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	<title>Verena Florian &#8211; KOMPETENZ-online</title>
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		<title>Buchtipp: Nur Mut zum Rollentausch</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Heike Hausensteiner]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Jun 2019 13:00:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2019/03]]></category>
		<category><![CDATA[Buchtipp]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Heike Hausensteiner]]></category>
		<category><![CDATA[Karenz]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Skandinavien]]></category>
		<category><![CDATA[Väterkarenz]]></category>
		<category><![CDATA[Verena Florian]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Mutter beruflich erfolgreich? Der Vater in Karenz? Beides ist möglich. Das neue Buch von Frauen-Coach Verena Florian zeigt das auf und spornt zum Aufbrechen alter Klischees an.]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Mutter beruflich erfolgreich? Der Vater in Karenz? Beides ist möglich. Das neue Buch von Frauen-Coach Verena Florian zeigt das auf und spornt zum Aufbrechen alter Klischees an.</strong></p>



<span id="more-10302"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Wie Beruf und Familie zu vereinbaren sind, mag oberflächlich
betrachtet ein leidiges Thema sein, über das insbesondere in Österreich seit
Jahrzehnten diskutiert wird. Dennoch ist jetzt „Mut zum Rollentausch“ von
Verena Florian zum richtigen Zeitpunkt erschienen. Erst vor wenigen Wochen
beschloss der Nationalrat den Papamonat. 1998 hatte der damalige
ÖVP-Familienminister Martin Bartenstein noch gemeint: „Das ist nicht
finanzierbar.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Verdienst des Buches ist daher zusammenfassend darauf
hinzuweisen, wie viele kleine Schritte in unserem strukturkonservativen Land
schon gesetzt wurden. Das Besondere an Verena Florians Methode ist, dass sie
dazu 50, großteils anonymisierte, Interviews geführt hat – einerseits mit
beruflich erfolgreichen Frauen wie Managerinnen, Politikerinnen oder
Unternehmerinnen, andererseits mit Vätern, die wegen ihrer Kinder in Karenz
gegangen sind. Zudem steuert sie – selbst Mutter von zwei (inzwischen
erwachsenen) Töchtern, die sich die Familienzeiten mit ihrem Partner teilte – einen
wertvollen Input aus der eigenen (Berufs-)Erfahrung und Coaching-Praxis bei.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Vorreiter Skandinavien</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Skandinavien war erstaunlich früh dran und modern bei der Einführung der Väterkarenz in den 1960er Jahren, unterstreicht die Autorin. Noch erstaunlicher ist, dass sie unverblümt erklärt: „Der Grund für die Entwicklung liegt sicher darin, dass es hier keine ideologische Gehirnwäsche wie im deutschsprachigen Raum des Austrofaschismus und Nationalsozialismus gab, wo die Rollenbilder von Männern und Frauen so deutlich vorgegeben waren.“ Trotzdem ging in keinem der Länder die Entwicklung hin zur Gleichberechtigung von Frauen und Männern von allein, „es gab meistens Impulse durch die Politik, die Veränderungen herbeiführten“, so Verena Florians Analyse. Die sie durch zahlreiche Daten untermauert, was ihren Befund auf weite Strecken unverrückbar macht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt aber auch Passagen, die das Buch zu einer leisen
Kampfschrift machen. Etwa wenn die Coaching-Expertin Schlüsse aus ihrer
beruflichen Expertise zieht und sie schreibt: „Es braucht Männer, die starke
Frauen aushalten“, und „es braucht Frauen, die Männer bei den Kindern
aushalten“ – Sätze, die zu den besten des Buches zählen. Freilich handelt es
sich dabei um ein Generationen-Problem und eines der tradierten patriarchalen
Gesellschaft. Aus Sicht der Frauen herrschen großer Druck und schlechtes
Gewissen, wenn sie bereits nach vier Monaten Babykarenz wieder Vollzeit
arbeiten beziehungsweise wenn sie nach einjähriger Karenz noch nicht zurück in
den Beruf gehen (wollen). Berufstätigen Vätern wird die Situation genausowenig
erleichtert, auch Männer in Karenz oder Teilzeit haben oftmals Nachteile im
Berufsleben zu befürchten.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Vätern die Entscheidung erleichtern</h4>



<p class="wp-block-paragraph">„Es darf keine Portion Mut brauchen, um den Schritt zu gehen“, meint
denn auch einer der interviewten Väter. „Der Boden muss vonseiten der
Organisation aufbereitet sein. Da darf es keine Nachteile geben, dann
entscheidet man leichter.“ In Klein- und Mittelbetrieben sieht das wieder
anders aus, wie die Zahlen der Arbeiterkammer (Wiedereinstiegsmonitoring)
zeigen. „Aber auch die KMUs werden umdenken müssen“, fordert Verena Florian.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier ist die einzige Schwäche des Buches auszumachen: Da die
InterviewpartnerInnen fast ausschließlich der beruflichen A-Schicht angehören,
bleibt die Situation von HandwerkerInnen, Supermarkt-Angestellten oder in
anderen Klein- und Mittelbetrieben unterbelichtet. Andererseits dienen die
zitierten Beispiele aus verschiedenen höheren beruflichen Positionen, dem
Journalismus oder Finanzsektor als positive Rollenmodelle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Früher gab es Talkshows, wo besprochen wurde, wenn einer sich
geoutet hat. Stillende Mütter im Parlament, Schwangere durften nicht im
Fernsehen sein! Aber so geht es Schritt für Schritt“, wird die Vorständin einer
österreichischen Bank zitiert. „Ich bin davon überzeugt, wenn es in den Firmen
viele Interventionen gibt, wird es gehen. Aber es braucht immer eine Person,
die sich dafür einsetzt, und die sollte hoch oben sein!“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angesichts des Gaps zwischen Branchen und Wohnorten bleibt zu
hoffen, dass Eliten wie auch Stadt-BewohnerInnen eine Vorreiterfunktion beim
Aufbrechen von alten Rollenmodellen haben. So nehmen in Wien etwas mehr als 28
Prozent der Väter Karenz, in den anderen Bundesländern im Schnitt die Hälfte
davon. Die niedrigsten Werte verzeichnen Burgenland und Vorarlberg mit nur rund
zehn Prozent. Im Vergleich dazu gehen in Norwegen und Schweden durchschnittlich
80 Prozent der Väter in Karenz. Verena Florian schreibt: „Wenn die
Inanspruchnahme der Väterkarenz in der Langsamkeit weitergeht wie bisher, dann
wird es 2150 die Gleichstellung der Geschlechter geben, was die Aufteilung der
(unbezahlten) Pflege- und Hausarbeit betrifft.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Halbe halbe im Haushalt</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist einerseits ernüchternd. Andererseits hat sich auch hier im
Laufe der Jahrzehnte bereits einiges verändert. Die Autorin untermauert mit Zahlen
der Statistik Austria (Zeitverwendungsstudien): „Frauen wenden in allen
Lebensphasen im Vergleich zu Männern fast doppelt so viel Zeit für die
Haushaltsführung auf, am meisten zwischen 20 und 59 Jahren, die wichtigste
Phase der Berufstätigkeit, für die sie sich dementsprechend weniger Zeit nehmen
(können). Demgegenüber sind Männer länger erwerbstätig als Frauen und nehmen
sich in allen Lebensphasen weniger Zeit für den Haushalt und mehr Zeit für
Freizeitaktivitäten. Dabei haben sie sich schon stark gebessert: Der Anteil der
Männer, die sich überhaupt an der Haushaltsarbeit beteiligen, hat sich seit
Anfang der 1980er Jahre von nicht einmal einem Viertel auf drei Viertel erhöht.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Summe legt Verena Florian mit ihrem Buch mehrfach den Finger in die Wunde. „Es zeigt sich, dass der Wille stark sein muss für ein Mädchen oder eine junge Frau in Österreich, die den Wunsch hat, unabhängig zu sein, und beruflich etwas erreichen will.“ Zusätzlichen Ansporn liefert sie am Ende des Buches, indem sie Tipps gibt, wie berufstätige Familienmenschen eine verbesserte Jobsituation erreichen könnten – von mehr Netzwerken und mehr Mut bis hin zu weniger Perfektionismus.</p>



<div class="wp-block-media-text alignwide"><figure class="wp-block-media-text__media"><img decoding="async" width="698" height="1024" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2019/06/Buch_mut_zum_rollentausch-698x1024.jpg" alt="" class="wp-image-10304" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2019/06/Buch_mut_zum_rollentausch-698x1024.jpg 698w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2019/06/Buch_mut_zum_rollentausch-102x150.jpg 102w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2019/06/Buch_mut_zum_rollentausch-205x300.jpg 205w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2019/06/Buch_mut_zum_rollentausch-768x1126.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2019/06/Buch_mut_zum_rollentausch.jpg 1772w" sizes="(max-width: 698px) 100vw, 698px" /></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h4 class="wp-block-heading"><strong>Verena Florian</strong></h4>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><a href="https://shop.falter.at/mut-zum-rollentausch.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="Mut zum Rollentausch – 50 beruflich erfolgreiche Frauen und Männer in Väterkarenz erzählen. (öffnet in neuem Tab)">Mut zum Rollentausch – 50 beruflich erfolgreiche Frauen und Männer in Väterkarenz erzählen. </a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Falter Verlag, Wien 2019, 263 Seiten, ISBN 9-7354-396345, € 22,90.</p>
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