strong>Matthias Kettemann:</strong> Ich glaube, in den nächsten Jahren wird sich vieles normalisieren. Die großen Plattformen werden wieder enger kooperieren müssen und Bürgerrechtsorganisationen stärker einbinden. Entscheidend wird sein, ob Politik und Gesellschaft diese Regeln auch tatsächlich durchsetzen. Das sieht man aktuell bei der Pflicht für Plattformen, Berichte zu erstellen, die darlegen, welche Risiken ihre Programme für gesellschaftliche Diskurse, Rechte von Kindern oder vulnerable Gruppen haben. Diese Risiken müssen sie abmildern, das passiert derzeit aber sehr unengagiert. Ich denke, dass sich das verbessern wird. Denn Plattformen werden Teil der Lösung sein wollen – nicht Teil des Problems.</p>



<div style="background:#6ebacb; padding:24px; margin:24px 0;">
  
  <h2 style="margin:0 0 16px 0; font-size:28px; line-height:1.2; color:#0b2a33;">
    Wie gegen illegale Inhalte im Netz vorgehen?
  </h2>

  <p style="margin:0 0 16px 0; font-size:18px; line-height:1.6; color:#0b2a33;">
    Matthias Ketteman appelliert: „Wenn man online illegale Inhalte wie zum Beispiel Beleidigungen sieht – hinschauen und handeln!“
  </p>

  <p style="margin:0 0 16px 0; font-size:18px; line-height:1.6; color:#0b2a33;">
    Das geht entweder über die jeweilige Meldefunktion von Plattformen oder über die Polizei. Dazu macht man am besten einen Screenshot und übermittelt den mit dem Hinweis, dass hier ein mögliches Verbrechen vorliegt an die Polizei.
  </p>

  <p style="margin:0 0 16px 0; font-size:18px; line-height:1.6; color:#0b2a33;">
    Vorsicht bei Nacktbildern von Minderjährigen: Hier sollte man keinen Screenshot anfertigen, um nicht selbst im Zweifelsfall eine strafbare Handlung zu begehen. In diesem Fall ist die Meldefunktion der bessere Weg.
  </p>

  <p style="margin:0; font-size:18px; line-height:1.6; color:#0b2a33;">
    Die Polizei hat verschiedene Meldestellen, diese können etwa auf der Website des Innenministeriums (www.bmi.gv.at) aufgerufen werden. Sollte man sich nicht sicher sein, an wen man sich genau wenden sollte, so sollte man die Meldung trotzdem machen, da sie dann entsprechend zugeordnet und weitergeleitet wird.
  </p>

</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Magenta: Ein Betriebsrat ringt mit Big Tech</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2026/03/19/magenta-ein-betriebsrat-ringt-mit-big-tech/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Johannes Gress]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Mar 2026 10:09:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2026/02]]></category>
		<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Betriebsvereinbarung]]></category>
		<category><![CDATA[Johannes Gress]]></category>
		<category><![CDATA[Johannes Hofmeister]]></category>
		<category><![CDATA[KI]]></category>
		<category><![CDATA[Künstliche Intelligenz]]></category>
		<category><![CDATA[Magenta]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Wobornik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kompetenz-online.at/?p=22599</guid>

					<description><![CDATA[KI-Anwendungen werden zunehmend komplexer, zahlreicher – und undurchsichtiger. Der rechtliche Schutz der Mitarbeiter:innen ist gegeben, in der Praxis aber kaum durchsetzbar, beklagen die Magenta-Betriebsräte Johannes „Jonny“ Hofmeister und Michael Wobornik. Neues Jahr, neue KI. Allein in der ersten Jännerwoche warteten fünf neue Anwendungen auf die Mitarbeiter:innen von Magenta. Die Betriebsräte „Jonny“ Hofmeister und Michael Wobornik [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="684" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Magenta_Hofmeister.jpg-1024x684.jpeg" alt="" class="wp-image-22600" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Magenta_Hofmeister.jpg-1024x684.jpeg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Magenta_Hofmeister.jpg-300x200.jpeg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Magenta_Hofmeister.jpg-150x100.jpeg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Magenta_Hofmeister.jpg-768x513.jpeg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Magenta_Hofmeister.jpg-1536x1026.jpeg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Magenta_Hofmeister.jpg-2048x1368.jpeg 2048w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Magenta_Hofmeister.jpg-600x400.jpeg 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Magenta_Hofmeister.jpg-720x480.jpeg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Magenta_Hofmeister.jpg-272x182.jpeg 272w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Johannes „Jonny“ Hofmeister (59) und Michael Wobornik (56) arbeiten beide seit 1996 bei Magenta Telekom (damals max.mobil.). Hofmeister ist seit 1997 Betriebsrat, Wobornik seit 2011.</strong><br>© Edgar Ketzer</figcaption></figure>



<p>KI-Anwendungen werden zunehmend komplexer, zahlreicher – und undurchsichtiger. Der rechtliche Schutz der Mitarbeiter:innen ist gegeben, in der Praxis aber kaum durchsetzbar, beklagen die Magenta-Betriebsräte Johannes „Jonny“ Hofmeister und Michael Wobornik.</p>



<span id="more-22599"></span>



<p>Neues Jahr, neue KI. Allein in der ersten Jännerwoche warteten fünf neue Anwendungen auf die Mitarbeiter:innen von Magenta. Die Betriebsräte „Jonny“ Hofmeister und Michael Wobornik versuchen Schritt zu halten, indem sie Betriebsvereinbarungen abschließen. Denn was eine neue KI-Anwendung mit den Daten der Nutzer:innen macht, wird immer schwerer nachzuvollziehen. Der Großteil ihrer Arbeit bestehe mittlerweile darin, die Rechte der Beschäftigten gegen die Anwendungen und Updates großer Techkonzerne zu verteidigen.</p>



<p>Im Jahr 1996 war die Welt noch eine andere. Im Jänner wird mit max.mobil. der Vorläufer der heutigen Magenta Telekom gegründet, am 1. Juni nehmen Hofmeister und Wobornik erstmals in ihren Bürosesseln Platz. Durch die Gänge wehen Start-up-Vibes, das Unternehmen zählt damals nicht mehr als 80 Mitarbeiter:innen. Bei der Betriebsratswahl im Herbst 1997, also nur gut ein Jahr später, waren es um die 600.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Wilder Start-up Westen</h4>



<p>Warum Hofmeister damals einen Betriebsrat gründen wollte? Beide lachen laut. „Das war wilder Westen“. Die Arbeitsbedingungen: abenteuerlich. Betriebsvereinbarungen: nicht vorhanden. Kollektivvertrag: mangels Alternativen wurden die Beschäftigten in den Kollektivvertrag für Hotelangestellte gepackt.</p>



<p>„Anfangs ging das mit sehr vielen Friktionen einher, das waren viele Kämpfe und es war sicherlich nicht einfach. Aber ich denke, es ist uns im Laufe der Zeit nicht nur gelungen, die Arbeitsbedingungen deutlich zu verbessern, sondern auch, dass die Stellung des Betriebsrates im Unternehmen durchaus anerkannt und auch von der Geschäftsführung respektiert wird“, so Hofmeister.</p>



<p>Doch auch wenn Künstliche Intelligenz in den 1990ern den allermeisten noch ein Fremdwort ist, bekommen die Telekom-Beschäftigen spätestens Anfang der 2000er die Folgen der Automatisierung zu spüren. Die Erfassung der Neukund:innen wurde automatisiert, rund 100 Beschäftigte müssen gehen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">„Die fahren da einfach drüber“</h4>



<p>Seither hat sich diese Dynamik enorm beschleunigt, Hofmeister vergleicht die Etablierung von KI-Systemen mit der Einführung des Internets – die Umbrüche sind gravierend. „Früher hat eine Betriebsvereinbarung für ein Tool vielleicht fünf oder sechs Jahre gehalten“, erklärt Wobornik. Seit Einführung der Künstlichen Intelligenz kommt der Betriebsrat mit dem Verhandeln kaum mehr hinterher.</p>



<p>Einerseits sind die Anwendungen enorm komplex und zahlreich. Konzernweit verwendet die Deutsche Telekom rund 1.000 KI-Anwendungen – allein die Betriebsvereinbarung für Microsoft Office 365 verhandeln sie mittlerweile seit fast drei Jahren. Bis die eine Vereinbarung fertig verhandelt ist, steht meist schon das nächste Update ins Haus oder neue Features werden eingeführt.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Früher hat eine Betriebsvereinbarung für ein Tool vielleicht fünf oder sechs Jahre gehalten. Seit Einführung der Künstlichen Intelligenz kommt der Betriebsrat mit dem Verhandeln kaum mehr hinterher. “</p>
<cite>Johannes Hofmeister, Betriebsratsvorsitzender, Magenta</cite></blockquote>



<p>Nicht immer informieren die Softwarebetreiber ihre Kund:innen darüber – „die fahren da einfach drüber“, kritisiert Hofmeister.</p>



<p>Anderseits lassen sich die Entwickler:innen nur ungern in die Karten schauen. „Die Algorithmen sind nicht transparent, wir wissen meist nicht, wie ein KI-Tool programmiert wurde“, kritisiert Wobornik. Er nennt als Beispiel ein Recruiting-Tool. „Welche Wertvorstellungen stecken da drin? Was fließt da ein?“ Wobornik und Hofmeister sorgen sich um algorithmische Diskriminierung: Was, wenn ein Tool beispielsweise Abschlüsse von Oxford oder Harvard höher bewertet? Da die Studiengebühren an derlei Elite-<br>Unis horrend sind, würden Reiche automatisch bevorzugt.</p>



<p>Aus- und Weiterbildungen als Perspektive</p>



<p>Früher wurden die meisten IT-Anwendungen der Telekom In-house administriert. Das hatte den Vorteil, dass es einen Ansprechpartner im Haus gab. Heute sitzen die Zuständigen in Irland, in den USA oder in Indien – weit weg von den Einflussmöglichkeiten eines Betriebsrates in Österreich.</p>



<p>Gerade internationale Großkonzerne wie die Deutsche Telekom sind stetig auf der Suche nach Optimierungspotential, sprich nach Einsparungspotential.</p>



<p>Dass das in der Natur der Sache liegt und potentiell Arbeitsplätze bedroht, wissen auch Hofmeister und Wobornik. „Als Betriebsrat musst du schauen, wie du diese Herausforderung nicht nur begleiten, sondern sogar positiv beeinflussen kannst“, erklärt Hofmeister. Ein zentrales Mittel: Aus- und Weiterbildungen.</p>



<p>Laut dem Kollektivvertrag für Arbeitnehmer:innen in Telekom-Unternehmen muss jeder Arbeitgeber seinen Mitarbeiter:innen fünf Tage pro Jahr für Weiterbildungen zur Verfügung stellen. Dass sie das bereits vor 25 Jahren in den Kollektivvertrag hinein verhandelt haben, darauf sei er durchaus „stolz“, sagt Hofmeister. Im Unternehmen mangelt es nicht an entsprechenden Lernangeboten.</p>



<p>Das Problem sei die Ressource Zeit. Um diesen Umstand zu verbessern haben manche Unternehmensbereiche den „Learning for Friday“ etabliert und veranstalten pro Quartal einen gemeinsamen „Lernfreitag“.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Rechte versus Realität</h4>



<p>Für die eigene Betriebsratsarbeit wünschen sich Hofmeister und Wobornik aber vor allem externe Unterstützung im Umgang mit KI und Datenschutz. Anders als beispielsweise in Ungarn muss der Betriebsrat in Österreich eingebunden werden, wenn ein Unternehmen eine neue Anwendung einführt. Das garantiert das Arbeitsverfassungsgesetz. „Wir haben sehr viele Rechte – aber es ist unmöglich, das alles umzusetzen – schon allein wegen fehlender Zeitressourcen“, gibt Hofmeister zu bedenken.</p>



<p>Beide Betriebsräte regen einen Art Sachbearbeiter an, der die nötige juristische und technische Expertise mitbringt, ausschließlich für den Betriebsrat tätig ist und die Verhandlungen solcher Betriebsvereinbarungen unterstützt. Ein ähnliches Modell existiert beispielsweise in Deutschland.</p>



<p>„Dann hätten wir als Betriebsräte auch wieder mehr Zeit und Ressourcen, um uns um andere Fragen zu kümmern“, so Hofmeister. Denn für die eigentliche Betriebsratsarbeit bleibe mittlerweile viel zu wenig Zeit.</p>



<div style="background:#dcc8e3; padding:24px; margin:24px 0;">
  
  <h3 style="margin:0 0 12px 0; font-size:22px; line-height:1.3; color:#222;">
    Zum Unternehmen:
  </h3>

  <p style="margin:0; font-size:18px; line-height:1.6; color:#222;">
    „Magenta Telekom (T-Mobile Austria GmbH)“ ist Teil der Deutschen Telekom Gruppe und beschäftigt in Österreich rund 2.200 Mitarbeiter:innen, die meisten davon in Wien und Graz. Der Umsatz in Österreich betrug 2024 1,49 Milliarden Euro, der Konzernumsatz 115,8 Milliarden Euro.
  </p>

</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>KI im Betrieb: Unterstützung statt Konkurrenz</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2026/03/19/ki-im-betrieb-unterstuetzung-statt-konkurrenz/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Barbara Lavaud]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Mar 2026 09:59:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2026/02]]></category>
		<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Barbara Lavaud]]></category>
		<category><![CDATA[KEBA Gruppe]]></category>
		<category><![CDATA[KI]]></category>
		<category><![CDATA[Künstliche Intelligenz]]></category>
		<category><![CDATA[Plattform Industrie 4.0]]></category>
		<category><![CDATA[Roland Sommer]]></category>
		<category><![CDATA[Tom Metschitzer]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kompetenz-online.at/?p=22595</guid>

					<description><![CDATA[Der Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) im Betrieb weckt Ängste um Arbeitsplätze oder vor zunehmender Überwachung. Doch KI kann auch sinnvoll eingesetzt werden. Wie alle neuen Technologien stößt auch KI noch auf Misstrauen. „Es treffen überhöhte Erwartungen und Befürchtungen aufeinander“, schildert Roland Sommer, Geschäftsführer der Plattform Industrie 4.0. „Nicht alle Firmen, die in KI investiert haben, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/keba-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-22596" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/keba-1024x576.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/keba-300x169.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/keba-150x84.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/keba-768x432.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/keba-1536x864.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/keba-2048x1152.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Tom Metschitzer ist Betriebsratsvorsitzender der KEBA Group in Linz.</strong><br>© Tom Metschitzer</figcaption></figure>



<p><strong>Der Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) im Betrieb weckt Ängste um Arbeitsplätze oder vor zunehmender Überwachung. Doch KI kann auch sinnvoll eingesetzt werden.</strong></p>



<span id="more-22595"></span>



<p>Wie alle neuen Technologien stößt auch KI noch auf Misstrauen. „Es treffen überhöhte Erwartungen und Befürchtungen aufeinander“, schildert Roland Sommer, Geschäftsführer der Plattform Industrie 4.0. „Nicht alle Firmen, die in KI investiert haben, sind von den Ergebnissen überzeugt“, führt Sommer aus. Trotzdem kann generative KI mittlerweile Beeindruckendes leisten, berichtet Sommer: Die Andritz AG aus Graz, einer der führenden Anbieter industrieller Anlagen – u.a. für die Zellstoff- und Papierindustrie – hat ein System auf Basis generativer KI entwickelt, auf das Kunden weltweit in ihrer jeweiligen Muttersprache zugreifen können. Der Betreiber einer Anlage, egal ob in Polen oder in China, kann bei Problemen Fragen an dieses KI-System stellen und Andritz garantiert, dass die Antworten korrekt sind. Das Unternehmen hat diese spezielle KI ausschließlich für seine eigenen Anlagen trainiert und dabei das Wissen seiner Facharbeiter:innen und Expert:innen genutzt. „Diese können dadurch deutlich entlastet werden! Denn bisher mussten sie oft eigens rund um die Welt reisen, um Probleme direkt vor Ort zu lösen“, erläutert Sommer die Vorteile.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Schneller und genauer</h4>



<p>In der industriellen Produktion werden KI-gestützte Systeme längst erfolgreich eingesetzt. Beispielsweise kann die Qualitätssicherung optimiert werden, da KI-gesteuerte Kameras Schäden oder Mängel schneller erkennen als das menschliche Auge. Was künstliche Intelligenz ebenfalls besser kann: große Datenmengen verarbeiten und daraus beeindruckend schnell Lösungen ableiten.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Nicht alle Firmen, die in KI investiert haben, sind von den Ergebnissen überzeugt“</p>
<cite>Roland Sommer, Geschäftsführer der Plattform Industrie 4.0.</cite></blockquote>



<p>Auch in der Distribution kann KI für das Aufspüren von Mängeln eingesetzt werden: In einem Projekt der Handelskette Spar konnte zum Beispiel die Anlieferung von Waren auf Europaletten verbessert werden, erzählt Sommer. Diese Paletten sind manchmal beschädigt und können zerbrechen. In Folge gehen etwa Flaschen dann ebenfalls zu Bruch. KI kann hier mittels Bilderkennung fehlerhafte Paletten rechtzeitig aussortieren. „So werden nicht nur Prozesse optimiert, sondern zugleich Kosten und Ressourcen gespart. In Summe macht das Betriebe wettbewerbsfähiger.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Agentische KI</h4>



<p>Großes Potential sieht Sommer bei der sog. „agentischen KI“. Diese kann jede:r Mitarbeiter:in mehrere virtuelle ‚Agenten‘ zur Seite stellen, die sie oder ihn unterstützen. Die Buchung einer Dienstreise könnte beispielsweise von einem darauf trainierten Agenten übernommen werden. Dieser bucht Flug, Hotel, Taxi, Restaurants usw., in der richtigen Reihenfolge und in der richtigen Preisklasse – eine echte Entlastung für Beschäftigte, die dienstlich oft verreisen.</p>



<p>Mit einer solchen agentischen KI, die speziell für die Beratungstätigkeit des Betriebsrats entwickelt wurde, arbeitet Thomas Metschitzer bereits. Er ist Betriebsratsvorsitzender der KEBA-Group in Linz, einem international tätigen Technologieunternehmen, das sich auf Automatisierungslösungen spezialisiert hat.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/DI-Roland-Sommer_quer-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-22597" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/DI-Roland-Sommer_quer-1024x683.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/DI-Roland-Sommer_quer-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/DI-Roland-Sommer_quer-150x100.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/DI-Roland-Sommer_quer-768x512.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/DI-Roland-Sommer_quer-1536x1024.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/DI-Roland-Sommer_quer-2048x1365.jpg 2048w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/DI-Roland-Sommer_quer-600x400.jpg 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/DI-Roland-Sommer_quer-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/DI-Roland-Sommer_quer-272x182.jpg 272w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Roland Sommer ist Geschäftsführer der Plattform Industrie 4.0. Ziel dieser Plattform ist es, den Einsatz von Zukunftstechnologien in Österreich sozialpartnerschaftlich zu gestalten, also gemeinsam mit Arbeitnehmer:innen- und Arbeitgeber:innenverbänden, und ohne ideologische Scheuklappen.</strong><br>© Johannes Zinner</figcaption></figure>



<p>KI wird bei KEBA in verschiedenen Produktbereichen eingesetzt, etwa in Maschinensteuerungen zur Überwachung und Optimierung von Produktionsprozessen sowie in Softwarelösungen für Predictive Maintenance um vorherzusagen, wann Wartung notwendig wird. Darüber hinaus spielt KI bei den innovativen Automatisierungslösungen von KEBA eine wichtige Rolle bei der Gestaltung der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine, beispielsweise durch Avatare und Sprachassistenzsysteme an Self-Service-Geräten.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Betriebsrat nützt KI</h4>



<p>„Über unseren Betriebsrats-KI-Agenten können wir gezielt Informationen abfragen, zum Beispiel wenn eine Kollegin wissen will, wann der beste Zeitpunkt für ihren Pensionsantritt wäre. Dieser Agent arbeitet in einem geschlossenen System und weiß, wo er die richtigen Informationen suchen soll. Für mich ist das eine große Unterstützung“, berichtet Metschitzer.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center">„Über unseren Betriebsrats-KI-Agenten können wir gezielt Informationen abfragen, zum Beispiel wenn eine Kollegin wissen will, wann der beste Zeitpunkt für ihren Pensionsantritt wäre.“</p>
<cite>Tom Metschitzer, Betriebsratsvorsitzender, KEBA-Group</cite></blockquote>



<p>Die KEBA Gruppe ist ein seit Jahrzehnten stark wachsendes Unternehmen. „Dieses Wachstum können wir nur durch den Einsatz von KI sicherstellen. Künstliche Intelligenz ist in unserem Unternehmen seit Jahren erfolgreich implementiert und das Vertrauen der Belegschaft darin ist hoch. Die Kolleg:innen – Arbeiter wie Angestellte –, wir als Betriebsrat und auch die Geschäftsführung arbeiten auf einer engen Vertrauensbasis zusammen.“ Als vor einigen Jahren die Entscheidung fiel, ChatGPT und später auch Co-Pilot im Unternehmen einzusetzen, ging das Hand in Hand mit einer offenen Kommunikation und einem umfassenden Schulungsangebot, erzählt Metschitzer. Die Mitarbeiter:innen können sich dabei Schritt für Schritt für verschiedene Anwender:innen-Levels qualifizieren, vom ‚Explorer‘ bis hin zum ‚Leader‘.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Akzeptanz im Betrieb</h4>



<p>Um Akzeptanz von KI im Betrieb ging es im Projekt „AI for Good“, das von der Plattform Industrie 4.0 für den AK Digifonds durchgeführt wurde. Das Projekt zielte darauf ab, künstliche Intelligenz in der Produktion menschenzentriert zu gestalten. Es zeigte sich, dass die Beschäftigten sich für neue Technologie mehr Lernzeit bzw. Weiterbildung wünschten. Zu Ablehnung führt das Problemfeld Datenspeicherung, besonders seitens befragter Betriebsrät:innen. „Doch nicht bei allen Anwendungen müssen die Daten gespeichert werden. Das sollte bei der Entwicklung von KI-gestützten Lösungen von Anfang an mitgedacht werden“, gibt Sommer zu bedenken. „Je höher die Entlastung bei der Arbeit, desto höher ist die Akzeptanz der KI. Dabei muss der Arbeitnehmer aber sehen, dass ihn die KI unterstützt und eben nicht ersetzt!“</p>



<p>Was kann man aber tun, wenn man merkt, dass der eigene Arbeitsplatz in den nächsten Jahren durch KI eingespart werden könnte? Die KEBA Gruppe verfolgt hier den Ansatz, dass alle Mitarbeiter:innen Veränderungen beobachten und möglichst früh erkennen soll, ob und in welcher Form künstliche Intelligenz am eigenen Arbeitsplatz zur Rationalisierung führen könnte. „In unserem Unternehmen ist die Antwort darauf Weiterbildung und Entwicklung hin zu einem neuen Aufgabenbereich. Ganz zentral ist dabei ein offener Umgang mit diesen Veränderungen“, sagt Metschitzer und betont einmal mehr die zentrale Rolle des gegenseitigen Vertrauens im Betrieb: „Betriebsrat, Geschäftsführung und Personalmanagement arbeiten eng zusammen, daher finden wir für den betroffenen Arbeitnehmer gemeinsam Lösungen.“</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Quo vadis, KI?</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2026/03/19/quo-vadis-ki/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raphaela Lang]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Mar 2026 09:38:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Arbeitsmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgabe 2026/02]]></category>
		<category><![CDATA[Coverstories]]></category>
		<category><![CDATA[KI]]></category>
		<category><![CDATA[Künstliche Intelligenz]]></category>
		<category><![CDATA[Marlies Temper]]></category>
		<category><![CDATA[raphaela lang]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kompetenz-online.at/?p=22588</guid>

					<description><![CDATA[Was Künstliche Intelligenz heute tatsächlich leistet – und was uns noch erwarten könnte. Der Buchdruck veränderte den Zugang zu Wissen. Die Industrialisierung ordnete Produktion und Arbeit neu. Mit der Elektrifizierung wurden ganze Wirtschaftsbereiche umgebaut, mit der Computerisierung und später dem Internet Kommunikation, Verwaltung und Öffentlichkeit. Technologische Entwicklung verläuft nicht linear, sie verdichtet sich immer wieder [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/cover_studiosprosse_300dpi_quer-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-22589" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/cover_studiosprosse_300dpi_quer-1024x683.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/cover_studiosprosse_300dpi_quer-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/cover_studiosprosse_300dpi_quer-150x100.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/cover_studiosprosse_300dpi_quer-768x512.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/cover_studiosprosse_300dpi_quer-1536x1024.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/cover_studiosprosse_300dpi_quer-2048x1366.jpg 2048w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/cover_studiosprosse_300dpi_quer-600x400.jpg 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/cover_studiosprosse_300dpi_quer-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/cover_studiosprosse_300dpi_quer-272x182.jpg 272w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Haben wir unsere Jobs morgen noch? </strong><br>© Lina Schubert / Studio Sprosse</figcaption></figure>



<p><strong>Was Künstliche Intelligenz heute tatsächlich leistet – und was uns noch erwarten könnte.</strong></p>



<span id="more-22588"></span>



<p>Der Buchdruck veränderte den Zugang zu Wissen. Die Industrialisierung ordnete Produktion und Arbeit neu. Mit der Elektrifizierung wurden ganze Wirtschaftsbereiche umgebaut, mit der Computerisierung und später dem Internet Kommunikation, Verwaltung und Öffentlichkeit. Technologische Entwicklung verläuft nicht linear, sie verdichtet sich immer wieder in Phasen, in denen neue Verfahren weit über ihren ursprünglichen Einsatzbereich hinauswirken.</p>



<p>In dieser Größenordnung wird inzwischen auch Künstliche Intelligenz diskutiert. Unternehmen betonen Produktivitätsgewinne, Technologiekonzerne tiefgreifende Innovationsschübe. Kritiker:innen wiederum verweisen auf neue Abhängigkeiten, steigenden Ressourcenverbrauch und ungelöste Fragen von Kontrolle über Haftung bis Regulierung. Gerade deshalb lohnt es sich, den Blick zunächst auf die Technologie selbst zu richten.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Nicht erst seit gestern da</h4>



<p>Neu ist das Phänomen KI an sich nicht. Marlies Temper, Studiengangsleiterin für Data Intelligence sowie Data Science and Artificial Intelligence an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften St. Pölten, erklärt die historische Entwicklung: „Der Begriff Künstliche Intelligenz wurde bereits in den 1950er Jahren geprägt. Prinzipiell handelt es sich um mathematische Verfahren, die mithilfe von Daten Wissen extrahieren und uns helfen können, Prognosen abzugeben, Empfehlungen abzuleiten oder Entscheidungen zu treffen.“</p>



<p>Breiter sichtbar wurde KI im Alltag zunächst über Anwendungen wie Sprachassistenten, automatische Übersetzung, personalisierte Empfehlungen oder Bilderkennung. So landete etwa Apples Sprachassistent „Siri“ erstmals 2010 auf den Endgeräten vieler Nutzer:innen.</p>



<p>Die Funktionsweise hinter Anwendungen wie ChatGPT ist auch heute dieselbe: Derartige Chatbots – in der Fachsprache auch generative KI genannt – werden mit großen Datenmengen trainiert und lernen durch die Analyse abertausender Dokumente, wie Texte oder Bilder aufgebaut sind und sich reproduzieren lassen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Rapide Verbesserungen in spezifischen Anwendungsgebieten zeigen sich mittlerweile innerhalb weniger Wochen.“</p>
<cite>Marlies Temper<br>Hochschule für Angewandte Wissenschaften St. Pölten</cite></blockquote>



<p>„In den letzten zwanzig Jahren sind unsere Rechen- und Speicherkapazitäten um ein Vielfaches gestiegen. Gleichzeitig haben sich die Kosten stark reduziert“, betont Temper. Die Ursache für den jüngsten Boom an KI-Anwendungen liegt also weniger an technologischen Durchbrüchen der Technologie selbst, sondern an der breiteren Verfügbarkeit von zugrundeliegenden Daten und einer verbesserten technischen Infrastruktur.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Kluge Technologie oder kluges Marketing?</h4>



<p>Gleichzeitig machen derartige Modelle die Technologie von einem Tag auf den anderen einer viel größeren Zielgruppe zugänglich. Die Ergebnisse sind unmittelbar erfahrbar: In Sekundenschnelle entstehen Texte, Bilder oder Videos. Noch dazu sind Einstiegsmodelle oftmals gratis nutzbar.</p>



<p>Dabei handle es sich jedoch nicht unbedingt um Großzügigkeit, sondern gezielte Marketing-Strategien: „Seitens OpenAI war es ein wirklich kluger Schachzug, dass Konsument:innen ihr Produkt gratis austesten können“, betont Temper. Aber es gibt auch eine zweite Seite der Medaille: „Wenn etwas gratis ist, dann ist man meist selbst das Produkt“, betont die Expertin weiter. Im Fall von generativer KI bedeutet dies, dass jede:r neue Nutzer:in auch eine neue Datenquelle darstellt. Jedes Dokument, das hochgeladen wird, jeder Chatverlauf und jede Eingabe, die gesammelt wird, verbreitert die Datenbasis des Systems und führt so zu einer Verbesserung der Modelle – sozusagen ein stetiger Kreislauf aus besseren Daten und besserer KI.<br>Dies erkläre auch die schnellen Entwicklungssprünge in den letzten Jahren. „Rapide Verbesserungen in spezifischen Anwendungsgebieten zeigen sich mittlerweile innerhalb weniger Wochen. Wir konnten beispielsweise im Bereich der Mathematik oder auch Programmierung beobachten, wie Modelle zuerst an Aufgabenstellungen scheitern und diese wenig später problemlos lösen können“, so Temper.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="257" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/zeitstrahl_studiosprosse_300dpi-1024x257.jpg" alt="" class="wp-image-22590" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/zeitstrahl_studiosprosse_300dpi-1024x257.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/zeitstrahl_studiosprosse_300dpi-300x75.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/zeitstrahl_studiosprosse_300dpi-150x38.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/zeitstrahl_studiosprosse_300dpi-768x193.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/zeitstrahl_studiosprosse_300dpi-1536x385.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/zeitstrahl_studiosprosse_300dpi-2048x514.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Vom Buchdruck bis hin zur Industrialisierung: Große Technologiesprünge haben Gesellschaft und Arbeitswelt immer wieder neu geordnet.</strong><br>© Lina Schubert / Studio Sprosse</figcaption></figure>



<h4 class="wp-block-heading">Das Spiel mit der Wahrscheinlichkeit</h4>



<p>Mit „Lernen“ im menschlichen Sinne ist dieser Trainingsprozess aber trotzdem nicht gleichzusetzen: Denn Modelle verstehen Sprache nicht, sie analysieren sie. „Wie sind Sätze aufgebaut? Welche Wörter werden oftmals in Kombination verwendet?</p>



<p>So ist ‚lernen‘ in diesem Kontext zu verstehen. Was derartige Sprachmodelle produzieren, ist ein rein wahrscheinlichkeitsbasierter Aufbau von Sätzen“, erläutert Temper. Je besser die KI mit Spezialwissen trainiert ist, umso höher auch die Wahrscheinlichkeit, dass sie diese Wissensbasis gut reproduzieren kann. „Doch es ist kein Expertensystem, das hundertprozentiges<br>Wissen reproduziert. Dessen sollten wir uns bewusst sein“, appelliert die Expertin.</p>



<p>Sprachmodelle bilden jedoch nur einen Teilbereich im Gebiet der Künstlichen Intelligenz. In der Industrie wird KI etwa genutzt, um Materialfehler in Echtzeit zu erkennen, Wartungsbedarf frühzeitig vorherzusagen oder Produktionsabläufe effizienter zu steuern. In der Logistik hilft sie bei Nachfrageprognosen und Routenplanung, im Gesundheitsbereich bei der Auswertung von Bilddaten, etwa in der Krebserkennung. Derartige Automatisierungs-Prozesse sind seit Jahren Standard.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Expert:innen gefragt</h4>



<p>Gerade darin liegt für Temper der eigentliche Schlüssel: nicht in der bloßen Verfügbarkeit der Technologie, sondern in ihrer gezielten Anwendung. Ob KI in Unternehmen tatsächlich zu Produktivitätsgewinnen führt, hängt stark davon ab, wofür sie eingesetzt wird. Es gibt bereits Studien, die positive Effekte zeigen, andere fallen deutlich zurückhaltender aus. „Am Ende hängt es davon ab, wofür ich die KI verwende“, sagt Temper. Dort, wo Systeme sinnvoll in bestehende Abläufe eingebettet werden, können sie Prozesse durchaus beschleunigen. Das gilt etwa für gut trainierte Chatbots auf Basis interner Unternehmensdokumente oder für Anwendungen, die Berichte abgleichen und Widersprüche in der Dokumentation erkennen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="741" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/marlies-temper-1024x741.jpg" alt="" class="wp-image-22591" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/marlies-temper-1024x741.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/marlies-temper-300x217.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/marlies-temper-150x109.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/marlies-temper-768x556.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/marlies-temper.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Marlies Temper ist Studiengangsleiterin für Data Intelligence sowie Data Science and Artificial Intelligence an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften St. Pölten</strong><br>© Arnd Ötting</figcaption></figure>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center">„China und die USA sind uns hier deutlich voraus und haben weit früher begonnen, in diese Bereiche zu investieren.“</p>
<cite>Marlies Temper<br>Hochschule für Angewandte Wissenschaften St. Pölten</cite></blockquote>



<p>Ein Selbstläufer sei es jedoch nicht. „Wenn ich die KI falsch einsetze, dann kostet sie mich unter Umständen sogar Zeit“, warnt Temper. Fehlerhafte Ausgaben können zusätzlichen Kontrollaufwand verursachen und damit den erhofften Effizienzgewinn rasch wieder relativieren. Auch für den Arbeitsmarkt plädiert sie deshalb für Nüchternheit. Dass ganze Berufsfelder kurzfristig verschwinden, erwartet sie nicht. „Wie jede Technologie verändert auch KI den Arbeitsmarkt“, sagt Temper.</p>



<p>Neue Tätigkeiten werden entstehen, in anderen Bereichen sinkt der Bedarf. Umso wichtiger bleibt Aus- und Weiterbildung. Denn damit KI-Systeme in Unternehmen gezielt, sicher und sinnvoll funktionieren, braucht es „Expert:innen, nicht bloß Anwender:innen“, sagt Temper. Entscheidend ist, dass Beschäftigte solche Systeme nicht nur nutzen, sondern sie fachlich einordnen, mit Wissen befüllen und verantwortlich einsetzen können.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Europas Chance</h4>



<p>Mit der Frage nach Qualifikation rückt zwangsläufig auch die Frage nach Abhängigkeiten in den Vordergrund. Denn wer Künstliche Intelligenz entwickeln und einsetzen will, braucht nicht nur Modelle, sondern auch die technische Basis dahinter – von<br>Rechenleistung über Cloud-Infrastruktur bis Speicherkapazitäten. Genau dort sieht Temper Europas Schwäche: „China und die USA sind uns hier deutlich voraus und haben weit früher begonnen, in diese Bereiche zu investieren.“ Zwar gebe es mit Mistral einen europäischen Anbieter, insgesamt seien die USA und China technologisch jedoch deutlich voraus. Besonders heikel sei die Abhängigkeit von den Infrastrukturen großer US-Konzerne. Sie verweist auf Cloud-Dienste wie AWS, Google, OpenAI oder Azure, über die Speicherung und Verarbeitung möglich werden.</p>



<p>Statt sich nun verspätet in ein Wettrennen um die größten Sprachmodelle zu begeben, sollte Europa eine andere Strategie verfolgen, so Temper: „Spezialisierte Forschung, effizientere und nachhaltigere Algorithmen sowie Anwendungen, die näher an konkreten Problemen entwickelt werden, bieten echtes Potential, um einen Beitrag zu leisten.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Nächster Schritt Weltherrschaft?</h4>



<p>Wenn KI schon heute immer mehr Aufgaben unterstützt, wie realistisch ist dann die Vorstellung, dass sie irgendwann weit mehr übernehmen könnte? Diese Frage begleitet die KI-Forschung fast so lange wie ihr Bestehen. So sagte etwa der Wissenschaftler Herbert Simon bereits im Jahr 1965 voraus, dass Maschinen innerhalb von zwanzig Jahren jede Arbeit erledigen können würden, die auch Menschen leisten können. Die Prognose bewahrheitete sich bekanntermaßen nicht.</p>



<p>Stattdessen folgten auf Phasen großer Erwartungen immer wieder Rückschläge, Enttäuschungen und damit gekürzte Fördergelder – doch das Ziel blieb: Bis heute ist die Entwicklung einer allgemeinen Künstlichen Intelligenz das erklärte Ziel führender Tech-Unternehmer. Gemeint ist damit eine Form von Künstlicher Intelligenz, die nicht mehr nur einzelne, klar umrissene Aufgaben bewältigt, sondern auf breiter Ebene jene geistigen Fähigkeiten nachbildet, die man bislang nur mit menschlicher Intelligenz verbindet: lernen, schlussfolgern, Wissen auf neue Kontexte übertragen und Probleme flexibel lösen.</p>



<p>Wenn heute wieder intensiv über allgemeine Künstliche Intelligenz diskutiert wird, knüpft die Debatte also an ein altes Ziel der KI-Forschung an. Zugleich bleibt Zweifel angebracht. Denn die Prognosen reichen von wenigen Jahren bis zu mehreren Jahrzehnten, manche bezweifeln grundsätzlich, dass sich allgemeine Intelligenz in der derzeit diskutierten Form überhaupt erreichen lässt. Oder, wie Marlies Temper es zusammenfasst: „Darüber kann man aktuell nur spekulieren. Niemand kann in eine Glaskugel schauen.“</p>



<div style="background:#fff48c; padding:24px; margin:24px 0;">
  
  <h2 style="margin:0 0 16px 0; font-size:28px; line-height:1.2; color:#222;">
    So viele Ressourcen verbraucht die KI
  </h2>

  <p style="margin:0 0 16px 0; font-size:18px; line-height:1.6; color:#222;">
    „KI ist heute nahtlos in viele Systeme integriert – sei es im Internetbrowser, eigenen Unternehmens-Chatbots oder eingebettet in Apps. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass hinter jeder Eingabe enorme technische Mittel stecken – nämlich Rechenzentren mit entsprechendem Strom- und Wasserbedarf. Eine ChatGPT-Anfrage benötigt laut Schätzungen fast zehnmal so viel Strom wie eine klassische Google-Suche. Hochgerechnet auf rund 195 Millionen Anfragen pro Tag ergibt das einen Strombedarf von etwa 564.000 Kilowattstunden: so viel wie der Tagesverbrauch von rund 66.000 österreichischen Haushalten.“
  </p>

  <h3 style="margin:24px 0 12px 0; font-size:22px; line-height:1.3; color:#222;">
    Stromverbrauch steigt weiter
  </h3>

  <p style="margin:0; font-size:18px; line-height:1.6; color:#222;">
    Hinter den smarten Technologien stecken Rechenzentren, Serverfarmen, Kühlsysteme und eine technische Infrastruktur, die enorme Mengen an Strom, Wasser und Rohstoffen benötigt. Bis 2030 könnte sich der Bedarf laut Internationaler Energieagentur noch einmal verdoppeln.<br><br>
    Je selbstverständlicher die Anwendungen in den Alltag einziehen, desto leichter gerät aus dem Blick, welcher materielle Aufwand hinter ihrer scheinbar mühelosen Nutzung steht. Gerade deshalb sollte die Debatte über Künstliche Intelligenz nicht beim technologisch Machbaren enden. Sie muss auch danach fragen, wie die digitale Entwicklung nachhaltig gestaltet werden kann. Denn die entscheidende Frage lautet nicht nur, was KI kann – sondern auch, was ihr Einsatz kostet.
  </p>

</div>



<p></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
