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	<title>Hanusch Krankenhaus &#8211; KOMPETENZ-online</title>
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	<title>Hanusch Krankenhaus &#8211; KOMPETENZ-online</title>
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	<item>
		<title>Konkret zu helfen ist sehr erfüllend</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Andrea Rogy]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Mar 2023 08:43:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2023/02]]></category>
		<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialstaat]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitszeit]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitszeitverkürzung]]></category>
		<category><![CDATA[Gerlinde Kandler]]></category>
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		<category><![CDATA[Umziehzeiten]]></category>
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					<description><![CDATA[Als Betriebsrats-Vorsitzende des Hanusch-Krankenhauses hat Gerlinde Kandler gemeinsam mit der GPA eine Verkürzung der Arbeitszeit erreicht und ausverhandelt, dass alle MitarbeiterInnen, die sich vor und nach dem Dienst umkleiden müssen, rückwirkend mit Mai 2018 zehn Minuten Umziehzeit pro Tag ausbezahlt bekommen bzw. dies aktuell als Arbeitszeit angerechnet wird. Um aktuelle Stimmungen einzufangen, geht sie mit ihrem Team in Blitzaktionen durchs Haus. Bei der persönlichen Abgrenzung hilft ihr die „Betriebsrats-Familie“.]]></description>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/03/Gerlinde-Kandler_6236-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-19639" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/03/Gerlinde-Kandler_6236-1024x683.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/03/Gerlinde-Kandler_6236-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/03/Gerlinde-Kandler_6236-150x100.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/03/Gerlinde-Kandler_6236-768x512.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/03/Gerlinde-Kandler_6236-1536x1024.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/03/Gerlinde-Kandler_6236-2048x1365.jpg 2048w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/03/Gerlinde-Kandler_6236-600x400.jpg 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/03/Gerlinde-Kandler_6236-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/03/Gerlinde-Kandler_6236-272x182.jpg 272w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Foto: Nurith Wagner-Strauss</figcaption></figure>



<p><strong>Als Betriebsrats-Vorsitzende des Hanusch-Krankenhauses hat Gerlinde Kandler gemeinsam mit der GPA eine Verkürzung der Arbeitszeit erreicht und ausverhandelt, dass alle MitarbeiterInnen, <a href="https://kompetenz-online.at/2022/02/03/umziehzeit-wird-zur-arbeitszeit/" aria-label="die sich vor und nach dem Dienst umkleiden">die sich vor und nach dem Dienst umkleiden</a> müssen, rückwirkend mit Mai 2018 zehn Minuten Umziehzeit pro Tag ausbezahlt bekommen bzw. dies aktuell als Arbeitszeit angerechnet wird. </strong></p>



<span id="more-19638"></span>



<p><strong>Um aktuelle Stimmungen einzufangen, geht sie mit ihrem Team in Blitzaktionen durchs Haus. Bei der persönlichen Abgrenzung hilft ihr die „Betriebsrats-Familie“.</strong></p>



<p>Gerlinde Kandler ist seit 2017 Vorsitzende des Angestellten Betriebsrates im Hanusch-Krankenhaus. Nach ihrer Ausbildung zur Bürokauffrau mit Schwerpunkt Rechnungswesen fing sie 1990 bei der damaligen Wiener Gebietskrankenkasse, in der Abteilung für Rezeptkontrolle an. Nach drei Jahren wechselte sie ins Spital und durchlief anfänglich als Springerin verschiedene Ambulanzen und Stationen der Verwaltung, bis sie schließlich im Rechnungswesen Fuß fasste, wo sie bis 2009 tätig war.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Einstieg als Betriebsrätin</h4>



<p>Kandlers Einstieg in die betriebsrätliche Tätigkeit war ein pragmatischer: der damalige Betriebsratsvorsitzende Martin Holzmann fragte sie, ob sie die Belegschaftsvertreterin als Rechnungsprüferin unterstützen wolle: „Somit hatte ich Einsicht in alle Belege und gewann rasch einen Überblick über das Geschehen.“ Vor den Wahlen 2003 tat Kandler ihr Interesse an einer vertieften Mitarbeit kund: „In meinem Arbeitsbereich war ich immer schon eine Art Sprecherin für die anderen, wenn etwas nicht gepasst hat. Ich bin ein sozialer und gerechter Mensch und traue mich auch etwas zu sagen.“ Ihre Fähigkeit heikle Fragen auf den Punkt zu bringen und ihren Mut wollte Kandler den MitarbeiterInnen im gesamten Haus zur Verfügung stellen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Ungerechtigkeiten regen mich maßlos auf – so ticke ich eben.“</p>
<cite>Gerlinde Kandler</cite></blockquote>



<p>So wurde die Gerechtigkeitsfanatikerin 2003 als ordentliches Mitglied in den Betriebsrat gewählt: „Ich wollte bei gewissen Sachfragen gerne als Betriebsrätin agieren können. Es regt mich wahnsinnig auf, wenn es nicht gerecht zugeht. Da kann ich dann auch mal lauter werden.“ Bei ihren regelmäßigen Rundgängen durchs Haus tauchte Kandler bald in die konkreten Problemlagen der Beschäftigten ein: „Manche hatten Probleme mit ihren Vorgesetzten, die meisten Beschwerden gab es aber zu den Dienstplänen. Viele KollegInnen empfanden die Einteilungen als ungerecht. Auf meinen Rundgängen kommt es oft zu spontanen Gesprächen, viele KollegInnen kommen mit konkreten Problemen direkt ins Betriebsratsbüro.“</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="341" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/03/Gerlinde-Kandler-1024x341.png" alt="" class="wp-image-19648" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/03/Gerlinde-Kandler-1024x341.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/03/Gerlinde-Kandler-300x100.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/03/Gerlinde-Kandler-150x50.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/03/Gerlinde-Kandler-768x256.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/03/Gerlinde-Kandler-1536x512.png 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/03/Gerlinde-Kandler-2048x682.png 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Gerlinde Kandler ist seit 2017 Vorsitzende des Angestellten Betriebsrates im Hanusch-Krankenhaus.</strong><br>Fotos: Nurith Wagner-Strauss</figcaption></figure>



<h4 class="wp-block-heading">Rechtliche Expertise durch Gewerkschaftsausbildung</h4>



<p>Seit 2009 ist Kandler mit einer zweiten Kollegin dienstfreigestellte Betriebsrätin, insgesamt kümmert sich ein 15-köpfiges Betriebsrats-Team um die Anliegen der insgesamt 1600 angestellten ÄrztInnen, Pflegekräfte, Gesundheitsberufe und Verwaltungsangestellten. 15 KollegInnen stehen als Ersatz-Mandatare bereit.</p>



<p>Das Tätigkeitsspektrum des Teams ist sehr vielfältig: „Wir führen viele rechtliche Beratungen durch, es geht um Pensionierungen, Elternteilzeit oder Karenz. Oft unterstützen wir die KollegInnen dabei, Ansuchen zu schreiben oder begleiten sie zu problematischen Gesprächen.“ Rechtliche Expertise eignete sich Kandler über die Betriebsrats-Akademie an, auch als Arbeiterkammer-Rätin und als Laienrichterin am Arbeits- und Sozialgericht bekommt sie einen Überblick über aktuelle arbeitsrechtliche Entwicklungen und Entscheidungen: „Für mich ist es spannend zu lesen, was die Gutachter zu Themenbereichen wie Pflegegeldeinstufungen, Berufsunfähigkeitspensionen und anderen sozialrechtlichen Fragen wie Anfechtungen von Entlassungen ausführen – das hilft mir bei konkreten Beratungen im Betrieb manchmal weiter.“</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Zu spüren, dass ich konkret helfen kann, ist sehr erfüllend.“</p>
<cite>Gerlinde Kandler</cite></blockquote>



<p>Durch die Betriebsratsakademie hat Kandler fachlich und menschlich „einen Sprung gemacht: „Ich habe für mein Netzwerk viele wichtige Kontakte geknüpft.“ Sie ist stolz auf das, was sie geschafft hat: &#8222;Ich kann anderen helfen und mein Wissen vermitteln. Zu spüren, dass man konkret helfen konnte, ist sehr erfüllend. Dabei spürt man persönliche Wertschätzung und Dankbarkeit.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Sozialversicherungsreform</h4>



<p>Wichtig ist Kandler, die auch im Landesfrauenvorstand der GPA engagiert ist, eine gute Gesprächsbasis zur Führungsebene: „Mit der Sozialversicherungsreform 2019/20 haben sich die Strukturen gravierend verändert. Vorher hatte ich regelmäßigen direkten Kontakt zur Generaldirektion und der Kollegialen Führung. Letzterer besteht auch heute noch, der neue Aufbau mit zentralisierten und schwerer unerreichbaren Führungspersonen ist gewöhnungsbedürftig. Direkter regelmäßiger Kontakt besteht nur zum Fachbereichsleiter.“ Als Zentralbetriebsrätin kennt sie zwar die neuen Vorstände: „Direkte Gespräche gibt es aber leider kaum mehr, die Kommunikation läuft hauptsächlich über den Vorsitzenden unseres Zentralbetriebsrates.“ Im März wurde Kandler zu einer seiner fünf StellvertreterInnen gewählt.</p>



<div class="wp-block-group rotebox"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<h4 class="wp-block-heading">Hast du schon einmal überlegt selbst einen Betriebsrat zu gründen?</h4>



<p>Wenn es bei dir im Betrieb mindestens 5 Beschäftigte gibt, kann eine Betriebsratswahl stattfinden. Dein Chef/deine Chefin, darf die Wahl nicht behindern. Als Betriebsrätin/Betriebsrat hast du einen besonderen Kündigungsschutz und du kannst einen Teil deiner Arbeitszeit für die Betriebsratstätigkeit verwenden. Wir unterstützen und begleiten dich und deine KollegInnen bei der Durchführung der Betriebsratswahl.<br>Du möchtest mit uns darüber reden? Dann wende dich an unsere Beratung in deinem Bundesland. Alle Kontakte findest du hier: <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.gpa.at/kontakt" target="_blank" aria-label="https://www.gpa.at/kontakt (öffnet in neuem Tab)">https://www.gpa.at/kontakt</a></p>
</div></div>



<h4 class="wp-block-heading">Arbeitszeitverkürzung</h4>



<p>Stolz ist Kandler darauf, dass der Betriebsrat des Hanusch-Krankenhauses nach wie vor jene Agenden direkt verhandelt, die für das Haus notwendig und wichtig sind: „Wir sind ein eigenes unabhängiges Gremium und haben unterschiedliche Bedürfnisse als andere Organisationseinheiten der Sozialversicherung.“ Aktuell wird darum gerauft, trotz eingefrorenem Dienstpostenplan ausreichend Personal für die Pflege und ÄrztInnen zu bekommen. Ein wichtiger Erfolg dabei ist die Umsetzung einer Arbeitszeitverkürzung für alle Vollzeit- und Teilzeitkräfte mit Jahresbeginn, dringend nach zu besetzende Jobs im Krankenhaus werden so attraktiver für Stellensuchende: „Es ist keine richtige Verkürzung über den Kollektivvertrag, wir lösen das mit Gutstunden: die Beschäftigten arbeiten weiterhin 40 Stunden, können aber im Folgemonat ihre Gutzeit vereinbaren und kommen so auf das Vollzeitäquivalent von 37,5 Stunden.“</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center">„Durch die Arbeitszeitverkürzung werden wir als Dienststelle attraktiver – die Leute wollen das heute so.“</p>
<cite>Gerlinde Kandler</cite></blockquote>



<p>Arbeitszeitverkürzung ist für Kandler das wichtigste Thema der nahen Zukunft: „Neben einem ordentlichen Gehaltsabschluss, der das Leben leistbar erhält, wollen die junge ArbeitnehmerInnen mehr Freizeit durch eine Arbeitszeitverkürzung, manche wollen grundsätzlich in Teilzeit arbeiten.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Anrechnung von Umziehzeit als Arbeitszeit</h4>



<p>Erfolgreich umgesetzt hat Kandler mit ihrem Team auch die Anrechnung der Umziehzeiten als Teil der Arbeit: „Seit Jänner gilt eine Betriebsvereinbarung, <a href="https://kompetenz-online.at/2022/02/03/umziehzeit-wird-zur-arbeitszeit/" aria-label="das Umkleiden passiert nun im Rahmen der normalen Arbeitszeit">das Umkleiden passiert nun im Rahmen der normalen Arbeitszeit</a>. Wir haben sogar ausverhandelt, dass seit Mai 2018 angefallene Umziehzeiten rückwirkend ausbezahlt wurden.“</p>



<p>Trotz vieler Erfolge gibt es in Kandlers Arbeitsalltag auch Ärgernisse: „Seit 2021 gibt es ein großes Projekt zum Thema ´Gewalt am Arbeitsplatz´. Dazu hat uns der Dienstgeber ein Sicherheitskonzept versprochen, auf das wir sehr dringend warten.“ Für Kandler ein wichtiges Thema: „Wir brauchen rasch präventive Konzepte um den Übergriffen von KollegInnen, BesucherInnen oder auch PatientInnen auf einer sachlichen und fundierten Ebene begegnen zu können.“</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center">„Wir BetriebsrätInnen halten in schwierigen Zeiten zusammen wie eine große Familie.“</p>
<cite>Gerlinde Kandler</cite></blockquote>



<p>Warten heißt es auch auf eine praktikable Lösung für schwangere Ärztinnen, die nach wie vor ab der 14. Woche aufgrund ihrer Dienstfreistellung die Überstundenpauschale verlieren und so starke Gehaltseinbußen erleiden. Geduld und Ausdauer zu zeigen, hat Kandler durch die Praxis aber auch in Kursen gelernt. Persönliche Betroffenheit aufgrund tragischer Situationen kann sie abseits der Arbeit ganz gut ablegen: „Ich schaffe es meist, den Schritt aus der Jobsituation hinaus ins Private zu machen und den Hut der Betriebsrätin in meiner Freizeit abzulegen.“ Dabei helfen regelmäßige Reflexionen und Gesprächsrunden mit anderen Betriebsrätinnen: „Da kann man sich aussprechen, wir helfen uns in schwierigen Situationen wie eine Familie.“</p>



<p>Kandler liebt ihre Tätigkeit, als Vorsitzende könne sie „glänzen, weil wir ein super Team sind: „Im Betriebsratsgremium leben wir solidarisch und besprechen alles miteinander. Es gibt viele KollegInnen, die sich konstruktiv einbringen und Ideen haben, gegenseitige Unterstützung ist dabei ganz wichtig.“ Mittels einer Betriebsrats-App erreicht sie die KollegInnen sehr direkt und unkompliziert: „Es ist eine wahre Errungenschaft für uns. Dienstordnung, Gehaltstabellen und Kollektivvertrag sind auf einen Klick verfügbar. Aktuelle Infos können rasch und zielgerichtet geteilt bzw. als Push-Nachricht verschickt werden.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Direkter Kontakt ist wichtig</h4>



<p>Kandler sucht regelmäßig den direkten Kontakt zu den MitarbeiterInnen und hat auch „keine Angst vor unangenehmen Wahrheiten: Als Betriebsrat gehen wir in sogenannten Blitzaktionen durchs Haus und machen uns ein Stimmungsbild. Wir sammeln Anregungen auf Kärtchen, so bleibt alles anonym.“ Kandler sieht sich als „Bindeglied zwischen DienstnehmerInnen und Dienstgeber: Meine Aufgabe ist es, bestehende Probleme anzugehen und zu lösen.“ Manchmal müsse sie aber „einer KollegIn erklären, dass der Dienstgeber sachlich Recht hat: Ich bleibe auch in solch unangenehmen Situationen pragmatisch.“</p>



<p>2024 stellt sich Kandler der Wiederwahl: „Es wäre meine letzte Funktionsperiode, ich würde mich freuen, nochmals Verantwortung zu übernehmen.“</p>



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<h4 class="wp-block-heading">Zur Person</h4>



<p>Gerlinde Kandler ist seit 33 Jahren in der Sozialversicherung beschäftigt. Sie hat eine erwachsene Tochter und lebt in Wien. In ihrer Freizeit geht sie gerne mit ihrem Hund in die Natur, auch laufen und wandern stehen regelmäßig am Programm. Abseits ihrer Betriebsratsarbeit ist sie auch Mitglied des GPA-Bezirksforums für den 14. Bezirk.</p>
</div></div>



<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<h4 class="wp-block-heading">Das könnte dich auch interessieren: </h4>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="https://kompetenz-online.at/2023/03/09/betriebsrat-ohne-vertrauen-geht-nichts/" aria-label="Margit Luxner">Margit Luxner</a> ist Betriebsratsvorsitzende im Altenwohnheim im Altenwohnheim in Kitzbühel und hat für die Beschäftigten eine bessere Anrechnung der Vordienstzeiten erkämpft. </li>



<li><a href="https://kompetenz-online.at/2022/09/14/mit-der-gewerkschaftsarbeit-auf-die-welt-gekommen/" aria-label="Franz Koskarti">Franz Koskarti</a> Mitglied des Zentralbetriebsrates der&nbsp;Österreichischen Gesundheitskasse und vertritt 12.000 Beschäftigte in ganz Österreich.</li>



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</ul>
</div></div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„Die Grenzen sind für viele erreicht“</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2022/05/10/die-grenzen-sind-fuer-viele-erreicht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexia Weiss]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 May 2022 07:33:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialstaat]]></category>
		<category><![CDATA[Alexia Weiss]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitszeit]]></category>
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		<category><![CDATA[Pflege]]></category>
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					<description><![CDATA[Martin Schwantler ist diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Betriebsrat sowie stellvertretender Leiter der Pflege in der Zentralen Notaufnahme im Hanusch Krankenhaus in Wien. Das Hauptproblem aus seiner Sicht: Es fehlt an allen Ecken und Enden an Pflegekräften.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
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<p><strong>Martin Schwantler ist diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger,  <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.gpa.at/betriebsrat" target="_blank" aria-label="Betriebsrat (öffnet in neuem Tab)">Betriebsrat </a>sowie stellvertretender Leiter der Pflege in der Zentralen Notaufnahme im Hanusch Krankenhaus in Wien. Das Hauptproblem aus seiner Sicht: Es fehlt an allen Ecken und Enden an Pflegekräften.</strong></p>



<span id="more-18370"></span>



<p>Eigentlich hat Martin Schwantler ja eine Fachschule für Bautechnik absolviert. „Aber ich habe schon in der Ausbildung gemerkt, dass mich das wenig interessiert.“ Abschließen wollte der gebürtige Kärntner sie trotzdem. „Ein Abschluss ist ein Abschluss.“ Im Zug seines Zivildiensts beim Roten Kreuz in Villach merkte er: Das ist es. Und da es ihn zudem auch nach Wien zog, beschloss er in der Bundeshauptstadt die Schule für Gesundheits- und Krankenpflege zu absolvieren.</p>



<p>Seit 2008 ist er in diesem Beruf tätig – viele Jahre übrigens in Teilzeit, da er nach der Geburt seines Sohnes die Möglichkeit der Elternteilzeit in Anspruch nahm. Dabei arbeitete er zunächst in einer Neurologie-Station am Rosenhügel und wechselte 2012 ans Hanusch Krankenhaus. Dort war er zuerst im Bereich Kardiologie eingesetzt und übernahm 2018 zunächst die stellvertretende Stationsleitung im Bereich Stoffwechsel und Gastro-Enterologie, 2019 dann die stellvertretende Stationsleitung der Zentralen Notaufnahme.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Kandidatur zum Betriebsrat</h4>



<p>Von jeher sei er aber auch „ein vorlauter Mensch“ gewesen, wie er erzählt. Und habe sich gedacht, da wäre es auch sinnvoll, sich einzubringen. Das tut er einerseits auf der politischen Ebene, in dem er sich in Liesing sowohl bei der SPÖ als auch der FSG engagiert. Das tut er aber auch in seinem Arbeitsumfeld: 2012 kandidierte er erstmals für den Betriebsrat im Hanuschkrankenhaus und blieb dieser Funktion bis heute treu. „Ich wollte eine Stimme sein für die Leute, die sich nichts zu sagen trauen. Mir war immer wichtig, dass man mündiger wird und Menschen bestärkt, für sich einzutreten, etwa dafür, dass es nicht selbstverständlich ist, dass man überlastet arbeiten muss.“</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow advgb-dyn-37b49899">
<p>„Ich wollte eine Stimme sein für die Leute, die sich nichts zu sagen trauen.&#8220;</p>
<cite> Martin Schwantler</cite></blockquote>



<p>Damit ist Schwantler schon bei einem Kernproblem des Pflegepersonals angelangt: Es ist das Fehlen desselben. „Es gibt zu wenige Bewerber, es kommen zu wenige Pflegekräfte nach. Deshalb müssen die, die im Beruf sind, viele Überstunden machen.“ Doch irgendwann gehe das nicht mehr, weil die Leute erschöpft seien. „Die Belastung ist inzwischen einfach zu hoch. Die Grenzen sind für viele erreicht“, prangert der Betriebsrat an.</p>



<p>Auf seiner Station sei die Situation noch stabil, hier arbeite ein Team von 30 Pflegekräften, untertags seien jeweils sieben Personen eingesetzt, nachts vier, das gehe sich gut aus. Betreut würden jeweils zwischen 40 bis 80 PatientInnen pro Tag, das Gros von ihnen ambulant. Doch auf anderen Stationen im Hanusch Krankenhaus sehe es anders aus, da seien Stellen seit Monaten unbesetzt und das führe zu massiven Problemen, weiß er aus Gesprächen mit KollegInnen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Fehlende Ruhephasen</h4>



<p>„Es gibt Stationen, an denen die MitarbeiterInnen vier bis fünf Mehrdienste im Monat machen müssen. Da hat man überhaupt keine Ruhephasen mehr.“ Von KollegInnen in anderen Krankenhäusern wisse er, dass diese unzählige Nachtgutstunden stehen hätten und diese nicht mehr abbauen könnten. Pro Nachtdienst erhalten Pflegekräfte zwei so genannte Nachgutstunden, die allerdings innerhalb einer Frist konsumiert werden müssen, sonst verfallen sie. „Immer wieder kommt es dazu, dass drei bis vier Wochen hintereinander 60 Stunden pro Woche gearbeitet wird. Das ist sehr prekär. Es ist ein großer Wunsch der MitarbeiterInnen, dass sie ihre Freizeit auch nutzen können.“</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow advgb-dyn-c38face9">
<p>„Immer wieder kommt es dazu, dass drei bis vier Wochen hintereinander 60 Stunden pro Woche gearbeitet wird.&#8220;</p>
<cite>Martin Schwantler</cite></blockquote>



<p>Stichwort Freizeit: Regelmäßig hört der Betriebsrat auch von den KollegInnen, die er vertritt, dass ihnen mehr Dienstplansicherheit ein großes Anliegen wäre. Formal gebe es zwar keine Bereitschaftsdienste. Aber alle Pflegekräfte seien ständig in so etwas wie einer moralischen Rufbereitschaft. „Wir sind ein sehr kollegialer und sozialer Berufsstand. Wenn der Hut brennt, dann springt man ein. Da tun sich viele schwer, nein zu sagen.“</p>



<p>In den vergangenen Jahren habe Covid-19-bedingt oft der Hut gebrannt. Zusätzlich zu den nicht nachbesetzten Stellen kamen die Ausfälle durch an dem Virus erkrankten KollegInnen. Immer wieder baten Stationen um Aushilfen. Immer wieder musste auch massiv gekämpft werden, dass Betten gesperrt werden, weil eben niemand mehr da war, um PatientInnen adäquat zu betreuen.</p>



<p>Genau das möchte Schwantler vermitteln: „Man kann noch so viele Betten aufstellen, Geräte aufbauen, Krankenhäuser einrichten: Wenn niemand da ist, der das bedient und sich um die PatientInnen kümmert, wird das nichts bringen.“</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized advgb-dyn-c25f7c60"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/05/Martin-Schwantler-1024x341.png" alt="" class="wp-image-18371" width="830" height="276" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/05/Martin-Schwantler-1024x341.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/05/Martin-Schwantler-300x100.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/05/Martin-Schwantler-150x50.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/05/Martin-Schwantler-768x256.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/05/Martin-Schwantler-1536x512.png 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/05/Martin-Schwantler-2048x682.png 2048w" sizes="auto, (max-width: 830px) 100vw, 830px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Martin Schwantler ist Betriebsrat im Hanusch Krankenhaus. Er kämpft für mehr Anerkennung, bessere Bezahlung und die 35-Stundenwoche. </strong><br>Fotos: Nurith Wagner-Strauss</figcaption></figure>



<h4 class="wp-block-heading">Nachwuchs fehlt</h4>



<p>Das wichtigste sei nun, das Pflegepersonal zu entlasten. Hier bringt Schwantler einerseits die 35-Stunden-Woche in die Debatte mit ein. „Das würde bessere Erholungszeiten bringen. Die körperliche und seelische Belastung ist derzeit einfach zu hoch.“ Er höre auch immer wieder von Teilzeitkräften, dass sie bereit wären, auf 35 Stunden zu erhöhen, wenn die Vollzeittätigkeit eben auf 35 Stunden Wochenarbeitszeit reduziert würde. Zweitens müsse man aber auch bei der Ausbildung ansetzen. Seit Diplomierte Pflegekräfte nicht mehr an Schulen, sondern an Fachhochschulen ausgebildet würden, gebe es nur mehr ein Drittel der Ausbildungsplätze. Es kämen also viel zu wenige KollegInnen nach.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow advgb-dyn-c38face9">
<p>„Man kann noch so viele Betten aufstellen, Geräte aufbauen, Krankenhäuser einrichten: Wenn niemand da ist, der das bedient und sich um die PatientInnen kümmert, wird das nichts bringen.“</p>
<cite>Martin Schwantler</cite></blockquote>



<p>Hier brauche es einerseits mehr FH-Plätze für angehende Pflegekräfte. Gleichzeitig sollen sie, analog etwa zur Ausbildung von PolizistInnen, bereits für ihre Tätigkeit in Spitälern, die einen Gutteil ihrer Ausbildung ausmachen, adäquat entlohnt werden. Andererseits müsse die Tätigkeit der PflegefachassistentInnen aufgewertet werden, fordert Schwantler. Wenn diese zum Beispiel auch medikamentöse Therapien wie Infusionen geben könnten, wären die Pflegekräfte entlastet. Der Betriebsrat wünscht sich zudem einen leichteren Zugang von bereits ausgebildeten PflegefachassistentInnen zu einem FH-Pflege-Studium. Für viele sei hier die nötige Matura eine große Hürde. „Vielleicht kann man da einen Zugang über eine vereinfachte Studienberechtigungsprüfung schaffen.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Höhere Bezahlung als Zeichen der Wertschätzung</h4>



<p>Und schließlich ist da auch noch die Frage der Bezahlung. Einerseits brauche es hier insgesamt eine höhere Dotierung der Gehälter. „Das hat auch mit Wertschätzung zu tun.“ Andererseits kämen immer wieder KollegInnen zu ihm, die damit kämpfen, dass es einen langen Atem brauche, um Zulagen für Tätigkeiten, die man bereits ausgeübt habe, zu bekommen. Das führe dazu, dass sie sich „nicht wahrgenommen fühlen“. Insgesamt seien gerade Pflegekräfte wichtig für die Gesellschaft. Das müsse sich auch am Gehalt ablesen lassen.</p>



<p>Menschen in sozialen Berufen hätten oft lange eine Hemmung, mit ihren Sorgen an die Öffentlichkeit zu gehen. „Man zögert, man will ja seine PatientInnen nicht im Stich lassen, man will die KollegInnen nicht im Stich lassen.“ </p>



<p>Konzepte für einen Weg aus dieser Pflegekrise gäbe es genug, auch von Seite der Gewerkschaften. „Es geht nur um den politischen Willen.“ Und seinen KollegInnen sagt Schwantler: „Wir können uns trauen, laut zu sein. Wenn wir für uns eintreten, treten wir auch für die PatientInnen ein.“</p>



<div class="wp-block-group blauebox advgb-dyn-ada72a22"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow">
<h4 class="wp-block-heading">Zur Person</h4>



<p><strong>Martin Schwantler</strong>, geb. 1983 in Villach, zunächst Fachschule für Bautechnik, nach dem Zivildienst beim Roten Kreuz als Rettungssanitäter Schule für Gesundheits- und Krankenpflege in Wien. Seit 2008 als Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger tätig, zunächst am Rosenhügel in Wien, ab 2012 im Hanusch Krankenhaus. Seit März 2019 stellvertretende Stationsleitung der Zentralen Notaufnahme im Hanusch Krankenhaus. Seit 2012 Betriebsrat, seit 2018 Mitglied des Regionalausschusses der IG Social Wien. Schwantler ist Vater eines Sohnes und lebt in Wien. In seiner Freizeit engagiert er sich bei der SPÖ sowie der FSG Liesing, sportelt viel, geht ins Theater und campt gerne.</p>
</div></div>



<p>  </p>



<p class="rotebox">Du überlegst auch bei dir im Betrieb einen <strong>Betriebsrat</strong> zu gründen? Deine Gewerkschaft GPA berät und dich begleitet dich während der Vorbereitung der Betriebsratswahl. Ruf einfach an und informiere dich unverbindlich. Alle Kontakte zur GPA in deinem Bundesland findest du <a href="https://www.gpa.at/kontakt" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="hier (öffnet in neuem Tab)">hier</a>. </p>
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		<title>Eine bisserl gerechtere Welt</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2021/07/28/eine-bisserl-gerechtere-welt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Resei]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 Jul 2021 15:50:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitszeitverkürzung]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Resei]]></category>
		<category><![CDATA[Hanusch Krankenhaus]]></category>
		<category><![CDATA[Ilse Kalb]]></category>
		<category><![CDATA[Krankenpflege]]></category>
		<category><![CDATA[Long Covid]]></category>
		<category><![CDATA[Pflege]]></category>
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					<description><![CDATA[Wichtiges rasch umsetzen, das ist ein wichtiges Lebensprinzip von Ilse Kalb. Die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende will gerne etwas bewegen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Ilse-Kalb_1875-1024x683.png" alt="" class="wp-image-17204" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Ilse-Kalb_1875-1024x683.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Ilse-Kalb_1875-300x200.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Ilse-Kalb_1875-150x100.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Ilse-Kalb_1875-768x512.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Ilse-Kalb_1875-600x400.png 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Ilse-Kalb_1875-720x480.png 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Ilse-Kalb_1875-272x182.png 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Ilse-Kalb_1875.png 1500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Foto: Nurith Wagner-Strauss</figcaption></figure>



<p><strong>Wichtiges rasch umsetzen, das ist ein wichtiges Lebensprinzip von Ilse Kalb. Die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende will gerne etwas bewegen.</strong></p>



<span id="more-17203"></span>



<p>Die von COVID-19 geprägten vergangenen eineinhalb Jahre waren auch für Ilse Kalb, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende im Hanusch-Krankenhaus, ein besonders schwieriges Lebenskapitel. Neben ihren vielschichtigen beruflichen Herausforderungen, erkrankte Kalb schwer, litt unter dem Long-Covid-Syndrom. Die ersten Symptome spürte die Krankenpflegerin im April 2020: „Es ist wie aus heiterem Himmel gekommen – ich wurde an einem Sonntag munter und fühlte mich gar nicht wohl“. Die Körpertemperatur stieg, eine Woche lang hatte Kalb 40 Grad Fieber. Dazu gesellten sich problematische Begleitumstände: „Ich war mutterseelenallein am Land und hatte nur telefonischen Kontakt mit der Außenwelt“, erinnert sie sich. Ganze drei Wochen musste Ilse Kalb dort schwer gezeichnet verbringen – eine gefühlte Unendlichkeit. „Es gab Momente, da hatte ich beim Einschlafen Angst, nicht mehr aufzuwachen.“ Kalb, die stets gesund war, hätte sich niemals träumen lassen, so heftig vom Corona-Virus getroffen zu werden.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Gesund mit Hund</h4>



<p>Doch bereits im Mai hat sie wieder zu arbeiten begonnen, allerdings mit einem erheblichen Energieverlust. Von zuvor 60 Kilogramm bei einer Größe von 1,76 Meter magerte sie auf 52 Kilogramm ab. „Nach der Arbeit habe ich mich gleich ins Bett gelegt, war kraftlos und fühlte mich leer.“  Ihre gesundheitliche Krise dauerte bis zur Jahreswende. Seither hat sich Kalb erholt und wieder etwas zugenommen, daran hat auch ihre junge Hündin Shadow, ein Akita Inu, einen gewichtigen Anteil. Im Oktober 2020 geboren, kam Shadow als vier Monate alter Welpe im Jänner zu Kalb und hält sie seither ordentlich auf Trab. „Zweimal am Tag muss ich natürlich unbedingt mit ihr raus, da baue ich viel Stress ab und Kondition auf“, erzählt die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende. „Ich vergöttere sie“, schmunzelt das Frauchen – allein ihres Beitrages zur Genesung wegen, hat die Hündin so viel Liebe verdient.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; </p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p> „Nach der Arbeit habe ich mich gleich ins Bett gelegt, war kraftlos und fühlte mich leer.“ </p><cite>Ilse Kalb</cite></blockquote>



<h4 class="wp-block-heading">Ausgebranntes Pflegepersonal</h4>



<p>Die gewaltigen Hürden im Beruf musste Ilse Kalb trotzdem meistern: Seit Beginn der Pandemie hat sich die ohnehin schon angespannte Situation im Gesundheitsbereich noch weiter verschärft. „In unserer Arbeit waren wir bereits vor COVID-19 sehr gefordert und ausgepowert – die Pandemie hat die Situation empfindlich zugespitzt“, macht es Ilse Kalb deutlich.</p>



<p>Auf die neue und extreme Arbeitssituation reagierten die MitarbeiterInnen zügig,&nbsp; Pflegekräfte aus unterschiedlichsten Abteilungen wechselten freiwillig in die Corona-Station und waren dort sofort einem massiven Druck ausgesetzt. In kürzesten Abständen standen sie vor immer neuen Herausforderungen. Die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Kalb: „Am Anfang mussten die Schutzmaßnahmen noch entwickelt werden, dabei wurden auch KollegInnen infiziert oder mussten als K1-Personen in Quarantäne“. Das übrige Personal musste den Arbeitsausfall ausgleichen, massenhaft Überstunden leisten. Einschneidende Veränderungen, beinahe täglich. Viele der Pflegekräfte waren mit völliger Erschöpfung bis zum gefühlten Ausbrennen konfrontiert. Von planbarer Freizeit keine Spur – reichlich Grund, um auszusteigen. „MitarbeiterInnen sagten zu mir, sie können sich einfach nicht vorstellen, diese Arbeit bis 65 zu machen“, erklärt Kalb.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="333" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/ilse-kalb.png" alt="" class="wp-image-17208" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/ilse-kalb.png 1000w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/ilse-kalb-300x100.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/ilse-kalb-150x50.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/ilse-kalb-768x256.png 768w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption><strong>Ilse Kalb ist stellvertretende Betriebsratsvorsitzende im Hanusch Krankenhaus und vertritt dort 1600 Beschäftigte.</strong><br>Fotos: Nurith Wagner-Strauss</figcaption></figure>



<h4 class="wp-block-heading">Call den Betriebsrat</h4>



<p>Auch die Betriebsräte waren weit über die Normalarbeitszeit hinaus erreichbar – eine Option, die KollegInnen auch gerne nutzten. „Mein spätester Anruf erreichte mich um 22.30 Uhr“, erzählt Ilse Kalb. Das&nbsp; Betriebsratsbüro hat lange Öffnungszeiten. „Wir sind in der Früh ab 6.30 da,“ Kalb ist Betriebsrätin aus Leidenschaft und tritt schlicht gerne für andere ein: „Ich möchte die Welt ein bisschen gerechter machen – das geht nur in einer Funktion, die etwas bewegen kann und wo ich auch etwas sagen darf“, erklärt Kalb. „Da gibt einem ein Betriebsratsmandat ein wenig Sicherheit.“ Als Ersatzmitglied kam die Wienerin 2002 in den Betriebsrat, übernahm bald darauf ein Hauptmandat und wurde 2017 freigestellt. Die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende ist für 1600 MitarbeiterInnen verantwortlich. „Betriebsrat ist eine zusätzliche Arbeit, man muss bereit sein, Zeit dafür zu opfern und etwas dafür zu tun.“ Dass sie dadurch auch viel bewegen kann, ist Ilse Kalb überzeugt. Unterstützt wird sie dabei vom GPA-Regionalsekretär Ronald Rauch, in Rechtsfragen steht ihr Karin Koller bei. „Wenn ein Problem komplexer ist, kann ich jederzeit anrufen. Ein echter Rückhalt.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Gegen den Personalnotstand arbeiten</h4>



<p>In den Gesundheitsberufen fehlt es an spürbarer Anerkennung und Entlastung. Damit mehr Menschen in die Sozialwirtschaft wechseln, muss das Berufsumfeld rund um die sozialen Dienstleistungen attraktiver werden. Bereits seit Jahren herrscht erheblicher Personalmangel, junge Leute haben kaum Interesse an Berufen, die Stress in Kombination mit niedrigen Löhnen bedeuten. Bloß 17 Prozent der Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 Jahren können sich überhaupt vorstellen, einen Pflegeberuf auszuüben – das hat eine Umfrage der Arbeiterkammer Niederösterreich ergeben.</p>



<p>Eine Arbeitszeitverkürzung auf 35 Stunden wäre ein großer Schritt in Richtung Zukunft. „Es ist wichtig, dass die Leute mehr Freizeit haben und trotzdem ausreichend Personal zur Verfügung steht – nur das ermöglicht Planungssicherheit“, erklärt Ilse Kalb.&nbsp;</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p> „Es ist wichtig, dass die Leute mehr Freizeit haben und trotzdem ausreichend Personal zur Verfügung steht – nur das ermöglicht Planungssicherheit“ </p><cite>Ilse Kalb</cite></blockquote>



<p>Doch derzeit können viele&nbsp; Beruf und Familie schwer vereinbaren. Damit die Strukturen der Sozialwirtschaft gerechter werden, muss der Staat ein Konzept mit adäquaten Rahmenbedingungen erstellen. Das bedeutet, Geld zu investieren. „Doch je länger die Situation so bleibt wie jetzt, desto selbstverständlicher ist es für die Öffentlichkeit, dass die Leute ihre Arbeit unter diesen prekären Umständen verrichten. Und desto weniger wächst das Verständnis, dass sich etwas ändern muss“, zeigt sich Kalb ärgerlich.</p>



<p>Sie hat ihren Kindern abgeraten, im Gesundheitsbereich zu arbeiten. Der ältere Sohn ist Techniker, doch der jüngere studiert Medizin. „Ich habe ihm dann das Für und Wider aufgezählt. Er hat dann in den Beruf hineingeschnuppert und nach dem Zivildienst ein Jahr als Träger im Spital gearbeitet. Er weiß jetzt, ein Honigschlecken ist es nicht.“ Im vergangenen Herbst hat er dann mit dem Medizinstudium begonnen.</p>
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		<title>AlltagsheldInnen in der Warteschleife</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2021/05/03/alltagsheldinnen-in-der-warteschleife/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Resei]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 May 2021 13:21:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Arbeitszeit]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgabe 2021/02]]></category>
		<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Kollektivvertrag]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitszeitverkürzung]]></category>
		<category><![CDATA[Betreuung]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Resei]]></category>
		<category><![CDATA[Eva Scherz]]></category>
		<category><![CDATA[Hanusch Krankenhaus]]></category>
		<category><![CDATA[Ilse Kalb]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialarbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Valid Hanuna]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kompetenz-online.at/?p=16825</guid>

					<description><![CDATA[Die Beschäftigten im Gesundheits-, Sozial-, Pflege- und Bildungsbereich haben viel für unsere Gesellschaft
geleistet – doch schönen Worten sollten nun endlich Taten folgen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/05/vladimir-fedotov-YLmPK-XA1cM-unsplash-1024x683.png" alt="" class="wp-image-16826" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/05/vladimir-fedotov-YLmPK-XA1cM-unsplash-1024x683.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/05/vladimir-fedotov-YLmPK-XA1cM-unsplash-300x200.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/05/vladimir-fedotov-YLmPK-XA1cM-unsplash-150x100.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/05/vladimir-fedotov-YLmPK-XA1cM-unsplash-768x513.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/05/vladimir-fedotov-YLmPK-XA1cM-unsplash-600x400.png 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/05/vladimir-fedotov-YLmPK-XA1cM-unsplash-720x480.png 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/05/vladimir-fedotov-YLmPK-XA1cM-unsplash-272x182.png 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/05/vladimir-fedotov-YLmPK-XA1cM-unsplash.png 1500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Foto: unsplash</figcaption></figure>



<p><strong>Die Beschäftigten im Gesundheits-, Sozial-, Pflege- und Bildungsbereich haben viel für unsere Gesellschaft geleistet – doch schönen Worten sollten nun endlich Taten folgen.</strong></p>



<span id="more-16825"></span>



<p> Spürbare Anerkennung und Entlastung fehlen. Die Situation war schon vor dem Beginn Pandemie nicht einfach, doch seither sind Arbeit und Leben noch schwieriger geworden.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Wenn das Herz zu groß ist</h4>



<p>„Das Pflichtgefühl lässt viele von uns über die Grenzen gehen. Es gibt eine Bereitschaft zur Selbstaufopferung bis hin zur Selbstaufgabe“, berichtet Valid Hanuna, Betriebsratsvorsitzender der AVS Kärnten (Arbeitsvereinigung der Sozialhilfe). Die AVS bietet eine breite Palette an sozialen Dienstleistungen an: das reicht von mobilen Pflegediensten und Tagesmüttern bis zur psychologisch/psychotherapeutischen Hilfe.</p>



<p>„Alle, die im Gesundheits- und Sozialbereich tätig sind, haben ein großes Herz, sie denken an all die anderen, bevor sie auf sich selbst schauen“, ist sich der AVS-Betriebsratsvorsitzende gewiss. Allerdings haben sich die Arbeitsbedingungen drastisch verschärft. Aus Sicherheitsgründen sind etliche Aktivitäten für KlientInnen eingeschränkt, häufig gibt es kurzfristige Änderungen in den Arbeitsabläufen – damit muss u.a. in einem knappen Zeitrahmen äußerst viel abgearbeitet werden. Valid Hanuna: „Eigentlich ist kein Stein auf dem anderen geblieben“. Die BetreuerInnen leiden besonders unter der FFP2/FFP3-Maske oder der Schutzausrüstung, die den ganzen Tag über getragen werden muss. Die sozialen Dienstleistungen sind wegen der notwendigen, aber strengen Hygienemaßnahmen wesentlich komplizierter durchzuführen. Etwa, wenn es darum geht, in betreuten Wohngemeinschaften einen Quarantäne-Raum zu schaffen und trotzdem alle BewohnerInnen gleichbleibend gut zu versorgen. Oder wenn die KlientInnen Kinder sind: „Für die Betreuung von Kindern kann auch eine gewisse Körpernähe wichtig sein“, erklärt Hanuna. „Das Gesicht sehen zu können, wirkt beruhigend – eine MNS-Maske nicht.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Kränkelnder Gesundheitsbereich vor dem Kollaps</h4>



<p>Auch die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende im Wiener Hanusch-Krankenhaus, Ilse Kalb, spürt die Verschärfungen, die das Corona-Virus und seine Mutanten mit sich bringen. „Der Gesundheitsbereich war schon vor COVID-19 sehr gefordert und ausgepowert – die Pandemie hat die Situation empfindlich zugespitzt“, weiß Kalb. „Einige Beschäftigte sind deshalb bereits vergangenes Jahr ausgestiegen.“</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>» Das Pflichtgefühl lässt viele von uns über die Grenzen gehen. Es gibt eine Bereitschaft zur Selbstaufopferung bis hin zur Selbstaufgabe.«</p><cite>Valid Hanuna</cite></blockquote>



<p>Mut und Kraft standen am Anfang: aus verschiedensten Abteilungen meldeten sich MitarbeiterInnen für die Betreuung der Corona-PatientInnen. Und in kürzesten Abständen entwickelte sich alles anders als gedacht, ein fast tagtägliches Neueinstellen auf die aktuellen Gegebenheiten war die Folge. Die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Kalb: „Am Anfang mussten die Schutzmaßnahmen noch entwickelt werden, dabei wurden auch KollegInnen infiziert oder mussten als K1-Personen in Quarantäne“. Das übrige Personal musste den Arbeitsausfall ausgleichen, massenhaft Überstunden leisten. Auch der Austausch zwischen der erweiterten KollegInnenschaft fehlt mittlerweile extrem: „Teamsitzungen in der klassischen Form gibt es nicht mehr“, bestätigt Ilse Kalb eine Lücke in der Kommunikation. Selbst beim Mittagessen dürfen die ArbeitnehmerInnen nicht länger zu viert an den Tischen sitzen. Viele MitarbeiterInnen sehen daher nur ihre eigene Situation und wissen gar nicht, ob es den anderen Abteilungen ähnlich ergeht. Was auch zu der Frage führt: „Arbeiten die anderen auch so viel oder geht es nur uns so schlecht?“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Mehr Freizeit und mehr Geld</h4>



<p>Dass sich endlich etwas ändern muss, darüber sind sich beide BetriebsrätInnen einig. Der Beruf muss attraktiver werden, damit mehr Leute in die Sozialwirtschaft wechseln. Seit Jahren schon herrscht Personalmangel, junge Leute haben kaum Interesse an Berufen, die Stress in Kombination mit niedrigen Löhnen bedeuten. Bloß 17 Prozent der Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 Jahren können sich überhaupt vorstellen, einen Pflegeberuf auszuüben, das hat eine Umfrage der AK Niederösterreich ergeben.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Es ist wichtig, dass die Leute mehr Freizeit haben und trotzdem ausreichend Personal zur Verfügung steht – nur das ermöglicht Planungssicherheit“</p><cite>Ilse Kalb</cite></blockquote>



<p>Eine Arbeitszeitverkürzung auf 35 Stunden wäre ein großer Schritt in die richtige Richtung. „Es ist wichtig, dass die Leute mehr Freizeit haben und trotzdem ausreichend Personal zur Verfügung steht – nur das ermöglicht Planungssicherheit“, sagt Ilse Kalb. Regelmäßiges Einspringen und gestrichene Freizeit gehören jedenfalls nicht zu den Erholungsfaktoren. Zwar gab es gehörig Applaus und musikalische Häppchen für den Einsatz, doch fehlt die adäquate Entlohnung. Das gilt auch ganz besonders für die PraktikantInnen: „Das sind unsere KollegInnen der Zukunft. So viel wir in sie investieren, bekommen wir auch zurück“, ist sich Valid Hanuna gewiss.<br>Um der Sozialwirtschaft gerecht zu werden, muss der Finanzminister Geld in die Hand nehmen, der Staat ein Konzept erstellen und angemessene Rahmenbedingungen schaffen. „Den Worten sollen endlich einmal Taten folgen – vom Begriff ‚HeldInnen des Alltags‘ haben wir nichts“, erklären Ilse Kalb und Hanuna.</p>



<div class="wp-block-group blauebox"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow">
<h4 class="wp-block-heading">Worte Reichen nicht!</h4>



<p>Ganz Österreich weiß, welch enorme Leistungen im Gesundheits-, Sozial-, Pflege- und Bildungsbereich erbracht werden. „Allerdings muss jetzt Finanzminister Blümel Geld in die Hand nehmen“, macht GPA-Wirtschaftsbereichssekretärin Eva Scherz deutlich. Die GPA hat die dringendsten Forderungen unter <a rel="noreferrer noopener" href="http://www.worte-reichen-nicht.at" target="_blank" aria-label="www.worte-reichen-nicht.at (öffnet in neuem Tab)">www.worte-reichen-nicht.at</a> zusammengefasst – wer will, kann dort seine Anliegen direkt an den Finanzminister schicken.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Forderungen der GPA</h4>



<ul class="wp-block-list"><li>Ein monatlicher steuerfreier Bonus von 150 Euro für Beschäftigte im privaten Gesundheits-, Sozial-, Pflege- und Bildungsbereich als Anerkennung für zusätzliche Schwerstarbeit. </li><li>Generell wird natürlich auch eine bessere Bezahlung gefordert. </li><li>Ein zusätzlicher freier Tag pro Monat für alle. Dieser Erholungstag soll gemeinsam mit der Wochenendruhe konsumiert werden. </li><li>Die GPA-Forderung nach Arbeitszeitverkürzung bleibt aufrecht.</li><li>Helfende Hände fehlen! Die GPA setzt sich für die Schaffung von 20.000 Arbeitsplätzen im Support-Bereich ein: Jobs werden vom Träger bereitgestellt, von der öffentlichen Hand finanziert. Das qualifizierte Personal soll um 20 Prozent aufgestockt werden.</li><li>Ohne PraktikantInnen gibt es in Betrieben keine reibungslosen Abläufe. Eine faire Bezahlung von zumindest 950 Euro soll endlich Gerechtigkeit schaffen.</li></ul>
</div></div>



<p></p>
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