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	<title>Porträt &#8211; KOMPETENZ-online</title>
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	<title>Porträt &#8211; KOMPETENZ-online</title>
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		<title>Den Problemen vorgreifen</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2026/04/20/den-problemen-vorgreifen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Resei]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Apr 2026 09:34:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Resei]]></category>
		<category><![CDATA[pro mente OÖ]]></category>
		<category><![CDATA[Sandra Brandstetter]]></category>
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					<description><![CDATA[In der Präventionsarbeit ist Sandra Brandstetter Spezialistin. Erst hat sie sich 16 Jahre lang Süchten, deren Ursachen und Vermeidung gewidmet, jetzt leistet sie bei pro mente Oberösterreich Vorbeugungsarbeit im Betriebsrat. Sucht ist mannigfaltig, betrifft u.a. Alkohol, Nikotin und illegalisierte Substanzen, Konsum, Glücksspiel und seit der Jahrtausendwende zunehmend das Internet. Von problematischem Medienkonsum und anderen Gefahren [&#8230;]]]></description>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="724" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/04/Sandra-Brandstetter-20251125Promente0297_ppHG01_01_01-1-1024x724.jpg" alt="" class="wp-image-22672" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/04/Sandra-Brandstetter-20251125Promente0297_ppHG01_01_01-1-1024x724.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/04/Sandra-Brandstetter-20251125Promente0297_ppHG01_01_01-1-300x212.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/04/Sandra-Brandstetter-20251125Promente0297_ppHG01_01_01-1-150x106.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/04/Sandra-Brandstetter-20251125Promente0297_ppHG01_01_01-1-768x543.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/04/Sandra-Brandstetter-20251125Promente0297_ppHG01_01_01-1-1536x1086.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/04/Sandra-Brandstetter-20251125Promente0297_ppHG01_01_01-1-2048x1448.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Sandra Brandstetter ist stellvertretende Betriebsratsvorsitzende bei pro mente Oberösterreich</strong><br>© Florian Vierhauser</figcaption></figure>



<p><strong>In der Präventionsarbeit ist Sandra Brandstetter Spezialistin. Erst hat sie sich 16 Jahre lang Süchten, deren Ursachen und Vermeidung gewidmet, jetzt leistet sie bei pro mente Oberösterreich Vorbeugungsarbeit im Betriebsrat.</strong></p>



<span id="more-22671"></span>



<p>Sucht ist mannigfaltig, betrifft u.a. Alkohol, Nikotin und illegalisierte Substanzen, Konsum, Glücksspiel und seit der Jahrtausendwende zunehmend das Internet. Von problematischem Medienkonsum und anderen Gefahren weiß Soziologin Sandra Brandstetter viel zu berichten, hat etliche Vorträge und Schulungen abgehalten.</p>



<p>Die gebürtige Steyrerin studierte in Linz Soziologie, wurde in dieser Zeit Mutter zweier Söhne und arbeitete noch nebenbei. „In dieser manchmal überfordernden Lebensphase habe ich gelernt, mich zu organisieren“, erinnert sich die heute 53-Jährige. „Prioritäten zu setzen, war dabei sehr wichtig und das hat damals auch nur mit Unterstützung meines Partners funktioniert.“&nbsp; Während des Studiums besuchte sie eine Fortbildung am Institut Suchtprävention von pro mente Oberösterreich. Dass sie genau in diesem Bereich und am liebsten auch gleich bei dieser Organisation arbeiten wollte, wusste Brandstetter sehr bald.</p>



<p>Nach ihrem Studienabschlussbewarb sie sich für eine ausgeschriebene Institutsstelle &#8211; mit Erfolg. Beschäftigt hat sich die Soziologin vorrangig mit den Themen Suchtprävention in der Familie und&nbsp; Kinder aus suchtbelasteten Familien, schulte unter anderem Lehrkräfte und Sozialarbeiter:innen, die mit Kindern und deren Familien arbeiten. „Prävention soll grundsätzlich stärken und eine problematische Entwicklung verhindern“, definiert Brandstetter ihre Arbeit.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Angewandte Gerechtigkeit</h4>



<p>Als ehemalige Internatsschülerin, die sich einem „strengen Regiment“ beugen sollte, lernte sie, vehement gegen Ungerechtigkeiten vorzugehen. „Ich habe schon immer einen sehr ausgeprägten Gerechtigkeitssinn gehabt“, erklärt Sandra Brandstetter, die bald zur Schulsprecherin avancierte. „Wenn ich mit etwas nicht einverstanden war, musste ich verhandeln.“ Es folgte die Wahl in den Bundesschülerbeirat – dass sie sich nach wenigen Monaten im Institut Suchtprävention auch im Betriebsrat zu engagieren begann, erscheint nur logisch.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center">„Obwohl ich 16 Jahre in der Suchtprävention mit großer Begeisterung gearbeitet habe, ist mir die Entscheidung für den Betriebsrat nicht schwergefallen. Ich habe sie seither nie bereut“</p>
<cite>Sandra Brandstetter<br>stellvertretende Betriebsratsvorsitzende bei bei pro mente OÖ</cite></blockquote>



<p>Als 2023 die Betriebsratsgremien bei pro mente OÖ zusammengeführt wurden, wurde Brandstetter als stellvertretende Angestelltenbetriebsratsvorsitzende gewählt und freigestellt. „Obwohl ich 16 Jahre in der Suchtprävention mit großer Begeisterung gearbeitet habe, ist mir die Entscheidung für den Betriebsrat nicht schwergefallen. Ich habe sie seither nie bereut“, erklärt die Wahl-Linzerin, die schon 31 Jahre in der oberösterreichischen Hauptstadt lebt. <em></em></p>



<p>Um die Situation der Arbeitnehmer:innen nachhaltig zu verbessern, engagiert sich Brandstetter zusätzlich im Landes-und Bundesausschuss der GPA, ist Teil des großen Kollektivvertrags-Verhandlungsteams. Die KV-Verhandlungen für die rund 130.000 Beschäftigten im privaten Gesundheits-, Sozial- und Pflegebereich (Sozialwirtschaft Österreich, SWÖ) starteten im Herbst 2025 und wurden – nach einem letzten 17-stündigen-Verhandlungsmarathon – Ende Jänner beendet. Ganze fünf&nbsp; Runden – begleitet von Betriebsversammlungen und Warnstreiks –&nbsp; dauerte es, bis es zu einem zähen Kompromiss mit den Arbeitgeber:innen kam.</p>



<p>Die stellvertretende Angestelltenbetriebsratsvorsitzende: „Es war ein sehr intensiver, langer und schwieriger Weg zum KV-Abschluss“. Grundsätzlich ist Betriebsratsarbeit ohne Gewerkschaft für sie nicht vorstellbar, allein der Vernetzung von Betriebsrät:innen und dem fachlichen Rat wegen.</p>



<p>Dieser unterstützt auch unmittelbar im Unternehmensalltag. „Etwa, als wir eine Betriebsvereinbarung zur Gleichbehandlung sowie gegen Diskriminierung, Mobbing und sexuelle Belästigung abgeschlossen haben“, erklärt Brandstetter. Diese Regelung trägt maßgeblich dazu bei, ein faires und respektvolles Arbeitsumfeld zu schaffen – und reicht über die gesetzlichen Mindeststandards hinaus.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Mitarbeiter:innen werden unterstützt</h4>



<p>Zum täglichen Aufgabenbereich der Betriebsrät:innen zählen sowohl der direkte Austausch mit Mitarbeiter:innen als auch die Bereitstellung nützlicher Hinweise. „Kommt jemand neu in die Firma, vereinbaren wir ein persönliches Gespräch am Standort und versorgen diese Person mit den wichtigsten Informationen“, sagt Brandstetter. Auch werdende Mütter werden unterstützt: Sie erhalten ein Infopaket zu ihren sozialen Rechten, das zentrale Themen wie Mutterschutz, Karenz, Kinderbetreuungsgeld, Elternteilzeit sowie die Vereinbarkeit von Kind und Beruf abdeckt.</p>



<p>Daneben gehört die Organisation einer spannenden und informativen Betriebsversammlung zu den Kernaufgaben der Betriebsräte. Gäste mit Expertise bereichern diese zusätzlich. „So haben wir gemeinsam mit einer Kollegin von der Pensionsversicherungsanstalt über aktuelle Änderungen bei Altersteilzeit und Pensionen informiert oder die Politexpertin Barbara Blaha vom Momentum Institut zu Gast gehabt. Das ist bei der Belegschaft gut angekommen“, erzählt Brandstetter</p>



<p>Doch der Betriebsrät:innen-Alltag ist nicht ausschließlich von Lob geprägt. Nicht unbedingt übertrieben harmoniebedürftig sollte sein, wer in der Arbeitnehmer:innen-Vertretung tätig sein will, das kann Sandra Brandstetter zukünftigen Betriebsrät:innen mit auf den Weg geben. „Geduld und ein gewisser Pragmatismus sind wahrscheinlich auch von Vorteil, weil Dinge meistens länger dauern als gedacht.“ Ihr Tipp: möglichst viel Kontakt mit den Kolleg:innen pflegen, ein Netzwerk aufbauen und auch nutzen. </p>



<h4 class="wp-block-heading">Für die Seele</h4>



<p>Rund 1.500 Mitarbeiter:innen arbeiten verteilt auf fast 200 Standorte bei pro mente Oberösterreich. Jeder Standort ist von Angebot bis Zielgruppe und Finanzierung unterschiedlich. „Fast überall gibt es unterschiedliche Arbeitsrealitäten“, resümiert es Sandra Brandstetter. Für Menschen mit psychischen Erkrankungen werden u.a. mobile Betreuung, teil- und vollbetreutes Wohnen, Beratung, Psychotherapie und Arbeitstraining angeboten. Mit ihrem Arbeitgeber ist die stellvertretende Angestelltenbetriebsratsvorsitzende auch nach 19 Jahren&nbsp; durchaus zufrieden: „Ich halte die pro mente Oberösterreich grundsätzlich für einen guten und verlässlichen Arbeitgeber in der Branche, aber auch sie ist natürlich von den Rahmenbedingungen der Fördergeber abhängig“.&nbsp;&nbsp;</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center">„Der Arbeitsdruck ist extrem gestiegen, die Taktung wird immer dichter und die Leistungsvorgaben immer herausfordernder“</p>
<cite>Sandra Brandstetter<br>stellvertretende Betriebsratsvorsitzende bei bei pro mente OÖ</cite></blockquote>



<p>In den letzten Jahren wurde das Angebot laufend ausgebaut. Der Bedarf ist groß aber die Einsparungen im Sozialbereich wirken sich aus. Brandstetter: „Der Arbeitsdruck ist extrem gestiegen, die Taktung wird immer dichter und die Leistungsvorgaben immer herausfordernder“. Zudem fehlt häufig Zeit für den wichtigen Austausch im Team &#8211; das wirkt sich nicht zuletzt auf das Arbeitsklima aus und begünstigt Konflikte. „Viele Kolleg:innen arbeiten am Limit“, weiß die stellvertretende Angestelltenbetriebsratsvorsitzende. Langzeitkrankenstände häufen sich, Arbeitnehmer:innen &#8211; oft länger als 10 Jahre beschäftigt &#8211; verlassen die Branche, weil sie den Druck nicht mehr aushalten.</p>



<p>Generell fordert Brandstetter stabile Dienstpläne, planbare Freizeit und vor allem eine bessere Bezahlung für die Branche, um die Attraktivität der Arbeitsplätze zu erhöhen Der Personalbedarf wird in den nächsten Jahren weiter steigen und man muss es sich leisten können, in diesem gesellschaftlich wichtigen Bereich zu arbeiten. „In der Regel werden keine Vollzeitjobs angeboten“, verdeutlicht die Gewerkschafterin. Ganze 70 Prozent beträgt die Teilzeitquote in der Sozialwirtschaft. „Unsere Mitarbeiter:innen machen sicher keine Lifestyle-Teilzeit!“</p>



<p>Für Brandstetters Vollzeitjob im Betriebsrat und das Engagement in der GPA ist das perfekte Zeitmanagement, das sie als studierende working Mum vervollkommnen musste, unerlässlich. Ebenso wichtig ist die Unterstützung ihrer zwei Kolleg:innen im Betriebsratsbüro und die gute Zusammenarbeit mit dem Betriebsratsvorsitzenden Eugen Ertl. „Wir ergänzen uns was die Kompetenzen betrifft und verlieren beide nie den Humor“, lobt Brandstetter.</p>



<p>Vergangenen Herbst wurde ein neues Betriebsratsgremium gewählt, die Hälfte der 14 aktiven Betriebsrät:innen ist neu im Team. „Mitten im KV-Prozess war das ein herausfordernder Start, aber alle waren motiviert und es hat sich gezeigt, dass wir super zusammen arbeiten“, erinnert sich die stellvertretende Angestelltenbetriebsratsvorsitzende. „Und Betriebsratsarbeit funktioniert nur im Team.“</p>



<p>Ihre eigene Seele streichelt Sandra Brandstetter u.a. mit Theaterbesuchen &#8211; „ich habe seit vielen Jahren ein ÖGB-Theater-Abo für das Landestheater Linz, das ich nur empfehlen kann “ &#8211; und jeder Menge Wasser. Sie radelt gerne entlang des Donauradwegs und taucht sportlich unter – allerdings lieber im roten Meer als in der blauen Donau.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Von Sarajevo nach Wels</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2026/03/30/von-sarajevo-nach-wels/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Resei]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Mar 2026 11:21:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Resei]]></category>
		<category><![CDATA[Lejla Mulahmetovic]]></category>
		<category><![CDATA[Metallindustrie]]></category>
		<category><![CDATA[TGW Logistik]]></category>
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					<description><![CDATA[Mit 18 kam Lejla Mulahmetovic als Kriegsflüchtling nach Österreich. Heute ist sie stellvertretende Betriebsratsvorsitzende bei TGW Logistics eines Technik-Unternehmens und hat sich in einer männlichen Domäne erfolgreich durchgesetzt. In ihrer Erinnerung war das Leben damals „so schön wie es nur sein kann“. Lejla Mulahmetovic ist in Sarajevo geboren und aufgewachsen. „Ich habe Mathe geliebt und [&#8230;]]]></description>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Lejla-Mulahmetovic-Stv.-Vorsitzende-BR-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-22661" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Lejla-Mulahmetovic-Stv.-Vorsitzende-BR-1024x683.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Lejla-Mulahmetovic-Stv.-Vorsitzende-BR-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Lejla-Mulahmetovic-Stv.-Vorsitzende-BR-150x100.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Lejla-Mulahmetovic-Stv.-Vorsitzende-BR-768x512.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Lejla-Mulahmetovic-Stv.-Vorsitzende-BR-600x400.jpg 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Lejla-Mulahmetovic-Stv.-Vorsitzende-BR-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Lejla-Mulahmetovic-Stv.-Vorsitzende-BR-272x182.jpg 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Lejla-Mulahmetovic-Stv.-Vorsitzende-BR.jpg 1125w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Lejla Mulahmetovic ist stellvertretende Betriebsratsvorsitzende bei TGW Logistik in Wels und vertritt dort rund 1400 Angestellte. </strong><br>Foto: privat</figcaption></figure>



<p><strong>Mit 18 kam Lejla Mulahmetovic als Kriegsflüchtling nach Österreich. Heute ist sie stellvertretende Betriebsratsvorsitzende bei TGW Logistics eines Technik-Unternehmens und hat sich in einer männlichen Domäne erfolgreich durchgesetzt.</strong></p>



<span id="more-22660"></span>



<p>In ihrer Erinnerung war das Leben damals „so schön wie es nur sein kann“. Lejla Mulahmetovic ist in Sarajevo geboren und aufgewachsen. „Ich habe Mathe geliebt und habe die HTL für Elektrotechnik absolviert, danach habe ich angefangen, Wirtschaftsinformatik zu studieren“, erzählt die heute 52-jährige.</p>



<p>Mit ihrem Vater, einem Politiker, konnte die Jugendliche „wunderbar diskutieren“, war in der sozialistischen Jugend und als Nachwuchsjournalistin aktiv. Eine spannende Zeit, die mit dem Zerfall und Krieg im ehemaligen Jugoslawien schlagartig endete. Als 18-jähriger Kriegsflüchtling kam Lejla Mulahmetovic 1992 nach Niederösterreich gemeinsam mit ihrem Bruder der damals13 Jahre alt war. „Ich konnte zwar Englisch, aber in Deutsch nur die Wörter Ja und Nein sagen“, weiß Mulahmetovic über den schwierigen Beginn in der neuen Heimat zu berichten.</p>



<p>Nach einem halben Jahr im niederösterreichischen Exil, übersiedelte die Bosnierin 1993 m<strong>i</strong>t ihrem Bruder ins oberösterreichische Wels, wo sie auch heute noch zuhause ist. Lejla Mulahmetovic: „Ich bin eine Autodidaktin, habe mir die deutsche Sprache selbst beigebracht“.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Chancen genutzt</h4>



<p>Gleich nach ihrer Ankunft in Wels, erhielt die Neo-Oberösterreicherin eine Arbeitserlaubnis, sie kellnerte, half in einem Kindergarten und arbeitete im Verkauf einer Bäckerei. Eine Chance, die den Asylsuchenden im 21. Jahrhundert nur allzu oft verwehrt bleibt.</p>



<p>Mulahmetovic wusste ihre Möglichkeiten aktiv zu nutzen – das vieldiskutierte Thema Integration, lebt sie. „Durch meine Jobs hatte ich viel Kontakt zu Deutsch sprechenden Menschen“, erinnert sich Mulahmetovic. „Du kannst dich mit der Zeit integrieren, wenn Du unter Menschen bist und sie reden hörst – dann kannst du diese Sprache auch erlernen.“</p>



<p>Sie wurde Filialleiterin eines Bio-Supermarkts und beschäftigte sich deshalb mit dem Wareneinkauf, nebenbei konnte Mulahmetovic ihre Ausbildung in Österreich nostrifizieren lassen – schließlich wurde sie Einkäuferin in einem Großhandelsbetrieb. Als dieser Pleite ging wechselte sie zur oberösterreichischen TGW, ein Unternehmen für Intralogistik. Heißt: logistische Abläufe für Wareneingang, Lagerung und Warenausgang werden geplant, hergestellt und ausgeführt. Bei TGW, das zur Metallbranche gehört, ist Lejla Mulahmetovic heute stellvertretende Betriebsratsvorsitzende. Rund 1.400 Angestellte werden aktuell von ihr vertreten. Die Firma hat sich auf hochautomatisierte Lagerlösungen spezialisiert, entwickelt und produziert u.a. Software, Robotik oder mechatronische Module selbst.</p>



<p>Lejla Mulahmetovic wurde die erste Frau im Unternehmen, die den Einkauf im Bereich Elektrotechnik verantwortete – etwas, das die Welserin zu Recht stolz macht.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Aktiv im Betriebsrat</h4>



<p>Bei TGW Logistics wurden Betriebsratskolleg:innen auf die engagierte Einkäuferin aufmerksam und erkundeten, ob sie auch Interesse an einer Betriebsrats-Mitarbeit hätte. Lejla Mulahmetovic muss schmunzeln: „Ich habe vor 11 Jahren sofort zugesagt, ohne zu wissen, worauf ich mich da einlasse – dass ich fundiertes Wissen über Betriebsratsarbeit brauche, war mir aber schon bewusst.“ Sie absolvierte bald die Zukunftsakademie der AK Oberösterreich, machte die Ausbildung zur Laienrichterin und besuchte zusätzlich weitere Kurse. </p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Ich kann sagen, ich habe jetzt zu meiner Berufung gefunden&#8220;</p>
<cite>Lejla Mulahmetovic, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende bei TGW Logistik</cite></blockquote>



<p>Die Inhalte haben sie sehr interessiert. „Ich kann sagen, ich habe jetzt zu meiner Berufung gefunden&#8220;, erklärt die Betriebsrätin. 2020 wurde sie für die Tätigkeit freigestellt. Und bald wartet noch mehr Arbeit auf sie. „Im Sommer werden wir fusionieren und damit doppelt so viele Mitarbeiter:innen sein“, erzählt die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende. Sorgen macht sie sich deshalb nicht und betont: „Wir sind ein großes und gut funktionierendes Unternehmen“.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Gefragte Ersthelfer:innen</h4>



<p>Das ist nicht selbstverständlich. Gerade in letzter Zeit war die Metallindustrie in Oberösterreich von mehreren Insolvenzen und Betriebsschließungen betroffen,</p>



<p>Ein Thema, dass auch die TGW-Mitarbeiter:innen belastet. Und sie nehmen diese Sorgen auch an ihren Arbeitsplatz mit. Zudem zählen arbeitsrechtliche Angelegenheiten zur typischen Betriebsratsarbeit: „Wir fungieren aber auch als psychologische Ersthelfer und versuchen selbstverständlich, auch ganz Konkretes zu erreichen.“ Das wirkt sich auch auf die regionale Ebene aus: Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr und seit kurzem auch Freiwillige bei den Rettungsdiensten erhalten von der Firma Sonderurlaub für Schulungen, und ihre Einsätze werden als Arbeitszeit anerkannt. Gerade in ländlichen Regionen ist dieses Ehrenamt ein zentraler Bestandteil des gemeinschaftlichen Lebens.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center">„Wir fungieren aber auch als psychologische Ersthelfer und versuchen selbstverständlich, auch ganz Konkretes zu erreichen.“</p>
<cite>Lejla Mulahmetovic, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende bei TGW Logistik</cite></blockquote>



<p>Der direkte Kontakt zu Belegschaft ist ihr sehr wichtig. „Ich will wissen, wie es meinen Kolleg:innen geht“, sagt sie. Das persönliche und organisatorische Engagement nimmt viel Zeit in Anspruch. „Es gibt schon oft 12 Stunden Arbeitstage.“ Deshalb versucht sie an einem normalen Wochenende abzuschalten. „Das funktioniert freilich nicht immer. Wenn es Nachrichten von Menschen gibt, die eigentlich nicht am Wochenende schreiben, dann sehe ich mir diese natürlich an“, erzählt die Betriebsratsvorsitzende-Stellvertreterin.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Vorurteile gegen Frauen</h4>



<p>Die gut beschäftigte Welserin ist aber auch als ÖGB-Frauenvorsitzende für Wels und Wels Land tätig. Frauenrelevante Themen will Lejla Mulahmetovic besser sichtbar machen. „Wir sind eine feine Truppe von engagierten Frauen“, berichtet&nbsp; die Gewerkschafterin und freut sich, dass das gemeinsame Engagement „wirklich gut funktioniert“. „Schön wäre wirklich gelebte Gleichbehandlung, aber leider braucht es dazu noch diese Gremien“, sagt Mulahmetovic. „Besonders bei den höheren Gehältern ist der Gender Pay Gap groß“, stellt Mulahmetovic fest. „In der Gastronomie werden Kellnerinnen und Kellner eher gleich entlohnt – sie bekommen beide ein niedriges Gehalt.“ Doch dort, wo es um weitaus höhere Bezüge geht, etwa bei Jurist:innen, Ärzt:innen, Techniker:innen, weitet sich der Graben. Es sind auch dort allerlei Vorurteile und Klischees in den Köpfen verankert, Frauen müssen sich offensichtlich doppelt beweisen – insbesondere in den besser bezahlten Branchen und Berufen. „Und sobald ein Kind zum Leben gehört, wird ihr berufliches Engagement verzögert oder total abgedreht.“</p>



<p>Sie setzt sich dafür ein, dass sich dieser Missstand früher oder später ändert. „Am Ende des Tages lohnt es sich“, schiebt Lejla Mulahmetovic etwaige Zweifel beiseite. „Wenn ich nichts tue, darf ich nicht erwarten, dass irgendein anderer Mensch etwas für mich richtet“, sagt sie bestimmt.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Dank von der Belegschaft</h4>



<p>Wer empathisch und kommunikativ ist mit der Belegschaft und der Geschäftsführung reden kann und dabei die richtige Balance findet, dazu Teamfähigkeit und diplomatisches Geschick beweist, ist in der Arbeitnehmer:innen-Vertretung gut aufgehoben. Verbesserungen werden oft in kleinen Schritten erreicht. Das kommt auch bei den Mitarbeiter:innen an. Immer wieder einmal bedanken sich Menschen für ihr Engagement. „Manchmals zu Weihnachten für Dinge, die im März geschehen sind und an die ich mich kaum noch erinnere“.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Vorbild für ihre Kinder</h4>



<p>Wenn sie einmal nicht unter Strom steht, geht sie gerne in die Natur.„Bei meinen Wanderungen kann ich wirklich gut abschalten.“ Abseits davon verbringt Lejla Mulahmetovic ihre Freizeit am liebsten mit ihren Töchtern und Freundinnen, geht ins Kino und Theater. Auf ihre Töchter 23 und 27 Jahre ist sie sehr stolz. „Ich bin anscheinend ihr Vorbild“, sagt sie. Die Ältere ist als Juristin in der Arbeiterkammer tätig. „Da habe ich doch gute Arbeit geleistet“, wirft Mulahmetovic lachend ein. Die Jüngere studiert Finanzwesen und ist Gewerkschaftsmitglied. Und was der leidenschaftlichen Kämpferin für Gerechtigkeit noch Kraft gibt, das ist die Liebe. Nach 30 Jahren hat sie ihre Schul- und Jugendliebe aus Sarajevo wieder gefunden. Beide genießen nun ihr Glück in Wels.<br><br></p>
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			</item>
		<item>
		<title>RAITEC: Der Betriebsrat als Feuerwehr</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2025/12/09/raitec-der-betriebsrat-als-feuerwehr/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Johannes Gress]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Dec 2025 13:17:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<category><![CDATA[IT]]></category>
		<category><![CDATA[Johannes Gress]]></category>
		<category><![CDATA[RAITEC]]></category>
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					<description><![CDATA[Trotz herausfordernder Rahmenbedingungen liegt der gewerkschaftliche Organisationsgrad bei RAITEC in Klagenfurt bei rekordverdächtigen 75 Prozent. Die beiden Betriebsratsvorsitzenden sind überzeugt: „Wir sind die Schmiere im Getriebe“. Als Silvio Esterl und Josef Ramsbacher ihre Jobs in der IT-Branche antraten, war das Faxgerät das Kommunikationsmittel der Wahl. Hatte man eine Faxnachricht abgeschickt, dauerte es im Regelfall drei [&#8230;]]]></description>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="681" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/12/Raitec-BR-2-1024x681.jpg" alt="" class="wp-image-22461" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/12/Raitec-BR-2-1024x681.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/12/Raitec-BR-2-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/12/Raitec-BR-2-150x100.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/12/Raitec-BR-2-768x511.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/12/Raitec-BR-2-1536x1022.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/12/Raitec-BR-2-2048x1363.jpg 2048w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/12/Raitec-BR-2-600x400.jpg 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/12/Raitec-BR-2-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/12/Raitec-BR-2-272x182.jpg 272w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">V.l.n.r. Christian Ogris, Josef Ramsbacher, Silvio Esterl, Adrian Schweigreiter<br>Foto: privat</figcaption></figure>



<p><strong>Trotz herausfordernder Rahmenbedingungen liegt der gewerkschaftliche Organisationsgrad bei RAITEC in Klagenfurt bei rekordverdächtigen 75 Prozent. Die beiden Betriebsratsvorsitzenden sind überzeugt: „Wir sind die Schmiere im Getriebe“.</strong></p>



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<p>Als Silvio Esterl und Josef Ramsbacher ihre Jobs in der IT-Branche antraten, war das Faxgerät das Kommunikationsmittel der Wahl. Hatte man eine Faxnachricht abgeschickt, dauerte es im Regelfall drei bis vier Tage, bis eine Antwort retour kam. Gemütliche Zeiten. Heute, rund 30 Jahre später, trudeln im Minutentakt Mails und Chatnachrichten ein. Und während Faxgeräte längst aus den Büros verbannt wurden, werden Arbeitsabläufe Tag für Tag schneller – und komplexer. Nicht nur ihr Aufgabenbereich, auch ihr Arbeitgeber hat sich seither grundlegend verändert, wie Esterl und Ramsbacher zu berichten wissen.</p>



<p>Esterl und Ramsbacher waren über Jahrzehnte Betriebsratsmitglieder im Rechenzentrum der Raiffeisen Landesbank Kärnten. Sie und 50 weitere Kolleg:innen wurden im Zuge einer Teilbetriebsauslagerung im August dieses Jahres in die RAITEC GmbH übernommen, einer der größten IT-Dienstleister in Österreich. Am Standort Klagenfurt sind die beiden neben ihrer regulären Tätigkeit seither auch Betriebsratsvorsitzende. Formell ist Esterl erster Vorsitzender, Ramsbacher sein Stellvertreter, praktisch sehen sie sich als „Doppelspitze“, die sich ihre Arbeit aufteilen.</p>



<p>Zwar ist auch RAITEC Teil der Raiffeisen-Gruppe, dennoch war die Auslagerung für die Mitarbeiter:innen mehr als ein bloßer Namenstausch. Teams und Zuständigkeiten änderten sich, die Mitarbeiter:innen wechselten vom Banken- in den IT-Kollektivvertrag. Esterl und Ramsbacher sahen ihre primäre Aufgabe darin, eine ordentliche Übertrittsvereinbarung für ihre Kolleg:innen auszuhandeln – denn Beschäftigte dürfen infolge einer Teilbetriebsauslagerung laut Gesetz nicht schlechter gestellt werden.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Bindeglied und Schmiere</h4>



<p>Auch seitens der Geschäftsführung baute man auf den Betriebsrat. Das Risiko einer solchen Transformation ist, dass Mitarbeiter abspringen und viel wertvolles Knowhow auf einmal verloren geht.&nbsp; Der Betriebsrat sei das „Bindeglied zwischen der Geschäftsführung und den Mitarbeiter:innen“, heißt es auf der Unternehmenswebseite. Oder wie es Esterl formuliert: „Wir sind die Schmiere im Getriebe“.</p>



<p>Ihre Betriebsratsarbeit verstehen Esterl und Ramsbacher als Handarbeit.<br>In vielen persönlichen Gesprächen haben sie sich ein Bild von den Bedürfnissen der Mitarbeiter:innen gemacht, um diese in die vielen Verhandlungsrunden einfließen zu lassen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Wir müssen wachsam sein und aufpassen, dass das mühsam Erkämpfte nicht verloren geht.“</p>
<cite>Silvio Esterl, Betriebsratsvorsitzender bei RAITEC</cite></blockquote>



<p>Mit Erfolg: Rund 86 Prozent der Stimmberechtigten beteiligten sich an der Betriebsratswahl, viele von ihnen traten anschließend der Gewerkschaft bei. „Es ist ein gewisses Momentum entstanden, das konnten wir nutzen“, sagt Esterl. Der gewerkschaftliche Organisationsgrad am Standort liege aktuell bei rund 75 Prozent, für die Branche ein rekordverdächtiger Wert. „Es ist ein Wir-Gefühl entstanden, das fühlt sich gut an“.</p>



<div class="wp-block-group rotebox"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<h4 class="wp-block-heading"><strong>Betriebsratsgründung</strong><strong></strong></h4>



<p>Du denkst auch darüber nach, in deinem Betrieb oder in deiner Filiale einen Betriebsrat zu gründen? Ab fünf dauernd beschäftigten Mitarbeiter:innen habt ihr das Recht, eine Belegschaftsvertretung zu wählen! Deine Gewerkschaft GPA unterstützt dich dabei! Alle Infos zur Wahl und Unterstützung (auch nach der Gründung) erhältst du in deiner <a href="https://www.gpa.at/die-gpa/bundeslaender" aria-label="Regionalgeschäftsstelle">Regionalgeschäftsstelle</a>. Für Nicht-Mitglieder ist eine Erstberatung kostenlos!</p>



<p>Mehr zur Betriebsratswahl findest du <a href="https://www.gpa.at/betriebsrat/betriebsratswahl" aria-label="hier">hier</a>.</p>
</div></div>



<h4 class="wp-block-heading">Kampf um die Butterseite</h4>



<p>Um dieses Wir-Gefühl auch bundesländerübergreifend zu etablieren, halten die eigenständigen Betriebsrät:innen sämtlicher Standorte einmal wöchentlich ein Online-Jour Fixe ab. Einen Konzernbetriebsrat gibt es nicht, daher sei ein reger Austausch mit den Kolleg:innen besonders wichtig.</p>



<p>Esterl und Ramsbacher ist bewusst, dass sie es mit ihrem neuen Arbeitgeber auch wieder gut getroffen haben. &nbsp;Trotzdem wollen sie ihre Arbeit nicht auf die leichte Schulter nehmen. Die aktuellen Verhandlungen zum IT-KV verlaufen zäh. In der ersten Verhandlungsrunde forderte die Arbeitgeber:innenseite eine Nulllohnrunde. „Das kam … überraschend“, formulieren es die beiden diplomatisch. Und wenn Esterl und Ramsbacher nach links und rechts blicken, in andere Länder und andere Branchen, stellen sie fest: Nichts ist in Stein gemeißelt, vielerorts werden soziale Errungenschaften gerade wieder einkassiert, sicher geglaubte Rechte rückgebaut.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Fax und KI</h4>



<p>Die beiden RAITEC-Betriebsräte vergleichen Betriebsrat und Gewerkschaft mit einer Art „Hausversicherung“ – „die schließe ich auch nicht erst nach dem Brand ab“. In ganz Europa frisst die Inflation Einkommen auf, werden aktuell Sozialleistungen gekürzt, Unternehmen predigen „Zurückhaltung“ bei den Löhnen – während Milliarden in die Rüstungsindustrie gepumpt werden. „Wir müssen wachsam sein und aufpassen, dass das mühsam Erkämpfte nicht verloren geht“, betont Esterl. Und um im Bild zu bleiben: Wenn das Haus bereits lodert, dann seien Betriebsrat und Gewerkschaft „unsere Feuerwehr“.</p>



<p>Arbeitnehmer:innenrechte, Sozialleistungen und Betriebsräte wurden zu einer Zeit erkämpft, da war selbst an Faxgeräte noch nicht zu denken. Bei RAITEC in Klagenfurt arbeiten Esterl und Ramsbacher daran, dass diese Errungenschaften auch in Zeiten von Mail, Chats und KI erhalten bleiben.</p>



<div style="background:#d8eace; color:#000000; padding:24px;">
  <h4 style="color:#000000; margin:0 0 0.75em; font-weight:700;">
    Zu den Personen
  </h4>

  <p style="margin:0 0 0.75em;">
    <strong>Silvio Esterl</strong> und <strong>Josef Ramsbacher</strong> sind beide 51 Jahre alt und begannen beide Mitte der 1990er bei der Raiffeisen Landesbank Kärnten zu arbeiten. Vormals einfache Mitglieder haben sie im August 2025 den Betriebsratsvorsitz übernommen, Esterl als Vorsitzender, Ramsbacher als Stellvertreter.
  </p>

  <h4 style="color:#000000; margin:1em 0 0.5em; font-weight:700;">
    RAITEC
  </h4>

  <p style="margin:0;">
    Die RAITEC GmbH ist Teil der Raiffeisen-Gruppe und einer der größten Banken- und IT-Dienstleister Österreichs. Täglich wickelt RAITEC mehr als 50 Millionen Transaktionen auf mehr als 5.200 Servern ab. Der Unternehmenssitz befindet sich in Linz, mit regionalen Standorten in Innsbruck, Graz, Klagenfurt und Salzburg. Am Standort in Klagenfurt arbeiten rund 50 Personen, die von vier Betriebsrät:innen vertreten werden. Österreichweit beschäftigt RAITEC 650 Mitarbeiter:innen.
  </p>
</div>



<p></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„Betriebsratsarbeit ist Teamarbeit“</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2025/12/01/betriebsratsarbeit-ist-teamarbeit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Johannes Gress]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Dec 2025 15:33:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<category><![CDATA[Daniela Gombocz]]></category>
		<category><![CDATA[Johannes Gress]]></category>
		<category><![CDATA[Kinderfreunde]]></category>
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					<description><![CDATA[Daniela Gombocz kommt mit Rollkoffer und Rucksack zum Termin. Ihre Betriebsratsarbeit beschreibt sie als „bunt“, vielseitig und herausfordernd.

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										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large advgb-dyn-f6ff8cec"><img loading="lazy" decoding="async" width="1701" height="1275" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/12/Gombocz1CGress-edited.jpg" alt="" class="wp-image-22437" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/12/Gombocz1CGress-edited.jpg 1701w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/12/Gombocz1CGress-edited-300x225.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/12/Gombocz1CGress-edited-1024x768.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/12/Gombocz1CGress-edited-150x112.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/12/Gombocz1CGress-edited-768x576.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/12/Gombocz1CGress-edited-1536x1151.jpg 1536w" sizes="auto, (max-width: 1701px) 100vw, 1701px" /><figcaption class="wp-element-caption">Daniela Gombocz kommt mit Rollkoffer und Rucksack zum Termin. Ihre Betriebsratsarbeit beschreibt sie als „bunt“, vielseitig und herausfordernd.<br>© Johannes Greß</figcaption></figure>



<p><strong>Seit 14 Jahren arbeitet Daniela Gombocz bei den Kinderfreunden Steiermark. Angesichts von Kürzungen und Einsparungen sagt die Betriebsratsvorsitzende: „Ein solches Jahr hatten wir noch nie“.</strong></p>



<span id="more-22434"></span>



<p>Daniela Gombocz kommt mit Rollkoffer und Rucksack zum Termin. Zwischen dem dreitätigen Bundesforum der GPA in Wien und der Rückreise nach Graz hat sie Zeit für ein Treffen. Man könnte auch sagen: Gombocz ist eine vielbeschäftigte Frau. Aber zwischen ihren zahlreichen Terminen bleibt auch mal Zeit für einen Kaffee am Wiener Hauptbahnhof.</p>



<p>„Betriebsrat – was ist das?“ antwortete Gombocz damals auf die Frage, ob sie mit auf die Liste des Wahlvorschlags kommen wolle. Als gebürtige Tschechin waren Betriebsräte für sie eine komplett neue Welt. Als Gombocz vor 14 Jahren zu den Kinderfreunden kam, fasste die Organisation um die 60 Mitarbeiter:innen, und das Prinzip betrieblicher Interessensvertretung war ihr noch unbekannt. Mehr aus Pflichtbewusstsein, denn aus Überzeugung, ließ sie sich als Ersatzmitglied auf „die Liste“ setzen. Es dauerte nicht lange, bis sie mit ihrer Rolle warm wurde.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Soziale Dienstleistungen sind kein Kostenfaktor, sondern eine Investition in Stabilität, Teilhabe und Zukunft.&#8220;</p>
<cite><em>Daniela Gombocz</em></cite></blockquote>



<p>Als einen der ersten frühen Erfolge des Betriebsrats bezeichnet Gombocz, dass sie es schafften, die Kolleg:innen von einer „Betriebsratsumlage“ zu überzeugen. Gombocz tourte durch die Steiermark, von Standort zu Standort, um für die Einführung zu werben. Heute ist die Umlage fester Bestandteil der steierischen Kinderfreunde. Vom Lohnanteil, den sämtliche Beschäftigte abgeben, werden beispielsweise Zuschüsse für Weiterbildungen, den Schulstart der Kinder, für Gesundheit und Sport und vieles mehr für unsere Mitarbeiter:innen geleistet.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Bunte Tätigkeit</strong></h4>



<p>Aus den damals zahlenmäßig überschaubaren Kinderfreunden Steiermark ist seither eine Organisation mit rund 300 Mitarbeiter:innen geworden. Im ganzen Bundesland bieten die Kinderfreunde zahlreiche Dienstleistungen für Familien, Kinder und Jugendliche an, u.a. im Rahmen der Nachmittagsbetreuungen, Kinderschutzzentren, Unterkünfte für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, Feriencamps und -betreuung, Kinder- und Jugendhilfe, Besuchsbegleitung und einiges mehr.</p>



<p>Gombocz ist seit acht Jahren Betriebsratsvorsitzende, 24 Wochenstunden ist sie freigestellt, ein paar Stunden pro Wochen arbeitet sie als Springerin in der Nachmittagsbetreuung. Ihre Betriebsratsarbeit beschreibt sie als „bunt“, vielseitig und herausfordernd: Ansprechperson bei Fragen, Problemen und Anliegen der Mitarbeiter:innen, informiere die Belegschaft im Newsletter über Neuerungen, Mitarbeiter:innen zu Gesprächen mit den Vorgesetzten begleiten, Verwaltung des Betriebsratsfond, Betriebsvereinbarungen verhandeln – die Liste ist lang.</p>



<p>Hilfreich sei eine gute Gesprächsbasis mit der Geschäftsführung, die habe sich im Vergleich zu ihrer Anfangszeit enorm verbessert. „Im Endeffekt haben wir alle das gleiche Ziel“, sagt Gombocz: Gute Arbeitsbedingungen für alle Beteiligten. Mittelbar profitieren davon auch die Kinder und Jugendlichen.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>„Wer bei Kindern spart, spart im falschen Bereich“</strong></h4>



<p>Die Kinderfreunde sind das eine, die Rahmenbedingungen das andere. Die Kürzungen auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene stellen eine große Herausforderung dar. „Ein solches Jahr hatten wir noch nie“, sagt Gombocz. Besonders die Kürzungen im Sozialbereich und die zahlreichen Belastungen für Familien bekommen sie zu spüren. So gingen beispielsweise die Anmeldungen zu den Feriencamps deutlich zurück. „Das ist belastend für alle, für die Geschäftsführung, für uns als Betriebsrat, die Mitarbeiter:innen – und vor allem die Kinder“. Die Kinderfreunde seien hier jedoch kein Einzelfall, anderen Organisationen ergehe es ähnlich. „Wer bei Kindern spart, spart im falschen Bereich“, ärgert sich Gombocz.</p>



<p>Als Reaktion auf die Kürzungspolitik haben sich die Dachverbände mit der GPA zum „Bündnis Soziale Steiermark“ (BSS) zusammengeschlossen. Sie fordern eine „langfristige, faire und zukunftsorientierte Sozialpolitik“. Ihr Ziel ist es, die Bedeutung sozialer Arbeit sichtbar zu machen. „Soziale Dienstleistungen sind kein Kostenfaktor, sondern eine Investition in Stabilität, Teilhabe und Zukunft. Ohne soziale Sicherheit gibt es keine wirtschaftliche Stabilität – und keine Zukunft für die Steiermark“, so die Initiative in einer Aussendung.</p>



<p>Eine weitere Baustelle ist laut Gombocz der föderale Flickenteppich hierzulande. Dass Ausbildungszeiten oder Betreuungsschlüssel in der Steiermark andere sind als in benachbarten Bundesländern, kann sie nicht nachvollziehen. „Hier braucht es einheitliche Gesetze“, fordert Gombocz.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Betriebsratsarbeit als Teamarbeit</strong></h4>



<p>Umso wichtiger sei ein ordentlicher KV-Abschluss. Doch der dürfte schwieriger werden denn je. Die <a href="https://www.kleinezeitung.at/wirtschaft/20304242/leere-kassen-der-hilferuf-der-sozialen-wirtschaft" aria-label="Kleine Zeitung">Kleine Zeitung</a> schrieb unlängst angesichts der Einsparungen von Bund, Ländern und Gemeinden vom „Hilferuf der sozialen Wirtschaft“. Arbeitgeber:innen wie Arbeitnehmer:innen sind bei den Verhandlungen in der Sozialwirtschaft auf das Wohlwollen der öffentlichen Hand angewiesen, denn die entscheidet übers Budget – und damit indirekt über den Gehaltsabschluss. Gombocz wünscht sich einen guten Abschluss – „das ist eine Frage der Wertschätzung!“. Langfristig brauche es – angesichts psychischer Belastung und Personalmangel – aber die 35 Stundenwoche sowie insgesamt mehr gesellschaftliche Wertschätzung und Anerkennung für ihren Beruf.</p>



<p>Bevor Gombocz Richtung Graz aufbricht, wirft sie einen prüfenden Blick auf ihre Notizen und sagt: „Das Wichtigste ist: Betriebsratsarbeit ist Teamarbeit“. Bei der Vertretung der Interessen der Mitarbeitenden dürfe es keine Alleingänge geben, Entscheidungen müssen gemeinsam getroffen werden. „So, jetzt habe ich alles gesagt.“ <em>Auf nach Graz!</em></p>



<div style="background:#f29073; color:#000000; padding:24px;">
  <h4 style="color:#000000; margin:0 0 0.75em; font-weight:700;">
    Zur Person
  </h4>

  <p style="margin:0 0 0.75em;">
    Daniela Gombocz wurde in Pilsen (Tschechien) geboren und lebt in Graz. Die Mutter von zwei erwachsenen Kindern arbeitet seit 2011 bei den Kinderfreunden Steiermark, seit 2017 ist sie Betriebsratsvorsitzende. Sie ist außerdem FSG-AK Kammerrätin.
  </p>
  <p style="margin:0 0 0.75em;">
    Die Österreichischen Kinderfreunde gingen aus dem 1908 gegründeten „Arbeiterverein Kinderfreunde“ hervor. Die Kinderfreunde verstehen sich als Interessensvertretung von Kindern und Familien.
  </p>
</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>In der DNA festgelegt</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2025/11/24/in-der-dna-festgelegt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Resei]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Nov 2025 14:23:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<category><![CDATA[Birgit Patzak-Windisch]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Resei]]></category>
		<category><![CDATA[Erste Digital]]></category>
		<category><![CDATA[IT]]></category>
		<category><![CDATA[Kollektivvertrag]]></category>
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					<description><![CDATA[Birgit Patzak-Windisch ist stellvertretende Betriebsrats Vorsitzende bei Erste Digital, der IT-Tochter der Erste Group. Für sie ist Solidarität ein Grundprinzip, das auch im digitalen Zeitalter nichts von seiner Stärke verloren hat. Dabei wurde sie von ihrer Großmutter inspiriert. Immer wenn es Ärger mit den Eltern gegeben hat, wurde Birgit Patzak-Windisch&#160; von ihrer Zwillingsschwester vorgeschickt. „Das [&#8230;]]]></description>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/11/Birgit-Patzak-Windisch©Nurith-Wagner-Strauss_0182-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-22411" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/11/Birgit-Patzak-Windisch©Nurith-Wagner-Strauss_0182-1024x683.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/11/Birgit-Patzak-Windisch©Nurith-Wagner-Strauss_0182-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/11/Birgit-Patzak-Windisch©Nurith-Wagner-Strauss_0182-150x100.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/11/Birgit-Patzak-Windisch©Nurith-Wagner-Strauss_0182-768x512.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/11/Birgit-Patzak-Windisch©Nurith-Wagner-Strauss_0182-1536x1024.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/11/Birgit-Patzak-Windisch©Nurith-Wagner-Strauss_0182-2048x1365.jpg 2048w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/11/Birgit-Patzak-Windisch©Nurith-Wagner-Strauss_0182-600x400.jpg 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/11/Birgit-Patzak-Windisch©Nurith-Wagner-Strauss_0182-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/11/Birgit-Patzak-Windisch©Nurith-Wagner-Strauss_0182-272x182.jpg 272w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Birgit Patzak-Windisch vertritt als stellvertretende Betriebsrats-Vorsitzende die Beschäftigten bei Erste Digital und ist seit 2024 dafür auch freigestellt. <br>© Nurith Wagner-Strauss</figcaption></figure>



<p><strong>Birgit Patzak-Windisch ist stellvertretende Betriebsrats Vorsitzende bei Erste Digital, der IT-Tochter der Erste Group. Für sie ist Solidarität ein Grundprinzip, das auch im digitalen Zeitalter nichts von seiner Stärke verloren hat. Dabei wurde sie von ihrer Großmutter inspiriert.</strong></p>



<span id="more-22410"></span>



<p>Immer wenn es Ärger mit den Eltern gegeben hat, wurde Birgit Patzak-Windisch&nbsp; von ihrer Zwillingsschwester vorgeschickt. „Das Verhandeln ist bei mir in der DNA festgelegt!“, erklärt die 49-Jährige mit einem Schmunzeln. Denn immerhin ist sie ja die Ältere. „Ich bin exakt 9 Minuten und 30 Sekunden früher geboren als meine Schwester“. Dabei unterscheiden sich die Zwillinge nicht bloß durch blonde und dunkle Haare, sondern vor allem durch ihr Auftreten. Birgit Patzak-Windisch geht auf Menschen zu und redet gerne mit ihnen, ihre Schwester bleibt lieber zurückhaltend und überlässt der Älteren das Parkett.</p>



<p>Die gebürtige Wienerin ist allerdings nicht die erste, die sich in ihrer Familie für andere einsetzt. Schließlich fungierte bereits ihre Großmutter in den 1970er-Jahren als Betriebsrätin des Warenhauses Gerngroß zudem war sie Kammerrätin in der Arbeiterkammer – eine „liebevolle, aber durchsetzungsstarke Frau, die sich zeitlebens für die Rechte anderer engagierte“, weiß Patzak-Windisch.</p>



<p>„Die Oma war ein großartiges Vorbild, ihr Leben war davon geprägt, für andere da zu sein.“ Doch die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende ist sich auch sicher: „Ihre Gegnerin hätte ich nicht sein wollen“.&nbsp;</p>



<h4 class="wp-block-heading">Die Liebe zum Menschen</h4>



<p>Den beruflichen Weg der Enkelin begleitete die Oma, die 94 Jahre alt wurde, mit guten Gesprächen und Lob: „Sie hat mir schon als Kind beigebracht man muss nicht laut sein, um stark zu sein, aber man muss mutig genug sein für andere einzustehen“. 2001 startete Birgit Patzak-Windisch im Erste Group Konzern in der Betriebsorganisation, leitete bald eine eigene Abteilung, übernahm 2005 die Funktion einer Ersatzbetriebsrätin und brachte 2007 ihre Tochter Anna zur Welt. Als Alleinerzieherin blieb ihr nur die Arbeit in Teilzeit übrig – allerdings in Großprojekten, die viel Verantwortung erforderten. Als ihre Tochter älter wurde, arbeitete sie wieder Vollzeit und brachte sich intensiv im Projektmanagement und im Betriebsrat ein. Beim Zusammenschluss zur Ersten Digital wurde sie zur Stellvertreterin der Betriebsrats-Vorsitzenden Elke Strasser gewählt. Seit Jänner 2024 ist sie für ihre Betriebsratstätigkeit freigestellt.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Der Betriebsrat ist die Stimme der Belegschaft – aber auch eine Brücke zur Unternehmensleitung.“</p>
<cite><em>Birgit Patzak-Windisch</em></cite></blockquote>



<p>„Ich bin leidenschaftliche Betriebsrätin, bin gut im Organisieren und sorge dafür, dass die Leute das bekommen, was sie brauchen.“, erklärt die 49-Jährige. Dabei hat auch der Lehrgang in der Betriebsrät:innen-Akademie (BRAK) geholfen. „Für die tägliche Praxis sind die Inhalte bis heute Gold wert. Ich konnte mich während der Ausbildung extrem weiterentwickeln“, ist Patzak-Windisch dankbar. Denn in der BRAK gab es tolles Feedback und Anregungen. Früher war sie eingeschüchtert wenn sie vor mehreren Menschen reden musste. „Heute fällt mir das freie Sprechen bei einer Betriebsversammlung vor 1.800 Menschen leicht.“</p>



<p>Das „echte Interesse für die Anliegen der Kolleg:innen“ macht gute Betriebsrät:innen aus. „Es geht darum, zuzuhören, unterschiedliche Perspektiven zu verstehen und verantwortungsvoll zu handeln“, gibt Patzak-Windisch Kolleg:innen, die sich für die Betriebsratsarbeit interessieren, mit auf den Weg. Teamfähigkeit, Fairness und die Bereitschaft sich in rechtliche und organisatorische Themen einzuarbeiten und die nötigen Kenntnisse zu erwerben,&nbsp; seien ebenso wichtig wie ein gutes Gleichgewicht zwischen Durchsetzungsvermögen und Dialogbereitschaft. Birgit Patzak-Windisch: „Der Betriebsrat ist die Stimme der Belegschaft – aber auch eine Brücke zur Unternehmensleitung.“ Die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende gibt aber auch zu bedenken: „Wir bekommen natürlich auch persönliche Schicksale und schwierige Situationen mit, das macht die Aufgabe sehr anspruchsvoll aber eben auch wertvoll. Wir können konkret helfen, mitgestalten und etwas für die Kolleg:innen bewegen“.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Für alle einstehen</h4>



<p>Die rund 1.800 Mitarbeiter:innen der Erste Digital stammen aus vielen unterschiedlichen Nationen. Vielfältig wie die Belegschaft sind auch die Herausforderungen. Birgit Patzak-Windisch ist etwa Ansprechpartnerin für arbeitsrechtliche Fragen, die durchaus komplex sein können. „In einer Branche, die sich rasant verändert, in der Prozesse automatisiert und Strukturen ständig neu gedacht werden, ist es umso wichtiger, dass die Solidarität untereinander auch im digitalen Zeitalter ihre Kraft beibehält“, so die Betriebsrätin.</p>



<div class="wp-block-group rotebox"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<h4 class="wp-block-heading"><strong>Betriebsratsgründung</strong><strong></strong></h4>



<p>Du denkst auch darüber nach, in deinem Betrieb oder in deiner Filiale einen Betriebsrat zu gründen? Ab fünf dauernd beschäftigten Mitarbeiter:innen habt ihr das Recht, eine Belegschaftsvertretung zu wählen! Deine Gewerkschaft GPA unterstützt dich dabei! Alle Infos zur Wahl und Unterstützung (auch nach der Gründung) erhältst du in deiner <a href="https://www.gpa.at/die-gpa/bundeslaender" aria-label="Regionalgeschäftsstelle">Regionalgeschäftsstelle</a>. Für Nicht-Mitglieder ist eine Erstberatung kostenlos!</p>



<p>Mehr zur Betriebsratswahl findest du <a href="https://www.gpa.at/betriebsrat/betriebsratswahl" aria-label="hier">hier</a>.</p>
</div></div>



<p></p>



<p>Agile Teams, hybride Kommunikation, Mitbestimmung auf Augenhöhe sind wichtige Aspekte in einem modernen Unternehmen. Doch das Ziel sollte sein: dass jede und jeder gehört wird. „Meine Großmutter wäre stolz darauf, dass ihre Werte heute in einer modernen IT Welt weiterleben und ich bin stolz jeden Tag in diesem Sinne für meine Kolleg:innen einzutreten.“</p>



<p>Zwar wächst die IT-Branche und ist wirtschaftlich stabil, doch die Auswirkungen der hohen Inflation machen auch vor den Kolleg:innen nicht halt. „Die steigenden Lebenserhaltungskosten sind branchenübergreifend eine große Herausforderung für alle Arbeitnehmer:innen in Österreich“, weiß die Wienerin.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Vielfalt als Stärke</h4>



<p>Nach wie vor ist die IT-Branche männlich dominiert – der Frauenanteil liegt bei 20 Prozent, steigt aber kontinuierlich an. Birgit Patzak-Windisch arbeitet gerne im vielfältigen und internationalem Umfeld mit ihren Kolleg:innen zusammen<s>.</s> Besonders wichtig ist ihr, dass Frauen Entscheidungen, die für die gesamte Branche gelten, mitgestalten: „Frauen müssen auch auf Kollektivvertragsverhandlungsebene sichtbar sein – gerade in der IT“, stellt die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende klar.</p>



<p>Ihre Freizeit verbringt Birgit Patzak-Windisch, beim sportlichen&nbsp; Auspowern im Fitnessstudio. Auch Reisen und eine guten Lektüre am Strand genießt sie. Die gemeinsame Zeit mit der Familie – inklusive Labrador Bastian – gibt ihr Kraft. Tochter Anna engagiert sich derzeit in einem freiwilligen Sozialjahr und will im nächsten Herbst Medizin studieren. „Ich bin stolz auf Ihre Wertehaltung und auf den Mensch, der sie geworden ist“, stellt die Mama stolz fest. Auch sie hat noch längst nicht ausgelernt und büffelt für ihr Mediationsstudium an den Wochenenden. Dankbar ist sie ihrem Mann, der in den letzten Jahren einen großen Teil der Care Arbeit für seine Stieftochter übernommen hat und sie täglich unterstützt.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Kaffee und Arbeitsrecht</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2025/11/20/kaffee-und-arbeitsrecht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andrea Rogy]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Nov 2025 09:19:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2025/06]]></category>
		<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<category><![CDATA[Recht]]></category>
		<category><![CDATA[Andrea Rogy]]></category>
		<category><![CDATA[Betriebsvereinbarung]]></category>
		<category><![CDATA[Molkerei]]></category>
		<category><![CDATA[Prolactal]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialplan]]></category>
		<category><![CDATA[Stephanie Millendorfer]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kompetenz-online.at/?p=22345</guid>

					<description><![CDATA[Stephanie Millendorfer ist Vorsitzende des Angestellten-Betriebsrats beim Hartberger Milchverarbeiter Prolactal. Sie fungiert als Ansprechpartnerin für rund 65 Angestellte und hat viele Verbesserungen durchgesetzt. Als Frau in einer typischen Männerbranche hält Millendorfer die Ohren für Rahmenbedingungen und Zustände offen, die geklärt oder verändert gehören: „Ich habe diese Funktion nicht angestrebt, aber ich habe erkannt, dass es [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="696" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/11/Stephanie-Millendorfer_Foto-Hannes-Schloegl_erweitert-1024x696.png" alt="" class="wp-image-22347" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/11/Stephanie-Millendorfer_Foto-Hannes-Schloegl_erweitert-1024x696.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/11/Stephanie-Millendorfer_Foto-Hannes-Schloegl_erweitert-300x204.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/11/Stephanie-Millendorfer_Foto-Hannes-Schloegl_erweitert-150x102.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/11/Stephanie-Millendorfer_Foto-Hannes-Schloegl_erweitert-768x522.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/11/Stephanie-Millendorfer_Foto-Hannes-Schloegl_erweitert-1536x1044.png 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/11/Stephanie-Millendorfer_Foto-Hannes-Schloegl_erweitert-2048x1392.png 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Stephanie Millendorfer ist seit 2021 Betriebsratsvorsitzende bei Prolactal. Das Rüstzeug für diesen Job hat sie sich in Seminaren der Gewerkschaft GPA angeeignet.</strong><br>© Hannes Schlögl</figcaption></figure>



<p><strong>Stephanie Millendorfer ist Vorsitzende des Angestellten-Betriebsrats beim Hartberger Milchverarbeiter Prolactal. Sie fungiert als Ansprechpartnerin für rund 65 Angestellte und hat viele Verbesserungen durchgesetzt.</strong></p>



<span id="more-22345"></span>



<p>Als Frau in einer typischen Männerbranche hält Millendorfer die Ohren für Rahmenbedingungen und Zustände offen, die geklärt oder verändert gehören: „Ich habe diese Funktion nicht angestrebt, aber ich habe erkannt, dass es Führungsverantwortung braucht, um Verbesserungen für die Belegschaft zu erreichen.“ Millendorfers Funktion scheint die logische Folge ihrer Prinzipien und gelebten Ziele zu sein: „Ich möchte die Rechte der Beschäftigten mit Nachdruck vertreten und auch durchsetzen.“</p>



<p>Nach ihrer Ausbildung zur Hotel- und Gastgewerbeassistentin startete Stephanie als Rezeptionistin eines Hotelbetriebes und engagierte sich als Ersatzmitglied des Betriebsrates. Die Fülle aus Anliegen und Nöten der Beschäftigten bekam sie aber erst nach ihrem Wechsel ins Büro des Molkereibetriebes, wo auch ihre Mutter als Betriebsrätin agierte, zu spüren: „Im Berufsalltag wurden viele Probleme nicht ernst genommen oder gingen einfach unter.“</p>



<p>Im November 2016 wurde Millendorfer offiziell ins Team des Angestellten-Betriebsrats gewählt und bei der darauffolgenden Wahl zur Vorsitzenden gekürt. Damit ist sie seit 2021 „in einer Position, in der ich gehört werde.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Ansprüche und Einstufungen müssen überprüft werden</h4>



<p>Die Anliegen der Beschäftigten sind bunt gemischt, Lehrlinge wenden sich ebenso an die 38-Jährige und drei weitere Kolleg:innen im Betriebsratsteam wie ältere Beschäftigte kurz vor der Pension: „Manchmal geht es darum eine Gehaltsabrechnung nachzuvollziehen, ich überprüfe aber auch Verträge oder Gehaltssprünge und kontrolliere, ob Ansprüche richtig berechnet wurden.“</p>



<p>Die Basiskenntnisse dafür hat Millendorfer in Kursen und Schulungen der Gewerkschaft sowie vertiefend an der Gewerkschaftsschule Oberwart, die sie 2023 abgeschlossen hat, erworben – für sie „ein wichtiges Rüstzeug, um tatsächliche Missstände aufzeigen zu können: Kollektivvertrag und Arbeitsrecht müssen beachtet werden, daran führt kein Weg vorbei.“</p>



<p>Wenn Millendorfer intern auf Bereiche hinweist, in denen Verbesserungen möglich sind, tut sie das mit dem Ziel, positive Veränderungen anzustoßen und gemeinsam mit der Unternehmensleitung Lösungen zu entwickeln. Herausforderungen ergeben sich dabei vor allem aus der internationalen Struktur des Konzerns: der Geschäftsführer ist im November 2023 von Israel nach Österreich gezogen.</p>



<div class="wp-block-group rotebox"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<h4 class="wp-block-heading"><strong>Betriebsratsgründung</strong><strong></strong></h4>



<p>Du denkst auch darüber nach, in deinem Betrieb oder in deiner Filiale einen Betriebsrat zu gründen? Ab fünf dauernd beschäftigten Mitarbeiter:innen habt ihr das Recht, eine Belegschaftsvertretung zu wählen! Deine Gewerkschaft GPA unterstützt dich dabei! Alle Infos zur Wahl und Unterstützung (auch nach der Gründung) erhältst du in deiner <a href="https://www.gpa.at/die-gpa/bundeslaender" aria-label="Regionalgeschäftsstelle">Regionalgeschäftsstelle</a>. Für Nicht-Mitglieder ist eine Erstberatung kostenlos!</p>



<p>Mehr zur Betriebsratswahl findest du <a href="https://www.gpa.at/betriebsrat/betriebsratswahl" aria-label="hier">hier</a>.</p>
</div></div>



<p></p>



<p>Millendorfer ist stets bemüht, die Sichtweise der Unternehmensleitung zu verstehen und in schwierigen Verhandlungen einen tragfähigen Mittelweg im Sinne beider Seiten zu finden. Sie sieht sich als Vermittlerin, wenn es um die Anwendung des österreichischen Arbeitsrechts geht, und betont, dass man gemeinsam mehr für die Belegschaft erreichen könne. Ein wertschätzendes Miteinander sei für sie die Grundlage einer langfristig erfolgreichen Zusammenarbeit.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Betriebsvereinbarungen sichern Rechte langfristig</h4>



<p>Stolz ist Millendorfer auf eine Reihe wichtiger Betriebsvereinbarungen, die unter ihrer Ägide für Angestellte und teilweise auch für Arbeiter:innen abgeschlossen wurden. So wurde das Deputat, eine Abgeltung naturalrechtlicher Ansprüche, für alle Beschäftigten deutlich erhöht und an die Kollektivverträge gebunden: „Wir wollten die veraltete und zu geringe Zuwendung ablösen – nun wächst das Deputat mit den jährlichen Lohnsteigerungen mit und stärkt damit nachhaltig die Kaufkraft der Beschäftigten.</p>



<p>Ein großes Thema im Betrieb ist die arbeitsrechtliche Einstufung vieler Beschäftigter. „Angestellte haben immer noch einige arbeitsrechtliche Vorteile, daher muss ich in vielen Fällen sehr genau prüfen, ob eine Einstufung als Arbeiter:in rechtens ist“; erklärt Millendorfer ihr Bemühen in Grenzfällen die Arbeitsabläufe zu analysieren und sich für Verbesserungen einzusetzen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„In meiner Position habe ich die Möglichkeit, die Anliegen der Belegschaft mit Nachdruck und Stärke zu vertreten und gehört zu werden.“</p>
<cite>Stephanie Millendorfer, Vorsitzende des Angestelltenbetriebsrates beim Milchverarbeitungsbetrieb Prolactal</cite></blockquote>



<p>Als größte Herausforderung in ihrem kontaktintensiven Alltag beschreibt die 38-Jährige, die in ihrer Freizeit gerne bei Ausflügen oder mit Freunden entspannt, herauszufiltern „welche Anliegen Einzelfälle sind und wo es wichtig ist, Lösungen zu finden, die für die Mehrheit der Beschäftigten eine echte Verbesserung bringen.“</p>



<p>Der bislang schwerste Rückschlag für die Belegschaftsvertreterin war der Sozialplan im August 2023 – eine Phase, die viele im Unternehmen forderte und schwierige Entscheidungen mit sich brachte. „Das war keine leichte Zeit, weder für die Betroffenen noch für uns als Vertretung“, sagt sie rückblickend.</p>



<p>Umso mehr freut sie sich über kleine, aber spürbare Verbesserungen im Arbeitsalltag. Eine davon: kostenloser Kaffee für alle Arbeiter:innen und Angestellten bei Prolactal. „Ein gerechter und zeitgemäßer Pluspunkt“, wie sie betont – und ein Zeichen dafür, dass sich Beharrlichkeit am Ende doch auszahlt. Positiven Auftrieb spürt Millendorfer durch die „tägliche Wertschätzung und erreichte Verbesserungen: Die Kolleg:innen vertrauen mir und wissen es zu schätzen, dass ich mich für sie einsetze. Das ist die Sonnenseite der betriebsrätlichen Arbeit.“</p>



<p>Für die Zukunft hat die Betriebsratsvorsitzende klare Ziele: mehr Transparenz bei Löhnen und Gehältern sowie eine stärkere Beteiligung von Frauen – auch im Betriebsratsgremium. „Das sind die nächsten wichtigen Schritte, damit Fairness und Chancengleichheit im Unternehmen weiterwachsen“, sagt sie.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wo es noch keinen Kollektivvertrag gibt</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2025/10/20/wo-es-noch-keinen-kollektivvertrag-gibt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexia Weiss]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Oct 2025 10:55:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Kollektivvertrag]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<category><![CDATA[Fachhochschule]]></category>
		<category><![CDATA[FH Joanneum]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Kaja Unger]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kompetenz-online.at/?p=22326</guid>

					<description><![CDATA[Die 21 heimischen Fachhochschulen gehören zu jenen nur zwei Prozent der Arbeitsplätze in Österreich, die über keinen Kollektivvertrag verfügen. Die Juristin Kaja Unger ist Betriebsratsvorsitze der FH JOANNEUM in der Steiermark und gehört zu jenen, die sich für einen Kollektivvertrag auch für diese Bildungsbranche einsetzen. 21 Fachhochschulen, das bedeutet derzeit auch: 21 verschiedene Entlohnungssysteme, 21 [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/10/2025_Kaja_unger-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-22327" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/10/2025_Kaja_unger-1024x576.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/10/2025_Kaja_unger-300x169.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/10/2025_Kaja_unger-150x84.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/10/2025_Kaja_unger-768x432.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/10/2025_Kaja_unger-1536x864.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/10/2025_Kaja_unger.jpg 1920w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Kaja Unger, die Betriebsratsvorsitze der FH JOANNEUM in der Steiermark, ist überzeugt, dass ein Kollektivvertrag für die Fachhochschulen auch der Arbeitgeberseite nützt. </strong></figcaption></figure>



<p><strong>Die 21 heimischen Fachhochschulen gehören zu jenen nur zwei Prozent der Arbeitsplätze in Österreich, die über keinen Kollektivvertrag verfügen. Die Juristin Kaja Unger ist Betriebsratsvorsitze der FH JOANNEUM in der Steiermark und gehört zu jenen, die sich für einen Kollektivvertrag auch für diese Bildungsbranche einsetzen.</strong></p>



<span id="more-22326"></span>



<p>21 Fachhochschulen, das bedeutet derzeit auch: 21 verschiedene Entlohnungssysteme, 21 verschiedene Indexierungen oder Nichtindexierungen, 21 Arbeitszeitmodelle. „An einer FH muss ich in der Woche 22 Stunden unterrichten, an einer anderen 27, an einer dritten 14“, schildert Unger. Aber auch in der Verwaltung gebe es unterschiedliche Anforderungen: an manchen gelte die 38-Stunden-Woche, an anderen die 39-Stunden-Woche, es gebe allerdings auch Standorte mit einer Arbeitszeit von 40 Wochenstunden. Aber auch die Tätigkeitsbeschreibungen seien an den 21 Fachhochschulen nicht einheitlich.</p>



<p>Der Vorteil eines Kollektivvertrags für diese Form der Hochschulen liege auf der Hand, betont Unger. „Es gibt einen rechtlichen Rahmen, der für alle verbindlich ist. Es gibt einen gleichwertigen Entgeltrahmen, der für ganz Österreich gilt und es leichter macht, Mitarbeiter:innen anderer Fachhochschulen zu beschäftigten. Und es gibt weniger Konflikte, weil sich der Einzelne nicht mehr unfair behandelt fühlt.“ Dass dann nicht mehr mit jedem einzelnen neuen Mitarbeiter oder jeder einzelnen neuen Mitarbeiterin ein Arbeitsvertrag ausverhandelt werden müsste, wäre auch für die Arbeitgeber:in-Seite von Vorteil.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center"> „Es gibt einen rechtlichen Rahmen, der für alle verbindlich ist. Es gibt einen gleichwertigen Entgeltrahmen, der für ganz Österreich gilt und es leichter macht, Mitarbeiter:innen anderer Fachhochschulen zu beschäftigten. Und es gibt weniger Konflikte, weil sich der Einzelne nicht mehr unfair behandelt fühlt.“</p>
<cite>Kaja Unger, Betriebsratsvorsitze der FH JOANNEUM in der Steiermark</cite></blockquote>
</blockquote>



<h4 class="wp-block-heading">Vorbilder für einen Fachochschul-Kollektivvertrag </h4>



<p>Gäbe es für einen Fachhochschul-KV Vorbilder? Unger nennt hier auf der einen Seite die Unis, auf der anderen die Pädagogischen Hochschulen. Das Spezifikum der FH seien aber die privaten Träger der Einrichtungen. Hier bräuchte es ein kollektivvertragstaugliches Gremium, in dem die Arbeitgeber:innen organisiert seien. Die Bildung einer solchen Körperschaft – etwa in Form eines Vereins oder Verbands – wollen die Betriebsräte an den FH mit Unterstützung der GPA erreichen, so Unger, wobei es nicht an allen Fachhochschulen Betriebsratsgremien gibt. Das sei derzeit nur an 16 FH der Fall. Ideal wäre zudem, wenn die Arbeitgeber:innen-Seite sich hier freiwillig zusammenschließt und nicht erst per Gesetz dazu gedrängt werden müsse.</p>



<p>Das Verhandlungsgegenüber auf Regierungsseite ist bei diesem Vorhaben Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ). Sie habe selbst an einer FH gearbeitet, erzählt Unger, und kenne daher auch die spezifische Problematik. Mit ihr seien die Betriebsrät:innen an der FH diesbezüglich auch bereits ins Gespräch gekommen, als diese noch gar nicht Ministerin gewesen sei.</p>



<p>Der ideale Fahrplan sähe so aus, dass die Geschäftsführungen der FH zumindest bis Ende 2027 bereit wären, eine Körperschaft zu gründen, die kollektivvertragsfähig ist. Für die KV-Verhandlungen an sich wären dann – wenn man sich etwa die Entstehung des Unikollektivvertrages im Rückblick ansehe – weitere fünf Jahre ein realistischer Zeitrahmen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Erfolgreich gegen Kettendienstverträge</h4>



<p>Doch bis es so weit ist, arbeitet Unger an der FH JOANNEUM, an der es seit 2017 eine umfangreiche „Vertragsschablone“ gebe, bereits im Rahmen ihrer Möglichkeiten an weiteren Verbesserungen für die insgesamt 850 Mitarbeiter:innen in Verwaltung und Lehre. Gelungen sei etwa die Beschränkung auf nur mehr zwei Mal befristete Verträge, danach sind die Arbeitsverhältnisse inzwischen unbefristet. „Damit gibt es nun weniger Kettendienstverträge.“ Von diesen problematischen Verträgen besonders betroffen gewesen seien Frauen. Warum? „Weil Männer härter verhandeln. Sie sagen mehrheitlich, ich komme nicht, wenn ich keinen unbefristeten Vertrag bekomme. Frauen verlassen sich dagegen eher auf die Zusage, dass es nach einer anfänglichen Befristung dann zu einer Verlängerung kommt.“</p>



<p>Die Ungleichbehandlung von Männern und Frauen ist Unger aber auch noch in einem anderen Bereich ein Dorn im Auge: bei den Prämienzahlungen. Da diese gehaltsabhängig sind und Männer tendenziell ihre Verträge besser ausverhandeln, fallen auch die Prämien höher aus. „Das ist nicht fair. Wenn ich schon ein hohes Gehalt habe, brauche ich nicht auch noch eine hohe Prämie.“ Hier versucht sie aktuell mit der Geschäftsführung ins Gespräch zu kommen.</p>



<p>Unger ist derzeit zudem damit beschäftigt, sich die Stellenbeschreibungen aller Mitarbeiter:innen anzusehen. Im Sommer 2026 muss auch in Österreich die Entgelttransparenzrichtlinie der EU umgesetzt sein. Im Hinblick darauf wolle sie bereits entsprechend vorbereitet sein, indem sie eben jetzt schon schaue, wer Aufgaben erfülle, die mit dem aktuellen Gehalt nicht ausreichend entlohnt würden und diese Mitarbeiter:innen daher eigentlich höher einzustufen wären. Diese Richtlinie biete gerade an den FH eine positive Perspektive. „Da hat man dann zumindest etwas in der Hand, wenn man keinen Kollektivvertrag hat.“</p>



<div class="wp-block-group rotebox"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<h4 class="wp-block-heading"><strong>Betriebsratsgründung</strong><strong></strong></h4>



<p>Du denkst auch darüber nach, in deinem Betrieb oder in deiner Filiale einen Betriebsrat zu gründen? Ab fünf dauernd beschäftigten Mitarbeiter:innen habt ihr das Recht, eine Belegschaftsvertretung zu wählen! Deine Gewerkschaft GPA unterstützt dich dabei! Alle Infos zur Wahl und Unterstützung (auch nach der Gründung) erhältst du in deiner <a href="https://www.gpa.at/die-gpa/bundeslaender" aria-label="Regionalgeschäftsstelle">Regionalgeschäftsstelle</a>. Für Nicht-Mitglieder ist eine Erstberatung kostenlos!</p>



<p>Mehr zur Betriebsratswahl findest du <a href="https://www.gpa.at/betriebsrat/betriebsratswahl" aria-label="hier">hier</a>.</p>
</div></div>



<p></p>



<p>Die Freude an der Betriebsratsarbeit wurde Unger übrigens bereits von ihrer Mutter vorgelebt. Diese sei Betriebsratsvorsitzende in einem sehr großen internationalen Konzern gewesen, erzählt die Tochter. „Da habe ich mitbekommen, was es für Schwierigkeiten im Unternehmen gab und wie man sich für Mitarbeiter:innen einsetzen kann.“ Sie selbst sei zudem „ein kommunikativer Typ“, sie rede gerne und sei gerne mit Leuten zusammen – allesamt gute Voraussetzungen für die Betriebsratsarbeit.</p>



<p>Dem Betriebsrat an der FH JOANNEUM, für die sie seit 2005 tätig ist, gehört sie seit 2009 an. Seit 2015 ist sie die Vorsitzende der Belegschaftsvertretung und inzwischen nur mehr zwölf Stunden pro Woche in der Lehre tätig. Für 28 Stunden ist sie als Betriebsrätin freigestellt. Insgesamt teilen sich an der FH JOANNEUM vier Betriebsrät:innen 80 Stunden Freistellung. Da es mehrere Standorte gebe, habe sich das als sehr praktikabel herausgestellt.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Arbeit und Freizeit trennen</h4>



<p>Ernst nimmt Unger eine gewisse Trennung von Arbeit und Freizeit. Abends ist sie für Mitarbeiter:innen zwar unter der Woche zwar meist erreichbar, auch angesichts des Umstands, dass in der Lehre tätige Kolleg:innen oft untertags nicht telefonieren können. Am Wochenende wüssten die Mitarbeiter:innen aber, dass sie wirklich nur in ganz dringenden Fällen anrufen sollen. Und ist sie auf Urlaub, dann ist das Telefon umgeleitet. Urlaub bedeutet für Unger übrigens vor allem eines: Entspannung. „Ich liege da lieber am Strand als Besichtigungstouren zu machen.“ Im Alltag sucht sich Unger, die mit ihrem Mann und ihrer Tochter, die noch zur Schule geht, in Gaz lebt, ihren Ausgleich vor allem beim Garteln.</p>



<p>Was sie in ihrer Rolle als Betriebsrätin lernen musste? „Ich suche immer gleich nach Lösungen. Aber diese Lösungen werden von den Mitarbeiter:innen nicht immer angenommen.“ Geholfen habe ihr hier die Konfliktlotsenausbildung der Gewerkschaft, die sie ebenso absolviert habe wie die beiden Basiskurse. „Was ich dort gelernt habe: ich kann Lösungswege vorgeben, aber jeder muss dann selbst seinen Weg gehen.“ Das sei auch deshalb ein wichtiger Grundsatz, weil andernfalls die eigene psychische Gesundheit leiden würde.</p>



<div style="background:#f29073; color:#000000; padding:24px;">
  <h4 style="color:#000000; margin:0 0 0.75em; font-weight:700;">
    Zur Person
  </h4>

  <p style="margin:0 0 0.75em;">
    Kaja Unger, geb. 1974, studierte und promovierte in Rechtswissenschaften an der Uni Graz, danach absolvierte sie ergänzend einen Lehrgang für IT-Recht. Zunächst im Bankenbereich und nebenberuflich an der Fachhochschule Kärnten tätig, seit 2005 an der Fachhochschule JOANNEUM.
  </p>
  <p style="margin:0 0 0.75em;">
    Einstieg als Mitarbeiterin der Rechtsabteilung, seit 2007 auch in der Lehre tätig (IT-Recht, Arbeitsrecht, Datenschutzrecht), seit 2012 ausschließlich Lehrende. Mitglied des Betriebsrats seit 2009, seit 2015 hat sie den Vorsitz inne. Unger lebt mit ihrer Familie in Graz.
  </p>
</div>

]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Nur der Nase nach</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2025/09/08/nur-der-nase-nach/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Resei]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Sep 2025 13:26:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Resei]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft Österreichischer Kinderdörfer Salzburg]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialwirtschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kompetenz-online.at/?p=22184</guid>

					<description><![CDATA[Sozialarbeiterin Annette Merklin riecht sich förmlich durchs Leben, hilft Kindern bei der Bewältigung des Alltags und hat Appetit aufs Lernen – die besten Voraussetzungen für ihre jüngste Aufgabe als Betriebsratsvorsitzende. Ende Juli wurde das neue Betriebsratsgremium der Gesellschaft Österreichischer Kinderdörfer Salzburg (GÖK) gewählt – die GÖK ist übrigens nicht zu verwechseln mit SOS-Kinderdorf Österreich. Gemeinsam [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/09/GOeK-Salzburg-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-22187" style="width:1207px;height:auto" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/09/GOeK-Salzburg-1024x576.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/09/GOeK-Salzburg-300x169.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/09/GOeK-Salzburg-150x84.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/09/GOeK-Salzburg-768x432.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/09/GOeK-Salzburg-1536x864.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/09/GOeK-Salzburg.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Ende Juli 2025 haben die Beschäftigten der Gesellschaft österreichischer Kinderdörfer einen BR gewählt. V.l.n.r.: Stefan Stanger (BR-Mitglied, Schriftführer), Adna Mamudoska-Veslic (stv. BRV), Ronny Güntzel (ÖGB Regionalsekretär), Annette Merklin (BRV), Dominik Friedrichs (BR-Mitglied), Orhan Dönmez (Regionalsekretär GPA Salzburg)</strong><br>Foto: ÖGB-Salzburg</figcaption></figure>



<p><strong>Sozialarbeiterin Annette Merklin riecht sich förmlich durchs Leben, hilft Kindern bei der Bewältigung des Alltags und hat Appetit aufs Lernen – die besten Voraussetzungen für ihre jüngste Aufgabe als Betriebsratsvorsitzende.</strong></p>



<span id="more-22184"></span>



<p>Ende Juli wurde das neue Betriebsratsgremium der Gesellschaft Österreichischer Kinderdörfer Salzburg (GÖK) gewählt – die GÖK ist übrigens nicht zu verwechseln mit SOS-Kinderdorf Österreich. Gemeinsam mit drei Kolleg:innen vertritt Betriebsratsvorsitzende Annette Merklin nun 55 Mitarbeiter:innen, die vor allem in Berufen des psychosozialen Bereichs, etwa als Sozialarbeiter:innen, Pädagog:innen, Psycholog:innen oder Sozial- und Lebensberater:innen beschäftigt sind.</p>



<p>Die 50-Jährige arbeitet als Sozialarbeiterin Vollzeit in der SWG-Siezenheim, eine sozialpädagogische Wohngruppe, und ist für ihre Betriebsratsaufgaben nicht freigestellt. In Salzburg und Umgebung werden fünf Sozialpädagogische Wohngemeinschaften (SWG) mit rund 40 Kindern betreut, die Kids sind zwischen sechs und 13 Jahre alt. „Und wir bieten zudem zehn Übergangswohnungen in der Stadt Salzburg für Jugendliche und junge Erwachsenen“, erklärt Merklin.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Ein Betriebsrat muss her</h4>



<p>Zwar hat bereits früher ein GÖK-Betriebsrat existiert, doch der löste sich vor vier Jahren auf. Das blieb nicht ohne Konsequenzen, denn ohne Betriebsrat war es schwer im Namen der Belegschaft der Geschäftsführung gegenüberzutreten. „Es fehlte jemand, der die Meinungen der Mitarbeitenden sammelt und vertritt und wir konnten uns auch nicht mit den Betriebsräten anderer Jugend- und Kinderorganisationen austauschen“, beschreibt die frisch gekürte Betriebsratsvorsitzende das große Dilemma.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Inzwischen können wir einfache arbeitsrechtliche Fragen etwa wenn es um Ruhezeiten, Karenzregelungen, Mutterschutz oder Papa-Monat geht vorort beantworten.“</p>
<cite>Annette Merklin, Betriebsratsvorsitzende, GÖK</cite></blockquote>



<p>Unter der GÖK-Salzburg-Belegschaft reifte die Idee zu einer Neugründung des Betriebsrats – von Anfang an standen GPA-Regionalsekretär Orhan Dönmez (zuständig für Gesundheit, Soziale Dienstleistungen, Kinder &amp; Jugendhilfe, Stv-Bildungsarbeit) und Ronny Güntzel, ÖGB-Regionalsekretär für Flachgau und die Stadt Salzburg, hilfreich zur Seite. Annette Merklin lobt: „Sie begleiten uns wunderbar“. Bei einer Betriebsratsgründung geht es auch um formelle Kriterien wie die Einhaltung der Fristen oder das korrekte einberufen der konstituierenden Sitzung. Um Fehler zu vermeiden, wurde im Vorfeld eine Whatsapp-Gruppe für einen intensiven Austausch gegründet. Materialien und Dokumente wurden dabei von den Regionalsekretären nochmal geprüft.<br>„Inzwischen können wir einfache arbeitsrechtliche Fragen etwa wenn es um Ruhezeiten, Karenzregelungen, Mutterschutz oder Papa-Monat geht vorort beantworten“, sagt Annette Merklin. Auch vermittelt der Betriebsrat bei Unstimmigkeiten zwischen den Kolleg:innen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Kindern ein echtes Zuhause bieten</h4>



<p>Die Gesellschaft Österreichischer Kinderdörfer versorgt Kinder mit Zeit, Verständnis und Aufmerksamkeit – lebenswichtige Zutaten, die sie aus verschiedensten Gründen nicht bekommen haben. Die betreuten Kinder und Jugendliche kommen meist aus schwierigen Verhältnissen, oft von Gewalt geprägt, und können vorübergehend oder über Jahre nicht bei ihren Eltern leben. Das macht den Beruf von Annette Merklin und ihren Kolleg:innen vielmehr zur Berufung. Es ist ein herausfordernder Alltag, der von Lernunterstützung, spielen, organisieren der Freizeit bis zur Begleitung bei Terminen reicht – und es muss auch Zeit bleiben für Gespräche über die Sorgen der Kids.</p>



<p>„Wir ergänzen die Familien, aus denen die Kinder kommen“, erklärt Merklin. „Manchmal fordert es einen längeren Atem, bis etwas gut funktioniert, aber vor allem ist eine intensive Beschäftigung mit einem Kind notwendig, damit es sich auf eine Bezugsperson einlassen kann.“ Aber die Energie und Mühe dafür zahlt sich meistens aus.</p>



<p>„Mein ehemaliges Bezugskind war ein unbegleiteter minderjähriger Flüchtling, der mit 13 Jahren nach Österreich gekommen ist“, erinnert sich die Betriebsratsvorsitzende. Im Herbst 2021 wurde der Teenager aus Syrien in die SWG-Siezenheim aufgenommen, damals sprach er kein Wort Deutsch.<br>Im Laufe von drei Jahren in der SWG holte er den Pflichtschulabschluss nach, heute sind seine Deutschkenntnisse so gut, dass er ins Oberstufengymnasium geht und das erste Jahr positiv absolviert hat.</p>



<p>Doch das war nicht selbstverständlich, am Anfang gab es durchaus Reibereien, denn der Junge zeigte wenig Begeisterung dafür, deutsche Sätze aufzuschreiben und sie zu üben. „Das fiel ihm schwer, aber nach eineinhalb Jahren hat er den Widerstand abgebaut“, erzählt Merklin mit einigem Stolz. „Er hat sich für eine weiterführende Ausbildung entschieden und dann wirklich losgelegt. Und vor kurzem sagte er, dass ich ihn zum Lernen angetrieben habe, sei schon sehr wichtig gewesen.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Dem Tourismus entwachsen</h4>



<p>In Zell am See gebürtig, wuchs Annette Merklin mit der Frühstückspension ihrer Eltern auf, studierte Geschichte und arbeitete im Familienbetrieb mit. An der Uni Innsbruck startete sie 2010 ein psychotherapeutisches Propädeutikum, nach dem Abschluss machte sie an der Uni Krems den Master in Sozialer Arbeit und nimmt dort bis heute an Weiterbildungen teil. „Ich habe mich immer wahnsinnig gern gebildet“, erzählt Annette Merklin. Dabei reist sie mit dem Zug von Salzburg nach Krems und lernt während der Fahrten – ihr fällt das leicht. „Ich bin wahnsinnig gern an die Universität gegangen und in Krems hat alles so gut funktioniert, weil der Unterricht an Wochenenden in Blöcken stattfand.“ Jetzt hofft Annette Merklin, dass sie die Dreifachbelastung Arbeit, Weiterbildung und Betriebsrats-Vorsitz gut schafft, denn ihr Amt wäre auch von ihrem Opa geschätzt worden.<br>„Meine 85-jährige Tante hat mir gesagt, mein Großvater wäre stolz auf mich gewesen. Er hat in den 50er und 60er Jahren in der Holzindustrie gearbeitet, wenn er Probleme in der Arbeit hatte, konnte er auf die Gewerkschaft bauen.“</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center">„Meine 85-jährige Tante hat mir gesagt, mein Großvater wäre stolz auf mich gewesen. Er hat in den 50er und 60er Jahren in der Holzindustrie gearbeitet, wenn er Probleme in der Arbeit hatte, konnte er auf die Gewerkschaft bauen.“</p>
<cite>Annette Merklin, Betriebsratsvorsitzende, GÖK</cite></blockquote>



<p>Wenn Zeit bleibt, spaziert Merklin durch Zell am See und genießt die Landschaft. Doch auch Städtereisen dürfen bei ihr nicht fehlen. Sie ist nämlich eine leidenschaftliche Schnüfflerin von Düften, die sie als Parfums sammelt. Am liebsten mag sie „Kitten Heel“ den blumig-fruchtig Duft Roberto Ugolini, doch es fasziniert sie auch das Unbekannte: „Ich schaue in den großen Städten ob es Parfums gibt, die ich noch nicht kenne. Ich finde es nämlich toll immer wieder was Neues zu riechen.“</p>



<p></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Empowerment durch den Betriebsrat</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2025/08/14/empowerment-durch-den-betriebsrat/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Tizian Rupp]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 Aug 2025 09:00:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2025/05]]></category>
		<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<category><![CDATA[Alexandra Beran]]></category>
		<category><![CDATA[Boehringer Ingelheim]]></category>
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					<description><![CDATA[Alexandra Beran ist stellvertretende Betriebsratsvorsitzende beim Wiener Standort von Boehringer Ingelheim. Vielseitig interessiert und vielfach ausgebildet, vertritt sie knapp 3.400 Kolleg:innen. Was sie antreibt und welche Rolle ihre fünf Kinder in ihrer Betriebsratsarbeit spielen, hat sie der KOMPETENZ im Gespräch erzählt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/07/DSC06170-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-22156" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/07/DSC06170-1024x683.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/07/DSC06170-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/07/DSC06170-150x100.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/07/DSC06170-768x512.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/07/DSC06170-1536x1024.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/07/DSC06170-2048x1365.jpg 2048w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/07/DSC06170-600x400.jpg 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/07/DSC06170-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/07/DSC06170-272x182.jpg 272w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Foto: Edgar Ketzer </figcaption></figure>



<p><strong>Alexandra Beran ist stellvertretende Betriebsratsvorsitzende beim Wiener Standort von Boehringer Ingelheim. Vielseitig interessiert und vielfach ausgebildet, vertritt sie knapp 3.400 Kolleg:innen. Was sie antreibt und welche Rolle ihre fünf Kinder in ihrer Betriebsratsarbeit spielen, hat sie der KOMPETENZ im Gespräch erzählt.</strong></p>



<span id="more-22152"></span>



<p>„Wer bin ich &#8211; und wenn ja, wie viele?“ Mit diesem Zitat beginnt Alexandra Beran ihre Antwort, wenn man sie nach ihrem Werdegang fragt. Die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende am Wiener Standort des Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim hat ursprünglich technische Chemie studiert. Als Diplomingenieurin hat sie dann im Jahr 2005 begonnen, bei Boehringer Ingelheim in der onkologischen Forschung zu arbeiten. &nbsp;</p>



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<p><strong>Forschung und Produktion in großem Maßstab</strong></p>



<p>Die Krebsforschung ist ein zentraler Bereich des internationalen Unternehmens, in Wien sind dazu rund 450 Mitarbeitende beschäftigt. Und das mit großem Erfolg: Erst vor kurzem hat ein vielversprechendes Mittel zur Behandlung von Lungenkrebs aus der Wiener Forschung in den USA die Zulassung erhalten.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center">„Wenn ich zur Arbeit fahre und das Gelände sehe, denke ich mir oft einfach: Wow, Wahnsinn.“</p>
<cite>Alexandra Beran</cite></blockquote>



<p>Der Großteil der Beschäftigten am Wiener Standort ist aber in der Produktion von biopharmazeutischen Arzneimitteln beschäftigt – das sieht man auch am großflächigen Gelände. Unter riesigen silbernen Rohren, die ganze Gebäudekomplexe miteinander verbinden, verladen und transportieren LKWs Produktionsmaterialien. Direkt beim Eingang steht ein hochmodernes Bürogebäude – und dort, im 4. Stock, ist das Betriebsratsbüro, wo Alexandra von ihrer Arbeit erzählt.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Familie und Beruf besser ermöglichen</strong></h4>



<p>Alexandras Weg in den Betriebsrat ist unweigerlich mit ihren Kindern verknüpft gewesen. Nach ihrer Karenz wollte sie an ihre ursprüngliche Position zurückkehren. Doch dann wurde ihr mitgeteilt, dass dies als Teilzeitkraft nicht möglich sei.</p>



<div class="wp-block-group rotebox"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<h4 class="wp-block-heading"><strong>Betriebsratsgründung</strong><strong></strong></h4>



<p>Du denkst auch darüber nach, in deinem Betrieb oder in deiner Filiale einen Betriebsrat zu gründen? Ab fünf dauernd beschäftigten Mitarbeiter:innen habt ihr das Recht, eine Belegschaftsvertretung zu wählen! Deine Gewerkschaft GPA unterstützt dich dabei! Alle Infos zur Wahl und Unterstützung (auch nach der Gründung) erhältst du in deiner <a href="https://www.gpa.at/die-gpa/bundeslaender" aria-label="Regionalgeschäftsstelle">Regionalgeschäftsstelle</a>. Für Nicht-Mitglieder ist eine Erstberatung kostenlos!</p>



<p>Mehr zur Betriebsratswahl findest du <a href="https://www.gpa.at/betriebsrat/betriebsratswahl" aria-label="hier">hier</a>.</p>
</div></div>



<p></p>



<p>In weiterer Folge ist die Chemikerin auf einer Art „beruflichem Abstellgleis“ gelandet, was ein zündender Moment für ihr Engagement war, schildert sie: „Es wirkte auf mich so: Entweder du bist eine gute Mutter und bist daher Vollzeitmutter oder du bist eine gute Mitarbeiterin und arbeitest in Vollzeit, aber eine Kombination von beidem ist nicht möglich.“ Das wollte sie nicht hinnehmen und brachte sich daraufhin im Betriebsrat ein.</p>



<p>Die fünffache Mutter kämpfte dafür, Verbesserungen bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie für die Kolleg:innen durchzusetzen. Wichtig war dabei, auch den entsprechenden Rückhalt zu bekommen: „Unsere Betriebsrats-Vorsitzende Irmgard Gettinger hat mir gesagt, du kannst das – mach das!“</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center">„Es ist ganz wichtig, dass wir uns als Betriebsrät:innen nicht nur für unsere eigenen Themen interessieren, sondern darüber hinausblicken.“</p>
<cite>Alexandra Beran</cite></blockquote>



<p>Das erforderte nicht nur viel Courage, sondern auch eine entsprechende Expertise: Alexandra eignete sich ein umfassendes arbeitsrechtliches Wissen an, das sie seither unter ihre Kolleg:innen bringt. Bei einem Familientag, der alle zwei Jahre vom Betriebsrat organisiert wird, können Beschäftigte ihre Familie mitbringen – eine ideale Gelegenheit, um über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu reden.</p>



<p>Dazu werden etwa auch die Betriebskindergärten vorgestellt, gleichzeitig bekommen die Kinder durch Führungen mit, wo ihre Eltern arbeiten. „Da sieht man richtig, wie stolz die Kinder sind. So ein Arbeitsplatz macht Eindruck“, erzählt Alexandra. Ebenfalls anwesend bei diesem Familientag sind die Gewerkschaft GPA und die Arbeiterkammer, um Fragen von Beschäftigten zu beantworten.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Geschlechtergerechtigkeit im Fokus</strong></h4>



<p>Gerade als Betriebsrätin ist es Alexandra wichtig, Elternzeitmodelle klar zu vermitteln – insbesondere den männlichen Kollegen. Denn: „Es ist nach wie vor so, dass Väter weniger oft in Karenz gehen als Mütter. Bei Männern ist es noch immer ein Stück weit eine Überraschung, auch wenn wir viele positive Gegenbeispiele haben. Gleichzeitig ist es bei Frauen noch immer als selbstverständlich angesehen, dass sie durch Karenz und Elternteilzeit einen Karriereknick haben – das wird dann oft nicht einmal benannt.“ Hier aktiv gegenzusteuern, bedeutet auch, geschlechterbezogene Ungleichheiten auf struktureller Ebene zu verändern.</p>



<p>Die Arbeit als Betriebsrätin ist für Alexandra viel mehr als ein simples Problemlösen. Das ist auch der Grund, warum sie zusätzlich die Ausbildung als Lebens- und Sozialberaterin absolviert hat: „Wenn es nicht um ganz klassische Rechtsthemen geht, versuche ich, zu schauen, wie ich die Person begleiten und empowern kann. Oft kommen Kolleg:innen erst mit einem hohen Leidensdruck. Da muss man ein ganz anderes Beratungsgespräch führen.“</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center">„Wenn man fünf Kinder hat, ist man auch ein bisschen eine Kümmerin und übernimmt viel Verantwortung – ich finde es schön, das auch auf einer breiteren, gesellschaftlichen Ebene tun zu können.“</p>
<cite>Alexandra Beran</cite></blockquote>



<p>Häufig gibt es zwei sehr unterschiedliche Perspektiven auf ein Thema als Problemursache, erklärt Alexandra – hier gilt es dann, das Gemeinsame, Verbindende zu finden, auf dem man aufbauen kann. Und auch wenn jemand sich dafür entscheiden sollte, das Unternehmen zu verlassen, ist der Betriebsrat da: „Dann geht es darum, gemeinsam einen guten Abschluss zu finden, bei dem die betroffene Person das Gesicht wahren kann. Solche Abschnitte sind oft sehr belastend, da ist es wichtig, unterstützt zu werden.“</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Das Team als Herz des Betriebsrats</strong></h4>



<p>Seit zwei Jahren ist Alexandra freigestellt, was sie dazu nutzen will, die Zusammenarbeit des gesamten Gremiums zu stärken: „Meine Rolle ist es auch, zu schauen, dass all jene Kolleg:innen, die nicht freigestellt sind, ihre Betriebsrats-Tätigkeit gut wahrnehmen können. Denn der Betriebsrat sind wir alle gemeinsam!“</p>



<p>Dass die Zusammenarbeit im Team so gut funktioniere, habe auch viel mit Unterschieden zu tun: Denn die 19 Mitglieder des Betriebsrats sind aus verschiedenen Bereichen des Unternehmens, das Alter ist gut durchgemischt, die Biografien ganz unterschiedlich. Durch diese individuellen Sicht- und Herangehensweisen kann der Betriebsrat in den diversesten Situationen handlungs- und durchsetzungsfähig bleiben. &nbsp;</p>



<div class="wp-block-group rotebox"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<h4 class="wp-block-heading"><strong>Internationales Netzwerk</strong></h4>



<p>Bei einem weltweit operierenden Unternehmen ist auch der internationale Austausch unerlässlich, um die wirtschaftliche Seite im Blick zu haben, erklärt Alexandra: „Als Betriebsrätin ist es auch wichtig, auf das große Ganze zu schauen, um rechtzeitig Maßnahmen ergreifen zu können.“ Dazu nutzt der Betriebsrat Netzwerke innerhalb des Konzerns, aber auch der Austausch innerhalb der Branche, wie etwa dem Pharma Netzwerk der Gewerkschaft GPA ist sehr wichtig – um sich zum Beispiel auf Kollektivvertragsverhandlungen vorzubereiten.</p>
</div></div>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Viele Vorhaben vor sich</strong></h4>



<p>Aktuell arbeitet Alexandra an einer Betriebsvereinbarung zum Thema Anti-Diskriminierung. Das Ziel: „Dass nicht nur klar ist, welche Maßnahmen es im Falle einer Diskriminierung gibt – sondern dass überhaupt vorbeugend agiert wird.“ Dabei soll auch ganz klar festgehalten werden, welche Schritte betroffene Beschäftigte einleiten können. Dieses klare Definieren von Prozessen, so erklärt die Betriebsrätin, ist auch ein Empowerment: „Ich weiß, was ich tun kann, um mich zu wehren.“ &nbsp;</p>



<p>Was es außerdem dringend benötigt, ist ein neues Verständnis von Arbeitszeit – ein Prozess, der weit über das einzelne Unternehmen hinausgehen muss, erklärt die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende: „Es wird noch immer starr daran festgehalten, dass man im gesamten Erwerbsleben zu 100%, also in Vollzeit, für seine Firma da sein soll. Man wird schief angeschaut, wenn man das nicht kann, weil man zum Beispiel eine Ausbildung macht, eine Familie hat oder, gerade im späteren Erwerbsleben, einfach nicht mehr so viel arbeiten kann. Arbeitszeit darf nicht starr sein, sie muss sich dem Leben anpassen, nicht umgekehrt.“</p>



<p></p>



<div class="wp-block-group blauebox"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<p><strong>Zur Person</strong></p>



<p>Alexandra Beran lebt mit ihrer Familie in Wien. Nachdem Abschluss des Studiums der Technischen Chemie startete sie 2005 ihre berufliche Laufbahn bei Boehringer Ingelheim in der onkologischen Forschung. Seit 2014 setzt sie sich als Mitglied des Betriebsrats für die Interessen ihrer Kolleg:innen ein, seit 2 Jahren als stv. Betriebsratsvorsitzende sogar in freigestellter Funktion. Darüber hinaus ist sie zum GPA Bundesfrauenforum und zum GPA Bundesforum delegiert. Im Bundesausschuss der GPA verhandelt sie den Kollektivvertrag der Chemischen Industrie mit. In ihrer Freizeit zieht es sie hinaus in die Natur, am liebsten mit Laufschuhen oder Mountainbike. Die Berge sind ihr persönlicher Kraftort, wo sie den Kopf frei bekommt, und neue Energie gewinnt. Ein echtes Erkennungszeichen: Alexandra ist bei jedem Wetter mit dem Fahrrad unterwegs, auch täglich auf ihrem Weg zur Arbeit.</p>
</div></div>



<p></p>
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			</item>
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		<title>Damit das Licht nicht ausgeht</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2025/07/24/damit-das-licht-nicht-ausgeht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Barbara Lavaud]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Jul 2025 11:35:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<category><![CDATA[Barbara Lavaud]]></category>
		<category><![CDATA[Carina Sztavinovszki]]></category>
		<category><![CDATA[zkw]]></category>
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					<description><![CDATA[Eine Frau an der Spitze des Betriebsrats in einem Industriebetrieb? Ja, das geht. Carina Sztavinovszki hat mitten in der Krise die Verantwortung für die Belegschaft ihres Elektronikunternehmens übernommen, mit klarem Kurs und dem Blick auf das Gemeinsame.
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1919" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/07/DSC06199-edited-scaled.jpg" alt="" class="wp-image-22144" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/07/DSC06199-edited-scaled.jpg 2560w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/07/DSC06199-edited-300x225.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/07/DSC06199-edited-1024x768.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/07/DSC06199-edited-150x112.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/07/DSC06199-edited-768x576.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/07/DSC06199-edited-1536x1151.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/07/DSC06199-edited-2048x1535.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /><figcaption class="wp-element-caption">Foto: Edgar Ketzer </figcaption></figure>



<p><strong>Eine Frau an der Spitze des Betriebsrats in einem Industriebetrieb? Ja, das geht. Carina Sztavinovszki hat mitten in der Krise die Verantwortung für die Belegschaft ihres Elektronikunternehmens übernommen, mit klarem Kurs und dem Blick auf das Gemeinsame.</strong></p>



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<p>Als 2018 der südkoreanische Konzern LG die ZKW-Gruppe übernahm, gab es am Standort in Wiener Neustadt noch keinen Betriebsrat für Angestellte. „Uns war klar, dass wir bei einer Übernahme besser organisiert sein sollten“, erinnert sich Carina Sztavinovszki, „Also haben wir gemeinsam einen Betriebsrat gegründet.“ Sie wurde gefragt, ob sie mitmachen wolle und sagte Ja: „Ich war schon immer kommunikativ und habe mich gern für andere eingesetzt. Das hat einfach gut gepasst“, sagt die heutige Betriebsratsvorsitzende.</p>



<p>Bei ZKW Lichtsysteme in Wiener Neustadt sind rund 270 Mitarbeiter:innen beschäftigt, 70 Arbeiter:innen, die übrigen 200 Angestellte. Weil das Unternehmen Scheinwerfer für die Automobilindustrie produziert, spürt es die Krise der Branche sehr deutlich. Seit Jahren werden Stellen abgebaut. „Kündigungen und Umstrukturierungen gehören leider zu unserem Alltag“, berichtet Sztavinovszki. Die Unsicherheit ist das beherrschende Thema im Betrieb. „Das beschäftigt die Kolleginnen und Kollegen am meisten. Die häufigste Frage lautet: Wann ist das endlich vorbei?“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Premiumscheinwerfer</h4>



<p>Die ZKW-Gruppe fertigt hochwertige Premiumscheinwerfer. Am Standort Wiener Neustadt werden jene Teile davon entwickelt und produziert, die für das Licht im Scheinwerfer sorgen, oder wie Sztavinovszki es ausdrückt: „Wir bringen den Scheinwerfer zum Leuchten.“ Damit nimmt der Standort Wiener Neustadt innerhalb der ZKW-Gruppe eine besondere Stellung ein.</p>



<div class="wp-block-group rotebox"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<h4 class="wp-block-heading"><strong>Betriebsratsgründung</strong><strong></strong></h4>



<p>Du denkst auch darüber nach, in deinem Betrieb oder in deiner Filiale einen Betriebsrat zu gründen? Ab fünf dauernd beschäftigten Mitarbeiter:innen habt ihr das Recht, eine Belegschaftsvertretung zu wählen! Deine Gewerkschaft GPA unterstützt dich dabei! Alle Infos zur Wahl und Unterstützung (auch nach der Gründung) erhältst du in deiner <a href="https://www.gpa.at/die-gpa/bundeslaender" aria-label="Regionalgeschäftsstelle">Regionalgeschäftsstelle</a>. Für Nicht-Mitglieder ist eine Erstberatung kostenlos!</p>



<p>Mehr zur Betriebsratswahl findest du <a href="https://www.gpa.at/betriebsrat/betriebsratswahl" aria-label="hier">hier</a>.</p>
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<p></p>



<p>Die ZKW-Gruppe beliefert die internationale Automobilindustrie. Der Hauptsitz liegt in Wieselburg, weitere Standorte gibt es in der Slowakei, in Tschechien, China, Indien, den USA, Südkorea und Mexiko. Der Standort in Wiener Neustadt war ursprünglich ein eigenständiger Betrieb, ehe er mit dem Werk in Wieselburg fusionierte. Während in Wieselburg die fertigen Scheinwerfer zusammengebaut werden, befindet sich in Wiener Neustadt das „Center of Excellence“ für die Elektronikentwicklung und Produktion.</p>



<p>Sztavinovszki ist Vorsitzende des Angestelltenbetriebsrats in Wiener Neustadt und vertritt rund 200 Kolleg:innen. Darüber hinaus leitet sie den Betriebsausschuss am Standort und damit auch die Interessenvertretung der rund 70 Arbeiter:innen. Auf Konzernebene (Konzernvertretung) repräsentiert sie insgesamt knapp 3.000 Beschäftigte in Österreich.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Von der Technikerin zu Betriebsrätin</h4>



<p>Carina Sztavinovszki ist 44 Jahre alt, ihre beiden Kinder – eine Tochter und ein Sohn – sind inzwischen erwachsen. Ursprünglich hat sie als gelernte Restaurantfachfrau in der Gastronomie gearbeitet. Doch als junge Mutter wurde ihr schnell klar: Die unregelmäßigen Arbeitszeiten sind kaum mit dem Familienleben vereinbar. Also entschloss sie sich, ihren Jugendtraum zu verwirklichen – und begann eine Lehre als Mechatronikerin. Nach dem Abschluss fand sie eine Stelle bei ZKW Elektronik.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center">„Uns war klar: Ohne Betriebsrat sind wir bei so einem großen Konzern auf verlorenem Posten“</p>
<cite>Carina Sztavinovszki</cite></blockquote>



<p>Die große Veränderung kam durch die Übernahme durch den LG-Konzern im Jahr 2018. „Uns war klar: Ohne Betriebsrat sind wir bei so einem großen Konzern auf verlorenem Posten“, sagt Sztavinovszki. Zuerst die Übernahme, dann die Pandemie, nun die Krise in der Automobilindustrie – für das Betriebsratsteam gab es keine Pause. Zunächst war Sztavinovszki passives Mitglied, 2021 rückte sie in den aktiven Bereich nach und übernahm den Vorsitz. Zwei Jahre später folgte die Freistellung: „Die Betriebsratsarbeit war sehr zeitintensiv und außerdem wollte ich mich gezielt weiterbilden.“</p>



<p>Inzwischen hat sie mehrere Ausbildungen abgeschlossen: Erst kürzlich beendete sie die Gewerkschaftsschule, außerdem absolvierte sie die Betriebsräteakademie (BRAK), einen dreimonatigen Intensivlehrgang für aktive Belegschaftsvertreter:innen. Was sie davon mitnimmt? „Vor allem das Netzwerken mit anderen Betriebsräten, der Austausch von Erfahrungen und Lösungen ist extrem wertvoll. Und natürlich das Know-how: Von Arbeitsrecht über Kommunikation bis hin zu Medientechnik – die Bandbreite ist groß.“ Sztavinovszki ist überzeugt: Die Fortbildungen haben sich hundertprozentig gelohnt!</p>



<h4 class="wp-block-heading">Sozialplan und Zusammenhalt</h4>



<p>Derzeit ist die Nachfrage nach Autos zurückhaltend, der Krieg in der Ukraine und die Politik Donald Trumps verschärfen die schwache Auftragslage. Um die Auswirkungen des Stellenabbaus abzufedern, wurde ein Sozialplan erarbeitet, ursprünglich für die Standorte in Wieselburg, inzwischen wurde er auf Wiener Neustadt ausgeweitet. Er wurde gemeinsam mit den Gewerkschaften GPA und PRO-GE sowie der Arbeiterkammer entwickelt. „Die Unterstützung der Gewerkschaften war entscheidend. Ohne sie hätten wir das nie geschafft!“ unterstreicht Sztavinovszki.</p>



<p>Doch der Vorsitzenden und ihrem Team ist es ein Anliegen, nicht nur Krisen zu managen, sondern auch positive Impulse zu setzen. „Wir wollen den Zusammenhalt stärken“, betont sie. Deshalb organisiert der Betriebsrat regelmäßig Freizeitaktivitäten: Bowlingabende, Fahrradtouren, Motorradausfahrten, Teilnahme am Neufelderseelauf im Sommer oder Punschtrinken vor Weihnachten. Allerdings sind die Möglichkeiten begrenzt. „Früher gab es regelmäßig Teambuildingevents oder eine Weihnachtsfeier für den Standort Wiener Neustadt“, erinnert sich Sztavinovszki, „heute ist dafür das Budget zu knapp.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Frauen in einer Männerbranche</h4>



<p>„Mit nur knapp 40 Frauen unter 270 Beschäftigten sind wir am Standort Wiener Neustadt klar unterrepräsentiert“, sagt Sztavinovszki. Frauen arbeiten vor allem in Büroabteilungen wie Buchhaltung, Personalabteilung oder Einkauf. In der Entwicklung hingegen – wo Elektrotechnik, Mechatronik oder Informatik gefragt sind – seien weibliche Beschäftigte die Ausnahme.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center">„Wenn wir feststellen, dass eine Frau mit vergleichbarer Einstufung, Erfahrung und Tätigkeit weniger verdient als ihre männlichen Kollegen, können wir die Gehaltsdifferenz ausgleichen.“</p>
</blockquote>
<cite>Carina Sztavinovszki</cite></blockquote>



<p>Trotzdem sucht das Betriebsratsteam nach Wegen, um Frauen im Unternehmen zu stärken: Etwa über das sogenannte „Leistungsvolumen“, eine im Kollektivvertrag EEI geregelte Gehaltssumme, die zusätzlich zum Grundgehalt ausgeschüttet werden kann. „Die Führungskräfte vergeben die Hälfte davon leistungsbezogen. Wir als Betriebsrat nutzen die andere Hälfte, um Ungleichheiten wettzumachen“, so Sztavinovszki. Konkret heißt das: „Wenn wir feststellen, dass eine Frau mit vergleichbarer Einstufung, Erfahrung und Tätigkeit weniger verdient als ihre männlichen Kollegen, können wir die Gehaltsdifferenz ausgleichen.“</p>



<p>Sztavinovszki engagiert sich darüber hinaus im unternehmensinternen Diversity Committee. Dort geht es um strukturelle Maßnahmen, etwa bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Ein erster Schritt in diese Richtung ist auch das neue Mentorinnenprogramm: Frauen in Führungspositionen coachen Kolleginnen ohne Leitungsfunktion.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Mehr Miteinander</h4>



<p>Persönliches Engagement macht wie so oft auch nicht vor der Tür des Betriebes halt: Sztavinovszki ist sowohl auf gewerkschaftlicher Ebene aktiv, bei den GPA Frauen und den ÖGB Frauen, als auch in ihrem Heimatort in der Ortsgruppe der SPÖ. Sie ist Teil der Initiative „Mitmachen“ und organisiert Netzwerktreffen in ihrer Region.</p>



<p>Seit Corona, findet Sztavinovszki, hat sich das gesellschaftliche Klima verändert. „Viele denken nur noch an sich, das Soziale bleibt auf der Strecke.“ Besonders die Gesprächskultur hat gelitten: „Man redet weniger miteinander, dafür wird in den sozialen Medien umso mehr gepostet – oft ohne Interesse am Gegenüber.“ Was sie besonders stört: „Es wird viel kritisiert und geschimpft, aber kaum jemand fragt: Wie lösen wir das?“ Für sie steht fest: „Wir brauchen wieder mehr Miteinander, mehr Verantwortung füreinander. Wir sollten uns auf Lösungen konzentrieren, das sollte das Ziel sein!“</p>



<div class="wp-block-group blauebox"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<p><strong>Zur Person</strong></p>



<p>Privat liebt Sztavinovszki die Bewegung und die Natur: Mit 40 Jahren hat sie den Motorradführerschein gemacht, heute ist sie in ihrer Freizeit gern auf zwei Rädern unterwegs, am liebsten durchs hügelige Umland ihrer Region. Sie ist sportlich, liebt Konzerte und sucht regelmäßig die Herausforderung bei sogenannten „Gatschrennen“ – Dirt Runs &#8211; über Hindernisse, bei denen man garantiert nicht sauber ins Ziel kommt. So powert sie sich körperlich richtig aus. „Das ist für mich ein Ausgleich, genauso wie Zeit in der Natur. Das brauche ich, um wieder Energie zu tanken.“</p>
</div></div>



<p></p>
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