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	<title>Lebenshilfe &#8211; KOMPETENZ-online</title>
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		<title>Aktiver Teil der Lösung sein</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Christian Resei]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 Feb 2024 09:16:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
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					<description><![CDATA[Gerti Werl und Markus Schadler sind ein eingespieltes Betriebsrats-Team. Seit einer Fusionierung werden sie von Mustafa Durmus von der GPA Steiermark betreut. Eine Geschichte über moderne Arbeitnehmer: innen-Vertretung, die nicht nur Vertrauen schafft sondern auch Positionen geschickt vertritt.]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Gerti Werl und Markus Schadler sind ein eingespieltes Betriebsrats-Team. Seit einer Fusionierung werden sie von Mustafa Durmus von der GPA Steiermark betreut. Eine Geschichte über moderne Arbeitnehmer: innen-Vertretung, die nicht nur Vertrauen schafft sondern auch Positionen geschickt vertritt.</strong></p>



<span id="more-20455"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Wolfgang Graupp steht früh auf, denn er muss um acht Uhr in der Arbeit sein. Von seinem Heimatort Gnas muss er 15 Kilometer nach Feldbach in seine Stammwerkstätte, die von der LNW Lebenshilfe NetzWerk GmbH geführt wird, fahren. Dort hilft er im Garten, unterstützt die Assistent:innen und kann durch seine Erfahrung auch als Springer eingesetzt werden, wenn jemand in anderen Gruppen ausfällt. Der 30-Jährige mag es auch, in der großen Betriebsküche mitzuwirken. „Hier in der Arbeit bin ich am liebsten und habe außerdem Abwechslung in meinen Jobs“, erzählt Graupp. Wie andere Klient:innen befüllt auch der Gnaser die bekannten „Jolly“-Farbmalkästen mit Wasserfarben. Graupp hat vorübergehend auch eine andere Arbeitsstelle ausprobiert, nach acht Monaten in der Fachhochschul-Kantine Bad Gleichenberg wollte er wieder zurück nach Feldbach. „Der Stress war mir zu viel“, sagt er.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7391-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-20456" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7391-1024x683.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7391-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7391-150x100.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7391-768x512.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7391-1536x1024.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7391-2048x1365.jpg 2048w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7391-600x400.jpg 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7391-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7391-272x182.jpg 272w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Wolfgang Graupp (links) arbeitet in der Lebenshilfe-Werkstatt in Feldbach und befüllt dort unter anderem Jolly-Farbmalkästen mit Wasserfarben. Betriebsrat Markus Schadler (rechts) ist in Feldbach in der Wohnassistenz tätig. </strong><br>Foto: Nurith Wagner-Strauss</figcaption></figure>



<h4 class="wp-block-heading">Lösungen anbieten und finden</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die LNW Lebenshilfe NetzWerk GmbH hat ein breites Angebot. „Für schwerstbehinderte Menschen bieten wir Tagesstruktur in den Werkstätten und Wohnformen wie betreutes Wohnen in Voll- und Teilzeit an“, erklärt Gerti Werl, Betriebsratsvorsitzende der LNW Lebenshilfe NetzWerk GmbH in Feldbach. Außerdem werden auch mobile Dienste, wie Wohnassistenz, Familien-Entlastungsdienst, Frühförderung, Schul- und Freizeitassistenz sowie Kindergartenassistenz angeboten. Auch NEBA-Leistungen (Netzwerk Berufliche Assistenz) zählen zu den Angeboten der LNW. Die MitarbeiterInnen der Lebenshilfe sind zum Großteil weiblich, drei Viertel der Beschäftigten arbeiten in Teilzeit.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Ich bin jemand, der sehr gerne seine Meinung sagt, wenn mir mal etwas gegen den Strich geht.&#8220;</p>
<cite>Gerti Werl</cite></blockquote>



<h4 class="wp-block-heading">Auch gerne gegen den Strich</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Betriebsratsvorsitzende Gerti Werl, ausgebildete Sozialbetreuerin, setzt sich gerne für ihre Mitmenschen ein, auch wenn das nicht immer friktionsfrei möglich ist: „Ich bin jemand, der sehr gerne seine Meinung sagt, wenn mir mal etwas gegen den Strich geht. Das habe ich einfach mein Leben lang konsequent so gemacht“, berichtet die 57-jährige gebürtige Niederösterreicherin, die im burgenländischen Gerersdorf bei Güssing lebt. Werl pendelt rund 45 Kilometer in ihre Arbeit nach Feldbach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Als ich vor 17 Jahren in der Lebenshilfe begonnen habe, hat mir die Arbeit so gut gefallen, dass ich mir vorgenommen habe, es mit aller Ruhe anzugehen: einfach meine Arbeit machen, keine Schwierigkeiten haben“, darüber muss Werl noch heute schmunzeln. Es sollte damals anders kommen: ihre Diskussionsfreudigkeit fiel naturgemäß auch den KollegInnen auf und so kam es, wie es kommen sollte: Gerti Werl wurde gefragt und kandidierte als einfache Kandidatin auf der Betriebsrats-Liste. Mit kurzen Unterbrechungen ist sie nun seit 10 Jahren Betriebsratsvorsitzende der LNW Lebenshilfe Netzwerk GmbH, arbeitete mit „Leib und Seele“ weiterhin als Sozialpädagogin in einer Teilfreistellung &#8211; seit einem Jahr ist sie ganz für ihren Betriebsratsvorsitzenden-Job freigestellt und betreut dabei 440 Mitarbeiter:innen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Mit Hilfe der GPA zum Großprojekt fusioniert</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Zu einer großen Herausforderung sollte die Zusammenlegung der beiden ehemaligen Lebenshilfen Bad Radkersburg und Feldbach im Jahr 2017 werden: Beide Betriebe verfügten über eigene Betriebsrats-Gremien und es galten unterschiedliche Betriebsvereinbarungen. Innerhalb eines Jahres mussten viele Komponenten vereint werden. „Dabei mussten wir uns ja auch erst einmal kennenlernen“, berichtet Gerti Werl über schwierige Zeiten und neue Kolleg:innen. Auch der Betriebsratsvorsitz war zu klären. Genau zu diesem Zeitpunkt übernahm Mustafa Durmus von der GPA die strategische Beratung der Betriebsrät:innen&nbsp; – der Grazer bewies durchaus Verhandlungsgeschick.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Durmus ist studierter Jurist und arbeitet seit acht Jahren als Rechtsschutz- und Regionalsekretär der GPA Steiermark. Damit ist er u.a. für den Sozialbereich und somit auch für die LNW Lebenshilfe NetzWerk GmbH zuständig. „Ich habe vorher in Kanzleien gearbeitet und verschiedene Praktika gemacht, aber bei der Gewerkschaft habe ich einen Job, der auch Sinn gibt.“ Durmus erzählt über den „höheren Zweck“, den er und seine KollegInnen verfolgen, „So bieten wir mit den jährlich verhandelten Kollektivverträgen Lösungen für tausende Menschen an“. Ein Betriebszusammenschluss ist kein leichtes Unterfangen. Schließlich muss bei Betriebsübergängen auch die Unsicherheit der Mitarbeiter:innen berücksichtigt werden – da die Geschäftsführerin von Feldbach die neue Chefin wurde, fürchtete&nbsp;sich die Belegschaft von Bad Radkersburg vor einer Benachteiligung.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„In diesem Zeitraum (der Zusammenlegung der Lebenshilfen Bad Radkersburg und Feldbach) sind viele Belegschaftsmitglieder in die GPA eingetreten“</p>
<cite>Mustafa Durmus</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Zukunftsängste aus dem Weg zu räumen, hatte damit oberste Priorität. Um Vertrauen aufzubauen, brauchte es viele Gespräche. Gemeinsam mit der GPA ist das den Betriebsratsvorsitzenden sehr gut gelungen. „In diesem Zeitraum sind viele Belegschaftsmitglieder in die GPA eingetreten“, freut sich GPA Sekretär Mustafa Durmus. Betriebsratsvorsitzende Gerti Werl: „Wir wollten uns nicht auseinanderdividieren lassen, aber wir mussten natürlich beide Betriebsvereinbarungen integrieren“. Dabei wollte die Geschäftsführung vor allem die ihr angenehmsten Punkte in die neue Vereinbarungen einarbeiten.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7317-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-20458" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7317-1024x683.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7317-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7317-150x100.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7317-768x512.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7317-1536x1024.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7317-2048x1365.jpg 2048w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7317-600x400.jpg 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7317-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/02/Lebenshilfe-Feldbach_7317-272x182.jpg 272w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Gemeinsam haben Markus Schadler und Gerti Werl für die 440 Mitarbeiter:innen der LNW Lebenshilfe NetzWerk GmbH eine Einsprungs-Prämie durchgesetzt. </strong><br>Foto: Nurith Wagner-Strauss</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Dagegen wehrte sich die Belegschaft und schlug alternative Punkte vor. Neben Inhalten, die unbedingt Platz in der Betriebsvereinbarung haben sollten, wurden zusätzliche Punkte aufgeführt, die Arbeitgeber:innen gemeinhin nicht gerne erfüllen. Doch zur Überraschung aller, wurde einer davon nicht gestrichen. Die sogenannte Einsprungs-Prämie für Mitarbeiter:innen, wenn sie kurzfristig einen Dienst übernehmen – fand sich dann in der neuen Betriebsvereinbarung wieder. Inzwischen ist eine Form dieser Prämie sogar Teil des Kollektivvertrages geworden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sieben Jahre später ist diese Fusion erfolgreich abgeschlossen, doch es gibt auch immer noch Herausforderungen. Die Betriebsratsvorsitzende: „Wir sind selbstorganisiert, damit gibt es keine Leitung vor Ort“. Sämtliche organisatorischen Belange werden verstreut über die ganze Südoststeiermark erledigt, weshalb die Teams zumeist auf sich alleine gestellt sind. Der Nebeneffekt: die Beschäftigten fühlen sich auch für Vorgänge verantwortlich, die nicht in ihrem Einflussbereich liegen. „Dadurch müssen wir oft Missverständnisse aus dem Weg räumen“, weiß der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Markus Schadler. Der 36-Jährige, früher als Informatiker tätig, kam als Fach-und Soziabetreuer über den zweiten Bildungsweg im März 2016 zur Lebenshilfe. Er ist auch in der Wohnassistenz tätig.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Moderne Betreuung, alte Berufskrankheiten</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Allgemein hat sich das Selbstbild der Arbeitnehmer:innen in der Behindertenbetreuung verändert, die früheren freien Dienstnehmer:innen &#8211; mit großteils auch anderen zusätzlichen Jobs -, gibt es heute nicht mehr. „Waren es vor 30 Jahren vielfach Menschen, die den Betreuungsjob fast ausschließlich als Berufung gesehen haben“, erklärt Schadler, „so wollen die jungen Betreuer:innen heute natürlich anständig von ihrem Gehalt leben“.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Waren es vor 30 Jahren vielfach Menschen, die den Betreuungsjob fast ausschließlich als Berufung gesehen haben, so wollen die jungen Betreuer:innen heute natürlich anständig von ihrem Gehalt leben.“</p>
<cite>Markus Schadler</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Doch an ausreichendem Lohn für professionelle gute Arbeit mangelt es nun auch bereits Jahrzehnte. Und immer mehr der Teil- und Vollzeitkräfte erkranken u.a. wegen des Personalnotstandes an einem Burnout. Ein Grund, weshalb die Betriebsrät:innen überdurchschnittlich häufig mit Arbeitszeitthemen konfrontiert sind. Eine der wiederkehrenden Fragen betrifft den Durchrechnungszeitraum oder wie Mehrstunden abgebaut oder bezahlt werden. Themen wie Pausenregelungen, Nachtarbeit und Nachtbereitschaften ebenso. „Vieles können wir gleich beantworten, aber wenn ich mir nicht sicher bin oder es komplexer wird, frage ich&nbsp; Mustafa Durmus“, erklärt Gerti Werl und nennt den GPA-Sekretär ihr „willkommenes Backup“. Sollte es zu gröberen Meinungsverschiedenheiten mit den Arbeitgeber:innen kommen, so könnte Durmus rechtlich, etwa mit dem Verfassen einer Intervention helfen. Der GPA-Experte: „Eine Intervention ist mit einem Anwaltsbrief vergleichbar, wir legen unsere Rechtsmeinung dar – wenn es dann zu keiner Einigung kommt, ist der nächste Schritt das Arbeitsgericht“. Da es einen funktionierenden Draht zur Geschäftsführung gibt, findet dieses Rechtsmittel kaum Anwendung. Gemeinhin kommt es zu einem Kompromiss. „Wir vertreten schon immer wieder andere Meinungen als die Geschäftsführung, aber das klärt sich meist rasch“, weiß Betriebsratsvorsitzende Werl, die mit Unterbrechungen seit 10 Jahren den Vorsitz inne hat.</p>



<div class="wp-block-group rotebox"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<h4 class="wp-block-heading">Hast du schon einmal überlegt selbst einen Betriebsrat zu gründen?</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn es bei dir im Betrieb mindestens 5 Beschäftigte gibt, kann eine Betriebsratswahl stattfinden. Dein Chef/deine Chefin, darf die Wahl nicht behindern. Als Betriebsrätin/Betriebsrat hast du einen besonderen Kündigungsschutz und du kannst einen Teil deiner Arbeitszeit für die Betriebsratstätigkeit verwenden. Wir unterstützen und begleiten dich und deine KollegInnen bei der Durchführung der Betriebsratswahl.<br>Du möchtest mit uns darüber reden? Dann wende dich an unsere Beratung in deinem Bundesland. Alle Kontakte findest du hier: <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.gpa.at/kontakt" target="_blank" aria-label="https://www.gpa.at/kontakt (öffnet in neuem Tab)">https://www.gpa.at/kontakt</a></p>
</div></div>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<h4 class="wp-block-heading">Nächste Generation wird aufgebaut</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dem 1. Dezember 2023 ist Gerti Werl in Altersteilzeit gegangen. Für die nächste Betriebsrats-Wahl, die in viereinhalb Jahren stattfindet, wird ihr Stellvertreter Markus Schadler als Nachfolger aufgebaut. „Ich habe kein Problem damit, einen Schritt zurückzutreten“, macht Gerti Werl deutlich. „Ich muss nicht unbedingt Vorsitzende sein, denn meine Meinung sage ich ja sowieso – egal ob als Vorsitzende oder einfache Betriebsrätin“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Betriebsratsvorsitzende musste schon wegen einer schweren Erkrankung ein Jahr aussetzen, Markus Schadler übernahm auch ihre Aufgaben, obwohl er erst recht kurz im Betriebsrats-Gremium tätig war. Gerti Werl: „Ich bin dann zurückgekommen und er ist dann wieder auf die Seite gerückt, das ist auch nicht selbstverständlich.“ Die Zusammenarbeit bleibt. Nun finden etwa die Gespräche mit der Geschäftsführung zu dritt statt. Zur Vorbereitung auf seine Aufgaben besuchte Markus Schadler das GPA Förderprogramm BR: Next, das Betriebsrät:innen bis 35 Jahre unter die Fittiche nimmt. „Junge Betriebsrät:innen werden dabei gezielt von uns gefördert. Sie sollen dabei auch eine Gewerkschaft von innen kennenlernen“, erklärt Mustafa Durmus. Markus Schadler selbst kam erst als er von der IT in die Sozialbranche wechselte, mit dem Thema Betriebsrat in Berührung. „Ich brauche einen Job, in dem ich ganz aufgehe, aber ich musste auch lernen was Work-Life-Balance bedeutet.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Befreiung durch Motorsäge</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Während sich Markus Schadler noch einige Jahre vorbereiten kann, geht Gerti Werl&nbsp; auch in anderen Belangen ebenfalls „mit Leib und Seele“ zur Tat. Vor gut 30 Jahren hat sie im Südburgenland ein 1700 Quadratmeter großes Grundstück mit einem alten Bauernhof erworben. In Gerersdorf bei Güssing leben neben Werl, ihrem Ehemann und einem Sohn – sie hat drei erwachsene Kinder, – heute u.a. Esel, Schafe, Hühner und Bienen. Dazu wird ein Gemüsegarten bestellt. Ein neues Werkzeug, um zu entspannen, hat Werl auch jüngst geschenkt bekommen: „Ich besitze jetzt eine Akku-Motorsäge“, lacht die Landwirtin aus Leidenschaft. „Es ist so befreiend mit der Motorsäge auszurücken, um etwas umzuschneiden.“ Manchmal kappt sie einen Busch gleich, wenn sie von der Arbeit heimkommt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn die&nbsp; Arbeitnehmer:innen in der Behindertenbetreuung sollten einerseits mitfühlend und unterstützend sein und andererseits aber auch um ihre Arbeitsverhältnisse kämpfen. Zwar sind im Vergleich zu früher behinderte Menschen in der Öffentlichkeit präsenter. Doch sowohl ihre Betreuung als auch sie selber sollten nicht auf Almosen angewiesen sein. Auch Wolfgang Graupp ist ein wichtiger Bestandteil der LNW Lebenshilfe NetzWerk GmbH. „Er ist wichtig für uns, wir brauchen ihn“.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Lerne noch weitere engagierte Betriebsrät:innen und Betriebsräte kennen</h4>



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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="hJTPIpamW1"><a href="https://kompetenz-online.at/2023/12/04/bei-balance-wird-nachtarbeit-voll-bezahlt/" aria-label="Bei BALANCE wird Nachtarbeit voll bezahlt">Bei BALANCE wird Nachtarbeit voll bezahlt</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Bei BALANCE wird Nachtarbeit voll bezahlt&#8220; &#8212; KOMPETENZ-online" src="https://kompetenz-online.at/2023/12/04/bei-balance-wird-nachtarbeit-voll-bezahlt/embed/#?secret=Mw0m3LqthZ#?secret=hJTPIpamW1" data-secret="hJTPIpamW1" width="600" height="338" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="f3PDZRpmHD"><a href="https://kompetenz-online.at/2024/01/17/auf-expansionskurs/" aria-label="Auf Expansionskurs">Auf Expansionskurs</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Auf Expansionskurs&#8220; &#8212; KOMPETENZ-online" src="https://kompetenz-online.at/2024/01/17/auf-expansionskurs/embed/#?secret=aO2XoQwbym#?secret=f3PDZRpmHD" data-secret="f3PDZRpmHD" width="600" height="338" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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		<title>„Steter Tropfen höhlt den Stein“</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2022/11/22/steter-tropfen-hoehlt-den-stein/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Johannes Gress]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Nov 2022 10:21:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
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					<description><![CDATA[Seit 2017 ist Christian Hörhan Betriebsratsvorsitzender bei der Lebenshilfe Niederösterreich. Manchmal habe er das Gefühl er kämpfe gegen Windmühlen, aber zum Aufgeben habe er den falschen Job.]]></description>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe4-1024x683.png" alt="" class="wp-image-19151" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe4-1024x683.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe4-300x200.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe4-150x100.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe4-768x512.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe4-600x400.png 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe4-720x480.png 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe4-272x182.png 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe4.png 1500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Foto: Johannes Gress</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Seit 2017 ist Christian Hörhan Betriebsratsvorsitzender bei der Lebenshilfe Niederösterreich. Manchmal habe er das Gefühl er kämpfe gegen Windmühlen, aber zum Aufgeben habe er den falschen Job.</strong></p>



<span id="more-19149"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Der überlebensgroße 3D-Schriftzug „Lebenshilfe“ wirkt etwas deplatziert. Am Eingang zum Industriegelände am Rand von Sollenau (Bezirk Wiener Neustadt-Land), das überwiegend aus Baustellen, Bauzäunen, Fabrikhallen und einem Verteilerzentrum der Post besteht, mag man auf den ersten Blick keine Sozialeinrichtung vermuten. Erst im hinteren Teil des Geländes, wo die Wohnhäuser der Behindertenbetreuung der Lebenshilfe untergebracht sind, wirkt die Szenerie einladender, natürlicher, grüner. Am freundlichsten wirkt der Quittenbaum vor Christian Hörhans Büro.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hörhan ist Betriebsratsvorsitzender der Lebenshilfe Niederösterreich. Der 45-Jährige trägt ein dunkelrotes Shirt und eine dunkle Brille, schwarzes Haar, spricht langsam und bedacht, und neigt dazu, sich gelegentlich in Schachtelsätzen zu verirren, ehe er wieder zum eigentlichen Punkt zurückkommt. Er schlägt sich täglich ganz <a href="https://kompetenz-online.at/2022/11/03/lebenshilfe-noe-342-beschaeftigte-bekommen-keinen-bonus/" aria-label="konkret mit jenen Problemen">konkret mit jenen Problemen</a> rum, die medial nur ganz abstrakt als „Pflegekrise“ durch die Gegend schwirren. Eine manchmal mühselige, kräftezehrende Arbeit, wie er sagt. Aber zum Aufgeben hätte er den falschen Job. Seine Bürotasse trägt die Aufschrift „Für einen Burnout fehlt mir einfach die Zeit“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf Hörhans Schreibtisch verteilen sich mal größere, mal kleinere Papierstapel, diverse Folder, Folien. Viele der Schriftstücke drehen sich um die derzeit laufenden Kollektivvertragsverhandlungen der Sozialwirtschaft Österreich (SWÖ). „Höheres Einkommen. Mehr Freizeit. Bessere Arbeitsbedingungen“ steht auf einem der Folder, „Kämpfen wir gemeinsam für einen guten KV-Abschluss“ auf einem anderen. Hörhan saß auch bei den diesjährigen Verhandlungen im kleinen Verhandlungsteam. Inzwischen sind die <a href="https://www.gpa.at/kollektivvertrag/gesundheit-und-soziales/sozialwirtschaft-oesterreich/2023/kv-sozialwirtschaft--loehne-und-gehaelter-steigen-um-bis-zu-10-2" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="Verhandlungen abgeschlossen (öffnet in neuem Tab)">Verhandlungen abgeschlossen</a>. </p>



<h4 class="wp-block-heading">Bis 10,2 Prozent Lohn- und Gehaltserhöhung</h4>



<p class="wp-block-paragraph">15 Prozent mehr Gehalt haben er und seine KollegInnen gefordert. Begleitet wurden die Verhandlungen von Protesten und Warnstreiks und einer Demonstration mit mehr als 3.000 Beschäftigten in Wien. Geworden sind es schließlich in der 4. Verhandlungsrunde   bis zu 10,2 Prozent, wobei die unteren Einkommen stärker ansteigen. Im Detail: Alle Löhne und Gehälter werden um 8 Prozent erhöht, wobei aber alle monatlich mindestens um 175 Euro erhöht werden. Das führt in der untersten Einkommensgruppe eben zu einer Gehaltserhöhung in Höhe von 10,2 Prozent und schleift sich je nach Gehaltshöhe prozentuell nach oben ein. </p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">„Der Geldgeber sitzt nicht am Verhandlungstisch und wer am Verhandlungstisch sitzt, sitzt nicht am Geldhahn“</p>
<cite>Christian Hörhan</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Jedes Mal wieder stehen Hörhan und seine KollegInnen bei den Verhandlungen vor einem Problem, das die KV-VerhandlerInnen aus anderen Branchen so nicht kennen: Der Geldgeber sitzt nicht mit am Tisch. Finanziert werden die Sozialeinrichtungen, wie etwa die Lebenshilfe, nämlich vom Land bzw. dem Bund. Hörhan spricht von einer „absurden Situation“: „Der Geldgeber sitzt nicht am Verhandlungstisch und wer am Verhandlungstisch sitzt, sitzt nicht am Geldhahn“. Mit dem Ergebnis, dass Forderungen nach besserer Bezahlung, auch in Form von Betriebsversammlungen und Streiks, oftmals ins Leere laufen. An die öffentliche Hand adressiert spricht Hörhan von einer „politischen Frage“: Was ist dem Land und dem Bund unsere Branche wert?</p>



<h4 class="wp-block-heading">Warum? Warum!</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Hörhan schnupperte erstmals als Zivildiener etwas Lebenshilfe-Luft, machte dann aber eine Ausbildung zum Gärtner und Floristen. Erst 1999, die liebgewonnene Erinnerung an den Zivildienst noch im Hinterkopf, kehrte er zur Lebenshilfe zurück. 2009 wurde er erstmals in den Betriebsrat gewählt, 2014 zum stellvertretenden Betriebsratschef – und 2017 schließlich Betriebsratsvorsitzender.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf die Frage „warum“ antwortet Hörhan mit „warum“. „Meine Gene zwingen es mir auf, immer die Frage nach dem Warum zu stellen“, erläutert der Betriebsrat. „Ich kann nicht anders, als Sachen ständig zu hinterfragen. Und wenn ich auf „Warum?“ keine plausible Antwort bekomme, dann bohre ich weiter“. Beständiges kritisches Hinterfragen, weiterbohren – das seien im Grunde auch die Grundzutaten für eine erfolgreiche Betriebsratsarbeit.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Aber wenn man sich schnelle Veränderungen erhofft, ist man als Betriebsratsvorsitzender wahrscheinlich nicht am richtigen Posten“</p>
<cite>Christian Hörhan</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">In seinen ersten Monaten als Betriebsrat aber „wurden die Fragezeichen und die Warum noch sehr viel mehr“, erinnert sich der 45-Jährige. Anfangs dachte er, „ich bin zu blöd dazu, weil ich keinen Durchblick hatte“. Erst langsam sei er in seine Rolle hineingewachsen, durch Betriebsratsschulungen, Dutzende Betriebsratssitzungen und vor allem der Unterstützung seiner BetriebsratskollegInnen.</p>



<div class="wp-block-group rotebox"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<h4 class="wp-block-heading">Hast du schon einmal überlegt selbst einen Betriebsrat zu gründen?</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn es bei dir im Betrieb mindestens 5 Beschäftigte gibt, kann eine Betriebsratswahl stattfinden. Dein Chef/deine Chefin, darf die Wahl nicht behindern. Als Betriebsrätin/Betriebsrat hast du einen besonderen Kündigungsschutz und du kannst einen Teil deiner Arbeitszeit für die Betriebsratstätigkeit verwenden. Wir unterstützen und begleiten dich und deine KollegInnen bei der Durchführung der Betriebsratswahl.<br>Du möchtest mit uns darüber reden? Dann wende dich an unsere Beratung in deinem Bundesland. Alle Kontakte findest du hier: <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.gpa.at/kontakt" target="_blank" aria-label="https://www.gpa.at/kontakt (öffnet in neuem Tab)">https://www.gpa.at/kontakt</a></p>
</div></div>



<h4 class="wp-block-heading">Altbekannte Probleme</h4>



<p class="wp-block-paragraph">An den Problemstellungen habe sich – mit „Corona“ als unwillkommene Ausnahme – seither wenig verändert: Die Branche ist chronisch unterfinanziert – was in den allermeisten Fällen auf die Beschäftigten abgewälzt wird. Die Einkommen sind zu niedrig, die Belastung zu hoch, die Personaldecke zu dünn. Die Zahl der BewerberInnen gehe seit Jahren sukzessive zurück. Mittlerweile hätten sie sogar Probleme, bestehendes Personal zu halten. Teils wanderten MitarbeiterInnen in den Einzelhandel ab; nicht unbedingt eine Branche, die für ihre hervorragenden Arbeitsbedingungen bekannt ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ob ihn das als Betriebsrat manchmal frustet? „Natürlich hat man das Gefühl, man arbeitet gegen Windmühlen“, muss Hörhan zugeben. „Aber wenn man sich schnelle Veränderungen erhofft, ist man als Betriebsratsvorsitzender wahrscheinlich nicht am richtigen Posten“. Manche Probleme ließen sich zügig lösen, bei anderen brauche man eben einen längeren Atem. Dann sagt Hörhan einen seiner Lieblingssätze: „Steter Tropfen höhlt den Stein“.</p>



<p class="blauebox wp-block-paragraph"><strong>Zur Person:</strong><br>Christian Hörhan, 45, wurde in Purgstall an der Erlauf (Bezirk Scheibbs) geboren und wohnt im Bärnkopf (Bezirk Zwettl). Seit 2009 ist er Betriebsrat bei der Lebenshilfe Niederösterreich, seit 2017 ebendort Betriebsratsvorsitzender. Zuvor absolvierte er eine Ausbildung zum Gärtner und Floristen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Das könnte dich auch interessieren: </h4>



<ul class="wp-block-list">
<li>Lies hier wie Christian Hörhan dafür kämpft, dass alle Beschäftigten den <a href="https://kompetenz-online.at/2022/11/03/lebenshilfe-noe-342-beschaeftigte-bekommen-keinen-bonus/" aria-label="Pflegebonus">Pflegebonus</a> bekommen.</li>



<li>Die Diplomsozialpädagogin <a href="https://kompetenz-online.at/2022/11/08/ein-offenes-ohr-fuer-1500-kolleginnen/" aria-label="Leyla Özkan">Leyla Özkan</a> verhandelt Kollektivverträge für den gesamten Sozialbereich und vertritt 1500 Beschäftigte bei der Volkshilfe Oberösterreich</li>



<li>Mehr über die&nbsp;<a href="https://kompetenz-online.at/2020/03/17/bindeglied-zwischen-chef-und-beschaeftigten/" aria-label="Rechte und Pflichten eines Betriebsrats">Rechte und Pflichten eines Betriebsrats</a>&nbsp;verrät dir unsere Rechtsexpertin Andrea Komar</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Lebenshilfe NÖ: 342 Beschäftigte bekommen keinen Bonus</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2022/11/03/lebenshilfe-noe-342-beschaeftigte-bekommen-keinen-bonus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Johannes Gress]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Nov 2022 18:51:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2022/04]]></category>
		<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Recht]]></category>
		<category><![CDATA[Behindertenbereich]]></category>
		<category><![CDATA[behindertenbetreuung]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Hörhan]]></category>
		<category><![CDATA[Coronabonus]]></category>
		<category><![CDATA[Lebenshilfe]]></category>
		<category><![CDATA[Pflege]]></category>
		<category><![CDATA[Pflegebonus]]></category>
		<category><![CDATA[Pflegereform]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kompetenz-online.at/?p=19079</guid>

					<description><![CDATA[Die Beschäftigten in den Pflegebetreungsberufen sollten mehr Geld bekommen. In Niederösterreich scheitert es für einen Teil der Beschäftigen an der Umsetzung. Der Betriebsrat der Lebenshilfe Christian Hörhan fordert die Landesregierung zum Nachbessern auf. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large advgb-dyn-6ebe88e1"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-19081" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe-1024x683.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe-150x100.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe-768x512.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe-1536x1024.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe-2048x1365.jpg 2048w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe-600x400.jpg 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe-272x182.jpg 272w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Betriebsratsvorsitzende der Lebenshilfe Niederösterreich Christian Hörhan mit Julia Fenninger. Sie bekommt keinen Pflegebonus, obwohl sie in der Behindertenbetreuung arbeitet und pflegerische Tätigkeiten verrichtet.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mit der verkorksten Entgelterhöhung für Beschäftigte in Pflege- und Betreuungsberufen zeige die Regierung einmal mehr, wie wenig Ahnung sie von der Branche hat, kritisieren Beschäftigte der Lebenshilfe Niederösterreich.</strong></p>



<span id="more-19079"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Mehr Geld für alle sollte es werden. Eine Extrazahlung für alle in Pflege- und Betreuungsberufen beschäftigten Personen. Nur unter alle fallen offenbar nicht alle. In der Lebenshilfe Niederösterreich arbeiten 796 Menschen im Pflegebereich, 454 von ihnen können sich (voraussichtlich) Anfang kommenden Jahres über eine Bonuszahlung „im unteren vierstelligen Bereich“ freuen. Ihre 342 KollegInnen gehen leer aus. Dabei verrichten sie dieselben Tätigkeiten, arbeiten oft im selben Team. MitarbeiterInnen der Lebenshilfe Niederösterreich, mit denen KOMPETENZ gesprochen hat, sprechen von „Keiltreiberei“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Problem verbirgt sich hinter vielerlei Abkürzungen. Entscheidend ist Art. 15a B-VG des EEZG und der Unterschied von FSB, UBV und DGKP. In der 15a-Vereinbarung des EEZG, des sogenannten Entgelterhöhungs-Zweckzuschussgesetzes, sind jene Berufsgruppen zusammengefasst, die die Entgelterhöhung erhalten sollen. Die Zahlung ist Teil des im Mai groß angekündigten und im September konkretisierten Pflegepakets der Regierung. Darin ist auch eine Sonderzahlung vorgesehen, einst hieß es in Höhe von etwa einem Monatsgehalt, Details sind bis dato offen. Medial ist mittlerweile von einem Betrag „im unteren vierstelligen Bereich“ die Rede. Der Bund will dafür rund 570 Millionen Euro ausgeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Hintergedanke: Eine Art Entschädigung für die Beschäftigten für zwei Corona-Jahre, zwei Jahre Arbeiten am Limit und darüber hinaus. Insgesamt solle damit auch der Pflegeberuf attraktiver werden, denn <a href="https://kompetenz-online.at/2022/06/02/sozialwirtschaft-die-eisdecke-wird-immer-duenner/" aria-label="Österreich braucht bis zum Jahr 2030 rund 70.000 zusätzliche Pflegekräfte">Österreich braucht bis zum Jahr 2030 rund 70.000 zusätzliche Pflegekräfte</a>. Das Gegenteil sei derzeit der Fall, beobachtet Christian Hörhan, Betriebsratsvorsitzender der Lebenshilfe Niederösterreich. Hätten sich vor fünf bis zehn Jahren noch die Bewerbungen gestapelt, seien aktuell <a href="https://kompetenz-online.at/2022/10/13/fachkraeftemangel-selber-schuld/" aria-label="Stellen oft monatelang ausgeschrieben">Stellen oft monatelang ausgeschrieben</a> – „ohne dass sich auch nur eine Person bewirbt“.</p>



<h4 class="wp-block-heading">„Ich trage genauso Verantwortung“</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Eine, die sich vor zehn Jahre beworben hatte, ist Julia Fenninger. Die Anfang 30-Jährige sitzt im Betriebsratsbüro im Erdgeschoss der Lebenshilfe Sollenau (Bezirk Wiener Neustadt-Land). Sie ist gelernte Köchin und wagte sich als Quereinsteigerin zur Lebenshilfe. Seit 2012 arbeitet sie in der Behindertenbetreuung. Zwar absolvierte sie keine facheinschlägige Ausbildung, also etwa zur Fachsozialbetreuerin (FSB) oder Diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegerin (DGKP), jedoch ein verpflichtendes UBV-Modul (Unterstützung bei der Basisversorgung). Eine solche Schulung berechtigt sie dazu, grundpflegerische Tätigkeiten unter Anleitung einer Diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegerin auszuüben. Folglich verrichtet sie seit Jahren dieselben Tätigkeiten wie ihre KollegInnen – eine Entgelterhöhung bekommt sie trotzdem nicht. Denn MitarbeiterInnen in multiprofessionellen Teams wie Fenninger sind in der 15a-Vereinbarung nicht vorgesehen. „Ich assistiere KlientInnen bei der Medikamenteneinnahme, übernehme dieselben pflegerischen Tätigkeiten und trage die gleiche Verantwortung wie meine KollegInnen“, ärgert sich Fenninger.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow advgb-dyn-240fbc80">
<p class="wp-block-paragraph">„Ich assistiere KlientInnen bei der Medikamenteneinnahme, übernehme dieselben pflegerischen Tätigkeiten und trage die gleiche Verantwortung wie meine KollegInnen.“</p>
<cite>Julia Fenninger</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Während der Pandemie sei sie dem Virus genauso ausgesetzt gewesen wie alle anderen im Team, arbeitete teils in voller Schutzausrüstung, während ein ganzes Haus voller KlientInnen mit Corona infiziert war. „Ich arbeite direkt an der Front – und bekomme keinen Bonus“.  </p>



<p class="wp-block-paragraph">Mittlerweile sei die Personalsituation angespannter als je zuvor, beklagt Fenninger. Fehlt es in der Industrie an Personal – wird weniger produziert. Diese Alternative besteht in der Pflege und in Betreuungsberufen nicht. „Die Menschen, die wir betreuen, haben dieselben Bedürfnisse wie immer, da ist es egal ob wir fünf oder zwei BetreuerInnen haben“, beklagt Fenninger. Die gelernte Köchin betont immer wieder, wie wohl sie sich grundsätzlich in ihrem neuen Job fühle – „aber das funktioniert einfach nicht mehr. Wir kommen in eine Situation, in der wir selbst die Grundbedürfnisse unser KlientInnen nicht mehr erfüllen können“.</p>



<h4 class="wp-block-heading">„Keiltreiberei“</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Rund 150 Kilometer weiter westlich ist die Situation eine ähnliche. Bei der Lebenshilfe in Aschbach-Markt (Bezirk Amstetten) arbeiten Paul Meierhofer und Anja Reitbauer Seite an Seite. Er ist Fachsozialbetreuer Behindertenarbeit, sie Sozial- und Kindergartenpädagogin mit UBV-Schulung – er bekommt eine Entgelterhöhung, sie nicht. <em>Warum?</em> Beiden fehlt das Verständnis dafür. Auch wenn Meierhofer sich grundsätzlich über die Zahlung freut, betrachtet er die Ungleichbehandlung als „Keiltreiberei“. Dadurch zeige die Politik einmal mehr, dass sie von den Vorgängen im Sozial- und Pflegebereich wenig Ahnung habe – dass bei Einrichtungen wie der Lebenshilfe eben auch Menschen Pflegetätigkeiten ausüben, deren Titel oder Ausbildung nicht das Wort „Pflege“ oder „Behindertenarbeit“ beinhalte. </p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow advgb-dyn-3a0387b1">
<p class="wp-block-paragraph">„Ich glaube, es geht da gar nicht um Böswilligkeit, sondern um Unwissenheit. Den EntscheidungsträgerInnen fehlt einfach der Einblick in unsere Arbeit“</p>
<cite>Anja Reitbauer</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Menschen wie Anja Reitbauer, die zwar fünf Jahre Kindergartenpädagogik, zwei Jahre Sozialpädagogik auf dem Buckel hat, zusätzlich eine UBV-Schulung absolvierte – und deren Tätigkeiten sich von Meierhofers nicht unterscheiden – gehen dadurch leer aus. „Ich glaube, es geht da gar nicht um Böswilligkeit, sondern um Unwissenheit. Den EntscheidungsträgerInnen fehlt einfach der Einblick in unsere Arbeit“, kritisiert Reitbauer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In seinem Büro in Sollenau versucht sich Betriebsratsvorsitzender Christian Hörhan gegen den Be- bzw. Fehlschluss der Regierung zu stemmen. Was ihn freut: Die Solidarität unter den Beschäftigten ist groß. 507 Unterschriften (von knapp 800 in der Betreuung tätigen MitarbeiterInnen) konnte er sammeln, das heißt, auch von jenen, die den Bonus erhalten werden. Zusammen mit einem Brief und einer Bitte um Stellungnahme gingen diese Ende Oktober an Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne), Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP), Landeshauptfrau Johanna Mickl-Leitner (ÖVP) und Soziallandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP). Eine Antwort stand bis Redaktionsschluss noch aus.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Zukunft Krise?</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Zu wenig Bezahlung, zu wenig Wertschätzung, zu wenig Personal – es sind die immer selben Forderungen, die seit Jahren von den Beschäftigten an die Regierungen herangetragen werden. Mit den immer selben Unvermögen der Verantwortlichen gegen die Gesundheits- und Pflegekrise etwas zu unternehmen. Dass viele der Beschäftigten der Branche irgendwann den Rücken kehren – Hörhan, Fenninger, Meierhofer und Reitbauer haben volles Verständnis.</p>



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</div></figure>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mit Mut und Willen zur Veränderung</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2021/12/16/mit-mut-und-willen-zur-veraenderung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Resei]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Dec 2021 08:41:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<category><![CDATA[behindertenbetreuung]]></category>
		<category><![CDATA[Betreuung]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Resei]]></category>
		<category><![CDATA[Lebenshilfe]]></category>
		<category><![CDATA[Menschen mit Behinderungen]]></category>
		<category><![CDATA[Pflege]]></category>
		<category><![CDATA[Sonja Föger-Kalchschmied]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kompetenz-online.at/?p=17770</guid>

					<description><![CDATA[Die Tirolerin und Betriebsrats-Vorsitzende Sonja Föger-Kalchschmied fordert ein gesellschaftliches Umdenken für die Entlohnung von Frauen und den Wert sozialer Dienstleistungen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="682" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/12/BR-Sonja-Foeger-Kalchschmied-50-1-1024x682.png" alt="" class="wp-image-17771" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/12/BR-Sonja-Foeger-Kalchschmied-50-1-1024x682.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/12/BR-Sonja-Foeger-Kalchschmied-50-1-300x200.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/12/BR-Sonja-Foeger-Kalchschmied-50-1-150x100.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/12/BR-Sonja-Foeger-Kalchschmied-50-1-768x511.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/12/BR-Sonja-Foeger-Kalchschmied-50-1-600x400.png 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/12/BR-Sonja-Foeger-Kalchschmied-50-1-720x480.png 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/12/BR-Sonja-Foeger-Kalchschmied-50-1-272x182.png 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/12/BR-Sonja-Foeger-Kalchschmied-50-1.png 1500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Foto: privat</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Tirolerin und Betriebsratsvorsitzende Sonja Föger-Kalchschmied fordert ein gesellschaftliches Umdenken für die Entlohnung von Frauen und den Wert sozialer Dienstleistungen.</strong></p>



<span id="more-17770"></span>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich will Dinge verändern“, sagt Sonja Föger-Kalchschmied, Betriebsrats-Vorsitzende in der Lebenshilfe Tirol. Vor ihrer Freistellung hat die gebürtige Reuttenerin in der mobilen Begleitung gearbeitet, ihren Beruf auch gerne ausgeübt: „Menschen mit Behinderung sind viel direkter, offener und haben eine enorme Lebensfreude“. Das Ziel der mobilen Begleitung ist die Unterstützung hin zu einem möglichst selbstbestimmten Leben. „Wir begleiten die Menschen im privaten Wohnumfeld und in ihrer Freizeit, da müssen Nähe und Distanz ständig in Balance gehalten werden – wir unterstützen, aber wir fordern auch auf, die Komfortzone zu verlassen.“ Eine bereichernde und psychisch wie physisch herausfordernde Aufgabe, die Föger-Kalchschmied in Teilzeit ausgeübt hat. Wie so viele Frauen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Menschen mit Behinderung sind viel direkter, offener und haben eine enorme Lebensfreude“</p><cite>Sonja Föger-Kalchschmied</cite></blockquote>



<h4 class="wp-block-heading">Nicht genug für ein gutes Leben</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Rund 70 Prozent der Lebenshilfe MitarbeiterInnen sind weiblich. Eine Vollzeit-Beschäftigung in diesem Sektor ist körperlich und mental oft kaum zu bewältigen. Die Arbeit wirkt über den Dienstschluss hinaus nach: „Es ist oft sehr schwer, abzuschalten“, weiß die Betriebsrats-Vorsitzende. Menschen mit Behinderung werden von der Lebenshilfe Tirol, einer gemeinnützigen GmbH, in vielen Bereichen unterstützt. Diese reichen vom begleiteten Wohnen in Vollzeit über vielfältige Projekte im Bereich Arbeit, mobiler Begleitung, Frühförderung, Freizeit-und Familienentlastung bis hin zu Arbeitsassistenz, Jobcoaching und Beratung. Föger-Kalchschmied: „Wir arbeiten inklusiv, uns ist es wichtig, dass jeder bzw. jede seinen Platz im Leben findet“. Der Beruf ist fordernd, die Dienstpläne stehen oft nur zwei Wochen im Voraus fest. Die Planung eines Familienalltags ist dann mehr als schwierig, wie in allen pflegenden Berufen ist enorme Flexibilität gefragt. Doch anhand der Bezahlung spiegelt sich all der Einsatz nicht wider. „Jene, die in Teilzeit arbeiten müssen, weil es in manchen Arbeitsbereichen nahezu keine Vollzeitstellen gibt, haben mitunter Probleme, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Erschwerend kommt hinzu, dass die Lebenserhaltungskosten in Tirol sehr hoch sind, es ist zu wenig, um gut leben zu können.“</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Jene, die in Teilzeit arbeiten müssen, weil es in manchen Arbeitsbereichen nahezu keine Vollzeitstellen gibt, haben mitunter Probleme, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.</p><cite>Sonja Föger-Kalchschmied</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Die Auswirkungen dieser Schieflage: Viele gut ausgebildete MitarbeiterInnen verlassen den Gesundheits- und Sozialbereich. „Das war für mich die Motivation, in den Betriebsrat zu gehen, denn Jammern und Lamentieren alleine bringt uns nicht weiter“, erzählt Sonja Föger-Kalchschmied, die vor mittlerweile siebeneinhalb Jahren Mitglied im Betriebsratsgremium wurde. Um mehr bewirken zu können, gründete sie eine eigene Liste, die in der folgenden Wahl gewann. Föger-Kalchschmied wurde Betriebsrats-Vorsitzende und vertritt nun rund 1.600 MitarbeiterInnen in ganz Tirol. Außerdem ist sie Tiroler Vertreterin für Gesundheit und Soziales im Bundesausschuss der GPA .</p>



<h4 class="wp-block-heading">Inmitten von Berufung und großen Herausforderungen</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Zwar arbeiten in den sozialen Dienstleistungen vor allem Frauen, bei den BetriebsrätInnen sind sie jedoch deutlich unterrepräsentiert. Das liegt auch an der Mehrfachbelastung, die viele Frauen an ihre Grenzen bringt. Wer sich im Betriebsrat einbringt, muss neben der Arbeit einiges an zusätzlicher Zeit aufbringen. „Und meiner Meinung nach, sollten sich Betriebsräte auch in der Gewerkschaft engagieren“, findet Föger-Kalchschmied. Was wiederum zu mehreren Abendterminen pro Woche führen kann. Vor allem jüngere Frauen mit Kindern haben dafür schlichtweg keine Zeit. </p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>&#8222;Meiner Meinung nach, sollten sich Betriebsräte auch in der Gewerkschaft engagieren.&#8220;</p><cite>Sonja Föger-Kalchschmied</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Wird ein Betriebsrat freigestellt, so wird er nur für die Arbeitszeit bezahlt, die er vorher im regulären Job gearbeitet hat: wer vorher in Teilzeit ist, bekommt auch als Betriebsrat nicht das Geld für eine Vollzeit-Stelle – selbst, wenn damit eine Vollzeit-Tätigkeit verbunden ist. Und die meisten Frauen im Gesundheit-und Sozialbereich arbeiten in Teilzeit. „Es ist aber wichtig, dass sich mehr Frauen als Betriebsrätinnen engagieren. Sie setzen andere, wichtige Akzente in der Arbeitswelt, deshalb ist es mir ein Anliegen auch mehr Frauen für die Betriebsratstätigkeit zu begeistern“, so Sonja Föger-Kalchschmied. Doch es ist keine leichte Aufgabe- bei Verhandlungen kann dann der Ton schon etwas rauer werden. „ Zu Beginn war es nicht leicht, mich da zu behaupten“, erinnert sich Sonja Föger-Kalchschmied. „Ich habe lernen müssen, gewisse Dinge nicht persönlich zu nehmen. Ich glaube, Männer halten dieses rohe Gehabe etwas besser aus und zeigen ihre Betroffenheit meist nicht.“ Wer Verbesserungen durchsetzen will, braucht einen langen Atem und muss Konflikte aushalten können. Auch sonst ist dieses Amt durchaus fordernd, die Betriebsrats-Vorsitzende ist viel unterwegs, denn es sind 130 Lebenshilfe-Tirol-Standorte zu betreuen. „Umso wichtiger ist es, ein gutes Team um sich zu haben.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Die Politik schaut weg</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Auch mit der Gewerkschaft GPA arbeitet Föger-Kalchschmied eng zusammen. „Wir waren in den letzten Jahren sehr aktiv und haben gemeinsame Aktionen gesetzt. Vor der Corona-Pandemie haben wir erstmals in Tirol gestreikt – es hieß, so etwas wäre im Sozialbereich nicht möglich, doch die Menschen in Tirol haben uns verstanden.“ Denn wer nichts fordert, kriegt nichts – das gilt besonders in der Arbeitswelt.<br>Zuletzt wurde Mitte November am Innsbrucker Franziskaner Platz demonstriert: „Wenn von der Politik aus nichts passiert, steuern wir auf ein immenses Problem zu, denn der Fachkräftemangel in unserer Branche wird immer größer“, erklärt die Betriebsrats-Vorsitzende. Die Arbeitszeit muss auf 35 Stunden verkürzt, die Gehälter erhöht, die Arbeitsbedingungen verbessert und die Kinderbetreuungsmöglichkeiten am Land ausgebaut werden. Ein wichtiges Anliegen ist es auch, den Gender-Pay-Gap endlich zu verringern.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit</h4>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn wir so weiter machen, werden wir die Gleichbezahlung der Frauen in 150 Jahren erreichen“, gibt sich Föger-Kalchschmied zwar keineswegs geschlagen, aber von dem „ewig grüßt das Murmeltier“-Effekt, wie sie ihn nennt, ziemlich genervt. „Es gibt zwar immer wieder die Equal-Pay-Day-Veranstaltungen, aber so richtig berühren tut es niemanden. Die Maßnahmen reichen nicht und gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, das ist auch zu ungenau – es sollte gleiche Bezahlung für gleichwertige Arbeit geben.“<br>Die Betriebsrats-Vorsitzende wünscht sich eine andere Bemessung der Wertigkeit von Arbeit. „Wird die Bezahlung im Sozialbereich deutlich erhöht, werden auch mehr Männer in dieser Sparte tätig sein“, ist sich Föger-Kalchschmied gewiss. Schon heute wird die Arbeit von Frauen, die etwa in der Elementarpädagogik in Skandinavien arbeiten, weitaus höher bewertet. „Dort haben sie gesellschaftlich wirklich etwas verändert und wir müssen den Willen haben, auch unser gesamtes System zu verändern.“ Und den Mut.<br>Die Arbeitsbedingungen für Frauen zu verbessern, das ist Föger-Kalchschmieds ureigenstes Anliegen. Denn je mehr Frauen verdienen, desto höher ist ihre Pension im Alter. „Die Altersarmut darf nicht die Endstation sein.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Ein Berg an positiver Energie</h4>



<p class="wp-block-paragraph">In großen Veränderungen übte sich Sonja Föger-Kalchschmied bereits als 14-Jährige. Damals ist sie von Reutte (die Gemeinde liegt im Tiroler Außerfern) nach Innsbruck übersiedelt, besuchte dort die höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe. Und blieb viele Jahre in der Hauptstadt – studierte Psychologie, schloss mit einem Bakkalaureat ab und arbeitete in verschiedenen Berufen. In der mobilen Betreuung bei der Lebenshilfe Tirol stieg Föger-Kalchschmied in eine Leitungsfunktion auf: „Ich habe die Arbeit von allen Seiten kennen gelernt, das hilft mir jetzt als Betriebsrats-Vorsitzende sehr“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die bekennende Naturliebhaberin lebt heute in Telfs, ist „ein sehr geselliger Mensch mit einem tollen Freundeskreis“ und hat das Glück, direkt am Waldrand zu wohnen: „Gleich hinterm Haus gehen Wanderwege los. Da gibt es ein paar richtig tolle Hütten, wo ich ein Frühstück oder Mittagessen genieße.“ Die 52-Jährige steigt gerne auch mal auf höhere Berge, liebt „Bergtouren, wie auf die hohe Munde, meinen Hausberg – das gibt viel Kraft“. Neben dem Bergsteigen und Wandern, fährt die Tirolerin mit dem Mountainbike, schwimmt und ackert in ihrem Garten, der ihr „positive Energie“ schenkt. Positives und konstruktives Feedback und Rückhalt bekommt Sonja Föger-Kalchschmied auch von ihrem Ehemann: „Wir ticken sehr ähnlich“.</p>
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		<title>Aus für besondere Bedürfnisse?</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2011/02/07/aus-fur-besondere-bedurfnisse/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Resei]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Feb 2011 06:42:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2011/01]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsplätze]]></category>
		<category><![CDATA[Budgetkürzungen]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Resei]]></category>
		<category><![CDATA[Einsparungen]]></category>
		<category><![CDATA[Kinder]]></category>
		<category><![CDATA[Lebenshilfe]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialwirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Förderung und Betreuung. Gerade bei Kindern sollte nicht gespart werden. Doch die mobilen Dienste der Lebenshilfe Steiermark fallen jetzt den Budgetkürzungen zum Opfer. Der Mobile Dienst „Individuelle Entwicklungsförderung und Familienbegleitung“ (IEF) der Lebenshilfe fördert Kinder mit besonderen Bedürfnissen im schulpflichtigen Alter. Viele von ihnen haben z. B. Autismus, DownSyndrom oder ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung). Für ihre Entwicklung [&#8230;]]]></description>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="567" height="378" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/11/Entwicklungsfoerderung_001_kompr.jpg" alt="" class="wp-image-15553" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/11/Entwicklungsfoerderung_001_kompr.jpg 567w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/11/Entwicklungsfoerderung_001_kompr-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/11/Entwicklungsfoerderung_001_kompr-150x100.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/11/Entwicklungsfoerderung_001_kompr-272x182.jpg 272w" sizes="auto, (max-width: 567px) 100vw, 567px" /><figcaption>Foto: Lebenshilfe</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Förderung und Betreuung. Gerade bei Kindern sollte nicht gespart werden. Doch die mobilen Dienste der Lebenshilfe Steiermark fallen jetzt den Budgetkürzungen zum Opfer.<br></strong></p>



<span id="more-580"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mobile Dienst „Individuelle Entwicklungsförderung und Familienbegleitung“ (IEF) der <a href="http://www.lebenshilfe-stmk.at/cms/" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="Lebenshilfe (öffnet in neuem Tab)">Lebenshilfe </a>fördert Kinder mit besonderen Bedürfnissen im schulpflichtigen Alter. Viele von ihnen haben z. B. Autismus, DownSyndrom oder ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung). Für ihre Entwicklung brauchen sie viel Zeit, um kleine Schritte in Richtung selbstbestimmtes Leben zu gehen. Zeit, die ihnen Eva Ebner auch widmet. Ebner ist mobile Entwicklungsförderin der <a href="http://www.lebenshilfe-guv.at/" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="Lebenshilfe Graz und Umgebung – Voitsberg (öffnet in neuem Tab)">Lebenshilfe Graz und Umgebung – Voitsberg </a>(GUV), unternimmt Hausbesuche und bemüht sich nach allen Kräften, die ihr anvertrauten Kinder zwischen 6 und 16 Jahren individuell zu fördern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Zu Hause in vertrauter Umgebung fällt den Kindern das Lernen leichter. Im Sommer habe ich mit einem Buben gearbeitet, der an Autismus leidet. Am Ende des Sommers ist er schon so weit gewesen, dass er anderen Kindern auf die Frage, ob er mitspielen will, mit ‚Ja, machen wir‘ geantwortet hat&#8220;, berichtet Ebner. Wer sich ein wenig mit Autismus beschäftigt hat, weiß, wie schön dieser Augenblick für die Betreuerin und die Eltern gewesen sein muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht bloß für die Kinder ist der Heimvorteil entscheidend, auch die BetreuerInnen profitieren vom Einblick in das unmittelbare Lebensumfeld der Familien: „Häufig sind die Eltern eines behinderten Kindes überfordert und brauchen Tipps und Anregungen für den Alltag“, weiß Eva Ebner, die freilich auch eng mit den Eltern zusammenarbeitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Durch die positiven Lerneffekte und Aktivitäten – etwa auf einem nahe gelegenen Spielplatz – werden die Kinder vom mobilen Dienst in ihrem Selbstwertgefühl gestärkt. Schritt um Schritt werden Beziehungen zu den Entwicklungsförderern aufgebaut – nur Vertrauen schafft auch Fortschritte. Und jeder Schritt vorwärts kostet Geld. Statt weiter voran zu gehen, will jetzt&nbsp; das Land Steiermark Einsparungen vornehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kaputtsparen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wegen Budgetkürzungen der Landesregierung soll jetzt die Entwicklungsförderung zur Gänze eingestellt werden. Davon sind 37 Arbeitsplätze der Lebenshilfe Graz betroffen. Geht es nach den Sparplänen des Landes, werden bald keine BetreuerInnen wie Eva Ebner zu den Kindern nach Hause kommen können. „Wir hoffen natürlich nicht, dass die Budgetkürzung in dieser Härte durchgeführt wird. Wie es derzeit aussieht, ist das die Ausradierung einer Dienstleistung“, erklärt Monika Fließer, Betriebsrätin der Lebenshilfe GUV.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von den 37 Beschäftigten sind 36 Frauen. „Die meisten von ihnen haben kleine Beschäftigungsausmaße, die von einem existenzsichernden Einkommen weit entfernt sind“, beschreibt Fließer die Lage. Für die betroffenen KollegInnen fordert der Betriebsrat vom Unternehmen einen Sozialplan, der die Härten des Arbeitsplatzverlustes mindert. Diesbezügliche Gespräche haben bereits stattgefunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einsparen und streichen ohne inhaltliche Diskussion? Über 100 Kinder und auch deren Familien sind steiermarkweit betroffen. Ein Jahrzehnt Aufbauarbeit soll einfach zerstört werden. Durch die Einsparungen werden auch speziell ausgebildete MitarbeiterInnen bald ohne Job sein, betroffene Kinder ohne Betreuung und Eltern ohne notwendige Unterstützung und Beratung. Eva Ebner etwa ist ausgebildete Kindergartenpädagogin, Sozial- und Sonderpädagogin, Suchtberaterin und Legasthenietrainerin.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Unterstützung für Eltern</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Eltern der Kinder erreicht die Belastungsgrenze damit wieder ein Maximum. Wirkt das Verhalten eines Kindes für die Umwelt verstörend, sind die Eltern oft Verständnislosigkeit ausgesetzt. Ein Wochenende auszuspannen ist kaum möglich. „Wenn sich ein Kind nicht ‚normal‘ verhält und zum Beispiel lange schreit, glauben viele Menschen, dass ein Erziehungsfehler daran schuld ist“, erzählt Michaela Sulzer, Entwicklungsförderin der Lebenshilfe Graz. Zumeist sind die Entwicklungsförderinnen der Lebenshilfe eine wichtige Anlaufstelle für betroffene Eltern. Von stärkenden Gesprächen, konkreten Taten bis hin zu Tipps, wie Kinder abseits des „klassischen Lernens“ – etwa durch Spiele – dazulernen können, reicht die Eltern-Unterstützung der Lebenshilfe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In ihrer Arbeit hat Michaela Sulzer schon viele kleine und große Erfolge erzielt: Eines „ihrer“ Kinder, Franz, hat ADHS. Seit einigen Wochen braucht er weniger Medikamente, weil er so große Fortschritte gemacht hat. Das Ziel: Franz soll bald ohne Medikamente leben können. Ohne Entwicklungsförderung wird das Kind jedoch weiter auf pharmazeutische Hilfe angewiesen sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Folgen für die Zukunft</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die mobilen Dienste sind mehr als nur wichtig: Ihre Arbeit erspart der Gesellschaft in der Zukunft Geld. Denn alles, was im Kindesalter versäumt wird, kann in späteren Jahren nicht so einfach aufgeholt werden. Was die Kinder jetzt von den EntwicklungsförderInnen lernen, wird sie so gut wie möglich in ein weitgehend selbstbestimmtes Leben führen. Betriebsrätin Fließer beklagt: „Es ist absolut kurzsichtig, das Programm einzusparen.&#8220; Wenn ein Kind lernt, sich alleine anzukleiden und die Schuhe zuzubinden oder ein Brot zu schneiden, so erleichtert das nicht nur sein Leben, sondern auch das seiner Familie. Viele lernen erst durch die Unterstützung der Entwicklungsförderin richtig lesen, auch das ist ein wichtiger Schritt zu einer besseren Lebensqualität. „Die Folgen dieser geplanten Einsparungen werden später Mehrkosten verursachen, denn eine Basisförderung hat eben die beste Wirkung, wenn sie möglichst früh einsetzt“, ergänzt Entwicklungsförderin Michaela Sulzer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Volkswirtschaftlich gesehen ist dieses Sparpaket Geldvernichtung pur. Einerseits wurde bereits viel Geld für den Aufbau der Dienstleistung in die Hand genommen und andererseits wird die öffentliche Hand in naher und ferner Zukunft mehr Geld, als sie sich heute erspart, einsetzen müssen“, geht Monika Fließer mit den Sparmaßnahmen hart ins Gericht. „Durch die vorenthaltene Förderung werden viele dieser Kinder nie einem Beruf nachgehen können. Anstatt ins System einzuzahlen, werden sie Geldleistungen aus dem System brauchen.“</p>
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