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	<title>Pflegeheim &#8211; KOMPETENZ-online</title>
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	<title>Pflegeheim &#8211; KOMPETENZ-online</title>
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		<title>Frühwarnsystem fürs Pflegewohnheim</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Christof Mackinger]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Sep 2023 14:18:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sozialstaat]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Altenpflege]]></category>
		<category><![CDATA[Betreuung]]></category>
		<category><![CDATA[Christof Mackinger]]></category>
		<category><![CDATA[kritische Infrastruktur]]></category>
		<category><![CDATA[Leonhard Plank]]></category>
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		<category><![CDATA[Pflegeheim]]></category>
		<category><![CDATA[Privatisierung]]></category>
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					<description><![CDATA[Es sollte ein "Frühwarnsystem" sein, was Leonhard Plank und seine Kolleg:innen da erforscht haben. Die Wirtschaftswissenschafter:innen haben eine mögliche Gefährdung für das Gemeinwohl durch transnationale Investoren untersucht – und wie man eine solche schon Vorab stoppen könnte.]]></description>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="681" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/09/Pflegerin_altenheim_Pflegeheim_AdobeStock_34550495-1024x681.png" alt="" class="wp-image-20161" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/09/Pflegerin_altenheim_Pflegeheim_AdobeStock_34550495-1024x681.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/09/Pflegerin_altenheim_Pflegeheim_AdobeStock_34550495-300x200.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/09/Pflegerin_altenheim_Pflegeheim_AdobeStock_34550495-150x100.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/09/Pflegerin_altenheim_Pflegeheim_AdobeStock_34550495-768x511.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/09/Pflegerin_altenheim_Pflegeheim_AdobeStock_34550495-600x400.png 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/09/Pflegerin_altenheim_Pflegeheim_AdobeStock_34550495-720x480.png 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/09/Pflegerin_altenheim_Pflegeheim_AdobeStock_34550495-272x182.png 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/09/Pflegerin_altenheim_Pflegeheim_AdobeStock_34550495.png 1500w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Foto: Adobe Stock</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Es sollte ein &#8222;Frühwarnsystem&#8220; sein, was Leonhard Plank und seine Kolleg:innen da erforscht haben. Die Wirtschaftswissenschafter:innen haben eine mögliche Gefährdung für das Gemeinwohl durch transnationale Investoren untersucht – und wie man eine solche schon vorab stoppen könnte.</strong></p>



<span id="more-20160"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Krankenhäuser, Altenwohnheime und Kindergärten &#8211;&nbsp; sie alle sind Teil der kritischen sozialen Infrastruktur, tagtäglich gebraucht, ständig genutzt. Was aber wenn sie nicht funktioniert oder vielleicht gar nicht existiert? Leonhard Plank und Kolleg:innen vom Forschungsbereich für Finanzwissenschaft und Infrastrukturpolitik der Technischen Universität Wien sowie der Wirtschaftsuniversität Wien haben die kritische soziale Infrastruktur in einer vergleichenden Studie unter die Lupe genommen. Sie gingen den Fragen nach: Wie kann solch eine Infrastruktur effizient gestaltet werden, um ein gutes Leben für möglichst viele zu realisieren? Und wo gibt es Gefahren und Stellschrauben, die wir im Blick behalten sollten?</p>



<h4 class="wp-block-heading">Kritische Soziale Infrastruktur</h4>



<p class="wp-block-paragraph">„Es gibt in unserer Wirtschaft offensichtlich bestimmte Bereiche, die für unser Überleben elementar und wichtiger sind als alles andere,“ erklärt Leonhard Plank &#8211; die kritische Infrastruktur. Als Gesellschaft müsse man sich fragen, was nicht ausfallen oder beeinträchtigt werden dürfe damit unsere Wirtschaft und ihre Abläufe im Alltag funktionieren. Der Begriff der kritischen Infrastruktur hat bisher insbesondere technische Infrastruktur umfasst, aber kaum soziale. Neben einer Versorgung mit Energie und Wasser, brauchen wir aber auch Wohnraum und eine gute Gesundheitsversorgung.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Es gibt in unserer Wirtschaft offensichtlich bestimmte Bereiche, die für unser Überleben elementar und wichtiger sind als alles andere.“</p>
<cite>Leonhard Plank</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir können mit dem Begriff kritische soziale Infrastruktur auch darauf hinweisen, dass Kindergärten oder eben auch die Altenpflege für das Bestreiten des Alltags zentral sind, damit unsere Gesellschaften funktionieren.“ Und ist sie in öffentlicher Hand, so ist sie im besten Fall möglichst am Gemeinwohl orientiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da gibt es allerdings ein Problem&#8230;</p>



<h4 class="wp-block-heading">Privatisierung am Vormarsch</h4>



<p class="wp-block-paragraph">In den letzten Jahrzehnten wurde der Bereich der öffentlichen Infrastruktur in ganz Europa zunehmend für gewinnorientierte private Investoren geöffnet. Diese sind am Vormarsch, wenn es um den Bau oder das Betreiben von Pflegeheimen, Facharztpraxen, medizinischen Versorgungszentren, sozialen Wohnbau oder Studierenden-Heimen geht – in allen Bereichen wird mehr oder weniger privatisiert und outgesourct. Privatisiert und ausgelagert wird zunehmend an Finanzinvestor:innen oder auch gemeinnützige Private, wie Hilfsorganisationen. Erstere, gewinnorientierte Privatinvestor:innen, haben weniger Interesse am Gemeinwohl, aber umso mehr an den eigenen Renditen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kommt: Investitionen der öffentlichen Hand sind in den Bereichen Pflege, Gesundheit und Wohnen EU-weit gesehen rückläufig. Es wird also weniger investiert. In Österreich gäbe es bei den Investitionen immerhin „einen stetigen Anstieg“, heißt es in Planks Studie. Der Investitionsanstieg hält zwar nicht mit dem steigenden Bedarf Schritt, ist aber relativ gesehen noch besser als das massive Zurückfahren der Investitionen in Italien oder England.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Pflege im Vergleich</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Insgesamt gilt: „Die Pflege ist ein wachsender Wirtschaftsbereich, der für gewinnorientierte private Investoren relativ risikolos ist,“ sagt Plank. „weil die öffentliche Hand einen wesentlichen Anteil daran trägt, dass das System funktioniert und finanziert ist“. Europaweit betreiben private Finanzinvestoren mittlerweile bereits 455.000 Betten für die Pflege nach streng ökonomischen Kriterien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Planks Team hat die Entwicklung im Ländervergleich untersucht: In England wurde in den 1990er Jahren die gesetzliche Basis geschaffen, dass private Anbieter:innen sich in Pflegeinfrastruktur einkaufen können. Mit der Folge, dass dort heute kaum mehr Betten im Pflegesektor von der öffentlichen Hand bereitgestellt werden, während es in den 1970er Jahren noch drei Viertel waren.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Organisierte Ineffizienz</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Mit deutlichen Nachteilen: Es wird dort nicht nur bei Personalkosten und der Entlohnung der Beschäftigten gespart. Dies allein wirkt sich schon unmittelbar auf die Qualität der Betreuung der Menschen mit Pflegebedarf aus. Gewinne werden auch über „überhöhte konzerninterne Kredit- oder Mietzahlungen“ gemacht, heißt es in der TU-Studie: Es komme darüber hinaus zu einer „stärkeren Orientierung auf das „sogenannte Premiumsegment“, also eine Zwei-Klassen-Pflege. Investitionen in die Pflege würden sich in England „hauptsächlich am Wohlstandsniveau von Regionen und nicht am gesellschaftlichen Bedarf“ orientieren. Sind Regionen ärmer, beziehungsweise von weniger wohlhabenden Bürger:innen bewohnt, so hätten sie das Nachsehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Summe ist ein solches System aber vor allem ineffizient: Zuviel öffentliches Geld fließt in einen Bereich, der zu wenig, zu schlechte Leistung erbringt &#8211; weil Investor:innen mitverdienen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Der österreichische Weg</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Österreichische Besonderheiten wie der Förderalismus dürften die Investitionen in der Vergangenheit zwar gebremst haben. Aber: Stellte die öffentliche Hand vor 40 Jahren noch etwa drei Viertel der Betten im Pflegesektor Österreichs, ist dieser Anteil bis heute auf die Hälfte geschrumpft. Noch immer eine vergleichsweise geringe Präsenz privater Investor:innen, verglichen mit England. Diese Situation bedeute aber auch, „dass hier neue Anlagefelder erschlossen werden können“, erklärt Plank. Droht Österreich nun eine Entwicklung nach englischem Vorbild?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„All das muss nicht eintreten. Mir ist aber wichtig, dass man überhaupt darüber nachdenkt, was bestimmte Geschäftsmodelle mit sich bringen,“ sagt Leonhard Plank. Man müsse diskutieren „welche wirtschaftlichen Prinzipien wir in manchen Bereichen explizit nicht haben wollen.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Gemeinnützigkeit stärken</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Der Nutzen für die Öffentlichkeit ist den Gewinnen privater Investor:innen eindeutig vorzuziehen. In der Sprache des Ökonomen: „Es gibt keinen Platz für diese Art der Shareholder-orientierter Gewinnextraktion“. Ziel muss es also sein, die Gemeinnützigkeit in der kritischen sozialen Infrastruktur zu stärken. Dafür könne man versuchen „bestimmte Akteure aus dem Bereich fernzuhalten oder wenn sie da sind, einzugrenzen oder zurückzudrängen.“ Vorgaben zur Gemeinnützigkeit könne man gesetzlich relativ leicht verankern, so Plank.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">„Ich bin zuversichtlich, dass die Fehler der Vergangenheit nicht in der gleichen Form wieder gemacht werden“</p>
<cite>Leonhard Plank</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Eine andere Möglichkeit wäre eine verstärkte Investitionskontrolle. Man müsse die Frage stellen: Was haben Investor:innen mit einer Investition konkret vor? „Im schlimmsten Fall könnte man eine Beteiligung von solch gewinn-orientierten Investoren auch untersagen“, findet Plank.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der wünscht sich in Summe einen positiven Bruch mit der Politik der letzten Jahrzehnte: Dass die öffentliche Hand nicht nur reguliert und finanziert, „sondern selbst vermehrt wieder bereitstellt.“ Bereitstellen könnte man etwa Immobilien. Diese waren in der Expansion der Finanzinvestor:innen in England ein ganz zentraler Hebel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuletzt die Corona-Pandemie hat gezeigt, „dass in der Gesellschaft ungemein wichtige Arbeit geleistet, aber zu wenig gewürdigt“ werde. „Da hat sich einiges verschoben,“ ist sich der Ökonom sicher. „Ich bin zuversichtlich, dass die Fehler der Vergangenheit nicht in der gleichen Form wieder gemacht werden“, sagt Leonhard Plank. Denn er lasse sich von einer „Politik der Hoffnung“ leiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a id="_msocom_1" aria-label=""></a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Pflege: „Kein Wunder, dass es keinen Nachwuchs gibt.“</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2023/06/06/pflegeberufe-kein-wunder-dass-es-keinen-nachwuchs-gibt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Barbara Lavaud]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 Jun 2023 13:18:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<category><![CDATA[Altenpflege]]></category>
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		<category><![CDATA[Pflegeheim]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Tomislavka Mihajlovic]]></category>
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					<description><![CDATA[Tomy Mihajlovic ist Betriebsrätin in einem Wiener Pensionist:innenwohnhaus, in einer Branche mit akutem Personalmangel. Es fehlen Anreize und gute Angebote bei der Aus- und Weiterbildung, um mehr Bewerber:innen in die Pflege zu bringen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/06/Tomyslavka-Mihaljovic_7164-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-19833" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/06/Tomyslavka-Mihaljovic_7164-1024x683.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/06/Tomyslavka-Mihaljovic_7164-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/06/Tomyslavka-Mihaljovic_7164-150x100.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/06/Tomyslavka-Mihaljovic_7164-768x512.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/06/Tomyslavka-Mihaljovic_7164-1536x1024.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/06/Tomyslavka-Mihaljovic_7164-2048x1365.jpg 2048w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/06/Tomyslavka-Mihaljovic_7164-600x400.jpg 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/06/Tomyslavka-Mihaljovic_7164-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/06/Tomyslavka-Mihaljovic_7164-272x182.jpg 272w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Tomy Mihajlovic ist seit 8 Jahren Betriebsrätin und hat diesen Schritt nie bereut, weil sie als Betriebsrätin mehr bewirken kann.  </strong><br>Foto: Nurith Wagner-Strauss</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Tomy Mihajlovic ist Betriebsrätin in einem Wiener Pensionist:innenwohnhaus, in einer Branche mit akutem Personalmangel. Es fehlen Anreize und gute Angebote bei der Aus- und Weiterbildung, um mehr Bewerber:innen in die Pflege zu bringen.</strong></p>



<span id="more-19832"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Tomislavka ‚Tomy‘ Mihajlovic (43) ist derzeit in Bildungskarenz. Seit mehr als zwanzig Jahren arbeitet sie als Pflegeassistentin im Pensionist:innenwohnhaus Augarten, vor kurzem hat sie ihre Weiterbildung zur Diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegerin abgeschlossen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Haus Augarten ist sie stellvertretende Betriebsratsvorsitzende. Zusammen mit den drei anderen Betriebsrät:innen des Angestellten-Betriebsrates vertritt sie die Anliegen ihrer Kolleg:innen. Im Pensionist:innenwohnhaus sind um die 100 Arbeiter:innen und Angestellte beschäftigt, für beide Gruppen gibt es einen eigenen Betriebsrat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie selbst ist seit neun Jahren als Betriebsrätin aktiv. „Damals hat mich eine Kollegin aus dem Betriebsrat ins Team geholt. Weil ich nie Scheu hatte, Probleme mit meinen Vorgesetzten anzusprechen. Außerdem dachte ich mir, als Betriebsrätin kann ich mehr bewirken. Das Mandat gibt meiner Stimme ein anderes Gewicht.“ Die neue Aufgabe übernommen zu haben hat sie nie bereut. „Betriebsrätin zu sein hat sich von Anfang an richtig angefühlt.“</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Betriebsrätin zu sein hat sich von Anfang an richtig angefühlt.“</p>
<cite>Tomislavka Mihajlovic</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei herausfordernde Jahre liegen nun hinter Mihajlovic: Ihre Weiterbildung hat sie berufsbegleitend absolviert, zusätzlich zu ihrem Job und ihrem Engagement als Belegschaftsvertreterin. Sie hat ihre Arbeitszeit reduziert und Bildungskarenz genommen. „Ohne die Unterstützung meiner Familie, ganz besonders meines Mannes, wäre das nicht zu schaffen gewesen“, betont Mihajlovic.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Herausforderung Weiterbildung</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Das Haus Augarten liegt im 2. Wiener Gemeindebezirk, direkt neben dem gleichnamigen Park. Es bietet unterstütztes sowie betreutes Wohnen für Senior:innen in Einzel- und Doppelwohnungen an, darüber hinaus auch Pflegeplätze für jene Bewohner:innen, die intensive 24-Stunden-Pflege benötigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mihajlovic arbeitet dort seit mittlerweile 23 Jahren. Sie absolvierte nach ihrer Pflichtschulzeit eine Ausbildung zur Pflegeassistentin, damals noch an der Krankenpflegeschule Lainz, daran anschließend begann sie ihre berufliche Laufbahn im Pensionist:innenwohnhaus. Sie ist verheiratet, hat zwei mittlerweile erwachsene Töchter und einen 14-jährigen Sohn. Alle Kinder leben noch zu Hause.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die ihre Fortbildung absolvierte sie insgesamt rund 3.500 Stunden, in Theorie und Praxis. Um den theoretischen Teil zu schaffen, reduzierte sie ihre Arbeitszeit auf 30 Stunden, für die Praktika nahm sie Urlaub und ein Jahr Bildungskarenz. „Als die Kinder noch kleiner waren, wäre das alles unmöglich gewesen“, erzählt Mihajlovic. Dazu kommt, dass die Ausbildung nicht in Wien, sondern in Graz stattfand. „Ich war zwei Jahre lang jeden Monat für vier Tage in Graz, außerdem musste ich zwei der Praktika in der Steiermark absolvieren.“ Es war, resümiert Mihajlovic, „wirklich eine große Herausforderung, nicht nur logistisch, sondern auch finanziell.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Personalmangel</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Eine der Herausforderungen im Pensionist:innenwohnhaus ist die Personalknappheit bzw. zu wenige Bewerbungen. „Das ist eins der Grundprobleme in unserer Branche“, sagt Mihajlovic. „Wir haben dadurch zu wenig Spielraum bei den Dienstplänen. Wir bräuchten so etwas wie einen personellen ‚Polster‘ &#8211; hätten wir etwas mehr Personal, wäre es für uns alle leichter!“</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Man könnte nein sagen – aber keiner will die Kolleg:innen im Team hängen lassen! Eine Erkältungs- oder Grippewelle spüren wir dann leider alle.“</p>
<cite>Tomislavka Mihajlovic</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Mitarbeiter:innen, berichtet die Betriebsrätin, sind dadurch zeitweise am Limit. Wenn es zu Krankenständen oder Pflegefreistellungen kommt, muss für KollegInnen eingesprungen werden. In solchen Momenten macht sich die Personalknappheit dann bemerkbar. Es gibt allerdings, betont Mihajlovic, seitens des Dienstgebers keinen Zwang zum Einspringen. Doch es ist schwierig, abzulehnen. „Man könnte nein sagen – aber keiner will die Kolleg:innen im Team hängen lassen! Eine Erkältungs- oder Grippewelle spüren wir dann leider alle.“</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/06/Tomyslavka-Mihaljovic_7070-1024x683.png" alt="" class="wp-image-19834" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/06/Tomyslavka-Mihaljovic_7070-1024x683.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/06/Tomyslavka-Mihaljovic_7070-300x200.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/06/Tomyslavka-Mihaljovic_7070-150x100.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/06/Tomyslavka-Mihaljovic_7070-768x512.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/06/Tomyslavka-Mihaljovic_7070-600x400.png 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/06/Tomyslavka-Mihaljovic_7070-720x480.png 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/06/Tomyslavka-Mihaljovic_7070-272x182.png 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2023/06/Tomyslavka-Mihaljovic_7070.png 1500w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Das größte Problem im Pensionist:innenwohnhaus ist der Mangel an qualifiziertem Personal, erzählt Betriebsrätin Tomislavka Mihajlovic.</strong><br>Foto: Nurith Wagner-Strauss</figcaption></figure>



<h4 class="wp-block-heading">Fehlender Nachwuchs</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Dazu kommt: Es gibt zu wenige Bewerber:innen für freie Stellen. Mihajlovic sieht dafür mehrere Gründe. Zum einen müssen dringend Bezahlung und Rahmenbedingungen weiter verbessert werden, und auch die Ausbildungsreform hat nicht wirklich viel gebracht, findet sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor allem diplomiertes Personal bewirbt sich nur selten im Pensionist:innenwohnhaus. Während früher die diplomierten Krankenpfleger:innen an Schwesternschulen ausgebildet wurden, sind nun die Fachhochschulen zuständig. „Wer eine Fachhochschule absolviert hat, möchte meist gleich in einer höherwertigen Position anfangen, z.B. als Teamleiterin oder in einer anspruchsvolleren Stelle in der Verwaltung. Es werden zwar hervorragende Fachkräfte ausgebildet, aber anders als früher, wo die Absolvent:innen der Schwesternschule selbstverständlich ‚am Bett‘ mit den Patient:innen arbeiteten, fehlt es hier nun an Personal“, erklärt Mihajlovic das Dilemma. Sie plädiert daher für bessere Anreize, insbesondere für die Geriatrie, um die Arbeit attraktiver zu machen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Systemerhalter:innen</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Corona, erinnert sie sich, war ein Ausnahmezustand, mit dem manche ihrer Kolleg:innen nur schwer zurechtkamen. Sie verließen die Branche. „Die gesellschaftliche Wertschätzung fehlte. Unser Dienstgeber hat uns zwar sehr wohl vermittelt, wie sehr er unsere Arbeit schätzt. Aber die Politik, das Gesundheitswesen, die müssen umdenken!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dienst nach Vorschrift war während Corona nicht möglich: „Jemand musste ja schließlich für die Bewohner:innen des Hauses da sein. Für mich war das selbstverständlich. Die Leistung, die wir in diesen Monaten als Systemerhalter:innen erbracht haben, war enorm!“</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">„Immerhin arbeiten wir heute 5 Stunden weniger pro Woche als zu Beginn meiner Berufslaufbahn, das ist schon ein riesiger Fortschritt.“</p>
<cite>Tomislavka Mihajlovic</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Freilich habe die gewerkschaftlich hart erkämpfte 37-Stunden-Woche Verbesserungen gebracht, sagt Mihajlovic. Sie selbst habe zu Beginn ihrer Karriere noch 42 Stunden gearbeitet. Schritt für Schritt wurde die Arbeitszeit über die Jahre reduziert. „Immerhin arbeiten wir heute 5 Stunden weniger pro Woche als zu Beginn meiner Berufslaufbahn, das ist schon ein riesiger Fortschritt“, betont sie. Ideal, findet sie, wären 35 Stunden. „Das werden wir auch erreichen, darauf gehen wir zu! Eine verringerte Wochenarbeitszeit bedeutet mehr Erholung, und daher auch weniger Krankenstände und Ausfälle. Am Ende haben alle etwas davon“, ist Mihajlovic überzeugt.</p>



<div class="wp-block-group rotebox"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<h4 class="wp-block-heading">Hast du schon einmal überlegt selbst einen Betriebsrat zu gründen?</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn es bei dir im Betrieb mindestens 5 Beschäftigte gibt, kann eine Betriebsratswahl stattfinden. Dein Chef/deine Chefin, darf die Wahl nicht behindern. Als Betriebsrätin/Betriebsrat hast du einen besonderen Kündigungsschutz und du kannst einen Teil deiner Arbeitszeit für die Betriebsratstätigkeit verwenden. Wir unterstützen und begleiten dich und deine KollegInnen bei der Durchführung der Betriebsratswahl.<br>Du möchtest mit uns darüber reden? Dann wende dich an unsere Beratung in deinem Bundesland. Alle Kontakte findest du hier: <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.gpa.at/kontakt" target="_blank" aria-label="https://www.gpa.at/kontakt (öffnet in neuem Tab)">https://www.gpa.at/kontakt</a></p>
</div></div>



<h4 class="wp-block-heading">Ausbildungskosten</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Welche Maßnahmen wären sinnvoll um mehr Personal für die Branche zu bekommen? Die Ausbildungen und auch die Weiterbildungen, findet Mihajlovic, sollten kostenlos sein, und zwar zu hundert Prozent. Ihre eigene Weiterbildung sei zwar finanziell von ihrem Arbeitgeber übernommen worden, doch die zusätzlich anfallenden Kosten wie z.B. die Fahrten nach Graz und die Unterbringung dort habe sie selbst getragen. „Ich wurde außerdem von meinem Mann unterstützt. Er hat sich um die Familie gekümmert, wenn ich nicht in Wien war. Als Alleinerzieherin wäre das für mich nicht möglich gewesen“, gibt Mihajlovic zu bedenken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dazu kommt, dass durch die Reduzierung auf Teilzeit (30 Stunden statt 37) für sie auch direkte finanzielle Einbußen beim Gehalt entstanden. Auch während der Bildungskarenz verdiente sie deutlich weniger. „Zusammen genommen ergibt das eine beträchtliche finanzielle Belastung, selbst dann, wenn die eigentlichen Ausbildungskosten der Arbeitgeber übernimmt. Da muss man schon sehr motiviert sein!“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Mangelndes Ausbildungsangebot</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Im Herbst soll die neue Pflegelehre als Pilotprojekt starten. Besser als diese Form der Ausbildung würde Mihajlovic eine Gesundheits- und Krankenpflegeschule mit Maturaabschluss finden, denn die Matura eröffnet mehr Möglichkeiten zur Weiterbildung. Die berufsbegleitende Ausbildung in Graz, die Mihajlovic abschließt, ist übrigens ein Auslaufmodell. Ab 2024 wird es nur mehr das FH-Bachelorstudium ‚Gesundheits- und Krankenpflege‘ geben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Generell findet sie das aktuelle Ausbildungsangebot nicht ausreichend. „Mein Sohn möchte einen ähnlichen Berufsweg einschlagen wie ich, er will Krankenpfleger werden. Er ist jetzt vierzehn, und in ganz Wien gibt es nur zwei Schulen für den Beruf. Eine davon ist privat. Das sind erstens zu wenige Schulen, und außerdem führen beide Schulen nur zur Fachassistenz, nicht zum Diplom, denn das wurde ja an die FH verlegt“, erklärt Mihajlovic. „Kein Wunder, dass es keinen Nachwuchs gibt, das ist kein ausreichendes Angebot für junge Menschen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<div class="wp-block-group blauebox"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zur Person:</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Freizeit verbringt Tomy Mihajlovic am liebsten mit ihrer Familie oder mit Freunden. Gemeinsam unternehmen sie z.B. Radausflüge. Sie reist auch sehr gerne. Für diesen Sommer, nach dem Abschluss ihrer Ausbildung, hat sie einen Urlaub in Griechenland geplant: „Zwölf Tage auf Naxos, ich glaube, das habe ich mir nach diesen zwei Jahren wirklich verdient!“</p>
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<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<h4 class="wp-block-heading">Das könnte dich auch interessieren: </h4>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="https://kompetenz-online.at/2023/03/09/betriebsrat-ohne-vertrauen-geht-nichts/" aria-label="Margit Luxner">Margit Luxner</a> ist Betriebsratsvorsitzende im Altenwohnheim im Altenwohnheim in Kitzbühel und hat für die Beschäftigten eine bessere Anrechnung der Vordienstzeiten erkämpft. </li>



<li><a href="https://kompetenz-online.at/2023/05/15/geduld-als-schluessel-zum-erfolg/" aria-label="Marianne Schiel-Koren">Marianne Schiel-Koren</a> ist Betriebsratsvorsitzende der Wiener Sozialdienste. Sie will die Lage in den sozialen Berufen verbessern.</li>



<li>Mehr über die&nbsp;<a href="https://kompetenz-online.at/2020/03/17/bindeglied-zwischen-chef-und-beschaeftigten/" aria-label="Rechte und Pflichten eines Betriebsrats">Rechte und Pflichten eines Betriebsrats</a>&nbsp;verrät dir unsere Rechtsexpertin Andrea Komar.</li>
</ul>
</div></div>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Pflegekräfte am Limit: „Bald ist Schicht im Schacht!“</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2021/05/11/pflegekraefte-am-limit-bald-ist-schicht-im-schacht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Johannes Gress]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 May 2021 11:43:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Arbeitszeit]]></category>
		<category><![CDATA[Kollektivvertrag]]></category>
		<category><![CDATA[Betreuung]]></category>
		<category><![CDATA[Eva Scherz]]></category>
		<category><![CDATA[Johannes Gress]]></category>
		<category><![CDATA[Pflege]]></category>
		<category><![CDATA[Pflegeheim]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftsuniversität]]></category>
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					<description><![CDATA[Als sich Österreich mit Ausbreitung des Corona-Virus an seine „LeistungsträgerInnen“ erinnerte, wurde eifrig von den Balkonen applaudiert. Die Beklatschten empfanden das eher als Zumutung denn als Motivation.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="731" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/05/AdobeStock_335505643-1024x731.png" alt="" class="wp-image-16913" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/05/AdobeStock_335505643-1024x731.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/05/AdobeStock_335505643-300x214.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/05/AdobeStock_335505643-150x107.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/05/AdobeStock_335505643-768x548.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/05/AdobeStock_335505643.png 1500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Foto: Adobe Stock</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><br><strong>Als sich Österreich mit Ausbreitung des Corona-Virus an seine „LeistungsträgerInnen“ erinnerte, wurde eifrig von den Balkonen applaudiert. Die Beklatschten empfanden das eher als Zumutung denn als Motivation.</strong></p>



<span id="more-16904"></span>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich bin von den Ergebnissen nicht überrascht, leider“, sagt Eva Scherz, Kollektivvertragsverhandlerin des Bereichs Sozialwirtschaft der GPA. Bestehende Probleme haben sich verschärft, Neue sind hinzugekommen – so lautet, kurz zusammengefasst, das Ergebnis einer <a href="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/05/Pflegekraefte_u_Cov19_deutscheFassung.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="Studie der Wirtschaftsuniversität Wien (WU Wien) zur Arbeitssituation von Langzeitpflegekräften (öffnet in neuem Tab)">Studie der Wirtschaftsuniversität Wien (WU Wien) zur Arbeitssituation von Langzeitpflegekräften</a> während der zweiten Corona-Welle im Herbst 2020. Arbeitslose in den Arbeitsmarkt zu reintegrieren könnte unmittelbar Abhilfe schaffen, fordern ArbeitgeberInnen- und ArbeitnehmerInnen-Verbände.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Zur Ausgangslage</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die ökonomischen und psychologischen Folgen der Corona-Pandemie betreffen Frauen gesamtgesellschaftlich härter als Männer. Laut einer Studie der Donau Uni Krems leiden Frauen – vor allem seit dem 2. Lockdown im Herbst – häufiger an Depressionen, Angststörungen und Panikattacken. Bestehende Ungleichheiten treten in der Corona-Pandemie noch deutlicher zutage – geringeres Einkommen sowie die Ungleichverteilung unbezahlter Arbeit, verschärft durch geschlossene Betreuungseinrichtungen und Homeschooling. Gleichzeitig profitieren Frauen von den staatlichen Corona-Hilfen deutlich weniger als Männer, <a rel="noreferrer noopener" href="https://kompetenz-online.at/2021/03/17/die-regierung-uebersieht-dass-die-wirtschaft-nicht-nur-aus-unternehmen-besteht/" target="_blank" aria-label="wie Momentum-Ökonomin Anna Hehenberger unlängst im Kompetenz-Interview (öffnet in neuem Tab)">wie Momentum-Ökonomin Anna Hehenberger unlängst im Kompetenz-Interview</a> kritisierte.<br>Und schon vor der Pandemie ermittelte der Arbeitsklimaindex der Arbeiterkammer OÖ große Unzufriedenheit in der Pflegebranche, einem Beruf mit überdurchschnittlichem hohen Frauenanteil. Nur rund ein Viertel der AltenpflegerInnen kann sich laut Erhebung vorstellen, diesen Beruf auch bis zur Pension auszuüben. Zum Vergleich: bei Bankangestellten sind es 80 Prozent.</p>



<h4 class="wp-block-heading">„Ich kann nicht mehr!“</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Team aus drei Studierenden der WU Wien untersuchte im November vergangenen Jahres, wie sich die Situation für Pflegepersonal in der Langzeitpflege veränderte. Dazu führten sie Interviews in einer gemeinnützigen Einrichtung in Wien und in sechs Kärntner Privateinrichtungen. Insgesamt haben sich bereits zuvor bestehende „Stressoren“ – wie Personalmangel, physische und psychische Belastungen und mangelnde monetäre wie öffentliche Wertschätzung – während der Pandemie noch einmal drastisch verschärft, betonen die StudienautorInnen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p> „Wir wussten was auf uns zukommt, aber insgesamt waren die Ergebnisse dann doch ärger als erwartet“ </p><cite>Jana Stefan</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzugekommen sind neue Stressoren, die den Arbeitsalltag erschweren, wie das mehrdeutige und teils verwirrende Informationsmanagement seitens Regierung und Vorgesetzten. Außerdem brachte die Pandemie zeitaufwendige Mehrarbeit mit sich, wie das An- und Ablegen von Schutzausrüstung oder die seelische Fürsorge für KlientInnen, weil Besuche nur eingeschränkt erlaubt waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir wussten was auf uns zukommt, aber insgesamt waren die Ergebnisse dann doch ärger als erwartet“, erzählt die Co-Autorin der Studie Jana Stefan auf Nachfrage. In den Interviews beobachtete sie, dass ihre GesprächspartnerInnen entweder wütend oder ausgelaugt, ja resignierend wirkten, „der Großteil sagte: ‚Ich kann nicht mehr!‘“.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Balkonklatschen: „inkonsequentes, verärgerndes Getue“</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Für eine erhebliche Mehrbelastung sorgte die Außerkraftsetzung von Arbeitszeitregelungen durch die Regierung, was die Einführung von Zwölf-Stundenschichten ermöglichte. Die Interviewten berichteten außerdem, sie seien in manchen Fällen vom Arbeitgeber gebeten worden, trotz positiven Corona-Tests ihre Schicht anzutreten. Laut dem Arbeitsklimaindex vom April gingen 71 Prozent der Pflegekräfte aus „Pflichtgefühl“ auch krank zur Arbeit. Vor der Pandemie waren es 45 Prozent. Insgesamt habe die Qualität der Pflege laut Betroffenen dadurch deutlich abgenommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die öffentliche Aufmerksamkeit für die plötzlich als „LeistungsträgerInnen“ erkannten Pflegekräfte in Form des „Balkonklatschens“ fasste die Mehrheit der Interviewten negativ auf. Die allabendliche Geste fühlte sich für die Beklatschten „wie inkonsequentes, verärgerndes Getue an, da tatsächliche Veränderungen ausblieben“, heißt es in der Studie. Derartige Unterstützung hätte man sich lieber während der Kollektivvertrags-Verhandlungen gewünscht.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Sorge um Nachwuchs</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Dass es so wie bisher nicht weitergehen kann, ist mittlerweile auch bei den ArbeitgeberInnen angekommen. Gemeinsam fordern die Gewerkschaften GPA und vida sowie der Arbeitgeberverband Sozialwirtschaft Österreich, 10.000 Menschen aus der Arbeitslosigkeit zu holen, um in den Einrichtungen etwa Dokumentationspflichten oder das Fiebermessen von BesucherInnen zu übernehmen. Das Pflegepersonal solle sich wieder auf ihre Kernaufgabe konzentrieren können. Außerdem fordern die drei Verbände eine monatliche Zulage von 150 Euro netto für alle Beschäftigten im privaten Pflege- und Betreuungsbereich.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p> „Um den Beruf auch für junge Menschen oder QuereinsteigerInnen attraktiv zu machen, muss Personen in Umqualifizierungsmaßnahmen ein Mindesteinkommen von 1.300 Euro netto garantiert sein“ </p><cite>Eva Scherz</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Um dem Personalmangel in der Branche langfristig entgegenzuwirken, sollen im Rahmen einer zu gründenden Sozialwirtschaftsstiftung SchulungsteilnehmerInnen neben dem Arbeitslosengeld einen monatlichen Betrag von bis zu 400 Euro erhalten. „Um den Beruf auch für junge Menschen oder QuereinsteigerInnen attraktiv zu machen, muss Personen in Umqualifizierungsmaßnahmen ein Mindesteinkommen von 1.300 Euro netto garantiert sein“, fordert Eva Scherz von der GPA. Die Mittel dafür sollen aus dem COVID-19-Krisenbewältigungsfonds kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die Arbeitsbedingungen in der Pflege waren schon vorher psychisch und physisch äußerst herausfordernd“, kritisiert Scherz. Diese Situation habe sich seit März 2020 zusätzlich verschärft. Die geforderten Investitionen sollen dem unmittelbar Abhilfe schaffen – und den Beruf auch in Zukunft wieder attraktiver machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Davon, dass unter diesen Bedingungen der Nachwuchs ausbleiben wird, ist auch Jana Stefan überzeugt und warnt vor einem baldigen „Notstand“: „Wenn sich nichts tut, dann ist sehr, sehr bald Schicht im Schacht!“.</p>



<div class="wp-block-group blauebox"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow">
<h4 class="wp-block-heading">Worte Reichen nicht – die Forderungen der GPA für den Sozialbereich:</h4>



<ul class="wp-block-list"><li>Ein monatlicher steuerfreier Bonus von 150 Euro für Beschäftigte im privaten Gesundheits-, Sozial-, Pflege- und Bildungsbereich als Anerkennung für zusätzliche Schwerstarbeit.</li><li>Generell wird natürlich auch eine bessere Bezahlung gefordert.</li><li>Ein zusätzlicher freier Tag pro Monat für alle. Dieser Erholungstag soll gemeinsam mit der Wochenendruhe konsumiert werden.</li><li>Die GPA-Forderung nach Arbeitszeitverkürzung bleibt aufrecht.</li><li>Helfende Hände fehlen! Die GPA setzt sich für die Schaffung von 20.000 Arbeitsplätzen im Support-Bereich ein: Jobs werden vom Träger bereitgestellt, von der öffentlichen Hand finanziert. Das qualifizierte Personal soll um 20 Prozent aufgestockt werden.</li><li>Ohne PraktikantInnen gibt es in Betrieben keine reibungslosen Abläufe. Eine faire Bezahlung von zumindest 950 Euro soll endlich Gerechtigkeit schaffen.</li><li>mehr unter&nbsp;<a href="https://worte-reichen-nicht.at/" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="https://worte-reichen-nicht.at/ (öffnet in neuem Tab)">https://worte-reichen-nicht.at/</a></li></ul>
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<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<item>
		<title>Erschöpfung nach 60-Stunden-Wochen</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2020/04/20/erschoepfung-nach-60-stunden-wochen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexia Weiss]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Apr 2020 12:45:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Arbeitszeit]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialstaat]]></category>
		<category><![CDATA[24-Stunden-Betreuung]]></category>
		<category><![CDATA[60-Stunden-Woche]]></category>
		<category><![CDATA[Alexia Weiss]]></category>
		<category><![CDATA[Corana]]></category>
		<category><![CDATA[Coronakrise]]></category>
		<category><![CDATA[Coronavirus]]></category>
		<category><![CDATA[Pflege]]></category>
		<category><![CDATA[Pflegefinanzierung]]></category>
		<category><![CDATA[Pflegeheim]]></category>
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					<description><![CDATA[Die häusliche 24-Stunden-Pflege steht vor dem Kollaps, doch auch in den Pflegeheimen ist die Situation mehr als angespannt. Eine Wiener Pflegekraft erzählte im Interview über ihren Alltag in der Coronakrise. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/04/AdobeStock_327372613-1024x683.png" alt="" class="wp-image-13365" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/04/AdobeStock_327372613-1024x683.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/04/AdobeStock_327372613-300x200.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/04/AdobeStock_327372613-150x100.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/04/AdobeStock_327372613-768x513.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/04/AdobeStock_327372613-1536x1025.png 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/04/AdobeStock_327372613-2048x1367.png 2048w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/04/AdobeStock_327372613-600x400.png 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/04/AdobeStock_327372613-720x480.png 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/04/AdobeStock_327372613-272x182.png 272w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Foto: Adobe Stock</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die häusliche 24-Stunden-Pflege steht vor dem Kollaps, doch auch in den Pflegeheimen ist die Situation mehr als angespannt. Eine Wiener Pflegekraft erzählte im Interview über ihren Alltag in der Coronakrise. </strong></p>



<span id="more-13364"></span>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Für sie bedeutet es jede zweite Woche bis zur Erschöpfung zu arbeiten, durch die Maskenpflicht schlecht atmen zu können und zuzusehen, wie die zu Pflegenden durch mangelnde Zeit für Betreuung zunehmend an Immobilität und geistigem Rückzug leiden. Die ohnehin schon bestehende Pflegekrise habe sich nun noch massiv verschärft.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>KOMPETENZ: </strong>Sie arbeiten in einem Pflegeheim. Wie hat sich Ihre Arbeitssituation seit Ausbruch des Coronavirus verändert?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>PAULA M.*</strong>: Die Arbeitsbedingungen haben sich wesentlich verschlechtert. Es gibt nun ein neues Arbeitszeitmodell. Vorher habe ich 25 Stunden pro Woche gearbeitet. Nun arbeiten wir doppelt so lange in einer Woche und haben dann eine Woche frei. In der Realität arbeite ich nun 60 Stunden in der Woche, in der ich arbeite, dabei habe ich Tag- und Nachtdienste. Das ist auch gesetzlich erlaubt. Statt 25 Stunden jede Woche, bin ich nun also jede zweite Woche 60 Stunden im Dienst.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>KOMPETENZ: </strong>Was bedeutet für Sie persönlich?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>PAULA M.:</strong> Es ist eine enorme physische und psychische Belastung. Ich bin verheiratet, zwei der Kinder sind noch klein – sie sind sieben und zehn Jahre alt. Mein Mann arbeitet ebenfalls in der Pflege. Wir müssen uns nun ständig neu organisieren, wer ist wann bei den Kindern, wer kümmert sich um das home schooling, wer kauft ein, wer kocht. Die Großeltern fehlen für die Betreuung, so müssen wir enge Familienmitglieder und Freunde um Hilfe bitten, sonst würden wir es nicht schaffen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>&#8222;Manchmal bin ich so müde, dass ich sofort, wenn ich nach Hause komme, einschlafe.&#8220;</p><cite>Paula M., Pflegerin</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>KOMPETENZ: </strong>Wie geht es Ihnen gesundheitlich nach einer 60-Stunden-Woche?</p>



<p class="wp-block-paragraph">PAULA M.: Manchmal bin ich so müde, dass ich sofort, wenn ich nach Hause komme, einschlafe. Meistens ist der Adrenalinspiegel aber auf einem so hohen Niveau, dass ich nicht herunterkomme. Ich kann nicht einschlafen. Nun war es auch schon so, dass ich dann nach so einer Woche in der ersten Nacht gar nicht schlafe und fernschaue oder putze. Wenn ich dann endlich herunterkomme, dann brauche ich einen Tag komplette Ruhe und Schlaf. Erst dann normalisiert es sich langsam.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>KOMPETENZ: </strong>Warum wurde mit der Coronakrise auf einen Zwei-Wochen-Arbeitsrhythmus umgestellt?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>PAULA M.:</strong> Es wurde mit der Ansteckungsgefahr begründet. Das Pflegepersonal wurde auf zwei Teams aufgeteilt. Die Idee war, dass, wenn sich aus einem Team jemand ansteckt, das ganze Team in Quarantäne gehen kann und das zweite Team übernimmt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>KOMPETENZ: </strong>Ist bereits jemand erkrankt?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>PAULA M.:</strong> In der Einrichtung, in der ich arbeite, haben sich bisher weder MitarbeiterInnen noch PatientInnen angesteckt. Aber eine Kollegin hat sich im Dienst verkühlt und wurde nach Hause geschickt, um sich testen zu lassen. 72 Stunden hat sie dann auf ihr Testergebnis gewartet und wurde dabei von der Vorgesetzten unter Druck gesetzt, im Labor und beim Magistrat nachzutelefonieren, damit sie rascher weiß, ob sie an Covid-19 erkrankt ist oder nicht. Man muss ja auch sagen: alle sind derzeit enorm unter Druck – auch die Leitung. Sie haben Angst, dass sie, wenn PatientInnen am Coronavirus erkranken oder sogar sterben, von Angehörigen geklagt werden. Darüber gibt es ja auch schon Medienberichte. Dieser Druck wird dann über alle Hierarchiestufen bis zu uns PflegerInnen weitergegeben.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>&#8222;Niemand aus unserem Team hat verstanden, warum jemand, der krank und eigentlich in Quarantäne ist, gerade in einem Pflegeheim arbeiten muss, wo die Schutzbedürftigen erster Klasse sind.&#8220;</p><cite>Paula M., Pflegerin</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kollegin wurde schließlich informiert, dass der Test negativ ausgefallen ist. Dennoch wurde behördlich eine zweiwöchige Quarantäne angeordnet. Trotzdem hat die Leitung des Hauses sie aufgefordert, wieder zum Dienst zu kommen. Sie hatte darauf Sorge, entweder eine Strafe zu bekommen oder ihre Zulassung als Pflegekraft zu verlieren. Die Leitung hat dann zugesagt, sich um eine Lösung zu bemühen, doch es kam ein Rückschlag seitens der MA 15: Eine Ärztin sagte zu ihr, sie sei eine Schlüsselkraft und könne sofort wieder ihren Dienst im Pflegeheim antreten. Da sie aber in Quarantäne sei, müsse sie nach der Arbeit sofort nach Hause fahren und dürfe nicht spazieren oder einkaufen gehen. Niemand aus unserem Team hat verstanden, warum jemand, der krank und eigentlich in Quarantäne ist, gerade in einem Pflegeheim arbeiten muss, wo die Schutzbedürftigen erster Klasse sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>KOMPETENZ: </strong>Wie sehen grundsätzlich die Schutzmaßnahmen für das Pflegepersonal aus?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>PAULA M.:</strong> Abstand halten, das geht aber nur unter den MitarbeiterInnen. Wenn man pflegt, kann man von den BewohnerInnen des Heimes keinen Abstand halten. Es gibt Handdesinfektion und wir sollen zwei Handschuhe übereinander tragen. Wir haben auch Masken, das sind FFP2-Masken, wie sie Poliere tragen. Sie sind aber nicht für stundenlanges Tragen gedacht. Wir müssen sie in dem 12-Stunden-Dienst aber dauernd tragen. Die Gummis und die Maske verursachen extremen Druck auf Nase und Ohren. Man bekommt Druckstellen und offene Wunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>KOMPETENZ: </strong>Haben Sie auch offene Wunden bekommen?</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>&#8222;Die Gummis und die Maske verursachen extremen Druck auf Nase und Ohren. Man bekommt Druckstellen und offene Wunden.&#8220;</p><cite>Paula M., Pflegerin</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>PAULA M.:</strong> Ich hatte offene Stellen an den Ohren. Wir schützen inzwischen Nase und Ohren mit Schutzverbänden. Da man mit diesen Masken sehr schwer Luft bekommt, wurde uns empfohlen, nach jeder Pflege eines Bewohners, einer Bewohnerin, auf den Balkon zu gehen, die Maske kurz abzusetzen und frische Luft einzuatmen. Die Leitung hat außerdem empfohlen, jede Stunde eine kurze Pause zu machen und das machen wir jetzt auch. Ich bin Nichtraucherin und hatte nie Atemprobleme oder Probleme mit der Lunge. Jetzt habe ich das Gefühl, kurzatmig zu sein. Das Arbeiten mit diesen Masken ist zusätzlich sehr anstrengend. Das Arbeiten mit Maske ist aber angeordnet, das kann man nun nicht ändern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was aber noch dazukommt: viele Pflegekräfte sind selbst nicht mehr ganz jung. In meinem Team ist das Gros der KollegInnen älter als 50 Jahre. Da wiegen solche Arbeitsbedingungen doppelt schwer, so manche oder mancher gehört selbst zur Risikogruppe. Und unsere PatientInnen sowieso.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>KOMPETENZ: </strong>Wie wirken sich die Covid-19-bedingten Umstellungen in der Pflege auf die Menschen aus, die gepflegt werden?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>PAULA M.:</strong> Es ist weniger Zeit für den Einzelnen da. Die Menschen haben ja aber auch weniger Kontakte, weil keine BesucherInnen kommen dürfen. Sie leiden mehr an Einsamkeit und Langeweile, weil es zu wenige Reize gibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>KOMPETENZ: </strong>Es werden also nur mehr die absoluten Grundbedürfnisse der zu Pflegenden gestillt. Was sind die Konsequenzen, wenn das nun noch einige Wochen oder Monate so weitergeht?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>PAULA M.:</strong> Sie werden körperlich immobil und bekommen Schluckbeschwerden. Bei jenen, die an Demenz erkrankt sind, schreitet die Demenz enorm fort. Die Leute ziehen sich in sich zurück und sind auch für uns schwerer erreichbar. Demente Personen brauchen Zuneigung, dass man sie streichelt, dass man ihnen viel Information gibt. Wir tragen nun die Masken und die Menschen haben teilweise Angst vor der Maske. Wenn sich Menschen langweilen oder Angst haben, werden sie entweder aggressiv oder sie ziehen sich in ihre eigene Welt zurück, was wir eigentlich nicht wollen. Auch in Demenz wollen wir Menschen Lebensqualität bieten und das ist so nicht möglich. Dieser Rückzug ist das schlimmste.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>KOMPETENZ: </strong>Wie lange denken Sie, können Sie diese Art des Arbeitens und diesen Zwei-Wochen-Rhythmus noch aushalten?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>PAULA M.:</strong> Ich habe mich entschieden, bis Ende Juni zu warten, ob sich die Dinge wieder normalisieren, wovon aber nicht auszugehen ist, weil wir ja einen grundsätzlichen Pflegenotstand haben. Ich habe mir jedenfalls als Zeithorizont Ende Juni gesetzt, dann werde ich mich entscheiden, ob ich im Job bleibe oder eine andere Art von Job annehme.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>KOMPETENZ: </strong>Gesellschaftlich gibt es derzeit viel Anerkennung für ArbeitnehmerInnen, die in der Pflege arbeiten, in Supermärkten, in anderen systemrelevanten Branchen. Viele Menschen klatschen um 18 Uhr, um diese Anerkennung auszudrücken. Wie kommt dieser Applaus bei Ihnen an?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>PAULA M.:</strong> Wir brauchen keinen Applaus, sondern eine Antwort auf den Pflegenotstand. Den gab es schon vor dem Coronavirus, die Krise hat das nun noch verschärft, da es noch weniger Pflegekräfte gibt. Es passiert immer wieder, dass KollegInnen die Nerven verlieren und kündigen. Und die, die weggehen, werden nicht nachbesetzt, weil es keine Pflegekräfte am Markt gibt. Es ist ja nicht alles schwarz und weiß. Die Leitungen vieler Häuser bemühen sich, Kräfte zu bekommen, sie wollen auch bessere Arbeitsbedingungen für uns. Aber in dieser Situation ist jeder unter Stress, denn es ist keine Lösung in Sicht. Es haben weder die Betreiber von Pflegeheimen leicht noch wir Pflegekräfte. Gleichzeitig bricht die häusliche 24-Stunden-Pflege zusammen, weil die PflegerInnen nicht mehr aus Bulgarien, Rumänien oder der Slowakei einreisen dürfen. Da werden sich nun wohl Angehörige um diese Menschen kümmern müssen, die das aber gar nicht können, denn in den Heimen gibt es keine Kapazitäten mehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>KOMPETENZ: </strong>Gibt es irgendeine Form der Unterstützung, die Ihnen derzeit helfen würde?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>PAULA M.: </strong>Es wäre gut, wenn freiwillige HelferInnen in die Pflegeheime kommen dürften, die sich unter der Anleitung von Pflegekräften mit den Menschen beschäftigen, die vorlesen oder Gedächtnisübungen mit ihnen machen. Finanziell fordern wir schon lange eine bessere Entlohnung. Als Anerkennung für unsere schweren Dienste würden wir uns auch über eine Corona-Zulage freuen. Die sollte es für alle in der Pflege Tätigen geben, nicht nur für jene auf Corona-Stationen. Vor allem aber braucht es ein Zukunftskonzept, wie es mit der Pflege weitergeht. Es braucht viel mehr Pflegekräfte, damit das System nicht völlig zusammenbricht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">*Die Interviewpartnerin möchte anonym bleiben, daher wurde der Name von der Redaktion geändert.</p>
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