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	<title>bfi &#8211; KOMPETENZ-online</title>
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		<title>BFI: „Wir ermächtigen Arbeitnehmer:innen“</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2024/04/25/bfi/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexia Weiss]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Apr 2024 09:24:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Agnes-Streissler-Führer]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Berufsförderungsinstitut (BFI), die Erwachsenenbildungseinrichtung von ÖGB und AK, bietet Arbeitnehmer:innen ein dichtes Netz an Kursen und auch längeren Aus- und Weiterbildungen, damit sie ihren Platz am Arbeitsmarkt finden oder behalten. Die Rahmenbedingungen könnten allerdings besser sein. Die Abhängigkeit von öffentlichen Geldern, vor allem über das Arbeitsmarktservice (AMS), macht die Planbarkeit oft schwierig. Die KOMPETENZ sprach mit den beiden Aufsichtsratsmitgliedern des BFI Wien, Agnes Streissler-Führer und Bettina Wucherer.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/04/DSC07521-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-20780" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/04/DSC07521-1024x683.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/04/DSC07521-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/04/DSC07521-150x100.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/04/DSC07521-768x512.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/04/DSC07521-1536x1024.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/04/DSC07521-2048x1365.jpg 2048w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/04/DSC07521-600x400.jpg 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/04/DSC07521-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/04/DSC07521-272x182.jpg 272w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Agnes Streissler-Führer ist stellvertretende Bundesgeschäftsführerin der Gewerkschaft GPA und Mitglied im Präsidium des Aufsichtsrats des BFI.</strong><br>Foto: Edgar Ketzer</figcaption></figure>



<p><strong>Das Berufsförderungsinstitut (BFI), die Erwachsenenbildungseinrichtung von ÖGB und AK, bietet Arbeitnehmer:innen ein dichtes Netz an Kursen und auch längeren Aus- und Weiterbildungen, damit sie ihren Platz am Arbeitsmarkt finden oder behalten. Die Rahmenbedingungen könnten allerdings besser sein. </strong></p>



<span id="more-20772"></span>



<p><strong>Die Abhängigkeit von öffentlichen Geldern, vor allem über das Arbeitsmarktservice (AMS), macht die Planbarkeit oft schwierig. Die KOMPETENZ sprach mit den beiden Aufsichtsratsmitgliedern des BFI Wien, Agnes Streissler-Führer und Bettina Wucherer.</strong></p>



<p><strong>KOMPETENZ: </strong>Das BFI wurde 1959 gegründet und basiert auf den bereits zuvor bestehenden Um- und Nachschulungswerkstätten des ÖGB. Heute umfasst das Angebot mehrere Säulen. Das reicht von Weiterbildungen über Umschulungen bis zum Nachholen von Bildungsabschlüssen, Erstausbildungen in Schulen, überbetrieblicher Lehre und Fachhochschul-Studiengängen, aber auch Integration sowohl von Menschen mit Beeinträchtigungen als auch von Migrant:innen und Geflüchteten. Was ist dabei das durchgängige Leitprinzip des BFI?</p>



<p><strong>Agnes Streissler-Führer: </strong>Seit seiner Gründung durch die Gewerkschaften geht es dem BFI um die Ermächtigung der Arbeitnehmer:innen. Im BFI Wien zählt nicht, wo jemand herkommt, sondern wo jemand realistischerweise hin will. Wichtig ist in der Erwachsenenbildung auch, dass man selber die Steuerungsfunktion hat. Menschen sind keine austauschbare Ressource und Menschen werden im BFI nicht als Humankapital gesehen. Es geht darum, dass Menschen ihre eigene Berufslaufbahn und damit ihr eigenes Leben gestalten können. In einer sich laufend verändernden Welt heißt das, wir brauchen sehr flexible Bildungswege, die diese individuellen Berufslaufbahnen unterstützen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center">&#8222;In der Erwachsenenbildung geht es darum, dass Menschen ihre eigene Berufslaufbahn und damit ihr eigenes Leben gestalten können.&#8220;</p>
<cite>Agnes Streissler-Führer</cite></blockquote>



<p><strong>KOMPETENZ: </strong>Das BFI ist gemeinsam mit anderen Anbieter:innen im Bereich Erwachsenenbildung ein wichtiger Player in der Arbeitsmarktpolitik und im Bemühen, möglichst viele Menschen in Beschäftigung zu bringen. Welche Meilensteine gab es hier in den vergangenen Jahren?</p>



<p><strong>Bettina Wucherer:</strong> Ein Meilenstein ist die Gründung einer Fachhochschule, ein anderer, dass das BFI Wien eine eigene Handelsakademie und Handelsschule hat. Die Schulen des BFI Wien sind mir ein großes Herzensanliegen, weil verstärkt Jugendliche mit Migrationshintergrund mit innovativen Ideen beim Unterricht abgeholt werden. Hier zeigt das BFI Wien, dass es auch um junge Menschen geht und sie Bildung unabhängig von der Herkunft und dem Einkommen der Eltern verdienen. Ein weiterer Meilenstein ist, dass wir dazu beitragen, Facharbeiter:innen auszubilden. Aber auch das Thema künstliche Intelligenz und ChatGPT bewegt uns und da hat das BFI Wien die Zeichen der Zeit erkannt. Wichtig ist, sich darauf einzulassen und sich nicht überrollen zu lassen, sodass andere Player das Thema in die Hand nehmen.</p>



<p><strong>KOMPETENZ: </strong>Wie schnell kann das BFI neue Bildungsinhalte erstellen und anbieten?</p>



<p><strong>Agnes Streissler-Führer: </strong>Wir sind jedes Mal wieder überrascht, wie schnell das BFI-Team reagiert. Gerade bei ChatGPT tappten noch viele Unternehmen im Dunkeln, da hatte das BFI Wien bereits Angebote, wie man damit richtig umgeht und wie man es bestmöglich für den Job nutzen kann.</p>



<p>Mir ist noch ein weiterer Meilenstein wichtig: das Kooperationsprojekt Öko-Booster von BFI Wien, AK, AMS und Waff. Die Teilnehmer:innen werden zu Fachkräften in klimaschutzrelevanten Bereichen, wie etwa Elektrotechnik, ausgebildet. Das Besondere ist, dass diese Ausbildung bilingual funktioniert, und zwar sowohl auf Arabisch und Deutsch als auch auf Farsi/Dari und Deutsch. Wichtig ist auch, dass die Lehrkräfte selbst ebenfalls zweisprachig sind.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/04/DSC07482-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-20783" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/04/DSC07482-1024x683.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/04/DSC07482-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/04/DSC07482-150x100.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/04/DSC07482-768x512.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/04/DSC07482-1536x1024.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/04/DSC07482-2048x1365.jpg 2048w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/04/DSC07482-600x400.jpg 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/04/DSC07482-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/04/DSC07482-272x182.jpg 272w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Bettina Wucherer ist stellvertretende Geschäftsführerin der Landestelle Wien der GPA und  Mitglied im Aufsichtsrat des BFI.</strong><br>Foto: Edgar Ketzer</figcaption></figure>



<p><strong>KOMPETENZ: </strong>Welche Verbesserungen bei den Rahmenbedingungen bräuchte das BFI seitens der Politik, um hier dem Auftrag im Sinn der Arbeitnehmer:innen beziehungsweise potenziellen Arbeitnehmer:innen noch besser nachkommen zu können? Was wünschen Sie sich da?</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Die Politik muss, nicht zuletzt auch auf Grund des Fachkräftemangels, den Rahmen schaffen, sich im Job oder auch neben dem Job weiterbilden zu können. </p>
<cite>Bettina Wucherer</cite></blockquote>



<p><strong>Bettina Wucherer:</strong> Dass die Erwachsenenbildung einen höheren Stellenwert im Arbeitsleben bekommt. Wir hören von Seite der Wirtschaft, dass sich Arbeitnehmer:innen weiterbilden müssen, dass man neuen Ideen gegenüber offen sein müsse, dass es aber an Flexibilität fehle. Wir merken allerdings, dass in vielen Unternehmen die Personaldecke sehr dünn ist, zum Teil gewollt, zum Teil ungewollt. Die Politik muss, nicht zuletzt auch auf Grund des Fachkräftemangels, den Rahmen schaffen, sich im Job oder auch neben dem Job weiterbilden zu können. Wir merken auch als BFI Wien, wenn wir Angebote vorlegen, dann heißt es seitens der Arbeitgeber:innen, dass es während der Arbeit keine Zeit für Weiterbildung gibt.</p>



<p><strong>Agnes Streissler-Führer: </strong>Da geht es einerseits um die rechtlichen Rahmenbedingungen. Da geht es aber auch um eine ausreichende Finanzierung. Trainer:innen in der Erwachsenenbildung müssen besser bezahlt werden – das fordert nicht nur das BFI. Erwachsenenbildungseinrichtungen sind sehr stark abhängig von öffentlichen Beauftragungen. Da ist es dann jedes Jahr eine Zitterpartie, bis die Budgets seitens der öffentlichen Hand genehmigt werden. Das ist also ein Hanteln von Jahr zu Jahr, sodass Planungen sehr schwierig sind.</p>



<p><strong>KOMPETENZ: </strong>Unter den von Ihnen genannten Meilensteinen des BFI ist die HAK in Wien. Wie unterscheidet sich diese Handelsakademie von anderen solchen Schulen?</p>



<p><strong>Bettina Wucherer:</strong> Bosnisch/Kroatisch/Serbisch ist an dieser HAK vollwertige Maturasprache. Mir ist es ein großes Anliegen, dass wir alle Jugendlichen abholen und mitnehmen. Ich glaube, hier sieht man wirklich gelebte Integration. Hier wird Mehrsprachigkeit nicht als Handicap, sondern als Bonus gesehen, den die Jugendlichen mitbringen. Darüber hinaus gibt es viel Projektunterricht, manche Projekte sind auch klassenübergreifend organisiert. Wichtig ist, dabei die Lust am Lernen zu fördern.</p>



<p><strong>KOMPETENZ: </strong>Seit 2016 ist das BFI auch stark engagiert im Bereich Deutschunterricht und Qualifizierungen für Geflüchtete. Nun sind wir im Jahr 2024. Wenn Sie hier Bilanz ziehen: Was ist gut gelungen? Und wo bräuchte es noch verstärkte Anstrengungen?</p>



<p><strong>Agnes Streissler-Führer: </strong>Gut ist das Angebot, das hier vom BFI aufgebaut wurde. Schwierig sind die Rahmenbedingungen. Die Planungszeiträume seitens der öffentlichen Hand sind zu kurzfristig. Wenn ich ein Projekt für ein Jahre bekomme und im nächsten Jahr wird es nicht verlängert, dann muss ich Trainer:innen zunächst aufnehmen, die ich dann nach einem Jahr wieder abbauen muss. Das ist eine große Problematik. Besonders gut funktionieren die Projekte, bei denen wie bei Öko-Booster, Spracherwerb und der Erwerb anderer Qualifikationen miteinander gekoppelt werden. Das ist für mich gelebte Integration in der Bildungspolitik.</p>



<p><strong>KOMPETENZ: </strong>Ein Wandel, der bereits seit geraumer Zeit alle Branchen und auch viele Jobs beziehungsweise Arbeitnehmer:innen betrifft, ist die Digitalisierung. Aber auch Künstliche Intelligenz wird immer stärker ein Thema. Was bietet das BFI hier an?</p>



<p><strong>Agnes Streissler-Führer:</strong> Die digitalen Angebote sind in den vergangenen Jahren vom BFI Wien massiv ausgeweitet worden. Das eine betrifft einerseits die Methodik – im Zug der Pandemie habe wir sehr rasch Online-Angebote und E-Learning-Angebote aufgestellt. Das andere ist das Vermitteln digitaler Kompetenzen. Stolz sind wir hier zum Beispiel darauf, dass es seit 2022 den Coders.Bay gibt, hier werden Kurzausbildungen für Softwareentwicklung und Netzwerktechnik angeboten, unter den Teilnehmer:innen sind viele junge Frauen.</p>



<p><strong>KOMPETENZ: </strong>Die Digitalisierung ist ein gutes Beispiel dafür, dass sich viele Arbeitnehmer:innen immer wieder weiterbilden werden müssen. Stichwort Halbwertszeit von Ausbildungsinhalten: Was hat sich hier verändert?</p>



<p><strong>Bettina Wucherer:</strong> Ohne lebenslanges Lernen wird es nicht mehr gehen. Was hier die Künstliche Intelligenz betrifft, gehen wir davon aus, dass nicht ganze Berufsbilder dadurch wegfallen werden, aber Teile der einzelnen Berufsbilder. Dafür werden neue Teile hinzukommen. Daher wird man sich hier neu bilden müssen. Daher wird auch seitens der Arbeitgeber:innen viel mehr begleitendes Lernen notwendig sein. Die Arbeitgeber:innen werden sich die Ressourcen dafür extern holen müssen, wie eben zum Beispiel von Erwachsenenbildungs-Anbieter:innen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center">&#8222;Was hier die Künstliche Intelligenz betrifft, gehen wir davon aus, dass nicht ganze Berufsbilder dadurch wegfallen werden, aber Teile der einzelnen Berufsbilder.&#8220;</p>
<cite>Bettina Wucherer</cite></blockquote>



<p><strong>Agnes Streissler-Führer:</strong> Gewerkschaftliche Bildung hat immer dieses gesamtheitliche Konzept gehabt. Wir haben in den vergangenen Jahren erlebt, dass es oft um Schulungen geht, mit denen Menschen fit für die Systeme gemacht werden sollen, die zum Einsatz kommen. Unser Zugang ist, dass wir hier wieder breiter denken müssen. Menschen müssen gebildet werden, um mit den Systemen auch umgehen zu können, um sie reflektieren und weiterentwickeln zu können. Insofern ist für uns der Unterschied zwischen reiner Schulung und gesamtheitlicher Bildung ein ganz wichtiger.</p>



<p><strong>KOMPETENZ: </strong>Weitergedacht hieße das, dass nicht Menschen für Systeme fit gemacht werden sollten, sondern überlegt werden, wie Systeme gestaltet werden müssen, dass sie für die Menschen gut funktionieren.</p>



<p><strong>Agnes Streissler-Führer: </strong>Das ist für eine einzelne Institution wie das BFI vielleicht ein zu hoher Anspruch. Grundsätzlich ist es jedoch genau unsere Auffassung, dass aus der Perspektive eines konsequenten digitalen Humanismus Initiativen mit dem Ziel, Menschen fit für das Internet zu machen, eigentlich absurd sind. Wir sollten das auf den Kopf stellen und sagen, es sollte das Internet oder die digitale Technologie fit für den Menschen gemacht werden. Ein Beispiel: Wir haben nicht den Menschen fit für den Spaten gemacht, sondern wir haben auf den Spaten einen brauchbaren Griff und eine Trittkante montiert, damit der Spaten fit für den Menschen ist. Warum geht das bei einer so einfachen Technologie, aber bei der angeblich so großen künstlichen Intelligenz soll das nicht möglich sein? Für den einzelnen Bildungsanbieter ist das allerdings schwierig umzusetzen.</p>



<p><strong>KOMPETENZ: Welche Verantwortung kommt den Arbeitgeber:innen beim Thema Weiterbildung zu?</strong></p>



<p><strong>Bettina Wucherer:</strong> Arbeitgeber:innen müssen erkennen, dass es fix und fertige Arbeitnehmer:innen nicht gibt. Man muss in die Menschen investieren. Angesichts der Arbeitszeitverdichtung, die sich auch durch die Digitalisierung ergibt, müssen wir außerdem mehr in soft skills ausbilden.</p>



<p><strong>Agnes Streissler-Führer: </strong>Und es kann auch sein, dass bei Menschen, die in ein Unternehmen kommen, nicht nur das Fachwissen noch nicht gefestigt ist, sondern vielleicht auch die soziale Kompetenz noch nicht gefestigt ist. Da müssen sich die Unternehmen ihrerseits auch an den Wandel am Arbeitsmarkt anpassen. Sie können nicht erwarten, dass das Schulsystem ihnen perfekt ausgebildete Fachkräfte liefert, die sie dann eins zu eins im Betrieb einsetzen können.</p>



<p><strong>KOMPETENZ: </strong>Wie kann hier ein Bewusstseinswandel gelingen, dass es im Arbeitsleben immer stärker um Fähigkeiten und Fertigkeiten und weniger um Faktenwissen gehen wird und was kann das BFI hier beitragen?</p>



<p><strong>Agnes Streissler-Führer:</strong> Dieser Bewusstseinswandel ist nicht nur im BFI, sondern in der gesamten Erwachsenenbildung angekommen. Anders ist das in der Schule. Dort werden Kinder nach wie vor darauf trainiert, für Prüfungen zu büffeln. Wir müssen also an Schulen für diesen Bewusstseinswandel sorgen, auch schon an Volksschulen.</p>



<p><strong>Bettina Wucherer:</strong> Ich glaube zudem, dass wir da auch noch in vielen Studienrichtungen, vor allem an Universitäten, für ein entsprechendes Bewusstsein sorgen müssen. Fachhochschulen sind da innovativer. In der Schule wünsche ich mir, dass die Lust am Lernen stärker vermittelt wird.</p>



<p><strong>Agnes Streissler-Führer, </strong>geb. 1968 in Wien, Studium der Geschichte und der Volkswirtschaft an der Universität Wien. Danach 15 Jahre in der AK Wien tätig, danach acht Jahre selbstständige Unternehmensberaterin. Seit 2017 in der Gewerkschaft GPA, seit 2018 stellvertretende Bundesgeschäftsführerin. Mitglied im Präsidium des Aufsichtsrats des BFI, Kammerrätin der AK Wien.</p>



<p><strong>Bettina Wucherer</strong>, geb. 1970 in Klagenfurt, Jus-Studium an der Universität Wien. Seit April 2003 in der Gewerkschaft GPA zunächst im Bereich Rechtsschutz, seit 2018 stellvertretende Geschäftsführerin der Landesstelle Wien. Mitglied im Aufsichtsrat des BFI, Kammerrätin in der AK Wien.</p>



<p></p>



<div class="wp-block-group rotebox"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<h4 class="wp-block-heading">Das BFI Wien in Zahlen</h4>



<p>Das BFI Wien bietet fast 5.000 Bildungsveranstaltungen pro Jahr, zehn bis 15 Prozent davon online. Jährlich nehmen mehr als 35.000 Menschen an den verschiedenen Bildungsangeboten teil, 25.000 davon in öffentlich finanzierten Kursen. Schwerpunkte im Berufsausbildungszentrum des BFI Wien sind neben der Facharbeiter:innenintensivausbildung und der Überbetrieblichen Lehrausbildung die Berufsorientierung und Basisbildung (mit über 3.500 Teilnehmer:innen im Jahr 2023). Als Gewerkschaftsmitglied gibt es auf die Kurse im BFI Wien einen Rabatt von 30 Euro.</p>
</div></div>
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			</item>
		<item>
		<title>bfi-Betriebsrat: Wenn 21 Steckdosen an dir saugen</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2024/03/14/bfi-betriebsrat-wenn-21-steckdosen-an-dir-saugen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Resei]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 Mar 2024 09:33:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Kollektivvertrag]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<category><![CDATA[BABE]]></category>
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		<category><![CDATA[Erwachsenenbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Kollektivvertragsverhandlung]]></category>
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					<description><![CDATA[Bildung steht an erster Stelle, doch die Sorgen der Kursteilnehmer:innen brauchen genauso Raum. Was die Beschäftigten in der Erwachsenenbildung wirklich leisten, das wissen die Betriebsratsvorsitzenden des Berufsförderungsintituts (bfi), die auch über den Kollektivvertrag der privaten Bildungseinrichtungen mitverhandeln. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/03/BFI_8669-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-20650" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/03/BFI_8669-1024x683.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/03/BFI_8669-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/03/BFI_8669-150x100.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/03/BFI_8669-768x512.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/03/BFI_8669-1536x1024.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/03/BFI_8669-2048x1365.jpg 2048w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/03/BFI_8669-600x400.jpg 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/03/BFI_8669-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/03/BFI_8669-272x182.jpg 272w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Birgit Strasser, Christoph Lintner und Daniela Stoimaier (v.l.r.) sind Betriebsrät:innen beim bfi und außerdem Mitglieder im kleinen Verhandlungsteam für den Kollektivvertrag der privaten Bildungseinrichtungen.</strong><br>Foto: Nurith Wagner-Strauss<strong> </strong></figcaption></figure>



<p><strong>Bildung steht an erster Stelle, doch die Sorgen der Kursteilnehmer:innen brauchen genauso Raum. Was die Beschäftigten in der Erwachsenenbildung wirklich leisten, das wissen die Betriebsratsvorsitzenden des Berufsförderungsintituts (bfi)</strong>. </p>



<span id="more-20649"></span>



<p>Kaffee, Tee, Kuchen, ein paar Brötchen und Mineralwasserflaschen. Es wird wieder ein langer Tag. Daniela Stoimaier, Christoph Lintner und Birgit Strasser sind Mitglieder des kleinen Kollektivvertrag-Verhandlungsteams in der Erwachsenenbildung. Sie treffen&nbsp; einander um neun Uhr um in der GPA -Zentrale die Verhandlungsrunde vorzubereiten. Alle drei sind Betriebsräte beim Berufsförderungsinstitut (bfi): Strasser ist Betriebsratsvorsitzende in Kärnten, Stoimaier ist stellvertretende BR-Vorsitzende in der Steiermark und Lintner BR-Vorsitzender in Oberösterreich.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Voneinander lernen</h4>



<p>Obwohl Politiker:innen von Integration und lebenslangem Lernen schwärmen, wird auf einen entscheidenden Faktor kaum Rücksicht genommen: den Beschäftigten in der Erwachsenenbildung. Ein Warnstreik bei den letzten KV-Verhandlungen im vergangenen Mai brachte zumindest eine Annäherung der Standpunkte. Eine Lohnerhöhung um durchschnittlich 10,03 Prozent wurde damals vereinbart. Dem Auftakt der KV-Verhandlungen Mitte Februar 2024 folgten 4 Verhandlungsrunden – die Stimmung war während der Beratungen durchaus freundlich. Schließlich hatte die Berufsvereinigung der Arbeitgeber:innen privater Bildungseinrichtungen (BABE) am Beginn angekündigt, dass sie die rollierende Inflation nicht infrage stellt. „Sie sehen sich als soziale Arbeitgeber:innen und wollten heuer wohl, dass nicht gestreikt wird“, mutmaßt Christoph Lintner. Mitglieder der BABE sind gemeinnützige Bildungseinrichtungen wie das Berufsförderungsinstitut (bfi) und die Wiener Volkshochschulen GmbH (WVHS) ebenso wie gewinnorientierte Bildungsanbieter. Knapp 10.000 Beschäftigte arbeiten österreichweit in diesem Bereich.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Sie sehen sich als soziale Arbeitgeber:innen und wollten heuer wohl, dass nicht gestreikt wird.“</p>
<cite>Christoph Lintner</cite></blockquote>



<p>Um im Betrieb aufsteigen zu können oder als junger Mensch überhaupt eine Chance in der Arbeitswelt zu bekommen – das lebenslange Lernen wird immer wichtiger. Zu den wesentlichsten Aufgaben der Erwachsenenbildner:innen zählt aber auch die Hilfe bei der Integration.</p>



<p>Christoph Lintner: „Wir gehören oft zu den ersten Ansprechpartner:innen für Geflüchtete, wenn sie nach Österreich kommen und etwa einen Deutschkurs oder eine Berufsorientierung besuchen“. Häufig werden während der Kurse Fragen zur österreichischen Lebensweise und Bräuchen gestellt und beantwortet. Ein Klassiker: das Laternenfest im Kindergarten (<em>Anm. Martini, katholischer Brauch zu Ehren des Hl. Martin am 11. November</em>). Die Kleinen erzählen zuhause aufgeregt von ihrem Laternen-Basteln und dem Umzug, viele Eltern können sich darauf keinen Reim machen und fragen in ihrem Kurs nach. „Als Trainer ist es auch hilfreich, Interesse an der Kultur anderer Menschen zu haben“, erklärt Lintner. „Bei uns ist es üblich, dass sich die Teilnehmer:innen aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen vorstellen und erzählen, worauf sie stolz sind.“ Unter die freudigen Berichte über die verlorene Heimat mischen sich bisweilen auch die traumatischen Erlebnisse der Geflüchteten. Ein 13-Jähriger musste sich während der lebensgefährlichen Flucht über den Seeweg außerhalb im Meer schwimmend an einem Tragegriff des lecken Schlauchbootes festhalten, um nicht zu ertrinken. Ein Mann in seiner Nähe ging unter und ertrank. Lintner holt tief Luft: „Da fühle ich mich als Westeuropäer sehr privilegiert“.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Sozialer Auftrag für Leidenschaftliche</h4>



<p>Bisweilen können die Anforderungen, junge Leute auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten, die Lehrenden auch an den Rand der Verzweiflung bringen. „Eine Gruppe von 21 Jugendlichen, das sind quasi 21 Steckdosen, die Energie von dir ziehen“, erklärt der Betriebsratsvorsitzende des bfi-Oberösterreich. „Wenn Du dann nach Hause gehst, ist der Akku völlig leer“, weiß Christoph Lintner. Der größte Lehrlingsausbilder in Kärnten ist übrigens das bfi. Betriebsratsvorsitzende Birgit Strasser: „Vielen Mitarbeiter:innen in der Erwachsenenbildung macht es Freude, wenn sie Menschen im Leben weiterbringen können“. Strasser erzählt auch, wie der soziale Auftrag von vielen Trainer:innen gelebt wird: „Beschäftigte, die ihre Arbeit nicht mit enormer Leidenschaft machen, geben schnell wieder auf, weil es sie auffrisst“.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center"> „Vielen Mitarbeiter:innen in der Erwachsenenbildung macht es Freude, wenn sie Menschen im Leben weiterbringen können“</p>
<cite>Birgit Strasser</cite></blockquote>



<p>Die Tätigkeit als Erwachsenenbildner:in geht unter die Haut. Kursteilnehmer:innen sind mit Problemen auf unterschiedlichsten Ebenen konfrontiert: Traumata der Flucht, Hürden der Integration und Langzeitarbeitslosigkeit zermürben viele von ihnen. Andere haben panische Angst davor, ins Berufsleben zurückzukehren. Und ein Teil der Jugendlichen leidet unter geringem Selbstwertgefühl und Perspektivlosigkeit. Arbeitsuchende &#8211; ob jung oder alt &#8211; die schon länger nach einem Job suchen, sind wegen der vielen Bewerbungsablehnungen meist erschöpft. Häufig bekommen sie überhaupt keine Rückmeldungen oder nur Absagen. Dazu treten vermehrt psychische Probleme auf. Stabilisationsarbeit kann dabei sehr hilfreich sein. Damit ist die Überarbeitung der Bewerbungsunterlagen sowie die Berufsorientierung verbunden. „So schaffen wir immer noch sehr gute Vermittlungsergebnisse“ sagt Birgit Strasser. Das Zusammenspiel aus den oben genannten Punkten, der Empathie und dem breiten Fachwissen und Erfahrungswerten der Trainer:innen und Berater:innen führt zu den gewünschten Ergebnissen und sind somit das A&amp;O in unserer Arbeit.“</p>



<p>Daniela Stoimaier, die stellvertretende bfi-Betriebsratsvorsitzende in der Steiermark ruft daher zum gemeinsamen Handeln auf. „Wir müssen den Menschen einen Blick für die Zukunft geben und Maßnahmen ergreifen, um sie zu stabilisieren und bestmöglich zu unterstützen.“ Viele ihrer Kursteilnehmer:innen sind österreichische Staatsbürger:innen, die meisten haben Migrationshintergrund. „Sie erzählen uns von rassistischen Erfahrungen, die ihnen das Gefühl geben, in Österreich nichts wert zu sein und meinen: &#8218;Ich bleibe hier sowieso immer der Ausländer oder die Ausländerin!&#8217;“, berichtet Stoimaier.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Für eine Handvoll Euro</h4>



<p>„Wir müssen sie aufbauen und ihnen Energie geben“, weiß bfi-Kärnten-Betriebsratsvorsitzende Birgit Strasser. „Einen klassischen Acht-Stunden-Arbeitstag schaffen viele der jugendlichen Klient:innen nicht.“ Waren es früher vielleicht zwei Teilnehmer:innen pro Gruppe, so gilt das heute für die überwiegende Mehrheit. Diesen jungen Menschen Hoffnung zu geben und sie auf ihrem Weg zu unterstützen, das ist eine extrem herausfordernde Situation für die Erwachsenenbildner:innen. „Das nach Dienstschluss verarbeiten zu können, darin besteht die Kunst“, gibt Daniela Stoimaier vom bfi-Steiermark zu bedenken. Die Mitarbeiter:innen der Branche sind nach der Arbeit ausgelaugt, ihnen fehlt dann oft die Kraft für ihr eigenes Privatleben. Daran wollen die Beschäftigten die Gesellschaft erinnern.</p>



<div class="wp-block-group rotebox"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<h4 class="wp-block-heading">Hast du schon einmal überlegt selbst einen Betriebsrat zu gründen?</h4>



<p>Wenn es bei dir im Betrieb mindestens 5 Beschäftigte gibt, kann eine Betriebsratswahl stattfinden. Dein Chef/deine Chefin, darf die Wahl nicht behindern. Als Betriebsrätin/Betriebsrat hast du einen besonderen Kündigungsschutz und du kannst einen Teil deiner Arbeitszeit für die Betriebsratstätigkeit verwenden. Wir unterstützen und begleiten dich und deine KollegInnen bei der Durchführung der Betriebsratswahl.<br>Du möchtest mit uns darüber reden? Dann wende dich an unsere Beratung in deinem Bundesland. Alle Kontakte findest du hier: <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.gpa.at/kontakt" target="_blank" aria-label="https://www.gpa.at/kontakt (öffnet in neuem Tab)">https://www.gpa.at/kontakt</a></p>
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<p>Trotz einiger Fortschritte werden etwa viele der Kursangebote zu kurzfristig ausgeschrieben. „Bei einigen Kursen müssen die Trainer:innen sogar zittern, ob sie noch weiter stattfinden“, erzählt Christoph Lintner. Zwar sind die meisten Erwachsenenbildner:innen äußerst anpassungsfähig und einiges gewohnt – heute hier, morgen dort, irgendwo einspringen -, doch wenn sich die Chance bietet, verlassen viele Trainer:innen die Branche. Weil Schulen und FHs vergangenes Jahr dringend Personal gesucht haben, sind etwa einige Trainer:innen in Kärnten aus der Erwachsenenbildung ausgestiegen. Zudem sind die Gehälter generell niedriger als in einer Männer-dominierten Branche und obendrein hat das AMS auch noch sein Kurs-Budget gekürzt.</p>



<h4 class="wp-block-heading">7-Tage-Woche für die Einigung</h4>



<p>Bei den KV-Verhandlungen, die am 13.3.2024 abgeschlossen wurden, ging es nicht allein um mehr Geld, sondern auch um bessere Arbeitsbedingungen &#8211; wie etwa um die bessere Anrechnung von Vordienstzeiten. GPA-Verhandler Christoph Zeiselberger unterstützte die Mitglieder des so genannten kleinen KV-Verhandlungsteams. „Ohne ihn wären die Verhandlungen deutlich schwieriger“, lobt Lintner, der heuer das erste Mal im kleinen Verhandlungsteam mit dabei war. „Im Verhandlungsteam fühlen wir uns sicher, weil mit Christoph Zeiselberger jemand dabei ist, der sich rechtlich gut auskennt, und wir damit auch die Kompetenz der Gewerkschaft an unserer Seite haben.“ Fehlt etwa in der Hektik der KV-Verhandlungen ein gutes Argument, hilft Christoph Zeiselberger schnell auf die Sprünge.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Ich musste von Wien aus die Betriebsversammlung organisieren und die Leute motivieren, am Streik teilzunehmen“</p>
<cite>Birgit Strasser</cite></blockquote>



<p>Außerhalb der fixen Treffen standen die Mitglieder des Verhandlungsteams per Whatsapp &amp; Co. in sehr engem Kontakt, die virtuellen Diskussionen reichten dann schon weit in die Nacht hinein. Die Zeit während der KV-Verhandlungen ist immer fordernd. „Wenn Du als Verhandler:in tätig bist, lässt Du dich freilich auf diesen Prozess ein und weißt im Vorfeld, dass es stressig wird“, erklärt bfi-OÖ-Betriebsratsvorsitzender Lintner. „Dafür schaufelst Du dir Zeit frei.“ Um im Vorfeld Energie zu tanken, nutzte der Oberösterreicher die Ferien zwischen Weihnachten und Neujahr.</p>



<p>Birgit Strasser hingegen hatte heuer während der Verhandlungsrunden auch noch Aufgaben bei der AK-Wahl und den Betriebsratswahlen im bfi-Kärnten zu meistern. Bei den Verhandlungsrunden stieg die Betriebsratsvorsitzende am Vorabend in Klagenfurt in den Zug, traf sich spätestens um 9 Uhr in der Früh mit ihrem Team zur Vorbesprechung und war meist erst um 22:30 zu Hause. „Am nächsten Tag ging es dann um 7.30h in Klagenfurt weiter – häufig fühlte ich mich wie ausgepresst und muss dann am Wochenende nacharbeiten“, erzählt Strasser. An einem freien Tag erledigt sie Hausarbeiten, viel Freizeit bleibt während der KV-Verhandlungen nicht. Der Streik im letzten Jahr hat schon schwer an den Kräften gezehrt: „Ich musste von Wien aus die Betriebsversammlung organisieren und die Leute motivieren, am Streik teilzunehmen“.</p>



<p>Wer als Betriebsrat agiert, sollte eine robuste Persönlichkeit besitzen, denn es gibt immer wieder negative oder belastende Erlebnisse. Schließlich werden Arbeitenehmer:innen-vertreter eher dann konsultiert, wenn es Mitarbeiter:innen schlecht geht. „Deshalb haben sich in der letzten Periode zwei Kolleg:innen aus dem Betriebsrat zurückgezogen, sie fühlten sich den Aufgaben nicht mehr gewachsen“, berichtet Birgit Strasser. Allerdings hat sie eine tolle Stellvertreterin und es wechselte eine Betriebsrats-erfahrene Kollegin aus dem Burgenland nach Kärnten: „Sie ist eine tolle BR-Kollegin, aber wir haben 11 Standorte und bräuchten mehr Menschen, die sich engagieren“. Wer durchhält, kann sich aber oft über ein herzliches Feedback freuen: „Ich habe schon sehr rührende Mails bekommen“, erinnert sich Christoph Lintner. Birgit Strasser hat auf ihrem Computer sogar einen eigenen Ordner mit positiven Nachrichten von Kolleg:innen zusammengestellt. „Wenn ich ganz unten bin, dann lese ich diese Mails“, zeigt sich Strasser voll von Energie. Daniela Stoimaier vom bfi Steiermark bringt die BR-Arbeit auf den Punkt: „Viele Kolleg:innen wollen sich auch einfach nur aussprechen, das ist schön, denn die Menschen vertrauen uns!“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Abschluss erreicht</h4>



<p>Die Energie und die Arbeit, die die Betriebsrät:innen in die Kolletivvertragsverhandlungen stecken, hat sich ausgezahlt. In der Verhandlungsrunde am 13. März 2023 konnte eine Einigung mit den Arbeitgebern erzielt werden. </p>



<p>Die Gehälter, Zulagen und Lehrlingseinkommen werden um +7,7 Prozent erhöht, für die Monate Mai, Juni und Juli 2024 gibt es eine monatliche Mitarbeiter:innen-Prämie in der Höhe von steuerfrei 250,00 Euro netto. Außerdem gibt es Verbesserungen bei der Anrechnung der Vordienstzeiten. Alle Details zum Abschluss findest du <a href="https://www.gpa.at/kollektivvertrag/forschung-und-bildung/babe/2024/private-bildungseinrichtungen--abschluss-bei-den-kv-verhandlunge" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="hier (öffnet in neuem Tab)">hier</a>.</p>



<p>Das Ergebnis ist lange nicht perfekt, aber das Verhandlungsteam wird auch im kommenden Jahr weiterkämpfen. Weil es noch vieles gibt, was für die Beschäftigten erreicht werden muss.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Lerne noch weitere engagierte Betriebsrätinnen und Betriebsräte kennen</h4>



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