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	<title>Agnes Streissler-Führer &#8211; KOMPETENZ-online</title>
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	<title>Agnes Streissler-Führer &#8211; KOMPETENZ-online</title>
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		<title>Irgendwie – Irgendwo – Irgendwann: Mobile Arbeit bringt Chancen und Risiken</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael Gogola]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 Nov 2018 12:36:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Arbeitsmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Recht]]></category>
		<category><![CDATA[Agnes Streissler-Führer]]></category>
		<category><![CDATA[Andrea Komar]]></category>
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		<category><![CDATA[Michael Gogola]]></category>
		<category><![CDATA[Verena Spitz]]></category>
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					<description><![CDATA[Eine neue Broschüre soll BetriebsrätInnen dabei unterstützen die veränderte Arbeitswelt aktiv mitzugestalten. Bereits seit einigen Jahren lässt sich ein Vordringen digitaler Technologie in immer weitere gesellschaftliche Bereiche beobachten, was zu tiefgreifenden Veränderungen im privaten und öffentlichen Leben führt. Zunehmend erreicht die Digitalisierung nun auch die Arbeitswelt. Als Folge davon nimmt die Möglichkeit, „mobil“, also abseits [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_6905" aria-describedby="caption-attachment-6905" style="width: 1024px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-full wp-image-6905" src="https://www.kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2018/12/Broschüre_web_4842.jpg" alt="Dominik Klaus, Andrea Komar, Jörg Flecker, Verena Spitz Foto: Nurith Wagner-Strauss" width="1024" height="683" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2018/12/Broschüre_web_4842.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2018/12/Broschüre_web_4842-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2018/12/Broschüre_web_4842-768x512.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2018/12/Broschüre_web_4842-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2018/12/Broschüre_web_4842-272x182.jpg 272w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-6905" class="wp-caption-text"><strong>Dominik Klaus, Andrea Komar, Jörg Flecker, Verena Spitz</strong><br />Foto: Nurith Wagner-Strauss</figcaption></figure>
<p><strong>Eine neue Broschüre soll BetriebsrätInnen dabei unterstützen die veränderte Arbeitswelt aktiv mitzugestalten.</strong></p>
<p><span id="more-6900"></span>Bereits seit einigen Jahren lässt sich ein Vordringen digitaler Technologie in immer weitere gesellschaftliche Bereiche beobachten, was zu tiefgreifenden Veränderungen im privaten und öffentlichen Leben führt. Zunehmend erreicht die Digitalisierung nun auch die Arbeitswelt. Als Folge davon nimmt die Möglichkeit, „mobil“, also abseits fester Arbeitsplätze zu arbeiten, stetig zu.</p>
<p>Mithilfe von Laptops und Smartphones können viele Beschäftigte zu Hause, im Kaffeehaus oder sogar am Sandstrand Anrufe entgegennehmen, E-Mails beantworten, Texte verfassen oder auf andere Weise ihre Arbeitsleistung erbringen. Oft wird ein auf diese Weise mobiles Arbeiten von ArbeitgeberInnen gefördert und auch von den Beschäftigten als angenehm empfunden. Doch wo Wahlfreiheit und Gestaltungsspielraum als Privileg mobiler Arbeit versprochen werden, bleibt zuletzt oft maximale Verfügbarkeit der Beschäftigten übrig.</p>
<p><strong>„Im Sturz durch Raum und Zeit, Richtung Unendlichkeit“</strong></p>
<p>Immer schwerer lassen sich betriebliche und private Räume voneinander trennen, die Grenze zwischen (bezahlter) Arbeitszeit und (unbezahlter) Freizeit lässt sich in vielen Fällen nicht mehr klar ziehen. Die durch die Möglichkeit der mobilen Arbeit gewonnene Freiheit zu einer „Entgrenzung“ von Arbeit, die nun alle Lebensbereiche durchdringt und ein erholsames geistiges „Abschalten“ am Feierabend oder am Wochenende verhindert. Für viele ArbeitnehmerInnen ist es bereits zur Selbstverständlichkeit geworden, am Sonntagabend – natürlich unbezahlt – rasch ihre E-Mails auf dem Diensthandy zu checken oder eine Powerpoint-Präsentation für den nächsten Termin fertigzustellen. Mit dem so entstehenden Spannungsfeld beschäftigt sich die neue Broschüre der GPA-djp „Irgendwie – Irgendwo – Irgendwann. Zur Gestaltung mobiler Arbeit“, die in Zusammenarbeit mit engagierten BetriebsrätInnen des Beirates für Arbeit und Technik verfasst wurde und am 13. November 2018 im Rahmen einer Veranstaltung präsentiert wurde.</p>
<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-6903" src="https://www.kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2018/12/Broschüre_web_4768-300x200.jpg" alt="Agnes Streissler-Führer, Stellvertretende Bundesgeschäftsführerin der GPA-djp" width="300" height="200" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2018/12/Broschüre_web_4768-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2018/12/Broschüre_web_4768-768x512.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2018/12/Broschüre_web_4768.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2018/12/Broschüre_web_4768-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2018/12/Broschüre_web_4768-272x182.jpg 272w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /> Agnes Streissler-Führer, Stellvertretende Bundesgeschäftsführerin der GPA-djp</p>
<p>Foto: Nurith-Wagner-Strauss</p>
<p>„Der Begriff der mobilen Arbeit ist schwer zu fassen und insofern mit jenem der Flexibilität zu vergleichen“, erklärte die Bundesgeschäftsführerin der GPA-djp, Agnes Streissler-Führer in ihrem Eröffnungsstatement. Zu Recht wünschten sich ArbeitnehmerInnen bewegliche, lockere und undogmatische Formen der Arbeitserbringung, letztlich sei Flexibilität jedoch gegen die Interessen der Beschäftigten gerichtet worden und zu einem Synonym für Deregulierung und Wirtschaftsliberalisierung umgedeutet worden.</p>
<p><strong>„Irgendwie fängt irgendwann, irgendwo die Zukunft“ </strong></p>
<p>Es sei somit zentral, die Erscheinungsformen mobiler Arbeit und die damit verbundene Möglichkeit, Autonomie und Gestaltungsmöglichkeiten zu erreichen, mitzugestalten und im Sinne der Beschäftigteninteressen zu interpretieren. Die Zukunft solle daher nicht wie im 80er Jahre-Popsong von Nena „irgendwie, irgendwo und irgendwann“ anfangen, sondern jetzt und heute in den österreichischen Unternehmen, unter Beteiligung der Betriebsräte und der Beschäftigten.</p>
<p>Die Nutzung digitaler Technologie sei heute allgegenwärtig und keine bewusste Entscheidung mehr, schilderten Universitätsprofessor Jörg Flecker und sein Dissertant Dominik Klaus die technologischen Entwicklungen in der Arbeitswelt und ihre Auswirkungen auf die ArbeitnehmerInnen aus soziologischer Sicht. Ihre besondere Sorge gelte dabei der Gefahr der Entgrenzung – ob durch hohen Arbeitsdruck oder durch die Tendenz zur „Selbstausbeutung“ besonders engagierter Beschäftigter. Flecker und Klaus sprachen sich schon aus gesundheitlicher Sicht dafür aus, Arbeitszeit und Freizeit stärker voneinander abzugrenzen. Je flexibler und mobiler Beschäftigte arbeiten würden, desto gestresster seien sie auch.</p>
<p>Mobile Arbeit müsse rechtlich genau geregelt werden, ist Andrea Komar, die Leiterin der GPA-djp Bundesrechtsabteilung überzeugt. So gebe vielfach bereits das Gesetz Grenzen vor, die es jedoch auch zu achten gelte. Zugleich sei das Thema der mobilen Arbeit jedoch auch eines, das einer Aushandlung zwischen ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen bedürfe, teilweise durch einzelvertragliche Regelungen, teilweise durch Betriebsvereinbarungen.</p>
<p>Verena Spitz ist stellvertretende Zentralbetriebsratsvorsitzende bei der BAWAG-PSK und Vorsitzende des Beirates für Arbeit und Technik. Sie berichtete aus ihrer betriebsrätlichen Praxis aber auch von ihren persönlichen Erfahrungen mit der Nutzung unterschiedlicher Formen mobiler Arbeit. Zwar gebe es einen rechtlichen „Graubereich“, der sich ständig vergrößere, dennoch könne mobile Arbeit angenehmeres und autonomeres Arbeiten ermöglichen. Faire betriebliche Spielregeln seien dabei unerlässlich aber nicht hinreichend. Darüber hinaus müssten ArbeitgeberInnen auch das nötige Vertrauen zu ihren MitarbeiterInnen aufbringen, die dann nicht mehr ständig am Arbeitsplatz greifbar seien.</p>
<p><strong>Faire Arbeit soll kein „Schloss aus Sand“ sein</strong></p>
<p>Das Vordringen mobiler Arbeit ist keine natürliche Entwicklung, sondern kann und muss gesteuert und beeinflusst werden. Dabei ist darauf zu achten, dass die Interessen der Beschäftigten bestmöglich gewahrt und Selbst- oder Fremdausbeutung verhindert werden. Nur dann kann sichergestellt werden, dass der Einsatz mobiler Technologie zu besseren Arbeitsbedingungen führt und das Versprechen der mobilen Arbeit nicht, wie Nena singt, zum „Schloss aus Sand“ wird, das den Beschäftigten zwischen den Fingern zerrinnt.</p>
<p><strong><img decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-6901" src="https://www.kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2018/12/ANYWHERE-WORKING-251x300.jpg" alt="" width="251" height="300" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2018/12/ANYWHERE-WORKING-251x300.jpg 251w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2018/12/ANYWHERE-WORKING.jpg 569w" sizes="(max-width: 251px) 100vw, 251px" />Die Broschüre der GPA-djp</strong> versucht gerade in Bezug auf die sich stellenden rechtlichen Fragen konkrete Antworten zu geben. Sie knüpft an die in der GPA bereits seit 1994 laufende gewerkschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema „Telearbeit“ an. So werden die arbeits- und sozialrechtliche Grundlagen dessen, was bei unterschiedlichen Formen mobiler Arbeit zu beachten ist, ebenso dargestellt, wie die geltende Rechtslage im Hinblick auf Gesundheitsschutz, Arbeitsplatzgestaltung, Arbeitszeit- und Leistungskontrolle, sowie den Gebrauch privater Geräte als Arbeitsmittel. Die Broschüre versucht darüber hinaus, das Thema mobile Arbeit aus mehreren Blickwinkeln zu beleuchten: Aus Sicht von ArbeitnehmerInnen, Betriebsräten, Führungskräften und jener der Unternehmensleitung.</p>
<p><a href="https://www.gpa-djp.at/cms/A03/A03_0.a/1342596902411/home/irgendwie-irgendwo-irgendwann" aria-label="Michael Gogola, Isabel Koberwein, Claudia Kral-Bast, Irene Krenn, Fritz Spinka, Verena Spitz, Helmut Wolff: Irgendwie – Irgendwo – Irgendwann. Zur Gestaltung mobiler Arbeit, 58 Seiten, GPA-djp, Wien 2018."><em>Michael Gogola, Isabel Koberwein, Claudia Kral-Bast, Irene Krenn, Fritz Spinka, Verena Spitz, Helmut Wolff: Irgendwie – Irgendwo – Irgendwann. Zur Gestaltung mobiler Arbeit, 58 Seiten, GPA-djp, Wien 2018.</em></a></p>
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			</item>
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		<title>Digitalisierung als Chance</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2017/12/04/digitalisierung-als-chance/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Heike Hausensteiner]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Dec 2017 09:25:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2017/06]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Agnes Streissler-Führer]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Heike Hausensteiner]]></category>
		<category><![CDATA[IHS]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Kocher]]></category>
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					<description><![CDATA[Martin Kocher, wissenschaftlicher Direktor des IHS, und Agnes Streissler-Führer, Mitglied der GPA-djp-Bundesgeschäftsführung, im KOMPETENZ-Gespräch über Nutzen und Risiken der Digitalisierung. KOMPETENZ: Frau Streissler-Führer, Digitalisierung wird oft kritisch gesehen. Aber wo liegen eigentlich die Vorteile? Streissler-Führer: In Österreich sind in den vergangenen 20 Jahren durch die Digitalisierung mehr Arbeitsplätze dazugekommen als weggefallen. Problematisch ist, wenn die Digitalisierung [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_4363" aria-describedby="caption-attachment-4363" style="width: 300px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-4363" src="https://www.kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2017/11/GPA-djp-Kompetenz-ITV-Streissler-Koch-_MG_8581-CMichaelMazohl-300x200.jpg" alt="Martin Kocher, wissenschaftlicher Direktor des IHS, und Agnes Streissler-Führer, Mitglied der GPA-djp-Bundesgeschäftsführung. Foto: Michael Mazohl" width="300" height="200" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2017/11/GPA-djp-Kompetenz-ITV-Streissler-Koch-_MG_8581-CMichaelMazohl-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2017/11/GPA-djp-Kompetenz-ITV-Streissler-Koch-_MG_8581-CMichaelMazohl-768x512.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2017/11/GPA-djp-Kompetenz-ITV-Streissler-Koch-_MG_8581-CMichaelMazohl-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2017/11/GPA-djp-Kompetenz-ITV-Streissler-Koch-_MG_8581-CMichaelMazohl-272x182.jpg 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2017/11/GPA-djp-Kompetenz-ITV-Streissler-Koch-_MG_8581-CMichaelMazohl.jpg 900w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-4363" class="wp-caption-text">Martin Kocher, wissenschaftlicher Direktor des IHS, und<br />Agnes Streissler-Führer, Mitglied der GPA-djp-Bundesgeschäftsführung. Foto: Michael Mazohl</figcaption></figure>
<p><strong>Martin Kocher, wissenschaftlicher Direktor des IHS, und Agnes Streissler-Führer, Mitglied der GPA-djp-Bundesgeschäftsführung, im KOMPETENZ-Gespräch über Nutzen und Risiken der Digitalisierung.</strong></p>
<p><span id="more-4360"></span></p>
<p><strong><em>KOMPETENZ</em>:</strong> Frau Streissler-Führer, Digitalisierung wird oft kritisch gesehen. Aber wo liegen eigentlich die Vorteile?</p>
<p><strong>Streissler-Führer:</strong> In Österreich sind in den vergangenen 20 Jahren durch die Digitalisierung mehr Arbeitsplätze dazugekommen als weggefallen. Problematisch ist, wenn die Digitalisierung nur dazu verwendet wird, sehr profitorientierte, kurzfristig ausgerichtete Geschäftsmodelle zu unterstützen und so zur Prekarisierung und Unsicherheit am Arbeitsmarkt beiträgt. Man muss auf das Dreieck achten zwischen Digitalisierung, Globalisierung und Finanzialisierung, also der starken Dominanz von Finanzmärkten, die diese kritischen Entwicklungen begünstigen. Den technologischen Fortschritt an sich hat die Gewerkschaft immer unterstützt. Aber er darf nicht nur den Kapitalinteressen nützen.</p>
<p><strong><em>KOMPETENZ</em>:</strong> Herr Kocher, Sie haben eine Studie des Ins­tituts für Höhere Studien (IHS) präsentiert, wonach in Österreich neun Prozent der Jobs durch Digitalisierung verloren gehen werden. Ist es wirklich so dramatisch?</p>
<p><strong>Kocher:</strong> Wir haben in dieser Studie das Destruktionspotenzial berechnet und kommen auf circa 360.000 Arbeitsplätze, die in Österreich durch die Digitalisierung verloren gehen könnten. Allerdings wird dabei nicht berücksichtigt, welche Jobs dadurch geschaffen werden. Das ist viel schwieriger zu berechnen. Was man sich nur schwer vorstellen kann ist, dass Österreich generell ein Leader bei der Digitalisierung wird. Da sind andere Länder aus Asien oder die USA vorneweg. Aber auch als Follower kann man positive Arbeitsplatz­effekte haben.</p>
<p><em><strong>KOMPETENZ:</strong></em> Woran liegt es, dass die Digitalisierung in Österreich unterdurchschnittlich voranschreitet?</p>
<p><strong>Kocher:</strong> Wir sind nicht so technologieaffin wie andere Länder. Die USA haben einen riesigen Vorteil durch die Größe: Der Heimmarkt zum Austesten etwa von Sharing-Angeboten ist schon so groß, dass viel leichter in die ganze Welt expandiert werden kann. Österreich, selbst der gesamte deutschsprachige Raum hat einen vergleichsweise kleinen Heimmarkt.</p>
<p><strong>Streissler-Führer:</strong> Wo Österreich gemeinsam mit Deutschland sehr gut ist, ist der gesamte Bereich der Industrie 4.0. Ich habe hervorragende Industriebetriebe besucht, die in der Produktion selbst bereits hoch automatisiert und digitalisiert sind und wichtige Produkte für die digitalisierte Welt herstellen, wie Sensoren, Halbleiter usw. Was Europa nicht so macht wie die USA, ist vollkommen neue Unternehmen aus dem Boden zu stampfen. Europa transformiert seine althergebrachten Industriebetriebe in die digitale Welt. Diese Betriebe sind dann trotzdem Frontrunner.</p>
<p><em><strong>KOMPETENZ:</strong></em> Was wäre in Österreich noch zu tun, damit auch ArbeitnehmerInnen von der Digitalisierung profitieren?</p>
<p><strong>Streissler-Führer:</strong> Wir müssen bei den Qualifikationen ansetzen. Nur so sind wir in der Lage, mit den Veränderungen kritisch mitzugehen und die Vorteile herauszuholen. In der Schule sind das Kompetenzen wie die Medien-Kompetenz, soziale Kompetenzen und interkulturelle Kompetenz, aber auch Kompetenzen, die mit Projektarbeit zu tun haben, weil sich mit der Digitalisierung auch Arbeitsstrukturen verändern. Außerdem haben wir vier Millionen ArbeitnehmerInnen, von denen sich viele schwer tun mit Veränderungen des Arbeitsmarktes. Hier müssen wir auf die berufliche Aus- und Weiterbildung achten. Das heißt, es haben auch die UnternehmerInnen eine Verantwortung: Wenn wir durch die Digitalisierung lernende Unternehmen möchten, bedeutet das, sowohl in die Maschinen als auch in die Menschen zu investieren.</p>
<p><strong>Kocher:</strong> Da liegen wir nicht weit auseinander. Die Digitalisierung müssen die UnternehmerInnen und die ArbeitnehmerInnen mittragen. Das größere politische Problem ist, dass etwa 15-20 Prozent der ArbeitnehmerInnen abgehängt werden könnten, weil ihre Fähigkeiten nicht mehr für das reichen, was man jetzt bräuchte. Ansonsten läuft es sehr gut in Österreich. Vielleicht könnte man da und dort manche Veränderung schneller hinbekommen. Hinsichtlich Teleworking und Homeoffice ist Österreich sogar um einiges weiter als Deutschland. Vielleicht nicht so weit wie Schweden oder Holland, aber wir haben da einen Kulturwandel hinbekommen. Von 8 bis 17 Uhr ins Büro zu gehen, ist nicht mehr das Standardmodell. Das bricht ein wenig auf – was natürlich Vor- und Nachteile hat.</p>
<p><em><strong>KOMPETENZ:</strong></em> Die Verteilungsfrage ist Ihnen, Frau Streissler-Führer, ja dabei ein besonderes Anliegen.</p>
<p><strong>Streissler-Führer:</strong> Genau. Was ich nicht will, ist eine unfreiwillige Ungleichverteilung in der Arbeitszeit, dass vor allem Frauen in Teilzeit arbeiten müssen. Wir sehen bei den ArbeitnehmerInnen, dass die flexibleren Arbeitszeitgrenzen, das Verschwimmen von Freizeit und Arbeit ineinander, tendenziell dazu genützt wird, dass Männer ihre Arbeitszeit karrieremäßig gut einteilen. Die gesamte Vereinbarkeit von Familie und Beruf bleibt aber an den Frauen hängen, die zum Teil in Teilzeitarbeitsplätze gezwungen werden. Das betrifft auch Teleworking von zu Hause aus. Ich finde es gut, wenn Menschen selbstbestimmt mitentscheiden können, wie, wann und wo die Arbeit stattfindet. Aber man muss sehr genau hinschauen, was die tatsächlichen Auswirkungen sind. Homeoffice-Arbeit muss wirklich etwas mit Selbstbestimmung zu tun haben und soll nicht vorgefertigte Rollenmuster verstärken.</p>
<p><strong>Kocher:</strong> Deshalb habe ich Schweden als Beispiel genannt. Da gibt es auch keine Arbeitstreffen mehr nach 17 Uhr, was eine bessere Aufteilung der Familienarbeit über die Geschlechter hinweg ermöglicht.</p>
<p><em><strong>KOMPETENZ:</strong></em> Österreich hat im zweiten Halbjahr 2018 die EU-Präsidentschaft. In welchen Punkten sollte sich die Bundesregierung dann besonders stark machen, um sie europaweit voranzubringen?</p>
<p><strong>Kocher:</strong> Ich glaube, dass gerade der Steuerbereich wichtig ist. Der Finanzminister oder die Finanzministerin wird hier extrem gefordert sein. Es geht um Steuerharmonisierung, um die digitale Betriebsstätte, nach der Steuern eingehoben werden sollten, die Brexit-Verhandlungen, den europäischen Finanzrahmen usw. Darüber hinaus sind bei der Digitalisierung viele Fragen vor allem national zu lösen, etwa Bildungsfragen oder Arbeitsmarktpolitik. Eine gemeinsame Frage wird tatsächlich sein, wie die Eurozone ausgestaltet wird; da gibt es ja Überlegungen bis hin zu einer europäischen Arbeitslosenversicherung mit sehr unterschiedlichen Meinungen dazu. Es ist durchaus sinnvoll, auf EU-Ebene mehr Geld zur Verfügung zu haben, um eine sinnvolle Budgetpolitik unterstützen oder gewisse Ungleichgewichte ausgleichen zu können.</p>
<p><strong>Streissler-Führer:</strong> Aus meiner Sicht hat Österreich einen großen Export-Schlager, den man auch Europa erzählen kann – und das ist die Sozialpartnerschaft. Wir wissen seit vielen Jahrzehnten, wie man den Arbeitsmarkt ausgestaltet und den Wirtschaftsstandort weiterentwickelt. Ich würde mir von der österreichischen EU-Präsidentschaft Überlegungen wünschen, wie wir die Veränderungen durch die Digitalisierung gemeinsam gestalten können. Dass gute Arbeit in der Digitalisierung möglich ist, wenn es einen tragfähigen Dialog zwischen ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen sowohl auf der betrieblichen als auch auf der kollektivvertraglichen Ebene gibt. Insofern sollte Österreich die EU-Ratspräsidentschaft unter den Schwerpunkt „Sozialpartnerschaft 4.0“ stellen.</p>
<p><em>Moderation: Heike Hausensteiner</em></p>
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		<title>&#8222;Wir können nicht billiger sein, aber besser!&#8220;</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2017/04/05/wir-koennen-nicht-billiger-sein-aber-besser/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Heike Hausensteiner]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Apr 2017 13:00:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Arbeitsmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgabe 2017/02]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Agnes Streissler-Führer]]></category>
		<category><![CDATA[Christoph Neumayer]]></category>
		<category><![CDATA[Heike Hausensteiner]]></category>
		<category><![CDATA[Industriellenvereinigung]]></category>
		<category><![CDATA[Industriepolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Industriestandort]]></category>
		<category><![CDATA[Streitgespräch]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftsstandort]]></category>
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					<description><![CDATA[Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung und Agnes Streissler-Führer, Mitglied der GPA-djp-Bundesgeschäftsführung diskutieren über den Wirtschaftsstandort Österreich. KOMPETENZ: Frau Streissler-Führer, wo liegen als Volkswirtin und Mitglied der Geschäftsführung der GPA-djp Ihre Prioritäten für den Wirtschaftsstandort Österreich? Agnes Streissler-Führer: Die Prioritäten heißen Wissen, Fairness und Nachhaltigkeit. Österreich ist ein Qualitätsstandort, Wohlstand und Stabilität zeichnen uns aus. Wir [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<figure id="attachment_4093" aria-describedby="caption-attachment-4093" style="width: 900px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-4093" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2017/04/GPAdjp-Komptenz1702-Streitgespraech-VORAUSWAHL-_MG_6889-CMichaelMazohl.jpg" alt="Agnes Streissler-Führer; Mitglied der GPA-djp Bundesgeschäftsführung: &quot;Technik und Technologie müssen den Menschen dienen und nicht umgekehrt.&quot; Foto: Michael Mazohl" width="900" height="600" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2017/04/GPAdjp-Komptenz1702-Streitgespraech-VORAUSWAHL-_MG_6889-CMichaelMazohl.jpg 900w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2017/04/GPAdjp-Komptenz1702-Streitgespraech-VORAUSWAHL-_MG_6889-CMichaelMazohl-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2017/04/GPAdjp-Komptenz1702-Streitgespraech-VORAUSWAHL-_MG_6889-CMichaelMazohl-768x512.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2017/04/GPAdjp-Komptenz1702-Streitgespraech-VORAUSWAHL-_MG_6889-CMichaelMazohl-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2017/04/GPAdjp-Komptenz1702-Streitgespraech-VORAUSWAHL-_MG_6889-CMichaelMazohl-272x182.jpg 272w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /><figcaption id="caption-attachment-4093" class="wp-caption-text">Agnes Streissler-Führer; Mitglied der GPA-djp Bundesgeschäftsführung: &#8222;Technik und Technologie müssen den Menschen dienen und nicht umgekehrt.&#8220; Foto: Michael Mazohl</figcaption></figure>
<p><strong>Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung und Agnes Streissler-Führer, Mitglied der GPA-djp-Bundesgeschäftsführung diskutieren über den Wirtschaftsstandort Österreich.</strong></p>
<p><span id="more-4120"></span></p>
<p><em>KOMPETENZ:</em> Frau Streissler-Führer, wo liegen als Volkswirtin und Mitglied der Geschäftsführung der GPA-djp Ihre Prioritäten für den Wirtschaftsstandort Österreich?</p>
<p><em><strong>Agnes Streissler-Führer:</strong></em> Die Prioritäten heißen Wissen, Fairness und Nachhaltigkeit. Österreich ist ein Qualitätsstandort, Wohlstand und Stabilität zeichnen uns aus. Wir können nicht billiger sein als die anderen, sondern wir wollen und können besser sein als die anderen. Das sollten wir weiter ausbauen. Im Bildungs-, Aus- und vor allem Weiterbildungssystem am Arbeitsmarkt müssen wir schauen, dass wir die Leute fit für die Zukunft machen. Dass die Unternehmen Aktivitäten setzen, um rechtzeitig zu qualifizieren und wirklich alle mitzunehmen, damit nicht im Nachhinein Kosten in der Arbeitsmarktpolitik entstehen.</p>
<p>In Bezug auf die soziale Stabilität sollen die Menschen das Gefühl haben, es geht fair zu in unserem Land. Es ist nicht fair, wenn die ArbeitnehmerInnen zunehmend weniger vom Kuchen bekommen, wenn untere Einkommensgruppen real weniger haben als obere und die Schere aufgeht, wenn Frauen noch immer weniger verdienen als Männer oder wenn Arbeitseinkommen stärker besteuert werden als Gewinne und Vermögen. Drittens müssen wir im Sinn der Nachhaltigkeit das materielle und immaterielle Vermögen, das wir uns als Gemeinschaft erworben haben, noch besser weiterentwickeln: Das betrifft Know-how ebenso wie Infrastruktur, wobei ich hier nicht nur Breitband meine, sondern auch Infrastruktur im Gesundheits- und Sozialbereich.</p>
<p><em>KOMPETENZ:</em> Herr Neumayer, inwieweit können Sie sich als Generalsekretär der Industriellenvereinigung in den genannten Punkten wiedererkennen?</p>
<figure id="attachment_4092" aria-describedby="caption-attachment-4092" style="width: 300px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-4092" src="https://www.kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2017/04/GPAdjp-Komptenz1702-Streitgespraech-VORAUSWAHL-_MG_6733-CMichaelMazohl-300x200.jpg" alt="Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung: &quot;Wir sind eine Hochlohnökonomie. Diese muss trotzdem darauf achten, dass sie effizient und effektiv ist.&quot; Foto: Michael Mazohl" width="300" height="200" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2017/04/GPAdjp-Komptenz1702-Streitgespraech-VORAUSWAHL-_MG_6733-CMichaelMazohl-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2017/04/GPAdjp-Komptenz1702-Streitgespraech-VORAUSWAHL-_MG_6733-CMichaelMazohl-768x512.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2017/04/GPAdjp-Komptenz1702-Streitgespraech-VORAUSWAHL-_MG_6733-CMichaelMazohl-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2017/04/GPAdjp-Komptenz1702-Streitgespraech-VORAUSWAHL-_MG_6733-CMichaelMazohl-272x182.jpg 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2017/04/GPAdjp-Komptenz1702-Streitgespraech-VORAUSWAHL-_MG_6733-CMichaelMazohl.jpg 900w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-4092" class="wp-caption-text">Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung: &#8222;Wir sind eine Hochlohnökonomie. Diese muss trotzdem darauf achten, dass sie effizient und effektiv ist.&#8220; Foto: Michael Mazohl</figcaption></figure>
<p><em><strong>Neumayer:</strong> </em>Österreich ist tendenziell ein guter Standort, hat aber in den vergangenen Jahren an Qualität verloren. Dies liegt einerseits an den Strukturen, wo wir uns fragen müssen: Wie leben wir den Föderalismus, wie gehen wir mit unserem Gesundheitssystem um, und ist unser Pensionssystem nachhaltig? Andererseits geht’s um kurzfristige Maßnahmen. Die Infrastruktur wurde angesprochen. Sie muss ausreichend Rückhalt etwa für den Breitband- und Glasfaserkabel-Ausbau bieten, damit unser Land mit den digitalen Veränderungen mithalten kann. Auch in der klassischen Infrastruktur gibt es einiges, wo es knirscht in letzter Zeit, beispielsweise bei der dritten Piste am Flughafen Wien-Schwechat. Im Bildungsbereich müssen die Menschen fit gemacht werden gemeinsam mit den Unternehmen, um die großen Herausforderungen auch bewältigen zu können.</p>
<p>Der erste Bereich ist schwer zu heben angesichts der politischen Realität im Land, weil man teilweise auch selbst betroffen ist, sag ich ganz offen. Wir sind ein hochentwickelter Standort und eine Hochlohnökonomie. Diese muss trotzdem darauf achten, dass sie effizient und effektiv ist. Damit ist nicht Sozialabbau, sondern Treffsicherheit gemeint. Wir müssen die Mittel verstärkt in die Zukunft investieren, um auch unser Sozialsystem abzusichern.</p>
<p><em>KOMPETENZ:</em> Soll etwa in der Weiterbildung mehr Verantwortung auf die Unternehmen abgewälzt werden?</p>
<p><em><strong>Neumayer:</strong></em> Es ist eine geteilte Verantwortung. Die Summen, die die österreichischen Unternehmen für Weiterbildung ausgeben, können sich im internationalen Vergleich sehen lassen. Wir haben nicht umsonst Weiterbildungsinstitutionen, die den Arbeitnehmer- und den Arbeitgeberorganisationen nahe stehen. Natürlich kommt es auf jeden Einzelnen an. Weiterbildung kann honoriert, bonifiziert und angeboten werden, ist aber am Ende eine persönliche Entscheidung.</p>
<p><em>KOMPETENZ:</em> Wie stehen Sie zur angesprochenen Notwendigkeit von Strukturveränderung?</p>
<p><em><strong>Streissler-Führer:</strong></em> Da kann man schon das eine oder andere hinterfragen. Unser föderales System in Österreich ist historisch gewachsen; es würde anders ausschauen, würde ich es jetzt auf der grünen Wiese entwerfen. Bei Verwaltungsreformen muss man nur aufpassen, weil damit unter Umständen auch Menschen ihre Arbeitsplätze verlieren. Die Struktur und Treffsicherheit in Österreich könnten sicherlich verbessert werden, aber deswegen müssen wir nicht den öffentlichen Sektor oder das Niveau von Sozialleistungen insgesamt in Frage stellen.</p>
<p>Bei der Qualifikation haben wir das Matthäus-Prinzip „wer hat, dem wird gegeben“: Tendenziell gehen die ohnehin besser Gebildeten, die Jüngeren in Weiterbildungsaktivitäten. Ich wünsche mir, dass Unternehmen noch mehr Anreize setzen und vorausschauend darauf achten, breitere Gruppen mitzunehmen. Der jetzige Wandel ist nicht der erste in der Wirtschaftsgeschichte, sondern wir leben ständig in Veränderungen. Dafür brauchen wir „Change Management“, ein Veränderungsmanagement: Die Beschäftigten werden mit dem technologischen Wandel oft allein gelassen. Der kann aber nur funktionieren, wenn die Führungsverantwortung ausreichend wahrgenommen wird.</p>
<p><em>KOMPETENZ:</em> Was kann man jenen Menschen mitgeben, die Angst vor Automatisierung und Jobverlust haben?</p>
<p><em><strong>Streissler-Führer:</strong></em> Bisher gab es mehr Zuwächse durch den digitalen Wandel, laut Prognosen ist auch in den nächsten 15–20 Jahren mit keinen hohen Beschäftigungsverlusten zu rechnen. Aber zwischen den Branchen gibt es große Unterschiede. Manche wie der Handel oder die Finanzbranche sind massiv negativ betroffen, andere wie die Unternehmensberatung oder die Kommunikationsbranchen boomen. Diese Transformation muss in gemeinsamer Verantwortung begleitet werden.</p>
<p>Vor allem muss auf die Qualität der Arbeitsplätze geachtet werden. Wenn die Anzahl der Jobs gleich bleibt, heißt das nicht, dass auch ihre Qualität gleich bleibt. Arbeit wird zunehmend entgrenzter und unsicherer, und in Bezug auf Datenschutz sind „gläserne“ ArbeitnehmerInnen nicht unbedingt eine Vision, die jeder als angenehm empfindet.</p>
<p><em><strong>Neumayer:</strong></em> Ich würde das unterstreichen wollen. Natürlich gibt es eine gewisse Furcht, auch bei Unternehmen ist die Herausforderung ebenso spürbar, für viele klassische Produktionsunternehmen hat sich schon in den vergangenen Jahrzehnten der Automatisierungsgrad massiv erhöht. Es geht aber auch um die Wertschöpfungskette, wo neue Geschäftsmodelle entstanden sind. Wir dürfen uns nicht fürchten, und wir dürfen die Entwicklung nicht verschlafen. Wir sollten mit Optimismus an die Sache herangehen: Im Rahmen von „Industrie 4.0“ investieren wir jährlich vier Milliarden Euro bis 2020. Das ist für Österreich eine Chance, Produktionen wieder ins Land zu holen. Im Normalfall sind das attraktive, hochqualitative Arbeitsplätze. Dazu sollten wir uns bekennen, wenn wir in Österreich eine Hochlohnökonomie und Soziale Marktwirtschaft der Zukunft haben wollen. Wenn wir’s klug machen, bin ich zutiefst davon überzeugt, dass uns die Arbeit nicht ausgehen wird.</p>
<p><em><strong>Streissler-Führer:</strong></em> Digitalisierung passiert. Wir müssen sie daher als Chance nützen. Wichtig ist, dass wir sie mitgestalten, und wir uns nicht einreden lassen, bestimmte Geschäftsmodelle mit Präkarisierung wären eine Notwendigkeit. Technik und Technologie müssen den Menschen dienen und nicht umgekehrt, und in diesem Sinn müssen wir die Wirtschafts- und Arbeitswelt der Zukunft gestalten.</p>
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