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	<title>Pflegebonus &#8211; KOMPETENZ-online</title>
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	<title>Pflegebonus &#8211; KOMPETENZ-online</title>
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		<title>Geduld als Schlüssel zum Erfolg</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Christian Resei]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 May 2023 12:51:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<category><![CDATA[Behindertenbereich]]></category>
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		<category><![CDATA[Wiener Sozialdienste Förderung & Begleitung]]></category>
		<category><![CDATA[Zweckzuschuss]]></category>
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					<description><![CDATA[Seit einem halben Jahr ist Marianne Schiel-Koren Betriebsratsvorsitzende. Sie will die Lage in den sozialen Berufen verbessern. Die überzeugte Floridsdorferin engagiert sich auch in der Bezirks-Politik. Das Eintreten für gerechte Verhältnisse war Marianne Schiel-Koren schon als Teenagerin wichtig. „Ich war Klassensprecherin, da will man dann auch im weiteren Leben Verantwortung übernehmen“ sagt sie. Seit Dezember [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Seit einem halben Jahr ist Marianne Schiel-Koren Betriebsratsvorsitzende. Sie will die Lage in den sozialen Berufen verbessern. Die überzeugte Floridsdorferin engagiert sich auch in der Bezirks-Politik.</strong></p>



<span id="more-19789"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Das Eintreten für gerechte Verhältnisse war Marianne Schiel-Koren schon als Teenagerin wichtig. „Ich war Klassensprecherin, da will man dann auch im weiteren Leben Verantwortung übernehmen“ sagt sie. Seit Dezember 2022 ist sie Betriebsratsvorsitzende der Angestellten der Wiener Sozialdienste Förderung &amp; Begleitung. Sie vertritt mehr als 400 Menschen, eine vielseitige Belegschaft: TherapeutInnen (Logo, Physio, Ergo, Musik), SozialarbeiterInnen und -pädagogInnen, diplomierte FrühförderInnen, BehindertenpädagogInnen, ÄrztInnen und die „neuen“ Fach- und SozialbetreuerInnen. Schiel-Koren selber war bis letztes Jahr als diplomierte Behindertenpädagogin tätig.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Geduld ist wichtig</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die Arbeit im Behindertenbereich ist sehr facettenreich. Von schwerst beeinträchtigten Menschen, die Unterstützung beim Essen und der Hygiene benötigen bis zu Menschen, die sehr autonom leben und etwa Hilfe bei Amtswegen erhalten, reicht die Bandbreite. Schiel-Koren war 15 Jahre lang in Basalen Förderklassen tätig mit schwerst mehrfach behinderten Kindern. „Ich habe in Kleingruppen mit vier bis fünf Kindern gearbeitet und konnte auf jedes Einzelne eingehen“, erzählt die Betriebsratsvorsitzende. Erfolge stellen sich oft erst nach langer Zeit ein. „Es ist schon ein tolles Gefühl, wenn ein betreutes Kind nach rund einem Jahr das erste Mal anzeigt, dass es Durst hat – damit hat das Kind einen Weg gefunden, mit seiner Umwelt zu kommunizieren.“</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Leider wird der Sozialbereich gerne mit einem Ehrenamt verwechselt“</p>
<cite>Marianne Schiel-Koren</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Die Arbeit mit Menschen wird von der Öffentlichkeit unterschätzt. Es braucht ein hohes Maß an Belastbarkeit, Geduld und Ausdauer, um auf andere Menschen eingehen zu können und empfänglich für ihre Stimmungen zu sein. Die Betriebsratsvorsitzende: „Leider wird der Sozialbereich gerne mit einem Ehrenamt verwechselt“. Das Argument, so viel zurück zu bekommen, würde immer gerne benutzt. „Einige nehmen zwar viel Kraft und Energie aus dem Beruf, doch die Bezahlung bietet derzeit kaum Absicherung für Mietanstiege und höhere Lebenskosten.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Den Leuten zuhören</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die Betriebsratsarbeit besteht oft aus vielen kleinen Dingen. So schaut Marianne Schiel-Koren darauf, dass Betriebsvereinbarungen umgesetzt werden und hört den Menschen zu: „Oft hilft es, sich ein bisschen zurückzunehmen damit die Menschen einfach reden können“. Die Arbeit belastet viele MitarbeiterInnen und die sind froh einmal alles aussprechen zu können. „Danke, dass du mich siehst“, ist ein Satz, den die Betriebsratsvorsitzende bisweilen von KollegInnen hört und der sie erfreut.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Zweckzuschuss nicht für alle</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Problem, dass derzeit viele beschäftigt, ist der Zweckzuschuss. Das ist eine staatliche Einmalzahlung für Beschäftigte im Pflege- und Betreuungsbereich. Doch viele ArbeitnehmerInnen im Behindertenbereich sind davon ausgeschlossen. Um dieses Geld zu erhalten, müssen die MitarbeiterInnen eine bestimmte Ausbildung abgeschlossen haben. Es wird aber dabei nicht berücksichtigt, welche Arbeit tatsächlich geleistet wird. So kann es vorkommen, dass in einem Team MitarbeiterInnen die gleiche Arbeit verrichten, aber nur ein Teil davon den Zuschuss erhält. Der andere Teil ist zwar auch qualifiziert, hat aber die im Gesetz beschriebene Ausbildung nicht absolviert. BetriebsrätInnen aus den betroffenen sozialen Organisationen haben eine Petition dagegen initiiert und fordern die Politik auf, diese Ungerechtigkeit zu beenden.</p>



<div class="wp-block-group rotebox"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<h4 class="wp-block-heading">Hast du schon einmal überlegt selbst einen Betriebsrat zu gründen?</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn es bei dir im Betrieb mindestens 5 Beschäftigte gibt, kann eine Betriebsratswahl stattfinden. Dein Chef/deine Chefin, darf die Wahl nicht behindern. Als Betriebsrätin/Betriebsrat hast du einen besonderen Kündigungsschutz und du kannst einen Teil deiner Arbeitszeit für die Betriebsratstätigkeit verwenden. Wir unterstützen und begleiten dich und deine KollegInnen bei der Durchführung der Betriebsratswahl.<br>Du möchtest mit uns darüber reden? Dann wende dich an unsere Beratung in deinem Bundesland. Alle Kontakte findest du hier: <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.gpa.at/kontakt" target="_blank" aria-label="https://www.gpa.at/kontakt (öffnet in neuem Tab)">https://www.gpa.at/kontakt</a></p>
</div></div>



<p class="wp-block-paragraph"> </p>



<h4 class="wp-block-heading">Aufgaben gemeinsam erledigen</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Auf ihr Amt hat sich Marianne Schiel-Koren längere Zeit vorbereitet und besuchte dafür die Wiener Betriebräts:innen Akademie, das dabei erlernte Wissen, kann sie heute gut gebrauchen. „Der konzentrierte Austausch mit anderen BetriebsrätInnen hat viele Erkenntnisse gebracht“. Derzeit beginnt ihr Arbeitstag um 8 Uhr – in der Straßenbahn: „Hier bearbeite ich meine Mails und mache Termine“, erklärt Schiel-Koren, die bis 19 Uhr für KollegInnen auf dem Handy erreichbar ist. Arbeit und komplexe Probleme gibt es reichlich. Mittlerweile hat die gebürtige Wienerin auch gelernt, Aufgaben zu delegieren. </p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Der konzentrierte Austausch mit anderen BetriebsrätInnen hat viele Erkenntnisse gebracht.“</p>
<cite>Marianne Schiel-Koren</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Als sie kürzlich erkrankte, ist ihr Team eingesprungen und es hat „wunderbar funktioniert, obwohl es viele Neue im Betriebsratsgremium gibt“. Die bald 39-Jährige war es gewohnt 20 Jahre mit Menschen zu arbeiten, nun hat sie das erste Mal einen Bürojob. Das Zimmer teilt sie sich aber mit ihrer Administrations-Kraft Jevgenija Selmanovic. „Sie nimmt mir viele Aufgaben ab und ich bin froh nicht alleine arbeiten zu müssen“.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Loblied auf den 21. Bezirk</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Marianne Schiel-Koren ist mit Leib und Seele Floridsdorferin und engagiert sich auch in der Bezirks-Politik. Die Mischung aus urban und ländlich hat es ihr angetan: Schiel-Koren hebt Öffi-Anbindung wie moderne Infrastruktur hervor und kann trotzdem Weinberge samt regionalem Anbau genießen: „Ein Viertel des Wiener Weins soll aus Floridsdorf kommen“. Die Begeisterung passt auch zur Berufung als Lokalpolitikerin. „Ich war eine Periode Jugendbezirksrätin, und habe da vor allem mit den Jugendzentren kommuniziert“ Dabei betreute sie auch das Jugendparlament „Word up!21&#8243;. Junge FloridsdorferInnen konnten dabei ihre Wünsche an den Bezirk artikulieren und einen Teil davon umsetzen. „Das war ein ganz feines basisdemokratisches Projekt.“</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="1024" height="768" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/05/Marianne-Schiel-Koren2.jpg" alt="" class="wp-image-19791" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/05/Marianne-Schiel-Koren2.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/05/Marianne-Schiel-Koren2-300x225.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/05/Marianne-Schiel-Koren2-150x113.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/05/Marianne-Schiel-Koren2-768x576.jpg 768w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Marianne Schiel-Koren (Mitte) beim Kochen im Suppentopf</strong><br>Foto: privat</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Nun ist sie Mitglied der Sozial- und Zivilschutzkommission. Im aktuellen Projekt „Suppentopf“ kocht sie gemeinsam mit anderen BezirkspolitikerInnen für bedürftige Menschen. Denn auch in Floridsdorf leiden genug Menschen unter den aktuellen Erhöhungen bei Mieten, Heizung und Strom. Nicht alles läuft in der Bezirkspolitik harmonisch ab, es kann durchaus auch zu Konflikten kommen. Im Jahr 2015 etwa, hat Floridsdorf innerhalb kürzester Zeit viele geflüchtete Menschen aufgenommen, auch damals war Schiel-Koren bereits Bezirksrätin. „Wir hatten dann mehrere Bürgerveranstaltungen, dabei sind einige AnrainerInnen hochemotional und sehr verängstigt auf uns zugekommen“, erinnert sich die Betriebsratsvorsitzende und Bezirksrätin. „Diese Emotionen muss man aushalten, denn die Leute sehen dich als Politikerin – für sie bist du derjenige, der das so entschieden hat.“ Wer solche Aggressionen ertragen kann, muss gute Nerven haben, besonders Politikerinnen haben es dann schwer, denn sie werden härter kritisiert als Männer. „Viele denken in Mustern“, glaubt Marianne Schiel-Koren. „Frauen, die offen und vehement ihre Meinung vertreten, werden oft als unangenehm empfunden – Männer hingegen gelten als Macher.“</p>



<p class="wp-block-paragraph"> </p>



<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<h4 class="wp-block-heading">Das könnte dich auch interessieren: </h4>



<ul class="wp-block-list">
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</ul>
</div></div>



<p class="wp-block-paragraph"> </p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Lebenshilfe NÖ: 342 Beschäftigte bekommen keinen Bonus</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2022/11/03/lebenshilfe-noe-342-beschaeftigte-bekommen-keinen-bonus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Johannes Gress]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Nov 2022 18:51:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2022/04]]></category>
		<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
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		<category><![CDATA[Behindertenbereich]]></category>
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		<category><![CDATA[Pflegereform]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Beschäftigten in den Pflegebetreungsberufen sollten mehr Geld bekommen. In Niederösterreich scheitert es für einen Teil der Beschäftigen an der Umsetzung. Der Betriebsrat der Lebenshilfe Christian Hörhan fordert die Landesregierung zum Nachbessern auf. ]]></description>
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<figure class="wp-block-image size-large advgb-dyn-6ebe88e1"><img decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-19081" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe-1024x683.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe-150x100.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe-768x512.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe-1536x1024.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe-2048x1365.jpg 2048w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe-600x400.jpg 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/LebenshilfeNOe-272x182.jpg 272w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Betriebsratsvorsitzende der Lebenshilfe Niederösterreich Christian Hörhan mit Julia Fenninger. Sie bekommt keinen Pflegebonus, obwohl sie in der Behindertenbetreuung arbeitet und pflegerische Tätigkeiten verrichtet.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mit der verkorksten Entgelterhöhung für Beschäftigte in Pflege- und Betreuungsberufen zeige die Regierung einmal mehr, wie wenig Ahnung sie von der Branche hat, kritisieren Beschäftigte der Lebenshilfe Niederösterreich.</strong></p>



<span id="more-19079"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Mehr Geld für alle sollte es werden. Eine Extrazahlung für alle in Pflege- und Betreuungsberufen beschäftigten Personen. Nur unter alle fallen offenbar nicht alle. In der Lebenshilfe Niederösterreich arbeiten 796 Menschen im Pflegebereich, 454 von ihnen können sich (voraussichtlich) Anfang kommenden Jahres über eine Bonuszahlung „im unteren vierstelligen Bereich“ freuen. Ihre 342 KollegInnen gehen leer aus. Dabei verrichten sie dieselben Tätigkeiten, arbeiten oft im selben Team. MitarbeiterInnen der Lebenshilfe Niederösterreich, mit denen KOMPETENZ gesprochen hat, sprechen von „Keiltreiberei“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Problem verbirgt sich hinter vielerlei Abkürzungen. Entscheidend ist Art. 15a B-VG des EEZG und der Unterschied von FSB, UBV und DGKP. In der 15a-Vereinbarung des EEZG, des sogenannten Entgelterhöhungs-Zweckzuschussgesetzes, sind jene Berufsgruppen zusammengefasst, die die Entgelterhöhung erhalten sollen. Die Zahlung ist Teil des im Mai groß angekündigten und im September konkretisierten Pflegepakets der Regierung. Darin ist auch eine Sonderzahlung vorgesehen, einst hieß es in Höhe von etwa einem Monatsgehalt, Details sind bis dato offen. Medial ist mittlerweile von einem Betrag „im unteren vierstelligen Bereich“ die Rede. Der Bund will dafür rund 570 Millionen Euro ausgeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Hintergedanke: Eine Art Entschädigung für die Beschäftigten für zwei Corona-Jahre, zwei Jahre Arbeiten am Limit und darüber hinaus. Insgesamt solle damit auch der Pflegeberuf attraktiver werden, denn <a href="https://kompetenz-online.at/2022/06/02/sozialwirtschaft-die-eisdecke-wird-immer-duenner/" aria-label="Österreich braucht bis zum Jahr 2030 rund 70.000 zusätzliche Pflegekräfte">Österreich braucht bis zum Jahr 2030 rund 70.000 zusätzliche Pflegekräfte</a>. Das Gegenteil sei derzeit der Fall, beobachtet Christian Hörhan, Betriebsratsvorsitzender der Lebenshilfe Niederösterreich. Hätten sich vor fünf bis zehn Jahren noch die Bewerbungen gestapelt, seien aktuell <a href="https://kompetenz-online.at/2022/10/13/fachkraeftemangel-selber-schuld/" aria-label="Stellen oft monatelang ausgeschrieben">Stellen oft monatelang ausgeschrieben</a> – „ohne dass sich auch nur eine Person bewirbt“.</p>



<h4 class="wp-block-heading">„Ich trage genauso Verantwortung“</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Eine, die sich vor zehn Jahre beworben hatte, ist Julia Fenninger. Die Anfang 30-Jährige sitzt im Betriebsratsbüro im Erdgeschoss der Lebenshilfe Sollenau (Bezirk Wiener Neustadt-Land). Sie ist gelernte Köchin und wagte sich als Quereinsteigerin zur Lebenshilfe. Seit 2012 arbeitet sie in der Behindertenbetreuung. Zwar absolvierte sie keine facheinschlägige Ausbildung, also etwa zur Fachsozialbetreuerin (FSB) oder Diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegerin (DGKP), jedoch ein verpflichtendes UBV-Modul (Unterstützung bei der Basisversorgung). Eine solche Schulung berechtigt sie dazu, grundpflegerische Tätigkeiten unter Anleitung einer Diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegerin auszuüben. Folglich verrichtet sie seit Jahren dieselben Tätigkeiten wie ihre KollegInnen – eine Entgelterhöhung bekommt sie trotzdem nicht. Denn MitarbeiterInnen in multiprofessionellen Teams wie Fenninger sind in der 15a-Vereinbarung nicht vorgesehen. „Ich assistiere KlientInnen bei der Medikamenteneinnahme, übernehme dieselben pflegerischen Tätigkeiten und trage die gleiche Verantwortung wie meine KollegInnen“, ärgert sich Fenninger.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow advgb-dyn-240fbc80">
<p class="wp-block-paragraph">„Ich assistiere KlientInnen bei der Medikamenteneinnahme, übernehme dieselben pflegerischen Tätigkeiten und trage die gleiche Verantwortung wie meine KollegInnen.“</p>
<cite>Julia Fenninger</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Während der Pandemie sei sie dem Virus genauso ausgesetzt gewesen wie alle anderen im Team, arbeitete teils in voller Schutzausrüstung, während ein ganzes Haus voller KlientInnen mit Corona infiziert war. „Ich arbeite direkt an der Front – und bekomme keinen Bonus“.  </p>



<p class="wp-block-paragraph">Mittlerweile sei die Personalsituation angespannter als je zuvor, beklagt Fenninger. Fehlt es in der Industrie an Personal – wird weniger produziert. Diese Alternative besteht in der Pflege und in Betreuungsberufen nicht. „Die Menschen, die wir betreuen, haben dieselben Bedürfnisse wie immer, da ist es egal ob wir fünf oder zwei BetreuerInnen haben“, beklagt Fenninger. Die gelernte Köchin betont immer wieder, wie wohl sie sich grundsätzlich in ihrem neuen Job fühle – „aber das funktioniert einfach nicht mehr. Wir kommen in eine Situation, in der wir selbst die Grundbedürfnisse unser KlientInnen nicht mehr erfüllen können“.</p>



<h4 class="wp-block-heading">„Keiltreiberei“</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Rund 150 Kilometer weiter westlich ist die Situation eine ähnliche. Bei der Lebenshilfe in Aschbach-Markt (Bezirk Amstetten) arbeiten Paul Meierhofer und Anja Reitbauer Seite an Seite. Er ist Fachsozialbetreuer Behindertenarbeit, sie Sozial- und Kindergartenpädagogin mit UBV-Schulung – er bekommt eine Entgelterhöhung, sie nicht. <em>Warum?</em> Beiden fehlt das Verständnis dafür. Auch wenn Meierhofer sich grundsätzlich über die Zahlung freut, betrachtet er die Ungleichbehandlung als „Keiltreiberei“. Dadurch zeige die Politik einmal mehr, dass sie von den Vorgängen im Sozial- und Pflegebereich wenig Ahnung habe – dass bei Einrichtungen wie der Lebenshilfe eben auch Menschen Pflegetätigkeiten ausüben, deren Titel oder Ausbildung nicht das Wort „Pflege“ oder „Behindertenarbeit“ beinhalte. </p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow advgb-dyn-3a0387b1">
<p class="wp-block-paragraph">„Ich glaube, es geht da gar nicht um Böswilligkeit, sondern um Unwissenheit. Den EntscheidungsträgerInnen fehlt einfach der Einblick in unsere Arbeit“</p>
<cite>Anja Reitbauer</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Menschen wie Anja Reitbauer, die zwar fünf Jahre Kindergartenpädagogik, zwei Jahre Sozialpädagogik auf dem Buckel hat, zusätzlich eine UBV-Schulung absolvierte – und deren Tätigkeiten sich von Meierhofers nicht unterscheiden – gehen dadurch leer aus. „Ich glaube, es geht da gar nicht um Böswilligkeit, sondern um Unwissenheit. Den EntscheidungsträgerInnen fehlt einfach der Einblick in unsere Arbeit“, kritisiert Reitbauer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In seinem Büro in Sollenau versucht sich Betriebsratsvorsitzender Christian Hörhan gegen den Be- bzw. Fehlschluss der Regierung zu stemmen. Was ihn freut: Die Solidarität unter den Beschäftigten ist groß. 507 Unterschriften (von knapp 800 in der Betreuung tätigen MitarbeiterInnen) konnte er sammeln, das heißt, auch von jenen, die den Bonus erhalten werden. Zusammen mit einem Brief und einer Bitte um Stellungnahme gingen diese Ende Oktober an Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne), Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP), Landeshauptfrau Johanna Mickl-Leitner (ÖVP) und Soziallandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP). Eine Antwort stand bis Redaktionsschluss noch aus.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Zukunft Krise?</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Zu wenig Bezahlung, zu wenig Wertschätzung, zu wenig Personal – es sind die immer selben Forderungen, die seit Jahren von den Beschäftigten an die Regierungen herangetragen werden. Mit den immer selben Unvermögen der Verantwortlichen gegen die Gesundheits- und Pflegekrise etwas zu unternehmen. Dass viele der Beschäftigten der Branche irgendwann den Rücken kehren – Hörhan, Fenninger, Meierhofer und Reitbauer haben volles Verständnis.</p>



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