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	<title>Coronakrise &#8211; KOMPETENZ-online</title>
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		<title>Fachkräftemangel? Selber schuld!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Barbara Lavaud]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Oct 2022 11:59:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Arbeitsmarkt]]></category>
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					<description><![CDATA[Immer mehr Arbeitgeber klagen über den Fachkräftemangel. Aber wer Fachkräfte sucht, muss gute Jobs anbieten. ]]></description>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="697" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/10/leere-sessel_AdobeStock_289164387-1024x697.png" alt="" class="wp-image-19038" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/10/leere-sessel_AdobeStock_289164387-1024x697.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/10/leere-sessel_AdobeStock_289164387-300x204.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/10/leere-sessel_AdobeStock_289164387-150x102.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/10/leere-sessel_AdobeStock_289164387-768x523.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/10/leere-sessel_AdobeStock_289164387.png 1500w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Foto: Adobe Stock</figcaption></figure>



<p><strong>Immer mehr Betriebe und ganze Branchen klagen, keine gut ausgebildeten MitarbeiterInnen zu finden – die Menschen liegen lieber in der sozialen Hängematte, wird behauptet. Doch wer Fachkräfte sucht, muss auch gute Arbeitsplätze bieten! 5 Gründe, warum der Arbeitskräftemangel ein hausgemachtes Problem ist.</strong></p>



<span id="more-19032"></span>



<p>Die Wirtschaft sucht händeringend nach Fachkräften, so berichten die Medien. Zunächst hatten vor allem der Tourismus und die Gastronomie Probleme, nach der Pandemie wieder ausreichend gut qualifizierte MitarbeiterInnen zu finden, inzwischen betrifft der Mangel immer mehr Branchen. „Die Leute wollen nicht anpacken und beziehen lieber Arbeitslosengeld“, sagen viele Arbeitgeber.</p>



<p class="blauebox"><strong>Wir meinen: Der Fachkräftemangel ist hausgemacht!</strong></p>



<h4 class="wp-block-heading">1. Neue Firma, neue Branche</h4>



<p>Während der Pandemie haben viele ArbeitgeberInnen ihr wahres Gesicht gezeigt: Kündigungen statt Kurzarbeit, schlechter Gesundheitsschutz, fehlende Unterstützung für jene Beschäftigten, die unter großen zusätzlichen Belastungen arbeiten mussten, wie z.B. im Handel. Die schlechte Behandlung hat sich letztlich als Bumerang erwiesen: Viele ArbeitnehmerInnen haben die Chance ergriffen und die Branche oder den Arbeitgeber gewechselt. Sie nutzten Angebote zu Weiterbildungen oder Umschulungen.</p>



<p>Die Zahl der Menschen, die ihren Job wechseln wollen, stieg in Österreich kontinuierlich an, fand die AK OÖ in einer ihrer <a href="https://ooe.arbeiterkammer.at/beratung/arbeitundgesundheit/arbeitsklima/arbeitsklima_index/Arbeitsklima_Index-_Immer_mehr_wollen_Job_wechseln.html" aria-label="Arbeitsklima-Umfragen">Arbeitsklima-Umfragen</a> heraus. Besonders hoch ist der Anteil der Wechsel­willigen unter AkademikerInnen und jungen ArbeitnehmerInnen. Stark gestiegen ist er in den vergangenen beiden Jahren im Verkehr und Nachrichtenwesen, im Unterrichtswesen, im Gesundheits- und Sozialbereich sowie im Handel &#8211; und damit in einigen der system­relevanten Berufen, die mehrheitlich von Frauen ausgeübt werden. Am höchsten ist der Anteil nach wie vor im Tourismus, wo vier von zehn Beschäftigten an eine berufliche Veränderung denken.</p>



<p class="blauebox"><strong>Die Menschen wollen also arbeiten – aber zu höheren Löhnen und besseren Bedingungen!</strong></p>



<h4 class="wp-block-heading">2. Höhere Löhne und Gehälter</h4>



<p>Immer wieder erscheinen in den Medien Berichte über Betriebe, die keine MitarbeiterInnen finden können. Liest man genauer nach, stellt sich meist heraus, dass die Bezahlung sehr niedrig ist. Oft dann noch in Kombination mit langen Arbeitszeiten oder Wochenendarbeit. Sprich: Gesucht wird nach billigen Arbeitskräften, die bereit sind, rund um die Uhr zu schuften.</p>



<p>Auch hier hat die Pandemie einiges verändert: Aufgrund der Grenzschließungen nahmen viele Arbeitskräfte, die aus angrenzenden Ländern nach Österreich zum Arbeiten kamen, Arbeitsplätze in ihrem Heimatland an. Diese KollegInnen aus dem Ausland arbeiteten davor oft zum Mindestlohn. Schwarze Schafe unter den Unternehmen ließen sie auch oft über zusätzliche Ansprüche im Unklaren und bezahlten diese nicht. Diese – billigeren &#8211; Fachkräfte aus dem Ausland fehlen nun.</p>



<p>In Österreich lebende Beschäftigte kennen ihre Rechte und sind gewerkschaftlich gut organisiert. Aktuell verhandelt deine Gewerkschaft während der <a href="https://kompetenz-online.at/2022/09/19/kollektivvertrags-herbst-mit-sicherheit-mehr-gehalt/" aria-label="Herbstlohnrunde">Herbstlohnrunde</a> 2022 die Löhne und Gehälter in der Metallindustrie, im Handel und in der Sozialwirtschaft – das betrifft die Einkommen der mehr als 800.000 Menschen, die in diesen Branchen arbeiten! ArbeitgeberInnen, die gerade in Zeiten von Inflation und Teuerung den ArbeitnehmerInnen keinen fairen <a href="https://kompetenz-online.at/2018/07/26/kommentar-herbstlohnrunde-wir-bewegen-milliarden/" aria-label="Anteil am Unternehmenserfolg">Anteil am Unternehmenserfolg</a> geben wollen, riskieren eine Abwanderung von Arbeitskräften in andere, besser bezahlte Branchen.</p>



<p class="blauebox"><strong>Denn die Beschäftigten wissen, was ihnen zusteht – und achten außerdem nicht nur auf die Bezahlung, sondern auch auf die Arbeitsbedingungen!</strong></p>



<h4 class="wp-block-heading">3. Arbeitsbedingungen verbessern</h4>



<p>Die Liste der schlechten Arbeitsbedingungen, die Fachkräfte abschrecken, ist lang: &nbsp;Überlange oder zerstückelte Arbeitszeiten, unbezahlte Überstunden, zu großer Zeit- bzw. Arbeitsdruck, zu niedriges Kilometergeld im Außendienst, vom Arbeitgeber nicht eingehaltene rechtliche und KV-Bedingungen, u.v.a.m. Fehlendes Personal und Abwanderung in andere Branchen verschlechtern die Arbeitsbedingungen noch zusätzlich für die verbliebenen Beschäftigten.</p>



<p>In einigen Bereichen wie z.B. in der <a href="https://kompetenz-online.at/2022/06/02/sozialwirtschaft-die-eisdecke-wird-immer-duenner/" aria-label="Sozialwirtschaft">Sozialwirtschaft</a> ist der Arbeitsdruck mittlerweile so hoch, dass immer mehr Beschäftigte ihren Beruf verlassen. In der <a href="https://kompetenz-online.at/2022/02/11/wir-sind-nicht-mehr-abzuspeisen/" aria-label="Elementarpädagogik">Elementarpädagogik</a> oder in den <a href="https://kompetenz-online.at/2022/02/23/taeglich-ankaempfen-gegen-den-personalmangel/" aria-label="Gesundheitsberufen">Gesundheitsberufen</a>, wo die ArbeitnehmerInnen ohnehin zwei äußerst harte Pandemiejahre hinter sich haben, müssen nun jene KollegInnen, die weiterhin in der Branche arbeiten, die Arbeit der abgewanderten Fachkräfte mit übernehmen – was wiederum dazu führt, dass immer mehr ans Aufhören denken. Bei zahlreichen Problemen in diesen Berufen hat sich außerdem ein <a href="https://kompetenz-online.at/2021/12/02/wir-brauchen-mehr-geld-personal-und-freizeit/" aria-label="Reformstau">Reformstau</a> gebildet, denn bereits vor der Pandemie lag vieles im Argen.</p>



<p><a href="https://www.gpa.at/" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="Deine Gewerkschaft (öffnet in neuem Tab)">Deine Gewerkschaft</a> kämpft für bessere Arbeitsbedingungen und hat auch schon vieles erreicht: So wurde z.B. im Handel vor einigen Jahren ein völlig neuer Kollektivvertrag aufgesetzt. Für die Beschäftigten im privaten Pflege-, Gesundheits- und Sozialbereich konnte eine <a href="https://kompetenz-online.at/2020/04/01/kv-abschluss-da-sannma-noch-nicht-fertig/" aria-label="Arbeitszeitverkürzung">Arbeitszeitverkürzung</a> auf 37 Stunden (bei gleicher Bezahlung) erkämpft werden. </p>



<p class="blauebox"><strong>Unser nächstes Ziel ist die 35-Stunden-Woche!</strong></p>



<h4 class="wp-block-heading">4. Neue Arbeitsformen</h4>



<p>In Branchen, in denen es grundsätzlich genügend qualifizierte Arbeitskräfte gibt, wo die Arbeitsbedingungen aber schlecht sind, müssten die Betriebe größere Anstrengungen unternehmen, um attraktiv zu sein. Die Ideen dafür sind bekannt, wir berichten regelmäßig darüber: <a href="https://kompetenz-online.at/2020/02/21/35-stunden-sind-genug-gpa-djp-und-vida-kaempfen-fuer-eine-verkuerzung-der-arbeitszeit/" aria-label="Arbeitszeitverkürzung">Arbeitszeitverkürzung</a>, flexible Arbeitszeiten, Homeoffice oder die Vier-Tage-Woche, um nur einige zu nennen. Alle Maßnahmen, die die Work-Life-Balance der Menschen verbessern, machen Betriebe für MitarbeiterInnen attraktiv!</p>



<p>Man weiß z.B. mittlerweile, dass die <a href="https://kompetenz-online.at/2022/08/29/vier-tage-woche-der-weg-aus-dem-hamsterrad/" aria-label="Vier-Tage-Woche">Vier-Tage-Woche</a> die Produktivität nicht sinken, sondern im Gegenteil steigen lässt, weil sich die Beschäftigten an einem dreitägigen Wochenende besser erholen können und danach motivierter zur Arbeit kommen. Auch <a href="https://kompetenz-online.at/2022/06/30/neue-arbeitszeiten-flexibles-und-kuerzeres-arbeiten-statt-9-to-5/" aria-label="flexible oder reduzierte Arbeitszeiten">flexible oder reduzierte Arbeitszeiten</a> sind stark nachgefragt, besonders bei jungen Eltern, die Job und Kinderbetreuung gut unter einen Hut bringen wollen. <a href="https://kompetenz-online.at/2021/01/29/klare-regeln-fuer-home-office/" aria-label="Homeoffice">Homeoffice</a> kann, wenn es richtig eingesetzt wird, die MitarbeiterInnen entlasten.</p>



<p class="blauebox"><strong>Doch was, wenn es trotz aller Versuche, attraktive Arbeitsplätze anzubieten, tatsächlich einen Mangel an gut qualifizierten ArbeitnehmerInnen gibt?</strong></p>



<h4 class="wp-block-heading">5. Lehrstellen schaffen, in Ausbildung investieren</h4>



<p>Wer Fachkräfte sucht, muss sie ausbilden! Der Schlüssel zu einem erfolgreichen Berufsleben als FacharbeiterIn ist die Lehrlingsausbildung. Die Lehrlinge wurden jedoch während der Pandemie von der Regierung stiefmütterlich behandelt. Berufsschulen unterrichteten im Distance Learning, Betriebe waren in Kurzarbeit.</p>



<p>Rund 40 Prozent aller 15-Jährigen in Österreich entscheiden sich für eine duale Berufsausbildung in Betrieb und Berufsschule. Die Qualität der dualen Berufsausbildung war in Österreich jahrzehntelang eine der Säulen der Wirtschaft. Doch immer weniger Betriebe wollten in Ausbildung investieren und die Zahl der Lehrplätze sinkt kontinuierlich.</p>



<p>Deine <a href="https://kompetenz-online.at/2020/01/22/wirtschaft-soll-mehr-lehrlinge-ausbilden/" aria-label="Gewerkschaftsjugend fordert">Gewerkschaftsjugend fordert</a>: Mehr Lehrstellen, Aufwertung der Lehre, Lehre mit Matura! Große Betriebe müssten über Bedarf ausbilden, die Regierung sollte hierfür Anreize schaffen. Kleine und mittlere Unternehmen benötigen Unterstützungsgelder, um zusätzliche Lehrstellen schaffen zu können. Ebenso muss der öffentliche Dienst einspringen und verstärkt Lehrlinge aufnehmen.</p>



<p>Um die Lehre attraktiver zu machen, müssen Ausbildungswege wie die <a href="https://kompetenz-online.at/2020/01/22/wirtschaft-soll-mehr-lehrlinge-ausbilden/" aria-label="Lehre mit Matura">Lehre mit Matura</a> oder das duale Studium breit gefördert werden. In einigen <a href="https://kompetenz-online.at/2022/05/02/unterricht-in-der-arbeitszeit-macht-lehre-mit-matura-attraktiver/" aria-label="Kollektivverträgen">Kollektivverträgen</a> konnte die GPA die Lehre mit Matura bereits verankern. Denn junge Menschen wollen mehr Perspektiven für ihre berufliche Zukunft! </p>



<p class="blauebox"><strong>Und auch bei der Lehre gilt: Jene Branchen, die schon im ersten Lehrjahr so viel zahlen wie andere erst im dritten, finden natürlich leichter interessierte Jugendliche.</strong></p>



<p><strong>Das könnte dich auch interessieren:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li>BetriebsrätInnen waren in der Coronakrise in vielen Betrieben wichtiger Stabilitätsanker. Warum das so war, erzählt Hubert Eichmann von FORBA im <a href="https://kompetenz-online.at/2022/10/13/betriebsrat-als-stabilitaetsanker-in-der-krise/" aria-label="Interview">Interview</a></li><li>Wie viel du mindestens verdienen musst, steht nicht im Gesetz. sondern im Kollektivvertrag. Wie diese zustande kommen und was sie außerdem regeln, erklären wir dir <a href="https://kompetenz-online.at/2022/04/07/alles-was-du-zum-kollektiv-vertrag-wissen-musst/" aria-label="hier">hier</a>.  </li><li>Die <a href="https://kompetenz-online.at/2022/08/29/vier-tage-woche-der-weg-aus-dem-hamsterrad/" aria-label="Vier-Tage-Woche">Vier-Tage-Woche</a> wird in vielen Ländern Europas schon erfolgreich erprobt. Wir haben für dich über die Grenzen geschaut. </li></ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Betriebsrat als Stabilitätsanker in der Krise</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2022/10/13/betriebsrat-als-stabilitaetsanker-in-der-krise/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christof Mackinger]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Oct 2022 09:59:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Arbeitsmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Corona]]></category>
		<category><![CDATA[Coronakrise]]></category>
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		<category><![CDATA[Hubert Eichmann]]></category>
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		<category><![CDATA[New Work]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Soziologe Hubert Eichmann über Betriebsratsarbeit nach Corona und warum der Betriebsrat in der Krise Stabilitätsanker war. ]]></description>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/10/20220719_IMG_1451_cmarkuszahradnik.com_PREVIEW-1024x683.png" alt="" class="wp-image-19024" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/10/20220719_IMG_1451_cmarkuszahradnik.com_PREVIEW-1024x683.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/10/20220719_IMG_1451_cmarkuszahradnik.com_PREVIEW-300x200.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/10/20220719_IMG_1451_cmarkuszahradnik.com_PREVIEW-150x100.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/10/20220719_IMG_1451_cmarkuszahradnik.com_PREVIEW-768x512.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/10/20220719_IMG_1451_cmarkuszahradnik.com_PREVIEW-600x400.png 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/10/20220719_IMG_1451_cmarkuszahradnik.com_PREVIEW-720x480.png 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/10/20220719_IMG_1451_cmarkuszahradnik.com_PREVIEW-272x182.png 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/10/20220719_IMG_1451_cmarkuszahradnik.com_PREVIEW.png 1500w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Foto: Markus Zahranik</figcaption></figure>



<p><strong>Zwei WissenschafterInnen haben die Auswirkungen der Covid19-Pandemie auf ArbeitnehmerInnen und ihre Vertretung untersucht. Hubert Eichmann von Forba im Gespräch mit KOMPETENZ.</strong></p>



<span id="more-19022"></span>



<p>Die „Pfadabhängigkeit“ ist eine der zentralen Erkenntnisse der zuletzt veröffentlichten Studie von Hubert Eichmann und Sarah Nowak von FORBA. Die beiden SozialwissenschafterInnen sind der Frage nachgegangen, wie sich die Corona-Pandemie „auf die Beschäftigten und auf die (digitalisierte) <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.gpa.at/betriebsrat" target="_blank" aria-label="Betriebsratsarbeit (öffnet in neuem Tab)">Betriebsratsarbeit</a>“ ausgewirkt haben. Sie haben in einer Literaturanalyse „Unmengen“ an Studien dazu analysiert, wie Eichmann im Interview berichtet.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Betriebsrat</h4>



<p>Hubert Eichmann ist studierter Soziologe und seit fast 20 Jahren bei der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt, bekannt als FORBA, wo er „viele unterschiedliche Facetten der Arbeitswelt“ unter die Lupe nimmt. Eine der Facetten ist die eingangs erwähnte Pfadabhängigkeit, welche die ForscherInnen in der Corona-Pandemie bei Betriebsrats-Körperschaften beobachten konnten. Aber was ist das?</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Dort wo die Betriebsratsarbeit vor der Corona-Krise gut lief, ist man auch in der Krise gut durchgekommen.&#8220;</p><cite>Hubert Eichmann</cite></blockquote>



<p>Die erfolgreiche Mitwirkung bzw. Wirksamkeit von betrieblicher Mitbestimmung ist dort am größten, „wo bereits vor Corona eine (langjährig) etablierte <a rel="noreferrer noopener" href="https://kompetenz-online.at/2021/04/14/mitbestimmung-wirkt-positiv/" target="_blank" aria-label="Mitbestimmungskultur (öffnet in neuem Tab)">Mitbestimmungskultur</a> im Betrieb vorhanden war, mit proaktiven Betriebsratsakteuren und viel Hintergrundwissen rund um die Ausgestaltung von Einflusszonen in der arbeits- bzw. betriebspolitischen Arena“, so die Studie. Eichmann sagt es so: „Dort wo die Betriebsratsarbeit vor der Corona-Krise gut lief, ist man auch in der Krise gut durchgekommen. Wo man davor schon schwach war, ist die Arbeit für die Belegschaft zum Teil durch Corona richtiggehend zusammen gebrochen“. Meist sei ein großer Betriebsrat, wie in Unternehmen mit zahlenmäßig starker Belegschaft, stabil gewesen. Man müsse sogar von einer Aufwertung des Betriebsrats sprechen, weil er geradezu als „Stabilitätsanker“ in unruhigen Zeiten wahrgenommen wurde. Oft sei Betriebsratsarbeit weit über das gewohnte Maß hinaus gegangen. BetriebsrätInnen hätten sehr schnell Modelle für Kurzarbeit und Homeoffice-Regelungen mitausgearbeitet, die davor noch unerprobt waren. Bei großen Unternehmen in Deutschland seien auch „Ad-hoc Krisenstäbe“ eingerichtet worden, in denen die unterschiedlichen Stakeholder im Unternehmen zusammen kamen, darunter auch BetriebsrätInnen.</p>



<p>Corona war nicht zuletzt ein „Boost“ für die Digitalisierung auch in der Betriebsratsarbeit, etwa in der Online-Beratung ihrer KollegInnen. Der persönliche Kontakt, das Gespräch zwischen Tür und Angel wird nichtsdestoweniger wichtig bleiben.</p>



<p>Die Arbeitnehmervertretung hatte aber oft auch eine wichtige soziale Funktion inne. So etwa beim Thema Corona selbst, das, wie es Eichmann beschreibt „ja nicht ganz unkonfliktiv in seiner Einschätzung ist.“ Hier fungierten häufig der Betriebsrat oder die Betriebsrätin als „Integrationsfigur“. Sie waren es, die Konflikte vom Betrieb fern hielten und Kompromisse aushandelten, wenn es etwa um das Maskentragen bei der Arbeit ging.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Belegschaft</h4>



<p>Wie aber wirkte sich die Krise auf die Arbeitnehmenden und ihre Arbeitsbedingungen selbst aus? Wenig überraschend: Unterschiedlich. Hierbei haben Hubert Eichmann und Sarah Nowak vier grobe Gruppen ausmachen können.</p>



<p>Da wäre einmal die Gruppe der systemrelevanten Berufe, also jene, „die trotz hoher Inzidenzraten die Stellung halten mussten“, wie Arbeitende in der Pflege und dem gesamten Gesundheitswesen. Sie zählen aber auch den Handel, der während der Lockdowns geöffnet hatte, sowie Lehr- und Reinigungskräfte und Lieferdienste zu dieser Gruppe. Jene waren vom gesundheitlichen Risiko der Ansteckung zwar mehr betroffen, die öffentliche Anerkennung jedoch leider nur ein „Strohfeuer“, wie es in der Studie heißt. Die Berufsgruppe zeigt aber durchaus ein „steigendes Selbstbewusstsein“, das sich „neben einer erhöhten Kündigungsbereitschaft in einer höheren Konfliktbereitschaft zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen manifestieren dürfte.“</p>



<p>Die „Lockdown-Branchen“, wie sie Eichmann nennt, umfassen Beschäftigte in der Beherbergung, Gastronomie, Teile des Einzelhandels, Kunst und Kultur, wo sich auch viele Kleinbetriebe wieder finden. Sie hatten am massivsten unten den Auswirkungen der Pandemiepolitik zu leiden. Ihre Belegschaft rangierte zwischen „wenns gut geht Kurzarbeit, wenns schlecht läuft Entlassung“, so der Studienautor.</p>



<p>Die dritte Gruppe umfasst jene deren Arbeit zumindest zeitweise ins Homeoffice verlegt wurde, also rund „39 Prozent aller unselbstständig Erwerbstätigen in Österreich“. Dies hatte zwar ein geringeres Ansteckungsrisiko und mehr Flexibilität zur Folge, aber auch eine zeitliche Entgrenzung und „die Erfahrung eines Work-Family-Konflikts.“ Frauen erlebten die Lockdowns als „Backlash“ was die gängigen Rollenklischees und Mehrfachbelastungen angehe.</p>



<p>Die Beschäftigten im vierten Segment „fallen auf, weil es keine, oder ganz wenig Untersuchungen zu ihren Berufsgruppen gab“, so Eichmann im Gespräch. „Hier gab es kaum einen Einbruch der Wertschöpfung.“ Beschäftigte am Bau oder in der Produktion waren sehr rasch wieder im „Normalmodus“, dementsprechend haben es die Beschäftigten auch weniger als groben Einschnitt wahrgenommen als die anderer Branchen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Perspektiven </h4>



<p>Fragt man Hubert Eichmann nach den längerfristigen Auswirkungen, sieht er Nachteile aber auch Chancen:&nbsp; Bestimmte Berufsgruppen schätzen die zunehmende Flexibilität, insbesondere durch Homeoffice, aber eben bei weitem nicht alle. Die damit einhergehenden Risiken der Verpflichtung, immer und überall arbeiten zu müssen, waren schon vor Corona bekannt und sind seitdem größer geworden. Zum Stichwort „New Work“: „Ich halte den Begriff für eine ziemlich leere Worthülse, kenne solche Konzepte schon seit 20 Jahren, da ist nicht so viel Neues dabei.“</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Ich halte den Begriff &#8218;New Work&#8216; für eine ziemlich leere Worthülse, kenne solche Konzepte schon seit 20 Jahren, da ist nicht so viel Neues dabei.“</p><cite>Hubert Eichmann</cite></blockquote>



<p>Viel eindeutiger seien die Chancen der Arbeitenden, wenn es um den in der Corona-Pandemie aufgetauchten Fachkräftemangel gehe. Der gehe auf einen demographischen Wandel zurück und sei ein „bleibendes Phänomen“. Mit der steigenden Fluktuation „aus dem Job in einen anderen Job“ sieht der Wissenschafter zukünftig „mehr Durchsetzungsmöglichkeiten für Arbeitnehmer-Interessensvertretungen“. Eine positive Erkenntnis zum Abschluss, die Lust macht die Studie von Sarah Nowak und Hubert Eichmann genauer anzuschauen.</p>



<p class="blauebox">Die komplette von der Arbeiterkammer heraus gegebene Studie findet sich <a href="https://wien.arbeiterkammer.at/service/studienundzeitschriften/studien/betriebsrat/Auswirkungen_der_Pandemie_auf_Beschaeftigte.pdf" aria-label="hier zum Download">hier zum Download</a></p>



<h4 class="wp-block-heading">Das könnte dich auch interessieren: </h4>



<ul class="wp-block-list"><li>Die Kompetenz online stellt regelmäßige engagierte BetriebsrätInnen vor. Die aktuellsten Porträts findest du <a href="https://kompetenz-online.at/category/typ/portraets/" aria-label="hier">hier</a></li><li>Du hast schon einmal selbst überlegt einen&nbsp;Betriebsrat&nbsp;zu gründen, hörst aber immer wieder Argumente dagegen? <a rel="noreferrer noopener" href="https://kompetenz-online.at/2022/09/12/4-irrtuemer-rund-um-eine-betriebsratsgruendung/" target="_blank" aria-label="Hier (öffnet in neuem Tab)">Hier</a> entkräften wir die häufigsten Argumente. </li><li>Der Fachkräftemangel lässt Arbeitgeber erkennen, dass sie ArbeitnehmerInnen mehr bieten müssen als einen Arbeitsplatz. Wir haben das Buch „<a href="https://kompetenz-online.at/2022/09/29/arbeit-auf-augenhoehe/" aria-label="Arbeit auf Augenhöhe">Arbeit auf Augenhöhe</a>“ von Lena Maria Glaser für dich gelesen. </li></ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wenn eine Krise auf die andere folgt</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2022/07/25/wenn-eine-krise-auf-die-naechste-folgt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexia Weiss]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Jul 2022 09:05:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
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					<description><![CDATA[Nach der Corona-Krise spürt der Handel nun die massiv steigende Inflation. Für das Verkaufspersonal bedeutet das auch, das Sortiment immer wieder neu bepreisen zu müssen. André Brunner vertritt in dieser schwierigen Lage die Interessen von Lehrlingen bei Kastner &#038; Öhler.]]></description>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/07/Andre_Brunner-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-18641" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/07/Andre_Brunner-1024x683.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/07/Andre_Brunner-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/07/Andre_Brunner-150x100.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/07/Andre_Brunner-768x512.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/07/Andre_Brunner-600x400.jpg 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/07/Andre_Brunner-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/07/Andre_Brunner-272x182.jpg 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/07/Andre_Brunner.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Foto: Privat</figcaption></figure>



<p><strong>Nach der Corona-Krise spürt der Handel nun die massiv steigende I<a href="https://kompetenz-online.at/2022/05/24/wirtschaftsbegriffe-so-erklaert-dass-auch-normale-menschen-sie-verstehen/" aria-label="nflation">nflation</a>. Für das Verkaufspersonal bedeutet das auch, das Sortiment immer wieder neu bepreisen zu müssen. André Brunner vertritt in dieser schwierigen Lage die Interessen von <a href="https://www.gpa.at/die-gpa/jugend/lehrlinge" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="Lehrlingen (öffnet in neuem Tab)">Lehrlingen </a>bei Kastner &amp; Öhler.</strong></p>



<span id="more-18640"></span>



<p>Eigentlich hatte André Brunner ja vor, eine Lehre in einem Büro zu absolvieren. In der Polytechnischen Schule bekam er allerdings die Möglichkeit, in einem Ausbildungsbetrieb zu schnuppern „und da habe ich gemerkt, dass mir das gar nicht gefällt“. Stattdessen zog es ihn in den Handel und 2018 begann er seine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann im Stammhaus von Kastner &amp; Öhler in Graz. Die Handelskette beschäftigt österreichweit an verschiedenen Standorten rund 1.800 MitarbeiterInnen. 28 von ihnen sind Lehrlinge.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Lehre im Textilhandel</h4>



<p>Seine <a href="https://www.gpa.at/die-gpa/jugend/lehrlinge" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="Lehrzeit (öffnet in neuem Tab)">Lehrzeit</a> verbrachte Brunner in verschiedenen Textilabteilungen des Kaufhauses: Gut hat es ihm dabei in der Premium Herrenabteilung und besonders gut in der Hemdenabteilung gefallen. „Da braucht es Sachwissen und viel Beratung, Kunden brauchen Hilfe und man redet sehr viel. Und das tue ich sehr gerne.“ Weniger angetan war er dagegen von der Damenabteilung. Da frage kaum jemand um Rat. Im September 2021 schloss Brunner seine Lehre ab.</p>



<p>Seitdem er in der Home Abteilung des Kaufhauses aushelfen musste und merkte, wie gut es ihm auch dort gefiel, bestimmen Pfannen, Küchenmaschinen &amp; Co seinen Alltag. „Da geht es auch ganz stark um Beratung. Welches Gerät kann ich wofür verwenden? Wie funktioniert der Motor, wieviel Leistung hat er, was kann man damit zubereiten, was sollte man vermeiden?“ Viel habe er hier von KollegInnen gelernt. Und wenn neue Produkte ins Sortiment aufgenommen werden, dann informiere sich das ganze Team einerseits über die Herstellerseiten im Internet, andererseits könne man auch beim Vertreter oder der Vertreterin der Waren anrufen und sich Fragen beantworten lassen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Verkäufer mit Herz und Seele</h4>



<p>Brunner ist aber nicht nur Verkäufer mit Herz und Seele, er setzt sich auch gerne für andere ein. Als 2020, kurz vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie, Betriebsrat und GewerkschaftsvertreterInnen über die Möglichkeit erzählten, einen Jugendvertrauensrat einzusetzen, „habe ich das sehr spannend gefunden und war sofort dabei“. Er stellte sich also der Wahl und ist seitdem Vorsitzender des Jugendvertrauensrats bei Kastner &amp; Öhler.</p>



<p>Inzwischen hat er auch den Basiskurs der Gewerkschaft absolviert, kommendes Jahr wolle er das nächste Modul besuchen. Es sei wichtig, zu wissen, was ein Kollektivvertrag ist und wie dieser ausverhandelt wird, sagt er. Aber auch über ArbeitnehmerInnenrechte Bescheid zu wissen, helfe ihm in seiner nun zusätzlichen Funktion.</p>



<p>Was ihm als <a href="https://www.gpa.at/die-gpa/jugend/jugenvertrauensraetinnen" aria-label="Jugendvertrauensrat">Jugendvertrauensrat</a> wichtig ist? Immer wieder durchs Haus zu gehen und mit den Lehrlingen zu sprechen, zu fragen, ob etwas Neues, aber auch, ob es Probleme gibt. Ab und zu organisiert er auch gemeinsame Unternehmungen, „damit man ein bisschen Leben in die Firma bringt“. Einmal sei das ein Eistag gewesen, ein anderes Mal ein Action Weekend, dann wieder ein „Exit the room“- Event, ein Escape-Game, bei dem es einem durch das Lösen von Rätseln gelingen muss, einen Raum zu verlassen.</p>



<p>Wo aber drückt bei seinen jungen KollegInnen der Schuh, mit welchen Sorgen kommen sie zu ihm? Da gebe es die individuellen Anliegen und jene, die viele betreffen. In einem Fall gab es in einer Abteilung einfach physisch zu wenig Platz, um die Arbeit zu verrichten, es ging dabei darum, Ware, die nicht abgeholt worden war, wieder entsprechend zusammenzulegen und an den richtigen Platz im Kaufhaus zu bringen. „Da haben wir dann gemeinsam mit der Abteilungsleitung einen Tisch organisiert.“ In anderen Fällen fühlen sich Lehrlinge von einem oder einer Vorgesetzten unfair behandelt. Hier versuche er dann zu vermitteln.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Die Berufsschule in der Corona-Zeit war schon ein hartes Pflaster. Anfangs musste alles von daheim gemacht werden, aber es herrschte Chaos und die Aufgaben kamen nur über Email. </p><cite>André Brunner</cite></blockquote>



<p>Bei strukturellen Problemen sei es dagegen schwerer, sofort etwas zu erreichen. Brunner nennt hier die Berufsschule in der Pandemiezeit. „Die Berufsschule in der Corona-Zeit war schon ein hartes Pflaster. Anfangs musste alles von daheim gemacht werden, aber es herrschte Chaos und die Aufgaben kamen nur über Email. Erst später wurde das über Microsoft Teams organisiert. Und wir haben zwar unsere Aufgaben zurückgeschickt und hatten einmal in der Woche Kontakt mit den LehrerInnen, aber da ist inhaltlich schon viel auf der Strecke geblieben.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Teuerung trifft Lehrlinge besonders</h4>



<p>Was im Moment sehr stark zu spüren sei, sei die Inflation, erzählt Brunner zudem. Dabei gehe es weniger um finanzielle Sorgen der Lehrlinge. „Sie leben ja alle noch zu Hause und bei Kastner &amp; Öhler ist es außerdem so, dass fleißige Lehrlinge mehr bezahlt bekommen. Mit einem guten Erfolg in der Berufsschule sind es zehn Prozent, bei einem ausgezeichneten Erfolg 20 Prozent.“ Er selbst habe in allen drei Jahren mit einem ausgezeichneten Erfolg abgeschlossen.</p>



<p>Nein, die Inflation bestimme derzeit den Arbeitsalltag massiv. „Fast täglich bekommen wir Preiserhöhungen von den Herstellern herein. Griller wurden zunächst um zehn Prozent teuer, kurz darauf nochmals um zehn Prozent. Und bei manchen Dingen ist es wirklich extrem: Für Kochschürzen ist der Preis um 50 Prozent gestiegen und ein Messerset kostete 250 Euro und nun kostet es 399 Euro.“ Die Kundschaft sei eigentlich recht verständnisvoll, sagt Brunner, aber da jedes Produkt einzeln bepreist werde, habe das Verkaufsteam alle Hände voll zu tun. „Wir kommen mit dem Umschreiben kaum mehr nach und manchmal passiert es dann auch, dass KundInnen an der Kassa stehen und dort dann ein höherer Preis zu bezahlen ist, als noch am Pickerl steht.“</p>



<p class="blauebox"><strong>Zur Person: </strong><br>André Brunner, geb. 2003 in Bruck an der Mur, aufgewachsen in Frohnleiten. Nach Haupt- und Polytechnischer Schule Lehre bei Kastner &amp; Öhler in Graz im Bereich Verkauf, Lehrabschluss zum Einzelhandelskaufmann 2021. Seit 2020 Vorsitzender des Jugendvertrauensrats. In seiner Freizeit ist Brunner gerne mit Freunden unterwegs. Im Sommer ist er oft am Tiebersee anzutreffen. Er wohnt bis heute in Frohnleiten, inzwischen aber seit diesem Frühjahr in seiner eigenen Wohnung.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Wozu&nbsp;<a href="https://www.gpa.at/die-gpa/jugend/jugenvertrauensraetinnen" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="JugendvertrauensrätInnen (öffnet in neuem Tab)">JugendvertrauensrätInnen</a>?</h4>



<p>Für Lehrlinge und jugendliche ArbeitnehmerInnen sind JugendvertrauensrätInnen die ersten AnsprechpartnerInnen für alle Fragen rund um die Themen Arbeiten und Ausbildung.<br>So wie BetriebsrätInnen die Interessen aller ArbeitnehmerInnen des Betriebes vertreten, sind JugendvertrauensrätInnen speziell für die Anliegen der Lehrlinge und der jugendlichen ArbeitnehmerInnen da. Sie kümmern sich darum, dass du gehört wirst und sind deine betriebliche Interessenvertretung mit Biss.</p>



<p>Wichtig: Jugendliche ArbeitnehmerInnen und Lehrlinge dürfen auch während ihrer Arbeitsszeit mit Problemen und Anregungen zum/zur JugendvertrauensrätIn gehen.</p>



<p>JugendvertrauensrätInnen sind meist selbst mitten in der Ausbildung oder haben diese gerade erst abgeschlossen. Genau darum Wissen sie auch wo der Schuh drückt und können deine Interessen bestens vertreten.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>2 Jahre Coronakrise – Zeit zur politischen Kurskorrektur?</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2022/04/12/2-jahre-coronakrise-zeit-zur-politischen-kurskorrektur/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christof Mackinger]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 12 Apr 2022 07:42:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Christof Mackinger]]></category>
		<category><![CDATA[Corona]]></category>
		<category><![CDATA[Coronakrise]]></category>
		<category><![CDATA[Gewerkschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Pandemie]]></category>
		<category><![CDATA[Ungleichheit]]></category>
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		<category><![CDATA[Verteilung]]></category>
		<category><![CDATA[Verteilungsgerechtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Greif]]></category>
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					<description><![CDATA[„Sparen, wo’s nur geht, ist uncool geworden“ – mit diesem Satz brachte Wolfgang Greif, Leiter der GPA-Bildungsabteilung, vergangenen Dienstag eine These auf den Punkt: Durch die Ereignisse der letzten Jahre wären lang bestehende, neoliberale Dogmen ins Schleudern geraten.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/04/greif-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-18308" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/04/greif-1024x683.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/04/greif-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/04/greif-150x100.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/04/greif-768x512.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/04/greif-600x400.jpg 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/04/greif-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/04/greif-272x182.jpg 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/04/greif.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption><strong>Wolfgang Greif, Leiter der Gewerkschaft GPA-Bildungsabteilung.</strong><br>Foto: Daniel Novotny</figcaption></figure>



<p><strong>„Sparen, wo’s nur geht, ist uncool geworden“ – mit diesem Satz brachte Wolfgang Greif, Leiter der GPA-Bildungsabteilung, vergangenen Dienstag eine These auf den Punkt: Durch die Ereignisse der letzten Jahre wären lang bestehende, neoliberale Dogmen ins Schleudern geraten.</strong></p>



<span id="more-18307"></span>



<p>Letzte Woche hat die GPA mit SozialwissenschafterInnen und BetriebsrätInnen im Zuge der Online-Veranstaltung <strong>„2 Jahre Coronakrise – Zeit zur politischen Kurskorrektur?“</strong> einen Rückblick sowie eine Bestandsaufnahme gewagt: Wo stehen wir nach zwei Jahren Pandemie und müssen Gewerkschaften ihren Kurs korrigieren? Und, ist Sparen wirklich „uncool“ geworden?</p>



<h4 class="wp-block-heading">Stabile Klassenungleichheiten</h4>



<p>Die Basis für die Debatte legte die Wissenschaft: Hajo Holst, Professor für Wirtschaftssoziologie an der Universität Osnabrück und Martina Zandonella, Sozialwissenschafterin am Institut Sora in Wien.</p>



<p>In zahlreichen Befragungen hat Hajo Holst die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Arbeitsverhältnisse in Deutschland untersucht, mit dem Resümee: „Die Klassenungleichheiten blieben im Pandemieverlauf bemerkenswert stabil“, verschoben hätten sich jedoch die Problemfelder. Unter den nicht-akademischen ArbeiterInnen mache sich allmählich Ohnmacht breit. Sie hätten in der Pandemie ihren &#8211; oft systemerhaltenden &#8211; Beitrag geleistet, erfahren dafür aber wenig Wertschätzung. Subjektiv fühlen sich viele herab gewürdigt. Sie aber sind es, die dem Ansteckungsrisiko am meisten ausgesetzt sind. Wirtschaftlich trifft die Krise ArbeiterInnen in der Produktion, Selbstständige und DienstleisterInnen am härtesten, durch Jobunsicherheit und Umsatzeinbußen. Zumindest leicht abfedern kann dies Mitbestimmung am Arbeitsplatz.</p>



<p>Zu ähnlichen Forschungsergebnissen kam Martina Zandonella vom Sora-Institut: Überraschend viel Geld sei schnell verfügbar, wenn es um Aufrüstung gehe. „Und wir diskutieren nach zwei Jahren Pandemie noch immer über Lohnerhöhungen bei Pflegekräften,“ so Zandonella. „Die Leute fühlen sich gefrotzelt – zurecht!“</p>



<p>Heute sehen wir eine Entwicklung, die sich bereits seit den 1990er Jahren vollzieht: Steigende ökonomische Ungleichheit gepaart mit zunehmender Prekarisierung am Arbeitsmarkt trifft auf höhere Risiken und weniger Unterstützung, erklärt Zandonella. In der Pandemie wuchs nicht nur die Kluft zwischen Arm und Reich, sondern auch die zwischen den Geschlechtern. „Wenn wir sehen wohin das führt, sind wir auf keinem guten Weg.“ Die fatalen Folgen: Ein deutlich geringeres Vertrauenswerte in öffentliche Institutionen und die demokratische Beteiligung. 84 Prozent im untersten Drittel der Gesellschaft fühlen sich von der Politik als „Menschen zweiter Klasse“ behandelt. Ein Gefühl, das selbst Statistiken untermauern.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Kluft durch die Belegschaft</h4>



<p>Aber wie sieht’s auf Betriebsebene aus? Vivian Fletzer, Betriebsratsvorsitzende der Psychosozialen Dienste in Wien, berichtete aus der Praxis. Auch Arbeitsdruck und Personalmangel seien Negativ-Entwicklungen aus Zeiten vor der Pandemie. Zusätzliche psychische Belastungen &#8211; wie eben eine Pandemie oder der Terroranschlag 2020 in Wien – verschlimmern die ohnehin angespannte Situation, so Fletzer: „Menschen sind sehr resilient. Die Frage aber ist, wann ist eine Grenze erreicht, wo man wirklich nicht mehr kann?“</p>



<p>Deutlich sei die Kluft zwischen der Verwaltungsebene und dem Patienten-betreuenden Bereich zu spüren, erhöhtes Ansteckungsrisiko versus Homeoffice. „Das tut was mit der Belegschaft. Darum müssen wir uns als Betriebsrat kümmern.“ Adi Lehner kennt die Thematik. Er ist Vorsitzender des Zentralbetriebsrats der Unicredit Bank Austria. Auch bei seinen KollegInnen stehe der tägliche Kundenkontakt in der Bankfiliale der Arbeit in der Verwaltung &#8211; mit der Option auf Homeoffice &#8211; gegenüber. Mit dem Teleworking falle aber auch eine soziale Dimension weg: „Entfremdung, Entsolidarisierung, und damit der Verlust von Netzwerken“, so Lehner.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Kurskorrektur?</h4>



<p>Wo liegen die Aufgaben der Gewerkschaften, ist angesichts der Herausforderungen eine Kurskorrektur nötig? Adi Lehner schlägt vor weniger auf „politische Tagesscharmützel“ einzusteigen, mehr langfristige Perspektiven zu verfolgen. Durch die Einbindung der Jugend könnte man von deren Strategien der Solidarisierung lernen. Martina Zandonella ist überzeugt, die Schere zwischen Arm und Reich dürfe nicht noch weiter auseinander gehen. Um das abzuwenden gibt Gewerkschaften. „Das wird keine Partei übernehmen,“ so Zandonella. Auch Vivian Fletzer plädiert dafür den Sozialstaat gewerkschaftlich zu stärken. Thematischer Schwerpunkt soll Hajo Holst zufolge die soziale Absicherung der an Long-Covid Erkrankten sein, da viele durch ihre Jobs besonderen Ansteckungsrisiken ausgesetzt seien: „Mit den Folgen dürfen sie nicht allein gelassen werden.“</p>



<p>Neoliberale Dogmen seien angekratzt, konstatiert Wolfgang Greif; so etwa die Erzählung ‚Sparen ist angesagt‘. „Da ist Diskursiv was ins Rutschen gekommen,“ meint der Gewerkschafter. Mit konstruktiven Vorschlägen müsse man sich „als Problemlöser“ positionieren und den Forderungen „mit der ganzen Wucht der Bewegung“ Nachdruck zu verleihen. Zentral sei „die Vermögensfrage zu stellen“. Und damit auch wieder jene in den Fokus zu rücken, die das System am Laufen halten um mit ihnen gemeinsam nachhaltige Verbesserungen am Arbeitsplatz zu schaffen. Allem voran gilt weiterhin: „Laut sein!“</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Es macht mir Spaß, in unbekannte Themen zu schnuppern</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2022/04/05/es-macht-mir-spass-in-unbekannte-themen-zu-schnuppern/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andrea Rogy]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 Apr 2022 13:29:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<category><![CDATA[Andrea Rogy]]></category>
		<category><![CDATA[Barbara Koller]]></category>
		<category><![CDATA[behindertenbetreuung]]></category>
		<category><![CDATA[Corona]]></category>
		<category><![CDATA[Coronakrise]]></category>
		<category><![CDATA[Kollektivvertrag]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Volkshilfe]]></category>
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					<description><![CDATA[Barbara Koller will als Vorsitzende des Betriebsrates der Volkshilfe Salzburg die Frauen aus der Teilzeitfalle locken und den Beschäftigten bei rechtlichen Fragen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Für die kommenden Kollektivvertragsverhandlungen der Sozialwirtschaft hat sie ein klares Ziel: Den Menschen muss deutlich mehr Geld im Börsel bleiben.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="731" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/04/barbara_koller_14b469ea59-1024x731.png" alt="" class="wp-image-18265" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/04/barbara_koller_14b469ea59-1024x731.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/04/barbara_koller_14b469ea59-300x214.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/04/barbara_koller_14b469ea59-150x107.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/04/barbara_koller_14b469ea59-768x548.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/04/barbara_koller_14b469ea59.png 1500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Foto: Volkshilfe Salzburg</figcaption></figure>



<p><strong>Barbara Koller will als Vorsitzende des Betriebsrates der Volkshilfe Salzburg die Frauen aus der Teilzeitfalle locken und den Beschäftigten bei rechtlichen Fragen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Für die kommenden Kollektivvertragsverhandlungen der Sozialwirtschaft hat sie ein klares Ziel: Den Menschen muss deutlich mehr Geld im Börsel bleiben.</strong></p>



<span id="more-18264"></span>



<p>Barbara Koller begann bald nach ihrer Ausbildung zur kaufmännischen Angestellten in einem Verein für Kinder mit geistiger und körperlicher Behinderung zu arbeiten. Über eine Arbeitskollegin hatte sie erfahren, dass in einer nahen Sonderschule, in der behinderte Kinder betreut werden, MitarbeiterInnen für die pflegerische Assistenz gebraucht werden. Koller blieb 20 Jahre bei dem Verein, engagierte sich immer stärker als Behindertenbetreuerin und übernahm in einer Ausnahmesituation die Verantwortung als Betriebsratsvorsitzende: „Unser damaliger Vorsitzender wurde von einem Tag auf den anderen gekündigt und war nicht mehr greifbar. Wir waren rund 100 MitarbeiterInnen, ohne jemanden, der rasch einspringt, wäre alles zusammengebrochen.“ Zu Beginn fühlte sich die neue Aufgabe, die sich für Koller „aus heiterem Himmel ergeben hat“ ungewohnt und ein wenig waghalsig an: „Ich hatte sofort die volle Verantwortung, ohne Schulungen oder das nötige Fachwissen.“ Rasch besuchte die junge Vorsitzende den Grundkurs für BetriebsrätInnen, der ihr inhaltliches Basiswissen und die entsprechende Sicherheit im Umgang mit den Problemen der Beschäftigten gab. Auch der kooperative Chef, der „geschaut hat, dass es an den Schulen gut läuft“, war für sie wichtig.</p>



<p>Als der Verein 2013 von der Volkshilfe übernommen wurde, blieb Koller Teil des betriebsrätlichen Teams: „Ich konnte unsere Schule bestens vertreten, weil ich mich sehr gut mit den uns betreffenden Rechtsgebieten wie beispielsweise den Ferienregelungen ausgekannt habe. Wir haben aber auch als Team gut funktioniert.“ In den Folgejahren wuchsen die Anforderungen an die Betriebsrätin, es gab Umstrukturierungen und Koller etablierte sich als stellvertretende Vorsitzende: „Die gesetzlichen Rahmenbedingungen für neue MitarbeiterInnen haben sich verändert. Ich war immer stärker gefordert zu beraten und zu erklären, was das für jede einzelne KollegIn bedeutet.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Vertretung für 550 Beschäftigte</h4>



<p>Im März 2020 avancierte Koller zur Vorsitzenden des Betriebsrates, war auf einen Schlag für 550 MitarbeiterInnen zuständig und für ihre facettenreiche Arbeit freigestellt: „Wir setzen uns für viele verschiedene Berufsgruppen ein: unsere BüromitarbeiterInnen, Haushaltshilfen, Beschäftigte in der Hauskrankenpflege und der mobilen Pflege, persönliche AssistentInnen an Pflichtschulen und in der Freizeit, Ferienbetreuer sowie für Beschäftigte in der psychosozialen Rehabilitation und im betreuten Wohnen.“</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Die aktuelle Teuerungswelle ist für die Beschäftigten ein großes Problem.“</p><cite>Barbara Koller</cite></blockquote>



<p>Kollers Arbeitsalltag besteht aus vielen Gesprächen, Kontakten und Vernetzungen: „Ich rede ausführlich mit den KollegInnen, tausche mich intensiv mit den GewerkschaftssekretärInnen in Salzburg aus und habe auch eine sehr gute Basis der Zusammenarbeit mit der Chefetage der Volkshilfe.“ Ein österreichweiter Austausch findet bei regelmäßigen Treffen aller Volkshilfe-Betriebsratsvorsitzenden statt. Als Vertreterin des Wirtschaftsbereiches „Gesundheit und Soziales“ registriert Koller bei den Beschäftigten aktuell wachsende Besorgnis über die stark steigenden Preise in vielen Lebensbereichen: „Unser akutes Problem sind derzeit die explodierenden Spritpreise. Die MitarbeiterInnen im Außendienst spüren diese Teuerungen enorm.“</p>



<p>Auch firmenintern bzw. mit dem Land Salzburg wird derzeit nach Möglichkeiten zur Unterstützung bzw. nach einem Ausgleich der Teuerungen gesucht. Gespräche dazu haben kürzlich gestartet, Koller setzt dabei auf die Vernetzung mit anderen Berufsgruppen, die ähnliche Probleme haben: „Auch Beschäftigte anderer Träger im Gesundheits- und Sozialbereich leiden unter den steigenden Benzinpreisen. Die Verteuerungen sind ein harter Brocken für die Menschen, wir gehen gemeinsam mit anderen Organisationen in der Branche in die Verhandlungen und hoffen auf Unterstützung durch das Land Salzburg.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Faire Zulagen für alle</h4>



<p>In einigen Bereichen sind Koller bereits Lösungen in Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung gelungen: „Es gab den Unzustand, dass nicht alle Beschäftigten die gleichen Zulagen bekommen haben: Persönliche AssistentInnen, die an Sonderschulen in der Pflege tätig sind, bekamen eine Zulage, jene an den Pflichtschulen nicht.“ Mit Unterstützung ihrer Chefs hat sich Koller beim Land Salzburg um Förderungen bemüht – nun bekommen alle persönlichen AssistentInnen die gleichen Zulagen. Auch für ZeitarbeiterInnen hat die engagierte Betriebsrätin mit Unterstützung des ÖGB Wien Verbesserungen erreicht: „Diese Beschäftigten sind nun alle in Verwendungsgruppe 4 eingestuft, das bringt konkrete finanzielle Verbesserungen.“</p>



<p>Obwohl die Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung grundsätzlich gut funktioniert, sieht Koller phasenweise Verbesserungsbedarf im Informationsfluss: „Über manche Themen werden wir sehr spät informiert, im Großen und Ganzen finden wir BetriebsrätInnen aber Gehör.“</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Die Unterstützung der KollegInnen macht mir Freude, wenn Fehler passieren helfe ich, diese auszubügeln.“</p><cite>Barbara Koller</cite></blockquote>



<p>Die Pandemie hat die Arbeit der Betriebsrätin nicht gerade erleichtert: „Die veränderten Umstände beschäftigen uns immer noch sehr. Themen wie die Notwendigkeit von Kurzarbeit oder Homeoffice-Regelungen haben sich in den Vordergrund gedrängt – viele andere Themen sind liegen geblieben.“ Obwohl die Kurzarbeit beim Land beantragt wurde, wurde die Regelung von den Beschäftigten der Volkshilfe letztlich nicht genutzt: „Das Land hat uns nicht in Kurzarbeit geschickt, alle haben das volle Gehalt bekommen. Die Details der Arbeitsumstände in der Pandemie sind von den Schulen und DirektorInnen geregelt worden.“ Verhandelt wurde die Regelung trotzdem – für Koller eine wichtige Erfahrung, letztlich aber doch leere Kilometer: „Das war ziemlich viel Arbeit.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Kraftquelle Betriebsratsarbeit </h4>



<p>Die Arbeit als Betriebsratsvorsitzende ist für Koller „eine Kraftquelle, die Freude macht: Es ist schön, wenn man die KollegInnen unterstützen kann. Oft geht es nur um Kleinigkeiten, aber wenn jemand ein Problem hat und man schafft, es zu erledigen, das ist ein tolles Gefühl.“ Koller bezeichnet sich selbst als „Probleme-Wälzerin“: „Wenn Fehler passieren möchte ich helfen, diese wieder auszubügeln.“ Oft geht es dabei um rechtliche Fragen, etwa wenn ein Kind krank ist und die Beschäftigten nicht wissen, bis wann und bei welcher Stelle der benötigte Pflegeurlaub zu melden ist. In solchen Fragen gibt Koller den KollegInnen Orientierung, sie will Ansprechperson für alle Fragen sein, bei denen sich die Beschäftigten „akut nicht auskennen“ oder „wenn sie nicht wissen, wie sie sich arbeitsrechtlich am besten verhalten sollen“. Um weiter auf dem Laufenden zu bleiben drückt Koller aktuell wieder die Schulbank und absolviert einen dreimonatigen Betriebsrats-Lehrgang zum Thema Arbeitsrecht.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Die Kollektivvertragsverhandlungen werden eine spannende Herausforderung – darauf freue ich mich.“</p><cite>Barbara Koller</cite></blockquote>



<p>Die vielfältige und abwechslungsreiche Tätigkeit als Betriebsrätin hat in Koller die Überzeugung gefestigt, dass es wichtig ist, offen für neue Herausforderungen zu bleiben. So sieht sie den kommenden Kollektivvertragsverhandlungen für die Sozialwirtschaft, die im Sommer starten werden, mit gespannter Neugier entgegen: „Ich war noch nie bei KV-Verhandlungen dabei und weiß nicht genau, was mich da erwartet. Ich habe aber das klare Ziel, ein höheres Gehalt für die sozialen Berufe zu verhandeln um die massiven Teuerungen abzufedern.“ Eine weitere Absenkung der Arbeitsstunden hält Koller in der Branche, in der rund 90 Prozent der Beschäftigten in Teilzeit arbeiten, für gut, aber nicht für „allein zielführend: Die Leute brauchen mehr Marie im Börserl.“ Grundsätzlich will Koller vor allem Frauen darin unterstützen „aus der Teilzeit rauszukommen und wieder mehr zu arbeiten, sobald es die familiäre Situation erlaubt: Wenn die weiblichen KollegInnen zu lange in Teilzeit bleiben, schlägt sich das in niedrigen Pensionen bis hin zu steigender Altersarmut bei Frauen nieder.“ Kollers Lösungsansatz dazu: ein verpflichtendes Pensionssplitting.</p>



<p>Wie sie sich als Verhandlerin schlagen wird kann Koller nicht einschätzen, sie ist sich aber sicher: „Es macht mir Spaß, in unbekanntes Terrain oder neue Themen hinein zu schnuppern.“</p>



<div class="wp-block-group blauebox"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow">
<h4 class="wp-block-heading">Zur Person:</h4>



<p>Barbara Koller ist 57 Jahre alt und wohnt im salzburgischen Köstendorf am Wallersee. Sie hat drei Söhne. In Ihrer Freizeit geht sie gerne Schi fahren.</p>
</div></div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8222;Als Betriebsrätin kann ich sehr viel erreichen&#8220; </title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2022/04/05/als-betriebsraetin-kann-ich-sehr-viel-erreichen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andrea Rogy]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 Apr 2022 09:34:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<category><![CDATA[Andrea Rogy]]></category>
		<category><![CDATA[Betreuung]]></category>
		<category><![CDATA[Betriebsvereinbarung]]></category>
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		<category><![CDATA[Corona]]></category>
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					<description><![CDATA[Doris Wietter-Benmoussa setzt sich als Vorsitzende des Betriebsrates der Service Mensch GmbH/Volkshilfe NÖ unter anderem für die Interessen von HeimhelferInnen, KrankenpflegerInnen, AlltagsbegleiterInnen, KinderbetreuerInnen und TherapeutInnen ein. ]]></description>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="732" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/04/Doris-Wietter_Benmoussa_Foto-Volkshilfe-NOe-1024x732.png" alt="" class="wp-image-18234" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/04/Doris-Wietter_Benmoussa_Foto-Volkshilfe-NOe-1024x732.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/04/Doris-Wietter_Benmoussa_Foto-Volkshilfe-NOe-300x214.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/04/Doris-Wietter_Benmoussa_Foto-Volkshilfe-NOe-150x107.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/04/Doris-Wietter_Benmoussa_Foto-Volkshilfe-NOe-768x549.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/04/Doris-Wietter_Benmoussa_Foto-Volkshilfe-NOe-1536x1097.png 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/04/Doris-Wietter_Benmoussa_Foto-Volkshilfe-NOe-2048x1463.png 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Foto: privat</figcaption></figure>



<p><strong>Doris Wietter-Benmoussa setzt sich als Vorsitzende des Betriebsrates der Service Mensch GmbH/Volkshilfe NÖ unter anderem für die Interessen von HeimhelferInnen, KrankenpflegerInnen, AlltagsbegleiterInnen, KinderbetreuerInnen und TherapeutInnen ein. </strong></p>



<span id="more-18233"></span>



<p><strong>Bei den Kollektivvertragsverhandlungen und im Austausch mit anderen BetriebsrätInnen ist aufmerksames Zuhören ebenso gefragt wie die Bereitschaft, sozialrechtliche Probleme anzupacken. </strong></p>



<p>Ende 2014 wurde die ausgebildete Heimhelferin Doris Wietter-Benmoussa gefragt, ob sie sich vorstellen könnte zum Betriebsrat zu gehen: „Es fanden Betriebsversammlungen statt, unsere damalige Vorsitzende Andrea Mezera wollte ihr Team für die Wahlen im folgenden Jahr nachbesetzen. Da bin ich neugierig geworden.“ Aus den Erklärungen der BetriebsrätInnen schlussfolgerte Wietter-Benmoussa, dass sie in ihrem Team „im Kleinen“ bereits tat, was BelegschaftsvertreterInnen ganz offiziell tun: anderen KollegInnen helfen und bei rechtlichen oder organisatorischen Fragen unterstützen. „Da habe ich mich gemeldet, weil ich sehr gerne anderen helfe und auch bereit war, diese Hilfestellungen in einem größeren Umfang zu leisten.“</p>



<p>Neben ihrer beruflichen Tätigkeit in der mobilen Pflege hat Wietter-Benmoussa dann immer mehr begonnen, betriebsrätliche und gewerkschaftliche Arbeiten zu übernehmen: „Eigentlich wollte ich nie eine andere Arbeit, als Heimhilfe machen.“ Doch dann weckte die Aussicht auf den Besuch der Betriebsrats-Akademie ihr Interesse: „Arbeits- und Sozialrecht hat mich immer schon interessiert. Zu lernen, wie ich den KollegInnen noch verlässlicher helfen kann, das hat mich gereizt.“ Nach über 25 Jahren in der mobilen Pflegearbeit begann sie sich mit den Grundlagen zu befassen und wuchs immer stärker in ihre Rolle als Betriebsrätin hinein: „Ich bin nach und nach draufgekommen, wie erfüllend es ist, anderen inhaltlich fundiert helfen zu können und habe gespürt: so kann ich vieles erreichen!“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Den Bezug zur Praxis nicht verlieren</h4>



<p>2018 hat Wietter-Benmoussa begonnen, Teilzeit als Betriebsrats-Sekretärin zu arbeiten, jedoch weiterhin auch halbtags als Heimhilfe, um den Bezug zur Praxis nicht zu verlieren. Als 2019 die bisherige stellvertretende Betriebsratsvorsitzende der Volkshilfe NÖ, Margit Kral in Pension ging, wünschte sich diese als Nachfolgerin eine KollegIn mit dem gleichen HeimhelferInnen-Hintergrund. Wietter-Benmoussa hat sich als Nachfolgerin herauskristallisiert: „Durch meine Tätigkeit als Betriebsrats-Sekretärin habe ich viel von der Praxis einer Betriebsrätin gelernt und war deshalb gut für diese Position vorbereitet. Die neue Herausforderung hat mir von Beginn an viele Freude bereitet, weil ich den KollegInnen helfen konnte.“ Mit dem Aufstieg kam die Freistellung, rasch absolvierte sie zusätzlich eine Ausbildung zur Konflikt-Lotsin.&nbsp;</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Durch die gewerkschaftliche Ausbildung kann ich anderen helfen zu ihrem Recht zu kommen.“ </p><cite>Doris Wietter-Benmoussa</cite></blockquote>



<p>Zu Beginn der Freistellung fehlte Wietter-Benmoussa der persönliche Kontakt zu den betreuten SeniorInnen extrem, sie hatte teilweise sogar das Gefühl, ihre ehemaligen KundInnen richtiggehend im Stich gelassen zu haben: „Mein Credo war es immer, den Alten, Kranken und Behinderten ihren Lebensabend so schön wie möglich zu machen. Es war mir immer wichtig, den Menschen zu helfen.“</p>



<p>Die Fähigkeit und das Bedürfnis sich für andere einzusetzen fokussierte Wietter-Benmoussa fortan mit vollem Elan auf ihre betriebsrätlichen Herausforderungen: „Durch die arbeits- und sozialrechtliche Ausbildung kann ich den KollegInnen besser helfen, zu ihrem Recht zu kommen. Ich kann sie gut beraten und helfen, wenn sie etwas brauchen oder arbeitsbezogene Sorgen oder Probleme haben.“&nbsp;</p>



<p>Der Wechsel an die Spitze des Betriebsrates verlief 2019 unaufgeregt: „Unsere bisherige Vorsitzende Andrea Mezera ging im Mai 2020 in ihren wohlverdienten Ruhestand und deshalb entschieden wir im September 2019, unsere Positionen zu rochieren.“ Die Fußstapfen der Vorgängerin schienen zu Beginn übermächtig groß, Mezera hat den Betriebsrat 1991 mitbegründet, die jetzigen Strukturen unter anderem mit ihrer Stellvertreterin Margit Kral aufgebaut und stand über 30 Jahre lang an der Spitze dieses wichtigen Gremiums. Sie verhandelte Betriebsvereinbarungen, durch welche die Beschäftigten auch heute noch bessergestellt sind, als im aktuellen Kollektivvertrag.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Neue Herausforderungen</h4>



<p>Ganz nach der Devise „Wir schaffen das“ ließ sich Wietter-Benmoussa auf die neue Herausforderung ein, „tigerte“ sich in die Betriebsrats-Arbeit und meint heute mit Stolz: „Mich erfüllt meine Arbeit sehr und in dieser Tätigkeit kann ich meinen KollegInnen helfen, ebenso wie ich vorher älteren, kranken und behinderten Menschen helfen konnte. Worüber ich mich auch sehr freue, mit Julia Grusch, habe ich jetzt eine Stellvertreterin, mit der ich super harmoniere und die mich toll ergänzt. Die Mitglieder unseres Betriebsratsgremiums sind sehr unterschiedlich, sowohl in ihrer Arbeit, als auch in ihren Meinungen, und&nbsp;das ist es, was für mich ein gutes Gremium ausmacht.“&nbsp;</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Ich fahre sehr gerne in die Dienststellen und höre mir die Probleme der KollegInnen vor Ort an.“ </p><cite>Doris Wietter-Benmoussa</cite></blockquote>



<p>Als Vorsitzende des Betriebsrates der Service Mensch GmbH vertritt Wietter-Benmoussa aktuell die Interessen von rund 1.750 MitarbeiterInnen der Volkshilfe in ganz Niederösterreich. Rasch lernte sie den vollen Umfang des betriebsrätlichen Tätigkeitsspektrums kennen, das sie zu Beginn „ein wenig unterschätzt hat: Ich bin durch ganz Niederösterreich gefahren, habe mit den Teams gesprochen und mich umgehört wo es Probleme gibt und wo ich in arbeits- oder sozialrechtlichen Fragen unterstützen kann.“ Die Volkshilfe Niederösterreich beschäftigt MitarbeiterInnen in zahlreichen Bereichen, wie der Mobilen Pflege, in Kinderhäusern, in AMS-Projekten oder bei der schulischen Hausübungsbetreuung. Die Fragestellungen sind entsprechend vielfältig, weshalb für Wietter-Benmoussa der persönliche Kontakt zu den Beschäftigten sehr wichtig ist: „Wir haben 180 Stützpunkte bzw. Teams im Land, ich bin sehr gerne vor Ort bei unseren MitarbeiterInnen und höre mir ihre Probleme und Anregungen an.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Weniger persönliche Kontakte</h4>



<p>Durch die Pandemie sind persönliche Kontakte für Wietter-Benmoussa schwieriger geworden, auch Dienstbesprechungen konnten nicht wie gewohnt ablaufen: „Die KollegInnen in der mobilen Pflege fühlten sich vermehrt wie EinzelkämpferInnen, doch auch die betriebsrätliche Arbeit funktioniert nicht wie gewohnt: Vor der Pandemie war ich fast jeden Tag in den Stützpunkten, der telefonische Kontakt kann das persönliche Gespräch und die Intensität der Beziehung, die ich durch die Teilnahme an Besprechungen oder Begehungen im Rahmen meiner Tätigkeit als Sicherheitsvertrauensperson aufbauen kann, nicht ersetzen.“ Probleme taten sich genügend auf, das ständige Maske Tragen ist im Arbeitsalltag der Sozialberufe sehr belastend. Auch die vielen unterschiedlichen Verordnungen haben die Köpfe der Angestellten rauchen lassen: „Viele KollegInnen waren und sind verunsichert, wie sie sich richtig verhalten, weil die Verordnungen von Seiten des Landes und des Bundes oft sehr spät verschriftlicht an die Träger herangetragen werden. Unsere Geschäftsführung und auch wir als Betriebsrat informieren die KollegInnen immer so rasch wie möglich über mögliche Veränderungen. Nicht nur einmal habe ich mich schriftlich an das Sozialministerium gewandt, weil gerade am Anfang der Pandemie die mobile Pflege in den Verordnungen schlichtweg vergessen wurde.”&nbsp; Allgegenwärtig waren in der Belegschaft zu Beginn der Pandemie die Ängste vor einer Ansteckung bzw. davor, die betagten KundInnen zu infizieren.&nbsp;</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Durch die vorausschauenden Betriebsvereinbarungen ist die Belegschaft sehr gut abgesichert.“ </p><cite>Doris Wietter-Benmoussa</cite></blockquote>



<p>Die Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung beschreibt Wietter-Benmoussa als sehr konstruktiv: „In die meisten Themen sind wir BetriebsrätInnen gut eingebunden und werden auch nach unserer Einschätzung gefragt. Alle&nbsp;Anregungen, die wir einbringen, werden von der Geschäftsführung geprüft, diverse&nbsp;auch aufgegriffen. Jedenfalls wird uns immer Gehör geschenkt.“ Insgesamt sieht sie die Belegschaft „durch die alten, vorausschauenden Betriebsvereinbarungen” sehr gut abgesichert. Eines ihrer aktuellen Herzensprojekt in Zusammenarbeit mit dem Dienstgeber ist die Black-Out-Prävention: „Ich habe vor Jahren ein Seminar zu diesem Thema besucht und da wurde mir die Wichtigkeit und Tragweite bewusst.“</p>



<p>Zusätzlich positiv wirkt auch das angenehme Betriebsklima. „Unser Dienstgeber schaut in seinem Ermessen sehr darauf, dass es den MitarbeiterInnen insgesamt gut geht. Das geht soweit, dass KollegInnen, die in finanziellen oder persönlichen Nöten sind oder Probleme im Team oder in der Arbeit haben, eine beratende Arbeitspsychologin, Sozialarbeiterin oder Arbeitsmedizinerin gestellt bekommen: Diese Unterstützungen bezahlt der Dienstgeber. Betriebliche Gesundheitsförderung wird in unserer Firma großgeschrieben.“&nbsp;</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Der Austausch mit anderen BetriebsrätInnen bereichert mich.“ </p><cite>Doris Wietter-Benmoussa</cite></blockquote>



<p>Drei- bis viermal im Jahr treffen sich alle österreichischen Betriebsratsvorsitzenden und deren StellvertreterInnen der Volkshilfen zum Austausch – für Wietter-Benmoussa eine wertvolle Bereicherung ihres Erfahrungsschatzes: „Wir lernen viel voneinander, weil die Volkshilfen in den einzelnen Bundesländern teils sehr unterschiedlich arbeiten. Wir schauen, wie andere ihre Probleme bewältigen und halten uns gegenseitig auf dem Laufenden.“</p>



<p>Auch an den Kollektivvertragsverhandlungen ist Wietter-Benmoussa beteiligt, als Vorsitzende des Wirtschaftsbereiches „Gesundheit und Soziales“ im Land fühlt sie sich auch ausreichend gehört: „Ich spreche mich vorher mit den anderen Betriebsratsvorsitzenden ab, damit wir an einem Strang ziehen und gemeinsame Aktionen und Forderungen setzen können.“ Obwohl die Verhandlungen oft mühevoll und zeitintensiv sind, entlohnt das Ergebnis meist für den vollen Einsatz: „Wenn wir etwas ganz Tolles für unsere KollegInnen erreicht haben, dann ist das ein&nbsp;Glücksgefühl. Das sind dann auch persönliche Erfolge, die wir gemeinsam erreicht haben. Gerade setzen wir uns vehement für eine Pflegereform ein – wir haben eine Resolution verfasst und diese an die Landes- und Bundespolitiker geschickt. Wir haben schon sehr viele positive Rückmeldungen und Unterstützungsbekundungen bekommen.“&nbsp;</p>



<div class="wp-block-group blauebox"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow">
<h4 class="wp-block-heading">Zur Person: </h4>



<p>Doris Wietter-Benmoussa wohnt in Ober-Grafendorf im Bezirk St. Pölten Land, ist 49 Jahre alt, verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes. In ihrer Freizeit bastelt sie „wahnsinnig gerne“. Selbstgemachtes aus Holz stellt sie im Familienverband gemeinsam mit ihrem Vater, der pensionierter Zimmermann ist, ihrer Mutter und ihrem Sohn, der gelernter Tischler ist, her. Die Kunstgegenstände wurden früher bei den Weihnachtsfeiern der Volkshilfe über die Tombola verlost: „Es war mir seit meinem Eintritt in den Betriebsrat eine Herzensangelegenheit, dass jede MitarbeiterIn ein schönes Geschenk bekommt.“ So hat die Familie jährlich rund 800 Tombolapreise wie Holzblumen, Herzen, Teelichter oder Dekoartikel hergestellt und upgecycelt. </p>
</div></div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>ILO prognostiziert anhaltend große Herausforderungen am Arbeitsmarkt</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2022/01/24/ilo-prognostiziert-anhaltend-grosse-herausforderungen-am-arbeitsmarkt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Johannes Gress]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Jan 2022 13:17:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Internationales]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitslosigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Coronakrise]]></category>
		<category><![CDATA[Einkommensunterschied]]></category>
		<category><![CDATA[Einkommensverteilung]]></category>
		<category><![CDATA[ILO]]></category>
		<category><![CDATA[Johannes Gress]]></category>
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					<description><![CDATA[Besonders betroffen von den ökonomischen Verwerfungen der Corona-Pandemie sind Frauen, junge Menschen und prekär Beschäftigte. Die ILO fordert tiefgreifende Reformen, ein „Zurück zur Normalität“ dürfe nicht das Ziel sein.]]></description>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/01/mann_arm_AdobeStock_472641458-1024x683.png" alt="" class="wp-image-17933" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/01/mann_arm_AdobeStock_472641458-1024x683.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/01/mann_arm_AdobeStock_472641458-300x200.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/01/mann_arm_AdobeStock_472641458-150x100.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/01/mann_arm_AdobeStock_472641458-768x513.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/01/mann_arm_AdobeStock_472641458-600x400.png 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/01/mann_arm_AdobeStock_472641458-720x480.png 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/01/mann_arm_AdobeStock_472641458-272x182.png 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/01/mann_arm_AdobeStock_472641458.png 1500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption><strong>Laut einem Bericht der ILO (Internationale Arbeitsorganisation) ist weltweit die Zahl der „extreme working poor&#8220;, also jener Menschen, die trotz Arbeit sich selbst und ihre Familie nicht ernähren können, durch die Pandemie um acht Millionen gestiegen</strong>. <br>Foto: Adobe Stock</figcaption></figure>



<p><strong>Besonders betroffen von den ökonomischen Verwerfungen der Corona-Pandemie sind Frauen, junge Menschen und prekär Beschäftigte. Die ILO fordert tiefgreifende Reformen, ein „Zurück zur Normalität“ dürfe nicht das Ziel sein.</strong></p>



<span id="more-17930"></span>



<p>Einiges habe in der zweiten Jahreshälfte 2021 auf eine moderate Erholung des globalen Arbeitsmarktes hingedeutet, schreiben die AutorInnen des Reports „<a rel="noreferrer noopener" href="http://ilo.org/wcmsp5/groups/public/---dgreports/---dcomm/---publ/documents/publication/wcms_834081.pdf" target="_blank" aria-label="World Employment and Social Outlook. Trends 2022 (öffnet in neuem Tab)">World Employment and Social Outlook. Trends 2022</a>“ der <a href="https://www.ilo.org/global/lang--en/index.htm" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="International Labour Organization (öffnet in neuem Tab)">International Labour Organization</a> (ILO). Prognosen, die mitunter voreilig optimistisch waren. Mit dem bevorstehenden 3. Corona-Jahr seien die Aussichten auf eine Erholung unsicher und fragil, heißt es in dem Mitte Jänner veröffentlichten Bericht.  </p>



<p>Die Pandemie habe in sämtlichen Ländern quer über den Globus zu großen wirtschaftlichen, finanziellen und sozialen Verwerfungen geführt. Ohne gemeinsame, globale Anstrengungen werde es Jahre dauern, diese Schäden zu reparieren, warnt ILO-Generaldirektor Guy Ryder. Die Aussichten für die kommenden Jahre hätten sich im Vergleich zur Prognose vom Juni 2021 (dem letzten <em>Trends</em>-Bericht) „substantiell verschlechtert“.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Ärmere Staaten besonders betroffen</h4>



<p>Rückblickend stellen die AutorInnen fest, dass sich Länder und Regionen höchst unterschiedlich von den wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen der Corona-Krise erholten. Staaten, die bereits vor der Krise zu den wirtschaftlich privilegiertesten zählten, seien besser durch die vergangenen zwei Jahre gekommen als Länder mit geringem oder mittlerem Einkommen (<em>low- and middle-income countries</em>). Entscheidend für die ungleiche Entwicklung sind laut AutorInnen unterschiedliche Impfraten, Vermögens- und Einkommensungleichheit innerhalb der betreffenden Länder und fehlende soziale Sicherungssysteme.</p>



<p>Länder mit einem nur schwach ausgeprägten Sozialstaat bekamen die Auswirkungen der Krise besonders zu spüren. Die AutorInnen sprechen von einem „vicious circle“, einem Teufelskreis aus Arbeitslosigkeit, Armut und sinkender Nachfrage. Im Ergebnis wurden Millionen von Kindern in die Armut gedrängt, 2020 mussten zusätzliche 30 Millionen Menschen von weniger als 1,90 $ pro Tag leben. Auch die Zahl der „extreme working poor“ – Menschen, die trotz Arbeit sich selbst und ihre Familie nicht ernähren können – stieg um acht Millionen.</p>



<p>Besonders betroffen von diesen Entwicklungen waren Lateinamerika, Staaten der Karibik und Südostasien. Europa sei vergleichsweise gut durch die Krise gekommen. Auch in Österreich zeichnet sich derzeit eine Erholung ab. Im Frühjahr 2020, zu Beginn der Pandemie, erreichte die Zahl der Erwerbsarbeitslosen hierzulande mit 560.000 arbeitslos gemeldeten Menschen (inklusive SchulungsteilnehmerInnen) einen Höchststand. Erst mit Sommer vergangenen Jahres bewegte man sich wieder im Bereich des Vorkrisenniveaus. Ende 2021 waren es dann noch 402.378 Arbeitslose bzw. SchulungsteilnehmerInnen, knapp 23 Prozent weniger als im Vergleich zum Vorjahresmonat, und rund 5.000 weniger als im Dezember 2019.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit in Österreich</h4>



<p>Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) sprach unlängst von einer „Arbeitsmarktlage, die so gut ist wie seit ungefähr zehn Jahren nicht mehr“, AMS-Vorstand Johannes Kopf von „sensationellen“ Prognosen, „wie in den Siebzigern“. Vergessen wird hierbei oft, dass nicht alle gleichermaßen von der Erholung am Arbeitsmarkt profitieren. Zwar scheint das Vorkrisenniveau erreicht, doch lässt sich ein stetig größer werdender Sockel an Langzeitarbeitslosen beobachten. Ende Dezember 2021 waren mit 115.743 Betroffenen um 20.877 Personen mehr in Langzeitarbeitslosigkeit als im Vergleichszeitraum 2019.</p>



<p>Eine zusätzliche Belastung für Wirtschaft und Arbeitsmarkt stellen laut ILO-Bericht Unsicherheit und Instabilität des globalen Handels dar. Steigende Rohstoffpreise, unterbrochene Lieferketten sowie mehr und mehr Onlinehandel ließen auf ein unsicheres „Business-Klima“ schließen. Eine bevorstehende „Rekonfiguration“ globaler Handels- und Produktionsbeziehungen könnte wiederum starke, aber im Detail unvorhersehbare Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Seit Beginn der Pandemie ist es Ländern mit geringem und mittlerem Einkommen am schlimmsten ergangen, und sie sind es, die sich am langsamsten erholen“</p><cite><a rel="noreferrer noopener" href="http://ilo.org/wcmsp5/groups/public/---dgreports/---dcomm/---publ/documents/publication/wcms_834081.pdf" target="_blank" aria-label="World Employment and Social Outlook. Trends 2022 (öffnet in neuem Tab)">World Employment and Social Outlook. Trends 2022</a></cite></blockquote>



<p>Diese Entwicklungen berücksichtigend prognostiziert die ILO ein sattes Defizit bei den global geleisteten Arbeitsstunden, das im Vergleich zum vierten Quartal 2019 etwa 52 Millionen Vollzeitstellen (bei einer 48 Wochenstunde) entspricht. Die weltweite Arbeitslosenrate werde damit „bis mindestens 2023“ über jener von 2019 liegen. Auch hier sei zu beobachten, dass sich ökonomisch privilegierte Länder schneller erholen: „Seit Beginn der Pandemie ist es Ländern mit geringem und mittlerem Einkommen am schlimmsten ergangen, und sie sind es, die sich am langsamsten erholen“, resümieren die AutorInnen des Berichts.</p>



<h4 class="wp-block-heading">ILO will Problem an den Wurzeln packen</h4>



<p>Doch nicht nur zwischen, sondern auch innerhalb von Staaten seien die Unterschiede beträchtlich. Auch in sogenannten <em>high-income-countries</em> seien Frauen, junge Menschen und prekär Beschäftigte besonders von den ökonomischen und sozialen Auswirkungen der Pandemie betroffen. Es bestehe die Gefahr, dass es sich hierbei um keine vorübergehenden Phänomene handele; werde nicht entsprechend gegengesteuert, könnten sich diese Entwicklungen strukturell verfestigen, warnt die ILO.</p>



<p>Daher ist es laut ILO wichtig, den verheerenden Auswirkungen der Krise auf mehreren Ebenen und mittels globaler Solidarität zu begegnen. Das Credo dürfe nicht lauten, zu einem „normalen“ Zustand, ähnlich den vorpandemischen Zeiten, zurückkehren zu wollen. Denn strukturelle Defizite am Arbeitsmarkt, Formen prekärer und informeller Beschäftigung sowie Ungleichheiten innerhalb und zwischen Staaten haben bereits vor Pandemiebeginn bestanden. Es gehe darum, die „Wurzeln“ zu adressieren.</p>



<p>Bereits im Juni 2021 einigten sich die 187 ILO-Mitgliedsstaaten daher auf den „<a href="https://www.ilo.org/ilc/ILCSessions/109/reports/texts-adopted/WCMS_806092/lang--en/index.htm" aria-label="Global Call to Action for a Human-Centred Recovery from the COVID-19 Crisis">Global Call to Action for a Human-Centred Recovery from the COVID-19 Crisis</a>”. Darin fordern die UnterzeichnerInnen den gleichen Zugang zu Corona-Vakzinen, globale Umschuldungen, umfassende soziale Sicherung für ArbeitnehmerInnen sowie eine Transformation hin zu einer ökologisch nachhaltigen Wirtschaft.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wie die Coronakrise den EU-Stabilitätspakt ins Wanken bringt</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2022/01/10/wie-die-coranakrise-den-stabilitaetspakt-ins-wanken-bringt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Margaretha Kopeinig]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Jan 2022 15:28:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Internationales]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Paolo Gentiloni will eine rasche Reform des EU-Stabilitätspaktes und eine diffenziertere Betrachtung, um die Wirtschaft anzukurbeln. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="681" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/01/Paolo-Gentiloni_20211222_PD1733.HR_-1024x681.png" alt="" class="wp-image-17895" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/01/Paolo-Gentiloni_20211222_PD1733.HR_-1024x681.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/01/Paolo-Gentiloni_20211222_PD1733.HR_-300x200.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/01/Paolo-Gentiloni_20211222_PD1733.HR_-150x100.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/01/Paolo-Gentiloni_20211222_PD1733.HR_-768x511.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/01/Paolo-Gentiloni_20211222_PD1733.HR_-600x400.png 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/01/Paolo-Gentiloni_20211222_PD1733.HR_-720x480.png 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/01/Paolo-Gentiloni_20211222_PD1733.HR_-272x182.png 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/01/Paolo-Gentiloni_20211222_PD1733.HR_.png 1500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption><strong>EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Paolo Gentiloni will den Schuldenabbau künftig für jeden einzelnen Mitgliedstaat maßgeschneidert regeln.</strong><br>Foto: APA, JOHN THYS / AFP</figcaption></figure>



<p><strong>Paolo Gentiloni will eine rasche Reform des EU-Stabilitätspakts, um die Wirtschaft anzukurbeln und möchte verschuldeten Staaten mehr Spielraum geben. </strong></p>



<span id="more-17894"></span>



<p>Den Regierungen der Euro-Staaten stehen 2022 harte Auseinandersetzungen über die Reform des EU-Stabilitätspaktes bevor. Gleich zum Jahreswechsel befeuerte Paolo Gentiloni mit einem neuen Vorschlag den Streit über die Schuldenkriterien.</p>



<p>Der EU-Wirtschafts- und Währungskommissar will den Schuldenabbau künftig für jeden einzelnen Mitgliedstaat maßgeschneidert regeln. „Wir können nicht alle Länder über einen Kamm scheren“, sagte der ehemalige italienische Ministerpräsident. Er verlangt eine „differenzierte Betrachtung“ der Länder mit hohen Defiziten und für jeden Staat die Festlegung „eigener Ziele“ zum Abbau der Schulden. Er könne sich auch vorstellen, den Ländern „mehr haushaltspolitische Spielräume als bisher“ zu gewähren. Mit anderen Worten: Ein hohes Maß an Flexibilität. Einen umfassenden Plan inklusive „wirkungsvoller Instrumente zur Durchsetzung der Haushaltsvorschriften für die EU-Kommission“ will Gentiloni den Regierungen in den nächsten Monaten vorlegen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Schuldenregeln nie durchgesetzt</h4>



<p>Bisher gelten für alle Staaten, deren Verschuldung den Referenzwert von 60 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung überschreitet, dieselben Regeln für den Schuldenabbau. Allerdings wird der Wert nicht eingehalten, was den italienischen Sozialdemokraten beherzt eingestehen lässt: „Seien wir ehrlich, die Schuldenregel haben wir nie durchgesetzt“, sagte er kurz vor Silvester der <em>Frankfurter Allgemeinen Zeitung</em>. Griechenland hat eine Schuldenquote von 210 Prozent, Italien 155, Deutschland 69 und Österreich 82 Prozent. Die durchschnittliche Schuldenquote im Euro-Raum liegt derzeit bei 100 Prozent.</p>



<p>Während der Corona-Krise wurde der Stabilitätspakt ausgesetzt, er soll aber 2023 wieder in Kraft treten. Besonders hoch verschuldete Länder fürchten, dass eine rasche Rückkehr zu strengen Vorgaben dem Aufschwung schaden könnte.</p>



<p>Frankreich, das seit 1. Jänner 2022 turnusmäßig die EU-Präsidentschaft für sechs Monate inne hat, drängt auf eine rasche Reform des &nbsp;Stabilitätspaktes. Ausdrücklich fordert Staatspräsident Emmanuel Macron &nbsp;umfassende Änderungen der europäischen Haushaltsregeln, um den Mitgliedstaaten mehr Spielraum bei Zukunftsinvestitionen zu geben. Macron zeichnet ein klares Bild, wie er sich „Europa im Jahr 2030“ vorstellt. Es gehe darum, ein „neues europäisches Wachstumsmodell“ zu definieren. Dazu werde er am 10. und 11. März einen Sondergipfel veranstalten. Bei dem Treffen soll es „strategische Überlegungen“ geben, wie die Haushaltsregeln in der Europäischen Union angepasst werden können. Angesichts der notwendigen Investitionen in eine grünere und digitalere Wirtschaft „können wir nicht zu einem Haushaltsregelwerk zurückkehren, das vom Beginn der 1990er-Jahre stammt“, sagte Macron kürzlich bei der Vorstellung des Programmes des französischen EU-Vorsitzes. Paris hält die 60-Prozent-Grenze bei der Staatsverschuldung für obsolet und liebäugelt auch mit der Idee, Zukunftsinvestitionen nicht auf die Drei-Prozent-Grenze beim jährlichen Haushaltsdefizit anzurechnen.</p>



<p>Dabei wähnt sich der französische Präsident einig mit Italiens Regierungschef Mario Draghi. Damit wird das Duo für Berlin zur Herausforderung. Denn Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat sich bislang – wohl auch aus Rücksicht gegenüber der FDP – skeptisch zu einem Umbau der Schuldenregeln geäußert.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Pakt flexibler auslegen</h4>



<p>Im Macron-Lager hofft man auf einen Kompromiss mit Blick auf das&nbsp; Ampel-Abkommen: „Der Koalitionsvertrag in Deutschland hat uns einer Einigung mit Berlin näher gebracht“. Wenn eine Annäherung zwischen Paris und Berlin gelingt, „kann das eine gute Basis für eine Reform sein, die alle Euro-Staaten mittragen“, heißt es aus dem Élysée.</p>



<p>Viel Zeit bleibt den Franzosen nicht. Im April findet die Präsidentschaftswahl statt und der liberale Politiker Macron will mit der Reform des Stabilitätspaktes im Wahlkampf punkten und sein Amt verteidigen.</p>



<p>In Brüssel arbeitet indessen Wirtschafts- und Währungskommissar Gentiloni an seiner Reform. Den Vorschlag von Klaus Regling, Chef des Euro-Krisenfonds ESM, den Maastrichter Grenzwert von 60 auf 100 Prozent heraufzusetzen, lehnt Gentiloni ab. „Meiner Idee einer differenzierten Betrachtung der Staaten entspricht das gerade nicht.“</p>



<p>Außerdem müssten für eine Änderung der Referenzwerte die EU-Verträge geändert werden, was unrealistisch sei. Gentiloni widersprach &nbsp;auch der Position der deutschen Bundesregierung, wonach der Stabilitätspakt gar nicht geändert werden müsse, weil dieser hinreichend flexibel sei. „Es stimmt, der Pakt lässt sich sehr flexibel auslegen. Als Mitglied verschiedener italienischer Regierungen habe ich das mehrfach erfahren“, bemerkte der Kommissar in mehreren Interviews zum Jahreswechsel süffisant und fügte hinzu: „Aber wenn sich eine flexible Auslegung von Regeln irgendwann nicht mehr von deren kompletter Missachtung unterscheiden lässt, ist etwas schiefgegangen.“ Staaten, die eine gemeinsame Währung haben, sollten sich möglichst auch an gemeinsame Regeln halten, hielt Gentiloni fest.</p>



<p>Wie eine Einigung über realistische Schuldenregeln und die Unterstützung für öffentliche Investitionen in der Euro-Gruppe aussehen könnte, steht derzeit noch nicht fest. Es gibt nach wie vor unterschiedliche Interessen, etwa die südlichen Länder oder die Gruppe der Sparsamen, zu der auch Österreich gehört.</p>



<p>Die Wiener Regierung hält am bisherigen strikten Kurs fest: Am Stabilitätspakt dürfe nicht gerüttelt werden. „Wir wollen keine permanente Schuldenunion“, stellte Kanzler Karl Nehammer unmissverständlich zu Weihnachten gegenüber der deutschen Tageszeitung <em>Die Welt</em> fest. Dabei machte er Berlin das Angebot einer „strategischen Partnerschaft“. Beide Staaten sollten sich „mit ganzer Kraft dafür einsetzen, dass die Aufnahme von Schulden durch die EU-Kommission als Antwort auf eine außergewöhnliche Krise durch die Corona-Pandemie einmalig bleiben muss und nicht zum Einfallstor für noch mehr gemeinsame Schulden und noch mehr gemeinsame Haftung wird“.</p>



<p>Zur Finanzierung der EU-Corona-Hilfen in Höhe von rund 750 Milliarden Euro verschuldete sich die EU-Kommission 2021 erstmalig am Kapitalmarkt. Sollten ein Land oder mehrere Länder ihre Schulden nicht zurückzahlen können, so müssen die restlichen Mitglieder der Währungsunion dafür geradestehen.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Arbeitslosengeld rauf</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2021/12/01/arbeitslosengeld_rauf/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Johannes Gress]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Dec 2021 12:01:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Arbeitsmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgabe 2021/04]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[arbeitslos]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitslosengeld]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitslosigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Coronakrise]]></category>
		<category><![CDATA[Emmerich Tálos]]></category>
		<category><![CDATA[Johannes Gress]]></category>
		<category><![CDATA[Verteilung]]></category>
		<category><![CDATA[Verteilungsgerechtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Volksbegehren]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Initiative „Arbeitslosengeld rauf!“ will für ihr Volksbegehren mindestens 100.000 Unterstützungserklärungen sammeln. Im Interview erklärt Mitinitiator Emmerich Tálos, wieso das Thema Arbeitslosigkeit uns alle etwas angeht.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/12/Emmerich-Talos_3225-1024x683.png" alt="" class="wp-image-17640" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/12/Emmerich-Talos_3225-1024x683.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/12/Emmerich-Talos_3225-300x200.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/12/Emmerich-Talos_3225-150x100.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/12/Emmerich-Talos_3225-768x512.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/12/Emmerich-Talos_3225-600x400.png 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/12/Emmerich-Talos_3225-720x480.png 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/12/Emmerich-Talos_3225-272x182.png 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/12/Emmerich-Talos_3225.png 1500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Foto: Nurith Wagner-Strauss</figcaption></figure>



<p><strong>Die Initiative „Arbeitslosengeld rauf!“ sammelt Unterstützungserklärungen für ein höheres Arbeitslosengeld und will für ihr Volksbegehren mindestens 100.000 Unterschriften sammeln. Im Interview erklärt Mitinitiator Emmerich Tálos, wieso das Thema Arbeitslosigkeit uns alle etwas angeht.</strong></p>



<span id="more-17540"></span>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Der Arbeitsmarktservice (AMS) vermeldet derzeit Monat für Monat, dass die Arbeitslosigkeit sinkt. Warum will die Regierung gerade jetzt den Druck auf Arbeitslose erhöhen?</p>



<p><strong>Emmerich Tálos:</strong> Die Pandemie hat uns gezeigt, dass es auch in Österreich unter bestimmten Bedingungen eine Massenarbeitslosigkeit geben kann. Vor eineinhalb Jahren waren es mehr als 500.000 Erwerbslose. Es ist erfreulich, dass aktuell die Zahl der Arbeitslosen sinkt, aber ich finde es ungeheuerlich, bei einem Stand von ca. 340.000 Betroffenen davon zu reden, dass das Problem schon weitgehend gelöst ist. Es sinkt zwar die Arbeitslosigkeit insgesamt, aber die Zahl der Langzeitarbeitslosen kaum.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Die Regierung plant, dass Arbeitslosenbezüge mit der Dauer der Arbeitslosigkeit sinken sollen, ein sogenanntes degressives Arbeitslosengeld. Aktuell haben wir rund 340.000 Arbeitslose und 112.000 sofort verfügbare Stellen. Könnte ein degressives Arbeitslosengeld da nicht ein wirksames Mittel sein?</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>&#8222;Wenn ich furchtbare Arbeitsbedingungen anbiete, dann läuft das nicht. Warum sollen sich Menschen solchen Bedingungen unterwerfen?&#8220;</p><cite>Emmerich Tálos</cite></blockquote>



<p><strong>Emmerich Tálos:</strong> Mit Sicherheit nicht! Mit einem degressiven Modell wird erstens der Druck auf die Betroffenen enorm erhöht und zweitens das Leistungsniveau für einen Teil der Arbeitslosen gekürzt. Das heißt, die Problematik, die wir heute haben, würde nur noch verschärft. Mit einer im internationalen Vergleich sehr niedrigen Nettoersatzrate von 55 Prozent steht für viele erwerbsarbeitslose Menschen das Problem der Verarmung unmittelbar in der Tür. Wenn Arbeitsminister Martin Kocher davon ausgeht, dass ein degressives Arbeitslosengeldmodell einen höheren Arbeitsanreiz biete, wird dabei eine Frage vergessen: warum sind diese Stellen offen? Wenn ich furchtbare Arbeitsbedingungen anbiete, dann läuft das nicht. Warum sollen sich Menschen solchen Bedingungen unterwerfen? Mit einem degressiven Modell werden nicht mehr Arbeitsplätze geschaffen, nicht offene Stellen besetzt, sondern es wird der Druck auf die Arbeitslosen erhöht, weniger gute Arbeitsplätze zu akzeptieren. Und zugleich wird für einen Teil der Erwerbslosen die materielle Sicherung noch prekärer als sie schon jetzt ist.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Was bedeutet das konkret?</p>



<p><strong>Emmerich Tálos:</strong> Ein Beispiel: Viele Frauen verdienen in Teilzeit kaum mehr als 800 Euro. Schon mit einer Nettoersatzrate von 55 Prozent reicht das nicht zum Überleben. Eine <a href="https://www.momentum-institut.at/news/arbeitslosengeld-die-meisten-arbeitslosen-leben-unter-der-armutsgrenze" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="Untersuchung des Momentum Instituts (öffnet in neuem Tab)">Untersuchung des Momentum Instituts</a> hat gezeigt, dass 9 von 10 befragten Arbeitslosen von Verarmung bedroht sind. Wenn die Nettoersatzrate noch weiter abgesenkt wird, erhöht sich damit das Armutsrisiko.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>&#8222;Eine Untersuchung des Momentum Instituts hat gezeigt, dass 9 von 10 befragten Arbeitslosen von Verarmung bedroht sind.&#8220;</p><cite>Emmerich Tálos</cite></blockquote>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Mit dem Volksbegehren „Arbeitslosengeld rauf!“ möchten Sie genau an dieser Situation etwas ändern. Was sind Ihre Forderungen?</p>



<p><strong>Emmerich Tálos: </strong>Mit der Pandemie gingen eine Reihe von Problemen einher, nicht nur wirtschaftliche, auch soziale Probleme wie die enorm gestiegene Erwerbslosigkeit, das erhöhte Risiko der Verarmung. In unserem Volksbegehren steht die Verbesserung der materiellen Situation von Erwerbslosen im Fokus. Daher fordern wir erstens die Anhebung der Nettoersatzrate auf mindestens 70 Prozent. Zweitens wollen wir, dass die Zumutbarkeitsbestimmungen, die vor allem unter Schwarz-Blau restriktiver wurden, entschärft werden. Und drittens treten wir dafür ein, dass es weiterhin Zuverdienstmöglichkeiten für Betroffene gibt, weil für viele das Arbeitslosengeld ohnehin nicht reicht.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="341" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/12/talos-1024x341.png" alt="" class="wp-image-17643" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/12/talos-1024x341.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/12/talos-300x100.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/12/talos-150x50.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/12/talos-768x256.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/12/talos.png 1500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Fotos: Nurith Wagner-Strauss</figcaption></figure>



<p><strong>KOMPETENZ: </strong>Die Erhöhung der Nettoersatzrate von 55 auf 70 Prozent würde den Staat etwas mehr als eine Milliarde Euro kosten. Ist das in der jetzigen Situation zu stemmen?</p>



<p><strong>Emmerich Tálos:</strong> Was ist in dieser Situation alles gestemmt worden! Wenn ich nur daran denke, wie viele Unterstützungsleistungen Unternehmen im Vergleich dazu bekommen haben. Für 340.000 erwerbslose Menschen würde damit die materielle Sicherheit verbessert werden. Auf Wirtschaftsseite wird es als selbstverständlich erachtet, dass Unternehmen in wirtschaftlich schwierigen Situationen mit beträchtlichen Förderungen unterstützt werden. Aber wenn Arbeitslose, deren Geld ohnehin nicht reicht, eine Anhebung fordern, dann auf einmal wäre das nicht zu stemmen. Das ist zu stemmen! Es ist eine Frage des politischen Wollens – nicht des ökonomischen Könnens!</p>



<p><strong>KOMPETENZ: </strong>Wo steht ihr mit eurem Volksbegehren gerade und was ist das Ziel?</p>



<p><strong>Emmerich Tálos: </strong>Derzeit haben wir ca. 18.000 Unterstützungserklärungen. Inklusive Eintragungswoche wollen wir mindestens auf 100.000 kommen! Das würde bedeuten, dass sich das Parlament damit befassen muss. Das schafft auch Öffentlichkeit. Damit könnten wir deutlich machen, dass das Anliegen für die materielle Verbesserung von Arbeitslosen von vielen geteilt wird. Je mehr Unterstützung wir haben, desto mehr Druck können wir auf politisch Verantwortliche ausüben. Ohne diesen Druck wird&#8217;s nicht laufen!</p>



<p><strong>KOMPETENZ: </strong>Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Wieso solidarisieren Sie sich persönlich, als emeritierter Professor, eigentlich ausgerechnet mit Arbeitslosen? Da ist doch eine beträchtliche sozioökonomische Distanz vorhanden …</p>



<p><strong>Emmerich Tálos:</strong> In sozialer und ökonomischer Hinsicht gibt es diese Distanz zweifellos. Aber ich habe mein Wissenschaftserleben zu einem großen Teil der sozialen Entwicklung und dem Sozialstaat gewidmet. Von daher ist es für mich eine Selbstverständlichkeit, mich auch mit Arbeitslosigkeit und Arbeitslosen zu befassen. In diesem Zusammenhang sind AktivistInnen an mich herangetreten, ob ich bei einem Volksbegehren mitmachen möchte. Und das mache ich sehr gerne, da ich damit meine wissenschaftliche Arbeit auch politisch umsetzen kann. Das ist das Gute am Status eines Menschen im formellen Ruhestand: ich kann mir immer aussuchen, was ich mache!</p>



<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow">
<h4 class="wp-block-heading">Zur Person: </h4>



<p>Emmerich Tálos, geb. 1944, ist emeritierter Professor für Politikwissenschaft und Mitinitiator des Volksbegehrens „Arbeitslosengeld rauf!“. Er veröffentlichte mehrere Bücher zum österreichischen Sozialstaat, zu welchem er über mehrere Jahrzehnte forschte.</p>
</div></div>



<div class="wp-block-group blauebox"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow">
<h4 class="wp-block-heading">Volksbegehren Arbeitslosengeld rauf!</h4>



<p>Das <a href="https://www.arbeitslosengeld-rauf.at/" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="Volksbegehren Arbeitslosengeld rauf (öffnet in neuem Tab)">Volksbegehren Arbeitslosengeld rauf</a> setzt sich für eine deutliche Erhöhung des Arbeitslosengeldes ein. Gerade angesichts der Pandemie und dem damit verbundenen Verlust an Arbeitsplätzen darf niemand zurückgelassen werden. </p>



<p>Das Volksbegehren kann auf jedem Gemeinde- bzw. Bezirksamt (nicht nur der Heimatgemeinde) oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.help.gv.at/linkaufloesung/applikation-flow?leistung=LA-HP-GL-Volksbegehren_online&amp;quelle=HELP&amp;flow=FO" target="_blank" aria-label="online mittels BürgerInnenkarte (öffnet in neuem Tab)">online mittels BürgerInnenkarte</a> unterschrieben werden.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Spendenaufruf: </h4>



<p>Die Arbeit des Volksbegehrens „Arbeitslosengeld rauf!“ wird rein durch Spenden finanziert. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Arbeit mit einer solchen unterstützen!<br>Unsere Kontodaten lauten:<br>IBAN: AT45 3477 7000 0627 7099<br>BIC: RZOOAT2L777</p>
</div></div>



<p></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Handels-KV: „Es geht um Anerkennung und Respekt!“</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2021/10/28/handels-kv-wir-brauchen-eine-arbeitszeitverkuerzung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Barbara Lavaud]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 28 Oct 2021 11:53:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitszeit]]></category>
		<category><![CDATA[Barbara Lavaud]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Lindmeier]]></category>
		<category><![CDATA[Corona]]></category>
		<category><![CDATA[Coronakrise]]></category>
		<category><![CDATA[Handel]]></category>
		<category><![CDATA[Kollektivvertrag]]></category>
		<category><![CDATA[Kollektivvertragsverhandlung]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Pandemie hat den Beschäftigten im Handel stark zugesetzt, allerdings auf unterschiedliche Weise: Die Modebranche, für die Betriebsrat Christian Lindmeier arbeitet, geriet ziemlich unter die Räder. Was erwarten die KollegInnen von den aktuellen KV-Verhandlungen?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/10/20211018-IMG_9680-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-17526" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/10/20211018-IMG_9680-1024x683.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/10/20211018-IMG_9680-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/10/20211018-IMG_9680-150x100.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/10/20211018-IMG_9680-768x512.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/10/20211018-IMG_9680-1536x1024.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/10/20211018-IMG_9680-2048x1365.jpg 2048w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/10/20211018-IMG_9680-600x400.jpg 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/10/20211018-IMG_9680-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/10/20211018-IMG_9680-272x182.jpg 272w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Betriebsrat Christian Lindmeier</figcaption></figure>



<p><strong>Die Pandemie hat den Beschäftigten im Handel stark zugesetzt, allerdings auf unterschiedliche Weise: Die Modebranche, für die Betriebsrat Christian Lindmeier arbeitet, geriet ziemlich unter die Räder. Was erwarten die KollegInnen von den aktuellen KV-Verhandlungen?</strong></p>



<span id="more-17525"></span>



<p>Christian Lindmeier war, wie er sagt, „schon immer“ Betriebsrat – denn das ist seine Rolle und seine Berufung, seit über 15 Jahren. In seinem Betrieb, der Leder und Schuh AG, wo er gelernt hat und seit fast 38 Jahren arbeitet, hatte er auch immer schon eine laute Stimme, wenn nicht alles so lief, wie es sollte.</p>



<p></p>



<p>Lindmeiers Arbeitgeber, die Leder und Schuh Gruppe, ist eines der größten Schuhhandelsunternehmen Europas. Sie vertreibt in mehr als 120 Filialen in Österreich Schuhe und Accessoires der Linien ‚Humanic’ und ‚Shoe4You’. Dazu kommen noch zahlreiche Niederlassungen in 8 europäischen Ländern. In Österreich beschäftigt das Unternehmen knapp über 1.100 MitarbeiterInnen.</p>



<p></p>



<p>Lindmeier ist von Beruf Einzelhandelskaufmann mit einer Zusatzausbildung als Visual Merchandiser. Er ist Vorsitzender des Betriebsrats und außerdem Vorsitzender des Zentralbetriebsrats. Zudem ist er aktiv in der FCG gewerkschaftlich tätig. Die letzten eineinhalb Jahre waren extrem fordernd, denn die Modebranche hat unter der Pandemie und den Lockdowns stark gelitten.</p>



<p></p>



<p>„Leider sind wir derzeit eine Branche ohne Erfolgserlebnisse “, beschreibt Lindmeier die Situation. Die Kunden bleiben aus, für die MitarbeiterInnen ist diese Situation frustrierend. Sie kämpfen mit Stress am Arbeitsplatz, bedingt durch Corona, aber auch durch zu viele Nebenarbeiten und ständig wachsende Anforderungen. Die Personaldecke ist dünn, gleichzeitig ist es schwer, neue MitarbeiterInnen zu finden, nicht zuletzt durch das niedrige Lohnniveau in der Branche. „Während der Pandemie gingen viele KollegInnen über ihre Grenzen“, berichtet Lindmeier, „denn nicht nur die Arbeit war belastend, auch in der Freizeit war es schwierig, Erholung zu finden.“</p>



<p></p>



<h4 class="wp-block-heading" id="krise-und-corona-790b58b2-d5cf-41fb-9dfc-e10b34c46391"><strong>Krise und Corona</strong></h4>



<p></p>



<p>Die Pandemie war für den Handel eine enorme Herausforderung. Der Modehandel war allerdings von Corona ganz anders betroffen als die Supermärkte oder zB die Möbelbranche. „Es kamen nur mehr BedarfskäuferInnen“, erinnert sich Lindmeier. „Wenn die Schuhe abgetreten waren, mussten neue her. Doch die Mode-ShopperInnen blieben aus, es fanden keine Feiern statt, man fuhr nicht auf Urlaub, entsprechend kaufte man dafür auch keine neuen Schuhe.“ Damit wurde das Kaufverhalten unkalkulierbar, das Geschäft brach ein – eine belastende Situation für die MitarbeiterInnen.</p>



<p></p>



<p>Auch die Maskenpflicht trug viel zur Verunsicherung bei. Lindmeiers Betrieb ging keinen eigenen Weg, sondern vertraute immer der Regierung und ihren Anweisungen. „Allerdings kam dann der Punkt, an dem sich keiner mehr richtig auskannte, die Unsicherheit war groß. Gerade in der Beratung sind das Gesicht und die Mimik enorm wichtig, das Maskentragen erschwert unsere Arbeit ungemein.“</p>



<p></p>



<p>Noch dazu kommt es auch in dieser Branche zu Lieferproblemen: „Es fehlt Ware. Ich höre von vielen KollegInnen in den Filialen, dass sie durchaus mehr verkaufen könnten, die Ware dafür aber nicht ausreichend vorhanden ist.“ Glücklicherweise sind die Onlinebestellungen gestiegen, denn bei der Digitalisierung ist die Leder und Schuh Gruppe vorne mit dabei: Der Service heißt „Send to Home“, und Lindmeier freut sich, dass es ausgezeichnet funktioniert.</p>



<p></p>



<h4 class="wp-block-heading" id="arbeitszeit-bde50826-b733-40c0-8869-adc9cafd8eee"><strong>Arbeitszeit</strong></h4>



<p></p>



<p>Das schlimme an der Covid-Krise, erinnert sich Lindmeier, war die Gesamtsituation. Nicht nur während der Arbeit, sondern auch in der Freizeit fand niemand richtig Ruhe. Dazu kamen die Lockdowns und die Kurzarbeit. „Die Unsicherheitsfaktoren machten den KollegInnen am stärksten zu schaffen, denn man wusste nicht, was auf einen zukommt: Wie wird es weitergehen, ist der Arbeitsplatz noch sicher?“</p>



<p></p>



<p>Kurzarbeit bedeutete zwar weniger Geld – und auch das war natürlich für viele belastend -, zugleich aber den Erhalt der Arbeitsplätze. Und plötzlich hatten die Menschen aufgrund der Kurzarbeit mehr Freizeit, sie konnten sehen, wie wichtig das ist. „Die Zeit ist daher wirklich reif für eine Arbeitszeitverkürzung“, fordert Lindmeier, „Die Menschen brauchen längere Erholungsphasen. Und auch der Betrieb gewinnt, wenn die MitarbeiterInnen frisch und ausgeruht zur Arbeit kommen und nicht ständig am Limit sind.“</p>



<p>Die GPA fordert auch dieses Jahr bei den KV-Verhandlungen die sechste Urlaubwoche für alle, die seit 25 Jahren arbeiten. Bislang gibt es diese zusätzlichen Urlaubstage nur für jene, die seit 25 Jahren im gleichen Betrieb beschäftigt sind. „Das ist natürlich nicht fair“, sagt Lindmeier, „denn nur sehr wenige arbeiten in unserer Branche so lange für die gleiche Firma. Warum werden sie also benachteiligt?“</p>



<p></p>



<p>„Ich würde aber noch weiter gehen“, setzt Lindmeier nach, „ich wünsche mir generell eine Arbeitszeitverkürzung, über den zusätzlichen Urlaub hinaus. 35 Stunden wäre ein Fortschritt, optimal wäre eine 32-Stunden-Woche.“</p>



<p></p>



<p>Auch der Kampf für den freien Sonntag ist für Lindmeier, Sprecher der Wiener Sonntagsallianz, enorm wichtig. Ginge es nach ihm, würde der freie Sonntag im Handel zum Kulturgut erklärt werden: „Das war und ist eine unserer zentralen Errungenschaften im Handel! Für die Beschäftigten ist der freie Sonntag nicht verhandelbar.“</p>



<p></p>



<h4 class="wp-block-heading" id="mitgliederwerbeprojekt-f00bb57c-e77b-440e-82d7-278ba4edd897"><strong>Mitgliederwerbeprojekt</strong></h4>



<p></p>



<p>Zum richtigen Zeitpunkt ist nun die GPA kürzlich an den Betriebsrat auch mit einem neuen Mitgliederwerbeprojekt herangetreten, das Lindmeier voll und ganz unterstützt. Mittels einer App, die alle KollegInnen auf ihren Handys installierten, kann er mit den MitarbeiterInnen in den Filialen Kontakt halten. „In einem Betrieb mit einer dezentralen Struktur ist das Gold wert“, freut sich Lindmeier. Als Betriebsrat kann er seine KollegInnen nun über die App direkt und unkompliziert erreichen. So verschickt er aktuell jede Woche eine Aussendung, um alle über die laufenden KV-Verhandlungen zu informieren. In den Aussendungen spricht er zu seinen KollegInnen per Video. Auf diesem Weg will Lindmeier auch möglichst viele MitarbeiterInnen überzeugen, wie wichtig die Mitgliedschaft bei der Gewerkschaft ist.</p>



<p></p>



<h4 class="wp-block-heading" id="lohn-und-gehaltserhohungen-7b90e23f-e17c-428b-a1f2-f6741f409edc"><strong>Lohn- und Gehaltserhöhungen</strong></h4>



<p></p>



<p>Die Situation bei den KV-Verhandlungen dieses Jahr ist anders als sonst, denn im Handel gibt es durch die Pandemie Gewinner und Verlierer. Der Lebensmittelhandel, Baumärkte oder auch der Möbelhandel waren unter den Gewinnern. Die Modebranche gehört leider zu den Verlierern. „Hier hat nur das Überleben gezählt“, sagt Lindmeier.</p>



<p></p>



<p>Trotzdem ist eine Anpassung der Gehälter an die steigenden Lebenskosten unbedingt notwendig. „Sonst wäre es ja de facto eine Gehaltskürzung. Man muss von seiner Arbeit schließlich leben können.“ Lindmeier sieht seine Branche im Vergleich zu anderen benachteiligt, was das Lohnniveau angeht. Besonders Frauen, die im Einzelhandel die Mehrheit stellen, sind von niedrigen Einkommen betroffen.</p>



<p></p>



<p>Es fehle auch die Anerkennung und der Respekt von der Arbeitgeberseite bei den KV-Verhandlungen, kritisiert Lindmeier. „Leider geht es oft nur mehr darum zu zeigen, wer der Stärkere ist.“ Als Betriebsrat wünscht er sich für die Zukunft nicht nur respektvolle Verhandlungen auf Augenhöhe, sondern auch eine festgelegte Erhöhung der Löhne und Gehälter um die Inflationsrate. „Das wäre die Basis, das festgesetzte Minimum. Die Verhandlungen könnten sich dann auf jene Erhöhungen konzentrieren, die darüber hinaus gehen. In guten Branchen kann man dann auch ein größeres Stück vom Kuchen rausholen.“</p>



<p></p>



<p>Trotz der schwierigen Zeit gibt es einen ganz wesentlichen Erfolg in Lindmeiers Unternehmen: „Wir leben noch.“ Dass der Betrieb die Corona-Krise überstand, ist als Erfolg zu verbuchen &#8211; viele andere mussten aufgeben. Sowohl Arbeitgeber als auch Betriebsrat legten ihre ganze Kraft außerdem in ein gemeinsames Ziel: Niemand sollte den Arbeitsplatz verlieren während der Krise. Und das ist geglückt: „Es wurde keine einzige der MitarbeiterInnen gekündigt.“</p>



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<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile"><figure class="wp-block-media-text__media"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/10/20211018-IMG_9642-1024x1024.jpg" alt="" class="wp-image-17527 size-full" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/10/20211018-IMG_9642-1024x1024.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/10/20211018-IMG_9642-300x300.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/10/20211018-IMG_9642-150x150.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/10/20211018-IMG_9642-768x768.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/10/20211018-IMG_9642-1536x1536.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/10/20211018-IMG_9642-2048x2048.jpg 2048w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/10/20211018-IMG_9642-600x600.jpg 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/10/20211018-IMG_9642-500x500.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zur Person:</strong></h2>



<p>In seiner Freizeit will Christian Lindmeier Kraft tanken und abschalten. Er verbringt viel Zeit mit seiner Familie und Freunden und geht gern raus in der Natur. Am liebsten in die Berge, im Sommer auf dem Mountainbike, auf Skiern im Winter. „Die Berge sind mein Ruhepol, dort kann ich abschalten.“ Sein Ziel: „Mehr Zeit für Erholung und für die Familie. Und als Betriebsrat“, fügt er noch hinzu, „wünsche ich mir, dass ich eines Tages ohne Arbeit bin, weil alle Probleme und Konflikte gelöst sind.“</p>
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