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	<title>Kapitalismus &#8211; KOMPETENZ-online</title>
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	<title>Kapitalismus &#8211; KOMPETENZ-online</title>
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		<title>„Solidarität ist ein Überlebensprinzip“</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2021/07/06/solidaritaet-ist-ein-ueberlebensprinzip/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Margaretha Kopeinig]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 Jul 2021 09:54:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Internationales]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Wolfgang Maderthaner]]></category>
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					<description><![CDATA[Auch in einer Zeit der Umbrüche ist kollektive Solidarität mehr denn je gefragt. Der Historiker  analysiert die Entwicklung von Solidarität unter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. „Heute“, sagt er, geht solidarisches Verhalten Hand in Hand mit einer „großen Bildungsbewegung. Es geht um ein neues sozial-egalitäres Bewusstsein“.]]></description>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Maderthaner-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-17139" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Maderthaner-1024x683.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Maderthaner-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Maderthaner-150x100.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Maderthaner-768x512.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Maderthaner-600x400.jpg 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Maderthaner-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Maderthaner-272x182.jpg 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Maderthaner.jpg 1500w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption><strong>Wolfgang Maderthaner, Historiker und ehemaliger Direktor des Österreichischen Staatsarchives.</strong></figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Auch in einer Zeit der Umbrüche ist kollektive Solidarität mehr denn je gefragt. Der Historiker Wolfgang Maderthaner analysiert die Entwicklung von Solidarität unter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. „Heute“, sagt er, geht solidarisches Verhalten Hand in Hand mit einer „großen Bildungsbewegung. Es geht um ein neues sozial-egalitäres Bewusstsein“.</strong></p>



<span id="more-17134"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Fragt man Wolfgang Maderthaner, den bekannten Historiker und ehemaligen Direktor des Österreichischen Staatsarchives, nach der Bedeutung von Solidarität in der Gewerkschaftsbewegung, dann holt er weit aus: „Es gibt eine Begrifflichkeit, die sehr früh von jenen Intellektuellen verwendet wurde, die sich der Arbeiterbewegung zugehörig fühlten, damals am Beginn der industriellen Revolution. Die Rede war von Atomisierung.“ Der Begriff bedeutet nichts Anderes als dass Arbeitnehmer unter den neuen Formen der Produktion, genannt industrieller Kapitalismus, ihre Arbeitskraft laufend unter ihrem Wert verkaufen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Maderthaner beschreibt es aber anschaulicher und spannt den Bogen zur Jetzt-Zeit: „Der Terminus der Atomisierung charakterisiert die Vereinzelung des Ausgebeuteten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts paradigmatisch. Aber, und das ist der Punkt: Das passiert heute in viel, viel radikalerer Weise. In orthodoxer Weise“, findet der Universitätsprofessor und skizziert die neue Entwicklung. „Seit dem Jahr 2000 gehen wir durch eine permanente Krise. 2008/2009 gab es den Zusammenbruch der Banken und des Finanzsystems mit der Folge steigender Arbeitslosigkeit in manchen EU-Staaten, vor allem Jugendliche waren damals extrem betroffen. Dann kam das Ringen um Griechenland mit den hohen Staatsschulden und seinen Verbleib in der Währungsunion. Unmittelbar danach begann 2015 die Flüchtlings- und Migrationskrise, die bis heute nicht gelöst ist. Und schließlich landeten wir in der Corona-Pandemie und damit in einer Gesundheits- und Sozialkrise.“ Die Lockdowns haben Folgen für viele Arbeitnehmer: „Das Zurückgeworfensein auf sich selbst durch das Arbeiten vor dem Bildschirm zu Hause oder in Form von Kurzarbeit hat zu einer radikalen Vereinzelung geführt und sich massiv als Normalität verfestigt. Viele haben das Bewusstsein verloren, Teil eines großen Ganzen zu sein“, analysiert Maderthaner und fügt nachdenklich hinzu: „Diese Entwicklung rührt an den Grundfesten der Arbeiterbewegung.“</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Solidarität war immer ein Grundpfeiler der Gewerkschaft. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts reagierte die internationale Arbeiterschaft mit dem Bewusstsein, kein isoliertes Einzelnes zu sein, sondern unbesiegbar als Masse.</p><cite>Wolfgang Maderthaner</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Der Historiker empfiehlt in der aktuellen Situation einen Blick zurück: „Solidarität war immer ein Grundpfeiler der Gewerkschaft. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts reagierte die internationale Arbeiterschaft mit dem Bewusstsein, kein isoliertes Einzelnes zu sein, sondern unbesiegbar als Masse.“ Die damalige Erzählung las sich wie folgt: „Wir sind es, die die Werte schaffen. Wir haben das Recht auf einen angemessenen Teil des gesellschaftlichen Reichtums. Unsere vornehmste Aufgabe ist es, die Arbeiterschaft mit dem Bewusstsein ihrer Lage zu erfüllen, nämlich mit ihrem Wert.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, und was heißt das heute? „Die Generation nach 1945 war die Generation der Hoffnung und der Erfüllung. Das Prinzip der Solidarität wurde in der Nachkriegszeit plötzlich zu einem verfestigten gesellschaftlichen Wert. Gemeinsam wurde der Wohlfahrtsstaat aufgebaut. Man hat Kollektivverträge erzielt, an die man nicht zu denken wagte. Soziale Standards wurden eingeführt, zum Beispiel die Altersabsicherung, die für eine Generation davor einfach nicht vorstellbar war. Diese Entwicklungen wurden als gewaltige Gesellschaftsleistung wahrgenommen. Heute werden sie als etwas Selbstverständliches, als immer Dagewesenes, betrachtet.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Zeitalter der fortschreitenden Digitalisierung und der künstlichen Intelligenz, einer neuen technologischen Revolution, die unser Bewusstsein rasch verändert, sind die kollektive Solidarität und die errungenen Wohlfahrtssysteme mit ihrer Absicherung keineswegs passé.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir sind in einer Zeit des Umbruches“, betont Maderthaner. Die Technik schreitet voran, die Appelle an Solidarität sind so unglaublich verständlich, auch die Sehnsucht nach gesellschaftlichem Zusammenhalt und einem erfolgreichen Zusammenwirken von Frauen und Männern. „Es gibt massive Appelle an den alten Wert der Solidarität, an Wertschätzung, Emanzipation und einem konstruktiven Dialog. Wir kommen in einer technologischen und sozialen Revolution auf die alten Werte zurück, weil diese in einer Umbruchsituation Sicherheit garantieren können“, beschreibt der Historiker die neuen Entwicklungen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Der Grundwert der Solidarität könnte erst dann wieder relevant werden, wenn es einem großen Teil unserer Gesellschaft schlechter geht. Das ist meine Sorge.</p><cite>Wolfgang Maderthaner</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Der Appell für mehr Solidarität geht mit der zunehmenden Fremdbestimmung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Hand in Hand. „Die Entfremdung von unserem Arbeitsprodukt ist heute noch radikaler als in der Vergangenheit. Deswegen ist das solidarische Zusammenwirken der Vielen notwendig. Damit soll verhindert werden, dass uns die Lebensgrundlage entzogen wird. Kurzum: Solidarität ist ein Überlebensprinzip.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wolfgang Maderthaner weist darauf hin, dass die „radikale Transformation der Produktivkräfte zwar Fortschritt schafft, gleichzeitig aber auch zu einer Zerstörung führt, die im Augenblick auch als Zerstörung unserer Umwelt greifbar ist“. Auch hier ist Solidarität gefragt. „Aber nicht nur als Sicherung unserer sozialen und kulturellen Standards, sondern auch als Rettung der Umwelt, des Raumes, in dem wir leben und arbeiten.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn das zuversichtlich klingt, Maderthaner ist vorerst noch skeptisch: „Der Grundwert der Solidarität könnte erst dann wieder relevant werden, wenn es einem großen Teil unserer Gesellschaft schlechter geht. Das ist meine Sorge“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was müssen die Gewerkschaften jetzt tun, um dieses Szenario zu vermeiden? „Sie müssen alles unternehmen, dass es nicht so weit kommt“, sagt der Historiker. Dabei spielt der Faktor Bildung eine große Rolle. „Es geht um massive Bildung. Nicht im alten Sinne. Aus der alltäglichen Praxis, aus den Vereinzelungserfahrungen, muss eine große Bildungsbewegung entstehen. Es muss Gegenwissen vermittelt werden und das Bewusstsein, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Werte schaffen. Es geht um ein neues sozial-egalitäres Bewusstsein.“</p>
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		<title>Buchtipp: Wir Untoten des Kapitals</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2020/07/08/buchtipp-wir-untoten-des-kapitals/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Bunke]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Jul 2020 09:50:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Buchtipp]]></category>
		<category><![CDATA[Buchbesprechung]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Bunke]]></category>
		<category><![CDATA[Kapitalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Raul Zelik]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftskrise]]></category>
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					<description><![CDATA[Im Buch "Wir Untoten des Kapitals“ von Raul Zelik geht es um (Ohn)macht und (Gegen)macht und um die Frage wie ein linker Gegenentwurf zur herrschenden (Un)ordnung ausschauen kann.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="576" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/07/Buchtipps_untote-1024x576.png" alt="" class="wp-image-14208" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/07/Buchtipps_untote-1024x576.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/07/Buchtipps_untote-300x169.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/07/Buchtipps_untote-150x84.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/07/Buchtipps_untote-768x432.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/07/Buchtipps_untote.png 1500w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Grafik: GPA-djp-Öffentlichkeitsarbeit</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Im Buch &#8222;Wir Untoten des Kapitals“ von Raul Zelik geht es um (Ohn)macht und (Gegen)macht und um die Frage wie ein linker Gegenentwurf zur herrschenden (Un)ordnung ausschauen kann.</strong></p>



<span id="more-14203"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Die bedeutendsten Monster des Horrorgenres des vergangenen Jahrzehnts waren die Zombies. Zahlreiche Filme, Fernsehserien, Bücher, Comics und Videospiele haben sich ihnen gewidmet – mal in ihrer langsam vor sich hin humpelnden Version, oder in ihrer moderneren Variante als unaufhaltsam schnell stürmende Horde. Vielleicht will uns die Popkultur ja was damit sagen? Wir hören Vergleiche von „Zombiebanken“, dem „Zombiekapitalismus“, Menschen starren wie „Zombies“ auf ihre Handys, die moderne Arbeitswelt lässt oft den Vergleich mit einem untoten Zustand zu – man macht sinnloses, selbstzerstörerisches Zeug und kommt doch nicht davon weg. Wir sind jung und brauchen das Geld.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Autor Raul Zelik nimmt all dies in seinem Buch als Ausgangsbasis. In „Wir Untoten des Kapitals – Über politische Monster und einen grünen Sozialismus“ geht es um (Ohn)macht und (Gegen)macht, um das Zombiedasein und wie man davon loskommt. Es geht um die Frage wie ein linker Gegenentwurf zur herrschenden (Un)ordnung ausschauen kann. Das Timing dafür ist perfekt,&nbsp;&nbsp;wird die Liste der gleichzeitig stattfindenden Krisen doch stetig länger: Von Coronakrise über Wirtschaftskrise bis hin zur Klimakrise ist für jeden etwas dabei. Krisen erzeugen Ängste, lassen einen erstarren. Wie einen Zombie eben. Krisen erzeugen Verwirrung, wie man bei den von rechtsradikalen Gruppen instrumentalisierten und teilweise mitorganisierten „Hygienedemos“ sehen konnte. Und Krisen erzeugen Widerstand – zehntausende beteiligten sich an Black Lives Matter Protesten allein in Österreich. Die Widersprüchlichkeit unserer Zeit bringt der Autor auf den Punkt, wenn er über die auf den Straßen Frankreichs patrouillierenden Soldaten schreibt. Sie sollen eine Sicherheit gewährleisten, welche die „schlank“ gesparten Gesundheitssysteme nicht mehr gewährleisten können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei ist die Weltlage derzeit alles andere als „zombiehaft“, sie ist im Gegenteil sehr dynamisch. Zelik spricht von einem „Epochenwechsel“, welchen wir gerade durchlaufen. Der Kapitalismus befinde sich in einer „Krise als weltökologisches System“, die Zeit der hohen Wachstumsraten sei vorbei. Der Kapitalismus stoße an seine „physische Grenze“.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Gegenmacht von unten entwickeln</strong></h4>



<p class="wp-block-paragraph">Höchste Zeit also, über Alternativen nachzudenken, und darüber, wie diese Wirkungsmächtigkeit entwickeln können. Der Autor setzt hier weniger auf Parlamente sondern auf die Stärke sozialer Bewegungen aus Gewerkschaften, Genossenschaften, außerparlamentarischen Initiativen und linken Parteien, so lange sich diese inhaltlich nicht den Interessen ihrer Parlamentsfraktionen unterordnen lassen. Zelik verweist auf die Linksregierungen von Francois Mitterand in den 1980er Jahren in Frankreich und der Syriza-Regierung in Griechenland im Zuge der Eurokrise als Beispiele für die Grenzen eines rein parlamentarischen Ansatzes. Doch auch Genossenschaften und Gewerkschaften seien nur dann wirkmächtig, wenn diese eine Überwindung der bestehenden Verhältnisse anstreben würden. Errungenschaften wie Sozialversicherungen oder das Wahlrecht seien zwar auch „von oben“ eingeführt worden – jedoch immer nur als Reaktion auf kämpferische Massenbewegungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Raul Zelik fordert eine massive Ausweitung des Gemeineigentums. Eine nicht dem Markt unterworfene Gesellschaft müsse sich der Frage stellen, welche Bedürfnisse für ein „gutes Leben“ wirklich wichtig seien. Hier hebt er die Bedeutung des Pflege- und Gesundheitsbereichs hervor, sowie öffentliche Infrastrukturen wie Strom- und Wasser welche allen Menschen zur Verfügung stehen müssen. Zelik wünscht sich eine „Wirtschaftsdemokratie“, welche aber nicht mit der Mitbestimmung in profitorientierten Betrieben vergleichbar sei. Vielmehr gehe es um eine gesellschaftliche Gestaltung der Ökonomie und den Aufbau von Elementen demokratischer Planung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manch einem mögen sich bei dem Begriff „Planwirtschaft“ die Fußnägel hochrollen. Zelik scheut nicht die kritische Auseinandersetzung mit Planwirtschaftsmodellen, wie sie in der Sowjetunion oder dem ehemaligen Jugoslawien gelebt wurden. Er benennt Widersprüche, Verbrechen, Demokratiedefizite, Korruption und andere Probleme. Und er reißt über eine Art sozialistischer Gewaltenteilung Möglichkeiten an, wie man dem zukünftig begegnen könnte, wie man also der Macht des Staates in einer auf Gemeineigentum basierenden Wirtschaft demokratische Grenzen setzen kann. In diesem Zusammenhang fordert er netzwerkartige Machtstrukturen, welche nicht hinter liberalen Errungenschaften zurückfallen dürfen. Zelik diskutiert hier auch die Frage, ob es wirklich nur ausreicht das Steuer des fahrenden Zuges an sich zu reißen, oder ob es nicht vielmehr den Griff nach der Notbremse brauche. Technologie sei nicht neutral, es reiche nicht aus, einfach die bestehenden Technologien auf nicht-profitorientierte Weise zu verwenden. Vielmehr müsse man die bislang befahrenen Gleise verlassen. Auch wird die Entstehung einer sozialistischen Welt nicht als plötzlich erscheinender Augenblick, sondern als Prozess kämpferischer Entwicklung beschrieben. Dafür müsse die Linke daran arbeiten nötige Räume, Strukturen und Organisationsformen aufzubauen.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Gegenmacht braucht Organisation</strong></h4>



<p class="wp-block-paragraph">Gegenmacht könne nur dort glaubwürdig existieren, wo sich Solidarität, Gleichheit und Freiheit auch in Umgangsformen, Milieus und Organisationskulturen niederschlagen. Spätestens hier wird Zeliks neues Buch auch für GewerkschafterInnen interessant, denn er fordert die Anwendung von schon lange in den USA und in jüngerer Zeit auch in Deutschland erprobten Organizing-Konzepten auf soziale Bewegungen und Gewerkschaften. Organizing bezeichnet den Ansatz, „Betroffene so anzusprechen, dass sie selbst Verantwortung übernehmen und ihre eigenen Forderungen entwickeln.“ Menschen sollen so ermutigt werden, „gemeinsam mit anderen eigene Positionen zu entwickeln.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies sieht Zelik im Gegensatz zu gewerkschaftlichen Konzepten vergangener Jahre: „Geraume Zeit hatten sich Tarifauseinandersetzungen in den meisten Industriestaaten darauf beschränkt, dass Hauptamtliche SekretärInnen Kampfmaßnahmen planten, Beschäftigte zu Arbeitsniederlegungen aufriefen und stellvertretend für sie verhandelten.“ Der Mitgliederschwund in den Gewerkschaften habe jedoch vermehrt zu einem umdenken geführt. Zelik bezieht sich zusätzlich auf das Deep Organizing Konzept von Jane McAleveys: „McAlevey zufolge müssen gewerkschaftliche Kämpfe das Leben außerhalb des Betriebs, also das der Nachbarschaften und der Familien, viel stärker berücksichtigen. Zudem fordert sie eine radikale Demokratisierung der Auseinandersetzungen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau solche Fragen werden auch in der österreichischen Gewerkschaftsbewegung zunehmend zum Thema. Wenn die Gewerkschaften den Herausforderungen sowohl der Corona- als auch der post-Corona Ära begegnen wollen, müssen sie sich diesen Themen stellen. Wie können demokratisch Ziele gesetzt, Auseinandersetzungen geführt und Forderungen erreicht werden? Das alles sind lebenswichtige Fragen für die Gewerkschaften. Nach der Lektüre von „Wir Untoten des Kapitals“ kann die Antwort eigentlich nur lauten, dass die Gewerkschaften aktiver, lebendiger und demokratischer Teil sozialer Bewegungen sein müssen. Handlungsmacht wird nicht hergeschenkt, sie muss organisiert werden.</p>



<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile"><figure class="wp-block-media-text__media"><img decoding="async" width="390" height="639" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/07/untote.jpg" alt="" class="wp-image-14207" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/07/untote.jpg 390w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/07/untote-183x300.jpg 183w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/07/untote-92x150.jpg 92w" sizes="(max-width: 390px) 100vw, 390px" /></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h2 class="wp-block-heading">Raul Zelik</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://besserewelt.at/politik-2-16/politikfelder-2-9032/wir-untoten-des-kapitals" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="Wir Untoten des Kapitals – Über politische Monster und einen grünen Sozialismus (öffnet in neuem Tab)">Wir Untoten des Kapitals – Über politische Monster und einen grünen Sozialismus</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Suhrkamp Verlag 2020</p>



<p class="wp-block-paragraph">18,50 Euro</p>



<p class="wp-block-paragraph">ISBN: 978-3-518-12746-9</p>
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