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	<title>behindertenbetreuung &#8211; KOMPETENZ-online</title>
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		<title>Als Salzburg auf die Brücke ging</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Tizian Rupp]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 May 2026 18:21:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Bei Salzburg wird oft an die schöne Altstadt gedacht, gerahmt von Brücken, an denen verliebte Paare Schlösser anbringen. Im vergangenen November wurde auf einer dieser Brücken Demokratie gelebt – und Sparmaßnahmen verhindert. Es ist ein Tag, der in Salzburg nicht so schnell vergessen werden wird. Über 10.000 Menschen kommen am 25. November 2025 auf die [&#8230;]]]></description>
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</div><figcaption class="wp-element-caption">Video: Edgar Ketzer</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Bei Salzburg wird oft an die schöne Altstadt gedacht, gerahmt von Brücken, an denen verliebte Paare Schlösser anbringen. Im vergangenen November wurde auf einer dieser Brücken Demokratie gelebt – und Sparmaßnahmen verhindert.</strong></p>



<span id="more-22687"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist ein Tag, der in Salzburg nicht so schnell vergessen werden wird. Über 10.000 Menschen kommen am 25. November 2025 auf die Staatsbrücke und machen ihrem Ärger Luft. Mit Erfolg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Schritt zurück. Rund sechs Wochen zuvor verkündet die ÖVP-FPÖ-Landesregierung, dass der Pflege- und Betreuungszuschuss ersatzlos gestrichen werden soll. Für die Beschäftigten hatte dieser Zuschuss bis zu 5 Prozent zusätzliches Bruttogehalt bedeutet. „Die erste Reaktion war Wut, Zorn, Verstörung, Irritation und Verständnislosigkeit“, blickt Klaus Brandhuber, Betriebsratsvorsitzender des Diakoniewerks in Salzburg, auf diesen Tag zurück. Er spricht für seine Kolleg:innen, die unter anderem in der Senior:innen- und Behindertenarbeit sowie bei mobilen Diensten tätig sind.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Das Geld war da</h4>



<p class="wp-block-paragraph">„Zu dem Zeitpunkt war uns sofort bewusst, dass wir handeln müssen. Uns war klar, dass es eine Bewegung braucht“, schildert Michael Huber, Geschäftsführer der Gewerkschaft GPA Salzburg. Das Geld war weiterhin vorhanden. Der Bund hatte es weiter an das Land Salzburg ausbezahlt, aber ohne verpflichtende Zweckbindung.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Eine Situation, die Huber so zusammenfasst: „Sie haben das Geld kassiert und zu den Menschen gesagt: Wir müssen sparen.“ Gemeinsam mit ÖGB, Arbeiterkammer und den anderen Gewerkschaften wird eine Petition ins Leben gerufen. „Ich weiß nicht mehr, wie viele Zettel ich am Ende abgegeben habe, weil ich aufgrund der Menge mit dem Zählen aufhören musste. Die Leute haben wirklich gespürt, dass wir sie – und sie uns – brauchen“, erinnert sich Sieglinde Tazol, Betriebsratsvorsitzende vom Caritasverband Salzburg. Sie steht beim Gespräch im Dorf St. Anton, der ältesten Einrichtung der Caritas in Salzburg. In der Behinderteneinrichtung arbeiten rund 120 Kolleg:innen, viele von ihnen wären von der Streichung des Zuschusses betroffen gewesen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Die Erwartungen verzehnfacht</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Während die Petition immer größere Unterstützung erhält, findet eine erste Demonstration statt. Am 5. November soll direkt nach einer Konferenz von Betriebsrät:innen aus dem Pflege-, Gesundheits- und Sozialbereich ein Menschenzug durch die Stadt ziehen. Zu dem Zeitpunkt ist noch nicht klar, ob der Kampf um den Pflege- und Betreuungszuschuss ausreichend Leute mobilisieren kann, erzählt Orhan Dönmez, Regionalsekretär der GPA Salzburg. „Angemeldet haben wir 300 Leute. Gekommen sind dann schlussendlich 3.000.“</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Christoph Eschbacher, Betriebsratsvorsitzender der Lebenshilfe Salzburg, steht in einer inklusiven Bibliothek der Lebenshilfe, als er von diesem Tag erzählt: „Mir haben sich die letzten Minuten vor Beginn der Demonstration eingebrannt, als immer mehr Kolleg:innen mit Schildern gekommen sind – oft sogar noch in Berufskleidung.“ An über 40 Standorten betreut die Lebenshilfe Salzburg Menschen mit Behinderung. Seine Kollegin Katharina Premm, ebenfalls Betriebsrätin und in der Werkstatt als Unterstützerin tätig, ergänzt: „Der Rückhalt in der Gesellschaft war groß, denn die Leute wissen, wie wichtig unsere Berufe sind.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Solidarität auf der Staatsbrücke</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Innerhalb eines Monats sind mehr als 80.000 Unterschriften gesammelt worden. Sie sollen bei einer weiteren Demonstration an die Landesregierung übergeben werden. Betriebsratsvorsitzender Harald Brengel steht im Eingang einer Pflegeeinrichtung der ÖJAB, der Österreichischen Jungarbeiterbewegung, und erzählt begeistert von diesem Tag: „Ich sah noch nie so viele Kollegi:nnen aus unserem Betrieb auf der Straße. Und man muss immer bedenken, wie viele Menschen ja auch noch im Dienst sind!“ Als der Zug am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder vorbeikommt, rufen Bewohner:innen und Mitarbeiter:innen, die gerade arbeiten, aus den Fenstern.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Auch Ramona Salicevic von der Lebenshilfe Salzburg ist unter den Demonstrierenden. Sie ist extra angereist – aber nicht alleine: „Alle Bekannten, alle Freund:innen, das ganze soziale Netzwerk, was wir im Pinzgau haben, sind mitgegangen auf die Demonstration. Das war gespürte Solidarität.“ Die Demonstration startet in zwei Zügen. Über die Salzach hinweg können die Demonstrierenden einander sehen. Sie tragen Warnwesten, halten Lichter in die Höhe und rufen, was auch auf ihren Transparenten steht: „Stoppt den Pflegeraub!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf der Staatsbrücke, mitten in der Salzburger Altstadt, kommen über 10.000 Menschen zusammen. Die Solidarität geht weit über die Beschäftigten hinaus, Dönmez erinnert sich an eine 80-jährige Frau: „Sie hat mir erzählt, dass sie noch nie in ihrem Leben auf einer Demonstration war.“ Was viele der Protestierenden noch gar nicht ahnen: Eine der größten Demonstrationen, die Salzburg je erlebt hat, ereignet sich hier gerade.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Die Regierung rudert zurück</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Der Druck wirkt. Wenige Tage später verkündet die Salzburger Landesregierung, dass der Pflege- und Betreuungszuschuss bis Juni 2026 verlängert wird. „Am Ende des Tages hat die schwarz-blaue Landesregierung dem Druck der Straße weichen müssen. Da sieht man als Gewerkschaft, dass sich Aufstehen lohnt“, erzählt Michael Huber. Um eine langfristige Lösung zu erreichen, wurde ein Volksbegehren gestartet. Es soll den Zuschuss absichern, die Zweckwidmung sicherstellen und weitere Berufsgruppen einbeziehen. „Das betrifft zum Beispiel Hebammen oder nicht diplomierte Beschäftigte in der Behindertenbetreuung. Diese Änderung ist längst überfällig“, so Huber.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weitere Monate vergehen. Dann rudert die Landesregierung weiter zurück. Nach einigen Verhandlungsrunden sei festgestellt worden, dass die Streichung des Zuschusses mit Juni 2026 zu rechtlichen Schwierigkeiten führen würde – so die offizielle Erklärung der Landesregierung. Unabhängig von der Begründung ist für Huber klar, dass das Volksbegehren dennoch dringend notwendig ist. Neben einer langfristigen Sicherung in ganz Österreich geht es auch um die Kolleg:innen in anderen Bundesländern: „Wer sagt uns, dass nicht eine andere Landesregierung auch auf die Idee kommt, den Pflege- und Betreuungszuschuss plötzlich einzustellen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute steht Orhan Dönmez wieder auf der Staatsbrücke. Er erzählt, dass die Liebesschlösser, die Paare auf dem Steg daneben anbringen, immer wieder abmontiert werden. Die Stadt bewahrt sie ein Jahr lang auf. Beim Zuschuss muss es anders sein: „Im Bundesland Salzburg muss der Zuschuss für die Zukunft gesichert werden. Dafür sind wir aufgestanden und würden es auch jederzeit wieder tun.“</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zusätzliche Urlaubswoche für steirische Pflegerin erkämpft</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2025/04/17/zusaetzliche-urlaubswoche-fuer-steirische-pflegerin-erkaempft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lucia Bauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Apr 2025 13:01:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2025/03]]></category>
		<category><![CDATA[Recht]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Gewerkschaft GPA Steiermark hat für eine Pflegekraft den Arbeitgeber geklagt und eine zusätzliche Urlaubswoche erkämpft. Das Oberlandesgericht (OLG) Graz hat einer Klage der Gewerkschaft GPA recht gegeben, wonach einer Beschäftigten im Behindertenbereich eine zusätzliche Woche Urlaub zusteht. Hintergrund: Das Gesetz sieht eine zusätzliche „Entlastungswoche“ für bestimmte Berufsgruppen in der Pflege vor. Das klagende Mitglied [&#8230;]]]></description>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="731" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/05/Matthias-Maierhofer_erweitert-1024x731.png" alt="" class="wp-image-21835" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/05/Matthias-Maierhofer_erweitert-1024x731.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/05/Matthias-Maierhofer_erweitert-300x214.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/05/Matthias-Maierhofer_erweitert-150x107.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/05/Matthias-Maierhofer_erweitert-768x548.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/05/Matthias-Maierhofer_erweitert-1536x1097.png 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/05/Matthias-Maierhofer_erweitert-2048x1463.png 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Matthias Maierhofer ist Jurist bei der GPA Steiermark. Er hat für eine Beschäftigte im Behindertenbereich ein wichtiges Gerichtsverfahren gewonnen. </figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die</strong> <strong>Gewerkschaft GPA Steiermark hat für eine Pflegekraft den Arbeitgeber geklagt und eine zusätzliche Urlaubswoche erkämpft</strong>.</p>



<span id="more-21816"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Das Oberlandesgericht (OLG) Graz hat einer Klage der Gewerkschaft GPA recht gegeben, wonach einer Beschäftigten im Behindertenbereich eine zusätzliche Woche Urlaub zusteht. Hintergrund: Das Gesetz sieht eine zusätzliche „Entlastungswoche“ für bestimmte Berufsgruppen in der Pflege vor. Das klagende Mitglied der GPA ist in der Behindertenarbeit tätig, übt aber auch Tätigkeiten als Pflegeassistentin aus, für die sie eine entsprechende Ausbildung gemacht hat. Der Arbeitgeber, ein Pflegedienstleister aus der Steiermark, weigerte sich aber, der Beschäftigten diese Entlastungswoche zuzugestehen. </p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8222;Müsste man privat klagen, würde man ein hohes Kostenrisiko tragen. Durch unseren Rechtsschutz war die Klage für unser Mitglied kostenlos.&#8220;</p>
<cite>Matthias Maierhofer, Jurist bei der GPA Steiermark</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Die Beschäftigte hatte sich an die Rechtsberatung der Gewerkschaft GPA-Steiermark gewendet, weil sie sich von ihrem Arbeitgeber  ungerecht behandelt fühlte. Das OLG Graz gab einer entsprechenden Klage der Gewerkschaft GPA Recht, der Steirerin steht nun eine zusätzliche Urlaubswoche zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Tätigkeiten in der Pflege sind sehr anstrengend. Vor diesem Hintergrund hat das Parlament die Entlastungswoche beschlossen. Wir konnten nun vor Gericht beweisen, dass diese auch unserem Mitglied zusteht“, sagt Matthias Maierhofer, Jurist der Gewerkschaft GPA Steiermark.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Maierhofer erklärt: „Müsste man privat klagen, würde man ein hohes Kostenrisiko tragen. Durch unseren Rechtsschutz war die Klage für unser Mitglied kostenlos, künftig hat die Kollegin eine Woche mehr zur Erholung.“</p>



<p class="blauebox wp-block-paragraph"><strong>Rechtsberatung</strong><br>Du hast eine arbeitsrechtliche Frage und brauchst unsere Unterstützung? Hier findest du alle <a href="https://www.gpa.at/kontakt" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="Kontakte (öffnet in neuem Tab)">Kontakte</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Aktiver Teil der Lösung sein</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2024/02/14/aktiver-teil-der-loesung-sein/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Resei]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 Feb 2024 09:16:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
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		<category><![CDATA[Markus Schadler]]></category>
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					<description><![CDATA[Gerti Werl und Markus Schadler sind ein eingespieltes Betriebsrats-Team. Seit einer Fusionierung werden sie von Mustafa Durmus von der GPA Steiermark betreut. Eine Geschichte über moderne Arbeitnehmer: innen-Vertretung, die nicht nur Vertrauen schafft sondern auch Positionen geschickt vertritt.]]></description>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7335-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-20457" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7335-1024x683.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7335-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7335-150x100.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7335-768x512.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7335-1536x1024.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7335-2048x1365.jpg 2048w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7335-600x400.jpg 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7335-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7335-272x182.jpg 272w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Markus Schadler (links) und Gerti Werl (mitte) vom <a href="https://eur03.safelinks.protection.outlook.com/?url=https%3A%2F%2Fkompetenz-online.at%2Fglossary%2Fbetriebsrat%2F&amp;data=05%7C02%7CLucia.Bauer%40gpa.at%7C38a5986a4d9b44585ada08dc2d4db0f6%7C0679379efe9a4bcebdcee8ce71d7ed48%7C0%7C0%7C638435058902166652%7CUnknown%7CTWFpbGZsb3d8eyJWIjoiMC4wLjAwMDAiLCJQIjoiV2luMzIiLCJBTiI6Ik1haWwiLCJXVCI6Mn0%3D%7C0%7C%7C%7C&amp;sdata=N9kj2avxQ8N39bqxFqegiz3sHTOz6x2JdeuMT%2BKG%2F5M%3D&amp;reserved=0" aria-label="Betriebsrat">Betriebsrat</a> der LNW Lebenshilfe NetzWerk GmbH sind ein gut eingespieltes Team. Unterstützt werden sie dabei von Mustafa Durmus von der GPA (rechts).</strong><br>Foto: Nurith Wagner-Strauss</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Gerti Werl und Markus Schadler sind ein eingespieltes Betriebsrats-Team. Seit einer Fusionierung werden sie von Mustafa Durmus von der GPA Steiermark betreut. Eine Geschichte über moderne Arbeitnehmer: innen-Vertretung, die nicht nur Vertrauen schafft sondern auch Positionen geschickt vertritt.</strong></p>



<span id="more-20455"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Wolfgang Graupp steht früh auf, denn er muss um acht Uhr in der Arbeit sein. Von seinem Heimatort Gnas muss er 15 Kilometer nach Feldbach in seine Stammwerkstätte, die von der LNW Lebenshilfe NetzWerk GmbH geführt wird, fahren. Dort hilft er im Garten, unterstützt die Assistent:innen und kann durch seine Erfahrung auch als Springer eingesetzt werden, wenn jemand in anderen Gruppen ausfällt. Der 30-Jährige mag es auch, in der großen Betriebsküche mitzuwirken. „Hier in der Arbeit bin ich am liebsten und habe außerdem Abwechslung in meinen Jobs“, erzählt Graupp. Wie andere Klient:innen befüllt auch der Gnaser die bekannten „Jolly“-Farbmalkästen mit Wasserfarben. Graupp hat vorübergehend auch eine andere Arbeitsstelle ausprobiert, nach acht Monaten in der Fachhochschul-Kantine Bad Gleichenberg wollte er wieder zurück nach Feldbach. „Der Stress war mir zu viel“, sagt er.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7391-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-20456" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7391-1024x683.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7391-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7391-150x100.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7391-768x512.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7391-1536x1024.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7391-2048x1365.jpg 2048w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7391-600x400.jpg 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7391-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7391-272x182.jpg 272w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Wolfgang Graupp (links) arbeitet in der Lebenshilfe-Werkstatt in Feldbach und befüllt dort unter anderem Jolly-Farbmalkästen mit Wasserfarben. Betriebsrat Markus Schadler (rechts) ist in Feldbach in der Wohnassistenz tätig. </strong><br>Foto: Nurith Wagner-Strauss</figcaption></figure>



<h4 class="wp-block-heading">Lösungen anbieten und finden</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die LNW Lebenshilfe NetzWerk GmbH hat ein breites Angebot. „Für schwerstbehinderte Menschen bieten wir Tagesstruktur in den Werkstätten und Wohnformen wie betreutes Wohnen in Voll- und Teilzeit an“, erklärt Gerti Werl, Betriebsratsvorsitzende der LNW Lebenshilfe NetzWerk GmbH in Feldbach. Außerdem werden auch mobile Dienste, wie Wohnassistenz, Familien-Entlastungsdienst, Frühförderung, Schul- und Freizeitassistenz sowie Kindergartenassistenz angeboten. Auch NEBA-Leistungen (Netzwerk Berufliche Assistenz) zählen zu den Angeboten der LNW. Die MitarbeiterInnen der Lebenshilfe sind zum Großteil weiblich, drei Viertel der Beschäftigten arbeiten in Teilzeit.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Ich bin jemand, der sehr gerne seine Meinung sagt, wenn mir mal etwas gegen den Strich geht.&#8220;</p>
<cite>Gerti Werl</cite></blockquote>



<h4 class="wp-block-heading">Auch gerne gegen den Strich</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Betriebsratsvorsitzende Gerti Werl, ausgebildete Sozialbetreuerin, setzt sich gerne für ihre Mitmenschen ein, auch wenn das nicht immer friktionsfrei möglich ist: „Ich bin jemand, der sehr gerne seine Meinung sagt, wenn mir mal etwas gegen den Strich geht. Das habe ich einfach mein Leben lang konsequent so gemacht“, berichtet die 57-jährige gebürtige Niederösterreicherin, die im burgenländischen Gerersdorf bei Güssing lebt. Werl pendelt rund 45 Kilometer in ihre Arbeit nach Feldbach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Als ich vor 17 Jahren in der Lebenshilfe begonnen habe, hat mir die Arbeit so gut gefallen, dass ich mir vorgenommen habe, es mit aller Ruhe anzugehen: einfach meine Arbeit machen, keine Schwierigkeiten haben“, darüber muss Werl noch heute schmunzeln. Es sollte damals anders kommen: ihre Diskussionsfreudigkeit fiel naturgemäß auch den KollegInnen auf und so kam es, wie es kommen sollte: Gerti Werl wurde gefragt und kandidierte als einfache Kandidatin auf der Betriebsrats-Liste. Mit kurzen Unterbrechungen ist sie nun seit 10 Jahren Betriebsratsvorsitzende der LNW Lebenshilfe Netzwerk GmbH, arbeitete mit „Leib und Seele“ weiterhin als Sozialpädagogin in einer Teilfreistellung &#8211; seit einem Jahr ist sie ganz für ihren Betriebsratsvorsitzenden-Job freigestellt und betreut dabei 440 Mitarbeiter:innen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Mit Hilfe der GPA zum Großprojekt fusioniert</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Zu einer großen Herausforderung sollte die Zusammenlegung der beiden ehemaligen Lebenshilfen Bad Radkersburg und Feldbach im Jahr 2017 werden: Beide Betriebe verfügten über eigene Betriebsrats-Gremien und es galten unterschiedliche Betriebsvereinbarungen. Innerhalb eines Jahres mussten viele Komponenten vereint werden. „Dabei mussten wir uns ja auch erst einmal kennenlernen“, berichtet Gerti Werl über schwierige Zeiten und neue Kolleg:innen. Auch der Betriebsratsvorsitz war zu klären. Genau zu diesem Zeitpunkt übernahm Mustafa Durmus von der GPA die strategische Beratung der Betriebsrät:innen&nbsp; – der Grazer bewies durchaus Verhandlungsgeschick.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Durmus ist studierter Jurist und arbeitet seit acht Jahren als Rechtsschutz- und Regionalsekretär der GPA Steiermark. Damit ist er u.a. für den Sozialbereich und somit auch für die LNW Lebenshilfe NetzWerk GmbH zuständig. „Ich habe vorher in Kanzleien gearbeitet und verschiedene Praktika gemacht, aber bei der Gewerkschaft habe ich einen Job, der auch Sinn gibt.“ Durmus erzählt über den „höheren Zweck“, den er und seine KollegInnen verfolgen, „So bieten wir mit den jährlich verhandelten Kollektivverträgen Lösungen für tausende Menschen an“. Ein Betriebszusammenschluss ist kein leichtes Unterfangen. Schließlich muss bei Betriebsübergängen auch die Unsicherheit der Mitarbeiter:innen berücksichtigt werden – da die Geschäftsführerin von Feldbach die neue Chefin wurde, fürchtete&nbsp;sich die Belegschaft von Bad Radkersburg vor einer Benachteiligung.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„In diesem Zeitraum (der Zusammenlegung der Lebenshilfen Bad Radkersburg und Feldbach) sind viele Belegschaftsmitglieder in die GPA eingetreten“</p>
<cite>Mustafa Durmus</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Zukunftsängste aus dem Weg zu räumen, hatte damit oberste Priorität. Um Vertrauen aufzubauen, brauchte es viele Gespräche. Gemeinsam mit der GPA ist das den Betriebsratsvorsitzenden sehr gut gelungen. „In diesem Zeitraum sind viele Belegschaftsmitglieder in die GPA eingetreten“, freut sich GPA Sekretär Mustafa Durmus. Betriebsratsvorsitzende Gerti Werl: „Wir wollten uns nicht auseinanderdividieren lassen, aber wir mussten natürlich beide Betriebsvereinbarungen integrieren“. Dabei wollte die Geschäftsführung vor allem die ihr angenehmsten Punkte in die neue Vereinbarungen einarbeiten.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7317-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-20458" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7317-1024x683.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7317-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7317-150x100.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7317-768x512.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7317-1536x1024.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7317-2048x1365.jpg 2048w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7317-600x400.jpg 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7317-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7317-272x182.jpg 272w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Gemeinsam haben Markus Schadler und Gerti Werl für die 440 Mitarbeiter:innen der LNW Lebenshilfe NetzWerk GmbH eine Einsprungs-Prämie durchgesetzt. </strong><br>Foto: Nurith Wagner-Strauss</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Dagegen wehrte sich die Belegschaft und schlug alternative Punkte vor. Neben Inhalten, die unbedingt Platz in der Betriebsvereinbarung haben sollten, wurden zusätzliche Punkte aufgeführt, die Arbeitgeber:innen gemeinhin nicht gerne erfüllen. Doch zur Überraschung aller, wurde einer davon nicht gestrichen. Die sogenannte Einsprungs-Prämie für Mitarbeiter:innen, wenn sie kurzfristig einen Dienst übernehmen – fand sich dann in der neuen Betriebsvereinbarung wieder. Inzwischen ist eine Form dieser Prämie sogar Teil des Kollektivvertrages geworden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sieben Jahre später ist diese Fusion erfolgreich abgeschlossen, doch es gibt auch immer noch Herausforderungen. Die Betriebsratsvorsitzende: „Wir sind selbstorganisiert, damit gibt es keine Leitung vor Ort“. Sämtliche organisatorischen Belange werden verstreut über die ganze Südoststeiermark erledigt, weshalb die Teams zumeist auf sich alleine gestellt sind. Der Nebeneffekt: die Beschäftigten fühlen sich auch für Vorgänge verantwortlich, die nicht in ihrem Einflussbereich liegen. „Dadurch müssen wir oft Missverständnisse aus dem Weg räumen“, weiß der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Markus Schadler. Der 36-Jährige, früher als Informatiker tätig, kam als Fach-und Soziabetreuer über den zweiten Bildungsweg im März 2016 zur Lebenshilfe. Er ist auch in der Wohnassistenz tätig.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Moderne Betreuung, alte Berufskrankheiten</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Allgemein hat sich das Selbstbild der Arbeitnehmer:innen in der Behindertenbetreuung verändert, die früheren freien Dienstnehmer:innen &#8211; mit großteils auch anderen zusätzlichen Jobs -, gibt es heute nicht mehr. „Waren es vor 30 Jahren vielfach Menschen, die den Betreuungsjob fast ausschließlich als Berufung gesehen haben“, erklärt Schadler, „so wollen die jungen Betreuer:innen heute natürlich anständig von ihrem Gehalt leben“.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Waren es vor 30 Jahren vielfach Menschen, die den Betreuungsjob fast ausschließlich als Berufung gesehen haben, so wollen die jungen Betreuer:innen heute natürlich anständig von ihrem Gehalt leben.“</p>
<cite>Markus Schadler</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Doch an ausreichendem Lohn für professionelle gute Arbeit mangelt es nun auch bereits Jahrzehnte. Und immer mehr der Teil- und Vollzeitkräfte erkranken u.a. wegen des Personalnotstandes an einem Burnout. Ein Grund, weshalb die Betriebsrät:innen überdurchschnittlich häufig mit Arbeitszeitthemen konfrontiert sind. Eine der wiederkehrenden Fragen betrifft den Durchrechnungszeitraum oder wie Mehrstunden abgebaut oder bezahlt werden. Themen wie Pausenregelungen, Nachtarbeit und Nachtbereitschaften ebenso. „Vieles können wir gleich beantworten, aber wenn ich mir nicht sicher bin oder es komplexer wird, frage ich&nbsp; Mustafa Durmus“, erklärt Gerti Werl und nennt den GPA-Sekretär ihr „willkommenes Backup“. Sollte es zu gröberen Meinungsverschiedenheiten mit den Arbeitgeber:innen kommen, so könnte Durmus rechtlich, etwa mit dem Verfassen einer Intervention helfen. Der GPA-Experte: „Eine Intervention ist mit einem Anwaltsbrief vergleichbar, wir legen unsere Rechtsmeinung dar – wenn es dann zu keiner Einigung kommt, ist der nächste Schritt das Arbeitsgericht“. Da es einen funktionierenden Draht zur Geschäftsführung gibt, findet dieses Rechtsmittel kaum Anwendung. Gemeinhin kommt es zu einem Kompromiss. „Wir vertreten schon immer wieder andere Meinungen als die Geschäftsführung, aber das klärt sich meist rasch“, weiß Betriebsratsvorsitzende Werl, die mit Unterbrechungen seit 10 Jahren den Vorsitz inne hat.</p>



<div class="wp-block-group rotebox"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<h4 class="wp-block-heading">Hast du schon einmal überlegt selbst einen Betriebsrat zu gründen?</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn es bei dir im Betrieb mindestens 5 Beschäftigte gibt, kann eine Betriebsratswahl stattfinden. Dein Chef/deine Chefin, darf die Wahl nicht behindern. Als Betriebsrätin/Betriebsrat hast du einen besonderen Kündigungsschutz und du kannst einen Teil deiner Arbeitszeit für die Betriebsratstätigkeit verwenden. Wir unterstützen und begleiten dich und deine KollegInnen bei der Durchführung der Betriebsratswahl.<br>Du möchtest mit uns darüber reden? Dann wende dich an unsere Beratung in deinem Bundesland. Alle Kontakte findest du hier: <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.gpa.at/kontakt" target="_blank" aria-label="https://www.gpa.at/kontakt (öffnet in neuem Tab)">https://www.gpa.at/kontakt</a></p>
</div></div>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<h4 class="wp-block-heading">Nächste Generation wird aufgebaut</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dem 1. Dezember 2023 ist Gerti Werl in Altersteilzeit gegangen. Für die nächste Betriebsrats-Wahl, die in viereinhalb Jahren stattfindet, wird ihr Stellvertreter Markus Schadler als Nachfolger aufgebaut. „Ich habe kein Problem damit, einen Schritt zurückzutreten“, macht Gerti Werl deutlich. „Ich muss nicht unbedingt Vorsitzende sein, denn meine Meinung sage ich ja sowieso – egal ob als Vorsitzende oder einfache Betriebsrätin“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Betriebsratsvorsitzende musste schon wegen einer schweren Erkrankung ein Jahr aussetzen, Markus Schadler übernahm auch ihre Aufgaben, obwohl er erst recht kurz im Betriebsrats-Gremium tätig war. Gerti Werl: „Ich bin dann zurückgekommen und er ist dann wieder auf die Seite gerückt, das ist auch nicht selbstverständlich.“ Die Zusammenarbeit bleibt. Nun finden etwa die Gespräche mit der Geschäftsführung zu dritt statt. Zur Vorbereitung auf seine Aufgaben besuchte Markus Schadler das GPA Förderprogramm BR: Next, das Betriebsrät:innen bis 35 Jahre unter die Fittiche nimmt. „Junge Betriebsrät:innen werden dabei gezielt von uns gefördert. Sie sollen dabei auch eine Gewerkschaft von innen kennenlernen“, erklärt Mustafa Durmus. Markus Schadler selbst kam erst als er von der IT in die Sozialbranche wechselte, mit dem Thema Betriebsrat in Berührung. „Ich brauche einen Job, in dem ich ganz aufgehe, aber ich musste auch lernen was Work-Life-Balance bedeutet.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Befreiung durch Motorsäge</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Während sich Markus Schadler noch einige Jahre vorbereiten kann, geht Gerti Werl&nbsp; auch in anderen Belangen ebenfalls „mit Leib und Seele“ zur Tat. Vor gut 30 Jahren hat sie im Südburgenland ein 1700 Quadratmeter großes Grundstück mit einem alten Bauernhof erworben. In Gerersdorf bei Güssing leben neben Werl, ihrem Ehemann und einem Sohn – sie hat drei erwachsene Kinder, – heute u.a. Esel, Schafe, Hühner und Bienen. Dazu wird ein Gemüsegarten bestellt. Ein neues Werkzeug, um zu entspannen, hat Werl auch jüngst geschenkt bekommen: „Ich besitze jetzt eine Akku-Motorsäge“, lacht die Landwirtin aus Leidenschaft. „Es ist so befreiend mit der Motorsäge auszurücken, um etwas umzuschneiden.“ Manchmal kappt sie einen Busch gleich, wenn sie von der Arbeit heimkommt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn die&nbsp; Arbeitnehmer:innen in der Behindertenbetreuung sollten einerseits mitfühlend und unterstützend sein und andererseits aber auch um ihre Arbeitsverhältnisse kämpfen. Zwar sind im Vergleich zu früher behinderte Menschen in der Öffentlichkeit präsenter. Doch sowohl ihre Betreuung als auch sie selber sollten nicht auf Almosen angewiesen sein. Auch Wolfgang Graupp ist ein wichtiger Bestandteil der LNW Lebenshilfe NetzWerk GmbH. „Er ist wichtig für uns, wir brauchen ihn“.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Lerne noch weitere engagierte Betriebsrät:innen und Betriebsräte kennen</h4>



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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="hJTPIpamW1"><a href="https://kompetenz-online.at/2023/12/04/bei-balance-wird-nachtarbeit-voll-bezahlt/" aria-label="Bei BALANCE wird Nachtarbeit voll bezahlt">Bei BALANCE wird Nachtarbeit voll bezahlt</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Bei BALANCE wird Nachtarbeit voll bezahlt&#8220; &#8212; KOMPETENZ-online" src="https://kompetenz-online.at/2023/12/04/bei-balance-wird-nachtarbeit-voll-bezahlt/embed/#?secret=Mw0m3LqthZ#?secret=hJTPIpamW1" data-secret="hJTPIpamW1" width="600" height="338" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="Q8o9yny3JC"><a href="https://kompetenz-online.at/2023/08/11/vernetzung-staerkt-die-betriebsrats-teams/" aria-label="Vernetzung stärkt die Betriebsrats-Teams">Vernetzung stärkt die Betriebsrats-Teams</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Vernetzung stärkt die Betriebsrats-Teams&#8220; &#8212; KOMPETENZ-online" src="https://kompetenz-online.at/2023/08/11/vernetzung-staerkt-die-betriebsrats-teams/embed/#?secret=9kzEZ6VAkf#?secret=Q8o9yny3JC" data-secret="Q8o9yny3JC" width="600" height="338" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="f3PDZRpmHD"><a href="https://kompetenz-online.at/2024/01/17/auf-expansionskurs/" aria-label="Auf Expansionskurs">Auf Expansionskurs</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Auf Expansionskurs&#8220; &#8212; KOMPETENZ-online" src="https://kompetenz-online.at/2024/01/17/auf-expansionskurs/embed/#?secret=aO2XoQwbym#?secret=f3PDZRpmHD" data-secret="f3PDZRpmHD" width="600" height="338" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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			</item>
		<item>
		<title>Bei BALANCE wird Nachtarbeit voll bezahlt</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2023/12/04/bei-balance-wird-nachtarbeit-voll-bezahlt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexia Weiss]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Dec 2023 12:33:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<category><![CDATA[Balance]]></category>
		<category><![CDATA[behindertenbetreuung]]></category>
		<category><![CDATA[Clemens Fessler]]></category>
		<category><![CDATA[Fachkräftemangel]]></category>
		<category><![CDATA[Kollektivvertrag]]></category>
		<category><![CDATA[Nachtdienst]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialarbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[SWÖ]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Sozialbereich ist ein notorisch unterdotierter, das wirkt sich auch auf die Arbeitsbedingungen und Gehälter der hier Beschäftigten aus. Clemens Fessler zeigt als Betriebsratsvorsitzender bei BALANCE Leben ohne Barrieren, was man mit konsequenter Interessensvertretung und Unterstützung eines engagierten Betriebsratsteams für die Belegschaft dennoch erreichen kann. Bei BALANCE werden zum Beispiel inzwischen auch in der Nacht geleistete Arbeitsstunden voll bezahlt.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/12/Clemens-Fessler_7066-1024x683.png" alt="" class="wp-image-20369" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/12/Clemens-Fessler_7066-1024x683.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/12/Clemens-Fessler_7066-300x200.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/12/Clemens-Fessler_7066-150x100.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/12/Clemens-Fessler_7066-768x512.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/12/Clemens-Fessler_7066-600x400.png 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/12/Clemens-Fessler_7066-720x480.png 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/12/Clemens-Fessler_7066-272x182.png 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/12/Clemens-Fessler_7066.png 1500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Foto: Nurith Wagner-Strauss</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der Sozialbereich ist ein notorisch unterdotierter, das wirkt sich auch auf die Arbeitsbedingungen und Gehälter der hier Beschäftigten aus. Clemens Fessler zeigt als Betriebsratsvorsitzender bei <em>BALANCE Leben ohne Barrieren</em>, was man mit konsequenter Interessensvertretung und Unterstützung eines engagierten Betriebsratsteams für die Belegschaft dennoch erreichen kann. Bei <em>BALANCE</em> werden zum Beispiel inzwischen auch in der Nacht geleistete Arbeitsstunden voll bezahlt.</strong></p>



<span id="more-20366"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Erst dieser Tage konnten nach intensiven und langen Verhandlungen die Kollektivvertragsverhandlungen für die Beschäftigten im privaten Pflege-, Gesundheits- und Sozialbereich abgeschlossen werden: Sie können sich um ein Plus von 9,2 Prozent bei den Gehältern freuen. Der neue Mindestlohn für Fachsozialbetreuer:innen in der Behindertenarbeit (VG6) liegt nun bei 2687€ (brutto bei Vollzeit). Etwas verbessert wurde auch die Abgeltung der Nachtbereitschaft. Dass dies bei den KV-Verhandlungen überhaupt zur Sprache kam, war auch ein bisschen Clemens Fessler zu verdanken. Er hatte das Thema im Verbund mit anderen Betriebsrät:innen in die Verhandlungen eingebracht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bisher wurden Betreuer:innen etwa in Wohngemeinschaften für Menschen mit Beeinträchtigungen, die auch in der Nacht Unterstützung brauchen, für ihre Anwesenheit und Bereitschaft laut Kollektivvertrag nur zu 50 Prozent bezahlt – im Fall von dokumentierten Einsätzen gab es für diese jeweils eine volle Bezahlung für jeweils eine halbe Stunde. Laut aktueller KV-Einigung werden nun für alle in diesem Bereich Beschäftigten grundsätzlich zwei dieser Nachtstunden voll bezahlt. Bei <em>BALANCE</em> gilt allerdings eine noch bessere Regelung: Hier bekommen die Mitarbeiter:innen den gesamten Nachtdienst zwischen 22 Uhr abends und sechs Uhr morgens voll bezahlt. „Erreichen konnte ich das mit Unterstützung des Arbeitsinspektorats und der Gewerkschaft“, erzählt Fessler.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8222;Bei <em>BALANCE</em> gilt allerdings eine noch bessere Regelung: Hier bekommen die Mitarbeiter:innen den gesamten Nachtdienst zwischen 22 Uhr abends und sechs Uhr morgens voll bezahlt.&#8220; </p>
<cite>Clemens Fessler</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Für ihn sind Regelungen wie diese, dass eben Arbeitnehmer:innen nicht selbstverständlich wie in anderen Branchen Nachtarbeitszeiten voll bezahlt erhalten, auch Ausdruck der Marginalisierung der Menschen, die hier betreut werden: Der Menschen mit Behinderungen. Bei <em>BALANCE </em>unterstützen sich rund 300 Beschäftigte um die 370 Personen mit Beeinträchtigungen – einerseits im Rahmen von betreutem Wohnen sowohl in Wohngemeinschaften als auch in Wohnverbünden, wo Betroffene jeweils in einer eigenen Garconniere leben und von einem Stützpunkt aus begleitet werden, andererseits aber auch in Form von mobiler Begleitung oder Tagesstruktur. Früher verstand man darunter die sogenannten Behindertenwerkstätten, heute gehe es hier zwar auch noch um Beschäftigung, im Vordergrund stehe aber das Soziale, das Hinausgehen, die Förderung von Inklusion, erzählt Fessler.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Vom Zivildiener zum Behindertenbetreuer</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Er selbst lernte diesen Arbeitsbereich im Zug seines Zivildiensts bei der Lebenshilfe Vorarlberg kennen. Nach Abschluss seines Studiums der Geschichte und Bildungswissenschaften, während dem er bereits als Studienassistent, aber auch als Erlebnispädagoge mit Schüler:innen gearbeitet hatte, war er zunächst als Medienpädagoge für die Universität Wien und als Safer Internet-Trainer tätig. 2011 wechselte er dann zu seinem jetzigen Arbeitgeber <em>BALANCE</em>, wo er viele Jahre als Behindertenbetreuer in einer Wohngemeinschaft eingesetzt war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mir hat immer schon die Arbeit mit Menschen gefallen“, betont Fessler. Und genau das schätzt er auch an seiner derzeitigen Tätigkeit als freigestellter Betriebsrat. Die Strukturen, die der Arbeitgeber für die betreuten Kund:innen und Klient:innen vorsehe, versuchen er und sein Team analog auch für die Belegschaft zu adaptieren. Betreute Personen haben zum Beispiel bei <em>BALANCE</em> die Möglichkeit, eine „persönliche Lagebesprechung“ mit Personen, die für ihr Leben bedeutsam sind, zu erhalten. In solch einem Gespräch wird ausgelotet, welche Schritte es braucht, um ein persönlich gestecktes Ziel zu erreichen. „Die Menschen werden dabei unterstützt, eigene Entscheidungen zu treffen“, so Fessler.</p>



<div class="wp-block-group rotebox"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<h4 class="wp-block-heading">Hast du schon einmal überlegt selbst einen Betriebsrat zu gründen?</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn es bei dir im Betrieb mindestens 5 Beschäftigte gibt, kann eine Betriebsratswahl stattfinden. Dein Chef/deine Chefin, darf die Wahl nicht behindern. Als Betriebsrätin/Betriebsrat hast du einen besonderen Kündigungsschutz und du kannst einen Teil deiner Arbeitszeit für die Betriebsratstätigkeit verwenden. Wir unterstützen und begleiten dich und deine KollegInnen bei der Durchführung der Betriebsratswahl.<br>Du möchtest mit uns darüber reden? Dann wende dich an unsere Beratung in deinem Bundesland. Alle Kontakte findest du hier: <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.gpa.at/kontakt" target="_blank" aria-label="https://www.gpa.at/kontakt (öffnet in neuem Tab)">https://www.gpa.at/kontakt</a></p>
</div></div>



<h4 class="wp-block-heading">Wünsche der Beschäftigten zählen</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Genau diesen personenzentrierten Zugang bietet der Betriebsrat in Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung auch den Mitarbeiter:innen. Gebe es etwa den Wunsch, in einen anderen Tätigkeitsbereich zu wechseln oder etwas an der Arbeitszeit zu verändern, werde Pflegeurlaub benötigt oder gebe es den Wunsch nach Eltern- oder Altersteilzeit, dann werde versucht, dem zu entsprechen. Er selbst arbeitet zum Beispiel derzeit 33 Wochenstunden und seine Frau, die ebenfalls in der Behindertenbetreuung tätig sei, 25 Wochenstunden. So seien Arbeit und das Da-Sein für die beiden Töchter, fünf und acht Jahre alt, auch gut miteinander zu vereinbaren. Stolz ist Fessler auch auf die Möglichkeit eines Sabbaticals – dazu wurde eine Betriebsvereinbarung geschlossen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wo dem Arbeitgeber aber oft die Hände gebunden seien: Wenn es um eine bessere Bezahlung geht. „Der Arbeitgeber ist zwar privat, aber in Wirklichkeit völlig vom Fördergeber, also der öffentlichen Hand abhängig. Es handelt sich hier nicht wirklich um einen freien Markt.“ Immer noch liege die Sozialwirtschaft mit ihren Löhnen rund 20 Prozent unter dem Medianeinkommen, beklagt Fessler.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="341" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/12/Clemens-Fessler-1024x341.png" alt="" class="wp-image-20371" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/12/Clemens-Fessler-1024x341.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/12/Clemens-Fessler-300x100.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/12/Clemens-Fessler-150x50.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/12/Clemens-Fessler-768x256.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/12/Clemens-Fessler-1536x512.png 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/12/Clemens-Fessler-2048x682.png 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Fotos: Nurith Wagner-Strauss</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Er sieht hier zudem systemische Fehler. Beispiel: Der in der Pflegereform vorgesehene Pflegezuschuss. Dieser komme nun Beschäftigten zu, die pflegerische Tätigkeiten ausüben – allerdings nur, wenn sie eine bestimmte Ausbildung absolviert haben. Andere Mitarbeiter:innen, die ebenfalls pflegerische Aufgaben übernehmen, gingen dagegen leer aus. „Der Zuschuss wird an die Ausbildung gekoppelt, nicht an die Tätigkeit. Der Kollektivvertrag dagegen ist mit der Tätigkeit verknüpft – wenn er auch an die Ausbildung anknüpfen würde, würden die meisten Kolleg:innen besser verdienen. Im Grund sollten die meisten Mitarbeiter:innen 200 bis 300 Euro mehr im Monat verdienen.“</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Im Grund sollten die meisten Mitarbeiter:innen 200 bis 300 Euro mehr im Monat verdienen.“</p>
<cite>Clemens Fessler</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Bei <em>BALANCE</em> arbeiten sowohl universitär ausgebildete Menschen wie Sozialpädagog:innen, Psycholog:innen oder Psychotherapeut:innen als auch diplomierte Pflegepersonen, Pflegeassistent:innen und Reinigungskräfte. Sie alle hätten sich für den Beruf entschieden, um für Menschen da zu sein. Es handle sich um eine „sinnstiftende Tätigkeit“, das motiviere viele – aber das dürfe auch nicht von Arbeitgeber:innenseite ausgereizt werden. Bei <em>BALANCE</em> gelinge hier viel im Sinn der Mitarbeiter:innen – siehe Abgeltung der Nachtdienste. Letztlich gehe es aber immer um das zur Verfügung stehende Budget. Hier wünscht sich Fessler mehr Mittel von der öffentlichen Hand.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Wir möchten die Menschen aber so unterstützen können, dass sie in der Gesellschaft ihren Platz finden, dass sie ihre Grenzen immer wieder überwinden und nicht nur die medizinische Betreuung im Vordergrund steht, sondern ihnen ein abwechslungsreiches Leben ermöglicht wird. Und das ist bei Personalknappheit sehr schwierig.“</p>
<cite>Clemens Fessler</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Denn worunter alle Beschäftigten in der Sozialwirtschaft leiden, sei die knappe Personaldecke. Das führe zu ständigen Engpässen im Fall von Krankenständen und Urlauben. Das wiederum sei gerade in einem Arbeitsbereich, in dem Mitarbeiter:innen auch immer wieder mit Gewalt seitens etwa psychisch kranker Klient:innen konfrontiert seien beziehungsweise eine gute Betreuung auch Zeit für den einzelnen Menschen brauche, für die Beschäftigten sehr belastend. „Wir möchten die Menschen aber so unterstützen können, dass sie in der Gesellschaft ihren Platz finden, dass sie ihre Grenzen immer wieder überwinden und nicht nur die medizinische Betreuung im Vordergrund steht, sondern ihnen ein abwechslungsreiches Leben ermöglicht wird. Und das ist bei Personalknappheit sehr schwierig.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Persönlich findet Fessler seinen Ausgleich einerseits im Klettern, andererseits beim Kartenspiel. Sein Metier ist das Fantasy-Kartenspiel <em>Magic: The Gathering</em>, das mit Gleichgesinnten in Klubs gespielt werde, wie er erzählt.</p>



<p class="blauebox wp-block-paragraph"><strong>Zur Person</strong>:<br><strong>Clemens Fessler</strong>, geb. 1982 in Vorarlberg, studierte Geschichte und Bildungswissenschaft an der Universität Wien. Seit 2011 bei <em>BALANCE Leben ohne Barrieren </em>beschäftigt, zunächst als Betreuer in einer Wohngemeinschaft für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderungen. Seit 2012 Mitglied des Betriebsrats, seit 2014 Betriebsratsvorsitzender. Fessler lebt mit seiner Familie in Wien.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Geduld als Schlüssel zum Erfolg</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2023/05/15/geduld-als-schluessel-zum-erfolg/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Resei]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 May 2023 12:51:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<category><![CDATA[Behindertenbereich]]></category>
		<category><![CDATA[behindertenbetreuung]]></category>
		<category><![CDATA[Betreuung]]></category>
		<category><![CDATA[Marianne Schiel-Koren]]></category>
		<category><![CDATA[Menschen mit Behinderungen]]></category>
		<category><![CDATA[Pflege]]></category>
		<category><![CDATA[Pflegebonus]]></category>
		<category><![CDATA[Wiener Sozialdienste Förderung & Begleitung]]></category>
		<category><![CDATA[Zweckzuschuss]]></category>
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					<description><![CDATA[Seit einem halben Jahr ist Marianne Schiel-Koren Betriebsratsvorsitzende. Sie will die Lage in den sozialen Berufen verbessern. Die überzeugte Floridsdorferin engagiert sich auch in der Bezirks-Politik. Das Eintreten für gerechte Verhältnisse war Marianne Schiel-Koren schon als Teenagerin wichtig. „Ich war Klassensprecherin, da will man dann auch im weiteren Leben Verantwortung übernehmen“ sagt sie. Seit Dezember [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="731" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/05/Marianne-Schiel-Koren-1024x731.png" alt="" class="wp-image-19790" style="width:736px;height:525px" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/05/Marianne-Schiel-Koren-1024x731.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/05/Marianne-Schiel-Koren-300x214.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/05/Marianne-Schiel-Koren-150x107.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/05/Marianne-Schiel-Koren-768x548.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/05/Marianne-Schiel-Koren-1536x1097.png 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/05/Marianne-Schiel-Koren.png 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Foto: privat</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Seit einem halben Jahr ist Marianne Schiel-Koren Betriebsratsvorsitzende. Sie will die Lage in den sozialen Berufen verbessern. Die überzeugte Floridsdorferin engagiert sich auch in der Bezirks-Politik.</strong></p>



<span id="more-19789"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Das Eintreten für gerechte Verhältnisse war Marianne Schiel-Koren schon als Teenagerin wichtig. „Ich war Klassensprecherin, da will man dann auch im weiteren Leben Verantwortung übernehmen“ sagt sie. Seit Dezember 2022 ist sie Betriebsratsvorsitzende der Angestellten der Wiener Sozialdienste Förderung &amp; Begleitung. Sie vertritt mehr als 400 Menschen, eine vielseitige Belegschaft: TherapeutInnen (Logo, Physio, Ergo, Musik), SozialarbeiterInnen und -pädagogInnen, diplomierte FrühförderInnen, BehindertenpädagogInnen, ÄrztInnen und die „neuen“ Fach- und SozialbetreuerInnen. Schiel-Koren selber war bis letztes Jahr als diplomierte Behindertenpädagogin tätig.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Geduld ist wichtig</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die Arbeit im Behindertenbereich ist sehr facettenreich. Von schwerst beeinträchtigten Menschen, die Unterstützung beim Essen und der Hygiene benötigen bis zu Menschen, die sehr autonom leben und etwa Hilfe bei Amtswegen erhalten, reicht die Bandbreite. Schiel-Koren war 15 Jahre lang in Basalen Förderklassen tätig mit schwerst mehrfach behinderten Kindern. „Ich habe in Kleingruppen mit vier bis fünf Kindern gearbeitet und konnte auf jedes Einzelne eingehen“, erzählt die Betriebsratsvorsitzende. Erfolge stellen sich oft erst nach langer Zeit ein. „Es ist schon ein tolles Gefühl, wenn ein betreutes Kind nach rund einem Jahr das erste Mal anzeigt, dass es Durst hat – damit hat das Kind einen Weg gefunden, mit seiner Umwelt zu kommunizieren.“</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Leider wird der Sozialbereich gerne mit einem Ehrenamt verwechselt“</p>
<cite>Marianne Schiel-Koren</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Die Arbeit mit Menschen wird von der Öffentlichkeit unterschätzt. Es braucht ein hohes Maß an Belastbarkeit, Geduld und Ausdauer, um auf andere Menschen eingehen zu können und empfänglich für ihre Stimmungen zu sein. Die Betriebsratsvorsitzende: „Leider wird der Sozialbereich gerne mit einem Ehrenamt verwechselt“. Das Argument, so viel zurück zu bekommen, würde immer gerne benutzt. „Einige nehmen zwar viel Kraft und Energie aus dem Beruf, doch die Bezahlung bietet derzeit kaum Absicherung für Mietanstiege und höhere Lebenskosten.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Den Leuten zuhören</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die Betriebsratsarbeit besteht oft aus vielen kleinen Dingen. So schaut Marianne Schiel-Koren darauf, dass Betriebsvereinbarungen umgesetzt werden und hört den Menschen zu: „Oft hilft es, sich ein bisschen zurückzunehmen damit die Menschen einfach reden können“. Die Arbeit belastet viele MitarbeiterInnen und die sind froh einmal alles aussprechen zu können. „Danke, dass du mich siehst“, ist ein Satz, den die Betriebsratsvorsitzende bisweilen von KollegInnen hört und der sie erfreut.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Zweckzuschuss nicht für alle</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Problem, dass derzeit viele beschäftigt, ist der Zweckzuschuss. Das ist eine staatliche Einmalzahlung für Beschäftigte im Pflege- und Betreuungsbereich. Doch viele ArbeitnehmerInnen im Behindertenbereich sind davon ausgeschlossen. Um dieses Geld zu erhalten, müssen die MitarbeiterInnen eine bestimmte Ausbildung abgeschlossen haben. Es wird aber dabei nicht berücksichtigt, welche Arbeit tatsächlich geleistet wird. So kann es vorkommen, dass in einem Team MitarbeiterInnen die gleiche Arbeit verrichten, aber nur ein Teil davon den Zuschuss erhält. Der andere Teil ist zwar auch qualifiziert, hat aber die im Gesetz beschriebene Ausbildung nicht absolviert. BetriebsrätInnen aus den betroffenen sozialen Organisationen haben eine Petition dagegen initiiert und fordern die Politik auf, diese Ungerechtigkeit zu beenden.</p>



<div class="wp-block-group rotebox"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<h4 class="wp-block-heading">Hast du schon einmal überlegt selbst einen Betriebsrat zu gründen?</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn es bei dir im Betrieb mindestens 5 Beschäftigte gibt, kann eine Betriebsratswahl stattfinden. Dein Chef/deine Chefin, darf die Wahl nicht behindern. Als Betriebsrätin/Betriebsrat hast du einen besonderen Kündigungsschutz und du kannst einen Teil deiner Arbeitszeit für die Betriebsratstätigkeit verwenden. Wir unterstützen und begleiten dich und deine KollegInnen bei der Durchführung der Betriebsratswahl.<br>Du möchtest mit uns darüber reden? Dann wende dich an unsere Beratung in deinem Bundesland. Alle Kontakte findest du hier: <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.gpa.at/kontakt" target="_blank" aria-label="https://www.gpa.at/kontakt (öffnet in neuem Tab)">https://www.gpa.at/kontakt</a></p>
</div></div>



<p class="wp-block-paragraph"> </p>



<h4 class="wp-block-heading">Aufgaben gemeinsam erledigen</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Auf ihr Amt hat sich Marianne Schiel-Koren längere Zeit vorbereitet und besuchte dafür die Wiener Betriebräts:innen Akademie, das dabei erlernte Wissen, kann sie heute gut gebrauchen. „Der konzentrierte Austausch mit anderen BetriebsrätInnen hat viele Erkenntnisse gebracht“. Derzeit beginnt ihr Arbeitstag um 8 Uhr – in der Straßenbahn: „Hier bearbeite ich meine Mails und mache Termine“, erklärt Schiel-Koren, die bis 19 Uhr für KollegInnen auf dem Handy erreichbar ist. Arbeit und komplexe Probleme gibt es reichlich. Mittlerweile hat die gebürtige Wienerin auch gelernt, Aufgaben zu delegieren. </p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Der konzentrierte Austausch mit anderen BetriebsrätInnen hat viele Erkenntnisse gebracht.“</p>
<cite>Marianne Schiel-Koren</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Als sie kürzlich erkrankte, ist ihr Team eingesprungen und es hat „wunderbar funktioniert, obwohl es viele Neue im Betriebsratsgremium gibt“. Die bald 39-Jährige war es gewohnt 20 Jahre mit Menschen zu arbeiten, nun hat sie das erste Mal einen Bürojob. Das Zimmer teilt sie sich aber mit ihrer Administrations-Kraft Jevgenija Selmanovic. „Sie nimmt mir viele Aufgaben ab und ich bin froh nicht alleine arbeiten zu müssen“.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Loblied auf den 21. Bezirk</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Marianne Schiel-Koren ist mit Leib und Seele Floridsdorferin und engagiert sich auch in der Bezirks-Politik. Die Mischung aus urban und ländlich hat es ihr angetan: Schiel-Koren hebt Öffi-Anbindung wie moderne Infrastruktur hervor und kann trotzdem Weinberge samt regionalem Anbau genießen: „Ein Viertel des Wiener Weins soll aus Floridsdorf kommen“. Die Begeisterung passt auch zur Berufung als Lokalpolitikerin. „Ich war eine Periode Jugendbezirksrätin, und habe da vor allem mit den Jugendzentren kommuniziert“ Dabei betreute sie auch das Jugendparlament „Word up!21&#8243;. Junge FloridsdorferInnen konnten dabei ihre Wünsche an den Bezirk artikulieren und einen Teil davon umsetzen. „Das war ein ganz feines basisdemokratisches Projekt.“</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/05/Marianne-Schiel-Koren2.jpg" alt="" class="wp-image-19791" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/05/Marianne-Schiel-Koren2.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/05/Marianne-Schiel-Koren2-300x225.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/05/Marianne-Schiel-Koren2-150x113.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/05/Marianne-Schiel-Koren2-768x576.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Marianne Schiel-Koren (Mitte) beim Kochen im Suppentopf</strong><br>Foto: privat</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Nun ist sie Mitglied der Sozial- und Zivilschutzkommission. Im aktuellen Projekt „Suppentopf“ kocht sie gemeinsam mit anderen BezirkspolitikerInnen für bedürftige Menschen. Denn auch in Floridsdorf leiden genug Menschen unter den aktuellen Erhöhungen bei Mieten, Heizung und Strom. Nicht alles läuft in der Bezirkspolitik harmonisch ab, es kann durchaus auch zu Konflikten kommen. Im Jahr 2015 etwa, hat Floridsdorf innerhalb kürzester Zeit viele geflüchtete Menschen aufgenommen, auch damals war Schiel-Koren bereits Bezirksrätin. „Wir hatten dann mehrere Bürgerveranstaltungen, dabei sind einige AnrainerInnen hochemotional und sehr verängstigt auf uns zugekommen“, erinnert sich die Betriebsratsvorsitzende und Bezirksrätin. „Diese Emotionen muss man aushalten, denn die Leute sehen dich als Politikerin – für sie bist du derjenige, der das so entschieden hat.“ Wer solche Aggressionen ertragen kann, muss gute Nerven haben, besonders Politikerinnen haben es dann schwer, denn sie werden härter kritisiert als Männer. „Viele denken in Mustern“, glaubt Marianne Schiel-Koren. „Frauen, die offen und vehement ihre Meinung vertreten, werden oft als unangenehm empfunden – Männer hingegen gelten als Macher.“</p>



<p class="wp-block-paragraph"> </p>



<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<h4 class="wp-block-heading">Das könnte dich auch interessieren: </h4>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="https://kompetenz-online.at/2023/03/09/betriebsrat-ohne-vertrauen-geht-nichts/" aria-label="Margit Luxner">Margit Luxner</a> ist Betriebsratsvorsitzende im Altenwohnheim im Altenwohnheim in Kitzbühel und hat für die Beschäftigten eine bessere Anrechnung der Vordienstzeiten erkämpft. </li>



<li>In der Pflege fehlt es überall am Personal und am Nachwuchs, die Situation ist nach wie vor extrem angespannt. <a href="https://kompetenz-online.at/2023/05/15/geduld-als-schluessel-zum-erfolg/" aria-label="Sabine Maier und Markus Prantl">Sabine Maier und Markus Prantl</a>, beide BetriebsrätInnen in Pflegeeinrichtungen, kritisieren den akuten Personalmangel und fordern von der Politik tiefgreifende Verbesserungen.</li>



<li>Mehr über die&nbsp;<a href="https://kompetenz-online.at/2020/03/17/bindeglied-zwischen-chef-und-beschaeftigten/" aria-label="Rechte und Pflichten eines Betriebsrats">Rechte und Pflichten eines Betriebsrats</a>&nbsp;verrät dir unsere Rechtsexpertin Andrea Komar.</li>
</ul>
</div></div>



<p class="wp-block-paragraph"> </p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„Steter Tropfen höhlt den Stein“</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2022/11/22/steter-tropfen-hoehlt-den-stein/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Johannes Gress]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Nov 2022 10:21:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Kollektivvertrag]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<category><![CDATA[Behindertenbereich]]></category>
		<category><![CDATA[behindertenbetreuung]]></category>
		<category><![CDATA[Betreuung]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Hörhan]]></category>
		<category><![CDATA[Johannes Gress]]></category>
		<category><![CDATA[Kollektivverträge]]></category>
		<category><![CDATA[Kollektivvertragsverhandlung]]></category>
		<category><![CDATA[Lebenshilfe]]></category>
		<category><![CDATA[Pflege]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialwirtschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kompetenz-online.at/?p=19149</guid>

					<description><![CDATA[Seit 2017 ist Christian Hörhan Betriebsratsvorsitzender bei der Lebenshilfe Niederösterreich. Manchmal habe er das Gefühl er kämpfe gegen Windmühlen, aber zum Aufgeben habe er den falschen Job.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe4-1024x683.png" alt="" class="wp-image-19151" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe4-1024x683.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe4-300x200.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe4-150x100.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe4-768x512.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe4-600x400.png 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe4-720x480.png 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe4-272x182.png 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe4.png 1500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Foto: Johannes Gress</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Seit 2017 ist Christian Hörhan Betriebsratsvorsitzender bei der Lebenshilfe Niederösterreich. Manchmal habe er das Gefühl er kämpfe gegen Windmühlen, aber zum Aufgeben habe er den falschen Job.</strong></p>



<span id="more-19149"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Der überlebensgroße 3D-Schriftzug „Lebenshilfe“ wirkt etwas deplatziert. Am Eingang zum Industriegelände am Rand von Sollenau (Bezirk Wiener Neustadt-Land), das überwiegend aus Baustellen, Bauzäunen, Fabrikhallen und einem Verteilerzentrum der Post besteht, mag man auf den ersten Blick keine Sozialeinrichtung vermuten. Erst im hinteren Teil des Geländes, wo die Wohnhäuser der Behindertenbetreuung der Lebenshilfe untergebracht sind, wirkt die Szenerie einladender, natürlicher, grüner. Am freundlichsten wirkt der Quittenbaum vor Christian Hörhans Büro.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hörhan ist Betriebsratsvorsitzender der Lebenshilfe Niederösterreich. Der 45-Jährige trägt ein dunkelrotes Shirt und eine dunkle Brille, schwarzes Haar, spricht langsam und bedacht, und neigt dazu, sich gelegentlich in Schachtelsätzen zu verirren, ehe er wieder zum eigentlichen Punkt zurückkommt. Er schlägt sich täglich ganz <a href="https://kompetenz-online.at/2022/11/03/lebenshilfe-noe-342-beschaeftigte-bekommen-keinen-bonus/" aria-label="konkret mit jenen Problemen">konkret mit jenen Problemen</a> rum, die medial nur ganz abstrakt als „Pflegekrise“ durch die Gegend schwirren. Eine manchmal mühselige, kräftezehrende Arbeit, wie er sagt. Aber zum Aufgeben hätte er den falschen Job. Seine Bürotasse trägt die Aufschrift „Für einen Burnout fehlt mir einfach die Zeit“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf Hörhans Schreibtisch verteilen sich mal größere, mal kleinere Papierstapel, diverse Folder, Folien. Viele der Schriftstücke drehen sich um die derzeit laufenden Kollektivvertragsverhandlungen der Sozialwirtschaft Österreich (SWÖ). „Höheres Einkommen. Mehr Freizeit. Bessere Arbeitsbedingungen“ steht auf einem der Folder, „Kämpfen wir gemeinsam für einen guten KV-Abschluss“ auf einem anderen. Hörhan saß auch bei den diesjährigen Verhandlungen im kleinen Verhandlungsteam. Inzwischen sind die <a href="https://www.gpa.at/kollektivvertrag/gesundheit-und-soziales/sozialwirtschaft-oesterreich/2023/kv-sozialwirtschaft--loehne-und-gehaelter-steigen-um-bis-zu-10-2" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="Verhandlungen abgeschlossen (öffnet in neuem Tab)">Verhandlungen abgeschlossen</a>. </p>



<h4 class="wp-block-heading">Bis 10,2 Prozent Lohn- und Gehaltserhöhung</h4>



<p class="wp-block-paragraph">15 Prozent mehr Gehalt haben er und seine KollegInnen gefordert. Begleitet wurden die Verhandlungen von Protesten und Warnstreiks und einer Demonstration mit mehr als 3.000 Beschäftigten in Wien. Geworden sind es schließlich in der 4. Verhandlungsrunde   bis zu 10,2 Prozent, wobei die unteren Einkommen stärker ansteigen. Im Detail: Alle Löhne und Gehälter werden um 8 Prozent erhöht, wobei aber alle monatlich mindestens um 175 Euro erhöht werden. Das führt in der untersten Einkommensgruppe eben zu einer Gehaltserhöhung in Höhe von 10,2 Prozent und schleift sich je nach Gehaltshöhe prozentuell nach oben ein. </p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">„Der Geldgeber sitzt nicht am Verhandlungstisch und wer am Verhandlungstisch sitzt, sitzt nicht am Geldhahn“</p>
<cite>Christian Hörhan</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Jedes Mal wieder stehen Hörhan und seine KollegInnen bei den Verhandlungen vor einem Problem, das die KV-VerhandlerInnen aus anderen Branchen so nicht kennen: Der Geldgeber sitzt nicht mit am Tisch. Finanziert werden die Sozialeinrichtungen, wie etwa die Lebenshilfe, nämlich vom Land bzw. dem Bund. Hörhan spricht von einer „absurden Situation“: „Der Geldgeber sitzt nicht am Verhandlungstisch und wer am Verhandlungstisch sitzt, sitzt nicht am Geldhahn“. Mit dem Ergebnis, dass Forderungen nach besserer Bezahlung, auch in Form von Betriebsversammlungen und Streiks, oftmals ins Leere laufen. An die öffentliche Hand adressiert spricht Hörhan von einer „politischen Frage“: Was ist dem Land und dem Bund unsere Branche wert?</p>



<h4 class="wp-block-heading">Warum? Warum!</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Hörhan schnupperte erstmals als Zivildiener etwas Lebenshilfe-Luft, machte dann aber eine Ausbildung zum Gärtner und Floristen. Erst 1999, die liebgewonnene Erinnerung an den Zivildienst noch im Hinterkopf, kehrte er zur Lebenshilfe zurück. 2009 wurde er erstmals in den Betriebsrat gewählt, 2014 zum stellvertretenden Betriebsratschef – und 2017 schließlich Betriebsratsvorsitzender.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf die Frage „warum“ antwortet Hörhan mit „warum“. „Meine Gene zwingen es mir auf, immer die Frage nach dem Warum zu stellen“, erläutert der Betriebsrat. „Ich kann nicht anders, als Sachen ständig zu hinterfragen. Und wenn ich auf „Warum?“ keine plausible Antwort bekomme, dann bohre ich weiter“. Beständiges kritisches Hinterfragen, weiterbohren – das seien im Grunde auch die Grundzutaten für eine erfolgreiche Betriebsratsarbeit.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Aber wenn man sich schnelle Veränderungen erhofft, ist man als Betriebsratsvorsitzender wahrscheinlich nicht am richtigen Posten“</p>
<cite>Christian Hörhan</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">In seinen ersten Monaten als Betriebsrat aber „wurden die Fragezeichen und die Warum noch sehr viel mehr“, erinnert sich der 45-Jährige. Anfangs dachte er, „ich bin zu blöd dazu, weil ich keinen Durchblick hatte“. Erst langsam sei er in seine Rolle hineingewachsen, durch Betriebsratsschulungen, Dutzende Betriebsratssitzungen und vor allem der Unterstützung seiner BetriebsratskollegInnen.</p>



<div class="wp-block-group rotebox"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<h4 class="wp-block-heading">Hast du schon einmal überlegt selbst einen Betriebsrat zu gründen?</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn es bei dir im Betrieb mindestens 5 Beschäftigte gibt, kann eine Betriebsratswahl stattfinden. Dein Chef/deine Chefin, darf die Wahl nicht behindern. Als Betriebsrätin/Betriebsrat hast du einen besonderen Kündigungsschutz und du kannst einen Teil deiner Arbeitszeit für die Betriebsratstätigkeit verwenden. Wir unterstützen und begleiten dich und deine KollegInnen bei der Durchführung der Betriebsratswahl.<br>Du möchtest mit uns darüber reden? Dann wende dich an unsere Beratung in deinem Bundesland. Alle Kontakte findest du hier: <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.gpa.at/kontakt" target="_blank" aria-label="https://www.gpa.at/kontakt (öffnet in neuem Tab)">https://www.gpa.at/kontakt</a></p>
</div></div>



<h4 class="wp-block-heading">Altbekannte Probleme</h4>



<p class="wp-block-paragraph">An den Problemstellungen habe sich – mit „Corona“ als unwillkommene Ausnahme – seither wenig verändert: Die Branche ist chronisch unterfinanziert – was in den allermeisten Fällen auf die Beschäftigten abgewälzt wird. Die Einkommen sind zu niedrig, die Belastung zu hoch, die Personaldecke zu dünn. Die Zahl der BewerberInnen gehe seit Jahren sukzessive zurück. Mittlerweile hätten sie sogar Probleme, bestehendes Personal zu halten. Teils wanderten MitarbeiterInnen in den Einzelhandel ab; nicht unbedingt eine Branche, die für ihre hervorragenden Arbeitsbedingungen bekannt ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ob ihn das als Betriebsrat manchmal frustet? „Natürlich hat man das Gefühl, man arbeitet gegen Windmühlen“, muss Hörhan zugeben. „Aber wenn man sich schnelle Veränderungen erhofft, ist man als Betriebsratsvorsitzender wahrscheinlich nicht am richtigen Posten“. Manche Probleme ließen sich zügig lösen, bei anderen brauche man eben einen längeren Atem. Dann sagt Hörhan einen seiner Lieblingssätze: „Steter Tropfen höhlt den Stein“.</p>



<p class="blauebox wp-block-paragraph"><strong>Zur Person:</strong><br>Christian Hörhan, 45, wurde in Purgstall an der Erlauf (Bezirk Scheibbs) geboren und wohnt im Bärnkopf (Bezirk Zwettl). Seit 2009 ist er Betriebsrat bei der Lebenshilfe Niederösterreich, seit 2017 ebendort Betriebsratsvorsitzender. Zuvor absolvierte er eine Ausbildung zum Gärtner und Floristen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Das könnte dich auch interessieren: </h4>



<ul class="wp-block-list">
<li>Lies hier wie Christian Hörhan dafür kämpft, dass alle Beschäftigten den <a href="https://kompetenz-online.at/2022/11/03/lebenshilfe-noe-342-beschaeftigte-bekommen-keinen-bonus/" aria-label="Pflegebonus">Pflegebonus</a> bekommen.</li>



<li>Die Diplomsozialpädagogin <a href="https://kompetenz-online.at/2022/11/08/ein-offenes-ohr-fuer-1500-kolleginnen/" aria-label="Leyla Özkan">Leyla Özkan</a> verhandelt Kollektivverträge für den gesamten Sozialbereich und vertritt 1500 Beschäftigte bei der Volkshilfe Oberösterreich</li>



<li>Mehr über die&nbsp;<a href="https://kompetenz-online.at/2020/03/17/bindeglied-zwischen-chef-und-beschaeftigten/" aria-label="Rechte und Pflichten eines Betriebsrats">Rechte und Pflichten eines Betriebsrats</a>&nbsp;verrät dir unsere Rechtsexpertin Andrea Komar</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Lebenshilfe NÖ: 342 Beschäftigte bekommen keinen Bonus</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2022/11/03/lebenshilfe-noe-342-beschaeftigte-bekommen-keinen-bonus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Johannes Gress]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Nov 2022 18:51:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2022/04]]></category>
		<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Recht]]></category>
		<category><![CDATA[Behindertenbereich]]></category>
		<category><![CDATA[behindertenbetreuung]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Hörhan]]></category>
		<category><![CDATA[Coronabonus]]></category>
		<category><![CDATA[Lebenshilfe]]></category>
		<category><![CDATA[Pflege]]></category>
		<category><![CDATA[Pflegebonus]]></category>
		<category><![CDATA[Pflegereform]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Beschäftigten in den Pflegebetreungsberufen sollten mehr Geld bekommen. In Niederösterreich scheitert es für einen Teil der Beschäftigen an der Umsetzung. Der Betriebsrat der Lebenshilfe Christian Hörhan fordert die Landesregierung zum Nachbessern auf. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large advgb-dyn-6ebe88e1"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-19081" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe-1024x683.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe-150x100.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe-768x512.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe-1536x1024.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe-2048x1365.jpg 2048w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe-600x400.jpg 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe-272x182.jpg 272w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Betriebsratsvorsitzende der Lebenshilfe Niederösterreich Christian Hörhan mit Julia Fenninger. Sie bekommt keinen Pflegebonus, obwohl sie in der Behindertenbetreuung arbeitet und pflegerische Tätigkeiten verrichtet.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mit der verkorksten Entgelterhöhung für Beschäftigte in Pflege- und Betreuungsberufen zeige die Regierung einmal mehr, wie wenig Ahnung sie von der Branche hat, kritisieren Beschäftigte der Lebenshilfe Niederösterreich.</strong></p>



<span id="more-19079"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Mehr Geld für alle sollte es werden. Eine Extrazahlung für alle in Pflege- und Betreuungsberufen beschäftigten Personen. Nur unter alle fallen offenbar nicht alle. In der Lebenshilfe Niederösterreich arbeiten 796 Menschen im Pflegebereich, 454 von ihnen können sich (voraussichtlich) Anfang kommenden Jahres über eine Bonuszahlung „im unteren vierstelligen Bereich“ freuen. Ihre 342 KollegInnen gehen leer aus. Dabei verrichten sie dieselben Tätigkeiten, arbeiten oft im selben Team. MitarbeiterInnen der Lebenshilfe Niederösterreich, mit denen KOMPETENZ gesprochen hat, sprechen von „Keiltreiberei“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Problem verbirgt sich hinter vielerlei Abkürzungen. Entscheidend ist Art. 15a B-VG des EEZG und der Unterschied von FSB, UBV und DGKP. In der 15a-Vereinbarung des EEZG, des sogenannten Entgelterhöhungs-Zweckzuschussgesetzes, sind jene Berufsgruppen zusammengefasst, die die Entgelterhöhung erhalten sollen. Die Zahlung ist Teil des im Mai groß angekündigten und im September konkretisierten Pflegepakets der Regierung. Darin ist auch eine Sonderzahlung vorgesehen, einst hieß es in Höhe von etwa einem Monatsgehalt, Details sind bis dato offen. Medial ist mittlerweile von einem Betrag „im unteren vierstelligen Bereich“ die Rede. Der Bund will dafür rund 570 Millionen Euro ausgeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Hintergedanke: Eine Art Entschädigung für die Beschäftigten für zwei Corona-Jahre, zwei Jahre Arbeiten am Limit und darüber hinaus. Insgesamt solle damit auch der Pflegeberuf attraktiver werden, denn <a href="https://kompetenz-online.at/2022/06/02/sozialwirtschaft-die-eisdecke-wird-immer-duenner/" aria-label="Österreich braucht bis zum Jahr 2030 rund 70.000 zusätzliche Pflegekräfte">Österreich braucht bis zum Jahr 2030 rund 70.000 zusätzliche Pflegekräfte</a>. Das Gegenteil sei derzeit der Fall, beobachtet Christian Hörhan, Betriebsratsvorsitzender der Lebenshilfe Niederösterreich. Hätten sich vor fünf bis zehn Jahren noch die Bewerbungen gestapelt, seien aktuell <a href="https://kompetenz-online.at/2022/10/13/fachkraeftemangel-selber-schuld/" aria-label="Stellen oft monatelang ausgeschrieben">Stellen oft monatelang ausgeschrieben</a> – „ohne dass sich auch nur eine Person bewirbt“.</p>



<h4 class="wp-block-heading">„Ich trage genauso Verantwortung“</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Eine, die sich vor zehn Jahre beworben hatte, ist Julia Fenninger. Die Anfang 30-Jährige sitzt im Betriebsratsbüro im Erdgeschoss der Lebenshilfe Sollenau (Bezirk Wiener Neustadt-Land). Sie ist gelernte Köchin und wagte sich als Quereinsteigerin zur Lebenshilfe. Seit 2012 arbeitet sie in der Behindertenbetreuung. Zwar absolvierte sie keine facheinschlägige Ausbildung, also etwa zur Fachsozialbetreuerin (FSB) oder Diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegerin (DGKP), jedoch ein verpflichtendes UBV-Modul (Unterstützung bei der Basisversorgung). Eine solche Schulung berechtigt sie dazu, grundpflegerische Tätigkeiten unter Anleitung einer Diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegerin auszuüben. Folglich verrichtet sie seit Jahren dieselben Tätigkeiten wie ihre KollegInnen – eine Entgelterhöhung bekommt sie trotzdem nicht. Denn MitarbeiterInnen in multiprofessionellen Teams wie Fenninger sind in der 15a-Vereinbarung nicht vorgesehen. „Ich assistiere KlientInnen bei der Medikamenteneinnahme, übernehme dieselben pflegerischen Tätigkeiten und trage die gleiche Verantwortung wie meine KollegInnen“, ärgert sich Fenninger.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow advgb-dyn-240fbc80">
<p class="wp-block-paragraph">„Ich assistiere KlientInnen bei der Medikamenteneinnahme, übernehme dieselben pflegerischen Tätigkeiten und trage die gleiche Verantwortung wie meine KollegInnen.“</p>
<cite>Julia Fenninger</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Während der Pandemie sei sie dem Virus genauso ausgesetzt gewesen wie alle anderen im Team, arbeitete teils in voller Schutzausrüstung, während ein ganzes Haus voller KlientInnen mit Corona infiziert war. „Ich arbeite direkt an der Front – und bekomme keinen Bonus“.  </p>



<p class="wp-block-paragraph">Mittlerweile sei die Personalsituation angespannter als je zuvor, beklagt Fenninger. Fehlt es in der Industrie an Personal – wird weniger produziert. Diese Alternative besteht in der Pflege und in Betreuungsberufen nicht. „Die Menschen, die wir betreuen, haben dieselben Bedürfnisse wie immer, da ist es egal ob wir fünf oder zwei BetreuerInnen haben“, beklagt Fenninger. Die gelernte Köchin betont immer wieder, wie wohl sie sich grundsätzlich in ihrem neuen Job fühle – „aber das funktioniert einfach nicht mehr. Wir kommen in eine Situation, in der wir selbst die Grundbedürfnisse unser KlientInnen nicht mehr erfüllen können“.</p>



<h4 class="wp-block-heading">„Keiltreiberei“</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Rund 150 Kilometer weiter westlich ist die Situation eine ähnliche. Bei der Lebenshilfe in Aschbach-Markt (Bezirk Amstetten) arbeiten Paul Meierhofer und Anja Reitbauer Seite an Seite. Er ist Fachsozialbetreuer Behindertenarbeit, sie Sozial- und Kindergartenpädagogin mit UBV-Schulung – er bekommt eine Entgelterhöhung, sie nicht. <em>Warum?</em> Beiden fehlt das Verständnis dafür. Auch wenn Meierhofer sich grundsätzlich über die Zahlung freut, betrachtet er die Ungleichbehandlung als „Keiltreiberei“. Dadurch zeige die Politik einmal mehr, dass sie von den Vorgängen im Sozial- und Pflegebereich wenig Ahnung habe – dass bei Einrichtungen wie der Lebenshilfe eben auch Menschen Pflegetätigkeiten ausüben, deren Titel oder Ausbildung nicht das Wort „Pflege“ oder „Behindertenarbeit“ beinhalte. </p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow advgb-dyn-3a0387b1">
<p class="wp-block-paragraph">„Ich glaube, es geht da gar nicht um Böswilligkeit, sondern um Unwissenheit. Den EntscheidungsträgerInnen fehlt einfach der Einblick in unsere Arbeit“</p>
<cite>Anja Reitbauer</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Menschen wie Anja Reitbauer, die zwar fünf Jahre Kindergartenpädagogik, zwei Jahre Sozialpädagogik auf dem Buckel hat, zusätzlich eine UBV-Schulung absolvierte – und deren Tätigkeiten sich von Meierhofers nicht unterscheiden – gehen dadurch leer aus. „Ich glaube, es geht da gar nicht um Böswilligkeit, sondern um Unwissenheit. Den EntscheidungsträgerInnen fehlt einfach der Einblick in unsere Arbeit“, kritisiert Reitbauer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In seinem Büro in Sollenau versucht sich Betriebsratsvorsitzender Christian Hörhan gegen den Be- bzw. Fehlschluss der Regierung zu stemmen. Was ihn freut: Die Solidarität unter den Beschäftigten ist groß. 507 Unterschriften (von knapp 800 in der Betreuung tätigen MitarbeiterInnen) konnte er sammeln, das heißt, auch von jenen, die den Bonus erhalten werden. Zusammen mit einem Brief und einer Bitte um Stellungnahme gingen diese Ende Oktober an Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne), Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP), Landeshauptfrau Johanna Mickl-Leitner (ÖVP) und Soziallandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP). Eine Antwort stand bis Redaktionsschluss noch aus.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Zukunft Krise?</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Zu wenig Bezahlung, zu wenig Wertschätzung, zu wenig Personal – es sind die immer selben Forderungen, die seit Jahren von den Beschäftigten an die Regierungen herangetragen werden. Mit den immer selben Unvermögen der Verantwortlichen gegen die Gesundheits- und Pflegekrise etwas zu unternehmen. Dass viele der Beschäftigten der Branche irgendwann den Rücken kehren – Hörhan, Fenninger, Meierhofer und Reitbauer haben volles Verständnis.</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
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</div></figure>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
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		<title>Sicher ohne Gewalt im Job</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2022/06/02/sicher-ohne-gewalt-im-job/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Barbara Lavaud]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Jun 2022 10:14:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2022/02]]></category>
		<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Coverstories]]></category>
		<category><![CDATA[Recht]]></category>
		<category><![CDATA[Angelika Hlawaty]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Barbara Teiber]]></category>
		<category><![CDATA[behindertenbetreuung]]></category>
		<category><![CDATA[Beratung]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Jugend am Werk]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Müllauer]]></category>
		<category><![CDATA[Morawa]]></category>
		<category><![CDATA[Pflege]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialwirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Von Beschimpfungen, Beleidigungen und Drohungen bis hin zu sexueller Belästigung und körperlichen Angriffen kennt Gewalt am Arbeitsplatz viele Facetten und hat während der Pandemie sprunghaft zugenommen. Das zeigt auch eine Umfrage im Auftrag der GPA. Wie können sich ArbeitnehmerInnen schützen?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/AdobeStock_83804003-1024x683.png" alt="" class="wp-image-18474" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/AdobeStock_83804003-1024x683.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/AdobeStock_83804003-300x200.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/AdobeStock_83804003-150x100.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/AdobeStock_83804003-768x512.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/AdobeStock_83804003-600x400.png 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/AdobeStock_83804003-720x480.png 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/AdobeStock_83804003-272x182.png 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/AdobeStock_83804003.png 1500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Foto: Adobe Stock</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Von Beschimpfungen, Beleidigungen und Drohungen bis hin zu sexueller Belästigung und körperlichen Angriffen kennt Gewalt am Arbeitsplatz viele Facetten und hat während der Pandemie sprunghaft zugenommen. Das zeigt auch eine Umfrage im Auftrag der <a href="https://www.gpa.at/" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="GPA (öffnet in neuem Tab)">GPA</a>. Wie können sich ArbeitnehmerInnen schützen?</strong></p>



<span id="more-18473"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Weil ihr das Warten zu lange dauert, verliert die Kundin die Geduld und schreit die Mitarbeiterin an der Kassa an. Zwei Männer wollen ihren 2G-Nachweis nicht am Eingang vorweisen, daher pöbeln sie den jungen Angestellten des Pflegeheims an. Solche Situationen haben wir alle in den letzten zwei Jahren beobachtet. Die Pandemie, so berichten BetriebsrätInnen und Beschäftigte, hat Dämme gebrochen. Die Gewalt am Arbeitsplatz nahm spürbar zu. Die Beschäftigten in Krankenhäusern fühlten sich bedroht, wenn vor der Tür die aufgebrachte Menge gegen die Impfungen demonstrierte. JournalistInnen wurden von Maßnahmen-GegnerInnen auf Demos angepöbelt und an ihrer Arbeit gehindert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Egal in welcher Situation: <a href="https://www.gpa.at/themen/gesellschaft-und-soziales/sicher-ohne-gewalt-im-job-" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="Gewalt am Arbeitsplatz (öffnet in neuem Tab)">Gewalt am Arbeitsplatz</a> muss niemand tolerieren. „ArbeitnehmerInnen verdienen Respekt und müssen bei ihrer Tätigkeit vor allen Formen der Gewalt geschützt werden“, betont GPA-Vorsitzende Barbara Teiber, „Die Verantwortung dafür trägt der Arbeitgeber. Er oder sie hat die Verpflichtung, geeignete Schutzmaßnahmen zu treffen.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Umfrage</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Gewalt am Arbeitsplatz fängt nicht erst bei Schlägen oder Fußtritten an. Eine <a href="https://www.gpa.at/themen/gesellschaft-und-soziales/sicher-ohne-gewalt-im-job-" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="aktuelle Umfrage des IFES-Instituts (öffnet in neuem Tab)">aktuelle Umfrage des IFES-Instituts</a>, durchgeführt im Auftrag der GPA, ergab: Verbale Übergriffe wie Herumschreien, Beleidigungen oder Drohungen sind die häufigste Form von Gewalt. 56 Prozent der Befragten mussten dies in den letzten zwei Jahren am Arbeitsplatz miterleben, 39 Prozent an der eigenen Person. Eine(r) von zehn war außerdem von verbaler sexueller Belästigung betroffen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="614" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Gewalt-am-Arbeitsplatz-1024x614.png" alt="" class="wp-image-18489" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Gewalt-am-Arbeitsplatz-1024x614.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Gewalt-am-Arbeitsplatz-300x180.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Gewalt-am-Arbeitsplatz-150x90.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Gewalt-am-Arbeitsplatz-768x461.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Gewalt-am-Arbeitsplatz-1536x922.png 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Gewalt-am-Arbeitsplatz-2048x1229.png 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Menschen, die im Alltag (auch) eine osteuropäische Sprache sprechen, sind häufiger betroffen, als Personen, die Deutsch sprechen. So werden z.B. PflegerInnen mit Migrationshintergrund öfter Opfer von verbaler Gewalt oder Übergriffen als ihre österreichischen KollegInnen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„ArbeitnehmerInnen verdienen Respekt und müssen bei ihrer Tätigkeit vor allen Formen der Gewalt geschützt werden.“</p><cite>Barbara Teiber</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Die IFES-Daten zeigen, dass Bereiche mit KundInnenkontakt, wie Pflegeberufe und der Handel, in größerem Ausmaß von Gewalt und Aggression betroffen sind, da der Stress und die Überlastung in den letzten Jahren deutlich stärker geworden sind. Zu lange Warteschlangen oder extremer Zeitdruck infolge von Personalmangel führen entsprechend häufiger zu aggressiven Zwischenfällen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dort, wo Übergriffe stattfinden, sind es mehrheitlich Männer, die sie begehen: In erster Linie Kunden und Klienten, aber auch Kollegen und Vorgesetzte. Umgekehrt sind Frauen, und hier wiederum jüngere Frauen, öfter die Opfer von Gewalt.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Maßnahmen</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Wie können nun ArbeitgeberInnen, die aufgrund ihrer Sorgfaltspflicht für ihre Beschäftigten verantwortlich sind, diese besser gegen Gewalt schützen? Ein erster Schritt wären organisatorische Maßnahmen, wie z.B. Regeln zum Umgang miteinander oder Sicherheitsbesprechungen. Kommt es in Betrieben immer wieder zu Übergriffen, so sind Schulungsmaßnahmen und Konflikttrainings sinnvoll. „Bei uns gibt es schon länger Deeskalationstrainings für die KollegInnen“, berichtet Angelika Hlawaty, BR-Vorsitzende bei ‚Jugend am Werk’. Wichtig ist hier, so Hlawaty weiter, ein gemeinsames Gewaltverständnis und Regeln zum Umgang mit Gewalt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Supervision, Coaching und Krisenintervention sind zielführend, werden aber von nur rund 25 Prozent der Betriebe angeboten, denn solche Maßnahmen sind kostenintensiv. Große Handelsketten können sich Prävention besser leisten als kleine PMUs, weiß Martin Müllauer, BR-Vorsitzender bei Morawa Buch und Medien: „Hier hätte die Regierung während der Pandemie den Handel besser unterstützen müssen und Geld zur Verfügung stellen.“<br>Technische Maßnahmen, von Beleuchtung und Überwachungskameras bis hin zu baulichen Veränderungen, können ebenfalls Schutz bieten. Warteschlangenmanagement, egal ob in einer Ambulanz oder in einem Baumarkt, kann genauso helfen wie Bodenmarkierungen, die die KundInnenströme leiten. Auch Notfallpläne sind wichtig, denn so wissen alle Beteiligten, was im Ernstfall zu tun ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine ganz wesentliche Rolle bei der Gewaltprävention spielt der Betriebsrat: „Die IFES-Umfrage zeigt nämlich, dass in Betrieben mit Betriebsrat deutlich öfter Maßnahmen wie organisatorische Vorkehrungen, Schulungsmaßnahmen oder Supervision getroffen werden“, hebt Barbara Teiber hervor.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Forderungen</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Im Handel appelliert die Gewerkschaft GPA an die ArbeitgeberInnen, die Arbeitsbedingungen nachhaltig zu verbessern. „Es braucht eine verbesserte Arbeitszeitqualität, aber vor allem auch eine bessere Personalausstattung und höhere Gehälter,“ fordert Barbara Teiber. Gleiches gilt im Gesundheits- und Pflegebereich: „Hier muss die öffentliche Hand einen Beitrag leisten und ausreichend finanzielle Mittel und Ressourcen für mehr Personal bereitstellen. Personalmangel ist in allen Branchen der hauptsächliche Grund für die enorme Zunahme an Gewalt.“<br>„Wir ermutigen außerdem betroffene ArbeitnehmerInnen, Gewalt am Arbeitsplatz nicht hinzunehmen“, so Teiber weiter. Unterschiedliche Gewalterfahrungen erfordern durchaus unterschiedliche Strategien. „Wichtig ist, Hilfe zu suchen und Vorgesetzte sowie den Betriebsrat zu informieren“, betont Teiber. „Und an die KundInnen appellieren wir, gegenüber den Beschäftigten mehr Respekt zu zeigen!“</p>



<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile"><figure class="wp-block-media-text__media"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="731" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Angelika-Hlawaty_0457-1024x731.png" alt="" class="wp-image-18477 size-full" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Angelika-Hlawaty_0457-1024x731.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Angelika-Hlawaty_0457-300x214.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Angelika-Hlawaty_0457-150x107.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Angelika-Hlawaty_0457-768x548.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Angelika-Hlawaty_0457.png 1500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h4 class="wp-block-heading"><a href="https://kompetenz-online.at/2021/03/23/365-tage-ausnahmezustand-und-ein-verspaeteter-hoffnungsschimmer/" data-type="post" data-id="16570" aria-label="Angelika Hlawaty">Angelika Hlawaty</a></h4>



<p class="wp-block-paragraph">Betriebsratsvorsitzende der Jugend am Werk<br>Sozialraum GmbH</p>
</div></div>



<h4 class="wp-block-heading">&#8222;Gewalt ist bei uns immer schon ein Thema&#8220;</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Hlawatys Betrieb ist mit über 1.100 MitarbeiterInnen der größte Träger im Behindertenbereich in Wien. Zu Gewalt kommt es am häufigsten im vollbetreuten Wohnbereich. In den Wohngemeinschaften des Vereins leben acht bis vierzehn Menschen, die aufgrund von kognitiven Behinderungen und/oder psychischen Erkrankungen unterschiedliche Bedürfnisse haben. „Es kann z.B. zu sog. Impulsdurchbrüchen kommen, und daraus resultierende Aggressionen kriegen dann leider oft die MitarbeiterInnen ab: von verbaler Gewalt bis zu Tritten, Kratzen, Festhalten kommt es immer wieder zu Vorfällen. In einem Fall wurde eine Kollegin sogar gewürgt“, berichtet Hlawaty. Corona hat die Lage extrem verschärft: „Von einem Tag auf den anderen musste den BewohnerInnen der WG’s erklärt werden, dass sie das Haus nicht verlassen durften. Das hatte große Belastungen zur Folge und die Aggressionen stiegen deutlich an.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Betriebsrat arbeitet gemeinsam mit dem Arbeitgeber an Lösungen: Das Jahr 2022 ist ein Schwerpunktjahr zur Gewaltprävention. „Das Thema begleitet uns schon seit vielen Jahren. Wir haben auch längst Richtlinien, die wir überarbeiten möchten, wir erarbeiten Handlungsabläufe, und wir evaluieren regelmäßig die psychischen Belastungen unserer KollegInnen. Es geht nicht nur um Einzelfälle, wir brauchen neue Lösungen für strukturelle und organisatorische Probleme.“ Jugend am Werk bietet für seine Beschäftigten Seminare zum Deeskalationstraining an und es wurde sogar eine eigene Stelle geschaffen, wo sich eine MitarbeiterIn ausschließlich um Gewaltprävention kümmert.</p>



<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile"><figure class="wp-block-media-text__media"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="731" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/2022-02-15-NGVG-Podcast-Gewalt-im-Handel-IMG00980-Martin-Muellauer-Michael-Trinko-1024x731.png" alt="" class="wp-image-18476 size-full" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/2022-02-15-NGVG-Podcast-Gewalt-im-Handel-IMG00980-Martin-Muellauer-Michael-Trinko-1024x731.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/2022-02-15-NGVG-Podcast-Gewalt-im-Handel-IMG00980-Martin-Muellauer-Michael-Trinko-300x214.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/2022-02-15-NGVG-Podcast-Gewalt-im-Handel-IMG00980-Martin-Muellauer-Michael-Trinko-150x107.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/2022-02-15-NGVG-Podcast-Gewalt-im-Handel-IMG00980-Martin-Muellauer-Michael-Trinko-768x548.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/2022-02-15-NGVG-Podcast-Gewalt-im-Handel-IMG00980-Martin-Muellauer-Michael-Trinko-1536x1097.png 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/2022-02-15-NGVG-Podcast-Gewalt-im-Handel-IMG00980-Martin-Muellauer-Michael-Trinko.png 1854w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h4 class="wp-block-heading"><a href="https://kompetenz-online.at/2017/04/05/ein-ohr-fuer-alle-kleinigkeiten/" data-type="post" data-id="4124" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="Martin Müllauer (öffnet in neuem Tab)">Martin Müllauer</a> </h4>



<p class="wp-block-paragraph">Betriebsratsvorsitzender bei Morawa Buch und Medien GmbH</p>
</div></div>



<h4 class="wp-block-heading">„Verbale Gewalt hat stark zugenommen“</h4>



<p class="wp-block-paragraph">„Die Regierung hat die Überprüfung der Maskenpflicht im Handel an die ArbeitnehmerInnen delegiert, indem sie verlangt hat, dass der Handel die Kontrollen übernimmt. Normalerweise darf ein Angestellter nicht mal einen Ladendieb aufhalten, sondern muss die Polizei rufen. Und plötzlich mussten wir die ‚Gesundheitspolizei’ spielen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich gab es, berichtet Müllauer, auch früher immer wieder KundInnen, die ihren Unmut geäußert haben, weil eine Bestellung nicht da oder die Schlange an der Kassa zu lang war. Covid hat dem jedoch eine neue Dimension gegeben. Lockdown, Home-Office, die Kinder zu Hause, die Lokale geschlossen, keine Möglichkeiten, sich zu unterhalten oder Sport zu treiben. „Der aufgestaute Frust hat sich leider sehr oft an meinen KollegInnen entladen. Wenn wir auf die Maskenpflicht hinwiesen oder um den 2G-Nachweis baten, führte das manchmal zu regelrechten Ausbrüchen. Die verbale Gewalt hat stark zugenommen! Verbale Entgleisungen und Beschimpfungen waren an der Tagesordnung.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einigen Fällen kam es auch zu Handgreiflichkeiten und tätlichen Übergriffen. Während die Plexiglasscheibe an der Kassa eine gewisse Barriere darstellte, waren MitarbeiterInnen, die mitten im Geschäft arbeiteten oder an der Tür die 2G-Nachweise kontrollierten, den Aggressionen ungefiltert ausgesetzt. „In einer Branche, wo 70 Prozent Frauen arbeiten, war das für die Kolleginnen extrem belastend!“</p>



<div class="wp-block-group rotebox"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow">
<h4 class="wp-block-heading">Ich fühle mich bedroht – was tun?</h4>



<ul class="wp-block-list"><li>Geh räumlich auf Distanz zum Täter</li><li>Bleib ruhig, bleib respektvoll</li><li>Versuche, deeskalierend zu wirken, vermeide Provokationen</li><li>Appelliere an umstehende Personen und fordere sie auf, dir zu helfen</li><li>Schlag Alarm: Wende dich an den Sicherheitsdienst (falls vorhanden), an KollegInnen oder ruf die Polizei</li></ul>



<h4 class="wp-block-heading">Wer hilft mir?</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Auf der Internetseite <a href="https://www.gpa.at/themen/gesellschaft-und-soziales/sicher-ohne-gewalt-im-job" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="gpa.at/sicher-ohne-gewalt (öffnet in neuem Tab)">gpa.at/sicher-ohne-gewalt</a> haben wir für dich individuelle und rechtliche Ratschläge für<br>die unterschiedlichen Gewalterfahrungen zusammengefasst.</p>
</div></div>



<p class="wp-block-paragraph">  </p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Sozialwirtschaft: Die Eisdecke wird immer dünner</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2022/06/02/sozialwirtschaft-die-eisdecke-wird-immer-duenner/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Resei]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Jun 2022 08:44:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Arbeitszeit]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgabe 2022/02]]></category>
		<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Kollektivvertrag]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialstaat]]></category>
		<category><![CDATA[Anton Lamprecht-Bacher]]></category>
		<category><![CDATA[behindertenbetreuung]]></category>
		<category><![CDATA[Behinderung]]></category>
		<category><![CDATA[Elementarbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Elementarpädagogik]]></category>
		<category><![CDATA[Karin Samer]]></category>
		<category><![CDATA[Kinder]]></category>
		<category><![CDATA[Kinderbetreuung]]></category>
		<category><![CDATA[Kinderfreunde]]></category>
		<category><![CDATA[Kindergarten]]></category>
		<category><![CDATA[Odilien-Institut]]></category>
		<category><![CDATA[Pflege]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialwirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Wer im Kindergarten oder der Pflege arbeitet, erfüllt wichtige Aufgaben in unserer Gesellschaft. Doch ist die Arbeit so hart, dass immer mehr diese Berufe aus nachvollziehbaren Gründen verlassen. Das verschlimmert aber die Lage verbliebenen ArbeitnehmerInnen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Seite-8_Aktion-Sozialwirtschaft-2-1024x576.png" alt="" class="wp-image-18455" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Seite-8_Aktion-Sozialwirtschaft-2-1024x576.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Seite-8_Aktion-Sozialwirtschaft-2-300x169.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Seite-8_Aktion-Sozialwirtschaft-2-150x84.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Seite-8_Aktion-Sozialwirtschaft-2-768x432.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Seite-8_Aktion-Sozialwirtschaft-2-1536x864.png 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Seite-8_Aktion-Sozialwirtschaft-2.png 1600w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Foto: Edgar Ketzer</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wer in der Elementarbildung oder Pflege arbeitet, erfüllt wichtige Aufgaben in unserer Gesellschaft. Doch ist die Arbeit so hart, dass immer mehr diese Berufe aus nachvollziehbaren Gründen verlassen. Das verschlimmert aber die Lage der verbliebenen ArbeitnehmerInnen.</strong></p>



<span id="more-18452"></span>



<p class="wp-block-paragraph">„Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig funktionierende Kinderbildungs- und Betreuungseinrichtungen sind“, erklärt <a href="https://kompetenz-online.at/2020/03/16/der-personalschluessel-ist-entscheidend/" aria-label="Karin Samer">Karin Samer</a>, Betriebsratsvorsitzende der Wiener Kinderfreunde. In der Krise wurde deutlich: Elementarpädagogische Einrichtungen – etwa Kindergärten, Krippen oder Tageseltern – erfüllen nicht bloß einen Bildungsauftrag, sie sichern die Berufsausübung der Eltern ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon lange vor Corona prekär, haben sich die <a href="https://kompetenz-online.at/2021/12/02/schluss-mit-lustig/" aria-label="Zustände in der Elementarbildung">Zustände in der Elementarbildung</a>, noch weiter verschlechtert. Betriebsratsvorsitzende Samer: „Jetzt ist die <a href="https://kompetenz-online.at/2022/05/24/so-geht-es-in-den-kindergaerten-nicht-weiter/" aria-label="Fluktuation im Beruf">Fluktuation im Beruf</a> fast doppelt so hoch wie zuvor, die Personaldecke wird immer dünner“. Ähnliches gilt auch bei Betreuungseinrichtungen, wie Anton Lamprecht-Bacher, Betriebsratsvorsitzender im Grazer Odilien-Institut für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen oder Blindheit zu berichten weiß: „Dass zu wenig Personal vorhanden ist, das gilt bei uns in allen Bereichen“. Im Odilien-Institut arbeiten FrühförderInnen, SozialarbeiterInnen, PädagogInnen und PflegerInnen. Lamprecht-Bacher selber ist ausgebildeter Sozialbetreuer.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Jetzt ist die Fluktuation im Beruf fast doppelt so hoch wie zuvor, die Personaldecke wird immer dünner“</p><cite>Karin Samer</cite></blockquote>



<h4 class="wp-block-heading">Das Personal ist knapp</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Damit die Menschen in der <a href="https://kompetenz-online.at/2021/12/02/wir-brauchen-mehr-geld-personal-und-freizeit/" aria-label="Sozialwirtschaft">Sozialwirtschaft</a> bleiben, braucht es bessere Bedingungen. Das gilt besonders nach der Covid-Krise: Denn die Zahl der Krankenstände ist immer größer geworden, erzählt Lamprecht-Bacher: „Normal waren sieben BetreuerInnen für 26 KlientInnen im Seniorenwohn- und Pflegeheim zuständig, plötzlich waren es nur noch drei bis vier“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele MitarbeiterInnen kündigen von sich aus. Zwar kommen immer wieder neue Arbeitskräfte nach, doch der von Stress geprägte Arbeitsalltag schlägt auch die Neuen schnell in die Flucht. „Für die Teamarbeit ist das natürlich extrem schwer.“ Mittlerweile ist die Arbeitsverdichtung dermaßen hoch, dass nur wenige Menschen eine Vollzeitstelle schaffen können. Das hat auch soziale Folgen.<br>„Eine ehemalige Kollegin ist jetzt in Pension“, erzählt Lamprecht-Bacher. „Weil sie immer nur Teilzeit arbeiten konnte, hat sie jetzt so wenig Geld übrig, dass sie nun als Putzfrau dazu verdient.“ Dass ArbeitnehmerInnen aus der Branche flüchten und woanders ihr Glück suchen, wundert Anton Lamprecht-Bacher kein bisschen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Normal waren sieben BetreuerInnen für 26 KlientInnen im Seniorenwohn- und Pflegeheim zuständig, plötzlich waren es nur noch drei bis vier“.</p><cite>Anton Lamprecht-Bacher</cite></blockquote>



<h4 class="wp-block-heading">Erfahrung geht verloren</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Ähnliches gilt bei den ElementarpädagogInnen. Waren es früher vor allem BerufsanfängerInnen, die die Branche gewechselt haben, sind es nun viele erfahrene KollegInnen. „Vor allem ältere MitarbeiterInnen wollen sich den Stress nicht mehr antun“, so Karin Samer. Denn es gibt immer mehr Aufgaben zu erledigen: Etwa Kinder gezielt auf die Schule vorzubereiten und ihre Sprache zu fördern, aber auch die schriftliche Dokumentation ihrer Entwicklungsschritte. Karin Samer: „Wir brauchen auch Zeit, um uns mit den Eltern über die Themen des Kindes und der Familie auseinanderzusetzen, wir wollen BegleiterInnen sein.“ Doch die Rahmenbedingungen dafür stimmen nicht, trotz des neuen Regierungspakets.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Samer und Lamprecht-Bacher berichten beide, dass sich KollegInnen schon so verantwortlich fühlen, dass sie das Team nicht im Stich lassen wollen und deshalb auf Urlaub verzichten. Den angesammelten Urlaub abzubauen, das ist inzwischen beinahe unmöglich. Beide erzählen von Überforderung und Hilflosigkeit, ausgelöst von extremer Personalknappheit.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Wirrwarr an Regelungen</h4>



<p class="wp-block-paragraph">In der <a href="https://kompetenz-online.at/2021/05/03/bessere-arbeitsbedingungen-in-wiens-kindergaerten/" aria-label="Elementarbildung">Elementarbildung</a> müssen sich PolitikerInnen Versäumnisse eingestehen. Denn noch immer hat jedes Bundesland sein eigenes Kindergarten-Gesetz und es gelten viele unterschiedliche Dienstrechte. Gehalt, Ausbildung und Vorbereitungszeit sind je nach Bundesland unterschiedlich geregelt, zudem weichen die Bestimmungen der einzelnen Träger voneinander ab. In Wien gilt die 40-Stunden-Woche, bei manchen Trägern in den Bundesländern gibt es jedoch bereits eine 37-Stunden-Arbeitswoche. Für das unterstützende Personal gilt keine einheitliche Ausbildung und es gibt für sie keinen Berufsschutz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es ist dringend notwendig wenn die Ministerien mit den Ländern und mit den Sozialpartnern zusammenarbeiten würden, um bundesweite Mindeststandards festzulegen“, ist sich Karin Samer sicher. „Die Politik muss wissen, wie wichtig die Kindergärten auch aus gesellschaftlicher Sicht sind.“ Denn die ersten Lernjahre eines Kindes sind entscheidend für seinen weiteren Bildungsverlauf. Wichtig ist dabei auch der Betreuungsschlüssel: Derzeit sind es (mindestens) 25 Kinder pro Gruppe – sie werden von einer Vollzeitpädagogin und einer Assistentin betreut. Keine ideale Situation für Kinder und Beschäftigte. Einer EU-Empfehlung nach, sollten es nicht mehr als 16 Kinder pro Gruppe sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://kompetenz-online.at/2021/09/16/wenn-elementarpaedagoginnen-kuendigen/" aria-label="Das unterstützende Personal">Das unterstützende Personal</a> ist vielfach nur Teilzeit beschäftigt. Dabei sind diese Frauen, denn Männer sind in diesem Bereich eher rar, auch für Jause, Mittagessen, Hygiene – von Abwasch bis Staubwischen &#8211; verantwortlich. &#8222;Da bleibt an Unterstützungszeit in der Gruppe nicht mehr viel übrig“, weiß Karin Samer. Immerhin: ab Herbst ist in Wien eine Vollzeitassistentin in den Gruppen der 3 bis 6 jährigen Kinder verpflichtend.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Arbeit muss attraktiver werden</h4>



<p class="wp-block-paragraph">„Auch unsere Arbeit muss attraktiver werden,“ ergänzt Lamprecht-Bacher. <a href="https://kompetenz-online.at/2021/05/11/pflegekraefte-am-limit-bald-ist-schicht-im-schacht/" aria-label="BetreuerInnen wie PflegerInnen müssen besser bezahlt werden">BetreuerInnen wie PflegerInnen müssen besser bezahlt werden</a> und dafür weniger Stunden arbeiten. Trotz des überbordenden Stresslevels versuchen die Beschäftigten alles, damit die KlientInnen sich wohl fühlen und nicht spüren, wie es dem Personal geht. Doch nach Corona wurden die meisten Stunden für die Supervision eingespart. Kein Wunder, dass sich immer weniger ArbeitnehmerInnen wertgeschätzt fühlen.</p>



<div class="wp-block-group blauebox"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow">
<h4 class="wp-block-heading">Kampagne #WorteReichenNicht</h4>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wir fordern, gemeinsam mit der Gewerkschaft vida, dass die gesamten Rahmenbedingungen im Sozial-, Gesundheits-, Pflege- und (Elementar-)Bildungsbereich verbessert werden.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Du arbeitest im Sozial-, Gesundheits-, Pflege- oder (Elementar-)Bildungsbereich und möchtest unsere Forderungen unterstützen? Dann lade ein Video- oder Foto-Statement auf die Plattform <a rel="noreferrer noopener" href="https://worte-reichen-nicht.at/" target="_blank" aria-label="worte-reichen-nicht.at (öffnet in neuem Tab)">worte-reichen-nicht.at</a> hoch und sag uns und der Bundesregierung was Sache ist und was sich in deinem Job ändern muss.</p>
</div></div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Es macht mir Spaß, in unbekannte Themen zu schnuppern</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2022/04/05/es-macht-mir-spass-in-unbekannte-themen-zu-schnuppern/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andrea Rogy]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 Apr 2022 13:29:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<category><![CDATA[Andrea Rogy]]></category>
		<category><![CDATA[Barbara Koller]]></category>
		<category><![CDATA[behindertenbetreuung]]></category>
		<category><![CDATA[Corona]]></category>
		<category><![CDATA[Coronakrise]]></category>
		<category><![CDATA[Kollektivvertrag]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Volkshilfe]]></category>
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					<description><![CDATA[Barbara Koller will als Vorsitzende des Betriebsrates der Volkshilfe Salzburg die Frauen aus der Teilzeitfalle locken und den Beschäftigten bei rechtlichen Fragen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Für die kommenden Kollektivvertragsverhandlungen der Sozialwirtschaft hat sie ein klares Ziel: Den Menschen muss deutlich mehr Geld im Börsel bleiben.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="731" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/04/barbara_koller_14b469ea59-1024x731.png" alt="" class="wp-image-18265" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/04/barbara_koller_14b469ea59-1024x731.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/04/barbara_koller_14b469ea59-300x214.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/04/barbara_koller_14b469ea59-150x107.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/04/barbara_koller_14b469ea59-768x548.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/04/barbara_koller_14b469ea59.png 1500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Foto: Volkshilfe Salzburg</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Barbara Koller will als Vorsitzende des Betriebsrates der Volkshilfe Salzburg die Frauen aus der Teilzeitfalle locken und den Beschäftigten bei rechtlichen Fragen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Für die kommenden Kollektivvertragsverhandlungen der Sozialwirtschaft hat sie ein klares Ziel: Den Menschen muss deutlich mehr Geld im Börsel bleiben.</strong></p>



<span id="more-18264"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Barbara Koller begann bald nach ihrer Ausbildung zur kaufmännischen Angestellten in einem Verein für Kinder mit geistiger und körperlicher Behinderung zu arbeiten. Über eine Arbeitskollegin hatte sie erfahren, dass in einer nahen Sonderschule, in der behinderte Kinder betreut werden, MitarbeiterInnen für die pflegerische Assistenz gebraucht werden. Koller blieb 20 Jahre bei dem Verein, engagierte sich immer stärker als Behindertenbetreuerin und übernahm in einer Ausnahmesituation die Verantwortung als Betriebsratsvorsitzende: „Unser damaliger Vorsitzender wurde von einem Tag auf den anderen gekündigt und war nicht mehr greifbar. Wir waren rund 100 MitarbeiterInnen, ohne jemanden, der rasch einspringt, wäre alles zusammengebrochen.“ Zu Beginn fühlte sich die neue Aufgabe, die sich für Koller „aus heiterem Himmel ergeben hat“ ungewohnt und ein wenig waghalsig an: „Ich hatte sofort die volle Verantwortung, ohne Schulungen oder das nötige Fachwissen.“ Rasch besuchte die junge Vorsitzende den Grundkurs für BetriebsrätInnen, der ihr inhaltliches Basiswissen und die entsprechende Sicherheit im Umgang mit den Problemen der Beschäftigten gab. Auch der kooperative Chef, der „geschaut hat, dass es an den Schulen gut läuft“, war für sie wichtig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als der Verein 2013 von der Volkshilfe übernommen wurde, blieb Koller Teil des betriebsrätlichen Teams: „Ich konnte unsere Schule bestens vertreten, weil ich mich sehr gut mit den uns betreffenden Rechtsgebieten wie beispielsweise den Ferienregelungen ausgekannt habe. Wir haben aber auch als Team gut funktioniert.“ In den Folgejahren wuchsen die Anforderungen an die Betriebsrätin, es gab Umstrukturierungen und Koller etablierte sich als stellvertretende Vorsitzende: „Die gesetzlichen Rahmenbedingungen für neue MitarbeiterInnen haben sich verändert. Ich war immer stärker gefordert zu beraten und zu erklären, was das für jede einzelne KollegIn bedeutet.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Vertretung für 550 Beschäftigte</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Im März 2020 avancierte Koller zur Vorsitzenden des Betriebsrates, war auf einen Schlag für 550 MitarbeiterInnen zuständig und für ihre facettenreiche Arbeit freigestellt: „Wir setzen uns für viele verschiedene Berufsgruppen ein: unsere BüromitarbeiterInnen, Haushaltshilfen, Beschäftigte in der Hauskrankenpflege und der mobilen Pflege, persönliche AssistentInnen an Pflichtschulen und in der Freizeit, Ferienbetreuer sowie für Beschäftigte in der psychosozialen Rehabilitation und im betreuten Wohnen.“</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Die aktuelle Teuerungswelle ist für die Beschäftigten ein großes Problem.“</p><cite>Barbara Koller</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Kollers Arbeitsalltag besteht aus vielen Gesprächen, Kontakten und Vernetzungen: „Ich rede ausführlich mit den KollegInnen, tausche mich intensiv mit den GewerkschaftssekretärInnen in Salzburg aus und habe auch eine sehr gute Basis der Zusammenarbeit mit der Chefetage der Volkshilfe.“ Ein österreichweiter Austausch findet bei regelmäßigen Treffen aller Volkshilfe-Betriebsratsvorsitzenden statt. Als Vertreterin des Wirtschaftsbereiches „Gesundheit und Soziales“ registriert Koller bei den Beschäftigten aktuell wachsende Besorgnis über die stark steigenden Preise in vielen Lebensbereichen: „Unser akutes Problem sind derzeit die explodierenden Spritpreise. Die MitarbeiterInnen im Außendienst spüren diese Teuerungen enorm.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch firmenintern bzw. mit dem Land Salzburg wird derzeit nach Möglichkeiten zur Unterstützung bzw. nach einem Ausgleich der Teuerungen gesucht. Gespräche dazu haben kürzlich gestartet, Koller setzt dabei auf die Vernetzung mit anderen Berufsgruppen, die ähnliche Probleme haben: „Auch Beschäftigte anderer Träger im Gesundheits- und Sozialbereich leiden unter den steigenden Benzinpreisen. Die Verteuerungen sind ein harter Brocken für die Menschen, wir gehen gemeinsam mit anderen Organisationen in der Branche in die Verhandlungen und hoffen auf Unterstützung durch das Land Salzburg.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Faire Zulagen für alle</h4>



<p class="wp-block-paragraph">In einigen Bereichen sind Koller bereits Lösungen in Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung gelungen: „Es gab den Unzustand, dass nicht alle Beschäftigten die gleichen Zulagen bekommen haben: Persönliche AssistentInnen, die an Sonderschulen in der Pflege tätig sind, bekamen eine Zulage, jene an den Pflichtschulen nicht.“ Mit Unterstützung ihrer Chefs hat sich Koller beim Land Salzburg um Förderungen bemüht – nun bekommen alle persönlichen AssistentInnen die gleichen Zulagen. Auch für ZeitarbeiterInnen hat die engagierte Betriebsrätin mit Unterstützung des ÖGB Wien Verbesserungen erreicht: „Diese Beschäftigten sind nun alle in Verwendungsgruppe 4 eingestuft, das bringt konkrete finanzielle Verbesserungen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl die Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung grundsätzlich gut funktioniert, sieht Koller phasenweise Verbesserungsbedarf im Informationsfluss: „Über manche Themen werden wir sehr spät informiert, im Großen und Ganzen finden wir BetriebsrätInnen aber Gehör.“</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Die Unterstützung der KollegInnen macht mir Freude, wenn Fehler passieren helfe ich, diese auszubügeln.“</p><cite>Barbara Koller</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Die Pandemie hat die Arbeit der Betriebsrätin nicht gerade erleichtert: „Die veränderten Umstände beschäftigen uns immer noch sehr. Themen wie die Notwendigkeit von Kurzarbeit oder Homeoffice-Regelungen haben sich in den Vordergrund gedrängt – viele andere Themen sind liegen geblieben.“ Obwohl die Kurzarbeit beim Land beantragt wurde, wurde die Regelung von den Beschäftigten der Volkshilfe letztlich nicht genutzt: „Das Land hat uns nicht in Kurzarbeit geschickt, alle haben das volle Gehalt bekommen. Die Details der Arbeitsumstände in der Pandemie sind von den Schulen und DirektorInnen geregelt worden.“ Verhandelt wurde die Regelung trotzdem – für Koller eine wichtige Erfahrung, letztlich aber doch leere Kilometer: „Das war ziemlich viel Arbeit.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Kraftquelle Betriebsratsarbeit </h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die Arbeit als Betriebsratsvorsitzende ist für Koller „eine Kraftquelle, die Freude macht: Es ist schön, wenn man die KollegInnen unterstützen kann. Oft geht es nur um Kleinigkeiten, aber wenn jemand ein Problem hat und man schafft, es zu erledigen, das ist ein tolles Gefühl.“ Koller bezeichnet sich selbst als „Probleme-Wälzerin“: „Wenn Fehler passieren möchte ich helfen, diese wieder auszubügeln.“ Oft geht es dabei um rechtliche Fragen, etwa wenn ein Kind krank ist und die Beschäftigten nicht wissen, bis wann und bei welcher Stelle der benötigte Pflegeurlaub zu melden ist. In solchen Fragen gibt Koller den KollegInnen Orientierung, sie will Ansprechperson für alle Fragen sein, bei denen sich die Beschäftigten „akut nicht auskennen“ oder „wenn sie nicht wissen, wie sie sich arbeitsrechtlich am besten verhalten sollen“. Um weiter auf dem Laufenden zu bleiben drückt Koller aktuell wieder die Schulbank und absolviert einen dreimonatigen Betriebsrats-Lehrgang zum Thema Arbeitsrecht.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Die Kollektivvertragsverhandlungen werden eine spannende Herausforderung – darauf freue ich mich.“</p><cite>Barbara Koller</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Die vielfältige und abwechslungsreiche Tätigkeit als Betriebsrätin hat in Koller die Überzeugung gefestigt, dass es wichtig ist, offen für neue Herausforderungen zu bleiben. So sieht sie den kommenden Kollektivvertragsverhandlungen für die Sozialwirtschaft, die im Sommer starten werden, mit gespannter Neugier entgegen: „Ich war noch nie bei KV-Verhandlungen dabei und weiß nicht genau, was mich da erwartet. Ich habe aber das klare Ziel, ein höheres Gehalt für die sozialen Berufe zu verhandeln um die massiven Teuerungen abzufedern.“ Eine weitere Absenkung der Arbeitsstunden hält Koller in der Branche, in der rund 90 Prozent der Beschäftigten in Teilzeit arbeiten, für gut, aber nicht für „allein zielführend: Die Leute brauchen mehr Marie im Börserl.“ Grundsätzlich will Koller vor allem Frauen darin unterstützen „aus der Teilzeit rauszukommen und wieder mehr zu arbeiten, sobald es die familiäre Situation erlaubt: Wenn die weiblichen KollegInnen zu lange in Teilzeit bleiben, schlägt sich das in niedrigen Pensionen bis hin zu steigender Altersarmut bei Frauen nieder.“ Kollers Lösungsansatz dazu: ein verpflichtendes Pensionssplitting.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie sie sich als Verhandlerin schlagen wird kann Koller nicht einschätzen, sie ist sich aber sicher: „Es macht mir Spaß, in unbekanntes Terrain oder neue Themen hinein zu schnuppern.“</p>



<div class="wp-block-group blauebox"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow">
<h4 class="wp-block-heading">Zur Person:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Barbara Koller ist 57 Jahre alt und wohnt im salzburgischen Köstendorf am Wallersee. Sie hat drei Söhne. In Ihrer Freizeit geht sie gerne Schi fahren.</p>
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