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	<title>Angelika Hlawaty &#8211; KOMPETENZ-online</title>
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	<title>Angelika Hlawaty &#8211; KOMPETENZ-online</title>
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		<title>Sicher ohne Gewalt im Job</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Barbara Lavaud]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Jun 2022 10:14:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2022/02]]></category>
		<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Coverstories]]></category>
		<category><![CDATA[Recht]]></category>
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					<description><![CDATA[Von Beschimpfungen, Beleidigungen und Drohungen bis hin zu sexueller Belästigung und körperlichen Angriffen kennt Gewalt am Arbeitsplatz viele Facetten und hat während der Pandemie sprunghaft zugenommen. Das zeigt auch eine Umfrage im Auftrag der GPA. Wie können sich ArbeitnehmerInnen schützen?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/AdobeStock_83804003-1024x683.png" alt="" class="wp-image-18474" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/AdobeStock_83804003-1024x683.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/AdobeStock_83804003-300x200.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/AdobeStock_83804003-150x100.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/AdobeStock_83804003-768x512.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/AdobeStock_83804003-600x400.png 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/AdobeStock_83804003-720x480.png 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/AdobeStock_83804003-272x182.png 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/AdobeStock_83804003.png 1500w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Foto: Adobe Stock</figcaption></figure>



<p><strong>Von Beschimpfungen, Beleidigungen und Drohungen bis hin zu sexueller Belästigung und körperlichen Angriffen kennt Gewalt am Arbeitsplatz viele Facetten und hat während der Pandemie sprunghaft zugenommen. Das zeigt auch eine Umfrage im Auftrag der <a href="https://www.gpa.at/" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="GPA (öffnet in neuem Tab)">GPA</a>. Wie können sich ArbeitnehmerInnen schützen?</strong></p>



<span id="more-18473"></span>



<p>Weil ihr das Warten zu lange dauert, verliert die Kundin die Geduld und schreit die Mitarbeiterin an der Kassa an. Zwei Männer wollen ihren 2G-Nachweis nicht am Eingang vorweisen, daher pöbeln sie den jungen Angestellten des Pflegeheims an. Solche Situationen haben wir alle in den letzten zwei Jahren beobachtet. Die Pandemie, so berichten BetriebsrätInnen und Beschäftigte, hat Dämme gebrochen. Die Gewalt am Arbeitsplatz nahm spürbar zu. Die Beschäftigten in Krankenhäusern fühlten sich bedroht, wenn vor der Tür die aufgebrachte Menge gegen die Impfungen demonstrierte. JournalistInnen wurden von Maßnahmen-GegnerInnen auf Demos angepöbelt und an ihrer Arbeit gehindert.</p>



<p>Egal in welcher Situation: <a href="https://www.gpa.at/themen/gesellschaft-und-soziales/sicher-ohne-gewalt-im-job-" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="Gewalt am Arbeitsplatz (öffnet in neuem Tab)">Gewalt am Arbeitsplatz</a> muss niemand tolerieren. „ArbeitnehmerInnen verdienen Respekt und müssen bei ihrer Tätigkeit vor allen Formen der Gewalt geschützt werden“, betont GPA-Vorsitzende Barbara Teiber, „Die Verantwortung dafür trägt der Arbeitgeber. Er oder sie hat die Verpflichtung, geeignete Schutzmaßnahmen zu treffen.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Umfrage</h4>



<p>Gewalt am Arbeitsplatz fängt nicht erst bei Schlägen oder Fußtritten an. Eine <a href="https://www.gpa.at/themen/gesellschaft-und-soziales/sicher-ohne-gewalt-im-job-" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="aktuelle Umfrage des IFES-Instituts (öffnet in neuem Tab)">aktuelle Umfrage des IFES-Instituts</a>, durchgeführt im Auftrag der GPA, ergab: Verbale Übergriffe wie Herumschreien, Beleidigungen oder Drohungen sind die häufigste Form von Gewalt. 56 Prozent der Befragten mussten dies in den letzten zwei Jahren am Arbeitsplatz miterleben, 39 Prozent an der eigenen Person. Eine(r) von zehn war außerdem von verbaler sexueller Belästigung betroffen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="614" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Gewalt-am-Arbeitsplatz-1024x614.png" alt="" class="wp-image-18489" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Gewalt-am-Arbeitsplatz-1024x614.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Gewalt-am-Arbeitsplatz-300x180.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Gewalt-am-Arbeitsplatz-150x90.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Gewalt-am-Arbeitsplatz-768x461.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Gewalt-am-Arbeitsplatz-1536x922.png 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Gewalt-am-Arbeitsplatz-2048x1229.png 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p>Menschen, die im Alltag (auch) eine osteuropäische Sprache sprechen, sind häufiger betroffen, als Personen, die Deutsch sprechen. So werden z.B. PflegerInnen mit Migrationshintergrund öfter Opfer von verbaler Gewalt oder Übergriffen als ihre österreichischen KollegInnen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„ArbeitnehmerInnen verdienen Respekt und müssen bei ihrer Tätigkeit vor allen Formen der Gewalt geschützt werden.“</p><cite>Barbara Teiber</cite></blockquote>



<p>Die IFES-Daten zeigen, dass Bereiche mit KundInnenkontakt, wie Pflegeberufe und der Handel, in größerem Ausmaß von Gewalt und Aggression betroffen sind, da der Stress und die Überlastung in den letzten Jahren deutlich stärker geworden sind. Zu lange Warteschlangen oder extremer Zeitdruck infolge von Personalmangel führen entsprechend häufiger zu aggressiven Zwischenfällen.</p>



<p>Dort, wo Übergriffe stattfinden, sind es mehrheitlich Männer, die sie begehen: In erster Linie Kunden und Klienten, aber auch Kollegen und Vorgesetzte. Umgekehrt sind Frauen, und hier wiederum jüngere Frauen, öfter die Opfer von Gewalt.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Maßnahmen</h4>



<p>Wie können nun ArbeitgeberInnen, die aufgrund ihrer Sorgfaltspflicht für ihre Beschäftigten verantwortlich sind, diese besser gegen Gewalt schützen? Ein erster Schritt wären organisatorische Maßnahmen, wie z.B. Regeln zum Umgang miteinander oder Sicherheitsbesprechungen. Kommt es in Betrieben immer wieder zu Übergriffen, so sind Schulungsmaßnahmen und Konflikttrainings sinnvoll. „Bei uns gibt es schon länger Deeskalationstrainings für die KollegInnen“, berichtet Angelika Hlawaty, BR-Vorsitzende bei ‚Jugend am Werk’. Wichtig ist hier, so Hlawaty weiter, ein gemeinsames Gewaltverständnis und Regeln zum Umgang mit Gewalt.</p>



<p>Auch Supervision, Coaching und Krisenintervention sind zielführend, werden aber von nur rund 25 Prozent der Betriebe angeboten, denn solche Maßnahmen sind kostenintensiv. Große Handelsketten können sich Prävention besser leisten als kleine PMUs, weiß Martin Müllauer, BR-Vorsitzender bei Morawa Buch und Medien: „Hier hätte die Regierung während der Pandemie den Handel besser unterstützen müssen und Geld zur Verfügung stellen.“<br>Technische Maßnahmen, von Beleuchtung und Überwachungskameras bis hin zu baulichen Veränderungen, können ebenfalls Schutz bieten. Warteschlangenmanagement, egal ob in einer Ambulanz oder in einem Baumarkt, kann genauso helfen wie Bodenmarkierungen, die die KundInnenströme leiten. Auch Notfallpläne sind wichtig, denn so wissen alle Beteiligten, was im Ernstfall zu tun ist.</p>



<p>Eine ganz wesentliche Rolle bei der Gewaltprävention spielt der Betriebsrat: „Die IFES-Umfrage zeigt nämlich, dass in Betrieben mit Betriebsrat deutlich öfter Maßnahmen wie organisatorische Vorkehrungen, Schulungsmaßnahmen oder Supervision getroffen werden“, hebt Barbara Teiber hervor.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Forderungen</h4>



<p>Im Handel appelliert die Gewerkschaft GPA an die ArbeitgeberInnen, die Arbeitsbedingungen nachhaltig zu verbessern. „Es braucht eine verbesserte Arbeitszeitqualität, aber vor allem auch eine bessere Personalausstattung und höhere Gehälter,“ fordert Barbara Teiber. Gleiches gilt im Gesundheits- und Pflegebereich: „Hier muss die öffentliche Hand einen Beitrag leisten und ausreichend finanzielle Mittel und Ressourcen für mehr Personal bereitstellen. Personalmangel ist in allen Branchen der hauptsächliche Grund für die enorme Zunahme an Gewalt.“<br>„Wir ermutigen außerdem betroffene ArbeitnehmerInnen, Gewalt am Arbeitsplatz nicht hinzunehmen“, so Teiber weiter. Unterschiedliche Gewalterfahrungen erfordern durchaus unterschiedliche Strategien. „Wichtig ist, Hilfe zu suchen und Vorgesetzte sowie den Betriebsrat zu informieren“, betont Teiber. „Und an die KundInnen appellieren wir, gegenüber den Beschäftigten mehr Respekt zu zeigen!“</p>



<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile"><figure class="wp-block-media-text__media"><img decoding="async" width="1024" height="731" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Angelika-Hlawaty_0457-1024x731.png" alt="" class="wp-image-18477 size-full" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Angelika-Hlawaty_0457-1024x731.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Angelika-Hlawaty_0457-300x214.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Angelika-Hlawaty_0457-150x107.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Angelika-Hlawaty_0457-768x548.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Angelika-Hlawaty_0457.png 1500w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h4 class="wp-block-heading"><a href="https://kompetenz-online.at/2021/03/23/365-tage-ausnahmezustand-und-ein-verspaeteter-hoffnungsschimmer/" data-type="post" data-id="16570" aria-label="Angelika Hlawaty">Angelika Hlawaty</a></h4>



<p>Betriebsratsvorsitzende der Jugend am Werk<br>Sozialraum GmbH</p>
</div></div>



<h4 class="wp-block-heading">&#8222;Gewalt ist bei uns immer schon ein Thema&#8220;</h4>



<p>Hlawatys Betrieb ist mit über 1.100 MitarbeiterInnen der größte Träger im Behindertenbereich in Wien. Zu Gewalt kommt es am häufigsten im vollbetreuten Wohnbereich. In den Wohngemeinschaften des Vereins leben acht bis vierzehn Menschen, die aufgrund von kognitiven Behinderungen und/oder psychischen Erkrankungen unterschiedliche Bedürfnisse haben. „Es kann z.B. zu sog. Impulsdurchbrüchen kommen, und daraus resultierende Aggressionen kriegen dann leider oft die MitarbeiterInnen ab: von verbaler Gewalt bis zu Tritten, Kratzen, Festhalten kommt es immer wieder zu Vorfällen. In einem Fall wurde eine Kollegin sogar gewürgt“, berichtet Hlawaty. Corona hat die Lage extrem verschärft: „Von einem Tag auf den anderen musste den BewohnerInnen der WG’s erklärt werden, dass sie das Haus nicht verlassen durften. Das hatte große Belastungen zur Folge und die Aggressionen stiegen deutlich an.“</p>



<p>Der Betriebsrat arbeitet gemeinsam mit dem Arbeitgeber an Lösungen: Das Jahr 2022 ist ein Schwerpunktjahr zur Gewaltprävention. „Das Thema begleitet uns schon seit vielen Jahren. Wir haben auch längst Richtlinien, die wir überarbeiten möchten, wir erarbeiten Handlungsabläufe, und wir evaluieren regelmäßig die psychischen Belastungen unserer KollegInnen. Es geht nicht nur um Einzelfälle, wir brauchen neue Lösungen für strukturelle und organisatorische Probleme.“ Jugend am Werk bietet für seine Beschäftigten Seminare zum Deeskalationstraining an und es wurde sogar eine eigene Stelle geschaffen, wo sich eine MitarbeiterIn ausschließlich um Gewaltprävention kümmert.</p>



<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile"><figure class="wp-block-media-text__media"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="731" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/2022-02-15-NGVG-Podcast-Gewalt-im-Handel-IMG00980-Martin-Muellauer-Michael-Trinko-1024x731.png" alt="" class="wp-image-18476 size-full" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/2022-02-15-NGVG-Podcast-Gewalt-im-Handel-IMG00980-Martin-Muellauer-Michael-Trinko-1024x731.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/2022-02-15-NGVG-Podcast-Gewalt-im-Handel-IMG00980-Martin-Muellauer-Michael-Trinko-300x214.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/2022-02-15-NGVG-Podcast-Gewalt-im-Handel-IMG00980-Martin-Muellauer-Michael-Trinko-150x107.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/2022-02-15-NGVG-Podcast-Gewalt-im-Handel-IMG00980-Martin-Muellauer-Michael-Trinko-768x548.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/2022-02-15-NGVG-Podcast-Gewalt-im-Handel-IMG00980-Martin-Muellauer-Michael-Trinko-1536x1097.png 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/2022-02-15-NGVG-Podcast-Gewalt-im-Handel-IMG00980-Martin-Muellauer-Michael-Trinko.png 1854w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h4 class="wp-block-heading"><a href="https://kompetenz-online.at/2017/04/05/ein-ohr-fuer-alle-kleinigkeiten/" data-type="post" data-id="4124" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="Martin Müllauer (öffnet in neuem Tab)">Martin Müllauer</a> </h4>



<p>Betriebsratsvorsitzender bei Morawa Buch und Medien GmbH</p>
</div></div>



<h4 class="wp-block-heading">„Verbale Gewalt hat stark zugenommen“</h4>



<p>„Die Regierung hat die Überprüfung der Maskenpflicht im Handel an die ArbeitnehmerInnen delegiert, indem sie verlangt hat, dass der Handel die Kontrollen übernimmt. Normalerweise darf ein Angestellter nicht mal einen Ladendieb aufhalten, sondern muss die Polizei rufen. Und plötzlich mussten wir die ‚Gesundheitspolizei’ spielen!“</p>



<p>Natürlich gab es, berichtet Müllauer, auch früher immer wieder KundInnen, die ihren Unmut geäußert haben, weil eine Bestellung nicht da oder die Schlange an der Kassa zu lang war. Covid hat dem jedoch eine neue Dimension gegeben. Lockdown, Home-Office, die Kinder zu Hause, die Lokale geschlossen, keine Möglichkeiten, sich zu unterhalten oder Sport zu treiben. „Der aufgestaute Frust hat sich leider sehr oft an meinen KollegInnen entladen. Wenn wir auf die Maskenpflicht hinwiesen oder um den 2G-Nachweis baten, führte das manchmal zu regelrechten Ausbrüchen. Die verbale Gewalt hat stark zugenommen! Verbale Entgleisungen und Beschimpfungen waren an der Tagesordnung.“</p>



<p>In einigen Fällen kam es auch zu Handgreiflichkeiten und tätlichen Übergriffen. Während die Plexiglasscheibe an der Kassa eine gewisse Barriere darstellte, waren MitarbeiterInnen, die mitten im Geschäft arbeiteten oder an der Tür die 2G-Nachweise kontrollierten, den Aggressionen ungefiltert ausgesetzt. „In einer Branche, wo 70 Prozent Frauen arbeiten, war das für die Kolleginnen extrem belastend!“</p>



<div class="wp-block-group rotebox"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow">
<h4 class="wp-block-heading">Ich fühle mich bedroht – was tun?</h4>



<ul class="wp-block-list"><li>Geh räumlich auf Distanz zum Täter</li><li>Bleib ruhig, bleib respektvoll</li><li>Versuche, deeskalierend zu wirken, vermeide Provokationen</li><li>Appelliere an umstehende Personen und fordere sie auf, dir zu helfen</li><li>Schlag Alarm: Wende dich an den Sicherheitsdienst (falls vorhanden), an KollegInnen oder ruf die Polizei</li></ul>



<h4 class="wp-block-heading">Wer hilft mir?</h4>



<p>Auf der Internetseite <a href="https://www.gpa.at/themen/gesellschaft-und-soziales/sicher-ohne-gewalt-im-job" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="gpa.at/sicher-ohne-gewalt (öffnet in neuem Tab)">gpa.at/sicher-ohne-gewalt</a> haben wir für dich individuelle und rechtliche Ratschläge für<br>die unterschiedlichen Gewalterfahrungen zusammengefasst.</p>
</div></div>



<p>  </p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>365 Tage Ausnahmezustand und ein verspäteter Hoffnungsschimmer</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2021/03/23/365-tage-ausnahmezustand-und-ein-verspaeteter-hoffnungsschimmer/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Johannes Gress]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Mar 2021 13:06:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Kollektivvertrag]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<category><![CDATA[Angelika Hlawaty]]></category>
		<category><![CDATA[behindertenbetreuung]]></category>
		<category><![CDATA[Johannes Gress]]></category>
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					<description><![CDATA[Probleme in Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern und Schulen werden seit Ausbruch der Pandemie öffentlich breit diskutiert. Über die Behindertenbetreuung spricht nach wie vor kaum jemand. ]]></description>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/03/Angelika-Hlawaty_0389-1024x683.png" alt="" class="wp-image-16590" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/03/Angelika-Hlawaty_0389-1024x683.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/03/Angelika-Hlawaty_0389-300x200.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/03/Angelika-Hlawaty_0389-150x100.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/03/Angelika-Hlawaty_0389-768x512.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/03/Angelika-Hlawaty_0389-600x400.png 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/03/Angelika-Hlawaty_0389-720x480.png 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/03/Angelika-Hlawaty_0389-272x182.png 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/03/Angelika-Hlawaty_0389.png 1500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Foto: Nurith Wagner-Strauss</figcaption></figure>



<p><strong>Probleme in Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern und Schulen werden seit Ausbruch der Pandemie öffentlich breit diskutiert. Über die Behindertenbetreuung spricht nach wie vor kaum jemand. &nbsp;</strong></p>



<span id="more-16570"></span>



<p>Angelika Hlawaty kann die Defizite einer ganzen Branche in nur einem Wort benennen: „Anerkennung“, es mangelt an Anerkennung, sagt sie immer wieder. Hlawaty, Betriebsratsvorsitzende bei der Jugend am Werk Sozial:Raum GmbH, weiß, wovon sie spricht. Mit kurzer Unterbrechung ist sie seit 26 Jahren dort beschäftigt, strukturelle Defizite, gibt es seit jeher, „aber durch die Pandemie hat sich das alles noch einmal verschärft“. Die kurzfristige Hoffnung, für Beschäftigte und KlientInnen, sie kommt in kleinen Dosen, aber sie kommt reichlich spät – und auch eine Impfung wird an der mangelnden Anerkennung für die Beschäftigten im Sozialbereich nichts ändern.</p>



<p>Zur Zeit des Gesprächs mit Hlawaty ist es auf den Tag genau ein Jahr her, dass in Österreich der erste Lockdown in Kraft trat. Mit 16. März 2020 war hierzulande vieles anders. Straßen ebenso gespenstisch leer wie die Supermarktregale und Klopapier ebenso heißumkämpft wie Desinfektionsmittel. Und plötzlich schien sich Österreich zu erinnern, zu erinnern an die „HeldInnen des Alltags“ und die „Systemrelevanz“ der „LeistungsträgerInnen“. Hlawaty erinnert sich an diese Zeit als „die Zeit, in der noch von den Balkonen geklatscht wurde“. Der Applaus ist mittlerweile verhallt, die Rede von den leistungstragenden HeldInnen verstummt, die vielgepriesene finanzielle Anerkennung blieb größtenteils aus – nur die Pandemie, die dauert an.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Krisensitzung statt Klausur</strong></h4>



<p>Die Probleme und Herausforderungen gesellschaftlich relevanter Bereiche werden aktuell vor allem im Bereich Pflegeheime, Krankenhäuser und Schulen thematisiert. Hlawatys Sektor, die Behindertenbetreuung, schafft es nur selten ins mediale Rampenlicht. Insgesamt beschäftigt Jugend am Werk Sozial:Raum in Wien 1.100 MitarbeiterInnen in den Bereichen Behindertenarbeit, Kinder und Jugend, berufliche Integration und Fahrtendienst. In der Grundsteingasse in Wien-Ottakring kümmern sich rund 20 PädagogInnen um 110 KlientInnen. Die Werkstätte ist eine von rund 20 in Wien, neben Arbeits-, Kreativ- und intensiv betreuten Gruppen betreiben geistig und mehrfach behinderten Menschen hier in Zusammenarbeit mit BetreuerInnen Bibliothek und ein kleines Café. Ein Toast oder ein Stück Kuchen findet gelegentlich auch den Weg in Hlawatys Büro.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="333" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/03/angelika-hlawaty.png" alt="" class="wp-image-16592" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/03/angelika-hlawaty.png 1000w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/03/angelika-hlawaty-300x100.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/03/angelika-hlawaty-150x50.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/03/angelika-hlawaty-768x256.png 768w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption>Fotos: Nurith Wagner-Strauss</figcaption></figure>



<p>Doch mit 16. März 2020 trübten Schutzkleidung und Angst die Kaffeehaus-Atmosphäre in der Grundsteingasse. Die Angst der Beschäftigten, eine Infektion mit nach Hause oder von dort in die Arbeit zu tragen. Viele der Betreuten können aufgrund ihrer Behinderung keine Maske tragen, erklärt Hlawaty. Bisher sei man mit relativ wenig Ansteckungen durch die Krise gekommen, aber in den letzten Wochen steigen die Infektionen.</p>



<p>Auch ihre Arbeit im Betriebsrat wird dadurch schwieriger. Das im Herbst 2020 frischgewählte, 14-köpfige Gremium hat sich erst einmal „live“ zu Gesicht bekommen. Statt Betriebsrats-Klausuren besucht Hlawaty derzeit zweimal wöchentlich eine betriebsinterne Krisensitzung.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Wichtiger Erfolg: Sabbatical-Regelung</h4>



<p>Wirklich aus der Ruhe zu bringen scheint sie das nicht, aus Hlawaty spricht trotz Dauerkrise die Erfahrung, keine Anspannung. Im Jahr 1994 begann sie bei Jugend am Werk zu arbeiten, kündigte Ende der 90er, um auf Reisen zu gehen – „denn ein Sabbatical gab es damals noch nicht“. Wieder in Österreich bewarb sie sich erneut bei Jugend am Werk. Mit November 2001 wurde sie als stellvertretende Betriebsratsvorsitzende freigestellt, vor fünf Jahren übernahm sie den Vorsitz. Dass ein Sabbatical mittlerweile Teil einer Betriebsvereinbarung ist, bezeichnet sie rückblickend als einen der größten Erfolge ihrer Arbeit.&nbsp;</p>



<p>Für Hlawaty war bereits als Jugendliche klar, wohin es beruflich einmal gehen sollte: „Eine Arbeit mit Sinn“ sollte es sein. Mit 17 machte die heute 51-Jährige die Fachschule für Behindertenarbeit, bewarb sich nach ihrem Abschluss bei Jugend am Werk um ein Praktikum – und ist, wie sie sagt, „dann hängen geblieben“.</p>



<p>Ob sie diese Entscheidung schon einmal bereut hat? Hlawaty seufzt, denkt kurz nach, dann schüttelt ihr Lockenkopf vor Lachen und mit einer Strähne im Gesicht sagt sie: „Nein, ich gehe jeden Tag wieder gerne zur Arbeit“. Finanziell und gesellschaftlich fehle es oft an „Anerkennung“ für ihren Beruf, ja, aber ein „Danke“ von KollegInnen sei stets ein „riesengroßer Motivator und dann weiß man wieder, für was man seine Kraft einsetzt“.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Wir müssen streiken, damit wir überhaupt gesehen werden, damit sich was bewegt.“</p><cite>Angelika Hlawaty</cite></blockquote>



<p>Doch abseits der mündlichen ist es die materielle Anerkennung, die Hlawaty und KollegInnen oftmals schmerzlich vermissen: „Es braucht mehr Geld, eine Arbeitszeitverkürzung, mehr Personal!“, fasst Hlawaty zusammen. Ihre Hoffnung beruht auf der 35 Stunden-Woche. Der Abschluss vom vergangenen April, eine Lohnerhöhung von 2,7 Prozent und ab 2022 eine Reduktion der Wochenarbeitszeit von 38 auf 37 Stunden, war „ein Schritt in die richtige Richtung, aber ein sehr kleiner“. Als Erfolg verbucht sie, dass die Streiks und Demonstrationen, die rund um die Kollektivvertragsverhandlungen stattgefunden haben, die gesellschaftliche Aufmerksamkeit auf die Defizite der Branche gelenkt haben: „wir müssen streiken, damit wir überhaupt gesehen werden, streiken, damit sich was bewegt“.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Ein Hoffnungsschimmer mit Verspätung</strong></h4>



<p>Die aktuelle Situation zeige das mehr denn je, die Corona-Krise bringt jene Probleme ans Licht, die schon vor der Pandemie akut waren, nur in intensivierter Form. Mittlerweile ist es ein Jahr her, seit der Ausnahmezustand zur Normalität wurde, „viele meiner KollegInnen sind mürbe, resignierend, denn die psychischen und physischen Belastungen sind enorm“, erzählt Hlawaty. Mit Anfang März bekamen die ersten Jugend am Werk-MitarbeiterInnen ihre lang ersehnte Impfung, ein Hoffnungsschimmer, immerhin, „aber zwei oder drei Wochen früher wäre deutlich besser gewesen, weil wir gerade in diesen Wochen starke Anstiege hatten“. Zwei KlientInnen sind an den Folgen einer Corona-Erkrankung gestorben.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>&#8222;Viele meiner KollegInnen sind mürbe, resignierend, denn die psychischen und physischen Belastungen sind enorm.&#8220;</p><cite>Angelika Hlawaty</cite></blockquote>



<p>Die Impfbereitschaft unter den KollegInnen ist hoch, schätzt Hlawaty, und dann werde vieles einfacher. Vieles, aber nicht alles. Denn die dicken Bretter bleiben. „Man braucht einen langen Atem, es sind kleine Schritte, aber wir müssen dranbleiben, uns selbst auf die Beine stellen, um das zu bekommen, was uns zusteht“: Anerkennung.</p>



<div class="wp-block-group blauebox"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow">
<h4 class="wp-block-heading"><strong>Zur Person:</strong> </h4>



<p>Angelika Hlawaty, 51, ist geborene Wienerin und arbeitet nach der Absolvierung der Fachschule für Behindertenarbeit seit 1994 – mit kurzer Unterbrechung – bei Jugend am Werk. Nach 15 Jahren als Stellvertreterin wurde sie 2016 zur Betriebsratsvorsitzenden gewählt.</p>
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