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	<title>Wirtschaftsuniversität &#8211; KOMPETENZ-online</title>
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	<title>Wirtschaftsuniversität &#8211; KOMPETENZ-online</title>
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		<title>Pflegekräfte am Limit: „Bald ist Schicht im Schacht!“</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2021/05/11/pflegekraefte-am-limit-bald-ist-schicht-im-schacht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Johannes Gress]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 May 2021 11:43:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Arbeitszeit]]></category>
		<category><![CDATA[Kollektivvertrag]]></category>
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					<description><![CDATA[Als sich Österreich mit Ausbreitung des Corona-Virus an seine „LeistungsträgerInnen“ erinnerte, wurde eifrig von den Balkonen applaudiert. Die Beklatschten empfanden das eher als Zumutung denn als Motivation.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="731" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/05/AdobeStock_335505643-1024x731.png" alt="" class="wp-image-16913" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/05/AdobeStock_335505643-1024x731.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/05/AdobeStock_335505643-300x214.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/05/AdobeStock_335505643-150x107.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/05/AdobeStock_335505643-768x548.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/05/AdobeStock_335505643.png 1500w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Foto: Adobe Stock</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><br><strong>Als sich Österreich mit Ausbreitung des Corona-Virus an seine „LeistungsträgerInnen“ erinnerte, wurde eifrig von den Balkonen applaudiert. Die Beklatschten empfanden das eher als Zumutung denn als Motivation.</strong></p>



<span id="more-16904"></span>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich bin von den Ergebnissen nicht überrascht, leider“, sagt Eva Scherz, Kollektivvertragsverhandlerin des Bereichs Sozialwirtschaft der GPA. Bestehende Probleme haben sich verschärft, Neue sind hinzugekommen – so lautet, kurz zusammengefasst, das Ergebnis einer <a href="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/05/Pflegekraefte_u_Cov19_deutscheFassung.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="Studie der Wirtschaftsuniversität Wien (WU Wien) zur Arbeitssituation von Langzeitpflegekräften (öffnet in neuem Tab)">Studie der Wirtschaftsuniversität Wien (WU Wien) zur Arbeitssituation von Langzeitpflegekräften</a> während der zweiten Corona-Welle im Herbst 2020. Arbeitslose in den Arbeitsmarkt zu reintegrieren könnte unmittelbar Abhilfe schaffen, fordern ArbeitgeberInnen- und ArbeitnehmerInnen-Verbände.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Zur Ausgangslage</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die ökonomischen und psychologischen Folgen der Corona-Pandemie betreffen Frauen gesamtgesellschaftlich härter als Männer. Laut einer Studie der Donau Uni Krems leiden Frauen – vor allem seit dem 2. Lockdown im Herbst – häufiger an Depressionen, Angststörungen und Panikattacken. Bestehende Ungleichheiten treten in der Corona-Pandemie noch deutlicher zutage – geringeres Einkommen sowie die Ungleichverteilung unbezahlter Arbeit, verschärft durch geschlossene Betreuungseinrichtungen und Homeschooling. Gleichzeitig profitieren Frauen von den staatlichen Corona-Hilfen deutlich weniger als Männer, <a rel="noreferrer noopener" href="https://kompetenz-online.at/2021/03/17/die-regierung-uebersieht-dass-die-wirtschaft-nicht-nur-aus-unternehmen-besteht/" target="_blank" aria-label="wie Momentum-Ökonomin Anna Hehenberger unlängst im Kompetenz-Interview (öffnet in neuem Tab)">wie Momentum-Ökonomin Anna Hehenberger unlängst im Kompetenz-Interview</a> kritisierte.<br>Und schon vor der Pandemie ermittelte der Arbeitsklimaindex der Arbeiterkammer OÖ große Unzufriedenheit in der Pflegebranche, einem Beruf mit überdurchschnittlichem hohen Frauenanteil. Nur rund ein Viertel der AltenpflegerInnen kann sich laut Erhebung vorstellen, diesen Beruf auch bis zur Pension auszuüben. Zum Vergleich: bei Bankangestellten sind es 80 Prozent.</p>



<h4 class="wp-block-heading">„Ich kann nicht mehr!“</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Team aus drei Studierenden der WU Wien untersuchte im November vergangenen Jahres, wie sich die Situation für Pflegepersonal in der Langzeitpflege veränderte. Dazu führten sie Interviews in einer gemeinnützigen Einrichtung in Wien und in sechs Kärntner Privateinrichtungen. Insgesamt haben sich bereits zuvor bestehende „Stressoren“ – wie Personalmangel, physische und psychische Belastungen und mangelnde monetäre wie öffentliche Wertschätzung – während der Pandemie noch einmal drastisch verschärft, betonen die StudienautorInnen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p> „Wir wussten was auf uns zukommt, aber insgesamt waren die Ergebnisse dann doch ärger als erwartet“ </p><cite>Jana Stefan</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzugekommen sind neue Stressoren, die den Arbeitsalltag erschweren, wie das mehrdeutige und teils verwirrende Informationsmanagement seitens Regierung und Vorgesetzten. Außerdem brachte die Pandemie zeitaufwendige Mehrarbeit mit sich, wie das An- und Ablegen von Schutzausrüstung oder die seelische Fürsorge für KlientInnen, weil Besuche nur eingeschränkt erlaubt waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir wussten was auf uns zukommt, aber insgesamt waren die Ergebnisse dann doch ärger als erwartet“, erzählt die Co-Autorin der Studie Jana Stefan auf Nachfrage. In den Interviews beobachtete sie, dass ihre GesprächspartnerInnen entweder wütend oder ausgelaugt, ja resignierend wirkten, „der Großteil sagte: ‚Ich kann nicht mehr!‘“.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Balkonklatschen: „inkonsequentes, verärgerndes Getue“</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Für eine erhebliche Mehrbelastung sorgte die Außerkraftsetzung von Arbeitszeitregelungen durch die Regierung, was die Einführung von Zwölf-Stundenschichten ermöglichte. Die Interviewten berichteten außerdem, sie seien in manchen Fällen vom Arbeitgeber gebeten worden, trotz positiven Corona-Tests ihre Schicht anzutreten. Laut dem Arbeitsklimaindex vom April gingen 71 Prozent der Pflegekräfte aus „Pflichtgefühl“ auch krank zur Arbeit. Vor der Pandemie waren es 45 Prozent. Insgesamt habe die Qualität der Pflege laut Betroffenen dadurch deutlich abgenommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die öffentliche Aufmerksamkeit für die plötzlich als „LeistungsträgerInnen“ erkannten Pflegekräfte in Form des „Balkonklatschens“ fasste die Mehrheit der Interviewten negativ auf. Die allabendliche Geste fühlte sich für die Beklatschten „wie inkonsequentes, verärgerndes Getue an, da tatsächliche Veränderungen ausblieben“, heißt es in der Studie. Derartige Unterstützung hätte man sich lieber während der Kollektivvertrags-Verhandlungen gewünscht.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Sorge um Nachwuchs</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Dass es so wie bisher nicht weitergehen kann, ist mittlerweile auch bei den ArbeitgeberInnen angekommen. Gemeinsam fordern die Gewerkschaften GPA und vida sowie der Arbeitgeberverband Sozialwirtschaft Österreich, 10.000 Menschen aus der Arbeitslosigkeit zu holen, um in den Einrichtungen etwa Dokumentationspflichten oder das Fiebermessen von BesucherInnen zu übernehmen. Das Pflegepersonal solle sich wieder auf ihre Kernaufgabe konzentrieren können. Außerdem fordern die drei Verbände eine monatliche Zulage von 150 Euro netto für alle Beschäftigten im privaten Pflege- und Betreuungsbereich.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p> „Um den Beruf auch für junge Menschen oder QuereinsteigerInnen attraktiv zu machen, muss Personen in Umqualifizierungsmaßnahmen ein Mindesteinkommen von 1.300 Euro netto garantiert sein“ </p><cite>Eva Scherz</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Um dem Personalmangel in der Branche langfristig entgegenzuwirken, sollen im Rahmen einer zu gründenden Sozialwirtschaftsstiftung SchulungsteilnehmerInnen neben dem Arbeitslosengeld einen monatlichen Betrag von bis zu 400 Euro erhalten. „Um den Beruf auch für junge Menschen oder QuereinsteigerInnen attraktiv zu machen, muss Personen in Umqualifizierungsmaßnahmen ein Mindesteinkommen von 1.300 Euro netto garantiert sein“, fordert Eva Scherz von der GPA. Die Mittel dafür sollen aus dem COVID-19-Krisenbewältigungsfonds kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die Arbeitsbedingungen in der Pflege waren schon vorher psychisch und physisch äußerst herausfordernd“, kritisiert Scherz. Diese Situation habe sich seit März 2020 zusätzlich verschärft. Die geforderten Investitionen sollen dem unmittelbar Abhilfe schaffen – und den Beruf auch in Zukunft wieder attraktiver machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Davon, dass unter diesen Bedingungen der Nachwuchs ausbleiben wird, ist auch Jana Stefan überzeugt und warnt vor einem baldigen „Notstand“: „Wenn sich nichts tut, dann ist sehr, sehr bald Schicht im Schacht!“.</p>



<div class="wp-block-group blauebox"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow">
<h4 class="wp-block-heading">Worte Reichen nicht – die Forderungen der GPA für den Sozialbereich:</h4>



<ul class="wp-block-list"><li>Ein monatlicher steuerfreier Bonus von 150 Euro für Beschäftigte im privaten Gesundheits-, Sozial-, Pflege- und Bildungsbereich als Anerkennung für zusätzliche Schwerstarbeit.</li><li>Generell wird natürlich auch eine bessere Bezahlung gefordert.</li><li>Ein zusätzlicher freier Tag pro Monat für alle. Dieser Erholungstag soll gemeinsam mit der Wochenendruhe konsumiert werden.</li><li>Die GPA-Forderung nach Arbeitszeitverkürzung bleibt aufrecht.</li><li>Helfende Hände fehlen! Die GPA setzt sich für die Schaffung von 20.000 Arbeitsplätzen im Support-Bereich ein: Jobs werden vom Träger bereitgestellt, von der öffentlichen Hand finanziert. Das qualifizierte Personal soll um 20 Prozent aufgestockt werden.</li><li>Ohne PraktikantInnen gibt es in Betrieben keine reibungslosen Abläufe. Eine faire Bezahlung von zumindest 950 Euro soll endlich Gerechtigkeit schaffen.</li><li>mehr unter&nbsp;<a href="https://worte-reichen-nicht.at/" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="https://worte-reichen-nicht.at/ (öffnet in neuem Tab)">https://worte-reichen-nicht.at/</a></li></ul>
</div></div>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Corona lässt Arm und Reich noch weiter auseinanderdriften</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2021/02/23/corona-laesst-arm-und-reich-noch-weiter-auseinanderdriften/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Evelyn Holley-Spiess]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Feb 2021 15:50:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Verteilung]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Emanuel List]]></category>
		<category><![CDATA[Erbschaftssteuer]]></category>
		<category><![CDATA[Evelyn Holley-Spiess]]></category>
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		<category><![CDATA[Wirtschaftsuniversität]]></category>
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					<description><![CDATA[Rekordwerte am Aktienmarkt, tiefer Einbruch in der Realwirtschaft verbunden mit historisch hoher Arbeitslosigkeit: Österreich ist gefordert „Vermögen oder Kapitaleinkommen stärker zu besteuern“, um der zunehmenden Einkommensungleichheit entgegen zu wirken, sagt Emanuel List, Ökonom an der Wiener Wirtschaftsuniversität.]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Rekordwerte am Aktienmarkt, tiefer Einbruch in der Realwirtschaft verbunden mit historisch hoher Arbeitslosigkeit: Österreich ist gefordert „Vermögen oder Kapitaleinkommen stärker zu besteuern“, um der zunehmenden Einkommensungleichheit entgegen zu wirken, sagt Emanuel List, Ökonom an der Wiener Wirtschaftsuniversität.</strong></p>



<span id="more-16346"></span>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>KOMPETENZ: </strong>Sie haben sich intensiv mit der Entwicklung der Einkommen in Österreich beschäftigt und zuletzt in einer Studie den Zeitraum von 2004 bis 2016 analysiert. Schon damals ist die Schere deutlich auseinandergegangen: Die einkommensstärksten zehn Prozent der Bevölkerung haben mehr als das Dreifache des Durchschnitts verdient. Welche Verhältnisse werden wir nach der Corona-Pandemie haben?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Emanuel List:</strong> Wir sehen, dass die Wirtschaft gerade auch in Österreich sehr deutlich eingebrochen ist. Und diesmal ist der Dienstleistungssektor sehr stark betroffen. Die Corona-Krise hat einen anderen Charakter als die Finanzkrise 2008. Salopp gesagt, ist damit zu rechnen, dass sich die Ungleichheit weiter auseinander entwickelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>KOMPETENZ:</strong> Was unterscheidet die aktuelle Pandemie mit all ihren Auswirkungen von der Finanzkrise 2008/2009?</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>&#8222;Wenn man sich hier (im Billionaires-Index) die Top-Positionen aus dem Jahr 2020 ansieht, ist nach den zuletzt verfügbaren Daten das Vermögen von Jeff Bezos um 48 Prozent gestiegen, bei Elon Musk um 338 Prozent, bei Bill Gates sind es 15 Prozent.&#8220;</p><cite>Emanuel List</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Emanuel List:</strong> Ein Ergebnis unserer Studie war, dass während der Finanzkrise die Einkommen beim reichsten Prozent der Bevölkerung um 17 Prozent  &#8211; und damit überproportional &#8211; zurückgegangen sind. Das rührt daher, dass in dieser Gruppe die Einkommen aus Kapital einen hohen Anteil von 50 Prozent und mehr ausmachen. Dazu zählen Zinsen, Dividenden oder auch Unternehmensgewinne, die damals stark eingebrochen sind. Die Ungleichheit bei den Einkommen hat dadurch vorübergehend abgenommen. Jetzt haben wir eine ganz andere Situation: Im Zuge der Pandemie ist es zuerst zwar auch am Aktienmarkt nach unten gegangen. Inzwischen gibt es hier aber wieder eine deutliche Erholung, zum Teil sogar Rekordwerte. Das zeigt sich auch im sogenannten Billionaires-Index von Bloomberg, der die weltweit 500 reichsten Menschen ranked. Wenn man sich hier die Top-Positionen aus dem Jahr 2020 ansieht, ist nach den zuletzt verfügbaren Daten das Vermögen von Jeff Bezos um 48 Prozent gestiegen, bei Elon Musk um 338 Prozent, bei Bill Gates sind es 15 Prozent. Auch zwei Österreicher befinden sich in diesem Index: Dietrich Mateschitz und Johann Graf. In diesen Fällen sind die Vermögen um 29 Prozent beziehungsweise 62 Prozent im Vorjahr gestiegen. Da stellt sich für mich schon die Frage, ob sich die Dynamik hier nicht verselbstständigt?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>KOMPETENZ:</strong> Wie kommt es zu dieser rasanten Erholung am Aktienmarkt?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Emanuel List:</strong> Zum einen ist das sicher eine Art self fulfilling prophecy.&nbsp; Vereinfacht gesagt: Wenn es viel Vermögen gibt und auch aufgrund des Niedrigzinsumfeldes die Leute am Aktienmarkt investieren wollen, dann strömt hier immer mehr Geld hinein und der Aufwärtstrend ist per Definition gegeben. Zum anderen blickt der Aktienmarkt tendenziell immer ein bisschen weiter in die Zukunft und da gibt es mitunter sehr positive Prognosen. Persönlich denke ich aber, dass es langfristig schwierig wird, bis sich auch die unteren Einkommensschichten wieder erholen und entsprechend neue Arbeitsplätze entstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>KOMPETENZ:</strong> Damit sind wir beim Kern des Problems: An welchen Schrauben müsste gedreht werden, um eben diese Erholung der unteren Einkommen zu erreichen und in weiterer Folge zu mehr Verteilungsgerechtigkeit zu kommen?</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>&#8222;Die Vermögensbestände sind stark im obersten Segment konzentriert. Die logische Schlussfolgerung wäre, dass wir gerade in Österreich viel Potenzial hätten, Vermögen oder Kapitaleinkommen stärker zu besteuern.&#8220;</p><cite>Emanuel List</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Emanuel List:</strong> Was wir in unserer Studie gesehen haben ist, dass die Kapitaleinkommen viel höher ausfallen, als man bisher gedacht hat. Sie spielen eine tragende Rolle, wenn es um die Einkommensungleichheit geht. Die Vermögensbestände sind stark im obersten Segment konzentriert. Die logische Schlussfolgerung wäre, dass wir gerade in Österreich viel Potenzial hätten, Vermögen oder Kapitaleinkommen stärker zu besteuern. Denn der Faktor Arbeit ist bereits sehr hoch besteuert. Dazu kommt, dass in der aktuellen Situation Schulden aufgenommen werden, um die Corona-Krise zu bewältigen. Wir müssen uns überlegen, wie wir das bezahlen. Vor diesem Hintergrund schlagen auch die OECD und der internationale Währungsfonds in letzter Zeit immer wieder vor, dass sich gerade Österreich verstärkt der vermögensbezogenen Besteuerung widmen muss. Österreich ist in diesem Punkt im Vergleich der OECD-Länder relativ weit unten angesiedelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>KOMPETENZ:</strong> Wo konkret könnte angesetzt werden?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Emanuel List:</strong> Einerseits könnte es um einen Ansatz gehen, der immer wieder als Reichensteuer bezeichnet wird – also eine Vermögenssteuer, die ab einer bestimmten Grenze eingezogen und einmal jährlich abgeführt wird. Dieses Modell könnte stark progressiv gestaltet werden, weil die Vermögensverteilung entsprechend nach oben hin zunimmt. Andererseits ist die Lieblingssteuer der Ökonomen bei solchen Debatten die Erbschaftssteuer, da es sich um ein leistungsloses Einkommen handelt. Die Abwehrhaltung in der Bevölkerung ist hier aber relativ groß.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>KOMPETENZ:</strong> Ein anderes Problem, das nicht zuletzt aufgrund der Corona-Krise in den Fokus rückt, ist der Arbeitsmarkt. Wir erleben derzeit eine historische Arbeitslosigkeit, hundertausende Menschen sind zudem in Kurzarbeit. Gehört es zur Verteilungsgerechtigkeit, vor diesem Hintergrund über Arbeitszeitverkürzung und eine neue Art der Arbeitsverteilung nachzudenken?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Emanuel List:</strong> Ich finde es sehr begrüßenswert, dass über solche Modelle und wirtschaftspolitisch große Ideen diskutiert und nachgedacht wird. Es kann ein interessantes Instrument sein, wenn die Einkommenshöhe entsprechend geschützt wird. Wichtig ist, solche Modelle gut durchzudenken, damit sie wirtschaftlich verkraftbar sind. Wir haben in Österreich aber das Glück, dass die Produktivität im internationalen Vergleich sehr hoch ist. Daher hätten wir im internationalen Wettbewerb eine gute Basis.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>KOMPETENZ:</strong> In Ihrer Studie weisen Sie darauf hin, dass die Einkommensungleichheit in Österreich durch funktionierende Sozialleistungen zum Teil abgefedert wird. Wenn wir beim Arbeitsmarkt bleiben, stellt sich die Frage: Braucht es eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Emanuel List:</strong> Das wäre aus meiner Sicht ein richtiger Schritt. Zum einen gibt es eine moralische Komponente, wenn so viele Menschen unverschuldet arbeitslos werden. Zum anderen hat es aus wissenschaftlicher Sicht viele Vorteile die unteren Einkommen zu stabilisieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>KOMPETENZ:</strong> Jüngere Menschen unter 30 waren laut Ihrer Studie schon in der Vergangenheit besonders von der Einkommensungleichheit betroffen. Diese Bevölkerungsgruppe erwischt es jetzt in der Corona-Krise noch einmal, wenn etwa der Berufseinstieg nicht gelingt. Was kann man tun?</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>&#8222;Die Probleme werden hier weiter zunehmen. Aus der ökonomischen Forschung ist bekannt, dass diese negativen Schocks in der Jugend &#8211; wenn man noch in der Schule ist oder danach sehr lange Job sucht &#8211; sich sehr deutlich auf das weitere Leben auswirken können.&#8220;</p><cite>Emanuel List</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Emanuel List:</strong> Das stimmt. Die Probleme werden hier weiter zunehmen. Aus der ökonomischen Forschung ist bekannt, dass diese negativen Schocks in der Jugend &#8211; wenn man noch in der Schule ist oder danach sehr lange Job sucht &#8211; sich sehr deutlich auf das weitere Leben auswirken können. Es wird also wichtig sein, auf diese Gruppe acht zu geben. Ich beobachte, dass schon die ersten Wortmeldungen auftauchen, wonach die Staatsschulden so stark steigen und wir sparen müssen, weil es unfair wäre, diese Schuldenlast an die nächste Generation weiterzugeben. Da kann ich nur sagen: Es werden nicht nur Schulden vererbt. Denn mit dem Geld werden schließlich auch Investitionen getätigt und Chancen für junge Leute geschaffen wie Ausbildungsplätze oder Jobmaßnahmen. Dieses Gegensteuern ist enorm wichtig.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<div class="wp-block-group blauebox"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow">
<div class="wp-block-group blauebox"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow">
<h4 class="wp-block-heading"><strong>Zur Person: </strong></h4>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Emanuel List</strong>&nbsp;ist Ökonom am Forschungsinstitut Economics of Inequality (WU Wien) und Doktorand am Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in Düsseldorf.&nbsp;Er ist Co-Autor der <a href="https://wid.world/news-article/distributional-national-accounts-dina-for-austria-2004-2016/" aria-label="Studie &#8222;Ungleichheit des Einkommens größer als angenommen“">Studie &#8222;Ungleichheit des Einkommens größer als angenommen“</a>&nbsp;</p>
</div></div>
</div></div>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Entwicklung bei Einkommen völlig aus der Balance</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2020/12/21/entwicklung-bei-einkommen-voellig-aus-der-balance/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Evelyn Holley-Spiess]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Dec 2020 10:27:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2021/01]]></category>
		<category><![CDATA[Verteilung]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Wirtschaftsuniversität]]></category>
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					<description><![CDATA[Eine aktuelle Studie der Wirtschaftsuniversität zeigt, dass die Einkommen noch ungeleicher verteilt sind, als bisher angenommen. Die Corona-Krise wird die Schere zwischen Arm und Reich noch weiter aufgehen lassen.]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Eine <a href="https://wiiw.ac.at/inequality-in-austria-is-higher-than-expected-n-468.html" aria-label="aktuelle Studie der Wirtschaftsuniversität">aktuelle Studie der Wirtschaftsuniversität</a> zeigt, dass die Einkommen noch ungleicher verteilt sind, als bisher angenommen. Die Corona-Krise wird die Schere zwischen Arm und Reich noch weiter aufgehen lassen.</strong></p>



<span id="more-15787"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist eine Studie mit Sprengkraft – sowohl was die Vergangenheit betrifft, als auch die Einschätzungen für die Zukunft: Die Ungleichheit bei den Einkommen in Österreich ist weitaus größer als bislang angenommen und erreicht, salopp formuliert, amerikanische Verhältnisse. Demnach verdienen die einkommensstärksten zehn Prozent der österreichischen Bevölkerung mehr als das Dreifache des Durchschnitts und siebenmal mehr als die einkommensschwächste Bevölkerungshälfte. Zu diesem Ergebnis kommen Ökonomen der Wirtschaftsuniversität Wien (WU) und des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw), die den Zeitraum von 2004 bis 2016 unter die Lupe genommen haben. Damit nicht genug: Die Corona-Pandemie und die tiefen Spuren dieser Krise am Arbeitsmarkt, werden nach Einschätzung der Experten dazu führen, dass die Einkommen zwischen Arm und Reich weiter auseinanderdriften.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Emanuel List, einer der Studienautoren an der WU, fasst die Ergebnisse der Analyse wie folgt zusammen: „Eigentlich wurde eine Annahme bestätigt, die wir schon erwartet hatten: Die Kapitaleinkommen spielen hier eine große Rolle. Die Ungleichheit wird stark durch diesen Faktor getrieben.“ Gemeint ist damit die Tatsache, dass Einkommen aus Zinsen und Dividenden aber auch Unternehmensgewinne sehr stark konzentriert sind &#8211; stärker als mancher vermuten würde. Bei den reichsten zehn Prozent machen sie mehr als ein Drittel, beim reichsten Prozent sogar mehr als 50 Prozent aus.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Unterschiedliche Folgen</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Verteilung erklärt auch, warum die Ungleichheit im Zuge der Finanzkrise 2008 vorübergehend abgenommen hat: Kapitaleinkommen und Unternehmensgewinne sind damals besonders stark eingebrochen. Das verhält sich bei der aktuellen Corona-Pandemie anders wie Co-Autor Stefan Jestl von der WU erklärt: „Im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 konnten wir einen substanziellen Rückgang der Kapitaleinkommen beobachten &#8211; somit ist auch die Ungleichheit kurzfristig gesunken. Die aktuelle Krise hat einen etwas anderen Charakter: Wie in den meisten Krisen sind besonders untere Einkommensschichten von Arbeitslosigkeit betroffen, wir konnten jedoch eine rasante Erholung am Aktienmarkt beobachten. Dieser Umstand deutet aus derzeitiger Sicht auf einen Anstieg der Einkommens- und Vermögensungleichheit hin.“ Nicht zuletzt der zweite Lockdown hat die Lage am Arbeitsmarkt weiter verschärft und die Prognosen für 2021 noch schwieriger gemacht.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Junge am stärksten betroffen</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Für den Großteil der ÖsterreicherInnen stagnierte das reale Einkommen in den untersuchten zwölf Jahren. Besonders hart trifft es junge Menschen unter 30. List dazu: „Bei den Jungen stellen wir tatsächlich einen negativen Pfad fest. Die Einkommensentwicklung ist real gefallen.“ Die Gründe dafür sind nicht eindeutig herauszufiltern &#8211; die Einschätzung, dass es für Berufseinsteiger und jüngere Personen offenbar schwer ist, gut bezahlte Jobs zu finden, liegt aber nahe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Insgesamt verbessert sich die Situation durch funktionierende Sozialleistungen. So zeigt die Analyse der Ökonomen auch, dass der Großteil der Bevölkerung von der bestehenden Umverteilung – etwa im Bildungs- und Gesundheitssystem sowie im sozialen Wohnungsbau – profitiert. Darunter fallen Sachleistungen oder staatliche Dienstleistungen, die grundsätzlich allen BürgerInnen zur Verfügung stehen und die die verfügbaren Einkommen steigen lassen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Mit den enorm teuren Rettungspaketen werden nicht nur die Unternehmen gerettet, sondern indirekt auch die Privatvermögen der Eigentümer. An einer Millionärssteuer führt daher kein Weg vorbei.</p><cite>David Mum</cite></blockquote>



<h4 class="wp-block-heading">Auftrag an die Politik</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die Autoren haben für die Erhebung eine neue Methode eingesetzt und erstmals Daten aus Befragungen und dem Steuerregister mit Daten aus der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung verknüpft. Damit sollen die Ergebnisse präziser und vor allem mit anderen Ländern besser vergleichbar gemacht werden. Was die jüngsten Erkenntnisse für die heimische Wirtschaftspolitik bedeuten, ist für David Mum, Leiter der Grundlagenabteilung in der GPA, klar: „Die Studie zeigt eines sehr deutlich: Kapitaleinkommen spielen nur bei den höchsten Einkommensgruppen eine relevante Rolle, sie sind also bei den Reichen konzentriert. Für die „unteren 90“ Prozent machen sie nie mehr als ein Zehntel des Einkommens aus. Es ist daher ungerecht, dass Kapitaleinkommen im Gegensatz zu Lohneinkommen nicht progressiv, sondern begünstigt besteuert werden &#8211; meist nur mit 25 Prozent. Sie sollten genauso hoch besteuert werden wie Arbeitseinkommen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">List sieht angesichts der Pandemie und der damit verbundenen „fast bedingungslosen“ Aufnahme von Schulden dringenden Handlungsbedarf: „Die staatlichen Maßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise sind unerlässlich und zu befürworten. Der Staatshaushalt wird dadurch aber enorm belastet. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns als Gesellschaft Gedanken dazu machen wie wir das finanzieren. Zuletzt wurde vom Internationalen Währungsfonds empfohlen, progressive Steuern auf höhere Einkommensstufen, Kapitaleinkommen und Vermögen zu forcieren. Das trifft in erster Linie Wohlhabende, die von der Krise weniger belastet sind. Die vermögensbezogenen Steuern, die in Österreich weit unter dem OECD-Durchschnitt liegen, könnten einen wichtigen Beitrag leisten.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mum erwartet von der Regierung außerdem eine Kurskorrektur: „Die geplanten Steuersenkungen für Kapitaleinkommen sind vor dem Hintergrund der Kosten der Rettungspakete und der Ungleichheit absolut inakzeptabel. Geringere Gewinnsteuern für Konzerne und eine Wiedereinführung der Steuerfreiheit für Kursgewinne bei Aktienverkäufen wären völlig kontraproduktiv.“ Und weiter: „Mit den enorm teuren Rettungspaketen werden nicht nur die Unternehmen gerettet, sondern indirekt auch die Privatvermögen der Eigentümer. An einem Beitrag der Millionäre durch eine Millionärssteuer führt daher kein Weg vorbei.“</p>
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		<title>Ungleichheit bei Einkommen schlimmer als gedacht</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2020/11/25/ungleichheit-bei-einkommen-schlimmer-als-gedacht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Evelyn Holley-Spiess]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Nov 2020 15:22:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Verteilung]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Einkommensschere]]></category>
		<category><![CDATA[Einkommensunterschied]]></category>
		<category><![CDATA[Einkommensverteilung]]></category>
		<category><![CDATA[Emanuel List]]></category>
		<category><![CDATA[Evelyn Holley-Spiess]]></category>
		<category><![CDATA[Ungleichheit]]></category>
		<category><![CDATA[Verteilungsgerechtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftsuniversität]]></category>
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					<description><![CDATA[Eine aktuelle Studie der Wiener Wirtschaftsuniversität zeigt, dass für den Großteil der ÖsterreicherInnen das reale Einkommen zwischen 2004 und 2016 stagnierte. Besonders Junge haben zu kämpfen.]]></description>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="584" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/11/pexels-suzy-hazelwood-1422673-1024x584.png" alt="" class="wp-image-15583" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/11/pexels-suzy-hazelwood-1422673-1024x584.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/11/pexels-suzy-hazelwood-1422673-300x171.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/11/pexels-suzy-hazelwood-1422673-150x86.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/11/pexels-suzy-hazelwood-1422673-768x438.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/11/pexels-suzy-hazelwood-1422673.png 1500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Foto: <strong>Suzy Hazelwood</strong> von <strong><a href="https://www.pexels.com/de-de/foto/ausbildung-bildung-brett-brettspiel-1422673/?utm_content=attributionCopyText&amp;utm_medium=referral&amp;utm_source=pexels" aria-label="Pexels">Pexels</a></strong><br></figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Eine aktuelle Studie der Wiener Wirtschaftsuniversität zeigt, dass für den Großteil der ÖsterreicherInnen das reale Einkommen zwischen 2004 und 2016 stagnierte. Besonders Junge haben zu kämpfen.</strong></p>



<span id="more-15576"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist eine <a href="https://wiiw.ac.at/inequality-in-austria-is-higher-than-expected-n-468.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="Studie (öffnet in neuem Tab)">Studie </a>mit Sprengkraft: Die Ungleichheit bei den Einkommen in Österreich ist weitaus größer als bislang angenommen und erreicht, salopp formuliert,  amerikanische Verhältnisse. Demnach verdienen die einkommensstärksten zehn Prozent der österreichischen Bevölkerung mehr als das Dreifache des österreichischen Durchschnitts und siebenmal mehr als die einkommensschwächste Bevölkerungshälfte. Zu diesem Ergebnis kommen Ökonomen der Wirtschaftsuniversität Wien (WU) und des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw), die den Zeitraum von 2004 bis 2016 unter die Lupe genommen haben. Dabei stellte sich heraus, dass die Finanzkrise 2008 die Ungleichheit zunächst verringert hat, seit dem Jahr 2012 geht die Einkommensschere aber wieder auseinander.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Emanuel List, einer der Studienautoren an der WU, fasst die Gründe für diese Entwicklung so zusammen: „Eigentlich wurde eine Annahme bestätigt, die wir schon erwartet hatten: Die Kapitaleinkommen spielen in diesem Zusammenhang eine große Rolle. Die Ungleichheit wird stark durch diesen Faktor getrieben.“ Gemeint ist damit die Tatsache, dass Einkommen aus Zinsen und Dividenden aber auch Unternehmensgewinne sehr stark konzentriert sind &#8211; stärker als mancher vermuten würde. Bei den reichsten zehn Prozent machen sie mehr als ein Drittel, beim reichsten Prozent sogar mehr als 50 Prozent aus. Das erklärt auch, warum das Auseinanderdriften bei den Einkommen im Zuge der Finanzkrise 2008 vorübergehend abgenommen hat: Kapitaleinkommen und Unternehmensgewinne sind damals besonders stark eingebrochen.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Junge am stärksten betroffen</strong><strong></strong></h4>



<p class="wp-block-paragraph">Für den Großteil der ÖsterreicherInnen stagnierte das reale Einkommen in den untersuchten zwölf Jahren. Besonders hart trifft es dabei junge Menschen unter 30 Jahren. List dazu: „Bei den Jungen stellen wir tatsächlich einen negativen Pfad fest. Die Einkommensentwicklung ist real gefallen.“ Die Gründe dafür sind nicht eindeutig herauszufiltern &#8211;  die Einschätzung, dass es für Berufseinsteiger und jüngere Personen offenbar schwer ist, gut bezahlte Jobs zu finden, liegt aber nahe.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Bei den Jungen stellen wir tatsächlich einen negativen Pfad fest. Die Einkommensentwicklung ist real gefallen.“</p><cite>Emanuel List</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Insgesamt verbessert sich die Situation durch funktionierende Sozialleistungen. So zeigt die Analyse der Ökonomen auch, dass der Großteil der Bevölkerung von der bestehenden Umverteilung – etwa im Bildungs- und Gesundheitssystem sowie im sozialen Wohnungsbau – profitiert. Darunter fallen Sachleistungen oder staatliche Dienstleistungen, die grundsätzlich allen BürgerInnen zur Verfügung stehen und die die verfügbaren Einkommen steigen lassen.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Auftrag an die Politik</strong></h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die Autoren haben für die Erhebung eine neue Methode eingesetzt und erstmals Daten aus Befragungen und dem Steuerregister mit Daten aus der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung verknüpft. Damit sollen die Ergebnisse präziser und vor allem mit anderen Ländern besser vergleichbar gemacht werden. Was die jüngsten Erkenntnisse für die heimische Wirtschaftspolitik bedeuten, beschreibt List wie folgt: „Gerade in der aktuellen Situation wo aufgrund der Corona-Krise fast bedingungslos Schulden aufgenommen werden, stellt sich die Frage, wie wir das zurückzahlen. Über vermögensbezogene Steuern nachzudenken ist vor diesem Hintergrund keine ideologische Forderung.“ Im Klartext: Ein Anziehen bei Vermögens- und Kapitalertragssteuern ist das Gebot der Stunde.&nbsp;</p>
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