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	<title>Solidarität &#8211; KOMPETENZ-online</title>
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		<title>Solidaritäts-Olivenöl: A runde G’schicht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Christof Mackinger]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 May 2024 10:35:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Internationales]]></category>
		<category><![CDATA[Griechenland]]></category>
		<category><![CDATA[Solidarität]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein internationales Solidaritätsnetzwerk ermöglicht griechischen Landwirt:innen und Erntehelfer:innen höhere Einkünfte - und Konsument:innen in Mitteleuropa qualitativ hochwertiges Olivenöl. Wie das funktioniert berichtet der umtriebige Soziologe Manfred Krenn.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/05/MZ5_5649-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-20902" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/05/MZ5_5649-1024x683.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/05/MZ5_5649-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/05/MZ5_5649-150x100.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/05/MZ5_5649-768x512.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/05/MZ5_5649-1536x1024.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/05/MZ5_5649-2048x1365.jpg 2048w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/05/MZ5_5649-600x400.jpg 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/05/MZ5_5649-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/05/MZ5_5649-272x182.jpg 272w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Natascha, Angelos und Tassos von der Messinis Gea sowie Giorgos von der Vertriebsgenossenschaft SoliExpo</strong><br>Foto: Manfred Krenn</figcaption></figure>



<p><strong>Ein internationales Solidaritätsnetzwerk ermöglicht griechischen Landwirt:innen und Erntehelfer:innen höhere Einkünfte &#8211; und Konsument:innen in Mitteleuropa qualitativ hochwertiges Olivenöl. Wie das funktioniert berichtet der umtriebige Soziologe Manfred Krenn.</strong></p>



<span id="more-20901"></span>



<p>„Na, des ist a runde G’schicht!“, schwärmt Krenn am Telefon. Manfred Krenn ist einer von fünf Ehrenamtlichen, die in Österreich den Vertrieb des griechischen Olivenöls organisieren. Er ist aber kein Vertreter eines Lebensmittelkonzerns oder Abgesandter der griechischen Landwirtschaftskammer. Der gelernte Arbeitssoziologe ist Teil eines internationalen Solidaritäts-Netzwerks, das den Kolleg:innen in Griechenland Unterstützung bietet, um die Folgen der desaströsen Wirtschaftskrise zu bewältigen. Dafür ist Krenn nicht nur letzten Monat nach Griechenland gereist, sondern er importiert mit seinen Kolleg:innen auch Olivenöl in großen Mengen nach Mitteleuropa. Aber alles der Reihe nach.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Wirtschaftskrise</h4>



<p>Im Herbst 2009 rutschte Griechenland in eine Staatskrise. Die Verschuldung wuchs dem Land über den Kopf. Die Europäische Union sagte der griechischen Regierung Finanzhilfe in Milliardenhöhe zu, auch um den Wert der eigenen Währung zu stabilisieren und eine Ausweitung der Krise einzudämmen.</p>



<p>Internationaler Währungsfonds, Europäische Zentralbank und EU-Kommission aber stellten dem Land Forderungen: Drastische Sparmaßnahmen wurden beschlossen – gegen den Willen vieler Arbeiter:innen. Gleich mehrmals riefen Gewerkschaften im Jahr 2010 zum Generalstreik. Um die Zahlungsunfähigkeit Griechenlands abzuwenden war die Regierung gezwungen immer weitere Einschnitte im griechischen Sozialsystem vorzunehmen. Immer mehr Menschen verloren ihre Jobs, Renten und Löhne im öffentlichen Dienst wurden massiv gekürzt. Auch im Gesundheitswesen und Bildungsbereich schlugen sich die Sparmaßnahmen nieder. Knapp ein Viertel aller in Griechenland Lebenden war arbeitslos, 500.000 Familien ohne jegliches Arbeitseinkommen. „Mit dem ersten Memorandum 2012 flogen 2,8 Millionen von Arbeitslosen aus der Krankenversicherung raus,“ erinnert sich Krenn noch heutige an die dramatischen Meldungen aus Griechenland, die im Gedächtnis blieben.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Selbsthilfe</h4>



<p>Doch die Menschen in Griechenland fanden Wege sich zu helfen. Lebensmittel- und Medikamentensammlungen wurden organisierte, solidarische Kliniken eröffnet. Dort versorgten Ärzt:innen Unversicherte, nach ihrem bezahlten Dienst, ehrenamtlich.</p>



<p>Schon damals gab es auch Hilfe aus dem Ausland. Medizinische Geräte, Medikamente und sogar ein Krankenwagen wurden gespendet. „Weil in den Städten so viele ihre Jobs verloren haben, sind sie zurück auf’s Land, zu ihren Eltern. Und manche haben dort wieder begonnen die Olivenhaine ihrer Eltern zu bewirtschaften.“ Um das gewonnene Öl zu vertreiben wurden Kooperativen gegründet in denen sich die Landwirtschaften aus der Umgebung zusammen schlossen. Eine davon trägt den Namen <em>Messinis Gea</em>. Heute umfasst sie 27 Bauern und Bäurinnen aus Dáras in der Provinz Messinia am griechischen Peloponnes.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Internationale Solidarität</h4>



<p>Seit einigen Jahren wird die bäuerliche Kooperative vom solidarischen Produktions- und Liefernetzwerk MAZÌ unterstützt, dem Manfred Krenn angehört. MAZÍ steht für „gemeinsam“ und stellt der „kolonialen Ausbeutung der Menschen, wie der Natur in der europäischen Peripherie durch die kapitalistischen Zentren mit praktischen Projekten entgegen,“ wie es auf der Website des Vereins heißt. Ein Teil ihrer Aktivitäten ist der Vertrieb griechischen Olivenöls über die Direktvermarktung. „Letztes Jahr konnten wir den gesamten Jahresertrag der Kooperative <em>Messinis Gea </em>nach Deutschland und Österreich vermitteln. Das waren rund 30 Tonnen Olivenöl,“ berichtet Krenn nicht ohne Stolz.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Faire Bedingungen</h4>



<p>Das sichert nicht nur die Einkünfte der griechischen Landwirt:innen. Die Direktvermarktung hat zum Vorteil, dass der Zwischenhandel weg fällt, der üblicherweise das Gros der Gewinne abschöpft. So kommt auch mehr bei den Bauern und Bäur:innen an. „Sie bekommen 30 Prozent mehr raus, als wenn es über den normalen Handel ginge“, sagt Manfred Krenn. Aber auch die Erntehelfer sollen von dem solidarischen Vertriebsnetz profitieren. „Auch Erntearbeiter werden fair entlohnt, sie bekommen etwa das Doppelte vom griechischen Mindestlohn.“ Zuletzt hat die Kooperative 150.000 Euro in eine moderne Abfüllanlage investiert, die den Betrieb nochmal auf professionellere Füße stellen soll.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„Auch Erntearbeiter werden fair entlohnt, sie bekommen etwa das Doppelte vom griechischen Mindestlohn.“ </p>
<cite>Manfred Krenn</cite></blockquote>



<h4 class="wp-block-heading">„A runde G’schicht“</h4>



<p>Manfred Krenn, der erst im April die griechische Kooperative wieder besucht hat sagt: „Es war interessant zu beobachten, wie die Leute weg vom Bauerntum, hin zu einem sozialen Unternehmen gewachsen sind.“ Dazu kommt: Ein Euro aus jedem verkauftem Liter Olivenöl wird an eine soziale Initiative in Griechenland gespendet, darunter eine solidarische Arztpraxis, Seenotrettungs-NGOS oder eine Straßenzeitung.</p>



<p>Natascha, eine der beteiligten Oliven-Bäur:innen berichtet: „Mich hat die solidarische Zusammenarbeit sehr bewegt, die Kooperation zwischen verschiedenen Menschen und Strukturen, die uns auch dazu animiert hat unser Produkt qualitativ aufzuwerten.“ Sie habe zum ersten mal Kontakt zu den Konsument:innen ihres Produkts gehabt und die Möglichkeit mit ihnen „auf Augenhöhe” zu sprechen. In Österreich nennt man so etwas dann „eine runde G’schicht“, wie ihre Vertriebspartner Manfred Krenn im KOMPETENZ-Interview.</p>



<p>Unterstützt werden kann die Kooperative <em>Messinis Gea </em>durch den Kauf des von ihr produzierten Olivenöls. Unter <a href="https://mazioli.at/shop/" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="https://mazioli.at/shop/ (öffnet in neuem Tab)">https://mazioli.at/shop/</a> kann Öl vorbestellt oder direkt am 8. Juni von 10-17 Uhr im Albert-Schweizer-Haus (Schwarzspanierstraße 13, 1090 Wien) abgeholt werden.</p>



<p></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Gemeinsam stärker am Arbeitsplatz</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2022/10/10/gemeinsam-staerker-am-arbeitsplatz/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Barbara Lavaud]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Oct 2022 15:11:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Service]]></category>
		<category><![CDATA[Antidiskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Barbara Lavaud]]></category>
		<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
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		<category><![CDATA[Solidarität]]></category>
		<category><![CDATA[Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[Zusammenhalt]]></category>
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					<description><![CDATA[Du fragst, warum manche KollegInnen sich besonderer Beliebtheit erfreuen? Wir geben dir Tipps, was du machen kannst, um am Arbeitsplatz auch so beliebt zu werden.  ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/10/Mann-Frau_starker-Arm_gezeichnet_AdobeStock_119447811-1024x683.png" alt="" class="wp-image-18999" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/10/Mann-Frau_starker-Arm_gezeichnet_AdobeStock_119447811-1024x683.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/10/Mann-Frau_starker-Arm_gezeichnet_AdobeStock_119447811-300x200.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/10/Mann-Frau_starker-Arm_gezeichnet_AdobeStock_119447811-150x100.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/10/Mann-Frau_starker-Arm_gezeichnet_AdobeStock_119447811-768x512.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/10/Mann-Frau_starker-Arm_gezeichnet_AdobeStock_119447811-600x400.png 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/10/Mann-Frau_starker-Arm_gezeichnet_AdobeStock_119447811-720x480.png 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/10/Mann-Frau_starker-Arm_gezeichnet_AdobeStock_119447811-272x182.png 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/10/Mann-Frau_starker-Arm_gezeichnet_AdobeStock_119447811.png 1500w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Foto: Adobe Stock</figcaption></figure>



<p><strong>Ein guter Zusammenhalt unter KollegInnen ist wichtig um produktiv zu sein. Wenn die Stimmung gut und der Zusammenhalt im Team stark ist, fühlen sich alle bei der Arbeit auch wohler. 7 Tipps damit es gemeinsam besser läuft.</strong></p>



<span id="more-18998"></span>



<p>Da ist diese Kollegin, die mögen einfach alle. Wenn sie dabei ist, herrscht gute Stimmung im Team, jeder arbeitet gern mit ihr zusammen. Oder der freundliche Kollege, der immer mit anpackt. Was machen sie anders als die anderen? Warum sind sie beliebt und jeder will mit ihnen im Team arbeiten? Wir haben 7 Tipps für dich zusammengestellt, wie du bei KollegInnen und Vorgesetzten beliebter wirst. Wir erklären dir auch, warum dann die Zusammenarbeit insgesamt besser funktioniert.</p>



<h4 class="wp-block-heading">1. Guten Morgen!</h4>



<p>Du kommst morgens zur Arbeit, murmelst ein „Hallo“, und danach verschwindest du mit einer Tasse Kaffee vor deinen Computer? Wer mit dem falschen Fuß aufsteht und so seinen Tag in der Arbeit beginnt, wird kaum wahrgenommen. Ein freundliches „Guten Morgen“ macht da einen ganz anderen Eindruck. Begrüße deine KollegInnen, wechsle mit ihnen ein paar nette Worte. So beginnt der Tag für alle gleich viel angenehmer! Und wenn du wirklich ein totaler Morgenmuffel bist, dann geh wenigstens mittags mit den anderen in die Kantine um ein bisschen zu plaudern.</p>



<p>„Ich muss morgens meine Kinder zur Schule bringen und komme oft etwas abgehetzt in meine Filiale“, erzählt Eva D. Sie arbeitet für eine große Supermarktkette. „Trotzdem möchte ich das nicht an meinen KollegInnen oder an der Kundschaft auslassen. Keiner kommt bei uns schlecht gelaunt zur Arbeit – einmal tief durchatmen, lächeln, und dann geht’s wieder. Freundlichkeit ist das um und auf, das lohnt sich langfristig für alle!“</p>



<h4 class="wp-block-heading">2. Think positiv!</h4>



<p>Wer viel jammert und kritisiert, der wird nach einer Weile von den KollegInnen gemieden. Weil schlechte Stimmung alle runterzieht. Zeig dich lieber optimistisch! Das wirkt nämlich auch ansteckend. Wer gute Laune verbreitet, den wollen alle mit im Team haben. Auch bei Besprechungen gilt: wer neue Ideen umgehend zurückweist oder immer gleich das Haar in der Suppe findet, der ist selten beliebt.</p>



<p>Wer hingegen zuhören kann, ist als KollegIn gefragt. Überleg einfach mal, wie ein eher verrückter Einfall vielleicht doch umgesetzt werden könnte, oder zumindest eine neue Perspektive eröffnet. Sandra F., MitarbeiterIn in einer Versicherung, erzählt: „Einer meiner Kollegen, der schon lange im Betrieb war, machte immer nur alles runter, keiner hatte mehr Lust, sich aktiv einzubringen oder Vorschläge zu machen. Seit er die Firma verlassen hat und ein Neuer seinen Platz eingenommen hat, ist die Stimmung völlig anders. Der Nachfolger war von Anfang an neugierig, fragte nach, hörte zu. Wir anderen waren froh, dass endlich ein frischer Wind weht. Jetzt arbeiten wir viel besser zusammen.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">3. Schluss mit Petzen, Lästern &amp; co.</h4>



<p>Deine Kollegin hat einen Fehler gemacht und du lässt es gleich alle wissen, auch den Abteilungsleiter? In der Mittagspause führst du gern das große Wort und ziehst über die Kolleginnen aus der Buchhaltung her? Klar, jeder muss seinem Ärger mal Luft machen, und ein bisschen Bürotratsch gehört schon dazu. Aber wenn dir ein Ruf als Lästerzunge vorauseilt, dann wäre es vielleicht Zeit, das zu ändern. Wir haben alle unsere Fehler. Versuch, über manche Dinge einfach hinwegzusehen und verzeih kleinere Schwächen.</p>



<p>„Ich habe eine Kollegin im Team, die hat zwar nach außen hin immer freundlich getan, aber jedes mal, wenn etwas nicht rund lief, hat sie beim Chef jemand anders dafür verantwortlich gemacht. Auch sonst haben wir gemerkt, dass sie hinter unserem Rücken schlecht über uns geredet hat,“ erzählt Joachim R., Beschäftigter in einem Chemie-Betrieb. „Wir haben aber eine gute Bereichsleiterin, die hat schließlich eingegriffen. Sie hat den Betriebsrat hinzugezogen, er hat uns sehr gut unterstützt! Mittels Teambuilding-Aktivitäten und Gesprächen sind die Dinge wieder ins Lot gekommen. Die Kollegin ist jetzt besser ins Team integriert und hat aufgehört, uns alle schlecht zu machen. Sie hat verstanden, dass Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung wichtiger ist, als nur selbst gut dazustehen.“</p>



<p class="blauebox">Du möchtest mehr über die Vorteile eines Betriebsrates wissen? Lies <a href="https://kompetenz-online.at/2022/09/12/4-irrtuemer-rund-um-eine-betriebsratsgruendung/" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="hier (öffnet in neuem Tab)">hier</a> weiter!</p>



<h4 class="wp-block-heading">4. Sei hilfsbereit, aber setze Grenzen</h4>



<p>Viele befürchten, wenn sie allzu hilfsbereit und zuvorkommend sind, dann werden sie ausgenutzt und die ganze Arbeit landet bei ihnen. Daher: auch ein ‚Nein’ ist manchmal notwendig! In manchen Fällen ist es besser, Rückgrat zu zeigen und eine Extraaufgabe abzulehnen. Wenn es einen guten Grund dafür gibt und man das auch richtig kommuniziert! „Eines Tages hatte ich den Eindruck, ich bin die einzige in meinem Büro die Überstunden macht, alle anderen haben Familie und Kinder und mussten nachmittags entsprechend früh weg“, sagt Mariana F., administrative Mitarbeiterin in in einem mittelständischen Industriebetrieb. „Ich wusste nicht, wie ich das ansprechen soll, ohne meine Kolleginnen zu brüskieren. Also war ich beim <a href="https://www.gpa.at/betriebsrat" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="Betriebsrat (öffnet in neuem Tab)">Betriebsrat</a>. Er hat mir geholfen das Thema anzusprechen. Mein Chef und meine KollegInnen haben eingesehen, dass ich zu viele Überstunden mache. Ich bin froh, in einer Firma zu arbeiten, wo wir einen guten Betriebsrat haben!“</p>



<p class="blauebox">Auch bei dir fallen zu viele Überstunden an? <a href="https://kompetenz-online.at/2018/10/04/ueberstunden-oder-macbeth/" aria-label="Hier">Hier</a> kannst du dich über die Rechtslage informieren!</p>



<h4 class="wp-block-heading">5. Setz dich für andere ein!</h4>



<p>Du bist der Star in deiner Abteilung und betreust immer die interessantesten Projekte? Die KollegInnen kriegen dann jedes mal das ab, was übrig bleibt? Auch wenn das auf den ersten Blick vorteilhaft für dich erscheint, auf die Dauer ist es nicht gut fürs Team. Wenn dein Chef oder deine Chefin viel auf deine Kompetenzen hält, so ist er oder sie vielleicht auch bereit, auf dich zu hören. „Bei uns hat nach dem Sommer ein wirklich toller junger Praktikant angefangen, aber der Chef ließ ihn an gar nichts ran“, berichtet Florian K., der in der IT arbeitet. „Ich bin schon lange im Betrieb und hab dann dem Chef erzählt, dass sich der junge Mann mir gegenüber sehr kompetent gezeigt hat und ich ihm gern mal ein kleines Projekt übergeben würde. Das lief auch gut, und am Ende hatten alle was davon. Und ich habe jetzt die Betreuung unserer PraktikantInnen übernommen, eine Aufgabe, die ich sehr mag, weil ich gern mit jungen Leuten arbeite.“</p>



<p class="blauebox">Du bist PraktikantIn und brauchst Unterstützung? Lies <a href="https://kompetenz-online.at/2022/07/06/sommerjob-praktikum-und-co/" aria-label="hier">hier</a> über deine Rechte nach!</p>



<h4 class="wp-block-heading">6. Vertrauen und Solidarität</h4>



<p>Arbeiten wir nicht alle in erster Linie, um die Miete zu bezahlen? Ja, solche Jobs gibt es. Doch viele von uns arbeiten in sehr fordernden Berufen, mit großem Einsatz und Engagement, wo die zwischenmenschlichen Beziehungen eine zentrale Rolle spielen. Oft spiegeln die Gehälter dieser Menschen nicht den Wert ihrer Leistung wieder. Trotzdem machen sie ihre Arbeit aus Überzeugung, und sie wissen: Ohne Solidarität und Vertrauen am Arbeitsplatz geht es nicht!</p>



<p>Lisa P. ist Elementarpädagogin: „Nach zwei Jahren Pandemie gingen wir alle am Zahnfleisch. Krankenstände, Personalmangel, zu große Gruppen – der Druck war und ist immer noch enorm! Ich muss mich auf meine KollegInnen absolut verlassen können, und sie sich ebenso auf mich. Das war das Gute an dieser Erfahrung: Wir sind alle zusammen durch dick und dünn gegangen. Und wenn wir unsere Arbeitsbedingungen verbessern möchten, so geht das auch nur gemeinsam. Dafür kämpfen wir!“</p>



<p class="blauebox">Deine Gewerkschaft setzt sich nicht nur für die <a href="https://kompetenz-online.at/2021/09/16/wenn-elementarpaedagoginnen-kuendigen/" aria-label="ElementarpädagogInnen">ElementarpädagogInnen</a> ein, sondern kämpft für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne in der gesamten <a href="https://kompetenz-online.at/2022/06/02/sozialwirtschaft-die-eisdecke-wird-immer-duenner/" aria-label="Sozialwirtschaft">Sozialwirtschaft</a>!</p>



<h4 class="wp-block-heading">7. Wenn gar nichts hilft</h4>



<p>Leider gibt es auch KollegInnen, die gegen alle Freundlichkeit immun sind. Egal, wie sehr du dich bemühst, er oder sie lässt dich ständig merken, dass er dich nicht mag oder deine Arbeit nicht schätzt. Oder fühlst du dich gemobbt? Was kannst du tun? Bitte die Kollegin/den Kollegen zunächst um ein gutes Gespräch, aber sei dabei nicht anklagend. Frag, ob es einen Grund für ihr/sein Verhalten gibt. Wenn das nicht weiterhilft, dann wende dich an deinen Betriebsrat um Hilfe!</p>



<p>Besonders bei Mobbing sollte man nicht allzu lang warten, sondern rasch Unterstützung suchen. „Ich hatte eine Kollegin, die wollte einfach nicht konstruktiv mit mir zusammenarbeiten. Es stellte sich heraus, dass sie mich ablehnte, weil meine Eltern aus der Türkei stammen. Unser Betriebsrat hat ein Antirassismus-Training organisiert, seither ist es besser“, erzählt Gözde S. „Viele andere KollegInnen haben mich unterstützt, diese Solidarität war sehr wichtig für mich! Es war gut, dass ich das Thema Rassismus angesprochen habe, es gibt jetzt mehr Verständnis dafür.“</p>



<p class="blauebox">Dieses Thema interessiert dich? Lies mehr zu <a href="https://kompetenz-online.at/2021/04/19/gewalt-am-arbeitsplatz-ein-berufsrisiko/" aria-label="Mobbing und Gewalt">Mobbing und Gewalt</a> oder über <a href="https://kompetenz-online.at/2020/06/18/arbeitgeberinnen-muessen-rassismus-am-arbeitsplatz-ernst-nehmen/" aria-label="Diskriminierung">Diskriminierung</a> am Arbeitsplatz.</p>



<p class="rotebox"><strong>Du hast eine arbeitsrechtliche Frage?</strong><br>Im&nbsp;<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.gpa.at/themen/arbeitsrecht/arbeitsrechts-abc" target="_blank" aria-label="Arbeitsrechts-ABC d (öffnet in neuem Tab)">Arbeitsrechts-ABC d</a>er Gewerkschaft GPA findest du Antworten auf viele Fragen. Du kannst dich aber auch direkt an die Rechtsberatung wenden.&nbsp;<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.gpa.at/kontakt" target="_blank" aria-label="Hier (öffnet in neuem Tab)">Hier</a>&nbsp;findest du alle Kontakte.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Das könnte dich auch intererssieren:</h4>



<ul class="wp-block-list"><li>Du bist neu in der Arbeit? Wir geben <a href="https://kompetenz-online.at/2022/10/04/neuer-job-10-tipps-fuer-den-ersten-arbeitstag/" aria-label="Tipps">Tipps</a>, damit es von Anfang an gut läuft. </li><li>Dein Kind ist krank? Wir sagen dir, was du jetzt tun musst, damit du dein <a href="https://kompetenz-online.at/2022/09/07/mein-kind-ist-krank/" aria-label="krankes Kind">krankes Kind</a> zuhause betreuen kannst.</li><li>Du hast demnächst ein <a href="https://kompetenz-online.at/2022/07/06/was-darf-der-arbeitgeber-beim-bewerbungsgespraech-fragen/" aria-label="Bewerbungsgespräch">Bewerbungsgespräch</a>. Wir sagen, dir was dein künftiger Chef dich fragen darf.  </li></ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die globale „Impfstoff-Apartheid“</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2021/07/13/die-globale-impfstoff-apartheid/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Johannes Gress]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 13 Jul 2021 13:10:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2021/03]]></category>
		<category><![CDATA[Internationales]]></category>
		<category><![CDATA[Verteilung]]></category>
		<category><![CDATA[Ärzte ohne Grenzen]]></category>
		<category><![CDATA[Corona]]></category>
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		<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Johannes Gress]]></category>
		<category><![CDATA[Solidarität]]></category>
		<category><![CDATA[Weltgesundheitsorganisation]]></category>
		<category><![CDATA[WHO]]></category>
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					<description><![CDATA[Während sich reiche Staaten mit Impfstoff eindecken, droht die Situation in ärmeren Weltgegenden zu eskalieren. Das könnte sich für Österreich und Europa nicht nur moralisch rächen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/impfen20210706_PD6507.HR_-1024x683.png" alt="" class="wp-image-17225" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/impfen20210706_PD6507.HR_-1024x683.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/impfen20210706_PD6507.HR_-300x200.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/impfen20210706_PD6507.HR_-150x100.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/impfen20210706_PD6507.HR_-768x513.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/impfen20210706_PD6507.HR_-600x400.png 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/impfen20210706_PD6507.HR_-720x480.png 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/impfen20210706_PD6507.HR_-272x182.png 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/impfen20210706_PD6507.HR_.png 1500w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Foto: Alet Pretorius / AP / picturedesk.com</figcaption></figure>



<p><strong>Während sich reiche Staaten mit Impfstoff eindecken, droht die Situation in ärmeren Weltgegenden zu eskalieren. Das könnte sich für Österreich und Europa nicht nur moralisch rächen.</strong></p>



<span id="more-17152"></span>



<p>Alpha, Beta, Gamma, Delta. Kennen Sie noch mehr? Hoffentlich. „Denn wir werden noch viele griechische Buchstaben brauchen, wenn wir bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie auf globaler Ebene nicht solidarischer handeln“. Diese Warnung kommt von einem, der es wissen muss: Marcus Bachmann, humanitärer Berater für Ärzte ohne Grenzen Österreich und schon lange vor Corona weltweit bei diversen Impfkampagnen im Einsatz.</p>



<p>Bachmann war auch in Nigeria, als dort am 2. März die ersten Impfdosen eintrafen. Vier Millionen Dosen, für eine Bevölkerung von über 200 Millionen Menschen. Kurze Zeit später folgte der Exportstopp Indiens und Nigeria saß erneut auf dem Trockenen. Und so wie Nigeria geht es derzeit vielen Ländern des sogenannten globalen Südens. Während sich die reichen Länder des globalen Nordens Impfstoff en masse sicherten, sind in Kenia, Mosambik oder Vietnam noch nicht einmal ein Prozent der Bevölkerung geimpft. Laut der Österreichischen Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung (ÖFSE) wird es noch bis 2023 dauern, bis die afrikanische Bevölkerung durchgeimpft ist. Gleichzeitig verzeichnet der Kontinent Anfang Juli einen Höchststand an Neuinfektionen.</p>



<p>Das ist nicht nur moralisch bedenklich, sondern wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch für die reichen Länder nach hinten losgehen, warnt Bachmann. „Eine Pandemie ist nur besiegt, wenn sie weltweit besiegt ist“. Bleiben ganze Weltregionen über Jahre ohne Impfstoff und medizinische Ausrüstung, erhöht das das Risiko für neue Mutanten – welche mit hoher Wahrscheinlichkeit ihren Weg in den globalen Norden finden.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Marcus-Bachmann_Aerzte-ohne-Grenzen-Oesterreich-c-Herwig_PRAMMER-2-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-17153" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Marcus-Bachmann_Aerzte-ohne-Grenzen-Oesterreich-c-Herwig_PRAMMER-2-1024x683.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Marcus-Bachmann_Aerzte-ohne-Grenzen-Oesterreich-c-Herwig_PRAMMER-2-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Marcus-Bachmann_Aerzte-ohne-Grenzen-Oesterreich-c-Herwig_PRAMMER-2-150x100.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Marcus-Bachmann_Aerzte-ohne-Grenzen-Oesterreich-c-Herwig_PRAMMER-2-768x512.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Marcus-Bachmann_Aerzte-ohne-Grenzen-Oesterreich-c-Herwig_PRAMMER-2-600x400.jpg 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Marcus-Bachmann_Aerzte-ohne-Grenzen-Oesterreich-c-Herwig_PRAMMER-2-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Marcus-Bachmann_Aerzte-ohne-Grenzen-Oesterreich-c-Herwig_PRAMMER-2-272x182.jpg 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Marcus-Bachmann_Aerzte-ohne-Grenzen-Oesterreich-c-Herwig_PRAMMER-2.jpg 1500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption><strong>Marcus Bachmann, humanitärer Berater für Ärzte ohne Grenzen Österreich.</strong><br>Foto: Herwig Prammer/Ärzte ohne Grenzen Österreich</figcaption></figure>



<h4 class="wp-block-heading">„Katastrophales moralisches Versagen“</h4>



<p>Eigentlich begann alles ganz anders. Huldigungen der globalen Solidarität, die bei der Erforschung und Entwicklung eines COVID-19-Vakzins zu beobachten war. Mit dem Impfstoff entstehe „ein einzigartiges globales öffentliches Gut des 21. Jahrhunderts“ und die EU „verpflichtet“ sich, dies für alle zugänglich und erschwinglich zu machen“, hieß es in einer Erklärung der EU-Kommission.</p>



<p>Das war im Mai 2020. Die Welt im Juli 2021 ist eine andere. Laut einer Studie der britischen Fachzeitschrift The Lancet vom Februar, sicherten sich die reichen Länder mittels Exklusivverträgen Zugang zu 70 Prozent des verfügbaren Impfstoffs, obwohl sie nur 16 Prozent der Weltbevölkerung stellen. Laut Amnesty International reichen diese Mengen, um die Bevölkerung in den betreffenden Ländern bis Ende 2021 drei Mal zu impfen.</p>



<p>In einem Beitrag im britischen <strong><a href="https://www.theguardian.com/global-development/2021/jan/29/a-global-vaccine-apartheid-is-unfolding-peoples-lives-must-come-before-profit" data-type="URL" data-id="https://www.theguardian.com/global-development/2021/jan/29/a-global-vaccine-apartheid-is-unfolding-peoples-lives-must-come-before-profit" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="Guardian (öffnet in neuem Tab)">Guardian</a></strong> kritisierte die UNAIDS-Direktorin Winnie Byanyima zu Jahresbeginn angesichts der Ungleichverteilung des Vakzins eine globale „Impfstoff-Apartheid“. Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), sprach zur selben Zeit von einem „katastrophalen moralischen Versagen, und der Preis dafür wird mit Leben in den ärmsten Nationen bezahlt“. Laut einer <strong><a href="https://www.mobs-lab.org/uploads/6/7/8/7/6787877/global_vax.pdf" data-type="URL" data-id="https://www.mobs-lab.org/uploads/6/7/8/7/6787877/global_vax.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="Studie (öffnet in neuem Tab)">Studie</a></strong> US-amerikanischer und italienischer Forscher könnte eine gerechte Verteilung der Impfdosen die Todesfälle weltweit halbieren .</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Portrait-Lessenich_FAZ-Roeth-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-17156" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Portrait-Lessenich_FAZ-Roeth-1024x683.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Portrait-Lessenich_FAZ-Roeth-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Portrait-Lessenich_FAZ-Roeth-150x100.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Portrait-Lessenich_FAZ-Roeth-768x512.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Portrait-Lessenich_FAZ-Roeth-600x400.jpg 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Portrait-Lessenich_FAZ-Roeth-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Portrait-Lessenich_FAZ-Roeth-272x182.jpg 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Portrait-Lessenich_FAZ-Roeth.jpg 1500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption> <strong>Soziologe Stephan Lessenich, Direktor des Instituts für Sozialforschung an der Goethe-Universität Frankfurt.</strong><br>Foto: Frank Röth/Frankfurter Allgemeine Zeitung</figcaption></figure>



<h4 class="wp-block-heading">Fortschreiben imperialer Strukturen</h4>



<p>Für den Soziologen Stephan Lessenich, Direktor des Instituts für Sozialforschung an der Goethe-Universität Frankfurt, kommt diese Entwicklung wenig überraschend. „Seit Hunderten von Jahren ist es so, dass der kolonialisierende, imperiale Westen sich privilegierte Lebenschancen aneignet“, kritisiert Lessenich. Westliche Industriegesellschaften sicherten seit Jahrhunderten relative Privilegien für ihre eigene Bevölkerung – „und das machen sie heute wieder“.</p>



<p>Angestoßen von Indien und Südafrika fordern mittlerweile mehr als 100 Staaten, die Außerkraftsetzung des sogenannten TRIPS-Abkommens der Welthandelsorganisation (WTO), um den Patentschutz für die Vakzinherstellung vorübergehend auszusetzen. Der sogenannte TRIPS-Waiver würde es ärmeren Staaten erlauben, kostengünstigere Generika zu produzieren – und so täglich Menschenleben zu retten. Mittlerweile unterstützt auch die USA die Initiative, während die EU, inklusive Österreich, großteils blockiert. Allen voran die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel stellt sich hinter die Pharmaindustrie und betonte unlängst, der „Schutz von geistigem Eigentum ist Quelle von Innovation und muss es auch in Zukunft bleiben“.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Lehren aus der HIV/AIDS-Epidemie?</h4>



<p>Auch Ärzte ohne Grenzen unterstützte die TRIPS-Initiative von Anfang an. Laut Bachmann ist das Thema noch lange nicht vom Tisch und wird derzeit innerhalb der WTO weiterverhandelt. Täglich sterben rund 10.000 Menschen infolge einer COVID-Infektion, schätzt Bachmann. Mit der Aussetzung der Patente könnten innerhalb weniger Monate mehrere Milliarden Dosen produziert werden – „wir können uns nicht leisten, das nicht zu tun“. Die Folgen wären eine drastische Verschärfung bestehender Ungleichheiten und sind bereits jetzt verheerend: laut Weltbank drohen Laufe des Jahres bis zu 150 Millionen Menschen durch Erwerbsverlust in extreme Armut ab zu rutschen.</p>



<p>In einer <strong><a href="https://www.bmeia.gv.at/das-ministerium/presse/aktuelles/2021/02/covax-initiative-bringt-corona-impfstoff-nach-ghana/" data-type="URL" data-id="https://www.bmeia.gv.at/das-ministerium/presse/aktuelles/2021/02/covax-initiative-bringt-corona-impfstoff-nach-ghana/" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="Aussendung (öffnet in neuem Tab)">Aussendung</a></strong> brüstet sich das Außenministerium damit, insgesamt 2,4 Millionen Euro für die Unterstützung des globalen Südens bereit gestellt zu haben. Laut Bachmann ist das nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein und pro Kopf deutlich weniger als der Beitrag anderer Staaten.</p>



<p>Die Ungleichverteilung des Corona-Vakzins und der Patentstreit hat einen historischen Vorläufer. Rund zwölf Millionen AfrikanerInnen starben zwischen 1997 und 2007, weil sie sich HIV/AIDS-Präparate nicht leisten konnten. Auch damals zählten Profitinteressen multinationaler Unternehmen mehr als das Leben von Millionen von Menschen und westliche Regierungen fungierten als Reproduktionsgehilfen dieser Interessen. Erst nach massivem öffentlichem Druck lenkten die Pharmakonzerne ein. Seither sind HIV/AIDS-Medikamente deutlich kostengünstiger verfügbar.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„Solidarität ist ein Überlebensprinzip“</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2021/07/06/solidaritaet-ist-ein-ueberlebensprinzip/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Margaretha Kopeinig]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 Jul 2021 09:54:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Internationales]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Coronakrise]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Fremdbestimmung]]></category>
		<category><![CDATA[Gewerkschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Gewerkschaftsgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kapitalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Margaretha Kopeinig]]></category>
		<category><![CDATA[Revolution]]></category>
		<category><![CDATA[Solidarität]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftskrise]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Maderthaner]]></category>
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					<description><![CDATA[Auch in einer Zeit der Umbrüche ist kollektive Solidarität mehr denn je gefragt. Der Historiker  analysiert die Entwicklung von Solidarität unter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. „Heute“, sagt er, geht solidarisches Verhalten Hand in Hand mit einer „großen Bildungsbewegung. Es geht um ein neues sozial-egalitäres Bewusstsein“.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Maderthaner-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-17139" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Maderthaner-1024x683.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Maderthaner-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Maderthaner-150x100.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Maderthaner-768x512.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Maderthaner-600x400.jpg 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Maderthaner-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Maderthaner-272x182.jpg 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Maderthaner.jpg 1500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption><strong>Wolfgang Maderthaner, Historiker und ehemaliger Direktor des Österreichischen Staatsarchives.</strong></figcaption></figure>



<p><strong>Auch in einer Zeit der Umbrüche ist kollektive Solidarität mehr denn je gefragt. Der Historiker Wolfgang Maderthaner analysiert die Entwicklung von Solidarität unter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. „Heute“, sagt er, geht solidarisches Verhalten Hand in Hand mit einer „großen Bildungsbewegung. Es geht um ein neues sozial-egalitäres Bewusstsein“.</strong></p>



<span id="more-17134"></span>



<p>Fragt man Wolfgang Maderthaner, den bekannten Historiker und ehemaligen Direktor des Österreichischen Staatsarchives, nach der Bedeutung von Solidarität in der Gewerkschaftsbewegung, dann holt er weit aus: „Es gibt eine Begrifflichkeit, die sehr früh von jenen Intellektuellen verwendet wurde, die sich der Arbeiterbewegung zugehörig fühlten, damals am Beginn der industriellen Revolution. Die Rede war von Atomisierung.“ Der Begriff bedeutet nichts Anderes als dass Arbeitnehmer unter den neuen Formen der Produktion, genannt industrieller Kapitalismus, ihre Arbeitskraft laufend unter ihrem Wert verkaufen.</p>



<p>Maderthaner beschreibt es aber anschaulicher und spannt den Bogen zur Jetzt-Zeit: „Der Terminus der Atomisierung charakterisiert die Vereinzelung des Ausgebeuteten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts paradigmatisch. Aber, und das ist der Punkt: Das passiert heute in viel, viel radikalerer Weise. In orthodoxer Weise“, findet der Universitätsprofessor und skizziert die neue Entwicklung. „Seit dem Jahr 2000 gehen wir durch eine permanente Krise. 2008/2009 gab es den Zusammenbruch der Banken und des Finanzsystems mit der Folge steigender Arbeitslosigkeit in manchen EU-Staaten, vor allem Jugendliche waren damals extrem betroffen. Dann kam das Ringen um Griechenland mit den hohen Staatsschulden und seinen Verbleib in der Währungsunion. Unmittelbar danach begann 2015 die Flüchtlings- und Migrationskrise, die bis heute nicht gelöst ist. Und schließlich landeten wir in der Corona-Pandemie und damit in einer Gesundheits- und Sozialkrise.“ Die Lockdowns haben Folgen für viele Arbeitnehmer: „Das Zurückgeworfensein auf sich selbst durch das Arbeiten vor dem Bildschirm zu Hause oder in Form von Kurzarbeit hat zu einer radikalen Vereinzelung geführt und sich massiv als Normalität verfestigt. Viele haben das Bewusstsein verloren, Teil eines großen Ganzen zu sein“, analysiert Maderthaner und fügt nachdenklich hinzu: „Diese Entwicklung rührt an den Grundfesten der Arbeiterbewegung.“</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Solidarität war immer ein Grundpfeiler der Gewerkschaft. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts reagierte die internationale Arbeiterschaft mit dem Bewusstsein, kein isoliertes Einzelnes zu sein, sondern unbesiegbar als Masse.</p><cite>Wolfgang Maderthaner</cite></blockquote>



<p>Der Historiker empfiehlt in der aktuellen Situation einen Blick zurück: „Solidarität war immer ein Grundpfeiler der Gewerkschaft. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts reagierte die internationale Arbeiterschaft mit dem Bewusstsein, kein isoliertes Einzelnes zu sein, sondern unbesiegbar als Masse.“ Die damalige Erzählung las sich wie folgt: „Wir sind es, die die Werte schaffen. Wir haben das Recht auf einen angemessenen Teil des gesellschaftlichen Reichtums. Unsere vornehmste Aufgabe ist es, die Arbeiterschaft mit dem Bewusstsein ihrer Lage zu erfüllen, nämlich mit ihrem Wert.“</p>



<p>Ja, und was heißt das heute? „Die Generation nach 1945 war die Generation der Hoffnung und der Erfüllung. Das Prinzip der Solidarität wurde in der Nachkriegszeit plötzlich zu einem verfestigten gesellschaftlichen Wert. Gemeinsam wurde der Wohlfahrtsstaat aufgebaut. Man hat Kollektivverträge erzielt, an die man nicht zu denken wagte. Soziale Standards wurden eingeführt, zum Beispiel die Altersabsicherung, die für eine Generation davor einfach nicht vorstellbar war. Diese Entwicklungen wurden als gewaltige Gesellschaftsleistung wahrgenommen. Heute werden sie als etwas Selbstverständliches, als immer Dagewesenes, betrachtet.“</p>



<p>Im Zeitalter der fortschreitenden Digitalisierung und der künstlichen Intelligenz, einer neuen technologischen Revolution, die unser Bewusstsein rasch verändert, sind die kollektive Solidarität und die errungenen Wohlfahrtssysteme mit ihrer Absicherung keineswegs passé.</p>



<p>„Wir sind in einer Zeit des Umbruches“, betont Maderthaner. Die Technik schreitet voran, die Appelle an Solidarität sind so unglaublich verständlich, auch die Sehnsucht nach gesellschaftlichem Zusammenhalt und einem erfolgreichen Zusammenwirken von Frauen und Männern. „Es gibt massive Appelle an den alten Wert der Solidarität, an Wertschätzung, Emanzipation und einem konstruktiven Dialog. Wir kommen in einer technologischen und sozialen Revolution auf die alten Werte zurück, weil diese in einer Umbruchsituation Sicherheit garantieren können“, beschreibt der Historiker die neuen Entwicklungen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Der Grundwert der Solidarität könnte erst dann wieder relevant werden, wenn es einem großen Teil unserer Gesellschaft schlechter geht. Das ist meine Sorge.</p><cite>Wolfgang Maderthaner</cite></blockquote>



<p>Der Appell für mehr Solidarität geht mit der zunehmenden Fremdbestimmung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Hand in Hand. „Die Entfremdung von unserem Arbeitsprodukt ist heute noch radikaler als in der Vergangenheit. Deswegen ist das solidarische Zusammenwirken der Vielen notwendig. Damit soll verhindert werden, dass uns die Lebensgrundlage entzogen wird. Kurzum: Solidarität ist ein Überlebensprinzip.“</p>



<p>Wolfgang Maderthaner weist darauf hin, dass die „radikale Transformation der Produktivkräfte zwar Fortschritt schafft, gleichzeitig aber auch zu einer Zerstörung führt, die im Augenblick auch als Zerstörung unserer Umwelt greifbar ist“. Auch hier ist Solidarität gefragt. „Aber nicht nur als Sicherung unserer sozialen und kulturellen Standards, sondern auch als Rettung der Umwelt, des Raumes, in dem wir leben und arbeiten.“</p>



<p>Auch wenn das zuversichtlich klingt, Maderthaner ist vorerst noch skeptisch: „Der Grundwert der Solidarität könnte erst dann wieder relevant werden, wenn es einem großen Teil unserer Gesellschaft schlechter geht. Das ist meine Sorge“.</p>



<p>Was müssen die Gewerkschaften jetzt tun, um dieses Szenario zu vermeiden? „Sie müssen alles unternehmen, dass es nicht so weit kommt“, sagt der Historiker. Dabei spielt der Faktor Bildung eine große Rolle. „Es geht um massive Bildung. Nicht im alten Sinne. Aus der alltäglichen Praxis, aus den Vereinzelungserfahrungen, muss eine große Bildungsbewegung entstehen. Es muss Gegenwissen vermittelt werden und das Bewusstsein, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Werte schaffen. Es geht um ein neues sozial-egalitäres Bewusstsein.“</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der Sozialstaat wird sukzessive schlechtgemacht</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2019/05/16/der-sozialstaat-wird-sukzessive-schlechtgemacht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexia Weiss]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 May 2019 14:06:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Arbeitsmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Verteilung]]></category>
		<category><![CDATA[Alexia Weiss]]></category>
		<category><![CDATA[Carina Altreiter]]></category>
		<category><![CDATA[Mindestsicherung]]></category>
		<category><![CDATA[Solidarität]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialhilfe]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialstaat]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Soziologin Carina Altreiter forscht zum Thema Solidarität. Diese ist zwar im Abnehmen begriffen, dennoch stehen die Menschen in Österreich mehrheitlich zur sozialen Absicherung, sagt sie im Interview mit der KOMPETENZ.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2019/05/Carina-Altreiter_5992-1024x683.png" alt="" class="wp-image-10059" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2019/05/Carina-Altreiter_5992-1024x683.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2019/05/Carina-Altreiter_5992-150x100.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2019/05/Carina-Altreiter_5992-300x200.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2019/05/Carina-Altreiter_5992-768x512.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2019/05/Carina-Altreiter_5992-600x400.png 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2019/05/Carina-Altreiter_5992-720x480.png 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2019/05/Carina-Altreiter_5992-272x182.png 272w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption> <br><strong>Carina Altreiter ist Soziologin an der Universität Wien und beschäftigt sich aktuell mit dem Thema Solidarität in Zeiten der Krise.</strong><br>Foto: Nurith Wagner-Strauss<strong> </strong></figcaption></figure>



<p><strong>Die Soziologin
Carina Altreiter forscht zum Thema Solidarität. Diese ist zwar im Abnehmen
begriffen, dennoch stehen die Menschen in Österreich mehrheitlich zur sozialen
Absicherung, sagt sie im Interview mit der KOMPETENZ.</strong></p>



<span id="more-10054"></span>



<p><strong>KOMPETENZ: </strong>Wir erleben heute eine durch Teile der Politik betriebene Auseinanderdividierung verschiedener Gruppen der Gesellschaft. Da wäre zum einen die Unterteilung in die Fleißigen und die, die sich in der sozialen Hängematte ausruhen. Da wäre aber auch die Unterteilung in die autochthonen Österreicher und die Zugewanderten, die vermeintlich nur kommen, weil sie ins hiesige Sozialsystem einwandern möchten. Gehen diese Spaltversuche auf?</p>



<p><strong>Carina
Altreiter: </strong>Jein. Es ist empirisch schwer zu sagen, wie politische
Diskurse tatsächlich wirken. Was die Leute sagen und denken und tatsächlich tun,
ist nicht eins zu eins Folge einer Indoktrinierung. Aber das, was in den
letzten Jahrzehnten politisch betrieben worden ist, hat natürlich gesellschaftlich
etwas verändert. Spaltung ist ein längerer Prozess, einer ihrer Bestandteile
ist die kulturelle Entsolidarisierung. </p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Was bedeutet das? </p>



<p> <strong>Carina Altreiter: </strong> Es gibt eine bestimmte Umdeutung dessen, was Sozialstaat heißt, was soziale Rechte sind, was soziale Sicherung anlangt. Das passiert im Zuge gesellschaftlicher Umbrüche, aktuell im neoliberalen Umbau. Da gehört die Betonung des Rechts des Stärkeren dazu. Die Leistungsfähigen kann man mitnehmen, für alle anderen ist kein Platz mehr. Dazu kommt diese Inszenierung einer bestimmten Bedrohung von innen und von außen: Die einen, die nichts hackeln wollen, und die anderen, die zu uns kommen und uns alles wegnehmen. Plus eine generelle Abwertung des Sozialstaates und eine Umdeutung. </p>



<figure class="wp-block-image"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="341" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2019/05/carina-altreiter-1024x341.png" alt="" class="wp-image-10064" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2019/05/carina-altreiter-1024x341.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2019/05/carina-altreiter-150x50.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2019/05/carina-altreiter-300x100.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2019/05/carina-altreiter-768x256.png 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Die Soziologin Carina Altreiter im KOMPETENZ-Interview</figcaption></figure>



<p>In seiner Entstehung war der Sozialstaat positiv
behaftet, er war mit Schutz, mit Sicherung, mit Statuserhalt, mit Partizipation
verbunden. Die Umdeutung bringt, dass der Sozialstaat nur mehr ein Problemfall
ist, der zu hohe Kosten verursacht. Unterm Strich ist der Sozialstaat ein
fragiles Verhältnis, das letztendlich auch Aushandlungsprozess
unterschiedlicher politischer Kräfte ist. Wenn man es mit Marx sagen würde: ein
Aushandlungsprozess zwischen Arbeit und Kapital. </p>



<blockquote style="text-align:center" class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p> &#8222;In seiner Entstehung war der Sozialstaat positiv behaftet, er war mit Schutz, mit Sicherung, mit Statuserhalt, mit Partizipation verbunden. Die Umdeutung bringt, dass der Sozialstaat nur mehr ein Problemfall ist, der zu hohe Kosten verursacht.&#8220;</p><cite>Carina Altreiter, Soziologin</cite></blockquote>



<p> <strong>KOMPETENZ: </strong> Sie haben nun gesagt, diese Spaltung wird schon seit Jahrzehnten betrieben. Ist das, was wir unter der aktuellen ÖVP-FPÖ-Regierung erleben, also nur die Zuspitzung eines langen Prozesses? Wann setzte denn das Schlechtmachen des Sozialstaates ein?</p>



<p> <strong>Carina Altreiter: </strong> International gesehen, aus der Perspektive der westlichen Industrieländer, fing das mit der Thatcher-Reagan-Ära an. Der Neoliberalismus begann sich durchzusetzen, dieses Dogma von mehr privat, weniger Staat. In Österreich hat es sich aber nicht so dramatisch durchgeschlagen im Vergleich zu anderen europäischen Ländern und – bedingt durch die Regierungsbeteiligung der Sozialdemokratie – haben manche Entwicklungen auch nur in abgeschwächter Form stattgefunden, wie die Privatisierungen, die erst in den 1990ern angefangen haben. Aber man muss auch sagen, dass diese Entwicklungen ambivalent sind. Es gibt Bereiche, in denen der Sozialstaat auch heute noch ausgebaut wird. Im Bereich der Kinderbetreuung wurde das Angebot beispielsweise erheblich vergrößert. Zu sagen, es ist ein lineares Abbauen, wäre daher eine zu verkürzte Analyse. Aber in bestimmten Bereichen ist es zu massiven Verschlechterungen gekommen – aktuelle Beispiele sind die Mindestsicherung/Sozialhilfe und die geplanten Änderungen beim Arbeitslosengeld und der Notstandshilfe. Und das ist eine reine Symbolpolitik, weil es für das Budget gar nichts bringt. Aber für die Betroffenen sind es unglaubliche Einschnitte.</p>



<p> <strong>KOMPETENZ: </strong> Ihr Forschungsthema ist die Solidarität. Woran lässt sich hier ein Rückgang festmachen?</p>



<p><strong>Carina Altreiter: </strong> In Bezug auf den Sozialstaat und was diese kulturelle Ebene angeht, kann man geschwächte Solidarität feststellen. Die Frage ist auch, inwiefern die Sozialpartnerschaft von Aushöhlung betroffen ist. Der 12-Stunden-Tag ist ein Beispiel, wie versucht wird, die Sozialpartnerschaft zu unterwandern. Dennoch, das zeigen mehrere Studien, ist in Österreich die Zustimmung zum Sozialstaat sehr hoch. Die Menschen finden die Absicherung wichtig und wissen das auch zu schätzen. Und es gibt einen gesellschaftlichen Konsens, dass in Katastrophensituationen geholfen werden muss. Das ist das Bedarfsprinzip. In der aktuellen Diskussion vermischt es sich allerdings mit dem Leistungsprinzip, das in der Mitte der Gesellschaft sehr stark verankert ist. Ich strenge mich an, ich bemühe mich, dass soll anerkannt werden. Dieses legitime Gerechtigkeitsbedürfnis kann instrumentalisiert werden, um Ausgrenzung herbeizuführen.</p>



<p> <strong>KOMPETENZ:</strong>  Was wäre hier ein konkretes Beispiel?</p>



<p><strong>Carina Altreiter: </strong> Vielen ArbeitnehmerInnen ist Leistung wichtig, Leistung im Sinn des Bemühens. Aber dann machen Menschen die Erfahrung, dass ihr Job wenig wert ist, dass sie wenig verdienen. Und dann haben sie das Gefühl, da gibt es Leute, die sind arbeitslos und zu Hause und bekommen quasi das Gleiche. Das wird als ungerecht empfunden. Und natürlich kann ich diese Karte dann politisch spielen.</p>



<p> <strong>KOMPETENZ: </strong> Aber müsste man da nicht ohnehin bei höheren Mindestlöhnen ansetzen?</p>



<p><strong>Carina Altreiter: </strong> Ja, aber es ist dann eben immer die Frage, wie es politisch abgefangen wird. Und im aktuellen politischen Diskurs wird als Lösung die Kürzung der Sozialhilfe angeboten. </p>



<p><strong>KOMPETENZ: </strong> Man dividiert also lieber Gruppen auseinander anstatt zu überlegen, wie jeder gut von seiner Erwerbsarbeit leben kann.</p>



<p><strong>Carina Altreiter: </strong> Ja. Wobei der steigende Druck in der Arbeitswelt auch verschiedene Gruppen produziert. Die, deren Situation immer prekärer wird, aber auch die, die noch einigermaßen abgesicherte Positionen haben und sich dem starken Druck der Wirtschaft anpassen. Diese Unterordnung wird dann auch von anderen verlangt. Da kann man dann sehr autoritäre Reaktionen gegenüber Menschen beobachten, von denen geglaubt wird, dass sie sich diesen Anforderungen entziehen, wie zum Beispiel Arbeitslose. Diese starken Aggressionen sind in schlecht verdienenden Gruppen weniger zu beobachten. Das Leistungsprinzip ist in den verschiedenen sozialen Gruppen sehr unterschiedlich verankert. Wichtig ist zu sehen, dass der Rechtspopulismus funktioniert, weil er in vielen Schichten andocken kann – auch in den mittleren und oberen. Rechte Politik findet viele Anknüpfungspunkte. Es gibt aber in allen Gruppen auch andere Ankerpunkte, in denen sich auch eine andere Politik einhängen könnte.</p>



<div class="wp-block-media-text alignwide"><figure class="wp-block-media-text__media"><img loading="lazy" decoding="async" width="602" height="602" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2019/05/Carina-Altreiter_6081.png" alt="" class="wp-image-10061" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2019/05/Carina-Altreiter_6081.png 602w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2019/05/Carina-Altreiter_6081-150x150.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2019/05/Carina-Altreiter_6081-300x300.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2019/05/Carina-Altreiter_6081-600x600.png 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2019/05/Carina-Altreiter_6081-500x500.png 500w" sizes="auto, (max-width: 602px) 100vw, 602px" /></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h4 class="wp-block-heading">C<strong>arina Altreiter</strong></h4>



<p>Geb. 1985 in Linz<strong>,</strong> ist Soziologin am Institut für Soziologie der Universität Wien und arbeitet aktuell im Projekt „Solidarität in Zeiten der Krise. Sozio-ökonomischer Wandel und politische Orientierungen in Österreich und Ungarn“, das vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) gefördert wird. </p>



<p>Ein Buchbeitrag von Carina Altreiter findet sich auch im Buch <a href="https://kompetenz-online.at/2019/04/03/buchtipp-umbrueche-und-ihre-folgen/" aria-label="&#8222;Umbrüche Umdenken&#8220;">&#8222;Umbrüche Umdenken&#8220; </a></p>
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