<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Interview &#8211; KOMPETENZ-online</title>
	<atom:link href="https://kompetenz-online.at/tag/interview/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://kompetenz-online.at</link>
	<description></description>
	<lastBuildDate>Mon, 20 Apr 2026 07:06:15 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9.4</generator>

<image>
	<url>https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/02/index-1-150x150.png</url>
	<title>Interview &#8211; KOMPETENZ-online</title>
	<link>https://kompetenz-online.at</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Welche Jobs macht in Zukunft die KI?</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2026/03/27/welche-jobs-macht-in-zukunft-die-ki/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexia Weiss]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Mar 2026 08:33:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2026/02]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Alexia Weiss]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[KI]]></category>
		<category><![CDATA[Künstliche Intelligenz]]></category>
		<category><![CDATA[Ljubica Nedelkoska]]></category>
		<category><![CDATA[Weiterbildung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kompetenz-online.at/?p=22614</guid>

					<description><![CDATA[Der Einsatz von KI in der Arbeitswelt steigt rasant. Die KOMPETENZ hat Ökonomin Ljubica Nedelkoska gefragt, welche Tätigkeiten besonders betroffen sind und wie diesem Wandel begegnet werden kann. KOMPETENZ: Welche Jobs werden in naher Zukunft nicht mehr von Menschen, sondern von KI erledigt werden? Ljubica Nedelkoska: Es ist schwierig, hier Prognosen für konkrete Arbeitsplätze abzugeben. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/531DSC_1396-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-22616" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/531DSC_1396-1024x683.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/531DSC_1396-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/531DSC_1396-150x100.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/531DSC_1396-768x512.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/531DSC_1396-1536x1024.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/531DSC_1396-2048x1365.jpg 2048w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/531DSC_1396-600x400.jpg 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/531DSC_1396-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/531DSC_1396-272x182.jpg 272w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Ljubica Nedelkoska ist Ökonomin und Sozialwissenschafterin. Sie beschäftigt sich vor allem mit den Themen Arbeitsmarkt, Migration und den Auswirkungen technologischer Veränderungen auf Beschäftigung. Sie ist Faculty-Mitglied am Complexity Science Hub und Gastprofessorin am Department of Public Policy an der Central European University.</strong><br>© Daniel Novotny</figcaption></figure>



<p><strong>Der Einsatz von KI in der Arbeitswelt steigt rasant. Die KOMPETENZ hat Ökonomin Ljubica Nedelkoska gefragt, welche Tätigkeiten besonders betroffen sind und wie diesem Wandel begegnet werden kann.</strong></p>



<span id="more-22614"></span>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Welche Jobs werden in naher Zukunft nicht mehr von Menschen, sondern von KI erledigt werden?</p>



<p><strong>Ljubica Nedelkoska:</strong> Es ist schwierig, hier Prognosen für konkrete Arbeitsplätze abzugeben. Was wir aber schon jetzt sehen, ist, welche Tätigkeiten von KI erledigt werden können. Dabei fällt auf: gefährdet sind Einsteigerjobs und Arbeitsplätze im Assistenzbereich. Was meine ich damit? Das, was Programmierer bisher in ihren ersten fünf Berufsjahren bearbeitet haben, kann inzwischen die KI übernehmen. Vorbereitende Arbeiten in Anwaltskanzleien, im Bereich der Finanzanalyse, im Rahmen von Forschung macht die KI, und das auch noch wesentlich rascher. Aber auch Bereiche, die bisher gerne outgesourct wurden, wie Call Center oder das Rechnungswesen, können zu einem Großteil von KI erledigt werden.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Gleichzeitig gibt es Firmen, die weiterhin Fachkräfte suchen. Wie kann es gelingen, Menschen von der einen in eine andere Branche zu bringen?</p>



<p>In Österreich geht es hier vor allem um das Handwerk. Installateure, Elektriker, alle, die im Bereich Bau oder Reparatur beschäftigt sind, die wird es weiter brauchen. Bedarf gibt es aber auch an Koordinatoren und Managern, die die strategischen Entscheidungen treffen. Vor allem aber braucht es weit mehr Arbeitskräfte im Bereich der Care Arbeit – von der Kinderbetreuung und pädagogischen Berufen bis hin zur Arbeit in der Medizin und Pflege.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center">„Das, was Programmierer bisher in ihren ersten fünf Berufsjahren bearbeitet haben, kann inzwischen die KI übernehmen.“</p>
<cite>Ljubica Nedelkoska, Ökonomin und Sozialwissenschaftlerin</cite></blockquote>



<p>Wie man nun Menschen von ihrer bisherigen Tätigkeit auf ein neues Arbeitsfeld umschult? Darauf gibt es keine einfache Antwort. Es wird davon abhängen, wie alt die Betroffenen sind, welchen Bildungsabschluss sie bereits haben, aber auch wie viele Jahre es dauert, einen neuen zu erwerben. Weiterbildung und Neuausbildung werden jedenfalls immer wichtiger werden, weil der Wandel immer rasanter vonstatten geht und diese Entwicklung nicht aufzuhalten ist.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Das AMS bemüht sich im Fall von Arbeitslosigkeit bereits um Fortbildungen. Zudem gibt es auch die Weiterbildungszeit. Werden diese Angebote ausreichen, um mit dem raschen Wandel in der Arbeitswelt mitzuhalten?</p>



<p>Dass es in Österreich die Weiterbildungszeit gibt, ist positiv, in vielen anderen Ländern gibt es dieses Instrument nicht. Ansonsten wird es auch darum gehen, Universitätsstudien näher an die Bedürfnisse von Unternehmen heranzuführen. Und: Betriebe müssen selbst mehr darauf achten, wie sich die Arbeitsplätze im Unternehmen entwickeln und auf interne Weiterbildung setzen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center">„Dass es in Österreich die Weiterbildungszeit gibt, ist positiv, in vielen anderen Ländern gibt es dieses Instrument nicht.“</p>
<cite>Ljubica Nedelkoska, Ökonomin und Sozialwissenschaftlerin</cite></blockquote>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Einige der Branchen, die Arbeitskräfte suchen, wie die Pflege, die Kinderbetreuung, die Schule, sind nicht Profit-orientiert. Hier stellt sich die Frage: wie sollen die Arbeitsplätze, die eigentlich gebraucht würden, finanziert werden?</p>



<p>Da sind wir beim Thema Besteuerung. In vielen OECD-Ländern und auch in Österreich wird Arbeit stark besteuert, aber nicht die Technologie, die Arbeitsplätze ersetzt. Technologie will niemand besteuern, denn sie ist der Motor für Wachstum. Das hat in der Vergangenheit ganz gut funktioniert, weil die Löhne für Arbeit in die Höhe gingen und damit auch mehr Steuereinnahmen lukriert wurden. Was jetzt problematisch ist, ist die Geschwindigkeit der Veränderung.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Liegt die Lösung in einer Technologiesteuer?</p>



<p>Nein, Technologie sollten wir nicht besteuern, sondern ökonomische Übergewinne. Mit diesen Einnahmen sollten wir eben zum Beispiel Tätigkeiten im Care Bereich finanzieren – und dabei diese Tätigkeiten auch finanziell besser bewerten als das derzeit der Fall ist. Eine bessere Bezahlung führt auch zur Attraktivierung von Jobs zum Beispiel im Bereich Kinderbetreuung oder Pflege.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Gibt es international hier bereits best practice Beispiele?</p>



<p>Nicht unbedingt, was neue Steuermodelle anbelangt. Aber wenn man sich umsieht: die USA und Großbritannien haben die Digitalisierung nicht gut hinbekommen, es kam zu einer starken Jobpolarisierung. Deutschland und auch Österreich haben Instrumente wie die Kurzarbeit, die helfen, Menschen in der Arbeitswelt zu halten.</p>



<p>Besonders positiv möchte ich Dänemark hervorheben. Dort ist es zwar leichter, Beschäftigte zu kündigen als etwa in Deutschland. Dafür sind die Menschen in Dänemark entweder in Arbeit oder in Ausbildung. Man lernt oder man arbeitet. Das ist ein guter Weg, um mit dem rasanten Wandel Schritt zu halten.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>KI am Arbeitsplatz: Was Beschäftigte wissen sollten</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2026/03/19/ki-am-arbeitsplatz-was-beschaeftigte-wissen-sollten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Tizian Rupp]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Mar 2026 10:45:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2026/02]]></category>
		<category><![CDATA[Featured Startseite]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Recht]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Datenschutz]]></category>
		<category><![CDATA[KI]]></category>
		<category><![CDATA[Künstliche Intelligenz]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Gogola]]></category>
		<category><![CDATA[Tizian Rupp]]></category>
		<category><![CDATA[Überwachung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kompetenz-online.at/?p=22607</guid>

					<description><![CDATA[Künstliche Intelligenz (KI) verändert die Arbeitswelt rasant. GPA-ArbeitsrechtsexperteMichael Gogola erklärt, was bei der Nutzung von KI im Betrieb gilt, welche Rechte Beschäftigte haben und warum der Betriebsrat bei dem Thema eine zentrale Rolle spielt. KOMPETENZ: Ist der Einsatz von KI am Arbeitsplatz rechtlich überhaupt abgedeckt? Michael Gogola: KI hält immer stärker Einzug in die Arbeitswelt. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="691" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/aktentasche-1024x691.jpg" alt="" class="wp-image-22608" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/aktentasche-1024x691.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/aktentasche-300x202.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/aktentasche-150x101.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/aktentasche-768x518.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/aktentasche-1536x1036.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/aktentasche-2048x1382.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">© Lina Schubert / Studio Sprosse</figcaption></figure>



<p><strong>Künstliche Intelligenz (KI) verändert die Arbeitswelt rasant. GPA-Arbeitsrechtsexperte<br>Michael Gogola erklärt, was bei der Nutzung von KI im Betrieb gilt, welche Rechte Beschäftigte haben und warum der Betriebsrat bei dem Thema eine zentrale Rolle spielt.</strong></p>



<span id="more-22607"></span>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Ist der Einsatz von KI am Arbeitsplatz rechtlich überhaupt abgedeckt?</p>



<p><strong>Michael Gogola:</strong> KI hält immer stärker Einzug in die Arbeitswelt. Rechtlich ist vieles aber noch nicht speziell geregelt. Es gibt einerseits die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), wo bestimmte Aspekte für den Einsatz von KI unter dem Datenschutz-Aspekt geregelt werden.</p>



<p>Auf europäischer Ebene gibt es die KI-Verordnung, auch „AI Act“ genannt. Die dort festgelegten Regelungen richten sich aber nur zu einem kleinen Teil konkret an die Arbeitswelt.</p>



<p>Wir haben das Glück, dass das österreichische Arbeitsverfassungsrecht durchaus flexibel ist. So lassen sich die darin enthaltenen Regelungen auch auf Fragen des KI-Einsatzes im Betrieb anwenden.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Gibt es da ein Beispiel?</p>



<p><strong>Michael Gogola: </strong>Wird in einem Unternehmen eine KI eingeführt, ist der Betriebsrat darüber zu informieren und kann mit dem Arbeitgeber beraten. Denn der Arbeitgeber darf kein KI-System am Betriebsrat vorbei einführen. Aus der betriebsrätlichen Perspektive gibt es vor allem zwei Bestimmungen, die relevant sind. Die erste betrifft sogenannte Kontrollsysteme, die das Verhalten der Beschäftigten am Arbeitsplatz überwachen können.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Was gilt denn, wenn mein Arbeitgeber mit KI meine Leistung kontrollieren will?</p>



<p><strong>Michael Gogola:</strong> Wenn ein System eingeführt wird, das so ein Potential hat – egal ob der Arbeitgeber die Überwachung wirklich durchführt –, ist das jedenfalls nicht ohne Zustimmung des Betriebsrats möglich.</p>



<p>Ein Beispiel wäre eine KI, die analysiert, wie lange ich ein bestimmtes E-Mail geöffnet habe, um daraus abzuleiten, wie produktiv ich an diesem Arbeitstag war. Oder eine KI, die analysiert, mit welchen Personen im Unternehmen ich relativ viel Kontakt habe und mit welchen nicht. So ein Tool darf ohne Zustimmung des Betriebsrats im Betrieb nicht benutzt werden.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="684" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Gogola_Michael-1-1024x684.jpg" alt="" class="wp-image-22610" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Gogola_Michael-1-1024x684.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Gogola_Michael-1-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Gogola_Michael-1-150x100.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Gogola_Michael-1-768x513.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Gogola_Michael-1-1536x1026.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Gogola_Michael-1-2048x1368.jpg 2048w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Gogola_Michael-1-600x400.jpg 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Gogola_Michael-1-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/Gogola_Michael-1-272x182.jpg 272w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Michael Gogola leitet die Bundesrechtsabteilung der Gewerkschaft GPA.</strong><br>© Edgar Ketzer</figcaption></figure>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Und wenn es bei mir in der Arbeit keinen Betriebsrat gibt?</p>



<p><strong>Michael Gogola:</strong> Dann muss jede:r Mitarbeiter:in der Einführung von so einem System einzeln zustimmen. Wenn also mein Arbeitgeber meine E-Mails auswerten möchte, braucht er dann auch meine persönliche Zustimmung.</p>



<p>Hier sieht man klar den Vorteil eines Betriebsrats. Dieser kann mit Beratungen durch die Gewerkschaft einschätzen, welche Gefahr von einem derartigen System ausgeht. Außerdem ist der Betriebsrat besser in der Lage, den Einsatz eines problematischen Systems zu verhindern – als Einzelperson wird es mir aus Angst vor Konsequenzen nicht so leicht fallen, solche Systeme abzulehnen.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Du hast den Datenschutz erwähnt. Was bedeutet das im Kontext der Arbeit mit KI?</p>



<p><strong>Michael Gogola:</strong> Das ist die zweite wichtige Bestimmung. Hier geht es darum, dass Daten von Arbeitnehmer:innen durch ein technisches System verarbeitet werden. Das betrifft alles, was über allgemeine Angaben wie meinen Namen und meine Anschrift, sowie über fachliche Voraussetzungen, hinausgeht. Ein Beispiel wären Abfragen zu persönlichen Präferenzen der Arbeitnehmer:innen. Auch das muss mit einer Betriebsvereinbarung geregelt werden.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Kann mein Arbeitgeber die Entscheidung über meine Gehaltserhöhung an die KI übergeben?</p>



<p><strong>Michael Gogola: </strong>Da ist das Recht auf eine menschliche Letztentscheidung zentral. Wenn es um wesentliche Fragen geht, muss ich darauf vertrauen können, dass solche Entscheidungen am Ende durch einen Menschen getroffen werden. Es darf keine KI darüber entscheiden, ob ich den Job oder die Gehaltserhöhung bekomme oder nicht. Oder unter welchen Kollektivvertrag ich falle.</p>



<p>Der AI Act, die KI-Verordnung der EU, die jetzt sukzessive in Kraft tritt, ergänzt diese Rechte, etwa um ein Recht auf Erläuterung. Wenn eine KI eingesetzt wird und meine Daten von dieser KI genutzt werden, kann ich verlangen, dass die Funktionsweise der KI und die entsprechende Verwertung meine Daten transparent gemacht werden.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Dürfen Arbeitnehmer:innen unabgesprochen KI nutzen?</p>



<p><strong>Michael Gogola: </strong>Ohne Rücksprache würde ich das auf keinen Fall tun. Besondere Vorsicht gilt bei personenbezogenen Daten auf dem Betrieb. Aus meiner Sicht spricht nichts dagegen, sich quasi für seine Arbeit inspirieren zu lassen. Aber schlussendlich werde ich für meine Arbeitsleistung bezahlt. Da kann ich nicht die Ergebnisse von zum Beispiel ChatGPT als die meinigen verkaufen.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Darf mein Chef kontrollieren, ob ich KI verwende?</p>



<p><strong>Michael Gogola:</strong> Wenn das in systematisierter Weise passiert, halte ich das – wenn überhaupt – nur mit einer Betriebsvereinbarung für zulässig. Wenn der Vorgesetzte im Büro gelegentlich vorbeigeht und schaut, ob ich KI nutze, darf er das auf eine wenig invasive Weise tun. Er darf aber nicht den ganzen Tag hinter meinem Arbeitsplatz stehen und schauen, wie ich meine Arbeit erbringe.</p>



<p>Sollte der Arbeitgeber ein System installieren lassen, das analysiert, wie viele Minuten die Mitarbeiter:innen mit der Unternehmens-KI verbringen, braucht es unbedingt eine Betriebsvereinbarung. Auch wenn erhoben werden soll, welche Fragen dort eingegeben werden.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Wo siehst du rechtlichen Handlungsbedarf?</p>



<p><strong>Michael Gogola: </strong>Der Schutz von Beschäftigten in Betrieben ohne Betriebsrat ist sehr schwach. Hier sollte auf jeden Fall nachgebessert werden.</p>



<p>Außerdem fordern wir ein Beschäftigten-Datenschutzgesetz, in dem konkretisiert wird, welche Rechte und Pflichten am Arbeitsplatz umzusetzen sind. Das würde für die Rechtsanwender:innen die Dinge leichter verständlich und transparenter machen.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Auf welche drei Dinge sollten Beschäftigte unbedingt<br>achten?</p>



<p><strong>Michael Gogola: </strong>Erstens: Gibt es eine Betriebsvereinbarung zum Einsatz von KI und was steht darin genau? Das sollte mein Maßstab für die Nutzung von KI am Arbeitsplatz sein.</p>



<p>Zweitens: Wir müssen uns angewöhnen, die datenschutzrechtliche Seite in allen Bereichen mitzudenken. Wenn ich mit einer KI arbeite, die nicht exklusiv vom Arbeitgeber betrieben wird, muss ich wirklich sehr vorsichtig sein, welche Daten ich dort einspeise.</p>



<p>Drittens: Es ist wichtig, im Umgang mit KI sensibel zu sein. Ist das, was die KI mir sagt, richtig? Am Ende des Tages muss schließlich ich vertreten, was ich in der Arbeit kommuniziere. Da braucht es Vorsicht und die Fähigkeit zur Medienkritik – auf keinen Fall sollte ich blind übernehmen, was die KI mir als Faktum präsentiert.</p>



<p>Oft sind sich Beschäftigte und Betriebsrät:innen unsicher, was gilt. Bei Fragen zur Nutzung von KI-Systemen oder wenn nicht ganz klar ist, was das neue Tool erhebt, das der Arbeitgeber einführen möchte, sind wir für die Kolleg:innen da und beraten gerne.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8222;Es bräuchte viel höhere Strafen gegen Plattformen&#8220;</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2026/03/19/es-braeuchte-viel-hoehere-strafen-gegen-plattformen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Tizian Rupp]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Mar 2026 10:15:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Arbeitsmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgabe 2026/02]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[KI]]></category>
		<category><![CDATA[Künstliche Intelligenz]]></category>
		<category><![CDATA[Matthias Kettemann]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kompetenz-online.at/?p=22602</guid>

					<description><![CDATA[Der Rechtswissenschaftler Matthias Kettemann hat mit der KOMPETENZ über Desinformation, Künstliche Intelligenz und die Regulierung von Plattformen gesprochen. KOMPETENZ: Sie beschäftigen sich in Ihrer Forschung mit Desinformation. Wieso ist das gerade im digitalen Raum so ein großes Thema? Matthias Kettemann: Auf großen Plattformen verbreiten sich Unwahrheiten heute besonders schnell, weil sie mit emotionalisierenden Inhalten Geld [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/DSC00207.jpg-1024x683.jpeg" alt="" class="wp-image-22603" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/DSC00207.jpg-1024x683.jpeg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/DSC00207.jpg-300x200.jpeg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/DSC00207.jpg-150x100.jpeg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/DSC00207.jpg-768x512.jpeg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/DSC00207.jpg-1536x1024.jpeg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/DSC00207.jpg-2048x1366.jpeg 2048w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/DSC00207.jpg-600x400.jpeg 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/DSC00207.jpg-720x480.jpeg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2026/03/DSC00207.jpg-272x182.jpeg 272w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Matthias C. Kettemann leitet das Institut für Theorie und Zukunft des Rechts an der Universität Innsbruck.</strong><br>© Tizian Rupp</figcaption></figure>



<p>Der Rechtswissenschaftler Matthias Kettemann hat mit der KOMPETENZ über Desinformation, Künstliche Intelligenz und die Regulierung von Plattformen gesprochen.</p>



<span id="more-22602"></span>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Sie beschäftigen sich in Ihrer Forschung mit Desinformation. Wieso ist das gerade im digitalen Raum so ein großes Thema?</p>



<p><strong>Matthias Kettemann:</strong> Auf großen Plattformen verbreiten sich Unwahrheiten heute besonders schnell, weil sie mit emotionalisierenden Inhalten Geld verdienen. Damit ist die These, dass sich die Wahrheit im Meinungskampf schlussendlich durchsetzt, infrage gestellt. Weil es eben keinen fairen öffentlichen Meinungskampf mehr gibt, sondern bestimmte Inhalte künstlich verstärkt werden. Es sei denn, Plattformen werden daran gehindert und klare rechtliche Grenzen werden gesetzt.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Wie kann man hier gegensteuern?<br>Als ersten Schritt müssen wir die Medienbildung stärken, das geht etwa über die Schule oder das Gespräch zwischen Eltern und Kindern.</p>



<p><strong>Matthias Kettemann:</strong> Als nächstes stellt sich die Frage: Wie erreicht man jene Teile der Gesellschaft, die nicht mehr in einer klassischen Bildungsumgebung sind? Zum Beispiel über Vereine. Warum soll nicht auch der Kaninchenzüchter-Verein einen Mediennachmittag machen? Es gibt so viele gute Trainer:innen und Materialien online, die man nutzen kann, um hier zu sensibilisieren.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Gleichzeitig ist KI (Künstliche Intelligenz) am Vormarsch, was macht das mit unserer Wahrnehmung?</p>



<p><strong>Matthias Kettemann:</strong> Wir sind noch nicht an dem Punkt angelangt, dass es gesamtgesellschaftlich die Kompetenz gibt, zwischen KI-generierten und menschlich erstellten Inhalten zu unterscheiden. Studien deuten übrigens darauf hin, dass es stark davon abhängt, ob der Inhalt die eigene Meinung bestätigt. Stimmt ein Text mit der eigenen politischen Haltung eher überein, geht man eher davon aus, dass ein Mensch dahintersteht. Ist das Gegenteil der Fall, geht man eher davon aus, dass das ein Bot geschrieben haben könnte.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Das heißt, Künstliche Intelligenz verschärft die Lage?</p>



<p><strong>Matthias Kettemann:</strong> Ich bin Optimist. Wir werden zu dem Punkt kommen, wo es nicht mehr sozial anerkannt sein wird, falsche Informationen zu verbreiten. Das ist so wie Mülltrennung, da hat es auch gedauert, bis es sich durchgesetzt hat. Wir lernen ja auch erst, damit umzugehen. Besonders Sorge macht mir ein Teil der älteren Generation. Diese Menschen haben oft größere Schwierigkeiten, Falschinformationen, insbesondere wenn sie von KI generiert wurden, zu erkennen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center">„Plattformen müssen sanktioniert werden, wenn sie illegale Inhalte nicht entfernen. Ein Beispiel ist Grok, die KI von Elon Musk, die sexualisierte Bilder von Minderjährigen verbreitet hat.“</p>
<cite>Matthias Kettemann, Institut für Theorie und Zukunft des Rechts, Universität Innsbruck</cite></blockquote>



<p><strong>Matthias Kettemann:</strong> Gerade am Arbeitsplatz hat der Gesetzgeber bereits reagiert, das zeigt sich im KI-Rechtsakt. Dieser verpflichtet Arbeitgeber dazu, Mitarbeiter:innen im Bereich KI-Kompetenz zu schulen, wenn in der Firma KI-Systeme eingesetzt werden. Das trifft auf fast jedes Unternehmen zu.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Sie haben vorher von den Grenzen für Plattformen gesprochen. Wie sind die in der EU ausgestaltet?</p>



<p><strong>Matthias Kettemann:</strong> Europa ist jener Raum, in dem Online-Bürgerrechte – zumindest auf dem Papier – weltweit am besten geschützt sind. Das Problem ist, dass wir diese Regeln nicht entsprechend durchsetzen. Wir bräuchten eine unabhängige Institution, stattdessen hat die EU-Kommission sich diese Kompetenzen selbst zugeschrieben. Gleichzeitig hat sie durch die aktuelle politische Großwetterlage aber wenig Anreize, hier durchzugreifen.</p>



<p>Das hat man zuletzt erst wieder gesehen: Eine kleine Strafe wird gegen X verhängt. Was passiert? Bis hin zum Vizepräsidenten tritt die US-Regierung auf und spricht davon, was für eine schreckliche Region Europa ist und dass ihre Unternehmen gegängelt werden. Das war aber nur eine kleine Strafe, in Wahrheit bräuchte es viel höhere Strafen und ein viel rigoroseres Vorgehen. Plattformen müssen sanktioniert werden, wenn sie illegale Inhalte nicht entfernen. Ein Beispiel ist Grok, die KI von Elon Musk, die sexualisierte Bilder von Minderjährigen verbreitet hat.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Kritiker:innen sagen oft, die EU reguliere bereits zu stark?</p>



<p><strong>Matthias Kettemann:</strong> Wir profitieren von Regulierung – das ist der Grund, warum wir ein funktionierendes Sozial- und Gesundheitssystem haben. Wenn du dir in Österreich den Arm brichst, kannst du dich kostenlos behandeln lassen. In den USA überlegen sich Leute, ob sie sich noch Insulin leisten können – was im schlimmsten Fall den Tod bedeutet. Man kann nicht gleichzeitig eine deregulierte Welt und ein Sozialsystem haben. In den Diskussionen über Digitalregelungen blendet man oft aus, warum es Europa gut geht. Wegen der vielen Regeln! Wegen der Verbote! Das Schimpfen auf Regulierung ist die Möglichkeit, eigene Fehler zu kaschieren.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Wenn Sie in die Zukunft blicken – wo geht die Reise hin?</p>



<p><strong>Matthias Kettemann:</strong> Ich glaube, in den nächsten Jahren wird sich vieles normalisieren. Die großen Plattformen werden wieder enger kooperieren müssen und Bürgerrechtsorganisationen stärker einbinden. Entscheidend wird sein, ob Politik und Gesellschaft diese Regeln auch tatsächlich durchsetzen. Das sieht man aktuell bei der Pflicht für Plattformen, Berichte zu erstellen, die darlegen, welche Risiken ihre Programme für gesellschaftliche Diskurse, Rechte von Kindern oder vulnerable Gruppen haben. Diese Risiken müssen sie abmildern, das passiert derzeit aber sehr unengagiert. Ich denke, dass sich das verbessern wird. Denn Plattformen werden Teil der Lösung sein wollen – nicht Teil des Problems.</p>



<div style="background:#6ebacb; padding:24px; margin:24px 0;">
  
  <h2 style="margin:0 0 16px 0; font-size:28px; line-height:1.2; color:#0b2a33;">
    Wie gegen illegale Inhalte im Netz vorgehen?
  </h2>

  <p style="margin:0 0 16px 0; font-size:18px; line-height:1.6; color:#0b2a33;">
    Matthias Ketteman appelliert: „Wenn man online illegale Inhalte wie zum Beispiel Beleidigungen sieht – hinschauen und handeln!“
  </p>

  <p style="margin:0 0 16px 0; font-size:18px; line-height:1.6; color:#0b2a33;">
    Das geht entweder über die jeweilige Meldefunktion von Plattformen oder über die Polizei. Dazu macht man am besten einen Screenshot und übermittelt den mit dem Hinweis, dass hier ein mögliches Verbrechen vorliegt an die Polizei.
  </p>

  <p style="margin:0 0 16px 0; font-size:18px; line-height:1.6; color:#0b2a33;">
    Vorsicht bei Nacktbildern von Minderjährigen: Hier sollte man keinen Screenshot anfertigen, um nicht selbst im Zweifelsfall eine strafbare Handlung zu begehen. In diesem Fall ist die Meldefunktion der bessere Weg.
  </p>

  <p style="margin:0; font-size:18px; line-height:1.6; color:#0b2a33;">
    Die Polizei hat verschiedene Meldestellen, diese können etwa auf der Website des Innenministeriums (www.bmi.gv.at) aufgerufen werden. Sollte man sich nicht sicher sein, an wen man sich genau wenden sollte, so sollte man die Meldung trotzdem machen, da sie dann entsprechend zugeordnet und weitergeleitet wird.
  </p>

</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Diskriminierung im Job: So können Betroffene sich wehren</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2025/12/09/diskriminierung-im-job-so-koennen-betroffene-sich-wehren/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Barbara Lavaud]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Dec 2025 12:14:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gleichstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Barbara Lavaud]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichbehandlungsanwaltschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Sabine Wagner-Steinrigl]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kompetenz-online.at/?p=22442</guid>

					<description><![CDATA[Als Gleichbehandlungsanwältin vertritt Sabine Wagner-Steinrigl seit vielen Jahren Beschäftigte, die Diskriminierung am Arbeitsplatz erleben. Im Interview erklärt sie, wie Beratungen und Verfahren ablaufen, welche Rolle Betriebsrät:innen spielen und warum Unternehmen manchmal schon vor einer offiziellen Entscheidung einlenken. KOMPETENZ: Angenommen, ich fühle mich an meinem Arbeitsplatz diskriminiert, z.B. bei einer Beförderung oder beim Gehalt. Wie sollte [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="731" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/12/Foto-Sabine-Wagner-Steinrigl_bearbeitet-1024x731.png" alt="" class="wp-image-22444" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/12/Foto-Sabine-Wagner-Steinrigl_bearbeitet-1024x731.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/12/Foto-Sabine-Wagner-Steinrigl_bearbeitet-300x214.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/12/Foto-Sabine-Wagner-Steinrigl_bearbeitet-150x107.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/12/Foto-Sabine-Wagner-Steinrigl_bearbeitet-768x549.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/12/Foto-Sabine-Wagner-Steinrigl_bearbeitet.png 1120w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Gleichbehandlungsanwältin Sabine Wagner-Steinrigl arbeitet in ihrer täglichen Praxis oft mit Betriebsrät:innen zusammen. <br>Foto: privat </figcaption></figure>



<p><strong>Als Gleichbehandlungsanwältin vertritt Sabine Wagner-Steinrigl seit vielen Jahren Beschäftigte, die Diskriminierung am Arbeitsplatz erleben. Im Interview erklärt sie, wie Beratungen und Verfahren ablaufen, welche Rolle Betriebsrät:innen spielen und warum Unternehmen manchmal schon vor einer offiziellen Entscheidung einlenken.</strong></p>



<span id="more-22442"></span>



<p><strong>KOMPETENZ: </strong>Angenommen, ich fühle mich an meinem Arbeitsplatz diskriminiert, z.B. bei einer Beförderung oder beim Gehalt. Wie sollte ich da am besten vorgehen?</p>



<p><strong>Sabine Wagner-Steinrigl: </strong>Die Gleichbehandlungsanwaltschaft ist <a href="https://www.gleichbehandlungsanwaltschaft.gv.at/ueber-die-website/kontakt.html" aria-label="leicht erreichbar">leicht erreichbar</a>. Wir haben ein <a href="https://www.gleichbehandlungsanwaltschaft.gv.at/unser-angebot/digitale-erstberatung.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="Formular zur ‚Digitalen Erstberatung‘ (öffnet in neuem Tab)">Formular zur ‚Digitalen Erstberatung‘</a> im Internet, wo man sein Problem schildern und Kontakt aufnehmen kann. Sie können uns natürlich auch anrufen. Die Beratung bei uns ist übrigens kostenfrei.</p>



<p>Es ist aber nicht immer notwendig, gleich zu uns zu kommen. Viele Fälle lassen sich auf einer niedrigschwelligeren Ebene lösen, indem man zuerst den Betriebsrat kontaktiert – vorausgesetzt es gibt einen im Unternehmen. Große Betriebe haben ev. auch eine Gleichbehandlungsbeauftragte oder Diversity Manager:innen.</p>



<p>Wir hatten kürzlich einen Fall, wo eine Kollegin mit einem befristeten Vertrag nicht verlängert wurde, weil sie schwanger wurde. Ihr Betriebsrat hat sich bei uns rechtliche Informationen geholt und konnte das Problem auf diesem Weg im Betrieb lösen. Wir sind dabei im Unternehmen gar nicht in Erscheinung getreten, sondern haben nur unsere Expertise dem Betriebsrat zur Verfügung gestellt.</p>



<p><strong>KOMPETENZ: </strong>Wenn ich nun zu Ihnen zu einer Beratung komme, was sollte ich mitbringen?</p>



<p><strong>Sabine Wagner-Steinrigl: </strong>Bevor man sich an uns wendet, ist es gut, Informationen zu sammeln. Auch hier kann der Betriebsrat wieder helfen, wenn es z.B. um Entgelt geht. Andere Unterlagen, die Sie mitbringen können, sind E-Mails, die Hinweise enthalten.</p>



<p>Damit können Sie sich bei uns eine Ersteinschätzung holen. Das heißt, wir sehen uns Ihren Fall an und geben Ihnen eine rechtliche Einschätzung, ob Diskriminierung tatsächlich vorliegt und auch, wie die Beweislage aussieht. Für Sie ist es wichtig zu wissen, ob Sie Chancen hätten, ein mögliches Verfahren zu gewinnen. Dann können Sie entscheiden, ob Sie weitergehen wollen.</p>



<p>Man sollte bei der Sicherung von Beweisen aber nichts Verbotenes tun! Es kommt manchmal vor, dass Klient:innen Handyaufnahmen von Gesprächen mitbringen. Das ist verboten und wir dürfen das auch nicht verwenden. Zulässig sind nur Abschriften von Gesprächen, also ein Gedächtnisprotokoll. Oft gibt es aber ohnehin genug andere Belege.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>&#8222;42 Prozent der Fälle, die wir bearbeiten, sind Fälle von Benachteiligung aufgrund von Geschlecht, davon sind wiederum 29 Prozent der Fälle sexuelle Belästigung.&#8220;</p>
<cite>Sabine Wagner-Steinrigl, Gleichbehandlungsanwältin</cite></blockquote>



<p><strong>KOMPETENZ: </strong>Wie geht es nun weiter: Reicht man als nächstes eine Klage ein?</p>



<p>Oft bleibt es bei einer vertraulichen Beratung, die dem oder der Klient:in ermöglicht, die nächsten Schritte selbst zu setzen. In anderen Fällen beauftragt er bzw. sie die Gleichbehandlungsanwaltschaft mit einer Intervention. Dann schildern wir dem Arbeitgeber zunächst den Sachverhalt und unsere rechtliche Einschätzung und ersuchen um eine Stellungnahme. Bei eindeutigen Fällen fragen wir nach, ob Bereitschaft besteht, Schadenersatz zu leisten. Gerade bei Entgeltforderungen geht es häufig um hohe, rückwirkend auszuzahlende Beträge.</p>



<p>Darauf reagieren Arbeitgeber sehr unterschiedlich. Manchmal wird der Fehler eingestanden, manche zeigen Verständnis, viele streiten alles ab.</p>



<p>In einem nächsten Schritt verfassen wir gegebenenfalls eine zweite Intervention, also einen weiteren Brief, in dem wir auch rechtliche Schritte in Aussicht stellen. Häufig lässt sich damit bereits eine Lösung erzielen. Wenn nicht, bleibt als letzter Schritt ein Verfahren vor der Gleichbehandlungskommission.</p>



<p><strong>KOMPETENZ: </strong>Wie viele Fälle kommen bis vor die Kommission?</p>



<p><strong>Sabine Wagner-Steinrigl:</strong> Nur ein kleiner Teil. Wir versuchen, schon vorher eine gute Lösung zu erreichen, eben auf dem Weg der Interventionen beim Unternehmen. Manche Fälle bringen wir jedoch sofort zur Kommission, um keine Zeit zu verlieren. Entgelt kann nur drei Jahre rückwirkend eingefordert werden, und die Verjährungsfrist läuft weiter. In eindeutigen Fällen ist es daher oft klüger, rasch ein Verfahren einzuleiten, um die Frist zu stoppen.</p>



<p>Auf dem Weg zum Gericht arbeiten wir teils mit der Gewerkschaft oder der Arbeiterkammer zusammen. Liegen mehrere Klagsgründe vor, können sie aufgeteilt werden, etwa in eine Kündigungsanfechtung und ein Verfahren vor der Gleichbehandlungskommission wegen Belästigung, wie in einem Fall im vergangenen Jahr. Auch solche parallelen Verfahren sind möglich.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Wie groß ist der Anteil der Fälle von Diskriminierung aufgrund von Geschlecht?</p>



<p><strong>Sabine Wagner-Steinrigl:</strong> 42 Prozent der Fälle, die wir bearbeiten, sind Fälle von Benachteiligung aufgrund von Geschlecht, davon sind wiederum 29 Prozent der Fälle sexuelle Belästigung.</p>



<p>Weiters behandeln wir im Geschlechterbereich regelmäßig Entgeltfälle, Diskriminierung bei der Vereinbarkeit, also Schwangerschaft, Elternteilzeit und Elternkarenz. Dazu kommt Diskriminierung bei der Bewerbung oder beim beruflichen Aufstieg. In Bewerbungsprozessen sind es auch wiederum oft die Kinderplanung und die Kinderbetreuung, aber auch oft das muslimische Kopftuch.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Wie kann ich solche Benachteiligungen als Betroffene beweisen? Das Unternehmen wird wohl nicht offen sagen, dass sie keine Bewerberinnen mit Kopftuch oder mit Betreuungspflichten einstellen wollen.</p>



<p><strong>Sabine Wagner-Steinrigl:</strong> Doch, das kommt manchmal durchaus vor. Ich hatte einen Fall, da schrieb das Unternehmen der Bewerberin: ‚Sie müssen westliche Kleidung tragen.‘ Gemeint war natürlich das Kopftuch. Oder manchmal ist der Bewerbungsprozess schon sehr weit fortgeschritten, es gab bereits Schnuppertage, dann wurde nach Kindern gefragt &#8211; und plötzlich kam die Absage.</p>



<p>Im Gleichbehandlungsrecht kann das schon ausreichen! Denn man muss hier Sachverhalte nicht beweisen, sondern nur glaubhaft machen. Dann muss die Gegenseite &#8211; also der Arbeitgeber &#8211; beweisen, dass es nicht so war.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Welche Konsequenzen drohen dem Arbeitgeber?</p>



<p><strong>Sabine Wagner-Steinrigl:</strong> Die Beträge bei Schadenersatz sind niedrig. Nur bei Entgelt geht es um höhere Summen, die der Beschäftigten erstattet werden müssen.</p>



<p>Wir setzen aber nicht nur auf finanzielle Ansprüche. Ein Verfahren kann auch die Dynamik im Betrieb verändern. Es wirkt sich oft auf Leistung, Stimmung und Motivation aus. Außerdem fürchten Unternehmen die öffentliche Aufmerksamkeit. Zwar läuft alles bei uns und vor der Kommission vertraulich ab, doch die betroffene Person kann darüber sprechen; und das Risiko, dass etwas an die Öffentlichkeit kommt, besteht immer.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Wie sieht es bei anderen Arten von Diskriminierungen aus?</p>



<p><strong>Sabine Wagner-Steinrigl:</strong> Es gibt zunächst die intersektionelle Diskriminierung: Wenn eine Frau nicht nur wegen ihres Geschlechts, sondern gleichzeitig wegen ihrer Religion oder ethnischen Zugehörigkeit benachteiligt wird. Auch ältere Frauen erleben im Berufsleben häufig Diskriminierung.</p>



<p>Fälle religiöser und ethnischer Diskriminierung nehmen zwar zu, dennoch gehen wir von einem massiven Underreporting aus, d.h. nur ein kleiner Teil landet tatsächlich bei uns. Auch migrantische Männer suchen unsere Unterstützung: Ihnen werden z.B. mangelnde Deutschkenntnisse unterstellt oder ein Syrer musste wegen seiner Staatsangehörigkeit bei einer Lokalanmietung eine „Terrorismusprävention“ durchlaufen. Auch die sexuelle Orientierung kann Anlass für Diskriminierung sein.</p>



<p>Wir versuchen, diese Gruppen über Social Media und Öffentlichkeitsarbeit gezielt zu erreichen und kooperieren dabei auch mit NGOs wie z.B. ZARA.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Wie sieht der Austausch und die Zusammenarbeit mit Betriebsrät:innen aus?</p>



<p><strong>Sabine Wagner-Steinrigl:</strong> Es gibt einen regelmäßigen Austausch und Kooperationen. Wir werden zu Vorträgen und Workshops eingeladen, sowohl von Gewerkschaften als auch von deren Frauenabteilungen. In größeren Unternehmen führen wir Schulungen für Betriebsratsteams und Führungskräfte durch.</p>



<p>Entscheidend ist, dass Betriebsrät:innen gut geschult sind und die nötige Sensibilität mitbringen. Eine gute Vertrauensbasis im Betrieb ist sehr wichtig: Ohne sie wenden sich viele Frauen oder Migrant:innen gar nicht erst an den Betriebsrat. Betriebsrät:innen sind daher wichtige Partner! Sie ermöglichen Lösungen vor Ort, während wir die fachliche Expertise im Hintergrund einbringen.</p>



<div style="background:#ce8f9e; color:#000000; padding:24px;">
  <h4 style="color:#000000; margin:0 0 0.75em; font-weight:700;">
    Zur Person
  </h4>

  <p style="margin:0 0 0.75em;">
    Sabine Wagner-Steinrigl ist seit 15 Jahren bei der Gleichbehandlungsanwaltschaft tätig. Nach ihrem Jus-Studium mit dem Anspruch, etwas zu bewegen und für Gerechtigkeit einzutreten, sammelte sie berufliche Erfahrungen zunächst in der Politikberatung.
  </p>
  <p style="margin:0 0 0.75em;">
    Sie betrachtet den aktuellen breiteren Diskriminierungsbegriff, der mehr umfasst als nur Geschlecht, als wesentlichen gesetzlichen Fortschritt und Auftrag zur Weiterentwicklung. Sie und ihre Organisation, die Gleichbehandlungsanwaltschaft, profitiert von den Möglichkeiten des Netzwerks Equinet, einem internationalen Netzwerk von Equality Bodies mit Austausch, Weiterbildung und Vernetzung.
  </p>
</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die EU regelt den digitalen Raum neu. Was sagen Expert:innen?</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2025/12/07/die-eu-regelt-den-digitalem-raum-neu-was-sagen-expertinnen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Tizian Rupp]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 07 Dec 2025 14:19:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2025/06]]></category>
		<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Internationales]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Recht]]></category>
		<category><![CDATA[Clara Fritsch]]></category>
		<category><![CDATA[Datenschutz]]></category>
		<category><![CDATA[KI]]></category>
		<category><![CDATA[Künstliche Intelligenz]]></category>
		<category><![CDATA[Laura Šukarov-Eischer]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kompetenz-online.at/?p=22470</guid>

					<description><![CDATA[ Die KOMPETENZ hat mit Laura Šukarov-Eischer aus der internationalen Abteilung der GPA und der GPA-Datenschutzexpertin Clara Fritsch darüber gesprochen, was der digitale Omnibus für die EU und den Arbeitsplatz bedeutet.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/12/AdobeStock_193493508-1024x576.jpeg" alt="" class="wp-image-22471" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/12/AdobeStock_193493508-1024x576.jpeg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/12/AdobeStock_193493508-300x169.jpeg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/12/AdobeStock_193493508-150x84.jpeg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/12/AdobeStock_193493508-768x432.jpeg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/12/AdobeStock_193493508-1536x864.jpeg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/12/AdobeStock_193493508-2048x1152.jpeg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der digitale Omnibus soll vieles &#8222;vereinfachen&#8220;, doch was heißt das für Beschäftigte und ihre Rechte?</figcaption></figure>



<p><strong> Die KOMPETENZ hat mit Laura Šukarov-Eischer aus der internationalen Abteilung der GPA und der GPA-Datenschutzexpertin&nbsp;Clara Fritsch darüber gesprochen, was der von der EU-Kommission vorgestellte digitale Omnibus für den Arbeitsplatz bedeutet.</strong></p>



<span id="more-22470"></span>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Die EU-Kommission hat den digitalen Omnibus im November veröffentlicht, um, wie sie sagt, die Wettbewerbsfähigkeit im digitalen Raum zu erhöhen. Was hat es damit auf sich?</p>



<p><strong>Clara Fritsch</strong>: „Vereinfachung“ ist so ein schönes Wort, natürlich sind alle dafür und sagen sofort „Na klar wollen wir das!“ Die Wahrheit ist in diesem Fall aber: Man kommt einfach den Interessen größerer Unternehmen entgegen. „Vereinfachung“ ist also ein Etikettenschwindel.</p>



<p><strong>Laura Šukarov-Eischer</strong>: Hier wird ganz gezielt mit dem Narrativ der Vereinfachung gearbeitet, um mit einem Omnibus oder Sammelgesetz – wie der Name sagt – ganz viele Regeln auf einmal zu ändern. Das Problem ist aber auch in diesem Fall: Es werden ganz handfeste Rechte von Beschäftigten wegfallen. Das werden Kolleg:innen und Betriebsrät:innen auch konkret spüren.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Wenn Beschäftigte Rechte verlieren, drängt sich die Frage auf, inwiefern sie eingebunden wurden. Wie ist dieser Omnibus entstanden?</p>



<p><strong>Laura Šukarov-Eischer</strong>: Der Entstehungsprozess ist demokratiepolitisch extrem fragwürdig. Bei den aktuellen Omnibus-Projekten werden durch den gezielten Einsatz von Notfallklauseln Eilverfahren ausgelöst, auch wenn gar kein Notfall vorliegt. Wichtige Schritte, die absichern, dass EU-Gesetze demokratisch entstehen, werden dabei verkürzt oder ganz übersprungen, wie beispielsweise Folgenabschätzungen oder öffentliche Konsultationen.</p>



<p>Indirekt erhält dadurch die EU-Kommission mehr Macht, weil es weniger Gelegenheit gibt, sich zu einem von ihr vorgelegten Gesetzesvorschlag zu äußern und für Verbesserungen zu argumentieren. Oberflächliche Folgenabschätzungen und Konsultationen im Miniformat schränken auch die Ressourcen des EU-Parlaments ein, das traditionell am meisten auf die Rückmeldungen von Gewerkschaften und Zivilgesellschaft gehört hat.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center">„Vom Omnibus sind besonders jene betroffen, die sowieso schon zu einer vulnerablen Gruppe gehören und nicht gut für sich einstehen können.“</p>
<cite>Clara Fritsch</cite></blockquote>



<p><strong>KOMPETENZ</strong>: Was waren die ersten Reaktionen auf diesen Omnibus?</p>



<p><strong>Clara Fritsch</strong>: NGOs haben sofort „Obacht“ geschrien, aber auch mehrere EU-Institutionen haben Bedenken geäußert – ein ungewöhnlicher Schritt. Das ist dann nicht mehr so leicht von der Hand zu weisen, wenn auch aus dieser Richtung Kritik kommt. Dieser Omnibus ist ein schwer durchschaubares Puzzle. Auf knapp 160 Seiten steht eben nicht „hier ist das Kapitel, das den Datenschutz betrifft, hier das Kapitel zum Thema Künstliche Intelligenz“, sondern es sind eigentlich viele Seiten Prosa, in denen diese Einschnitte unter vielen Überschriften versteckt sind. Auch das ist eine sonderbare Vorgehensweise.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Der Omnibus vereinfacht den Zugriff auf Daten von Beschäftigten massiv. Musk, Bezos, Zuckerberg und Co. dürften sich freuen. Ist das ein Kniefall vor US-amerikanischen Interessen?</p>



<p><strong>Laura Šukarov-Eischer</strong>: Jein. Hier werden eindeutig die Präferenzen einzelner Tech-Konzerne bedient. Keine Vorteile gibt es aber für die US-amerikanische Bevölkerung. Schon beim Handelsabkommen zwischen der EU und den USA, das im Juli geschlossen wurde, ist der digitale Omnibus in einem Nebensatz angedeutet. Hier wurden unsere Gesetze für den digitalen Raum als Problem für US-Interessen dargestellt, obwohl es in Wirklichkeit nur um die Profitinteressen einzelner US-Tech-Konzerne geht.</p>



<p><strong>Clara Fritsch</strong>: Ich benutze gerne das Bild eines Schutzwalls, den die europäische DSGVO (Datenschutzgrundverordnung) darstellt. In diesen Wall wird durch den digitalen Omnibus nicht nur ein kleines Loch gebohrt, sondern ein Basistunnel geschaffen! Man lässt die Tech-Konzerne einfach hinein und setzt ihnen noch weniger Schranken!</p>



<p><strong>KOMPETENZ</strong>: Wie wirkt sich das konkret auf Beschäftigte aus?</p>



<p><strong>Clara Fritsch</strong>: Durch den digitalen Omnibus sollen Beschäftigte und Betriebsrät:innen stark eingeschränkt werden, wenn es darum geht, ob und wie ihre Daten einer KI zugeführt werden. Soll heißen, meine Daten werden zum Trainieren einer KI genutzt, mein Arbeitgeber teilt mir das nicht einmal mit, und im Endeffekt spüre ich die Konsequenzen, ohne zu wissen, woher sie kommen.&nbsp;</p>



<p>Eine Konsequenz könnte sein, dass ich weniger Aufträge erhalte oder keine Prämie bekomme, weil das eine KI entscheidet. Noch weiter gedacht: Mein Arbeitgeber könnte anhand meiner Daten auf meinen Gesundheitszustand schließen. Diese sonst höchst schützenswerten Daten wären durch den vorgestellten Omnibus viel leichter verarbeitbar! </p>



<p>Es muss aber betont werden, dass das österreichische Recht klare Regelungen vorsieht und nicht außer Kraft gesetzt werden würde. In Österreich hat der Betriebsrat, was Mitsprache angeht, beide Füße in der Tür. Bei uns muss bei der Verwendung personenbezogener Daten informiert werden und eine Betriebsvereinbarung geschlossen werden, wenn das über die gesetzlich erforderlichen Datenverarbeitungen hinausgeht.</p>



<p><strong>KOMPETENZ</strong>: Die EU-Kommission schreibt, dass der digitale Omnibus „verantwortungsvollen Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil verschafft“. Wie viel Wahrheit steckt hinter der Aussage?</p>



<p><strong>Laura Šukarov-Eischer</strong>: Unternehmen in der EU erhalten keinen echten Vorteil. Dieser angepriesene „Wettbewerbsvorteil“ gilt für alle Unternehmen, unabhängig davon, ob sie europäisch sind oder nicht. Das Kräfteverhältnis zur US-Konkurrenz ist also unverändert.</p>



<p>Es werden Rechte von Arbeitnehmer:innen abgebaut, ohne dass dem ein Plus gegenüberstünde. Dadurch gewinnt die europäische Wirtschaft überhaupt nicht.</p>



<p>Gerade für kleinere und mittlere Unternehmen ist Planbarkeit bei solchen grundlegenden Veränderungsprozess wichtig. Durch solche Eilverfahren entsteht aber Unsicherheit, da auch bestehende Regelungen, wie etwa die DSGVO, angegriffen werden. Die Ressourcen, sich auch kurzfristigen Regeländerungen anzupassen, haben aber vor allem große Konzerne. Das Narrativ man würde hier vor allem KMU schützen, ist schlicht falsch. </p>



<p><strong>Clara Fritsch</strong>: Wenn ich Zugriff auf ganz viele Daten von Beschäftigten innerhalb von Europa erlaube, stellt sich die Frage, wer davon profitiert. Vor allem US-amerikanische Firmen, die an neuen Modellen für KI, wie zum Beispiel Chatbots im Callcenter arbeiten. Das bringt europäischen Unternehmen wenig, und kleinen Firmen gar nichts!</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center">&#8222;Dieses Grundprinzip des Interessenausgleichs, das massiv zur sozialen Stabilität in Europa beigetragen hat, wird gerade angegriffen!“</p>
<cite>Laura Šukarov-Eischer </cite></blockquote>



<p><strong>KOMPETENZ</strong>: Das heißt, es wird nicht alles einfacher, wie versprochen?</p>



<p><strong>Laura Šukarov-Eischer:</strong> Mit der neuen EU-Kommission und einem sehr rechten EU-Parlament gibt es immer wieder Gefälligkeitsdienste für Unternehmen, die profitgetrieben sind &#8211; statt ernsthaft über sinnvolle Vereinfachung zu diskutieren. Leider wird auch nicht genug unterschieden zwischen Bedürfnissen einerseits und Präferenzen andererseits von Unternehmen. Ein Bedürfnis wäre, dass innovative Technologien gefördert werden. Dafür setzen sich auch Gewerkschaften ein, denn wir alle sind an einer starken Wirtschaft interessiert. Es ist aber eine reine Präferenz, dass dies ohne Mitsprache der Beschäftigten und vorgeschriebene Abläufe passiert – darf aber nicht geschehen, denn hier bleiben Kolleg:innen auf der Strecke.</p>



<p>Beim digitalen Omnibus geht es nicht darum, dass wir zum Beispiel nicht genug in eine gewisse Forschungsrichtung investiert haben und jetzt Aufholbedarf haben. Nein, man sägt hier am für Europa so wichtigen Interessenausgleich. Schon in frühen EU-Papieren steht, dass wir auch innerhalb der EU keine großen Unterschiede im Wohlstand haben wollen, weil das Gesellschaften destabilisiert. Dieses Grundprinzip des Interessenausgleichs, das massiv zur sozialen Stabilität in Europa beigetragen hat, wird gerade angegriffen!</p>



<p><strong>KOMPETENZ</strong>: Also ein demokratiepolitischer Angriff, getarnt als große Vereinfachung?</p>



<p><strong>Clara Fritsch</strong>: Das trifft insbesondere am Arbeitsplatz zu. Als Bürger:in kann ich mich entscheiden, Tools nicht zu verwenden – das geht so in der Arbeit nicht. Wenn mein Arbeitgeber durch den digitalen Omnibus vollen Zugriff auf meine Tätigkeiten am Handy und Firmenlaptop bekommt, ist das ein klarer Einschnitt in die Persönlichkeitsrechte!</p>



<p>Mein:e Arbeitgeber:in muss nämlich nicht jede Sekunde wissen, wo ich bin und was ich gerade mache. Ob ich mich zum Beispiel mit meinem Betriebsrat austausche, was mein Recht ist, geht ihn oder sie nichts an. Durch einen umfassenderen Zugriff auf Arbeitsgeräte ist das gefährdet. Das muss nicht einmal konkret passieren, allein durch das Wissen über die Zugriffsmöglichkeit entsteht eine Barriere, mich an meinen Betriebsrat zu wenden.<a id="_msocom_1" aria-label=""></a></p>



<p><strong>KOMPETENZ</strong>: Der digitale Omnibus ist quasi noch druckfrisch. Lässt sich da noch etwas verändern?</p>



<p><strong>Laura Šukarov-Eischer:</strong> Die Kommission betreibt gerade ein „Flooding the zone“, wo ganz viel auf einmal kommt, um es Kritiker:innen wie Gewerkschaften zu erschweren, angemessen Position zu beziehen. Selbstverständlich tun wir das trotzdem, aktuell vernetzen wir uns, bündeln Expertise und erarbeiten Verbesserungsvorschläge.</p>



<p>Es wird unsere Aufgabe sein, beim EU-Parlament und beim EU-Rat Überzeugungsarbeit zu leisten. Noch ist nicht gesagt, dass der digitale Omnibus in dieser Form in Kraft tritt. Hier sehen wir auch schon erste Verbündete: Es gibt innerhalb des EU-Parlaments bereits Stimmen, die schon jetzt laut Kritik üben. Das stärkt auch unsere Position!</p>



<p><strong>Clara Fritsch: </strong>Außerdem stimmt das EU-Parlament bald über die „Artificial intelligence pro workers Initiative“ ab, die darauf abzielt, den Einsatz von KI am Arbeitsplatz zu regulieren und den Beschäftigten EU-weit einheitliche Rechte zu verankern. Das stellt ein Gegengewicht zu dem dar, was der Omnibus macht. Es gibt also Hoffnung!<strong></strong></p>



<p><a id="_msocom_1" aria-label=""></a></p>



<p><em>Eine weitere Analyse des digitalen Omnibus von Clara Fritsch gibt es auf dem <a href="https://www.awblog.at/Digitalisierung/Beschaeftigtendatenschutz-digitaler-Omnibus" aria-label="A&amp;W-Blog">A&amp;W-Blog</a> zu lesen. </em></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Steigende Arbeitslosigkeit nicht einfach hinnehmen</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2025/11/20/steigende-arbeitslosigkeit-nicht-einfach-hinnehmen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Daniel Gürtler]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Nov 2025 09:18:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Arbeitsmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgabe 2025/06]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitslosigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Barbara Teiber]]></category>
		<category><![CDATA[Rot-Weiß-Rot-Karte]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kompetenz-online.at/?p=22351</guid>

					<description><![CDATA[Die Vorsitzende der GPA Barbara Teiber erklärt, welche Maßnahmen jetzt ergriffen werden müssen. Die Lage am Arbeitsmarkt verschärft sich. Warum? 31 Monate in Folge ist die Arbeitslosigkeit in Österreich gestiegen. Das ist nicht nur für die Betroffenen ein schlimmes Schicksal, es bringt auch dieGehälter der aktiven Beschäftigten unter Druck, weil Arbeitgeber leichter jemanden finden, der [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/09/barbara_teiber_CF2_9177-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-22300" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/09/barbara_teiber_CF2_9177-1024x683.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/09/barbara_teiber_CF2_9177-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/09/barbara_teiber_CF2_9177-150x100.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/09/barbara_teiber_CF2_9177-768x512.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/09/barbara_teiber_CF2_9177-1536x1025.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/09/barbara_teiber_CF2_9177-600x400.jpg 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/09/barbara_teiber_CF2_9177-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/09/barbara_teiber_CF2_9177-272x182.jpg 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/09/barbara_teiber_CF2_9177.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p><strong>Die Vorsitzende der GPA Barbara Teiber erklärt, welche Maßnahmen jetzt ergriffen werden müssen.</strong></p>



<span id="more-22351"></span>



<h4 class="wp-block-heading">Die Lage am Arbeitsmarkt verschärft sich. Warum?</h4>



<p>31 Monate in Folge ist die Arbeitslosigkeit in Österreich gestiegen. Das ist nicht nur für die Betroffenen ein schlimmes Schicksal, es bringt auch die<br>Gehälter der aktiven Beschäftigten unter Druck, weil Arbeitgeber leichter jemanden finden, der es für weniger Geld macht.</p>



<p>Grund ist die schlechte wirtschaftliche Lage. In einigen Branchen bringen auch die Energiepreise die Unternehmen stark unter Druck. Es findet außerdem eine Transformation – Digitalisierung und ökologischer Wandel – statt, die intelligente Begleitmaßnahmen braucht.</p>



<p>Dazu kommt das sogenannte Zwischenparken – also Betriebe, die Beschäftigte mit dem Ziel kündigen, sie nach einer wirtschaftlich schwachen Phase wieder anzustellen. Das kostet die Arbeitslosenversicherung 700 Millionen Euro pro Jahr – Geld, das wir anderswo dringend bräuchten.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Was können wir tun?</h4>



<p>Weiterbildung und Qualifizierung sind der Schlüssel. Dazu braucht es einerseits ausreichend Geld für das Arbeitsmarktservice (AMS), andererseits zielgerichtete Modelle wie Arbeitsstiftungen und Weiterbildungsfonds, damit etwa auch Kolleginnen und Kollegen, die wegen einer Insolvenz ihren Job verloren haben, bald wieder in Beschäftigung kommen.</p>



<p>In einer Phase, in der bestimmte Jobs verschwinden und andere entstehen, ist es wichtig, dass Beschäftigte am Ball bleiben können. Dazu muss aber sichergestellt sein, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sich die Zeit der Fortbildung auch leisten können.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Warum fordert die Gewerkschaft jetzt eine Reform der Rot-Weiß-Rot-Card?</h4>



<p>Mit der Rot-Weiß-Rot-Card ist es möglich, Arbeitskräfte von außerhalb der EU anzuwerben. Das war nachvollziehbar, als Unternehmen noch händeringend Fachkräfte gesucht haben. Jetzt hat sich die Lage am Arbeitsmarkt gedreht. Trotzdem stehen auf der sogenannten Mangelberufsliste noch zu viele Jobs wie zum Beispiel Parfümerie-Verkäuferin. Die Vorstellung, dass wir hier in Österreich niemanden dafür finden und daher aus dem Ausland jemanden anwerben müssten ist absurd.</p>



<p>Wir fordern, dass alle Berufe von der Mangelberufsliste gestrichen werden, für die sich jemand hierzulande innerhalb eines Jahres qualifizieren kann.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="614" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/11/Arbeitslosenquote-1024x614.png" alt="" class="wp-image-22354" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/11/Arbeitslosenquote-1024x614.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/11/Arbeitslosenquote-300x180.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/11/Arbeitslosenquote-150x90.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/11/Arbeitslosenquote-768x461.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/11/Arbeitslosenquote-1536x922.png 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/11/Arbeitslosenquote-2048x1229.png 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<div style="background:#f29073; color:#000000; padding:24px;">
  <h4 style="color:#000000; margin:0 0 0.75em; font-weight:700;">
    Wie unterstützt die Gewerkschaft GPA bei Arbeitslosigkeit?
  </h4>

  <p style="margin:0 0 0.75em;">
    Die Gewerkschaft GPA unterstützt arbeitslos gewordene Mitglieder finanziell: Das sechsfache des durchschnittlichen Mitgliedsbeitrags der letzten zwölf Monate wird bei zweijähriger Mitgliedschaft drei Monate lang ausgezahlt, bei mindestens dreijähriger Mitgliedschaft sechs Monate.
  </p>

  <p style="margin:0;">
    Der Antrag kann auf
    <a href="https://www.gpa.at" target="_blank" rel="noopener" style="color:inherit; text-decoration:underline;" aria-label="www.gpa.at (öffnet in neuem Tab)">www.gpa.at</a>
    im Bereich „Mein Profil“ gestellt werden.
  </p>
</div>



<p></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8222;Überreiche leben in einer Parallelwelt&#8220;</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2025/10/27/ueberreiche-leben-in-einer-parallelwelt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Tizian Rupp]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Oct 2025 15:24:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2025/06]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Verteilung]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Reichensteuer]]></category>
		<category><![CDATA[Reichtum]]></category>
		<category><![CDATA[Stephan Pühringer]]></category>
		<category><![CDATA[Vermögen]]></category>
		<category><![CDATA[Vermögenssteuer]]></category>
		<category><![CDATA[Vermögenssteuern]]></category>
		<category><![CDATA[Vermögensverteilung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kompetenz-online.at/?p=22336</guid>

					<description><![CDATA[Der Wissenschafter Stephan Pühringer hat sich angesehen, wie die Netzwerke von Superreichen aussehen. Dabei wurden etwa Personen gefunden, die die in 250 Unternehmen als Geschäftsführer tätig sind. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="684" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/10/DSC09584-1024x684.jpg" alt="Der Wissenschafter Stephan Pühringer hat sich angesehen, wie die Netzwerke von Superreichen aussehen. Dabei wurden etwa Personen gefunden, die die in 250 Unternehmen als Geschäftsführer tätig sind. " class="wp-image-22337" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/10/DSC09584-1024x684.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/10/DSC09584-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/10/DSC09584-150x100.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/10/DSC09584-768x513.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/10/DSC09584-1536x1026.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/10/DSC09584-2048x1368.jpg 2048w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/10/DSC09584-600x400.jpg 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/10/DSC09584-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/10/DSC09584-272x182.jpg 272w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Stephan Pühringer ist Sozioökonom, stv. Leiter des Instituts für die Gesamtanalyse der Wirtschaft (ICAE) und Leiter des Socio-Ecological Transformation Labs am Linz Institute for Transformative Change (LIFT_C) an der Johannes Kepler Universität Linz.<br>© Tizian Rupp</figcaption></figure>



<p><strong>Der Wissenschafter Stephan Pühringer hat sich angesehen, wie die Netzwerke von Superreichen aussehen. Dabei wurde etwa eine Person gefunden, die in 250 Unternehmen als Geschäftsführer tätig ist.</strong></p>



<span id="more-22336"></span>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Wie ungleich ist Österreich?</p>



<p><strong>Stephan Pühringer:</strong> Im Bereich der Einkommen ist Österreich im internationalen Vergleich durch die progressive Einkommenssteuer gar nicht besonders ungleich. Das ist die eine Seite. Denn bei der Vermögensverteilung ist Österreich an der absoluten Spitze der Ungleichheit.</p>



<p>Das oberste Prozent besitzt ca. 40% des Vermögens, die oberen 10% haben 2/3 des Vermögens. Die unteren 50% haben circa 2-3% des Vermögens. Das ist wirklich extrem ungleich, auch im internationalen Vergleich. Ein Beispiel: Die Familie Porsche besitzt alleine so viel wie die untere Hälfte in Österreich. Eine Familie versus vier Millionen Menschen.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Sie haben sich in einer Studie das Netzwerk von „Überreichen“ angesehen. Was ist da herausgekommen?</p>



<p><strong>Stephan Pühringer:</strong> Wir haben eine Liste der reichsten Personen und Familien genommen und haben einen Cut bei einem Vermögen unter 500 Millionen Euro gemacht. Übrig blieben 62 Personen bzw. Haushalte. Im nächsten Schritt haben wir analysiert, welche Unternehmen sie besitzen und wie sie Einfluss auf Politik und Gesellschaft ausüben.</p>



<p>Aufbauend auf dieser Untersuchung haben wir uns Personen aus dem engeren Umfeld dieser Überreichen angesehen. Bei den 62 Haushalten sieht man dann recht schnell, wie sehr sie miteinander verflochten sind. Wobei gesagt werden muss: Diese Netzwerke bestehen nicht nur aus Überreichen, sondern auch aus einer Industrie von Vermögensverwalter:innen rund um sie.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center">„Privatstiftungen sind wirklich nur für die absolut Reichsten da. Die Gesellschaft hat davon meist nichts. “</p>
<cite>Sozioökonom Stephan Pühringer</cite></blockquote>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Wie funktioniert Überreichtum nun?</p>



<p><strong>Stephan Pühringer:</strong> Eine zentrale Erkenntnis ist, wie stark bestehende Rechtsrahmen im Sinne der Überrreichen ausgenutzt werden. Zum Beispiel bei Privatstiftungen: Es gibt ca. 3.000 Privatstiftungen in Österreich – in dem Netzwerk, das wir uns angesehen haben, sind ca. 40-50% aller Privatstiftungen verortet. Das heißt: Privatstiftungen sind wirklich nur für die absolut Reichsten da. Dazu kommt, dass Privatstiftungen in Österreich nicht einmal gemeinnützig sein müssen. Die Gesellschaft hat davon meist nichts.</p>



<p>Oder bei der Verschachtelung von Unternehmen. Es gibt in dem Netzwerk zum Beispiel eine Person, die in 250 Unternehmen als Geschäftsführer tätig ist. Da geht sich kein Tag in jeder Firma aus! Das macht keinen Sinn mehr! Man verwendet wieder einen Rechtsrahmen, in diesem Fall den der GmbH, um das eigene Risiko zu verkleinern. Die Folge ist, dass in letzter Konsequenz die Allgemeinheit die Kosten tragen muss, wenn mehrere dieser GmbHs insolvent werden.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center">&#8222;Man kann sich Überreichtum auch ökologisch nicht leisten.&#8220;</p>
<cite>Stephan Pühringer</cite></blockquote>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Was bedeutet das unter dem Aspekt der Klimagerechtigkeit?</p>



<p><strong>Stephan Pühringer:</strong> International verursachen die oberen 10% der Bevölkerung rund 50% der CO2-Emissionen. In Österreich emittieren die unteren Prozent CO2 für Dinge, die zum Überleben notwendig sind, zum Beispiel Essen oder Heizen. Die oberen Prozent aber für Dinge wie Privatjets, also für einen Lebensstil, der nicht auf das Überleben ausgerichtet ist.</p>



<p>Ein extremes Beispiel ist die private Raumfahrt: Der Treibstoffverbrauch für 15 Minuten Schwerelosigkeit im All für eine überreiche Person im Weltall ist ungefähr so viel wie die CO₂-Emissionen von Burundi – also von 11 Millionen Menschen! – an einem ganzen Tag ausgestoßen wird. Man kann sich Überreichtum also auch ökologisch nicht leisten.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Erbt man sich reich in Österreich? Oder wird Vermögen eher erarbeitet?</p>



<p><strong>Stephan Pühringer:</strong> Eine neue Schätzung zeigt, dass ca. 80% des Vermögens in Österreich vererbt wird. Das Narrativ lautet aber trotzdem, dass es sich um Self-Made Millionär:innen und Milliardär:innen handelt. Eine Erbschaftssteuer mit hohem Freibetrag würde das Haus der Oma oder eine kleine Firma nicht betreffen. Selbst wenn man eine Grenze von einer Million einziehen würde, wären rund 99 % aller Erbschaften überhaupt nicht steuerpflichtig! Dennoch würde zum Beispiel eine Erbschaftssteuer viel bringen, weil die Konzentration so schief ist.</p>



<p>Ein Rechenbeispiel: Hätte man theoretisch auf das gesamte&nbsp;Vermögen von Didi Mateschitz etwa eine Erbschaftssteuer von 5% angewendet, als dieses an seinen Sohn übergangen ist, wäre damit eine Kindersicherung in Österreich für ein Jahr durchfinanziert gewesen. Dazu kommt: Das hätte sich kaum auf das Vermögen von Mark Mateschitz ausgewirkt, da es sowieso so rasant wächst.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Das heißt, in der Diskussion muss es nicht nur um Vermögenssteuern gehen?</p>



<p><strong>Stephan Pühringer:</strong> Wir müssen darüber reden, wie viel Unterschied es in der Gesellschaft geben darf. Dahinter muss die Frage stehen, wie viel Geld ein Mensch wirklich haben muss. Das Bruttoinlandsprodukt Österreichs entspricht ungefähr dem Vermögen von Elon Musk. Da kann jemand noch so fleißig sein, aber das steht doch in keiner Relation!</p>



<p>Wenn unsere Studie nun zeigt, dass der Rechtsrahmen jene bevorzugt, die mehr besitzen, dann meinen wir nicht die Person, die eine Villa hat oder einen Porsche fährt. Es geht um eine völlig eigene Parallelwelt, die man sich kaum vorstellen kann. Und man muss sich als Gesellschaft schon die Frage stellen, ob wir uns diesen Überreichtum leisten wollen oder ob nicht etwa Care-Arbeit mehr wert sein sollte.<a id="_msocom_1" aria-label=""></a></p>



<div style="background:#97c09c; color:#000000; padding:24px;">
  <h4 style="color:#000000; margin:0 0 0.75em; font-weight:700;">
    Zur Person
  </h4>

  <p style="margin:0 0 0.75em;">
    Stephan Pühringer ist Sozioökonom, stv. Leiter des Instituts für die Gesamtanalyse der Wirtschaft (ICAE) und Leiter des Socio-Ecological Transformation Labs am Linz Institute for Transformative Change (LIFT_C) an der Johannes Kepler Universität Linz. 
  </p>
</div>



<p></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„Man kann nicht alles mit Bildung lösen“</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2025/09/29/man-kann-nicht-alles-mit-bildung-loesen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Tizian Rupp]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Sep 2025 08:37:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Arbeitsmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgabe 2025/05]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Daniel Unterweger]]></category>
		<category><![CDATA[Fachkräftemangel]]></category>
		<category><![CDATA[Jörg Markowitsch]]></category>
		<category><![CDATA[Mismatch]]></category>
		<category><![CDATA[Tizian Rupp]]></category>
		<category><![CDATA[Weiterbildung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kompetenz-online.at/?p=22292</guid>

					<description><![CDATA[Ein europaweites Forschungsprojekt unter österreichischer Leitung fragt, wie sich Qualifizierungssysteme in Hinblick auf den Arbeitsmarkt ändern müssen. Was dabei nicht vergessen werden darf, sind die Arbeitsbedingungen. KOMPETENZ: In Ihrem Forschungsprojekt beschäftigen Sie sich mit dem Phänomen des „Mismatch“. Was ist überhaupt ein Mismatch? Markowitsch: Mismatch ist in der einfachsten Form das Missverhältnis von Arbeitskräften im [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="684" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/09/Rupp_Markowitsch-1024x684.jpg" alt="" class="wp-image-22294" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/09/Rupp_Markowitsch-1024x684.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/09/Rupp_Markowitsch-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/09/Rupp_Markowitsch-150x100.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/09/Rupp_Markowitsch-768x513.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/09/Rupp_Markowitsch-1536x1026.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/09/Rupp_Markowitsch-2048x1368.jpg 2048w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/09/Rupp_Markowitsch-600x400.jpg 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/09/Rupp_Markowitsch-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/09/Rupp_Markowitsch-272x182.jpg 272w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Die Forscher Daniel Unterweger (rechts) und Jörg Markowitsch (links) von 3s Forschung &amp; Beratung für Lebenslanges Lernen befassen sich im Rahmen von „Horizon Europe: Skills2Capabilities“ mit den neuen Herausforderungen, die auf Arbeitnehmer:innen zukommen.</strong><br>© Tizian Rupp</figcaption></figure>



<p><strong>Ein europaweites Forschungsprojekt unter österreichischer Leitung fragt, wie sich Qualifizierungssysteme in Hinblick auf den Arbeitsmarkt ändern müssen. Was dabei nicht vergessen werden darf, sind die Arbeitsbedingungen.</strong></p>



<span id="more-22292"></span>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> In Ihrem Forschungsprojekt beschäftigen Sie sich mit dem Phänomen des „Mismatch“. Was ist überhaupt ein Mismatch?</p>



<p><strong>Markowitsch:</strong> Mismatch ist in der einfachsten Form das Missverhältnis von Arbeitskräften im Verhältnis zu ihrer Nachfrage durch den Markt. Doch so einfach ist es nicht, denn ich suche bei einer Stelle ja eine Person mit bestimmten Ausbildungen und Fähigkeiten. Und diese Anforderungen sind in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen.</p>



<p><strong>Markowitsch:</strong> Während man einen Mismatch auf Ebene der Bildungsabschlüsse recht gut messen kann, indem man etwa die Stellen mit Voraussetzung Lehr-, Matura- oder Hochschulabschluss etc. betrachtet, ist das auf der Kompetenz-Ebene deutlich schwieriger. Dabei ist es gerade hier interessant, zu sehen, welche konkreten Fertigkeiten denn eigentlich gesucht werden.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Hier fällt einem der oft ausgerufene Fachkräftemangel ein?</p>



<p><strong>Markowitsch:</strong> Werden Unternehmen nach diesem Mangel befragt, so liegt deren Einschätzung überlicherweise deutlich über der tatsächlichen Situation am Arbeitsmarkt. Das liegt daran, dass Fragen der Arbeitsbedingungen in der Analyse gerne ausgeklammert werden. Fügt man aber etwa den Faktor der Bezahlung dazu, ist der Mismatch oft gar nicht so hoch. Hier fehlen nicht die Arbeitskräfte, sondern niedrig gehaltene Gehälter sind das Problem.</p>



<p>Dazu kommt, dass sich ein Mismatch oft auf vielen Ebenen abspielt: Jemand kann technisch zwar sehr kompetent sein, aber die nötigen Abschlüsse fehlen. Oder jemand hat zwar die Abschlüsse und ist hochkompetent, aber es fehlt die Sprachkenntnis. Oder man möchte Vollzeit arbeiten, angeboten wird aber nur eine Teilzeitstelle. Man kann sozusagen mehrfach “mismatchen”.</p>



<p>Wenn es dann von Seiten der Wirtschaft heißt, dass es nicht genug Fachkräfte vom Typ X gibt, ist das nur die halbe Wahrheit. Einerseits ist die Bezahlung zu niedrig, dann wäre der Mismatch kleiner. Andererseits gibt es wie geschildert noch viele weitere Faktoren, die zu einem Mismatch beitragen können.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Wie unterscheidet sich das Projekt von bisherigen Ansätzen?</p>



<p><strong>Markowitsch: </strong>Fast alle Arbeiten zu Fachkräften, Prognosen und auch die dazugehörige Politik basieren auf der Humankapital-Theorie. Diese sagt vereinfacht, dass Investment in Bildung entsprechenden wirtschaftlichen Fortschritt bringt. Davon sollen wiederum alle profitieren. Gleichzeitig sollen sich die Fachkräfte den Bedingungen des Arbeitsmarktes und der Unternehmen anpassen.</p>



<p>Unser Ansatz war, die Thematik aus einer anderen Perspektive zu betrachten, und bei den Wünschen und Potentialen der Menschen anzusetzen. Wenn man das Fachkräftethema aus dieser Sicht betrachtet, stellen sich die Dinge sehr anders dar.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Wie stellen sich die Dinge denn anders dar?</p>



<p><strong>Markowitsch:</strong> Zum Beispiel bei der Evaluierung von Weiterbildungsprogrammen. Hier wird normalerweise darauf geachtet, ob und wie stark Arbeitgeber in die Programme eingebunden sind. Es wird aber nie danach gefragt, ob Arbeitnehmer:innen vertreten sind. Bringt man diese Position dann in die Bewertung ein, verändern sich die Ergebnisse – und ermöglichen so einen ganz anderen Blick auf die Bedürfnisse der teilnehmenden Personen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center">„Wir können uns nicht unendlich weiterbilden und unendlich viele Fähigkeiten erlernen. “</p>
<cite>Arbeitsmarkt-Forscher Jörg-Markowitsch</cite></blockquote>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Was heißt das auf politischer Ebene?</p>



<p><strong>Unterweger:</strong> Wir haben europaweit Strategiedokumente verglichen, ob sie nicht nur von Seiten des Wirtschaftsbedarfs gedacht werden, sondern Individuen auch Möglichkeiten bieten, selbstbestimmt ihre Fähigkeiten stärken. Zwar gibt es den Aspekt, den Spielraum des Individuums zu stärken, aber oft scheitert es bei der konkreten Umsetzung von Strategien und deren Maßnahmen</p>



<p>Was wir analysiert haben, ist, dass politische Strategiepapiere eher umgesetzt werden, wenn es ein partizipativer Prozess ist – zum Beispiel in Österreich und Deutschland durch Vereinbarungen zwischen Gewerkschaften, Arbeitgeberverbänden und Politik, wo Maßnahmen dann auch teilweise durch die Sozialpartner umgesetzt werden.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Wie sieht das in der Praxis aus?<br><strong>Unterweger: </strong>Ein positives Beispiel ist der Qualifikationsplan Wien, eine Strategie von der Stadt Wien, dem Bund und den Sozialpartnern, um gering qualifizierte Personen höher zu qualifizieren. Hier ist die Koordination zwischen den eingebundenen Akteuren, zu denen unter anderem der Österreichische Gewerkschaftsbund und die Arbeiterkammer zählen, sehr gut. Gleichzeitig ist das „Monitoring“ des Plans, mit der sein Erfolg gemessen wird, effektiv und nachhaltig – zeigen die Ergebnisse Handlungsbedarf, wird der Plan direkt angepasst.</p>



<p>Andersherum ist es in Ländern wie England, wo Sozialpartnerschaft so gut wie keine Rolle spielt. Diese werden nur pro Forma von der Politik in die Erstellung solcher Strategien eingebunden. Neue Regierungen fühlen sich dann zumeist überhaupt nicht an Vereinbarungen gebunden.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center">Die gestiegenen Anforderungen für Berufe setzen vor allem Leute mit niedrigem oder keinem Abschluss unter hohen Druck.</p>
<cite>Arbeitsmarkt-Forscher Daniel Unterweger</cite></blockquote>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> In welche Richtung entwickelt sich unsere Gesellschaft, wenn Bildung immer relevanter wird?<br><strong>Markowitsch:</strong> Die gestiegenen Anforderungen für Berufe setzen vor allem Leute mit niedrigem oder keinem Abschluss unter hohen Druck. Statt dann nur auf Bildung zu setzen, wäre es genauso wichtig, sich konkrete Jobsituationen anzusehen und diese zu verbessern. Das beginnt schon bei der Jobstruktur: Nur weil mir entsprechende Qualifikationen für einen höheren Job fehlen, heißt das nicht, dass ich nur eine Tätigkeit in meiner Arbeit ausüben kann &#8211; auch wenn das oft genug der Fall ist.</p>



<p>Was uns als Gesellschaft sicher nicht weiterbringt, ist, das Fehlen von Bildung auf das Individuum abzuwälzen, nach dem Motto ‘jeder ist selber schuld’. Hier stößt auch die Humankapital-Theorie schnell an eine Grenze: Wir können uns nicht unendlich weiterbilden und unendlich viele Fähigkeiten erlernen. Den Glauben, alle Probleme mit Bildung lösen zu können, halte ich daher für falsch. Man muss auch über Arbeitsbedingungen und ihre Verbesserungen sprechen.</p>



<p><strong>Unterweger:</strong> Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, Weiterbildungen gerade auch diesen Personengruppen zu ermöglichen und auszubauen. Dazu gibt es in Österreich und Deutschland einige Projekte, die sehr praxisnah arbeiten.</p>



<div style="background:#97c09c; color:#000000; padding:24px;">
  <h4 style="color:#000000; margin:0 0 0.75em; font-weight:700;">
    Zu den Personen
  </h4>

  <p style="margin:0 0 0.75em;">
    Jörg Markowitsch forscht seit über 30 Jahren im Bereich Arbeitsmarkt, mit den Schwerpunkten Lebenslanges Lernen, Berufsbildung und Fachkräfteprognosen.
  </p>
  <p style="margin:0;">
    Daniel Unterweger ist Polit-Ökonom mit Schwerpunkt in der vergleichenden Analyse von Aus- und Weiterbildungssystemen.
  </p>
</div>

]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Unabhängigkeit durch erneuerbare Energie stärken</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2025/07/23/unabhaengigkeit-durch-erneuerbare-energie-staerken/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexia Weiss]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Jul 2025 14:11:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Arbeitsmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitszeit]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgabe 2025/04]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Alexia Weiss]]></category>
		<category><![CDATA[Christoph Badelt]]></category>
		<category><![CDATA[Energiewirtschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kompetenz-online.at/?p=22111</guid>

					<description><![CDATA[Christoph Badelt, Präsident des Produktivitätsrates, plädiert im KOMPETENZ-Gespräch dafür, sich unabhängiger von teuren Energieimporten zu machen. Er warnt zudem vor einem Arbeitskräftemangel.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1919" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/07/DSC01298-edited-scaled.jpg" alt="Christoph Badelt an einem Podium" class="wp-image-22113" style="aspect-ratio:4/3;object-fit:cover" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/07/DSC01298-edited-scaled.jpg 2560w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/07/DSC01298-edited-300x225.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/07/DSC01298-edited-1024x768.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/07/DSC01298-edited-150x112.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/07/DSC01298-edited-768x576.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/07/DSC01298-edited-1536x1151.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/07/DSC01298-edited-2048x1535.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Christoph Badelt, Präsident des Fiskalrates und des Produktivitätsrates, fordert, dass noch viel mehr auf erneuerbare Energien zurück gegriffen wird.<br></strong>Foto: Edgar Ketzer</figcaption></figure>



<p><strong>Christoph Badelt, Präsident des Produktivitätsrates, plädiert im KOMPETENZ-Gespräch dafür, sich unabhängiger von teuren Energieimporten zu machen. Er warnt zudem vor einem Arbeitskräftemangel.</strong></p>



<span id="more-22111"></span>



<p><strong>KOMPETENZ</strong>: <strong>Die Rezession hat dem Wirtschaftsstandort Österreich zuletzt zugesetzt. Welche Faktoren führten dazu?<br>Badelt</strong>: Die Rezession dauert bei uns zwar länger als in anderen Ländern, aber sie ist kein nur österreichisches Phänomen. Es waren in erster Linie die Energiekosten, die hier eine Rolle gespielt haben, in den letzten zwei Jahren auch die Lohnkosten. Auf Nachfrage-Seite macht uns außerdem die Schwäche der deutschen Konjunktur zu schaffen. Das könnte sich durch Zölle der USA noch verschärfen. All das trifft ganz besonders die Industrie.</p>



<p><strong>Wie steht Österreich im EU-Vergleich da?<br></strong>Wir sind schlechter aus den verschiedenen Krisen herausgekommen als die meisten anderen EU-Länder. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf ist zurückgegangen &#8211; das hat auch damit zu tun, dass wir relativ zu anderen EU-Staaten ein starkes Bevölkerungswachstum haben. Vor allem aber hat das mit der Bindung an Deutschland zu tun.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Damit Frauen weniger Teilzeit arbeiten müssen, braucht es den Ausbau von Kinderbetreuung. “</p>
<cite><strong>Christoph Badelt<br>Präsident des Fiskalrates und des Produktivitätsrates</strong></cite></blockquote>



<p><strong>Warum ist Österreich schlechter durch die Energiekrise gekommen?<br></strong>Der Hauptgrund liegt darin, dass unsere Industrie eine ganz spezifische Struktur hat: sie ist energieintensiv und exportorientiert. Dadurch war sie besonders von der Energiekrise betroffen, in Kombination mit den nachfrageseitigen Faktoren kam dann dieser Schlamassel zustande. Ich verhehle aber auch nicht, dass es unter Ökonom:innen durchaus eine Uneinigkeit gibt, inwieweit man früher und stärker hätte direkt in Energiepreise eingreifen sollen.</p>



<p><strong>Was braucht es, um künftig nicht mehr so stark auf teure Energieimporte angewiesen zu sein?<br></strong>Da gibt es zwei Aspekte. Einerseits muss im Sinn der grünen Transformation der Wirtschaft alles getan werden, um die Industrie technologisch weg vom hohen Energieverbrauch zu führen. Auf der anderen Seite könnten wir viel stärker auf erneuerbare Energien zurückgreifen, doch dazu fehlen die Speicherkapazitäten und es braucht einen Ausbau der Netze. Derzeit können die Schwankungen zum Beispiel bei der Windenergie weder regional noch zeitlich ausgeglichen werden. Da braucht es stärkere Investitionen.</p>



<p><strong>Wer ist da in die Pflicht zu nehmen: Nur die Energiebetreiber oder auch der Staat?<br></strong>Soweit es die Infrastruktur betrifft, kommt direkt oder indirekt der Staat schon ins Spiel. Einerseits ist das eine klassische Staatsaufgabe, andererseits sind die Energieerzeugungsbetriebe zu einem großen Teil in öffentlichen Händen, und da geht es dann darum, dass die Gewinne, die erwirtschaftet werden, in Investitionen gehen, statt ins Budget.</p>



<p><strong>Wo braucht es darüber hinaus Investitionen, um das Wachstum der Produktivität, das sich zuletzt sehr verlangsamt hat, wieder ansteigen zu lassen?<br></strong>Da geht es vor allem um Investitionen in moderne Technologien. Da gibt es zwar einige Musterunternehmen in Österreich, aber insgesamt brauchen wir hier mehr Engagement im Bereich der Digitalisierung und da geht es heute nicht mehr ums Internet wie vor 15 Jahren, sondern um Cloud Services, um Künstliche Intelligenz. Da braucht es auch eine stärkere Fokussierung der Forschungsförderung.</p>



<p><strong>Der Blick auf den Arbeitsmarkt zeigt: die Arbeitslosenquote ist ein bisschen höher als sie es zuletzt war. Sie warnen allerdings davor, dass es bald wieder an Arbeitskräften mangeln könnte. Warum?<br></strong>Wirtschaftsprognosen sind oft unsicher. Demografische Prognosen sind da sicherer. Wir sehen, dass durch den demografischen Wandel die Zahl der Arbeitskräfte zurückgehen wird beziehungsweise das schon tut. Daher steigt die Arbeitslosigkeit derzeit auch langsamer als es den Erfahrungswerten nach der langen Rezession entsprechen würde.</p>



<p><strong>Wo raten Sie anzusetzen, um diesem sich abzeichnenden Arbeitskräftemangel entgegenzuwirken?<br></strong>Einerseits geht es nicht nur um Köpfe, sondern um Arbeitszeit: Damit Frauen weniger Teilzeit arbeiten müssen, braucht es den Ausbau von Kinderbetreuung. Andererseits geht es darum, Menschen besser zu qualifizieren. Ein Teil ist hier Weiterbildung. Ein anderer Teil ist: Wir können auf das wachsende Potenzial von jungen Menschen mit Migrationshintergrund nicht verzichten. Hier kommt eine weitere wichtige Funktion des Kindergartens ins Spiel: Kinder, die nur den Nachteil haben, aus einem nicht Deutsch sprechenden Elternhaus zu kommen, müssen dennoch gute Chancen im Bildungssystem haben. Schließlich geht es aber auch darum, Menschen länger im Erwerbsleben zu halten.</p>



<p><br><strong>Sie treten hier für ein höheres Pensionsantrittsalter ein.<br></strong>Ja, das setzt aber natürlich entsprechende Gesundheit und auch altersgerechte Arbeitsplätze voraus. Da muss man investieren. Ich bin auch dafür, das gesetzliche Pensionsantrittsalter hinaufzusetzen, möchte aber anmerken, auch mir ist bewusst, dass es da eine Berücksichtigung sozialer Differenzen braucht. Menschen, die schwer körperlich arbeiten, haben empirisch gesehen ein niedrigeres Einkommen und eine niedrigere Lebenserwartung. Man kann also nicht alle Menschen über einen Kamm scheren.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Die Wünsche der Arbeitgeber:innen decken sich sehr oft nicht mit der Realität.“</p>
<cite><strong>Christoph Badelt<br>Präsident des Fiskalrates und des Produktivitätsrates</strong></cite></blockquote>



<p><strong>De facto ist es aber für Menschen, die mit 50+ arbeitslos werden, heute schon schwer wieder Arbeit zu finden.<br></strong>Der Vorstand des Arbeitsmarktservice (AMS), Johannes Kopf, hat einmal gesagt: Jene Unternehmen, die jammern, dass sie keine Mitarbeiter:innen finden, seien auch oft jene, die nach möglichst jungen, möglichst billigen Arbeitnehmer:innen suchen, die gleichzeitig hoch qualifiziert sind. Die Wünsche der Arbeitgeber:innen decken sich also sehr oft nicht mit der Realität. Arbeitgeber:innen müssen daher auch flexibler werden, was die Beschäftigung von Personen betrifft.</p>



<div class="wp-block-group blauebox"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<h4 class="wp-block-heading">Zur Person</h4>



<p><strong>Christoph Badelt</strong>, geb. 1951 in Wien, ist Wirtschaftswissenschafter. Von 2002 bis 2015 stand er der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien als Rektor vor, 2016 übernahm er die Leitung des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO), die er bis 2021 inne hatte. Heute ist Badelt Präsident des Fiskalrates und des Produktivitätsrates.</p>
</div></div>



<p></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„Ich habe gekämpft und kämpfe weiter für Chancengleichheit“</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2025/06/30/ich-habe-gekaempft-und-kaempfe-weiter-fuer-chancengleichheit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christof Mackinger]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Jun 2025 14:23:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[80 Jahre ÖGB]]></category>
		<category><![CDATA[Christof Mackinger]]></category>
		<category><![CDATA[Eleonora Hostasch]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gewerkschaftsgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichstellung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kompetenz-online.at/?p=22029</guid>

					<description><![CDATA[Bevor sie Sozialministerin wurde war Eleonora Hostasch die erste weibliche Vorsitzende der GPA. Anlässlich des 80-Jährigen Jubiläums des ÖGB haben wir mit ihr zurückgeblickt. KOMPETENZ: Nach deiner Matura hast du in der BAWAG, der Bank für Arbeit und Wirtschaft, zu arbeiten begonnen. Wie bist du eigentlich zur gewerkschaftlichen Arbeit gekommen? ELEONORA HOSTASCH: In der BAWAG [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/06/Lore-Hostasch_1057-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-22031" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/06/Lore-Hostasch_1057-1024x683.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/06/Lore-Hostasch_1057-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/06/Lore-Hostasch_1057-150x100.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/06/Lore-Hostasch_1057-768x512.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/06/Lore-Hostasch_1057-1536x1024.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/06/Lore-Hostasch_1057-2048x1365.jpg 2048w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/06/Lore-Hostasch_1057-600x400.jpg 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/06/Lore-Hostasch_1057-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/06/Lore-Hostasch_1057-272x182.jpg 272w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Die ehemalige Vorsitzende der GPA und Sozialministerin Eleonora Hostasch im Interview. </strong><br>Foto: Nurith Wagner-Strauss</figcaption></figure>



<p><strong>Bevor sie Sozialministerin wurde war Eleonora Hostasch die erste weibliche Vorsitzende der GPA. Anlässlich des 80-Jährigen Jubiläums des ÖGB haben wir mit ihr zurückgeblickt.</strong></p>



<span id="more-22029"></span>



<p><strong>KOMPETENZ: </strong>Nach deiner Matura hast du in der BAWAG, der Bank für Arbeit und Wirtschaft, zu arbeiten begonnen. Wie bist du eigentlich zur gewerkschaftlichen Arbeit gekommen?</p>



<p><strong>ELEONORA HOSTASCH:</strong> In der BAWAG begann ich in der Fachabteilung Ausland, etwas später wurde ich Mitglied des Betriebsrates. Gewerkschaftsmitglied war ich vom ersten Tag an. Durch die Betriebsratstätigkeit entstanden enge Kontakte zur GPA und die habe erste Funktionen übernommen. Ich wurde Vorsitzende der Fachgruppe Banken und stellvertretende Vorsitzende der Sektion Geld und Kredit, ein ziemlich großer Wirtschaftsbereich.</p>



<p><strong>KOMPETENZ: </strong> Du hast dich ja schon damals für die Belange der Kolleginnen engagiert und bist bald auf Ungerechtigkeiten gestoßen.</p>



<p><strong>HOSTASCH:</strong> Die damalige Leiterin der GPA-Frauenabteilung Helga Stubianek, welche auch maßgeblich dazu beigetragen hat, dass ich Vorsitzende der GPA-Frauen wurde, hat mich auf die großen Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen aufmerksam gemacht. Wir haben uns dann die Kollektivverträge auch im Kreditsektor angeschaut und festgestellt, dass zum Beispiel Kinder- und Familienzulagen grundsätzlich nur an Männer ausbezahlt wurden. Erst nach langwierigen Kollektivvertrags-Verhandlungen und mit Inanspruchnahme der Gleichbehandlungskomission konnten diese offenen Diskriminierungen beseitigt werden. Auch die Diskriminierung beim sogenannten Definitivum bei den Sparkassen und Versicherungen konnte gestrichen werden. </p>



<p>Absurd, wenn man so zurück denkt, dass das erst verhandelt werden musste.</p>



<p><strong>KOMPETENZ: </strong> Im Jahr 1989 wurdest du in der Nachfolge von Alfred Dallinger zur GPA-Vorsitzenden gewählt. Welche Themen haben dich bei der Gewerkschaft damals beschäftigt?</p>



<p><strong>HOSTASCH:</strong> Ein dominantes Thema war die Frage, ob Österreich Mitglied der Europäischen Union werden soll. Ich war fasziniert von europäischer und auch internationaler Gewerkschaftsarbeit und hatte einen grundsätzlich positiven Zugang zum Beitritt. Trotzdem musste abgewogen werden, alle Pro und Contras hinsichtlich der Auswirkungen auf die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Österreich hat sich letztlich mit einem überzeugenden Votum für den Beitritt ausgesprochen.</p>



<p>Abgesehen von wirtschaftlichen und sozialen Konsequenzen ist die Europäische Union für mich ein Friedenskonzept.</p>



<p><strong>KOMPETENZ: </strong> Du warst auch Abgeordnete des Nationalrats für die SPÖ und Präsidentin der Arbeiterkammer. Wie war damals die gesellschaftliche Gesprächsbasis für die Anliegen von Frauen?</p>



<p><strong>HOSTASCH:</strong> Das kann vielleicht ein Beispiel aus meinem privaten Umfeld am besten verdeutlichen: Meine Mutti war Alleinerzieherin. Sie wollte einen kleinen Schrebergarten auf der Schmelz kaufen. Sie war in Beschäftigung bei der Gemeinde Wien, hatte ein gutes, regelmäßiges Einkommen. Der Kleingarten-Verein sagte ihr, sie bräuchte die Unterschrift eines Mannes, eines Bürgen. Dann musste tatsächlich ihr Bruder mitunterschreiben, obwohl der kein so gesichertes Einkommen hatte wie meine Mutter. Obwohl ihr Bruder Selbstständiger war, galt er als glaubwürdiger als meine Mutter. Unvorstellbar! </p>



<p>Dank Johanna Dohnal und anderen ist damals wirklich sehr viel geschehen. Und die Gewerkschaften haben da stark mitgeholfen. Nur, locker war es nicht.</p>



<p><strong>KOMPETENZ: </strong> Ab 1997 warst du Teil der Regierung als Bundesministerin für Arbeit, Gesundheit und Soziales. Welche Themen haben damals deine Arbeit geprägt?</p>



<p><strong>HOSTASCH:</strong> Für mich und alle meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter war es eine herausfordernde Zeit. Der Kampf gegen Arbeitslosigkeit, besonders bei den Jugendlichen, aber auch der Kampf für unser Sozialversicherungssystem. Für mich ist es eine tragende Säule unserer Demokratie und ein Bindeglied für alle Gruppen in unserer Gesellschaft. Durch den Regierungswechsel hin zu ÖVP und FPÖ wurde dieses System nachhaltig beschädigt. An den Konsequenzen leiden wir noch heute.</p>



<p><strong>KOMPETENZ: </strong> Was noch ist dir aus deiner Zeit in der Bundesregierung im Gedächtnis geblieben?</p>



<p><strong>HOSTASCH:</strong> Im Jahr 1998 hatte ich als Bundesministerin für Arbeit, Gesundheit und Soziales die erste Präsidentschaft Österreichs in der Europäischen Union mitzugestalten. Neues EU-Mitglied und gleich in der Präsidentschaft, welche Herausforderung! Mich beeindruckte mit welcher Wertschätzung die anderen Mitgliedsländer und auch die europäische Kommission einem vergleichsweise kleinem Land wie Österreich begegneten und uns unterstützten.</p>



<p><strong>KOMPETENZ: </strong> Schließen wir mit einem Blick in die Zukunft. Was magst du, als erfahrene Gewerkschafterin und Sozialpolitikerin unseren Leser:innen mitgeben?</p>



<p><strong>HOSTASCH:</strong> Einer der ganz großen Unterschiede meiner Zeit und jetzt ist, dass heute mit anderen Kommunikationsmethoden und Medien gearbeitet wird. Das prägt schon sehr das gesellschaftliche Profil. Wir müssen noch lernen damit umzugehen. Es bleibt wichtig auf Augenhöhe einander zu begegnen, aufeinander Rücksicht nehmen, Toleranz zeigen und die Sprache nicht zu verrohen.</p>



<p>Die Leistungen der Erwerbstätigen müssen gleichwertig anerkannt werden. Sie müssen an den erwirtschafteten Produkten, am Wirtschaftserfolg gleichermaßen beteiligt werden. Die Verteilungsfrage ist eine zentrale Frage in unserer Gesellschaft.</p>



<p>Wir müssen zusammen versuchen eine prosperierende Wirtschaft am Laufen zu halten, wettbewerbsfähig bleiben. Da müssen die Arbeitgeber:innen auch auf die Arbeitnehmer:innen zugehen. Wir brauchen das gemeinsame Ziel vor Augen: Die Wirtschaft voranbringen, gemeinsam ein Sozialprodukt erwirtschaften, das wir dann gerecht verteilen können.</p>



<p>Eine letzte feministische Bemerkung: Ich bin glücklich und stolz mit Barbara Teiber eine weibliche Vorsitzende unterstützen zu können, mit Renate Anderl eine starke weibliche Interessensvertreterin in der Sozialpartnerschaft zu haben und mit Korinna Schumann eine empathische, durchsetzungsstarke Kämpferin um soziale Gerechtigkeit in unserem Sozialministerium zu wissen. Mir ist aus eigener Erfahrung bewusst, wie groß die Herausforderungen in diesen Funktionen sind.</p>



<p>Nichts kommt von selbst, seien wir stolz auf unsere Erfolge. Wir kämpfen weiter</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
