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	<title>Johann Kalliauer &#8211; KOMPETENZ-online</title>
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	<title>Johann Kalliauer &#8211; KOMPETENZ-online</title>
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		<title>Gewalt am Arbeitsplatz – ein Berufsrisiko?</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2021/04/19/gewalt-am-arbeitsplatz-ein-berufsrisiko/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Barbara Lavaud]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Apr 2021 16:53:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Arbeitsmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeiterkammer]]></category>
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					<description><![CDATA[Nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie sind immer mehr Beschäftigte mit Gewalt am Arbeitsplatz konfrontiert. Die AK Oberösterreich pocht auf die Fürsorgepflicht der Unternehmen und kämpft für einen besseren Schutz für die Betroffenen.]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie sind immer mehr Beschäftigte mit Gewalt am Arbeitsplatz konfrontiert. Die AK Oberösterreich pocht auf die Fürsorgepflicht der Unternehmen und kämpft für einen besseren Schutz für die Betroffenen.</strong></p>



<span id="more-16687"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Eine junge Verkäuferin aus dem Raum Linz berichtet, ihr Chef habe ihr im Beisein von KollegInnen auf die Brüste gegriffen und dabei sexuell anzügliche Bemerkungen gemacht. Auf ihre empörte Frage, was das denn soll, antwortete der Chef: „Stell dich nicht so an.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein anderer Arbeitnehmer aus Oberösterreich bekam von seinem Vorgesetzten so viele zusätzliche Arbeitsaufgaben aufgebürdet, dass ihm alles zu viel wurde. Noch dazu stellte ihn sein Chef ständig bloß und beleidigte ihn, bis er am Ende krank wurde und seinen Job verlor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Solche und ähnliche Fälle sind leider nicht die Ausnahme. Viel zu viele Beschäftigte sind mit physischer, psychischer oder sexualisierter Gewalt konfrontiert. Gewalt am Arbeitsplatz ist ein Tabuthema, doch nun hat sich eine aktuelle Studie der Arbeiterkammer Oberösterreich erstmals ausführlich mit dem gesamten Problemfeld befasst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ergebnisse der Studie sind alarmierend: Von physischer Gewalt &#8211; also Tätlichkeiten und körperlichen Übergriffen &#8211; am Arbeitsplatz waren im vergangenen Jahr sieben Prozent der ArbeitnehmerInnen betroffen. Acht Prozent wurden ZeugInnen von solchen Vorfällen. Gewalt am Arbeitsplatz bedeutet aber nicht nur körperliche Gewalt: Ein Drittel der Beschäftigten in Österreich war schon Opfer von übler Nachrede, Tuscheln oder Gerüchten, fast die Hälfte hat dies bei anderen beobachtet. 15 Prozent haben Ausgrenzung erlebt, 11 Prozent waren von Mobbing und Drohungen betroffen. ArbeitnehmerInnen mit Migrationshintergrund berichten öfter davon, ausgegrenzt oder ignoriert zu werden. Sexualisierte Gewalt, von der Belästigung bis zum Übergriff, betrifft am häufigsten junge Frauen unter dreißig: Zehn Prozent von ihnen gaben an, betroffen zu sein.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Handel: Aggressive KundInnen</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Seit Beginn der Corona-Pandemie hat sich die Situation zusätzlich verschärft. Die Auswertung des aktuellen Arbeitsklima-Index der AK OÖ ergab, dass Beschimpfungen, Beleidigungen und Mobbing um zehn Prozentpunkte zugenommen haben, bei körperlicher Gewalt ist ein Anstieg von zwei Prozentpunkten zu beobachten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch eine Befragung der Beschäftigten im Handel durch die GPA brachte schlechte Erfahrungen und Sorgen bezüglich Gewalt am Arbeitsplatz zutage. Der Fleckerlteppich an Regelungen und Maßnahmen führt zu Verunsicherung, leider aber auch vermehrt zu Aggressionen seitens der KundInnen. Die Wut und die Frustration, die sich durch die schwierigen Lebensumstände anstauen, entladen sich immer öfter in den Geschäften. Das führt zu teils gravierenden Problemen für die Beschäftigten. So erzählt z.B. eine Angestellte eines Supermarkts von „Kunden, die den ganzen Frust an uns Verkäuferinnen auslassen. Das war zwar schon immer so, aber jetzt ist es echt schlimm, fast täglich hat man einen oder mehrere Kunden, die herumpöbeln.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine andere Verkäuferin berichtet von KundInnen, die sich weigern, ihre Maske zu tragen und sich dann bei der Firmenleitung beschweren, wenn sie vom Verkaufspersonal darauf aufmerksam gemacht werden. Dass in solchen Situationen die Arbeitgeber ihre Beschäftigten unterstützen, ist leider nicht selbstverständlich: „Wir würden uns wünschen, dass auch die Firma hinter uns steht, wenn die Kunden sich über uns beschweren – und nicht, dass wir noch eins drauf bekommen!“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Folgen von Gewalt</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Ungehaltene KundInnen, aggressives Verhalten, verbale Gewalt bis hin zu Pöbeleien, all das verursacht großen zusätzlichen Stress. Eine Teilnehmerin der GPA-Befragung fasst diesen deprimierenden Alltag der Verkäuferinnen so zusammen: „Es ist eine große psychische Belastung, ständig Angst zu haben, von jemandem verbal attackiert zu werden.“</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Es ist eine große psychische Belastung, ständig Angst zu haben, von jemandem verbal attackiert zu werden.“</p><cite>Verkäuferin, anonym, Befragung der GPA</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Die Folgen von Gewalt und Mobbing am Arbeitsplatz können von körperlichen und psychischen Schäden bis hin zur Arbeitsunfähigkeit reichen. Auch MitarbeiterInnen, die einen Vorfall nur beobachtet haben, können danach unter erhöhtem Stress leiden. Insgesamt wirkt sich Gewalt natürlich auch negativ auf die Motivation und Arbeitsleistung aus. Somit wird Gewalt in der Folge zum Problem für Teams und ganze Unternehmen, da sie zu einem schlechten Arbeitsklima, geringerer Produktivität, mehr Arbeitsunfällen und erhöhter personeller Fluktuation führt. Letztlich entstehen für das Unternehmen hohe finanzielle Kosten.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Verantwortung der Arbeitgeber</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die beiden eingangs erwähnten ArbeitnehmerInnen aus Oberösterreich, die Opfer von Gewalt am Arbeitsplatz wurden, bekamen vor Gericht Recht und die Arbeiter­kammer konnte für sie Schadenersatzzahlungen erkämpfen. Damit wurde den gewaltbereiten Chefs klar vor Augen geführt, dass sie zu weit gegangen sind. Wie sieht nun der arbeitsrechtliche Rahmen bei Gewalt aus, welche Rechte haben die Beschäftigten, welche Pflichten die Arbeitgeber?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Konflikte und Gewalt am Arbeitsplatz werden gerne als individuelle Probleme zwischen zwei oder mehr Personen abgetan. Tatsächlich haben sie aber viel öfter strukturelle oder organisatorische Ursachen: Überfüllte enge Räume, Nachtarbeit, Arbeits- und Leistungsdruck oder schlechtes Führungsverhalten begünstigen aggressives Verhalten und Gewalt. Führungskräfte kommen ihrer Verantwortung in Konflikten oft spät oder gar nicht nach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Arbeitgeber haben die Pflicht, Leben, Gesundheit und Würde ihrer Beschäftigten am Arbeitsplatz zu schützen. Diese sog. Fürsorgepflicht ist gesetzlich verankert, ein Unternehmen ist daher verpflichtet, im Fall von Übergriffen und Gewalt für Abhilfe zu sorgen. Konkret heißt das: Arbeitgeber müssen Betroffene schützen, aber auch die Beschäftigten und ihre Führungskräfte sensibilisieren und schulen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Gewaltprävention</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Zur Fürsorge gehört daher auch Gewaltprävention. Weder für den Umgang mit Gewalt noch für Prävention gibt es ein Wundermittel, es gibt jedoch sehr wohl Handlungsmöglichkeiten. Diese reichen von baulichen und technischen Maßnahmen über Schulungen, Supervision und Coaching bis hin zu arbeitsmedizinischen Maßnahmen und Betriebsvereinbarungen. Auch ein guter Motivationskündigungsschutz stärkt jene KollegInnen, die sich aktiv gegen Gewalt zur Wehr setzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beim Erarbeiten von betrieblichen Vereinbarungen, die ein zentrales Instrument bei der Bekämpfung von Gewalt darstellen, finden BetriebsrätInnen auch in der GPA Rat und Hilfe zu dem Problemfeld: „Wir unterstützen bei der Prävention und helfen, Betriebsvereinbarungen zu formulieren und auch zu verwirklichen,“ erklärt Isabel Koberwein, Expertin in der Grundlagenabteilung der GPA (mehr dazu in diesem Video).</p>



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<h4 class="wp-block-heading">Fürsorgepflicht ernst nehmen</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Johann Kalliauer, Präsident der Arbeiterkammer Oberösterreich, will die Arbeitgeber stärker in die Pflicht nehmen: „Unternehmen haben die gesetzlich verankerte Fürsorgepflicht und müssen sich permanent um die physische und psychische Unversehrtheit ihrer Beschäftigten kümmern. Es liegt in ihrer Verantwortung, die Prävention von Gewalt und den Umgang mit Gewalt ernst zu nehmen sowie Maß­nahmen zu setzen, um Gewalt zu verhindern“, appelliert Kalliauer, denn „die Beschäftigten brauchen gewaltfreie Arbeitsplätze, kompetente Führungskräfte und klare Regelungen in Form von Betriebsvereinbarungen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Risiko von Gewalt am Arbeitsplatz sinkt, wenn Arbeitsplätze räumliche Barrieren und Rückzugsmöglichkeiten bieten.&nbsp; Auch der Zeit- und Arbeitsdruck kann durch ausreichende Personalausstattung verringert werden und so für ein verbessertes Arbeitsklima sorgen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn das alles nichts hilft und Beschäftigten in der Arbeit Gewalt widerfährt, dann ist der Arbeitgeber im Rahmen der Fürsorgepflicht verantwortlich, die Betroffenen zu schützen und zu unterstützen. Dafür braucht es medizinische oder psycholog­ische Angebote zur Nachsorge sowie das Recht auf einen Schadenersatz“, fordert Kalliauer.</p>



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<h4 class="wp-block-heading"><strong>Die Gewerkschaft GPA hilft</strong></h4>



<p class="wp-block-paragraph">GPA-Mitgliedern steht ein vielfältiges <a rel="noreferrer noopener" aria-label="Beratungsangebot (öffnet in neuem Tab)" href="https://www.gpa-djp.at/cms/A03/A03_3.9/ueber-uns/kontakt" target="_blank">Beratungsangebot</a> zu arbeitsrechtlichen Fragen zur Verfügung. Nicht-Mitglieder können unter 050301-301 eine kostenlose Erstberatung in Anspruch nehmen. </p>
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		<title>Frauen schultern die Krise – und verdienen immer noch zu wenig</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2020/12/01/frauen-schultern-die-krise-und-verdienen-immer-noch-zu-wenig/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Barbara Lavaud]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Dec 2020 07:58:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gleichstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Kollektivvertrag]]></category>
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					<description><![CDATA[Eine Befragung der AK OÖ zeigt, dass Frauen sich in systemtragenden Berufen zwar extrem verausgaben, aber immer noch die finanzielle Anerkennung fehlt. Besonders die Pflegerinnen geraten ans Limit.]]></description>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/12/AdobeStock_361229946-1024x683.png" alt="" class="wp-image-15652" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/12/AdobeStock_361229946-1024x683.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/12/AdobeStock_361229946-300x200.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/12/AdobeStock_361229946-150x100.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/12/AdobeStock_361229946-768x512.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/12/AdobeStock_361229946-600x400.png 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/12/AdobeStock_361229946-720x480.png 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/12/AdobeStock_361229946-272x182.png 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/12/AdobeStock_361229946.png 1500w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Eine Befragung der AK OÖ zeigt, dass Frauen sich in systemtragenden Berufen zwar extrem verausgaben, aber immer noch die finanzielle Anerkennung fehlt. Besonders die Pflegerinnen geraten ans Limit.</strong></p>



<span id="more-15648"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Medizinisches Personal, PflegerInnen, Handelsangestellte, PädagogInnen, oder auch Reinigungskräfte, PolizistInnen und PostlerInnen – sie alle sind für das Funktionieren unserer Gesellschaft unverzichtbar, das hat uns die Corona-Pandemie klar vor Augen geführt. Diese so genannten systemrelevanten Berufe halten unser Land und die Wirtschaft am Laufen. Eine Million Menschen arbeiten in Österreich in systemrelevanten Berufen, zwei Drittel davon sind Frauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Entlohnung ist im Vergleich zu anderen Branchen niedrig. So haben sieben von zehn Beschäftigten in frauentypischen systemrelevanten Berufen ein Netto-Einkommen (inklusive Beihilfen und Unterhaltszahlungen) von unter 1.800 Euro.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Für ihren mutigen Einsatz und ihre Loyalität unter erhöhtem Ansteckungsrisiko verdienen die Menschen mehr Wertschätzung und echte finanzielle Anerkennung.“</p><cite>Johann Kalliauer</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Wie groß der Arbeitseinsatz und die Belastung sind, das zeigt eine aktuelle Auswertung des Arbeitsklima-Index, den das IFES gemeinsam mit der AK Oberösterreich regelmäßig erhebt. AK-OÖ-Präsident Johann Kalliauer fordert aufgrund der Ergebnisse der Umfrage: „Für ihren mutigen Einsatz und ihre Loyalität unter erhöhtem Ansteckungsrisiko verdienen die Menschen mehr Wertschätzung und echte finanzielle Anerkennung.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Pflegeberufe</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die Beschäftigten in der Pflege rückten gleich zu Beginn der Coronakrise ins Zentrum der Aufmerksamkeit, als nämlich im Frühjahr plötzlich die ausländischen 24-Stunden-BetreuerInnen nicht mehr ohne weiteres einreisen konnten. Die dringende Nachfrage nach Arbeitskräften in dieser Branche wurde offensichtlich. In den Pflegeberufen beträgt der Frauenanteil übrigens 82 Prozent.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Belastungen sind stärker als in vielen anderen Berufen, nicht nur körperlich: Fast die Hälfte (46 Prozent) der Beschäftigten in der Pflege – das sind 4 Mal mehr als in anderen Berufen – empfindet die eigene Arbeit psychisch belastend. Ein Drittel klagt über Zeitdruck, ein Viertel sieht sich außerdem ständigem Arbeitsdruck und wechselnden Arbeitsabläufen ausgesetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie in vielen Bereichen funktioniert auch hier Corona als Vergrößerungsglas für Probleme, die längst bekannt waren. Dazu gehört auch die Mehrfachbelastung durch Arbeit, Haushalt, Kinderbetreuung. Nun kam im Lockdown noch Home-Schooling dazu. Knapp die Hälfte (47 Prozent) der Frauen in systemrelevanten Berufen arbeiten Teilzeit &#8211; in der Pflege sind es 70 Prozent. Denn anders ist die Arbeitsbelastung nicht zu stemmen.&nbsp; Erschwerend kommen nämlich noch unregelmäßige Arbeitszeiten wie Schicht- oder Turnusdienste und Samstagsarbeit hinzu. Im Gegensatz zu anderen Berufsfeldern gibt es naturgemäß kaum Gleitzeitregelungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und während im ersten Lockdown bis zu einem Drittel der Beschäftigten in Österreich ins Home-Office wechseln konnte, war das für Frauen in systemrelevanten Berufen nicht möglich. Neun von zehn Frauen müssen am üblichen Arbeitsort tätig sein. Entsprechend groß ist auch die Angst, sich mit dem Virus anzustecken.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>BetriebsrätInnen schlagen Alarm</strong></h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die Mischung aus Überlastung, Angst und zusätzlichen Problemen wie dem Maskentragen, hat im November zu einem Appell der in der GPA organisierten Tiroler BetriebsrätInnen aus dem Pflege-, Gesundheits- und Sozialbereich an die politischen Verantwortlichen geführt. Psychisch stoßen mittlerweile alle an ihre Grenzen, die Corona-Krise hat die ohnehin schwierige Situation nochmals verschärft. Und: das stundenlange Tragen der MNS-Masken hinterlässt Spuren. Gefordert werden daher Masken-Pausen sowie eine Neuauflage der Corona-Zulage.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Wir alle haben große Angst, das Virus ins Heim zu tragen. Wir haben Familien, eine hundertprozentige Sicherheit kann niemand der Beschäftigten garantieren. Mit dieser riesigen Verantwortung werden wir komplett allein gelassen.“</p><cite>Margit Luxner, Betriebsratsvorsitzende in einem Pflegeheim</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Margit Luxner, Betriebsratsvorsitzende in einem Kitzbüheler Altenpflegeheim, beschreibt die Lage wie folgt: „Wir alle haben große Angst, das Virus ins Heim zu tragen. Wir haben Familien, eine hundertprozentige Sicherheit kann niemand der Beschäftigten garantieren. Mit dieser riesigen Verantwortung werden wir komplett allein gelassen.“ Zugleich wurden durch den Lockdown die Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung und damit der Ausgleich zum Arbeitsalltag stark beschränkt. Luxner: „Wir wissen nicht mehr, wie wir mit unseren Emotionen umgehen sollen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig – fast möchte man sagen: trotzdem &#8211; ist eine hohe Identifikation mit dem Pflegeberuf zu beobachten: 88 Prozent der PflegerInnen geben an, dass sie mit der Art und dem Inhalt ihres Berufs zufrieden sind, das sind sieben Prozentpunkte mehr als in anderen Berufen. Und 82 Prozent würden wieder im selben Betrieb zu arbeiten beginnen. Aber: Vier von zehn sind in Sorge, ob sie bis zur Pension durchhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Folgen der extremen Belastungen werde sich womöglich erst nach der Krise zeigen, glaubt Luxner: „Ich befürchte, dass danach viele den Job hinschmeißen, in Frühpension gehen oder Stunden reduzieren. Wir alle machen unsere Arbeit gerne, aber wenn man so ausgebrannt ist wie jetzt, geht eigentlich nichts mehr.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Forderungen Pflegeberufe</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Anfang dieses Jahres konnte die GPA (gemeinsam mit der Gewerkschaft vida) in schwierigen Verhandlungen die Arbeitsbedingungen und das Gehalt von Beschäftigten im Pflege-, Betreuungs- und Sozialbereich verbessern. Beschäftigte im Kollektivvertrag „Sozialwirtschaft Österreich“ bekommen mit Januar 2021 2,08 Prozent mehr Gehalt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">GPA- Chefverhandlerin Eva Scherz sieht das Gehaltsplus in der Krisensituation im Vergleich zu anderen Branchen als einen deutlichen Gewinn: „Der dreijährige Abschluss zu Anfang dieses Jahres war zum klaren Vorteil der Beschäftigten.“ Dazu kommt ein weiterer Verhandlungserfolg, nämlich die 37-Stunden-Woche ab 2022.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Die Pflegeberufe müssen attraktiver werden, sowohl von der Arbeitszeit her, als auch was die Bezahlung angeht.“</p><cite>Eva Scherz, Verhandlerin für den Sozialwirtschaftskollektivvertrag</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">„Unser Ziel ist nach wie vor eine weitere Senkung der Wochenarbeitszeit bei vollen Gehaltsausgleich“, betont Eva Scherz. „Die Pflegeberufe müssen attraktiver werden, sowohl von der Arbeitszeit her, als auch was die Bezahlung angeht.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Österreichs Bevölkerung wird immer älter, daher steigt auch die Nachfrage nach Pflegekräften. Laut einer Studie des Sozialministeriums besteht bis 2030 landesweit &nbsp;ein Bedarf an 76.000 weiteren PflegerInnen. Zurzeit werden Arbeitslosen – darunter auch Menschen, die durch Corona ihren Job verloren haben – Umschulungen auf Pflegeberufe angeboten. Eine sinnvolle Initiative? „Die Branche sucht dringend nach mehr Personal! Das Angebot an offenen Stellen ist da, und das wird sich so schnell sicher nicht ändern, im Gegenteil. Arbeiten in der Pflege ist zukunftssicher,“ ist Scherz überzeugt.</p>



<h4 class="wp-block-heading">PädagogInnen</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht nur die Pflegeberufe klagen über fehlende Arbeitskräfte, auch in den Kindergärten fehlen PädagogInnen. Nur so können die Gruppen verkleinert und die Qualität der pädagogischen Arbeit sichergestellt werden. In Kindergärten arbeiten 87 Prozent Frauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Beschäftigten in privaten Einrichtungen für Kinderbildung oder Kinderbetreuung konnte die GPA 300 Euro Corona-Gefahrenzulage ausverhandeln. Beim Mindesttarif konnte eine Anhebung von 3 Prozent erreicht werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem bleiben noch etliche Baustellen offen: so benötigen die Kindergärten endlich bundeseinheitliche Rahmenregelungen, die PädagogInnen brauchen mehr Zeit für die Vor- und Nachbereitung ihrer Arbeit mit den Kindern, und natürlich braucht es den kontinuierlichen Ausbau der Bildungs- und Betreuungseinrichtungen. Und entsprechend auch: eine Personaloffensive. „Seit Jahren schon fordern wir kleinere Gruppen und mehr Personal. Ich glaube, durch Corona wird jetzt endlich sichtbar, was diese Pädagoginnen leisten“, betont Eva Scherz. „Trotz Lockdown müssen die Kindergärten geöffnet bleiben, anders ist es nicht möglich. Hygiene, Abstand halten, das alles ist mit Kindergartenkindern eine ständige Herausforderung. Die Beschäftigten geraten an ihre Grenzen!“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Einzelhandel</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Auch der Einzelhandel ist eine Branche, wo überwiegend Frauen arbeiten (85 Prozent) und die ihren Beschäftigten im Lauf der Krise einiges abverlangt hatte. Während die Supermärkte und Drogeriemärkte durchgehend geöffnet hatten und die Beschäftigten dort einem erhöhten Risiko der Ansteckung ausgesetzt waren, mussten die nicht lebensnotwendigen Geschäfte während der beiden Lockdowns schließen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der letzte KV-Abschluss im Oktober trug diesen besonderen wirtschaftlichen Bedingungen Rechnung und brachte ein Gehaltsplus von 1,5 Prozent, verbunden mit der Aufforderung der Sozialpartner an jene Betriebe, die es sich leisten können, eine Corona-Prämie von mindestens 150 Euro an die Beschäftigten auszuzahlen. Davon wird jede/r vierte Beschäftigte profitieren. &#8222;Der Handel hilft sich damit selbst, denn Handelsangestellte sind auch Konsumenten&#8220;, sagt Anita Palkovich, KV-Verhandlerin der GPA. Die großen Supermarktketten Österreichs bekannten sich durchgehend zu dieser Vereinbarung der Bonuszahlungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aktuell zeigt jedoch die Debatte um die Sonntagsöffnung im Advent, wie wenig Bewusstsein bei vielen Arbeitgebern herrscht, wenn es um die Belastbarkeit der Beschäftigten geht. Die GPA hat hier seit Jahren eine klare und strikte Haltung dagegen. „Wir haben die Handelsangestellten dutzendfach zur Sonntagsöffnung befragt, diese wird mit großer Mehrheit abgelehnt,“ betont GPA-Vorsitzende Barbara Teiber.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Corona hat all diesen systemrelevanten Frauen jedoch nicht nur Stress bereitet, sondern auch Wertschätzung gebracht. Auch wenn rund ein Viertel dieser Frauen glauben, dass sie von der aktuellen Krise härter getroffen werden als andere Beschäftigte, so finden doch auch 57 Prozent von ihnen, dass ihre Arbeit jetzt mehr respektiert wird als vor der Krise, so das Ergebnis des Arbeitsklima-Index.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der große Knackpunkt aber ist und bleibt das Einkommen diese Frauen: Fast 70 Prozent berichten, dass sie weniger als 1.800 Euro verdienen, bei 12 Prozent sind es sogar weniger als 900 Euro. Kein Wunder, dass fast zwei Drittel angeben, dass ihr Einkommen „gerade so“ oder gar nicht zum Überleben reicht. Erschreckend auch, dass mehr als drei Viertel befürchten, dass sie mit ihrer späteren Pension nicht auskommen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">AK-Präsident Johann Kalliauer fordert daher mehr Wertschätzung und vor allem auch finanzielle Anerkennung für diese Beschäftigten: „Ohne sie wäre es finster in unserem Land, das Gesundheitssystem würde zusammenbrechen, die Versorgung mit lebensnotwendigen Gütern kollabieren. Dass sie dafür Applaus ernten, ist nett. Davon können sie aber nicht leben“, kritisiert Kalliauer und fordert: „Darum ist es höchste Zeit für den Corona-Tausender, eine Erhöhung aller Mindestlöhne auf 1.700 Euro und des Arbeitslosengeldes auf 70 Prozent des Letztbezugs, damit auch jene besser abgesichert sind, die in der Krise ihren Job verloren haben.“</p>



<p class="blauebox has-weiss-background-color has-background wp-block-paragraph"><strong>Wir Kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen in den Kindergärten und Kindergruppen. </strong><br>Kinder brauchen qualitativ hochwertige Betreuung, deshalb fordern wir:<br>&#8211; Einheitliche Regelungen für ganz Österreich<br>&#8211; Eine bessere finanzielle Ausstattung für die Kinderbetreuung<br>&#8211; Ausreichende Vor- und Nachbereitung<br>&#8211; Einen besseren Erwachsenen-Kind-Schlüssel in den Gruppen<br><strong>Wenn du unseren Kampf um bessere Arbeitsbedingungen und mehr Ressourcen im Kindergarten unterstützen möchtest, <a href="https://www.gpa.at/mitglied-werden" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="kannst du Mitglied der Gewerkschaft GPA werden (öffnet in neuem Tab)">kannst du Mitglied der Gewerkschaft GPA werden</a>. Jedes Mitglied macht uns gemeinsam stärker. </strong></p>
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