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	<title>Menschen mit Behinderungen &#8211; KOMPETENZ-online</title>
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	<title>Menschen mit Behinderungen &#8211; KOMPETENZ-online</title>
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		<title>Geduld als Schlüssel zum Erfolg</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Christian Resei]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 May 2023 12:51:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<category><![CDATA[Behindertenbereich]]></category>
		<category><![CDATA[behindertenbetreuung]]></category>
		<category><![CDATA[Betreuung]]></category>
		<category><![CDATA[Marianne Schiel-Koren]]></category>
		<category><![CDATA[Menschen mit Behinderungen]]></category>
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		<category><![CDATA[Wiener Sozialdienste Förderung & Begleitung]]></category>
		<category><![CDATA[Zweckzuschuss]]></category>
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					<description><![CDATA[Seit einem halben Jahr ist Marianne Schiel-Koren Betriebsratsvorsitzende. Sie will die Lage in den sozialen Berufen verbessern. Die überzeugte Floridsdorferin engagiert sich auch in der Bezirks-Politik. Das Eintreten für gerechte Verhältnisse war Marianne Schiel-Koren schon als Teenagerin wichtig. „Ich war Klassensprecherin, da will man dann auch im weiteren Leben Verantwortung übernehmen“ sagt sie. Seit Dezember [&#8230;]]]></description>
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<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="731" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/05/Marianne-Schiel-Koren-1024x731.png" alt="" class="wp-image-19790" style="width:736px;height:525px" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/05/Marianne-Schiel-Koren-1024x731.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/05/Marianne-Schiel-Koren-300x214.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/05/Marianne-Schiel-Koren-150x107.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/05/Marianne-Schiel-Koren-768x548.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/05/Marianne-Schiel-Koren-1536x1097.png 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/05/Marianne-Schiel-Koren.png 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Foto: privat</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Seit einem halben Jahr ist Marianne Schiel-Koren Betriebsratsvorsitzende. Sie will die Lage in den sozialen Berufen verbessern. Die überzeugte Floridsdorferin engagiert sich auch in der Bezirks-Politik.</strong></p>



<span id="more-19789"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Das Eintreten für gerechte Verhältnisse war Marianne Schiel-Koren schon als Teenagerin wichtig. „Ich war Klassensprecherin, da will man dann auch im weiteren Leben Verantwortung übernehmen“ sagt sie. Seit Dezember 2022 ist sie Betriebsratsvorsitzende der Angestellten der Wiener Sozialdienste Förderung &amp; Begleitung. Sie vertritt mehr als 400 Menschen, eine vielseitige Belegschaft: TherapeutInnen (Logo, Physio, Ergo, Musik), SozialarbeiterInnen und -pädagogInnen, diplomierte FrühförderInnen, BehindertenpädagogInnen, ÄrztInnen und die „neuen“ Fach- und SozialbetreuerInnen. Schiel-Koren selber war bis letztes Jahr als diplomierte Behindertenpädagogin tätig.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Geduld ist wichtig</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die Arbeit im Behindertenbereich ist sehr facettenreich. Von schwerst beeinträchtigten Menschen, die Unterstützung beim Essen und der Hygiene benötigen bis zu Menschen, die sehr autonom leben und etwa Hilfe bei Amtswegen erhalten, reicht die Bandbreite. Schiel-Koren war 15 Jahre lang in Basalen Förderklassen tätig mit schwerst mehrfach behinderten Kindern. „Ich habe in Kleingruppen mit vier bis fünf Kindern gearbeitet und konnte auf jedes Einzelne eingehen“, erzählt die Betriebsratsvorsitzende. Erfolge stellen sich oft erst nach langer Zeit ein. „Es ist schon ein tolles Gefühl, wenn ein betreutes Kind nach rund einem Jahr das erste Mal anzeigt, dass es Durst hat – damit hat das Kind einen Weg gefunden, mit seiner Umwelt zu kommunizieren.“</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Leider wird der Sozialbereich gerne mit einem Ehrenamt verwechselt“</p>
<cite>Marianne Schiel-Koren</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Die Arbeit mit Menschen wird von der Öffentlichkeit unterschätzt. Es braucht ein hohes Maß an Belastbarkeit, Geduld und Ausdauer, um auf andere Menschen eingehen zu können und empfänglich für ihre Stimmungen zu sein. Die Betriebsratsvorsitzende: „Leider wird der Sozialbereich gerne mit einem Ehrenamt verwechselt“. Das Argument, so viel zurück zu bekommen, würde immer gerne benutzt. „Einige nehmen zwar viel Kraft und Energie aus dem Beruf, doch die Bezahlung bietet derzeit kaum Absicherung für Mietanstiege und höhere Lebenskosten.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Den Leuten zuhören</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die Betriebsratsarbeit besteht oft aus vielen kleinen Dingen. So schaut Marianne Schiel-Koren darauf, dass Betriebsvereinbarungen umgesetzt werden und hört den Menschen zu: „Oft hilft es, sich ein bisschen zurückzunehmen damit die Menschen einfach reden können“. Die Arbeit belastet viele MitarbeiterInnen und die sind froh einmal alles aussprechen zu können. „Danke, dass du mich siehst“, ist ein Satz, den die Betriebsratsvorsitzende bisweilen von KollegInnen hört und der sie erfreut.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Zweckzuschuss nicht für alle</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Problem, dass derzeit viele beschäftigt, ist der Zweckzuschuss. Das ist eine staatliche Einmalzahlung für Beschäftigte im Pflege- und Betreuungsbereich. Doch viele ArbeitnehmerInnen im Behindertenbereich sind davon ausgeschlossen. Um dieses Geld zu erhalten, müssen die MitarbeiterInnen eine bestimmte Ausbildung abgeschlossen haben. Es wird aber dabei nicht berücksichtigt, welche Arbeit tatsächlich geleistet wird. So kann es vorkommen, dass in einem Team MitarbeiterInnen die gleiche Arbeit verrichten, aber nur ein Teil davon den Zuschuss erhält. Der andere Teil ist zwar auch qualifiziert, hat aber die im Gesetz beschriebene Ausbildung nicht absolviert. BetriebsrätInnen aus den betroffenen sozialen Organisationen haben eine Petition dagegen initiiert und fordern die Politik auf, diese Ungerechtigkeit zu beenden.</p>



<div class="wp-block-group rotebox"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<h4 class="wp-block-heading">Hast du schon einmal überlegt selbst einen Betriebsrat zu gründen?</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn es bei dir im Betrieb mindestens 5 Beschäftigte gibt, kann eine Betriebsratswahl stattfinden. Dein Chef/deine Chefin, darf die Wahl nicht behindern. Als Betriebsrätin/Betriebsrat hast du einen besonderen Kündigungsschutz und du kannst einen Teil deiner Arbeitszeit für die Betriebsratstätigkeit verwenden. Wir unterstützen und begleiten dich und deine KollegInnen bei der Durchführung der Betriebsratswahl.<br>Du möchtest mit uns darüber reden? Dann wende dich an unsere Beratung in deinem Bundesland. Alle Kontakte findest du hier: <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.gpa.at/kontakt" target="_blank" aria-label="https://www.gpa.at/kontakt (öffnet in neuem Tab)">https://www.gpa.at/kontakt</a></p>
</div></div>



<p class="wp-block-paragraph"> </p>



<h4 class="wp-block-heading">Aufgaben gemeinsam erledigen</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Auf ihr Amt hat sich Marianne Schiel-Koren längere Zeit vorbereitet und besuchte dafür die Wiener Betriebräts:innen Akademie, das dabei erlernte Wissen, kann sie heute gut gebrauchen. „Der konzentrierte Austausch mit anderen BetriebsrätInnen hat viele Erkenntnisse gebracht“. Derzeit beginnt ihr Arbeitstag um 8 Uhr – in der Straßenbahn: „Hier bearbeite ich meine Mails und mache Termine“, erklärt Schiel-Koren, die bis 19 Uhr für KollegInnen auf dem Handy erreichbar ist. Arbeit und komplexe Probleme gibt es reichlich. Mittlerweile hat die gebürtige Wienerin auch gelernt, Aufgaben zu delegieren. </p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Der konzentrierte Austausch mit anderen BetriebsrätInnen hat viele Erkenntnisse gebracht.“</p>
<cite>Marianne Schiel-Koren</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Als sie kürzlich erkrankte, ist ihr Team eingesprungen und es hat „wunderbar funktioniert, obwohl es viele Neue im Betriebsratsgremium gibt“. Die bald 39-Jährige war es gewohnt 20 Jahre mit Menschen zu arbeiten, nun hat sie das erste Mal einen Bürojob. Das Zimmer teilt sie sich aber mit ihrer Administrations-Kraft Jevgenija Selmanovic. „Sie nimmt mir viele Aufgaben ab und ich bin froh nicht alleine arbeiten zu müssen“.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Loblied auf den 21. Bezirk</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Marianne Schiel-Koren ist mit Leib und Seele Floridsdorferin und engagiert sich auch in der Bezirks-Politik. Die Mischung aus urban und ländlich hat es ihr angetan: Schiel-Koren hebt Öffi-Anbindung wie moderne Infrastruktur hervor und kann trotzdem Weinberge samt regionalem Anbau genießen: „Ein Viertel des Wiener Weins soll aus Floridsdorf kommen“. Die Begeisterung passt auch zur Berufung als Lokalpolitikerin. „Ich war eine Periode Jugendbezirksrätin, und habe da vor allem mit den Jugendzentren kommuniziert“ Dabei betreute sie auch das Jugendparlament „Word up!21&#8243;. Junge FloridsdorferInnen konnten dabei ihre Wünsche an den Bezirk artikulieren und einen Teil davon umsetzen. „Das war ein ganz feines basisdemokratisches Projekt.“</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="1024" height="768" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/05/Marianne-Schiel-Koren2.jpg" alt="" class="wp-image-19791" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/05/Marianne-Schiel-Koren2.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/05/Marianne-Schiel-Koren2-300x225.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/05/Marianne-Schiel-Koren2-150x113.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/05/Marianne-Schiel-Koren2-768x576.jpg 768w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Marianne Schiel-Koren (Mitte) beim Kochen im Suppentopf</strong><br>Foto: privat</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Nun ist sie Mitglied der Sozial- und Zivilschutzkommission. Im aktuellen Projekt „Suppentopf“ kocht sie gemeinsam mit anderen BezirkspolitikerInnen für bedürftige Menschen. Denn auch in Floridsdorf leiden genug Menschen unter den aktuellen Erhöhungen bei Mieten, Heizung und Strom. Nicht alles läuft in der Bezirkspolitik harmonisch ab, es kann durchaus auch zu Konflikten kommen. Im Jahr 2015 etwa, hat Floridsdorf innerhalb kürzester Zeit viele geflüchtete Menschen aufgenommen, auch damals war Schiel-Koren bereits Bezirksrätin. „Wir hatten dann mehrere Bürgerveranstaltungen, dabei sind einige AnrainerInnen hochemotional und sehr verängstigt auf uns zugekommen“, erinnert sich die Betriebsratsvorsitzende und Bezirksrätin. „Diese Emotionen muss man aushalten, denn die Leute sehen dich als Politikerin – für sie bist du derjenige, der das so entschieden hat.“ Wer solche Aggressionen ertragen kann, muss gute Nerven haben, besonders Politikerinnen haben es dann schwer, denn sie werden härter kritisiert als Männer. „Viele denken in Mustern“, glaubt Marianne Schiel-Koren. „Frauen, die offen und vehement ihre Meinung vertreten, werden oft als unangenehm empfunden – Männer hingegen gelten als Macher.“</p>



<p class="wp-block-paragraph"> </p>



<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<h4 class="wp-block-heading">Das könnte dich auch interessieren: </h4>



<ul class="wp-block-list">
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<li>In der Pflege fehlt es überall am Personal und am Nachwuchs, die Situation ist nach wie vor extrem angespannt. <a href="https://kompetenz-online.at/2023/05/15/geduld-als-schluessel-zum-erfolg/" aria-label="Sabine Maier und Markus Prantl">Sabine Maier und Markus Prantl</a>, beide BetriebsrätInnen in Pflegeeinrichtungen, kritisieren den akuten Personalmangel und fordern von der Politik tiefgreifende Verbesserungen.</li>



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</ul>
</div></div>



<p class="wp-block-paragraph"> </p>
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			</item>
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		<title>Mit Mut und Willen zur Veränderung</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2021/12/16/mit-mut-und-willen-zur-veraenderung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Resei]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Dec 2021 08:41:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<category><![CDATA[behindertenbetreuung]]></category>
		<category><![CDATA[Betreuung]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Resei]]></category>
		<category><![CDATA[Lebenshilfe]]></category>
		<category><![CDATA[Menschen mit Behinderungen]]></category>
		<category><![CDATA[Pflege]]></category>
		<category><![CDATA[Sonja Föger-Kalchschmied]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Tirolerin und Betriebsrats-Vorsitzende Sonja Föger-Kalchschmied fordert ein gesellschaftliches Umdenken für die Entlohnung von Frauen und den Wert sozialer Dienstleistungen.]]></description>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="682" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/12/BR-Sonja-Foeger-Kalchschmied-50-1-1024x682.png" alt="" class="wp-image-17771" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/12/BR-Sonja-Foeger-Kalchschmied-50-1-1024x682.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/12/BR-Sonja-Foeger-Kalchschmied-50-1-300x200.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/12/BR-Sonja-Foeger-Kalchschmied-50-1-150x100.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/12/BR-Sonja-Foeger-Kalchschmied-50-1-768x511.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/12/BR-Sonja-Foeger-Kalchschmied-50-1-600x400.png 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/12/BR-Sonja-Foeger-Kalchschmied-50-1-720x480.png 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/12/BR-Sonja-Foeger-Kalchschmied-50-1-272x182.png 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/12/BR-Sonja-Foeger-Kalchschmied-50-1.png 1500w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Foto: privat</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Tirolerin und Betriebsratsvorsitzende Sonja Föger-Kalchschmied fordert ein gesellschaftliches Umdenken für die Entlohnung von Frauen und den Wert sozialer Dienstleistungen.</strong></p>



<span id="more-17770"></span>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich will Dinge verändern“, sagt Sonja Föger-Kalchschmied, Betriebsrats-Vorsitzende in der Lebenshilfe Tirol. Vor ihrer Freistellung hat die gebürtige Reuttenerin in der mobilen Begleitung gearbeitet, ihren Beruf auch gerne ausgeübt: „Menschen mit Behinderung sind viel direkter, offener und haben eine enorme Lebensfreude“. Das Ziel der mobilen Begleitung ist die Unterstützung hin zu einem möglichst selbstbestimmten Leben. „Wir begleiten die Menschen im privaten Wohnumfeld und in ihrer Freizeit, da müssen Nähe und Distanz ständig in Balance gehalten werden – wir unterstützen, aber wir fordern auch auf, die Komfortzone zu verlassen.“ Eine bereichernde und psychisch wie physisch herausfordernde Aufgabe, die Föger-Kalchschmied in Teilzeit ausgeübt hat. Wie so viele Frauen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Menschen mit Behinderung sind viel direkter, offener und haben eine enorme Lebensfreude“</p><cite>Sonja Föger-Kalchschmied</cite></blockquote>



<h4 class="wp-block-heading">Nicht genug für ein gutes Leben</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Rund 70 Prozent der Lebenshilfe MitarbeiterInnen sind weiblich. Eine Vollzeit-Beschäftigung in diesem Sektor ist körperlich und mental oft kaum zu bewältigen. Die Arbeit wirkt über den Dienstschluss hinaus nach: „Es ist oft sehr schwer, abzuschalten“, weiß die Betriebsrats-Vorsitzende. Menschen mit Behinderung werden von der Lebenshilfe Tirol, einer gemeinnützigen GmbH, in vielen Bereichen unterstützt. Diese reichen vom begleiteten Wohnen in Vollzeit über vielfältige Projekte im Bereich Arbeit, mobiler Begleitung, Frühförderung, Freizeit-und Familienentlastung bis hin zu Arbeitsassistenz, Jobcoaching und Beratung. Föger-Kalchschmied: „Wir arbeiten inklusiv, uns ist es wichtig, dass jeder bzw. jede seinen Platz im Leben findet“. Der Beruf ist fordernd, die Dienstpläne stehen oft nur zwei Wochen im Voraus fest. Die Planung eines Familienalltags ist dann mehr als schwierig, wie in allen pflegenden Berufen ist enorme Flexibilität gefragt. Doch anhand der Bezahlung spiegelt sich all der Einsatz nicht wider. „Jene, die in Teilzeit arbeiten müssen, weil es in manchen Arbeitsbereichen nahezu keine Vollzeitstellen gibt, haben mitunter Probleme, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Erschwerend kommt hinzu, dass die Lebenserhaltungskosten in Tirol sehr hoch sind, es ist zu wenig, um gut leben zu können.“</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Jene, die in Teilzeit arbeiten müssen, weil es in manchen Arbeitsbereichen nahezu keine Vollzeitstellen gibt, haben mitunter Probleme, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.</p><cite>Sonja Föger-Kalchschmied</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Die Auswirkungen dieser Schieflage: Viele gut ausgebildete MitarbeiterInnen verlassen den Gesundheits- und Sozialbereich. „Das war für mich die Motivation, in den Betriebsrat zu gehen, denn Jammern und Lamentieren alleine bringt uns nicht weiter“, erzählt Sonja Föger-Kalchschmied, die vor mittlerweile siebeneinhalb Jahren Mitglied im Betriebsratsgremium wurde. Um mehr bewirken zu können, gründete sie eine eigene Liste, die in der folgenden Wahl gewann. Föger-Kalchschmied wurde Betriebsrats-Vorsitzende und vertritt nun rund 1.600 MitarbeiterInnen in ganz Tirol. Außerdem ist sie Tiroler Vertreterin für Gesundheit und Soziales im Bundesausschuss der GPA .</p>



<h4 class="wp-block-heading">Inmitten von Berufung und großen Herausforderungen</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Zwar arbeiten in den sozialen Dienstleistungen vor allem Frauen, bei den BetriebsrätInnen sind sie jedoch deutlich unterrepräsentiert. Das liegt auch an der Mehrfachbelastung, die viele Frauen an ihre Grenzen bringt. Wer sich im Betriebsrat einbringt, muss neben der Arbeit einiges an zusätzlicher Zeit aufbringen. „Und meiner Meinung nach, sollten sich Betriebsräte auch in der Gewerkschaft engagieren“, findet Föger-Kalchschmied. Was wiederum zu mehreren Abendterminen pro Woche führen kann. Vor allem jüngere Frauen mit Kindern haben dafür schlichtweg keine Zeit. </p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>&#8222;Meiner Meinung nach, sollten sich Betriebsräte auch in der Gewerkschaft engagieren.&#8220;</p><cite>Sonja Föger-Kalchschmied</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Wird ein Betriebsrat freigestellt, so wird er nur für die Arbeitszeit bezahlt, die er vorher im regulären Job gearbeitet hat: wer vorher in Teilzeit ist, bekommt auch als Betriebsrat nicht das Geld für eine Vollzeit-Stelle – selbst, wenn damit eine Vollzeit-Tätigkeit verbunden ist. Und die meisten Frauen im Gesundheit-und Sozialbereich arbeiten in Teilzeit. „Es ist aber wichtig, dass sich mehr Frauen als Betriebsrätinnen engagieren. Sie setzen andere, wichtige Akzente in der Arbeitswelt, deshalb ist es mir ein Anliegen auch mehr Frauen für die Betriebsratstätigkeit zu begeistern“, so Sonja Föger-Kalchschmied. Doch es ist keine leichte Aufgabe- bei Verhandlungen kann dann der Ton schon etwas rauer werden. „ Zu Beginn war es nicht leicht, mich da zu behaupten“, erinnert sich Sonja Föger-Kalchschmied. „Ich habe lernen müssen, gewisse Dinge nicht persönlich zu nehmen. Ich glaube, Männer halten dieses rohe Gehabe etwas besser aus und zeigen ihre Betroffenheit meist nicht.“ Wer Verbesserungen durchsetzen will, braucht einen langen Atem und muss Konflikte aushalten können. Auch sonst ist dieses Amt durchaus fordernd, die Betriebsrats-Vorsitzende ist viel unterwegs, denn es sind 130 Lebenshilfe-Tirol-Standorte zu betreuen. „Umso wichtiger ist es, ein gutes Team um sich zu haben.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Die Politik schaut weg</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Auch mit der Gewerkschaft GPA arbeitet Föger-Kalchschmied eng zusammen. „Wir waren in den letzten Jahren sehr aktiv und haben gemeinsame Aktionen gesetzt. Vor der Corona-Pandemie haben wir erstmals in Tirol gestreikt – es hieß, so etwas wäre im Sozialbereich nicht möglich, doch die Menschen in Tirol haben uns verstanden.“ Denn wer nichts fordert, kriegt nichts – das gilt besonders in der Arbeitswelt.<br>Zuletzt wurde Mitte November am Innsbrucker Franziskaner Platz demonstriert: „Wenn von der Politik aus nichts passiert, steuern wir auf ein immenses Problem zu, denn der Fachkräftemangel in unserer Branche wird immer größer“, erklärt die Betriebsrats-Vorsitzende. Die Arbeitszeit muss auf 35 Stunden verkürzt, die Gehälter erhöht, die Arbeitsbedingungen verbessert und die Kinderbetreuungsmöglichkeiten am Land ausgebaut werden. Ein wichtiges Anliegen ist es auch, den Gender-Pay-Gap endlich zu verringern.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit</h4>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn wir so weiter machen, werden wir die Gleichbezahlung der Frauen in 150 Jahren erreichen“, gibt sich Föger-Kalchschmied zwar keineswegs geschlagen, aber von dem „ewig grüßt das Murmeltier“-Effekt, wie sie ihn nennt, ziemlich genervt. „Es gibt zwar immer wieder die Equal-Pay-Day-Veranstaltungen, aber so richtig berühren tut es niemanden. Die Maßnahmen reichen nicht und gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, das ist auch zu ungenau – es sollte gleiche Bezahlung für gleichwertige Arbeit geben.“<br>Die Betriebsrats-Vorsitzende wünscht sich eine andere Bemessung der Wertigkeit von Arbeit. „Wird die Bezahlung im Sozialbereich deutlich erhöht, werden auch mehr Männer in dieser Sparte tätig sein“, ist sich Föger-Kalchschmied gewiss. Schon heute wird die Arbeit von Frauen, die etwa in der Elementarpädagogik in Skandinavien arbeiten, weitaus höher bewertet. „Dort haben sie gesellschaftlich wirklich etwas verändert und wir müssen den Willen haben, auch unser gesamtes System zu verändern.“ Und den Mut.<br>Die Arbeitsbedingungen für Frauen zu verbessern, das ist Föger-Kalchschmieds ureigenstes Anliegen. Denn je mehr Frauen verdienen, desto höher ist ihre Pension im Alter. „Die Altersarmut darf nicht die Endstation sein.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Ein Berg an positiver Energie</h4>



<p class="wp-block-paragraph">In großen Veränderungen übte sich Sonja Föger-Kalchschmied bereits als 14-Jährige. Damals ist sie von Reutte (die Gemeinde liegt im Tiroler Außerfern) nach Innsbruck übersiedelt, besuchte dort die höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe. Und blieb viele Jahre in der Hauptstadt – studierte Psychologie, schloss mit einem Bakkalaureat ab und arbeitete in verschiedenen Berufen. In der mobilen Betreuung bei der Lebenshilfe Tirol stieg Föger-Kalchschmied in eine Leitungsfunktion auf: „Ich habe die Arbeit von allen Seiten kennen gelernt, das hilft mir jetzt als Betriebsrats-Vorsitzende sehr“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die bekennende Naturliebhaberin lebt heute in Telfs, ist „ein sehr geselliger Mensch mit einem tollen Freundeskreis“ und hat das Glück, direkt am Waldrand zu wohnen: „Gleich hinterm Haus gehen Wanderwege los. Da gibt es ein paar richtig tolle Hütten, wo ich ein Frühstück oder Mittagessen genieße.“ Die 52-Jährige steigt gerne auch mal auf höhere Berge, liebt „Bergtouren, wie auf die hohe Munde, meinen Hausberg – das gibt viel Kraft“. Neben dem Bergsteigen und Wandern, fährt die Tirolerin mit dem Mountainbike, schwimmt und ackert in ihrem Garten, der ihr „positive Energie“ schenkt. Positives und konstruktives Feedback und Rückhalt bekommt Sonja Föger-Kalchschmied auch von ihrem Ehemann: „Wir ticken sehr ähnlich“.</p>
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