<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Martin Müllauer &#8211; KOMPETENZ-online</title>
	<atom:link href="https://kompetenz-online.at/tag/martin-muellauer/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://kompetenz-online.at</link>
	<description></description>
	<lastBuildDate>Tue, 15 Jul 2025 15:06:18 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=7.0.3</generator>

<image>
	<url>https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/02/index-1-150x150.png</url>
	<title>Martin Müllauer &#8211; KOMPETENZ-online</title>
	<link>https://kompetenz-online.at</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Überstunden eindämmen</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2024/03/07/ueberstunden-eindaemmen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexia Weiss]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Mar 2024 11:16:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Arbeitszeit]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgabe 2024/01]]></category>
		<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Coverstories]]></category>
		<category><![CDATA[Adi Lehner]]></category>
		<category><![CDATA[Alexia Weiss]]></category>
		<category><![CDATA[All-In-Vertrag]]></category>
		<category><![CDATA[Barbara Teiber]]></category>
		<category><![CDATA[Beatrix Eiletz]]></category>
		<category><![CDATA[Freizeit]]></category>
		<category><![CDATA[Günther Gallistl]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Müllauer]]></category>
		<category><![CDATA[Mehrarbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Überstunden]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kompetenz-online.at/?p=20515</guid>

					<description><![CDATA[Überlange Arbeitszeiten machen langfristig krank. Statt in Richtung Arbeitszeitverkürzung zu gehen, verlangen viele Arbeitgeber:innen von ihren Beschäftigten dennoch immer noch jede Menge Überstunden. Besonders kritisch sind hier All-in-Verträge für Arbeitnehmer:innen zu sehen, die keine
Führungsfunktion inne haben.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/03/arbeit_ueberstunde_iStock-951544354-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-20516" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/03/arbeit_ueberstunde_iStock-951544354-1024x683.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/03/arbeit_ueberstunde_iStock-951544354-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/03/arbeit_ueberstunde_iStock-951544354-150x100.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/03/arbeit_ueberstunde_iStock-951544354-768x512.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/03/arbeit_ueberstunde_iStock-951544354-1536x1024.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/03/arbeit_ueberstunde_iStock-951544354-2048x1365.jpg 2048w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/03/arbeit_ueberstunde_iStock-951544354-600x400.jpg 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/03/arbeit_ueberstunde_iStock-951544354-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/03/arbeit_ueberstunde_iStock-951544354-272x182.jpg 272w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Foto: iStock</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Überlange Arbeitszeiten machen langfristig krank. Statt in Richtung Arbeitszeitverkürzung zu gehen, verlangen viele Arbeitgeber:innen von ihren Beschäftigten dennoch immer noch jede Menge Überstunden. Besonders kritisch sind hier All-in-Verträge für Arbeitnehmer:innen zu sehen, die keine<br>Führungsfunktion inne haben.</p>



<span id="more-20515"></span>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Flexidays“ nennt die Bank Austria ein Angebot für ihre Beschäftigten, bei dem das Gehalt um fünf oder zehn Prozent reduziert wird, sie dabei zwar weiter Vollzeit arbeiten, aber zusätzlich zum Jahresurlaub weitere freie Tage konsumieren können. „Wenn ich um zehn Prozent reduziere, bekomme ich gerundet 20 zusätzliche freie Tage, bei fünf Prozent sind es zehn Tage“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Adi Lehner. „Dieses Modell kommt extrem gut an und zeigt, dass es ein großes Bedürfnis gibt, mehr freie Zeit zu haben.“ Eine gute Work-Life-Balance sei wichtig, und das aus gutem Grund, so Lehner: „Wer regelmäßig Überstunden macht und keinen entsprechenden Ausgleich hat, läuft Gefahr, krank zu werden. Beim einen ist es Dauerkopfschmerz, andere rutschen in ein Burnout.“</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8222;Wer regelmäßig Überstunden macht und keinen entsprechenden Ausgleich hat, läuft Gefahr, krank zu werden.&#8220;</p>
<cite>Adi Lehner</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Wie Unternehmen mit dem Thema Überstunden umgehen, ist höchst unterschiedlich. Was aber nur mehr selten passiert, ist, dass diese einzeln abgegolten werden. In der Bank Austria gibt es für viele Beschäftigte Überstundenpauschalen. Darüber hinaus gilt: Geleistete Überstunden sollen eher durch Gleitzeit abgebaut als ausgezahlt werden. Gut im Griff sei das Thema Arbeitszeit inzwischen in den Filialen. Der Grund: es wurden die Öffnungszeiten reduziert.</p>



<div class="wp-block-group blauebox"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<p class="wp-block-paragraph"><strong>47 Millionen unbezahlte Stunden</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">2022 haben die Betriebe den Arbeitnehmer:innen 47 Millionen Mehr- und Überstunden weder mit Geld noch mit Zeitausgleich abgegolten. Das ergibt eine Sonderauswertung der Statistik Austria für die AK Wien. Insgesamt kostet das die Arbeitnehmer:innen 1,2 Milliarden Euro. Frauen sind noch stärker betroffen als Männer. Dabei liegt der Anteil der unbezahlten Mehr- und Überstunden bei einem Viertel. Männern werden 23 Prozent nicht abgegolten bei Frauen, die zu einem deutlich höheren Anteil Teilzeit arbeiten, sind es sogar 28 Prozent!</p>
</div></div>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das würde sich Martin Müllauer auch für den Handel wünschen. Der Betriebsratsvorsitzende des Morawa Bucheinzelhandels ist auch Chefverhandler für den Handelskollektivvertrag. Früher gab es Spitzen in der Vorweihnachtszeit, so Müllauer, da wussten alle im Handel Beschäftigten: „Jetzt müssen wir vier Wochen hineinbeißen.“ Nun komme man aus diesem Zustand aber nicht mehr heraus. Die auch aufgrund des Personalmangels dünne Personaldecke führe dazu, dass ständig eingesprungen und länger gearbeitet werden müsse. Auch hier sei in den meisten Betrieben die Devise, Zeitausgleich zu nehmen. „Die Verbliebenen machen wieder Überstunden und die Katze beißt sich in den Schwanz.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">All-in-Verträge nachrechnen</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Womit der stationäre Handel gegenüber dem Onlinegeschäft punkte, sei Beratung – allerdings nur, wenn es ausreichend Personal gebe. Unternehmen würden hier daher mit langen Öffnungszeiten auch gegen das Kundenservice arbeiten, argumentiert Müllauer. Vor allem aber geht es ihm um die Gesundheit und Zufriedenheit der Mitarbeiter:innen. Von All-in-Verträgen, wie sie zunehmend auch Filialleiter:innen, die aber selbst nichts entscheiden dürften, angeboten würden, rät er diesen ab. „Ich habe das mit einigen Kolleg:innen durchgerechnet. Da wird dann schnell klar, dass sie damit schlechter aussteigen.“</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Ich habe All-in-Verträge mit einigen Kolleg:innen durchgerechnet. Da wird dann schnell klar, dass sie damit schlechter aussteigen.&#8220;</p>
<cite>Martin Müllauer</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Günther Gallistl hält wenig von All-in-Verträgen. Er ist Vorsitzender des Angestelltenbetriebsrats bei Thermo Fisher Scientific und Chefverhandler des Kollektivvertrags der Chemischen Industrie. Etwa die Hälfte der 480 Angestellten in dem Betrieb hätten All-in-Verträge. Zehn Stunde tägliche Arbeitszeit seien für sie die Regel, nicht die Ausnahme. „All-in-Verträge sind die Knechtschaft der Angestelltenschaft“, meint er. Ginge es nach ihm, gehören solche Verträge abgeschafft. Warum das Gros der Betriebe im Bereich der chemischen und Pharmaindustrie darauf setzen? „Sobald der Personalstand nach oben geht, ist das ein Kostenfaktor.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei Thermo Fischer Scientific kommt man allerdings immerhin der gesetzlichen Vorgabe nach, am Jahresende eine Deckungsprüfung vorzunehmen. Dabei wird nachgerechnet, wie hoch die Differenz zwischen Mindestgrundgehalt laut KV und Überzahlung ist und wieviele Überstunden geleistet wurden. So gibt es dann für jene mit eher niedrigen Überzahlungen Nachzahlungen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Wir stellen fest, dass viele Beschäftigte, die mehr arbeiten als in ihrem All-in-Vertrag vorgesehen ist, dies aus Furcht oder Unwissenheit nicht ansprechen.&#8220;</p>
<cite>Barbara Teiber</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vergabe von All-in-Verträgen nehme quer durch die Branchen überhand, kritisiert GPA-Vorsitzende Barbara Teiber. Zunehmend würden hier auch Arbeitnehmer:innen mit niedrigen Gehältern unter Druck gesetzt. Und: „Wir stellen fest, dass viele Beschäftigte, die mehr arbeiten als in ihrem All-in-Vertrag vorgesehen ist, dies aus Furcht oder Unwissenheit nicht ansprechen.“ Teiber fordert daher eine Einschränkung von All-in-Verträgen auf Führungskräfte, die über der Höchstbemessungsgrundlage von derzeit 6.450 Euro verdienen. Für sie könne das Modell gut und zum beiderseitigen Vorteil sein. Was allerdings auch hier auffällt: eine Deckungsprüfung, wie von Thermo Fisher Scientific-Betriebsrat Gallistl geschildert, findet in vielen anderen Unternehmen nicht statt – obwohl alle Arbeitgeber laut Gesetz dazu verpflichtet wären.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Laufend Mehr- und Überstunden</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Weniger Thema sind All-in-Verträge in der Sozialwirtschaft, so Beatrix Eiletz, Betriebsratsvorsitzende der Volkshilfe Steiermark und KV-Verhandlerin für die Sozialwirtschaft. Von den 3.300 Beschäftigten der Volkshilfe Steiermark, die vor allem im Bereich Pflege und Elementarpädagogik eingesetzt sind, arbeiten zwei Drittel Teilzeit. Dennoch sind lange Arbeitszeiten auch für sie ein Thema. „Die meisten machen laufend Mehr- und auch Überstunden, weil ständig eingesprungen werden muss.“ Das wirke sich physisch wie psychisch aus.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Die meisten machen laufend Mehr- und auch Überstunden, weil ständig eingesprungen werden muss.&#8220;</p>
<cite>Beatrix Eiletz</cite></blockquote>



<h4 class="wp-block-heading">Nicht planbare Freizeit</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders mache den Beschäftigten der Sozialwirtschaft zu schaffen, „dass sie ständig in der Freizeit angerufen werden, und gefragt werden, ob sie einspringen können“. Es gebe zwar keine Verpflichtung, dem nachzukommen, doch viele würden sich den Kolleg:innen verpflichtet fühlen. Eiletz versucht dann immer wieder zu vermitteln, dass es am Arbeitgeber, besonders aber an der Politik liegen würde, die Personaldecke zu erhöhen. Bis zu einem bestimmten Punkt sei es möglich, Personalausfälle durch Krankenstand und Urlaub zu kompensieren, aber irgendwann gehe das eben nicht mehr. </p>



<div class="wp-block-group blauebox"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<h4 class="wp-block-heading">Unser Tipp: Arbeitszeiten aufzeichnen</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Bekommst du deine Überstunden korrekt bezahlt oder kannst du dir Zeitausgleich dafür nehmen?<br>Wenn du das Gefühl hast, mit der Abrechnung deiner Arbeitszeit stimmt etwas nicht, dann solltest du:</p>



<ol class="wp-block-list">
<li>unbedingt selbst deine Arbeitszeiten aufzeichnen. (Sogar in einem Streit vor Gericht werden selbst geführte Aufzeichnungen als Beweismittel anerkannt.)</li>



<li>zu uns kommen und deine Arbeitszeiten und deinen Arbeitsvertrag von einem unserer Rechtsberater:innen prüfen lassen.</li>
</ol>



<h4 class="wp-block-heading">All-in-Rechner</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Du hast einen All-in-Vertrag und willst wissen, ob du fair bezahlt bist? Dann nutze unseren kostenlosen All-in-Rechner: <a href="https://rechner.allinrechner.at/" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="rechner.allinrechner.at/ (öffnet in neuem Tab)">rechner.allinrechner.at/</a></p>
</div></div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Herbstlohnrunde: Wir verzichten nicht!</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2023/10/05/herbstlohnrunde-wir-verzichten-nicht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Martin Panholzer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Oct 2023 12:55:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2023/03]]></category>
		<category><![CDATA[Coverstories]]></category>
		<category><![CDATA[Kollektivvertrag]]></category>
		<category><![CDATA[Barbara Teiber]]></category>
		<category><![CDATA[Beatrix Eiletz]]></category>
		<category><![CDATA[Handel]]></category>
		<category><![CDATA[Karl Dürtscher]]></category>
		<category><![CDATA[Kollektivvertragsverhandlung]]></category>
		<category><![CDATA[KV]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Müllauer]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Panholzer]]></category>
		<category><![CDATA[Metallindustrie]]></category>
		<category><![CDATA[Reinhard Streinz]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialwirtschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kompetenz-online.at/?p=20165</guid>

					<description><![CDATA[Die Gewerkschaft GPA verhandelt in diesem Herbst für hunderttausende Beschäftigte die Gehaltserhöhung. Die heurige Kollektivvertragsrunde findet unter besonders schwierigen Rahmenbedingungen statt. Zur anhaltend hohen Inflationsrate gesellt sich nun eine wirtschaftliche Eintrübung. Lohnverzicht wäre jedoch die völlig verkehrte Antwort.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="797" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/10/Barbara_Demofoto_20220917_153508-1024x797.png" alt="" class="wp-image-20166" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/10/Barbara_Demofoto_20220917_153508-1024x797.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/10/Barbara_Demofoto_20220917_153508-300x233.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/10/Barbara_Demofoto_20220917_153508-150x117.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/10/Barbara_Demofoto_20220917_153508-768x598.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/10/Barbara_Demofoto_20220917_153508.png 1500w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">„Hätte die Bundesregierung stärker auf warnende Stimmen gehört und die Vorschläge der Gewerkschaften ernst genommen, dann wären die Voraussetzungen für die Lohn- und Gehaltspolitik um einiges einfacher“, sagt GPA-Vorsitzende Barbara Teiber (dritte v.l.).<br>Foto: GPA</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Gewerkschaft GPA verhandelt in diesem Herbst für hunderttausende Beschäftigte die Gehaltserhöhung. Die heurige Kollektivvertragsrunde findet unter besonders schwierigen Rahmenbedingungen statt. Zur anhaltend hohen Inflationsrate gesellt sich nun eine wirtschaftliche Eintrübung. Lohnverzicht wäre jedoch die völlig verkehrte Antwort.</strong></p>



<span id="more-20165"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Mit 7,5 Prozent ist die Inflationsrate im August in Österreich eine der höchsten im Euroraum. Einer der Gründe dafür liegt in den hohen Energiepreisen, welche sich durch die gesamte Wirtschaft verbreiten. Aktuell sind vor allem Lebensmittel, Dienstleistungen und Wohnen teuer. Die rollierende Inflation des vergangenen Jahres, die als Verhandlungsbasis für die KV-Verhandlungen gilt, liegt bei 9,6 Prozent.<br></p>



<div class="wp-block-media-text is-stacked-on-mobile"><figure class="wp-block-media-text__media"><img decoding="async" width="555" height="555" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/10/2022-02-15-NGVG-Podcast-Gewalt-im-Handel-IMG00973-Martin-Muellauer-Michael-Trinko-1.png" alt="" class="wp-image-20169 size-full" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/10/2022-02-15-NGVG-Podcast-Gewalt-im-Handel-IMG00973-Martin-Muellauer-Michael-Trinko-1.png 555w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/10/2022-02-15-NGVG-Podcast-Gewalt-im-Handel-IMG00973-Martin-Muellauer-Michael-Trinko-1-300x300.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/10/2022-02-15-NGVG-Podcast-Gewalt-im-Handel-IMG00973-Martin-Muellauer-Michael-Trinko-1-150x150.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/10/2022-02-15-NGVG-Podcast-Gewalt-im-Handel-IMG00973-Martin-Muellauer-Michael-Trinko-1-500x500.png 500w" sizes="(max-width: 555px) 100vw, 555px" /></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Die Beschäftigten im Handel können sich einen<br>Gehaltsverzicht schlicht und einfach nicht leisten. Hier geht es neben der Bewältigung des individuellen Lebens auch um die Kaufkraft einer halben Million Menschen. Gerade der Handel selbst muss ein großes Interesse daran haben, dass die Konsumnachfrage nicht einbricht.“</p>
<cite>Martin Müllauer,<br>Betriebsratsvorsitzender von MORAWA und Vorsitzender GPA-Wirtschaftsbereich Handel</cite></blockquote>
</div></div>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die österreichische Regierung hat sich trotz vieler kritischer Stimmen dafür entschieden, die Auswirkungen der Inflation fast ausschließlich durch Direktzahlungen zu bekämpfen und nicht bei deren Entstehung anzusetzen. Damit bleibt die hohe Belastung durch die Inflation weiterhin aufrecht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hätte die Bundesregierung stärker auf warnende Stimmen gehört und die Vorschläge der Gewerkschaften ernst genommen, dann wären die Voraussetzungen für die Lohn- und Gehaltspolitik um einiges einfacher. Es werden aber sicher nicht die Beschäftigten sein, die die Fehler der Politik nun ausbaden“, sagt GPA-Vorsitzende Barbara Teiber.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Unternehmen konnten Gewinne ausbauen</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Unternehmen konnten die inflationsbedingten Kostensteigerungen an die Kund:innen weiter geben und ihre Gewinne in den letzten Jahren stark erhöhen. Es ist auch kein Fall bekannt, wo den Ausschüttungen an Eigentümer Grenzen nach oben gesetzt wurden. „Es wäre absurd, wenn nun ausgerechnet die Beschäftigten jene Gruppe sind, bei denen als erstes ein Deckel nach oben bei Löhnen und Gehältern eingezogen wird. Die Teuerung des letzten Jahres muss abgegolten werden, alles andere wäre ein mehr als schlechtes Geschäft für die unselbständig Beschäftigten“, stellt Teiber klar.<br>Stagnierende bzw. sinkende Realeinkommen wären nicht nur für jede/n Einzelne/n eine nicht zumutbare Belastung, sondern auch in Zeiten eines drohenden wirtschaftlichen Abschwunges fatal. Die Europäische Kommission hat bereits in der Frühjahrsprognose darauf hingewiesen, dass der private Konsum in Österreich 2023 ganz erheblich für das Wachstum und damit den Wohlstand verantwortlich sein wird. In dem Zusammenhang spricht die Kommission auch von der Wichtigkeit von starken Lohn- und Gehaltserhöhungen!</p>



<h4 class="wp-block-heading">Neue Form der Lohnfindung</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist nur allzu durchschaubar, dass aktuell vor allem von marktliberalen Stimmen darauf gedrängt wird, die Laufzeiten der Abschlüsse zu verlängern. Denn wir kommen jetzt in eine Phase, in der die rollierende Inflation, also der 12-Monatsdurchschnitt der Inflation, höher als die aktuelle monatliche Inflationsrate ist. „Nun auf jährliche Verhandlungen zu verzichten, würde uns die Möglichkeit nehmen, auf die wirklichen Gegebenheiten der Wirtschaft und der Preisentwicklung flexibel einzugehen. Seit jeher ist die solidarische Lohnpolitik an der Inflation und der Produktivitätssteigerung des vergangenen Jahres orientiert. Diese Vorgehensweise ist geübt und gibt den Unternehmen ausreichend Planungssicherheit“, legt sich der Chefverhandler der GPA, Karl Dürtscher, fest.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Immer wieder kommen außerdem Rufe zur Verwendung eines anderen Index als Basis für die Lohnverhandlung auf – je nachdem wie es gerade vorteilhaft für die Unternehmerinteressen ist. Meist wird in diesem Zusammenhang vom „BIP-Deflator“, dem Preisindex der heimischen Wertschöpfung gesprochen. „Um die Kaufkraft der Arbeitsleistung zu bewahren und damit sicherzustellen, dass der Lebensstandard der Menschen in Österreich zumindest gleichbleibt, ist es notwendig, alle Ausgaben mit denen Haushalte konfrontiert sind, zu berücksichtigen. Das ist nur durch die Betrachtung aller relevanten Preissteigerungen möglich“, sagt dazu der Leiter der GPA-Grundlagenabteilung David Mum.</p>



<div class="wp-block-media-text is-stacked-on-mobile"><figure class="wp-block-media-text__media"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/10/Streinz-195-1024x1024.png" alt="" class="wp-image-20173 size-full" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/10/Streinz-195-1024x1024.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/10/Streinz-195-300x300.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/10/Streinz-195-150x150.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/10/Streinz-195-768x769.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/10/Streinz-195-600x600.png 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/10/Streinz-195-500x500.png 500w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/10/Streinz-195.png 1308w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Die Angestellten und die Arbeiter:innen können am allerwenigsten etwas für die extrem hohe Inflation. Es ist nicht einzusehen, dass ausgerechnet sie für die Fehler der Politik die Zeche zahlen sollen. Im Standortwettbewerb bestehen wir durch ausgezeichnete Produktivität, durch hohe Qualitätsstandards, aber keinesfalls durch Lohndumping. Und es geht auch um den Erhalt der Kaufkraft für alle Kolleg:innen.“</p>
<cite>Reinhard Streinz,<br>Angestellten-Betriebsratsvorsitzender der voestalpine Stahl GmbH und GPA-Verhandler in der Metaller-Runde</cite></blockquote>
</div></div>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Einmalzahlungen werden heuer wieder als Alternative zu prozentuellen Lohn- und Gehaltserhöhungen ins Treffen geführt. Gegen Einmalzahlungen und Prämien ist grundsätzlich nichts einzuwenden, wenn sie zusätzlich zur nachhaltigen Gehaltserhöhung gewährt werden. Die GPA hat erst jüngst berechnen lassen, wie sich das Aussetzen einer jährlichen Gehaltserhöhung auf das Lebenseinkommen auswirkt. Hier geht es um beträchtliche Verluste im Zehntausenderbereich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mitunter wird der Vorschlag gemacht, als Maßnahmen gegen die Teuerung eine Lohnnebenkostensenkung durchzuführen. Lohnnebenkosten sind Kosten, die der Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin für die Beschäftigten bezahlen muss: etwa die Beiträge zur Pensionsversicherung, Krankenversicherung, Unfallversicherung, Arbeitslosenversicherung, zum Insolvenzentgeltsicherungsfonds, zum Familienlastenausgleichsfonds und zur Wohnbauförderung. Damit ist schon einmal klar, wer von einer Senkung der Lohnnebenkosten profitiert: Arbeitgeber:innen. Für die Beschäftigten bringt eine Lohnnebenkostensenkung nicht mehr Einkommen, sondern schlechtere Leistungen. Mit den Lohnnebenkosten werden viele soziale Leistungen finanziert, die den Beschäftigten zugutekommen Diese Beiträge dienen zur Pensionsfinanzierung, fließen in das Gesundheitssystem oder kommen über die Familienbeihilfen Familien zugute. Nachdem die Lohnnebenkosten der Finanzierung von Leistungen dienen, die auch an die Inflation angepasst werden, wie Pensionen, Familienbeihilfe oder wo der Bedarf steigt, wie dem Gesundheitssystem, macht das wirtschaftlich keinen Sinn. Wenn Ausgaben für diese Leistungen mit der Inflation steigen, wäre es verantwortungslos, die Einnahmen zu kürzen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Was tun?</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Lohnzurückhaltung rettet keinen Betrieb und schon gar nicht die Volkswirtschaft. Im Gegenteil: ein Sinken der Nachfrage jetzt würde die Probleme noch verstärken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn Eingriffe in die Preisentwicklung von der Regierung bisher verabsäumt wurden, noch sind Maßnahmen möglich und sicher notwendig. Die im August angekündigte Mietpreisbremse wird allerdings wenig Wirkung haben und birgt Tücken. So wird der Deckel beim gemeinnützigen Wohnbau die Mittel für geförderten Wohnbau empfindlich schmälern. Genau dieses Segment ist aber enorm wichtig, um auch künftig leistbaren Wohnraum zu ermöglichen.</p>



<div class="wp-block-media-text is-stacked-on-mobile"><figure class="wp-block-media-text__media"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/10/Beatrix-Eiletz_4307_a-1024x1024.png" alt="" class="wp-image-20176 size-full" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/10/Beatrix-Eiletz_4307_a-1024x1024.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/10/Beatrix-Eiletz_4307_a-300x300.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/10/Beatrix-Eiletz_4307_a-150x150.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/10/Beatrix-Eiletz_4307_a-768x768.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/10/Beatrix-Eiletz_4307_a-1536x1536.png 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/10/Beatrix-Eiletz_4307_a-2048x2048.png 2048w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/10/Beatrix-Eiletz_4307_a-600x600.png 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/10/Beatrix-Eiletz_4307_a-500x500.png 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Um zusätzliches Personal zu halten und zu bekommen, müssen die Arbeitsbedingungen im Sozial- und Gesundheitsbereich attraktiver gestaltet werden. Und dazu gehören ganz wesentlich höhere Gehälter. Die Arbeit mit Menschen muss der Politik und der Gesellschaft mehr Wert sein.“</p>
<cite>Beatrix Eiletz,<br>Betriebsratsvorsitzende bei der Volkshilfe Steiermark und Chefverhandlerin für den Sozialwirtschafts-<br>Kollektivvertrag</cite></blockquote>
</div></div>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Regierung muss sich auch rasch überlegen, wie sie dem drohenden Wirtschaftsabschwung entgegengewirkt. Vor allem die Bauwirtschaft leidet massiv unter den geänderten Vorzeichen der Zinspolitik. Investitionen werden teurer und die Bereitschaft, Kredite aufzunehmen sinkt massiv. Die öffentliche Hand ist gefordert, öffentliche Investitionsprogramme weiter zu forcieren etwa in den Bereichen Energie, Kinderbildung, öffentlicher Verkehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gute Stimmung, die viele Vertreter:innen der Politik jetzt einfordern, ist tatsächlich wichtig, diese erzeugt man aber nicht durch Appelle, sondern durch konkrete spürbare Maßnahmen, die bei den Menschen ankommen. Die Beschäftigten und ihre Leistungsbereitschaft sind das Rückgrat unserer Wirtschaft. Gerade die Beschäftigten jetzt zu bestrafen, ist nicht nur ungerecht, sondern auch wirtschaftlich falsch! </p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut dem Vertreter der Metallindustrie, Christian Knill, fühlen sich die Unternehmen nicht zuständig für den Erhalt der Kaufkraft der Beschäftigten. Wir fühlen uns zuständig und werden in diesem Herbst für gute Gehaltsabschlüsse kämpfen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Du willst nichts verpassen und immer am letzten Stand bei der Herbstlohnrunde 2023 sein? <a href="https://www.gpa.at/kollektivvertrag-2024" data-type="link" data-id="https://www.gpa.at/kollektivvertrag-2024" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="Dann hier entlang! (öffnet in neuem Tab)">Dann hier entlang!</a> </p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Sicher ohne Gewalt im Job</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2022/06/02/sicher-ohne-gewalt-im-job/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Barbara Lavaud]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Jun 2022 10:14:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2022/02]]></category>
		<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Coverstories]]></category>
		<category><![CDATA[Recht]]></category>
		<category><![CDATA[Angelika Hlawaty]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Barbara Teiber]]></category>
		<category><![CDATA[behindertenbetreuung]]></category>
		<category><![CDATA[Beratung]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Jugend am Werk]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Müllauer]]></category>
		<category><![CDATA[Morawa]]></category>
		<category><![CDATA[Pflege]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialwirtschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kompetenz-online.at/?p=18473</guid>

					<description><![CDATA[Von Beschimpfungen, Beleidigungen und Drohungen bis hin zu sexueller Belästigung und körperlichen Angriffen kennt Gewalt am Arbeitsplatz viele Facetten und hat während der Pandemie sprunghaft zugenommen. Das zeigt auch eine Umfrage im Auftrag der GPA. Wie können sich ArbeitnehmerInnen schützen?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/AdobeStock_83804003-1024x683.png" alt="" class="wp-image-18474" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/AdobeStock_83804003-1024x683.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/AdobeStock_83804003-300x200.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/AdobeStock_83804003-150x100.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/AdobeStock_83804003-768x512.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/AdobeStock_83804003-600x400.png 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/AdobeStock_83804003-720x480.png 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/AdobeStock_83804003-272x182.png 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/AdobeStock_83804003.png 1500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Foto: Adobe Stock</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Von Beschimpfungen, Beleidigungen und Drohungen bis hin zu sexueller Belästigung und körperlichen Angriffen kennt Gewalt am Arbeitsplatz viele Facetten und hat während der Pandemie sprunghaft zugenommen. Das zeigt auch eine Umfrage im Auftrag der <a href="https://www.gpa.at/" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="GPA (öffnet in neuem Tab)">GPA</a>. Wie können sich ArbeitnehmerInnen schützen?</strong></p>



<span id="more-18473"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Weil ihr das Warten zu lange dauert, verliert die Kundin die Geduld und schreit die Mitarbeiterin an der Kassa an. Zwei Männer wollen ihren 2G-Nachweis nicht am Eingang vorweisen, daher pöbeln sie den jungen Angestellten des Pflegeheims an. Solche Situationen haben wir alle in den letzten zwei Jahren beobachtet. Die Pandemie, so berichten BetriebsrätInnen und Beschäftigte, hat Dämme gebrochen. Die Gewalt am Arbeitsplatz nahm spürbar zu. Die Beschäftigten in Krankenhäusern fühlten sich bedroht, wenn vor der Tür die aufgebrachte Menge gegen die Impfungen demonstrierte. JournalistInnen wurden von Maßnahmen-GegnerInnen auf Demos angepöbelt und an ihrer Arbeit gehindert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Egal in welcher Situation: <a href="https://www.gpa.at/themen/gesellschaft-und-soziales/sicher-ohne-gewalt-im-job-" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="Gewalt am Arbeitsplatz (öffnet in neuem Tab)">Gewalt am Arbeitsplatz</a> muss niemand tolerieren. „ArbeitnehmerInnen verdienen Respekt und müssen bei ihrer Tätigkeit vor allen Formen der Gewalt geschützt werden“, betont GPA-Vorsitzende Barbara Teiber, „Die Verantwortung dafür trägt der Arbeitgeber. Er oder sie hat die Verpflichtung, geeignete Schutzmaßnahmen zu treffen.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Umfrage</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Gewalt am Arbeitsplatz fängt nicht erst bei Schlägen oder Fußtritten an. Eine <a href="https://www.gpa.at/themen/gesellschaft-und-soziales/sicher-ohne-gewalt-im-job-" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="aktuelle Umfrage des IFES-Instituts (öffnet in neuem Tab)">aktuelle Umfrage des IFES-Instituts</a>, durchgeführt im Auftrag der GPA, ergab: Verbale Übergriffe wie Herumschreien, Beleidigungen oder Drohungen sind die häufigste Form von Gewalt. 56 Prozent der Befragten mussten dies in den letzten zwei Jahren am Arbeitsplatz miterleben, 39 Prozent an der eigenen Person. Eine(r) von zehn war außerdem von verbaler sexueller Belästigung betroffen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="614" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Gewalt-am-Arbeitsplatz-1024x614.png" alt="" class="wp-image-18489" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Gewalt-am-Arbeitsplatz-1024x614.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Gewalt-am-Arbeitsplatz-300x180.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Gewalt-am-Arbeitsplatz-150x90.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Gewalt-am-Arbeitsplatz-768x461.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Gewalt-am-Arbeitsplatz-1536x922.png 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Gewalt-am-Arbeitsplatz-2048x1229.png 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Menschen, die im Alltag (auch) eine osteuropäische Sprache sprechen, sind häufiger betroffen, als Personen, die Deutsch sprechen. So werden z.B. PflegerInnen mit Migrationshintergrund öfter Opfer von verbaler Gewalt oder Übergriffen als ihre österreichischen KollegInnen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„ArbeitnehmerInnen verdienen Respekt und müssen bei ihrer Tätigkeit vor allen Formen der Gewalt geschützt werden.“</p><cite>Barbara Teiber</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Die IFES-Daten zeigen, dass Bereiche mit KundInnenkontakt, wie Pflegeberufe und der Handel, in größerem Ausmaß von Gewalt und Aggression betroffen sind, da der Stress und die Überlastung in den letzten Jahren deutlich stärker geworden sind. Zu lange Warteschlangen oder extremer Zeitdruck infolge von Personalmangel führen entsprechend häufiger zu aggressiven Zwischenfällen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dort, wo Übergriffe stattfinden, sind es mehrheitlich Männer, die sie begehen: In erster Linie Kunden und Klienten, aber auch Kollegen und Vorgesetzte. Umgekehrt sind Frauen, und hier wiederum jüngere Frauen, öfter die Opfer von Gewalt.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Maßnahmen</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Wie können nun ArbeitgeberInnen, die aufgrund ihrer Sorgfaltspflicht für ihre Beschäftigten verantwortlich sind, diese besser gegen Gewalt schützen? Ein erster Schritt wären organisatorische Maßnahmen, wie z.B. Regeln zum Umgang miteinander oder Sicherheitsbesprechungen. Kommt es in Betrieben immer wieder zu Übergriffen, so sind Schulungsmaßnahmen und Konflikttrainings sinnvoll. „Bei uns gibt es schon länger Deeskalationstrainings für die KollegInnen“, berichtet Angelika Hlawaty, BR-Vorsitzende bei ‚Jugend am Werk’. Wichtig ist hier, so Hlawaty weiter, ein gemeinsames Gewaltverständnis und Regeln zum Umgang mit Gewalt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Supervision, Coaching und Krisenintervention sind zielführend, werden aber von nur rund 25 Prozent der Betriebe angeboten, denn solche Maßnahmen sind kostenintensiv. Große Handelsketten können sich Prävention besser leisten als kleine PMUs, weiß Martin Müllauer, BR-Vorsitzender bei Morawa Buch und Medien: „Hier hätte die Regierung während der Pandemie den Handel besser unterstützen müssen und Geld zur Verfügung stellen.“<br>Technische Maßnahmen, von Beleuchtung und Überwachungskameras bis hin zu baulichen Veränderungen, können ebenfalls Schutz bieten. Warteschlangenmanagement, egal ob in einer Ambulanz oder in einem Baumarkt, kann genauso helfen wie Bodenmarkierungen, die die KundInnenströme leiten. Auch Notfallpläne sind wichtig, denn so wissen alle Beteiligten, was im Ernstfall zu tun ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine ganz wesentliche Rolle bei der Gewaltprävention spielt der Betriebsrat: „Die IFES-Umfrage zeigt nämlich, dass in Betrieben mit Betriebsrat deutlich öfter Maßnahmen wie organisatorische Vorkehrungen, Schulungsmaßnahmen oder Supervision getroffen werden“, hebt Barbara Teiber hervor.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Forderungen</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Im Handel appelliert die Gewerkschaft GPA an die ArbeitgeberInnen, die Arbeitsbedingungen nachhaltig zu verbessern. „Es braucht eine verbesserte Arbeitszeitqualität, aber vor allem auch eine bessere Personalausstattung und höhere Gehälter,“ fordert Barbara Teiber. Gleiches gilt im Gesundheits- und Pflegebereich: „Hier muss die öffentliche Hand einen Beitrag leisten und ausreichend finanzielle Mittel und Ressourcen für mehr Personal bereitstellen. Personalmangel ist in allen Branchen der hauptsächliche Grund für die enorme Zunahme an Gewalt.“<br>„Wir ermutigen außerdem betroffene ArbeitnehmerInnen, Gewalt am Arbeitsplatz nicht hinzunehmen“, so Teiber weiter. Unterschiedliche Gewalterfahrungen erfordern durchaus unterschiedliche Strategien. „Wichtig ist, Hilfe zu suchen und Vorgesetzte sowie den Betriebsrat zu informieren“, betont Teiber. „Und an die KundInnen appellieren wir, gegenüber den Beschäftigten mehr Respekt zu zeigen!“</p>



<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile"><figure class="wp-block-media-text__media"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="731" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Angelika-Hlawaty_0457-1024x731.png" alt="" class="wp-image-18477 size-full" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Angelika-Hlawaty_0457-1024x731.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Angelika-Hlawaty_0457-300x214.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Angelika-Hlawaty_0457-150x107.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Angelika-Hlawaty_0457-768x548.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Angelika-Hlawaty_0457.png 1500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h4 class="wp-block-heading"><a href="https://kompetenz-online.at/2021/03/23/365-tage-ausnahmezustand-und-ein-verspaeteter-hoffnungsschimmer/" data-type="post" data-id="16570" aria-label="Angelika Hlawaty">Angelika Hlawaty</a></h4>



<p class="wp-block-paragraph">Betriebsratsvorsitzende der Jugend am Werk<br>Sozialraum GmbH</p>
</div></div>



<h4 class="wp-block-heading">&#8222;Gewalt ist bei uns immer schon ein Thema&#8220;</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Hlawatys Betrieb ist mit über 1.100 MitarbeiterInnen der größte Träger im Behindertenbereich in Wien. Zu Gewalt kommt es am häufigsten im vollbetreuten Wohnbereich. In den Wohngemeinschaften des Vereins leben acht bis vierzehn Menschen, die aufgrund von kognitiven Behinderungen und/oder psychischen Erkrankungen unterschiedliche Bedürfnisse haben. „Es kann z.B. zu sog. Impulsdurchbrüchen kommen, und daraus resultierende Aggressionen kriegen dann leider oft die MitarbeiterInnen ab: von verbaler Gewalt bis zu Tritten, Kratzen, Festhalten kommt es immer wieder zu Vorfällen. In einem Fall wurde eine Kollegin sogar gewürgt“, berichtet Hlawaty. Corona hat die Lage extrem verschärft: „Von einem Tag auf den anderen musste den BewohnerInnen der WG’s erklärt werden, dass sie das Haus nicht verlassen durften. Das hatte große Belastungen zur Folge und die Aggressionen stiegen deutlich an.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Betriebsrat arbeitet gemeinsam mit dem Arbeitgeber an Lösungen: Das Jahr 2022 ist ein Schwerpunktjahr zur Gewaltprävention. „Das Thema begleitet uns schon seit vielen Jahren. Wir haben auch längst Richtlinien, die wir überarbeiten möchten, wir erarbeiten Handlungsabläufe, und wir evaluieren regelmäßig die psychischen Belastungen unserer KollegInnen. Es geht nicht nur um Einzelfälle, wir brauchen neue Lösungen für strukturelle und organisatorische Probleme.“ Jugend am Werk bietet für seine Beschäftigten Seminare zum Deeskalationstraining an und es wurde sogar eine eigene Stelle geschaffen, wo sich eine MitarbeiterIn ausschließlich um Gewaltprävention kümmert.</p>



<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile"><figure class="wp-block-media-text__media"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="731" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/2022-02-15-NGVG-Podcast-Gewalt-im-Handel-IMG00980-Martin-Muellauer-Michael-Trinko-1024x731.png" alt="" class="wp-image-18476 size-full" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/2022-02-15-NGVG-Podcast-Gewalt-im-Handel-IMG00980-Martin-Muellauer-Michael-Trinko-1024x731.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/2022-02-15-NGVG-Podcast-Gewalt-im-Handel-IMG00980-Martin-Muellauer-Michael-Trinko-300x214.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/2022-02-15-NGVG-Podcast-Gewalt-im-Handel-IMG00980-Martin-Muellauer-Michael-Trinko-150x107.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/2022-02-15-NGVG-Podcast-Gewalt-im-Handel-IMG00980-Martin-Muellauer-Michael-Trinko-768x548.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/2022-02-15-NGVG-Podcast-Gewalt-im-Handel-IMG00980-Martin-Muellauer-Michael-Trinko-1536x1097.png 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/2022-02-15-NGVG-Podcast-Gewalt-im-Handel-IMG00980-Martin-Muellauer-Michael-Trinko.png 1854w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h4 class="wp-block-heading"><a href="https://kompetenz-online.at/2017/04/05/ein-ohr-fuer-alle-kleinigkeiten/" data-type="post" data-id="4124" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="Martin Müllauer (öffnet in neuem Tab)">Martin Müllauer</a> </h4>



<p class="wp-block-paragraph">Betriebsratsvorsitzender bei Morawa Buch und Medien GmbH</p>
</div></div>



<h4 class="wp-block-heading">„Verbale Gewalt hat stark zugenommen“</h4>



<p class="wp-block-paragraph">„Die Regierung hat die Überprüfung der Maskenpflicht im Handel an die ArbeitnehmerInnen delegiert, indem sie verlangt hat, dass der Handel die Kontrollen übernimmt. Normalerweise darf ein Angestellter nicht mal einen Ladendieb aufhalten, sondern muss die Polizei rufen. Und plötzlich mussten wir die ‚Gesundheitspolizei’ spielen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich gab es, berichtet Müllauer, auch früher immer wieder KundInnen, die ihren Unmut geäußert haben, weil eine Bestellung nicht da oder die Schlange an der Kassa zu lang war. Covid hat dem jedoch eine neue Dimension gegeben. Lockdown, Home-Office, die Kinder zu Hause, die Lokale geschlossen, keine Möglichkeiten, sich zu unterhalten oder Sport zu treiben. „Der aufgestaute Frust hat sich leider sehr oft an meinen KollegInnen entladen. Wenn wir auf die Maskenpflicht hinwiesen oder um den 2G-Nachweis baten, führte das manchmal zu regelrechten Ausbrüchen. Die verbale Gewalt hat stark zugenommen! Verbale Entgleisungen und Beschimpfungen waren an der Tagesordnung.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einigen Fällen kam es auch zu Handgreiflichkeiten und tätlichen Übergriffen. Während die Plexiglasscheibe an der Kassa eine gewisse Barriere darstellte, waren MitarbeiterInnen, die mitten im Geschäft arbeiteten oder an der Tür die 2G-Nachweise kontrollierten, den Aggressionen ungefiltert ausgesetzt. „In einer Branche, wo 70 Prozent Frauen arbeiten, war das für die Kolleginnen extrem belastend!“</p>



<div class="wp-block-group rotebox"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow">
<h4 class="wp-block-heading">Ich fühle mich bedroht – was tun?</h4>



<ul class="wp-block-list"><li>Geh räumlich auf Distanz zum Täter</li><li>Bleib ruhig, bleib respektvoll</li><li>Versuche, deeskalierend zu wirken, vermeide Provokationen</li><li>Appelliere an umstehende Personen und fordere sie auf, dir zu helfen</li><li>Schlag Alarm: Wende dich an den Sicherheitsdienst (falls vorhanden), an KollegInnen oder ruf die Polizei</li></ul>



<h4 class="wp-block-heading">Wer hilft mir?</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Auf der Internetseite <a href="https://www.gpa.at/themen/gesellschaft-und-soziales/sicher-ohne-gewalt-im-job" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="gpa.at/sicher-ohne-gewalt (öffnet in neuem Tab)">gpa.at/sicher-ohne-gewalt</a> haben wir für dich individuelle und rechtliche Ratschläge für<br>die unterschiedlichen Gewalterfahrungen zusammengefasst.</p>
</div></div>



<p class="wp-block-paragraph">  </p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Fairness für Spitzenleistung</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2020/10/21/fairness-fuer-spitzenleistung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Resei]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 Oct 2020 09:22:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kollektivvertrag]]></category>
		<category><![CDATA[Anita Palkovich]]></category>
		<category><![CDATA[Handel]]></category>
		<category><![CDATA[Kollektivvertragsverhandlung]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Müllauer]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kompetenz-online.at/?p=15080</guid>

					<description><![CDATA[Viele Handels-Angestellte gingen im Lockdown an ihre Belastungsgrenzen. Ein fairer Kollektivvertragsabschluss soll ihnen nun die nötige Wertschätzung entgegenbringen. Heute beginnen die KV Verhandlungen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="684" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/10/APA_kirill-kukhmar-1024x684.png" alt="" class="wp-image-15086" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/10/APA_kirill-kukhmar-1024x684.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/10/APA_kirill-kukhmar-300x200.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/10/APA_kirill-kukhmar-150x100.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/10/APA_kirill-kukhmar-768x513.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/10/APA_kirill-kukhmar-600x400.png 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/10/APA_kirill-kukhmar-720x480.png 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/10/APA_kirill-kukhmar-272x182.png 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/10/APA_kirill-kukhmar.png 1501w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Foto: APA/Kirill Kukhmar</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Viele Handels-Angestellte gingen im Lockdown an ihre Belastungsgrenzen. Ein fairer Kollektivvertragsabschluss soll ihnen nun die nötige Wertschätzung entgegenbringen. Heute beginnen die KV Verhandlungen.</strong></p>



<span id="more-15080"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Das Jahr 2020 schwierig zu nennen, ist untertrieben. Mit der COVID-19-Krise ging ein Teil der Bevölkerung in Arbeit unter, ein anderer musste während des Lockdowns in Kurzarbeit gehen, viele Menschen verloren überhaupt ihren Arbeitsplatz.&nbsp;</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Gewinner und Verlierer</strong></h4>



<p class="wp-block-paragraph">Während viele Branchen wie die Gastronomie oder Kunstschaffende verzweifeln, können sich manche Geschäftszweige im Handel sogar über gute Umsätze freuen: Lebensmittel-Märkte etwa verzeichneten im zweiten Quartal beinahe neun Prozent mehr Umsatz. Ebenso rasant wuchsen die Umsätze im Internet- und Versandhandel: im März wurde ein Plus von 13,6 Prozent erzielt, im April waren es gar 26 Prozent mehr. Bei den elektrischen Geräten und Möbeln (dazu zählen auch die Baumärkte) hat es nach dem Lockdown Rekordumsätze gegeben. Im Mai gab es dabei einen Anstieg von 29,5 Prozent, im Juni von 20,2 Prozent. Ganz anders sah es bei Gütern wie Textilien und Schuhe aus &#8211; ein Rückgang von über 30 Prozent hat die Branche hart getroffen. Auch der KFZ-Handel musste ein Minus von 10 Prozent verdauen.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Fairer Abschluss verdient</strong></h4>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz dieser schwierigen Bedingungen erwarten sich die 420.000 Angestellten und 15.000 Lehrlinge im Handel einen fairen Kollektivvertragsabschluss. Dass die ersten Wochen der Corona-Krise gemeistert werden konnten, ist gerade auch den Beschäftigten im Handel zu verdanken. In Firmen und Geschäften, die durch die Krise weniger Einnahmen hatten, halfen sie ihren Arbeitgebern durch Kurzarbeit und durch den Abbau von Zeitguthaben und Urlaubstagen. In boomenden Branchen wie dem Lebensmittelhandel, machten sie den KundInnen durch ihren immensen Einsatz, die Verfügbarkeit und zig Überstunden auch viel Mut – selbst im größten Stress, lieferten sie gute Qualität. „In der Zeit des Lockdowns und danach haben die KollegInnen teilweise Übermenschliches geleistet. Vom Schlichten der Ware bis zu verloren gegangenen Umsätzen, die wieder aufgeholt wurden“, macht Martin Müllauer, Vorsitzender Wirtschaftsbereich Handel der GPA-djp, deutlich.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt muss die Balance zwischen Verantwortung für Arbeitsplätze und einer fairen Abgeltung der MitarbeiterInnen gefunden werden. Eine dieser extremen Situation auch angepasste KV-Erhöhung, die zumindest der Inflationsrate entspricht, ist daher angebracht. „Dem Handels-Kollektivvertrag kommt eine enorme volkswirtschaftliche Bedeutung zu“, weiß Martin Müllauer. Eine faire Gehaltserhöhung erhält und stärkt die Kaufkraft, für die österreichische Wirtschaft ist sie ein Antrieb – schließlich geht es um nicht weniger als 420.000 Menschen in diesem Land. „Der private Konsum ist mit eine der wichtigsten Stützen der österreichischen Volkswirtschaft“, erklärt auch Anita Palkovich, Wirtschaftsbereichssekretärin der GPA-djp und Verhandlungsführerin bei den Kollektivvertragsverhandlungen. Die Lohn- und Gehaltserhöhungen schaffen auch Konsum, der wiederum dem Handel zugutekommt. Immerhin 52 Prozent des österreichischen BIP (Bruttoinlandsprodukt) stammen aus Konsumausgaben der privaten Haushalte. Ein großer Teil der vom Handel gewährten Lohnerhöhungen fließt also auch wieder in den Handel zurück. „Der Handel hilft sich damit selbst, denn Handelsangestellte sind auch Konsumenten“, gibt Anita Palkovich zu bedenken<strong>. </strong>Eine Erhöhung ist auch deshalb wichtig, weil seit Oktober die Ausgaben der privaten Haushalte nachließen. Der wöchentliche BIP-Indikator der Österreichischen Nationalbank, zeigt auf, dass die verschärften Schutzmaßnahmen nach dem Sommer zu einem Rückgang des privaten Konsums führten. Im Interesse der Volkswirtschaft müssen daher diese Ausgaben wieder angekurbelt werden<strong>.</strong></p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Applaus allein genügt nicht</strong></h4>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade im Lebensmittelhandel gilt: Die Heldinnen und Helden der Corona-Krise wollen nicht bloß beklatscht werden. Verhandlungsführerin Palkovich: „Die Wertschätzung für ihre Arbeit muss auch durch eine verpflichtende steuer- und abgabenfreie Corona-Prämie für Angestellte und Lehrlinge erfolgen“. Das gilt speziell für ArbeitnehmerInnen, die in trotz der Krise gut verdienenden Unternehmen arbeiten. MartinMüllauer: „Die Prämien sollten in Geld und nicht in Gutscheinen ausbezahlt werden – so können die MitarbeiterInnen selber entscheiden, wofür sie ihr Geld verwenden“. Natürlich soll dabei nach Betrieben differenziert werden. Die Prämien sollen Unternehmen zahlen, die im Lockdown gut verdienten, wie etwa der Lebensmittel- und der Einrichtungshandel.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Abgeltung der höheren Belastung</strong></h4>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade die extreme Arbeitsbelastung der letzten Monate darf nicht der neue Alltag vieler Handelsangestellten werden.  „In Krisenzeiten haben wir zu wenig Personal und zu lange Arbeitszeiten – das stundenlange Tragen der MNS-Maske brachte viele KollegInnen noch schneller an ihre Leistungsgrenze. Es muss möglich sein, mehr durchzuschnaufen, um nachher auch gestärkt weiter arbeiten zu können“, führt Martin Müllauer aus. Längst sind die Belastungsgrenzen erreicht, doch das für alle wichtige Weihnachtsgeschäft steht noch bevor. Die GPA-djp fordert eine faire Abgeltung der Arbeitsbelastung und will neben den Themen Arbeitszeitverkürzung und Zuschläge auch die bezahlte MNS-Masken-Pause auf den Verhandlungstisch bringen. Anita Palkovich: „Wir müssen die besonders belastenden Arbeitszeiten auch über den Kollektivvertrag regulieren. Noch vor dem Weihnachtsgeschäft sind die Handelsangestellten an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit, müssen aber durchhalten“. Die KV –Verhandlungen sind für Mittwoch 21.10. angesetzt, drei Termine sind bisher dafür geplant. Es wird spannend.</p>



<p class="blauebox wp-block-paragraph"><strong>Handel in weiblicher (Teilzeit-)Hand</strong><br>Mehr als 63 Prozent der Handelsangestellten sind Frauen, mehr als 57 Prozent unter ihnen arbeiten Teilzeit. Im gesamten Handel liegt die Teilzeitquote bei 38 Prozent. Der Lebensmittelhandel konnte im 2. Quartal einen Beschäftigungszuwachs von 0,9 Prozent verzeichnen – dagegen wurden 11,1 Prozent der ArbeitnehmerInnen im Textil-, Bekleidungs- und Schuhhandel abgebaut.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mit Kurzarbeit durch die Krise</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2020/04/07/mit-kurzarbeit-durch-die-krise/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andrea Rogy]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Apr 2020 10:13:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Arbeitsmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitszeit]]></category>
		<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialstaat]]></category>
		<category><![CDATA[Andrea Rogy]]></category>
		<category><![CDATA[Corona]]></category>
		<category><![CDATA[Coronakrise]]></category>
		<category><![CDATA[Coronavirus]]></category>
		<category><![CDATA[Freistellung]]></category>
		<category><![CDATA[Handel]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzarbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Müllauer]]></category>
		<category><![CDATA[Risikogruppen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kompetenz-online.at/?p=13250</guid>

					<description><![CDATA[Der Familienbetrieb Morawa will die Krise gemeinsam mit den MitarbeiterInnen durchtauchen. Dabei helfen Kurzarbeit und verstärkter Onlinehandel. Betriebsratsvorsitzender Martin Müllauer erklärt, warum dadurch die Arbeitsplätze langfristig gesichert werden sollen und warum die jetzige Lösung ohne Gewerkschaft nicht erreicht worden wäre.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="682" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/04/Martin-Müllauer_6439-1024x682.png" alt="" class="wp-image-13251" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/04/Martin-Müllauer_6439-1024x682.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/04/Martin-Müllauer_6439-300x200.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/04/Martin-Müllauer_6439-150x100.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/04/Martin-Müllauer_6439-768x512.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/04/Martin-Müllauer_6439-1536x1023.png 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/04/Martin-Müllauer_6439-600x400.png 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/04/Martin-Müllauer_6439-720x480.png 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/04/Martin-Müllauer_6439-272x182.png 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/04/Martin-Müllauer_6439.png 2001w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Foto: Nurith Wagner-Strauss</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der Familienbetrieb Morawa will die Krise gemeinsam mit den MitarbeiterInnen durchtauchen. Dabei helfen Kurzarbeit und verstärkter Onlinehandel. Betriebsratsvorsitzender Martin Müllauer erklärt, warum dadurch die Arbeitsplätze langfristig gesichert werden sollen und warum die jetzige Lösung ohne Gewerkschaft nicht erreicht worden wäre.</strong></p>



<span id="more-13250"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Die Krise trifft den Buchhandel hart. Seit 16. März müssen die Geschäfte geschlossen halten. Der Familienbetrieb Morawa hat darauf schnell und umsichtig reagiert und von sich aus die Möglichkeit der Kurzarbeit für den Großteil der Beschäftigten ins Spiel gebracht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese rasche Reaktion freut Martin Müllauer, der als Betriebsratsvorsitzender der Morawa Buch und Medien GmbH, die Interesse von insgesamt rund 180 ArbeitnehmerInnen vertritt. „Die Geschäftsleitung ist am ersten Schließtag in der Früh an mich herangetreten und war fest dazu entschlossen, die Möglichkeit für eine maximal dreimonatige Kurzarbeit zu ergreifen. Ich habe mich selbst gar nicht um diese, für die MitarbeiterInnen sehr vorteilhafte Lösung bemühen müssen und rasch zugestimmt.“</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>&#8222;Die GPA-djp hat geholfen, die Arbeitsplätze zu sichern.“</p><cite>Martin Müllauer, Betriebsratsvorsitzender bei Morawa</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Rolle der Gewerkschaft war eine wichtige: „Die GPA-djp hat geholfen, die Arbeitsplätze zu sichern. In der jetzigen Krise hat sich gezeigt, wie wichtig eine funktionierende Sozialpartnerschaft ist. Eine Mitgliedschaft ist jetzt bedeutsamer denn je.“ Die Vorteile für die Beschäftigten liegen auf der Hand. Anstatt einer Kündigung sind nun zwei Drittel der Angestellten zu Hause und bekommen rund 80 Prozent des Gehaltes.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Online-Handel sehr wichtig</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Teil der Beschäftigten wird weiterhin im Morawa Online-Shop gebraucht. „Dort ist derzeit mehr zu tun, viele Menschen bestellen benötigte Bücher oder Ostergeschenke via Internet. Da fällt eine Menge Arbeit an: Bücher sortieren, einpacken und Rechnungen schreiben“, will Müllauer einen besonderen Applaus geben: „Die KollegInnen im Online-Versand leisten Übermenschliches und halten alles am Laufen, sie sorgen für geistige Nahrung und damit für ein wenig Normalität in dieser schwierigen Zeit. Das halte ich für sehr wichtig.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Der Online-Handel verzeichnet derzeit Weihnachtsumsätze, das wird in den nächsten Tagen sicher auch so bleiben. Ostern ist für den Buchsektor traditionell ein wichtiges Geschäftsfenster“, erklärt Müllauer warum aktuell einige Beschäftigte aus der Wollzeile oder anderen Wien nahen Filialen den Online-Shop verstärken. Auch ein Teil der Beschäftigten aus dem Sekretariat und der Sparte Publikumswerbung arbeiten völlig normal. Müllauer hofft, die Verluste für die Branche durch das Online Geschäft ein wenig abfedern zu können und appelliert gleichzeitig an die KundInnen bei lokalen Buchhändlern zu bestellen, anstatt bei globalen Versandriesen: „Wir versuchen Arbeitsplätze in Österreich zu erhalten.“</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="341" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/04/martin-müllauer-1024x341.png" alt="" class="wp-image-13258" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/04/martin-müllauer-1024x341.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/04/martin-müllauer-300x100.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/04/martin-müllauer-150x50.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/04/martin-müllauer-768x256.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/04/martin-müllauer-1536x511.png 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/04/martin-müllauer.png 2000w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption><strong>Martin Müllauer hofft, die Verluste für die Branche durch das Online-Geschäft ein wenig abfedern zu können und appelliert gleichzeitig an die KundInnen bei lokalen Buchhändlern zu bestellen, anstatt bei globalen Versandriesen. </strong><br>Fotos: Nurith Wagner-Strauss</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der Betriebsratsvorsitzende selbst ist auch in Kurzarbeit, langweilig wird ihm dabei allerdings nicht: „Vom Gefühl her befinde ich mich eher in Langarbeit. Die Verunsicherung ist groß, persönliche Gespräche und Erklärungen schaffen Sicherheit. Ich bin natürlich weiterhin und sehr gerne für alle Beschäftigten da“, erklärt Müllauer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kurzarbeits-Lösung hat der Betriebsrat auch für die KollegInnen der Morawa-Leykam mitverhandelt: „Dort arbeiten 49 von 50 KollegInnen in Kurzarbeit. Der Betriebsratskollege aus der Steiermark konnte aufgrund der Reisebeschränkungen nicht selbst vor Ort sein.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Inhaber setzen auf Stabilität</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Insgesamt geht der Umsatz in der Branche aber naturgemäß zurück. „Wir haben 20 von 20 Geschäften geschlossen, der Umsatzeinbruch ist über den Online Handel nicht wettzumachen“, erklärt Müllauer die aktuellen Geschäftseinbrüche. Dennoch setze die Geschäftsleitung auf Stabilität und Kontinuität. „Kündigungen waren von Beginn an kein Thema. Die Inhaber sind sich der Bedeutung unseres Fachpersonals bewusst“, erklärt der Betriebsrat. Viele Angestellte sind bereits seit sehr vielen Jahren im Unternehmen. „Diese Kollegen haben ein hohes Fachwissen und kennen sich auch mit den internen Abläufen und den Computersystemen aus.“ Das sei das Kapital, in das die Firma investiert habe. „Diese Leute werden bei uns auch nach der Krise wieder gebraucht. Die Besitzer wissen, dass neues Personal wieder neu eingeschult werden müsste und wollen die Situation daher mit der Belegschaft gemeinsam überdauern“, sieht Müllauer die Vorteile im Familienunternehmen begründet: „Wir sind nicht abhängig von Aktionären, die Inhaber wollen, dass Morawa nach Corona weiter existiert und durch die Kurzarbeit die Liquidität sichern.“</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Die Angestellten weiter bezahlen zu müssen ohne Umsätze zu machen, hätte unweigerlich zu zahlreichen Kündigungen geführt“</p><cite>Martin Müllauer, Betriebsratsvorsitzender bei Morawa</cite></blockquote>



<h4 class="wp-block-heading">Kurzarbeit verhindert Kündigungen</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kurzarbeit hilft dabei, Kündigungen zu vermeiden, weil ein Teil der ausbezahlten Gehälter vom AMS zugeschossen wird. „Die Angestellten weiter bezahlen zu müssen ohne Umsätze zu machen, hätte unweigerlich zu zahlreichen Kündigungen geführt“, hält Müllauer die Kurzarbeit für die bessere Lösung obwohl viele KollegInnen Einkommenseinbußen erleiden: „Dafür wissen sie aber, dass sie im Grunde genommen auch weiterhin ihren Job haben werden und haben aktuell auch mehr Freizeit.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das bestätigt auch Barbara Wiesinger, die seit 1999 im Verkauf bei Morawa beschäftigt ist. Aktuell ist sie in Kurzarbeit und aufgrund starken allergischen Asthmas de facto freigestellt. „Es fühlt sich eigenartig an. Ich muss nicht arbeiten und bekomme trotzdem einen Großteil meines Gehaltes.“</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Ich habe viele Freunde, die in Unternehmen arbeiten, wo die Krise dazu benutzt wurde, ältere MitarbeiterInnen zu kündigen.“</p><cite>Barbara Wiesinger, Angestellte bei Morawa</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Bekanntgabe der Geschäftsschließungen war die 40-Jährige sehr verunsichert und wusste nicht, wie es für sie persönlich weitergehen soll. Als sich die Geschäftsführung so rasch zur Kurzarbeit entschlossen hat, war sie sehr erleichtert: „Ich hoffe, dass dadurch mein Arbeitsplatz erhalten bleibt.“ Wiesinger weiß, dass es auch anders geht: „Ich habe viele Freunde, die in Unternehmen arbeiten, wo die Krise dazu benutzt wurde, ältere MitarbeiterInnen zu kündigen.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Risikogruppen freigestellt</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Imponiert hat der Angestellten auch, wie verantwortungsbewusst mit Risikogruppen innerhalb der Belegschaft umgegangen wurde: „Leute mit langem Anfahrtsweg in öffentlichen Verkehrsmitteln, ältere KollegInnen oder jene mit Atemwegs- oder Herzkreislauferkrankungen wurden rasch freigestellt. Obwohl meine Allergie an sich nicht lebensbedrohlich ist, finde ich es einen feinen Zug von der Firma, dass schnell klar war, dass auch der kleinste Risikofaktor zu einer Freistellung führt.“ Das Lebensalter der Angestellten und zuvor bekannt gemachte Erkrankungen wurden vom Betrieb als Risikofaktoren anerkannt. Der jeweilige Filialleiter habe entschieden, wie sich die aktuelle Notbesetzung zusammensetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Grundsätzlich muss Wiesinger natürlich verfügbar sein und hofft, dass bald wieder mehr zu tun sein wird: „Ich freue mich darauf, an meinen angestammten Arbeitsplatz zurückzukehren. Unsere Geschäftsführung hat in der Krise schnell und umsichtig reagiert.“ Auch die Kommunikation sei unkompliziert und professionell abgelaufen. „Es gab keine Kündigungen ohne Sinn und Verstand, es wurde Rücksicht genommen und überlegt, was für die Beschäftigten das Beste ist“, so Wiesinger.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der Gehaltsreduktion kann die Angestellte gut leben: „Es ist unlustig weniger zu verdienen als vorher, aber immer noch viel besser, als den Job ganz zu verlieren.“ Sie ist allerdings zuversichtlich, auch mit dem Kurzarbeitszeitgeld gut auszukommen, da sie insgesamt das Gefühl hat, in der Quarantäne weniger auszugeben als im normalen Arbeitsalltag. „Wenn ich arbeite bin ich insgesamt mehr unterwegs und gebe mehr Geld aus“, erklärt Wiesinger.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8222;Ein Ohr für alle Kleinigkeiten&#8220;</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2017/04/05/ein-ohr-fuer-alle-kleinigkeiten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andrea Rogy]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Apr 2017 12:57:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2017/02]]></category>
		<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<category><![CDATA[Andrea Rogy]]></category>
		<category><![CDATA[Handel]]></category>
		<category><![CDATA[Kollektivvertrag]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Müllauer]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.kompetenz-online.at/?p=4124</guid>

					<description><![CDATA[Für Martin Müllauer, Betriebsratsvorsitzender der Morawa Buch und Medien Gesellschaft, ist gute Beratung im Buchhandel der Schlüssel zum Erfolg. Elektronische Medien sollten Bücher in Zukunft nicht gänzlich verdrängen. Das alte Sprichwort „In der Ruhe liegt die Kraft“ bringt die Stärken von Martin Müllauer auf den Punkt. Der 49-jährige Vater von zwei Söhnen strahlt enorme Gelassenheit aus, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><figure id="attachment_4094" aria-describedby="caption-attachment-4094" style="width: 900px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-4094 size-full" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2017/04/Martin-Müllauer_6454.jpg" alt="Für Martin Müllauer, den Betriebsratsvorsitzenden der Morawa Buch und Medien Gesellschaft ist gute Beratung im Buchhandel der Schlüssel zum Erfolg. Foto: Nurith Wagner-Strauss" width="900" height="600" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2017/04/Martin-Müllauer_6454.jpg 900w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2017/04/Martin-Müllauer_6454-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2017/04/Martin-Müllauer_6454-768x512.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2017/04/Martin-Müllauer_6454-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2017/04/Martin-Müllauer_6454-272x182.jpg 272w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /><figcaption id="caption-attachment-4094" class="wp-caption-text">Für Martin Müllauer, den Betriebsratsvorsitzenden der Morawa Buch und Medien Gesellschaft ist gute Beratung im Buchhandel der Schlüssel zum Erfolg. Foto: Nurith Wagner-Strauss</figcaption></figure></p>
<p><strong>Für Martin Müllauer, Betriebsratsvorsitzender der Morawa Buch und Medien Gesellschaft, ist gute Beratung im Buchhandel der Schlüssel zum Erfolg. Elektronische Medien sollten Bücher in Zukunft nicht gänzlich verdrängen.</strong></p>
<p><span id="more-4124"></span>Das alte Sprichwort „In der Ruhe liegt die Kraft“ bringt die Stärken von Martin Müllauer auf den Punkt. Der 49-jährige Vater von zwei Söhnen strahlt enorme Gelassenheit aus, macht aber gleichzeitig klar, dass er heikle Anliegen der Beschäftigten mit der Geschäftsleitung unverblümt anspricht, und rasch zu lösen versucht. Schon als kleiner Bub hat Müllauer Bücher verschlungen. Die Begeisterung für das Lesen mündet in einer Buchhändler-Lehre, seit 1998 ist er „Morawianer“: zunächst als Beschäftigter in der Filiale in der Wollzeile und seit 2001 als Betriebsrat. Seit 2003 vertritt er als Vorsitzender des Betriebsrates der Morawa Buch und Medien GmbH rund 190 MitarbeiterInnen in Österreich.</p>
<p>Müllauer kennt die Branche wie seine Westentasche, die sinkenden Umsätze im Buchhandel begleiten seine Tätigkeit seit vielen Jahren. Als Vertrauensperson der Belegschaft hat er schon zahlreiche Filialschließungen miterleben müssen. Bei Kündigungen, die aus wirtschaftlichen Gründen passiert sind, hat er darauf gedrängt, dass Menschen, die sich in besonderen sozialen Situationen befinden, verschont bleiben. Konnten Alleinerziehende, Angestellte mit arbeitslosen Partnern oder Menschen über 50 Jahre an einem Standort nicht gehalten werden, setzte sich Müllauer für eine Versetzung in eine andere Filiale ein. „Das hat leider nicht immer geklappt, in Tirol und Oberösterreich gibt es beispielsweise keine Morawa-Standorte mehr.“ So mancher Härtefall konnte aber verhindert werden.</p>
<p><strong>Beratung ist wichtig</strong></p>
<p>Ein langfristiges Aussterben der Buchhändler befürchtet Müllauer dennoch nicht. Aus seiner Sicht ist derzeit ein Personalstand erreicht, mit dem gut gearbeitet werden kann: „Persönlich kann ich mir nicht vorstellen, dass wir mit noch weniger Personal diesen Service anbieten können.“ Der Vorteil des gut sortierten Buchhandels besteht für ihn – neben der Beratung –darin, dass ausgebildete Fachkräfte das Sortiment an die Bedürfnisse der Kundschaft am Standort anpassen: „Ein zentraler Einkauf könnte diese Vielfalt niemals berücksichtigen.“ Trotzdem ist auch Morawa ins Online-Geschäft eingestiegen, was Müllauer als „überlebensnotwendig“ erachtet. Die praktische Synergie dabei: Große Buchhandlungen nützen die Verkaufsflächen gleich als Lagerräume, da der Versand direkt aus den Filialen erfolgt.</p>
<p>Nachdenklich wird Müllauer, wenn es um den Rückgang der Lesefreudigkeit der Menschen geht, denn Lesen hat für den gebürtigen Wiener auch etwas mit Bildung und der Ausformung der Persönlichkeit zu tun. Auch Tendenzen zur Abschaffung des Schulbuches stoßen auf wenig Gegenliebe. Aus seiner Sicht sind elektronische Medien wie Tablet, Laptop oder Smartphone eine sinnvolle Ergänzung zu Büchern, sollten diese aber niemals vollständig ersetzen. Das Geschäft mit den Schulbüchern könnte für viele Buchhandlungen dennoch zur Gretchenfrage des Überlebens werden: Ohne diesen kalkulierbaren Umsatz müsste nach Ansicht Müllauers langfristig rund ein Drittel der Buchhandlungen zusperren.</p>
<p><strong>Persönliche kontakte</strong></p>
<p>Müllauer sucht den Kontakt und das direkte Gespräch mit den Angestellten. Soweit es seine Zeit erlaubt, ist er in den Filialen. Derzeit sind es viele Kleinigkeiten, die besprochen und geregelt werden müssen. So manches liegt für Müllauer im zwischenmenschlichen Bereich. Wenn etwa Angestellte gewisser Filialen zum wiederholten Male erst am Samstag den Dienstplan für die kommende Woche erhalten, oder wenn Teilzeitkräfte einseitig von der Filialleitung zu Diensten eingeteilt werden, dann wird Müllauer aktiv und „drückt ein wenig nach“. Vor Weihnachten sendet er regelmäßig ein Erinnerungsmail an die Filialleiter, dass „die 50-Stunden Woche bzw. der 10-Stunden-Tag auch in der Vorweihnachtszeit nicht zu überschreiten sind“.</p>
<p>Seine Gesprächsbasis zur operativen Führung des Familienunternehmens bezeichnet Müllauer als vital und gut: „Wir leben eine sehr gute Sozialpartnerschaft, über auftauchende Differenzen wird offen gesprochen.“ Auch Pausen in der Kommunikation, etwa nach einem unzufriedenstellenden Verhandlungsergebnis, wären kein Problem. In seinen Augen kann auf dem Gesprächsweg „wahnsinnig viel gelöst werden“. Er spricht über harte Verhandlungen mit einer gewissen Leichtigkeit: „Manchmal muss man eben auch mit den Muskeln spielen und ausdrücklich widersprechen.“</p>
<p>In seiner Rolle als Betriebsrat empfindet er sich als Mediator: „Vieles ist ein atmosphärisches Problem, es kommt auf die Art und Weise an, wie Veränderungen durchgeführt werden.“ Dass sich KollegInnen von Zeit zu Zeit bei ihm auch „einfach nur ausweinen“ wollen, stört ihn ganz und gar nicht: „So habe ich einen Überblick über Befindlichkeiten und Probleme im Unternehmen.“ Manchmal sind Müllauer und seine fünf Betriebsrats-KollegInnen auch rein menschlich gefragt, geben Rat und leisten Beistand. Diese Verbindlichkeit hat Müllauer ein gutes Standing verschafft, man vertraut ihm auch beim Verhandeln: Er ist FSG-Vorsitzender im ersten Bezirk, Mitglied des Bundesausschusses Handel in der GPA-djp und seit drei Jahren im Kern-Verhandlungsteam für den Handelskollektivvertrag. Kraft für die anstrengenden Aufgaben schöpft Müllauer aus einem ausgefallenen Hobby: Als „lebendiger Geschichtsdarsteller“ verkörpert er einen Römer und übt einerseits spielerisch wie man sich in der Haut eines anderen fühlt, und andererseits wie man Menschen Lebensumstände nahe bringt, die ihnen gänzlich fremd sind.</p>
<p><em>ZUR PERSON</em></p>
<p><em><strong>Martin Müllauer </strong>absolvierte eine Buchhändlerlehre. Seit 1998 ist er bei Morawa beschäftigt: zunächst als Mitarbeiter in der Filiale in der Wollzeile und seit 2001 als Betriebsrat. Seit 2003 vertritt er als Vorsitzender des Betriebsrates der Morawa Buch und Medien GmbH rund 190 Angestellte und eine Arbeiterin in Österreich.</em></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
