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	<title>Buchtipp &#8211; KOMPETENZ-online</title>
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	<title>Buchtipp &#8211; KOMPETENZ-online</title>
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		<title>Ungleichheit lässt sich nicht nur mit Geld bemessen</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2025/04/08/ungleichheit-laesst-sich-nicht-nur-mit-geld-bemessen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexia Weiss]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 08 Apr 2025 09:12:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Buchtipp]]></category>
		<category><![CDATA[Verteilung]]></category>
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					<description><![CDATA[In ihrem eben erschienenen Buch „Mehr als Geld“ macht sich die Ökonomin und ORF-Journalistin Rosa Lyon auf die Suche, wie sich Ungleichheit zeigt. Sie zeigt dabei auf: Über Vermögen zu verfügen ist nur ein Steinchen des Mosaiks. Wie gut Menschen leben, hängt auch von vielen anderen Faktoren ab. Dabei spielt der Sozialstaat eine wichtige Rolle. [&#8230;]]]></description>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/04/Buchtipp-Rosa-Lyon-1-1024x576.png" alt="" class="wp-image-21799" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/04/Buchtipp-Rosa-Lyon-1-1024x576.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/04/Buchtipp-Rosa-Lyon-1-300x169.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/04/Buchtipp-Rosa-Lyon-1-150x84.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/04/Buchtipp-Rosa-Lyon-1-768x432.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/04/Buchtipp-Rosa-Lyon-1-1536x864.png 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2025/04/Buchtipp-Rosa-Lyon-1-2048x1152.png 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Grafik: GPA</figcaption></figure>



<p><strong>In ihrem eben erschienenen Buch „Mehr als Geld“ macht sich die Ökonomin und ORF-Journalistin Rosa Lyon auf die Suche, wie sich Ungleichheit zeigt. Sie zeigt dabei auf: Über Vermögen zu verfügen ist nur ein Steinchen des Mosaiks. Wie gut Menschen leben, hängt auch von vielen anderen Faktoren ab. Dabei spielt der Sozialstaat eine wichtige Rolle.</strong></p>



<span id="more-21792"></span>



<p>Reiche und arme Menschen in Karachi in Pakistan trennt etwas ganz Elementares: Wasser. Während in Pakistan wenige Familie reich und mächtig sind, sind Millionen von Menschen mittellos, schildert Lyon. In Karachi bedeutet das auch: etwa eine Million Menschen hat keinen Zugang zu sauberem Wasser. Es gibt zwar Wasserleitungen, aber aus dem Wasserhahn kommt trotzdem nichts. Eine Wassermafia zweigt das kostbare Nass aus den Hauptleitungen ab und verkauft es dann, je nach Qualität, zu hohen oder niedrigeren Preisen. Das günstigste Wasser macht allerdings krank. Die Menschen, die es kaufen, wissen das, sie können sich aber kein sauberes Wasser leisten. Die Superreichen wiederum können nur in „gated communities“ leben, sind in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt und müssen hohe Summen für Sicherheit ausgeben. Der fehlende Sozialstaat bedeutet nicht nur fehlende Grundversorgung für die einen, sondern auch mehr Kriminalität und damit Unsicherheit für die anderen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Sozialstaat wirkt ausgleichend</h4>



<p>Der Verdienst von Lyons Buch: an Hand vieler verschiedener Beispiel wie diesem setzt sie unterschiedliche Phänomene zueinander in Beziehung und zeigt auf, dass sich Ungleichheit auf vielen Ebenen zeigen kann. In Deutschland und Österreich ist zum Beispiel die Vermögensungleichheit größer als in vielen südeuropäischen Ländern. „Es geht hierzulande deswegen jedoch nicht ungerechter zu.“ Hier spielt etwa der soziale Wohnbau eine Rolle. Aber auch die Sozialversicherung ist ein wesentlicher Faktor. „Der Sozialstaat sorgt für viele Risiken vor, für die andernfalls Vermögen privat gebildet werden müssten.“ Zu solchen Risiken gehören zum Beispiel auch Unfälle, Erkrankungen, nicht mehr arbeiten zu können.</p>



<p>Wenn Menschen in anderen Ländern also mehr Geld angespart haben, bedeutet das nicht, dass ihre Lebensqualität höher ist. „Mehr Geld auf einem Bankkonto bedeutet keine soziale und ökonomische Verbesserung, wenn es für eventuelle medizinische Eingriffe verwendet werden muss, da es keine staatliche Gesundheitsversicherung gibt.“ Ländervergleiche dieser Art würden daher wenig Sinn machen. Es müssten immer auch die institutionellen Rahmenbedingungen mitgedacht werden.</p>



<p>In Ländern mit umfangreichen Sozialleistungen und einem progressiven Steuersystem, wie etwa in Skandinavien, sei die gemessene Ungleichheit niedrig, da der Staat ausgleichend agiere. Lyons Fazit: „Nicht nur die Zahlen auf dem Bankkonto sind wichtig. Es ist erheblich, ob leistbare Mietwohnungen und gute Arbeit zu finden sind, man einen gepflegten Park vor der Haustür findet und rasch einen Arzttermin bekommt, wenn man ihn braucht. Ungleichheit ist mehr als Geld.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Umverteilung nützt auch Wohlhabenden</h4>



<p>Die Autorin zeigt allerdings auf, dass ausgleichendes Eingreifen des Staates auch bereits Wohlhabenden zu Gute kommen kann. In Österreich werde bei Umverteilung zunächst an Unterstützungsleistungen wie das Arbeitslosengeld gedacht. Der Staat greife aber laufend ein und verteile Steuergeld in Form von Förderungen oder Hilfen. „Öfter als gemeinhin angenommen geschieht diese Umverteilung von unten nach oben“, so die Autorin. „Wer beispielsweise eine Bank rettet, rettet Einlagen, Konten. Aktionär:innen und Anleihen-Besitzer:innen. Menschen, die derlei Kapitalvermögen besitzen, sind kein repräsentativer Durchschnitt einer Bevölkerung. Bankenrettung kann man also getrost Umverteilung nach oben nennen.“ Ein anderes Beispiel sei die Förderung von Elektroautos.</p>



<p>Und Lyon zeigt auch auf: Erben wird immer wichtiger. Das bereits erarbeitete Vermögen übertreffe mittlerweile um ein Vielfaches, was heute in einem Jahr von uns allen erarbeitet werde. Deshalb würden auch in Österreich und Deutschland die eigene Arbeit und die Ersparnisse daraus an Bedeutung für die Vermögensbildung verlieren. Relevanter sei hier, was vererbt und geerbt werde. „Zugespitzt formuliert: Arbeit lohnt sich immer weniger.“</p>



<p>Was Lyon mit ihrem Buch erreichen möchte, formuliert sie im Vorwort so: einen Raum zu bieten, die vielfältigen Perspektiven auf Ungleichheit zu verstehen und wissenschaftliche Erkenntnisse so darzustellen, dass sie die Tiefe und die Nuancen des Themas zeigen. Damit möchte sie eine Grundlage für eine reflektierte Diskussion bieten. Das ist ihr mit „Mehr als Geld“ gelungen. Einprägsame Beispiele, auch aus der Populärkultur, schaffen zudem einen leichten Zugang, auch sprachlich bemüht sie sich um gute Verständlichkeit. Am Ende weiß der Leser, die Leserin: Ungleichheit bedeutet in Europa etwas anderes als in einem Entwicklungsland, Ungleichheit muss nicht immer etwas Negatives bedeuten, aber eben auch: Ungleichheit lässt sich nicht nur finanziell bewerten, sondern bedeutet etwa auch, dass Bildung – wie in Österreich immer noch tendenziell der Fall – vererbt wird, Kinder von Akademiker:innen also eher auch selbst eine Universität besuchen werden als Söhne und Töchter von Pflichtschulabsolvent:innen.</p>



<p><strong>Rosa Lyon</strong>: <a style="font-weight: bold;" href="https://www.brandstaetterverlag.com/buch/mehr-als-geld/" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="Mehr als Geld (öffnet in neuem Tab)">Mehr als Geld</a>: <strong>Warum Ungleichheit unsere Zukunft bedroht</strong><br>Verlag Brandstätter, Wien 2025, 176 Seiten, ISBN 978-3-7106-0857-5, 25 Euro</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Österreicher findest‘ für die Arbeit keine</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2024/09/30/oesterreicher-findest-fuer-die-arbeit-keine/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Barbara Lavaud]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Sep 2024 11:29:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Buchtipp]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsbedingungen]]></category>
		<category><![CDATA[Ausbeutung]]></category>
		<category><![CDATA[Barbara Lavaud]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Freie Dienstnehmer]]></category>
		<category><![CDATA[Johannes Gress]]></category>
		<category><![CDATA[Plattformarbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
		<category><![CDATA[sexuelle Belästigung]]></category>
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					<description><![CDATA[In ‚Ausbeutung auf Bestellung‘ beschreibt Johannes Greß die prekären Arbeitsbedingungen von Essens- und Paketzusteller:innen, Forstarbeiter:innen und Reinigungskräften. Berufe, die für unsere Gesellschaft unverzichtbar sind, aber trotzdem von Ausbeutung geprägt werden. Wer sich an einem regnerischen Sonntagabend &#8211; wenn man wirklich nicht mehr vor die Tür gehen will! &#8211; seinen Burger direkt nach Hause liefern lassen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="576" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/09/Buchtipps_Gress-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-21322" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/09/Buchtipps_Gress-1024x576.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/09/Buchtipps_Gress-300x169.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/09/Buchtipps_Gress-150x84.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/09/Buchtipps_Gress-768x432.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2024/09/Buchtipps_Gress.jpg 1500w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p><strong>In ‚Ausbeutung auf Bestellung‘ beschreibt Johannes Greß die prekären Arbeitsbedingungen von Essens- und Paketzusteller:innen, Forstarbeiter:innen und Reinigungskräften. Berufe, die für unsere Gesellschaft unverzichtbar sind, aber trotzdem von Ausbeutung geprägt werden.</strong></p>



<span id="more-21311"></span>



<p>Wer sich an einem regnerischen Sonntagabend &#8211; wenn man wirklich nicht mehr vor die Tür gehen will! &#8211; seinen Burger direkt nach Hause liefern lassen möchte, hat mehrere Apps zu Auswahl für diesen bequemen Service. Bei schlechtem Wetter oder Krankheit nehmen einem die Essenszusteller:innen den Einkauf und die Arbeit in der Küche ab. Doch die Menschen, die per Fahrrad oder Moped die warme Mahlzeit zur Kundschaft bringen, sind sogenannte Freie Dienstnehmer:innen, die unter prekären Bedingungen nur mühsam ihren Lebensunterhalt verdienen.</p>



<p>Dieses Geschäftsmodell nennt sich ‚Plattformarbeit‘. Die Lieferdienste als Betreiber der Plattformen vermitteln zwischen Kunde:innen und Zusteller:innen – und können auf diesem Weg das Arbeitsrecht umgehen. Denn Freie Dienstnehmer:innen gelten als selbständig, müssen sich entsprechend selbst versichern, haben keinen Anspruch auf bezahlten Urlaub oder Krankenstand und ihr ohnehin niedriges Einkommen schwankt je nach Auftragslage.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Vorgehen gegen Missstände notwendig</h4>



<p>Johannes Greß beleuchtet in seinem neuen Buch ‚Ausbeutung auf Bestellung‘ die Arbeitsbedingungen von Menschen in Branchen, die auf Ausbeutung und strukturellem Rassismus bzw. Ausgrenzung basieren. In diesen Branchen arbeiten ungarische Paketzusteller in Österreich bis zu 17 Stunden täglich, syrische Essenslieferanten schuften für sechs Euro pro Stunde. In den letzten Jahren kamen in heimischen Wäldern mehr als ein Dutzend rumänische Forstarbeiter ums Leben. Indische Reinigungskräfte beklagen sexuelle Übergriffe, während sie ohne Papiere die Wohnungen von Diplomat:innen und anderen wohlhabenden Kund:innen putzen. Greß hat mit Menschen gesprochen, denen sonst niemand zuhört und er zeichnet ein eindrückliches Bild der Ausbeutungsverhältnisse, die sie täglich ertragen müssen.</p>



<p>Zugleich sind all diese Betroffenen für das Funktionieren der österreichischen Gesellschaft unverzichtbar, sei es in der Pflege, in der Gastronomie, in der Landwirtschaft oder in der Reinigungsbranche. Doch sie haben keine Lobby, ihre Stimmen sind marginalisiert. Greß zeigt auf, wie Unternehmen in Österreich durch die Ausbeutung von Migrant:innen Profit erwirtschaften – und wie wir alle letztlich den Preis dafür bezahlen. Um daran etwas zu ändern, braucht es neue gewerkschaftliche Strategien, die über Betriebsräte und Kollektivverträge hinausgehen. Das Buch fordert nicht nur ein Umdenken, sondern auch neue politische Ansätze, um gegen diese Missstände vorzugehen.</p>



<div class="wp-block-group blauebox"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<p><strong>Johannes Greß</strong> arbeitet als freier Journalist in Wien zu prekären Arbeitsbedingungen und zur ökologischen Krise im Spannungsfeld von Politik, Wirtschaft, Arbeit, öffentlicher Raum und Demokratie. Er schreibt u.a. für den Standard, die Zeit, Dossier, Arbeit &amp; Wirtschaft und auch regelmäßig für die ‚Kompetenz‘. Zuletzt erschien von ihm ‚Konsumideologie. Kapitalismus und Opposition in Zeiten der Klimakrise‘ (2022).</p>
</div></div>



<p></p>



<p><strong><a href="https://shop.oegbverlag.at/ausbeutung-auf-bestellung-9783990466971" data-type="link" data-id="https://shop.oegbverlag.at/ausbeutung-auf-bestellung-9783990466971" aria-label="Johannes Greß: Ausbeutung auf Bestellung">Johannes Greß: Ausbeutung auf Bestellung</a><br></strong>ÖGB Verlag<br>268 Seiten, 22,90 Euro<br>ISBN: 978-3-99046-697-1</p>



<p>Die <strong>Buchpräsentation</strong> findet am 3. Oktober um 18h30 in der FAKTory , 1010 Wien, Universitätsstraße 9, statt. Mehr dazu <a href="https://veranstaltung.akwien.at/de/ausbeutung-auf-bestellung" aria-label="hier">hier</a>.<br></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Buchtipp: Jagd im Wiener Netz</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2022/12/13/buchtipp-jagd-im-wiener-netz/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andrea Rogy]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 13 Dec 2022 15:14:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Buchtipp]]></category>
		<category><![CDATA[Amdrea Rogy]]></category>
		<category><![CDATA[Barbara Wimmer]]></category>
		<category><![CDATA[Kriminalroman]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein Wiener Star-Anwalt wird tot im Wald gefunden, in der Hand hält er einen Zettel mit einem Kreuz und einer mysteriösen Zahl. Rasch steht fest, dass nicht die anstrengende Joggingrunde die Ursache für sein Herzversagen war. Journalistin Stefanie Laudon wird von unbekannten Informanten mit Details zu dem Fall gefüttert und berichtet exklusiv. Die Geschichte zieht Krimi-Fans sofort in ihren Bann.  ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="576" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/12/Buchtipps_wimmer-1024x576.png" alt="" class="wp-image-19281" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/12/Buchtipps_wimmer-1024x576.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/12/Buchtipps_wimmer-300x169.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/12/Buchtipps_wimmer-150x84.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/12/Buchtipps_wimmer-768x432.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/12/Buchtipps_wimmer.png 1500w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p><strong>Ein Wiener Star-Anwalt wird tot im Wald gefunden, in der Hand hält er einen Zettel mit einem Kreuz und einer mysteriösen Zahl. Rasch steht fest, dass nicht die anstrengende Joggingrunde die Ursache für sein Herzversagen war. Journalistin Stefanie Laudon wird von unbekannten Informanten mit Details zu dem Fall gefüttert und berichtet exklusiv. Die Geschichte zieht Krimi-Fans sofort in ihren Bann.  </strong></p>



<span id="more-19280"></span>



<p>Mehrere Handlungsstränge führen letztlich zusammen – plötzlich fühlt sich die Journalistin selbst bedroht. Einst hatte sie über einen Pharma-Skandal berichtet, in Laudons Recherchen verdichten sich mögliche Verbindungen zum damaligen Hauptangeklagten. Unterstützung erhält die Vollblutjournalistin von ihrem Lebenspartner Paul, einem IT-Freak, der ihr vor Augen führt, wie leicht Computerhacker personenbezogene Daten aufspüren und diese gegen uns verwenden können.</p>



<p>In ihrem leicht lesbaren Roman verpackt Wimmer zahlreiche Fachinfos zur Datensicherheit und längst stattfindenden, illegalen Überwachungspraktiken in der Arbeitswelt und lässt einige aktuelle politische Bezüge einfließen. Es geht um Algorithmen, die &#8211; von den Arbeitnehmern unbemerkt &#8211; im Hintergrund ablaufen und Einfluss auf unser berufliches Fortkommen nehmen. Es geht auch um Cyber-Security und ein Bewusstsein darüber, welche Masse an Daten viele von uns über schlecht gesicherte soziale und berufliche Informationskanäle preisgeben, ohne sich darüber klar zu sein, dass IT-Experten diese Datenmassen leicht abrufen und für ihre Zwecke miteinander verknüpfen können.</p>



<p>Wimmer schafft es, in einem mitreißenden Plot Sozialkritik und differenzierte Anmerkungen zu aktuellen arbeitsrechtlichen und gesellschaftspolitischen Entwicklungen zu verpacken. Die Geschichte ist spannend und flüssig, überraschende Wendungen erzeugen den nötigen Nervenkitzel. Der hohe Wert von Qualitätsjournalismus schwingt inhaltlich mit. Am besten genießt man das Buch bei einer guten Tasse Kaffee, der auch bei den Protagonisten der Geschichte eine wichtige Rolle spielt.</p>



<p><strong><a href="https://www.gmeiner-verlag.de/buecher/titel/jagd-im-wiener-netz.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="Barbara Wimmer: Jagd im Wiener Netz (öffnet in neuem Tab)">Barbara Wimmer: Jagd im Wiener Netz</a></strong><br>GMEINER-Verlag<br>344 Seiten, 14,50 Euro<br>ISBN 978-3-8392-0269- 2</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Buchtipp: „Angst und Angstmacherei. Für eine Wirtschaftspolitik, die Hoffnung macht“</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2022/11/08/buchtipp-angst-und-angstmacherei-fuer-eine-wirtschaftspolitik-die-hoffnung-macht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Johannes Gress]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 08 Nov 2022 14:20:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Buchtipp]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Verteilung]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Energiekrise]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Markus Marterbauer]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Schürz]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Verteilungsgerechtigkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Markus Marterbauer und Martin Schürz analysieren in ihrem neuen Buch einen Klassenkampf von oben, der auf Angsttechniken setzt. Ihr Plädoyer: Das Gute Leben für Alle ist möglich – und finanzierbar!]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/Buchtipps_marterbauer_schuerz-1024x576.png" alt="" class="wp-image-19109" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/Buchtipps_marterbauer_schuerz-1024x576.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/Buchtipps_marterbauer_schuerz-300x169.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/Buchtipps_marterbauer_schuerz-150x84.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/Buchtipps_marterbauer_schuerz-768x432.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/11/Buchtipps_marterbauer_schuerz.png 1500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p><strong>Markus Marterbauer und Martin Schürz analysieren in ihrem neuen Buch einen Klassenkampf von oben, der auf Angsttechniken setzt. Ihr Plädoyer: Das Gute Leben für Alle ist möglich – und finanzierbar!</strong></p>



<span id="more-19108"></span>



<p>Armut ist nicht nur eine Nummer auf dem Konto. Armut bedeutet Stigma, Vorurteil, Entmutigung, Entmachtung, Apathie, Krankheit, Depression. Armut bedeutet Angst. An diesen sozialpsychologischen Befund knüpfen AK-Ökonom <a href="https://kompetenz-online.at/2021/03/02/die-lasten-der-covid-krise-sind-ungleich-verteilt/" aria-label="Markus Marterbauer">Markus Marterbauer</a> und Psychotherapeut <a href="https://kompetenz-online.at/2011/08/31/es-ware-ein-kleiner-beitrag-keine-enteignung/" aria-label="Martin Schürz">Martin Schürz</a> in ihrem unlängst veröffentlichten Buch „Angst und Angstmacherei“ (Verlag Zsolnay) an. Entsprechend dem Untertitel plädieren sie darin „Für eine Wirtschaftspolitik, die Hoffnung macht“.</p>



<p>Ökonom Marterbauer und Psychotherapeut Schürz üben sich in „Angst und Angstmacherei“ in einer Art Rollenspiel und verknüpfen auf knapp 400 Seiten die strukturelle (ökonomische) Ebene beständig mit der psychologischen (individuellen) Ebene. Entlang dieser Verknüpfung entwickeln sie ihre analytischen und normativen Argumente. Ihr Kernbefund: Angst ist politisch.</p>



<p>Was das bedeutet, breiten Marterbauer und Schürz anhand einer Vielzahl von Beispielen aus und sprechen dabei zahlreiche Themen an, die es nur selten – und falls doch: nicht in dieser Tiefe – in den gesellschaftlichen Diskurs schaffen: Der Scham, das Stigma, welche der Armut ankleben; die Selbstzweifel, die Apathie, die Entpolitisierung, die Hoffnungslosigkeit, welche daraus folgen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">„Vermögensverteidigungsindustrie“</h4>



<p>Die Autoren streichen dabei hervor: Gesellschaftliche und politische Entwicklungen entstehen nicht aus Zufall, wirtschaftliche Entwicklungen folgen keinen eisernen, quasi-naturwissenschaftlichen Gesetzen. Bei vermeintlichen „wirtschaftlichen Notwendigkeiten“ handelt es sich vielmehr um eine ideologische Strategie der Reichen und Vermögenden zur Verteidigung ihrer gesellschaftlichen Position. Dieser Klassenkampf von oben äußert sich in einer Vielzahl von Formen, angefangen bei dem Umstand, dass es über Reichtum und Vermögen nur wenig fundiertes Datenmaterial gibt. Dass man übers Geld in Österreich nur ungern spricht, gilt vor allem für die obersten Prozent der Vermögenspyramide. Und auch das, so argumentieren Marterbauer und Schürz, ist kein Zufall: Denn worüber die Gesellschaft wenig weiß, darüber kann sie sich auch weniger empören.</p>



<p>Für das bisschen, was die Gesellschaft dennoch über die horrende Vermögensungleichheit in Österreich weiß – immerhin besitzt hierzulande das reichste Prozent bis zu 50 Prozent des Gesamtvermögens – haben sich die Benannten eine Art „Vermögensverteidigungsindustrie“ aufgebaut. Denn Reichtum äußert sich einerseits in Besitz (von Geld, Unternehmen, Luxusartikeln und Immobilien), andererseits in Einfluss auf Politik, Medien und gesellschaftliche Debatten.</p>



<p>Zu was diese Vermögensverteidigungsindustrie im Stande ist, durfte einer der Autoren unlängst am eigenen Leib erfahren. An seine Beileidsbekundung zum Tod von Multimilliardär Dietrich Mateschitz schloss Marterbauer auf Twitter eine Forderung nach einer Vermögenssteuer an. Die Antwort der „Vermögensverteidigungsindustrie“ folgte auf den Fuß: Das ÖVP-nahe Krawallmedium Exxpress geißelte Marterbauer für die angebliche Pietätlosigkeit seines „Hasspostings“. „Die Mehrheit“, behauptet das Magazin, trauere jedoch aufrecht um den honorigen Herrn Mateschitz – schließlich sei dieser nicht nur reich, sondern habe auch Hilfsprojekte in Afrika unterstützt.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Armut entpolitisiert</h4>



<p>Während sich Reiche – trotz ihres ungerechtfertigten Vermögens – der Anerkennung weiter gesellschaftlicher Schichten erfreuen, sind Arme laut Marterbauer und Schürz mit sozialer Ausgrenzung und existentiellen Ängsten konfrontiert – maßgeblich hervorgerufen und verstärkt durch den Abbau sozialstaatlicher (Mindest-)Standards in den vergangenen Jahrzehnten. „Wenig unterminiert politische Rechte und Freiheit mehr als Armut. Armut macht Angst und vereinzelt. Armut produziert Aussichts- und Hoffnungslosigkeit. Angst erschwert es, den Teufelskreis aus Armut und sozialer Ausgrenzung zu durchbrechen“.</p>



<p>Kapitel für Kapitel arbeiten sich die Autoren im Verlauf des Buches an den grundlegenden Themen (und Errungenschaften) des österreichischen Sozialstaates ab und zerpflücken dabei gängige, neoliberale Argumente, wieso ein solcher angeblich <em>zu teuer</em>, <em>leistungsfeindlich</em>, <em>ungerecht</em> oder <em>aus der Zeit gefallen</em> sei. Der Analyse des Politikfeldes fügen die Autoren jeweils eigene politische Forderungen hinzu und können dabei vor allem zeigen: Das Gute Leben für Alle ist finanzierbar!</p>



<p>Marterbauer und Schürz rechnen vor: „Nach unserer Einschätzung reichen […] etwa zwei Milliarden Euro, um dauerhafte Armut in Österreich weitgehend zum Verschwinden zu bringen. Dies ist nur etwa das Doppelte der aktuellen Kosten der Sozialhilfe und macht weniger als zwei Prozent aller Sozialausgaben aus“. Es mangelt nicht am Geld, sondern am politischen Willen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Jenseits des Sozialstaates?</h4>



<p>Insgesamt bewegt sich das das Buch zwischen wissenschaftlicher Analyse, sozialdemokratischem Grundsatzprogramm und einer nützlichen Handreiche für Diskussionen mit dem rechtskonservativen Unternehmeronkel für anstehende Familienfeiern rund um die Weihnachtsfeiertage. Es besticht dabei einerseits durch die Verknüpfung einer enormen empirischen Tiefe und theoretischer Reflexion. Dabei – und das ist keineswegs banal – kommen die Autoren ohne zeilenlange Schachtelsätze und hochgestochenes Fachvokabular aus, sondern schaffen es, inhaltlich Komplexes sprachlich nachvollziehbar zu vermitteln.</p>



<p>Das zu Beginn des Buches angemerkte Versprechen, man werde auch Perspektiven jenseits kapitalistischen Wirtschaftens anbieten, bleiben die Autoren leider weitgehend schuldig. Politische Forderungen beschränken sich meist auf Appelle an den (kapitalistischen) Staat bzw. den Ausbau des Sozialstaates. Gerade die Tradition (nicht-institutionalisierter) gewerkschaftlicher Streiks und Proteste, die politischen Errungenschaften anderer sozialer Bewegungen und politischer Gruppierungen geraten hierdurch aus dem Blickfeld.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Zum Buch:  </h4>



<p><strong><a href="https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/angst-und-angstmacherei/978-3-552-07311-1/" aria-label="Markus Marterbauer, Martin Schürz. „Angst und Angstmacherei. Für eine Wirtschaftspolitik, die Hoffnung macht“.">Markus Marterbauer, Martin Schürz. „Angst und Angstmacherei. Für eine Wirtschaftspolitik, die Hoffnung macht“.</a></strong><br>Erscheinungsdatum: 26.09.2022<br>384 Seiten<br>Zsolnay<br>Deutschland: 26,00 €<br>Österreich: 26,80 €</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Arbeit auf Augenhöhe</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2022/09/29/arbeit-auf-augenhoehe/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexia Weiss]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Sep 2022 10:39:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Arbeitsmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Buchtipp]]></category>
		<category><![CDATA[Alexia Weiss]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitskräftemangel]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitszeitverkürzung]]></category>
		<category><![CDATA[Fachkräftemangel]]></category>
		<category><![CDATA[Lena Maria Glaser]]></category>
		<category><![CDATA[New Work]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Fachkräftemangel lässt Arbeitgeber erkennen, dass sie ArbeitnehmerInnen mehr bieten müssen als einen Arbeitsplatz. Arbeit muss neu organisiert werden, damit sich Menschen in ihrem Job auch wohlfühlen. Und das funktioniert nur, wenn man die Belegschaft in diesen Prozess einer Neuordnung miteinbezieht, macht Lena Maria Glaser, Juristin und Expertin für Sachen New Work, in ihrem eben bei Kremayr &#038; Scheriau erschienenen Buch „Arbeit auf Augenhöhe“ klar.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/09/Buchtipps_lena-maria-glaser-1024x576.png" alt="" class="wp-image-18973" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/09/Buchtipps_lena-maria-glaser-1024x576.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/09/Buchtipps_lena-maria-glaser-300x169.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/09/Buchtipps_lena-maria-glaser-150x84.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/09/Buchtipps_lena-maria-glaser-768x432.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/09/Buchtipps_lena-maria-glaser.png 1500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p><strong>Der Fachkräftemangel lässt Arbeitgeber erkennen, dass sie ArbeitnehmerInnen mehr bieten müssen als einen Arbeitsplatz. Arbeit muss neu organisiert werden, damit sich Menschen in ihrem Job auch wohlfühlen. Und das funktioniert nur, wenn man die Belegschaft in diesen Prozess einer Neuordnung miteinbezieht, macht Lena Maria Glaser, Juristin und Expertin für New Work, in ihrem eben bei Kremayr &amp; Scheriau erschienenen Buch „Arbeit auf Augenhöhe“ klar.</strong></p>



<span id="more-18971"></span>



<p>Lena Maria Glaser weiß, wovon sie spricht. Acht Jahre lang hat sie als Juristin im Finanzministerium gearbeitet, doch dann hängte sie den sicheren und gut bezahlten Job an den Nagel. Manch einer und eine verstand das nicht. Sie aber erinnert sich: „Ich war nur mehr genervt, zugeschüttet mit Aufgaben, die ich nur widerwillig erledigte. In diesem Umfeld fühlte ich mich wie in einem goldenen Käfig, aus dem ich nicht ausbrechen konnte. Jeden Tag fuhr ich mit Bauchweh in die Arbeit.“</p>



<p>So wie ihr geht es vielen anderen auch, weiß sie heute. Mit ihrem Unternehmen Basically Innovative berät sie Betriebe, die an einer neuen Unternehmenskultur interessiert sind, arbeitet aber auch mit ArbeitnehmerInnen, die einerseits eine bessere Work-Life-Balance anstreben, vor allem aber im Beruf mehr Wertschätzung und mehr Mitgestaltungsmöglichkeit erleben möchten.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Nicht mehr abrackern</h4>



<p>In „Arbeit auf Augenhöhe“ skizziert sie den Paradigmenwechsel, der gerade zu beobachten sei. „Immer mehr Beschäftigte überlegen ihren Job zu kündigen, weil sie mit ihrer Arbeit unzufrieden sind. Lieber sind sie kurzfristig ohne Job, als sich für ihre Arbeitgeber:innen abzurackern“, schreibt Glaser. Als einen Katalysator sieht sie die Pandemie. Diese habe viele Menschen dazu gebracht, ihre Arbeitssituation kritisch zu hinterfragen. Und oft sei die Schlussfolgerung, dass sie so nicht mehr weiterarbeiten wollen. „Die Gründe sind vielfältig, aber einer ist sicher, dass immer mehr Beschäftigte erschöpft und leer sind.“</p>



<p>Gleichzeitig vollziehe sich durch den Arbeitskräftemangel in vielen Branchen eine Art Machtwechsel. „Arbeitgeber:innen bewerben sich bei den Mitarbeiter:innen und diese wählen dann sehr genau aus, für wen sie arbeiten wollen.“ Die Höhe des Gehalts sei nicht das allein Entscheidende. Sinn, Nachhaltigkeit, Wertschätzung und Mitgestaltung seien ebenso Ausschlag gebend wie flexible Arbeitsmodelle und Weiterbildungsmöglichkeiten. Ihre Generation – Glaser ist Jahrgang 1984 – sage: „Wir wollen eine faire, sozial nachhaltige Arbeitswelt, die nicht krank macht, in der die Menschen wachsen können und Sinn erkennen.“</p>



<p>Damit Arbeit auf Augenhöhe gelingt, seien beide Seiten gefordert: Unternehmen wie Belegschaft. ArbeitgeberInnen müssten zunächst ihren MitarbeiterInnen zuhören und ihre Ideen nicht vom Tisch wischen. Und Beschäftigte müssten lernen, sich ständig weiterzubilden und mit permanenter Veränderung zurechtzukommen. Der eine Job, den man ein Leben lang ausübe, dieses Modell habe ausgedient. Berufliche Umwege würden zur Norm, sodass sich am Ende viele die Arbeit schaffen, die zu ihnen passe.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Möglichkeiten im Job ausloten</h4>



<p>Wovon Glaser allerdings abrät: Sofort zu kündigen, wenn etwas störe. Sie ermutige vielmehr herauszufinden, wo innerhalb des bestehenden Jobs Möglichkeiten bestehen, die Arbeit für sich selbst zu verbessern. Das hat sie übrigens zunächst auch an ihrem Arbeitsplatz im Ministerium gemacht: Sie reduzierte die Arbeitszeit, sie ging für eine Zeitlang ins Ausland, sie organisierte kleine Büroparties. Sie versuchte auf vielen Ebenen etwas zu verändern: Am Ende passte es für sie persönlich dennoch nicht. Bei anderen reicht hingehen eine solche Veränderung vielleicht schon aus.</p>



<p>Was aber kennzeichnet New Work? Es ist eben eine Arbeitswelt auf Augenhöhe, in der Fairness gelebt und Wissen geteilt sowie Offenheit für neue Wege zugelassen wird. Ein wichtiger Faktor ist dabei Wertschätzung gegenüber MitarbeiterInnen, ein weiterer Partizipation. Beschäftigte müssen also in allen Prozessen, die ihre Arbeit betreffen, mitgestalten können. Eine neue Fehlerkultur sorgt dafür, dass Fehler nicht als Weltuntergang empfunden werden, denn wer Angst habe, Fehler zu machen, habe Hemmungen neue Ideen umzusetzen. Und die Expertin warnt vor dem „Innovationstheater“. Ein solches liege dann vor, wenn das Unternehmen Reformen vorgebe, ohne die MitarbeiterInnen einzubinden. Das Ergebnis: Die Beschäftigten werden mit zusätzlichen Aufgaben überrollt, es fehle oft an Strategie und Kommunikation.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Mehr Achtsamkeit</h4>



<p>Auf einer persönlichen Ebene rät Glaser ArbeitnehmerInnen, sich nicht zu scheuen, sich Wege zu suchen, wie sie, wie früher in der Kindheit, wieder ihre Kreativität ausleben können. Mehr Achtsamkeit im Hinblick auf die eigenen Kräfte helfe ebenso – hier gehe es um Pausen und darum, die persönlichen Belastungsgrenzen zu beachten. Sie selbst mache etwa täglich einen ausgiebigen Spaziergang, um den Kopf frei zu bekommen.</p>



<p>Die Expertin entwirft in ihrem Buch ein Idealmodell einer Arbeitswelt, die sowohl Arbeitgeber- als auch ArbeitnehmerInnenseite gerecht wird. Sie macht aber auch klar, dass es dabei nicht die eine Lösung gibt, die man über alle Betriebe und Institutionen drüberstülpen kann. Um den idealen Arbeitsplatz muss sich sowohl der Arbeitgeber als auch der/die einzelne MitarbeiterIn bemühen. Und genau dazu ermutigt Glaser in „Arbeit auf Augenhöhe“.</p>



<p><a href="https://www.kremayr-scheriau.at/bucher-e-books/titel/arbeit-auf-augenhoehe/" aria-label="Lena Marie Glaser: Arbeit auf Augenhöhe. Kremayr &amp; Scheriau, 2022.">Lena Marie Glaser: Arbeit auf Augenhöhe. Kremayr &amp; Scheriau, 2022.</a></p>
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		<title>Eine neue Schule für alle</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2022/09/22/eine-neue-schule-fuer-alle/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Barbara Lavaud]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Sep 2022 09:29:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Buchtipp]]></category>
		<category><![CDATA[Alexia Weiß]]></category>
		<category><![CDATA[Barbara Lavaud]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungsreform]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungssystem]]></category>
		<category><![CDATA[Ganztagssschule]]></category>
		<category><![CDATA[Gesamtschule]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
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					<description><![CDATA[Das österreichische Schulsystem wird oft kritisiert, aber wie könnte man es verbessern? Alexia Weiss hat mit ihrem Buch „Zerschlagt das Schulsystem...und baut es neu!“ einen Entwurf für die Schule der Zukunft vorgelegt. Sie verlangt einen radikalen Neuanfang. Für eine Schule, in der sich jedes Kind bestmöglich entfalten und lernen kann.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/09/Buchtipps_weiss-1024x576.png" alt="" class="wp-image-18968" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/09/Buchtipps_weiss-1024x576.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/09/Buchtipps_weiss-300x169.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/09/Buchtipps_weiss-150x84.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/09/Buchtipps_weiss-768x432.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/09/Buchtipps_weiss.png 1500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p><strong>Das österreichische Schulsystem wird oft kritisiert, aber wie könnte man es verbessern? Alexia Weiss hat mit ihrem Buch „Zerschlagt das Schulsystem&#8230;und baut es neu!“ einen Entwurf für die Schule der Zukunft vorgelegt. Sie verlangt einen radikalen Neuanfang. Für eine Schule, in der sich jedes Kind bestmöglich entfalten und lernen kann.</strong></p>



<span id="more-18967"></span>



<p>Alexia Weiss bezeichnet ihr Buch selbst zwar als eine Streitschrift, doch es kommt größtenteils ohne Polemik und das Anprangern von Missständen aus. Missstände beschreiben, so erklärt die Autorin, sei nicht zielführend, auch wenn viele das von einem Buch dieses Titels erwarten würden.</p>



<p>Weiss’ Ziel ist vielmehr, eine Vision für ein völlig neu aufgesetztes Schulsystem vorzulegen, ein Plädoyer, wie man die Dinge besser machen könnte. Sie fordert mehr als nur ein „Reförmchen“ oder einen neuen Schulversuch. Weiss entwickelt daher in ihrem kurz und eindringlich geschriebenen Buch ein ideales, zeitgemäßes Schulsystem und erklärt anschaulich und mit vielen Beispielen, was es dafür bräuchte. Es umfasst die Elementarpädagogik, die Volksschulzeit, die Sekundarstufe und das Gymnasium ebenso wie die berufsbildenden Schulen, also die Schullaufbahn aller Kinder zwischen drei und 18 oder 19 Jahren.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Chancengleichheit</h4>



<p>Die Devise muss heißen: Gleiche Chancen für jedes Kind, unabhängig von seiner ethnischen und sozialen Herkunft, seiner Muttersprache und natürlich von seinem Geschlecht. Als Vorbilder für Weiss’ ideale Schule führt sie die Montessoripädagogik, die jedem einzelnen Kind gerecht werden möchte, ebenso an wie Schulsysteme anderer Länder, wie z.B. Finnland. Um das Rad nicht neu erfinden zu müssen, helfen Best-Practice-Beispiele. Aber für Weiss gibt es nicht nur den einen Lösungsansatz, sie will mit ihrer Streitschrift eine Diskussion in Gang setzen.</p>



<p>Klar ist: es muss eine endgültige Abkehr vom Frontalunterricht geben und es braucht massive Motivationsarbeit, um SchülerInnen für Inhalte zu begeistern. Am Ende der jeweiligen Schullaufbahn soll ein Abschlusszeugnis die tatsächliche Qualifikation widerspiegeln – und nicht einfach nur ein formaler Abschluss sein, mit dem der oder die Jugendliche sich auf die Suche nach einer Lehrstelle, einen Studienplatz oder einen Job begibt.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Gesamtschule und Ganztagsschule</h4>



<p>Grundlegend für eine neue Schule sind die Gesamtschule und die Ganztagsschule, wo allen Kindern sowohl die nötige Geborgenheit, als auch ausreichend Freiheit geboten wird, wo sie ihre Stärken und ihre Persönlichkeit entwickeln können. Die Eckpfeiler eines neuen Schulsystems müssten einerseits pädagogischer Natur sein, aber auch organisatorischer Art. Es braucht neue Curricula und ein Kurssystem, damit individuelle Stärken sowie Interessen und Vorlieben berücksichtigt werden können. Kleinere Klassen- bzw. Lerngruppen würden Kindern deutlich bessere Lernchancen geben und zugleich die PädagogInnen entlasten.</p>



<p>Die Ganztagsschule wiederum ist aus pädagogischer Perspektive deutlich sinnvoller, weil sie die bestmögliche Betreuung bietet. Auch Nachhilfe bzw. Förderunterricht findet – gratis &#8211; in der Schule statt. Die Ganztagsschule würde auch den Eltern und v.a. den Müttern helfen, endlich Kinder und Erwerbstätigkeit unter einen Hut zu bekommen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Der Coach</h4>



<p>Ein zentraler Pfeiler ist in Weiss’ Entwurf für ein modernes Schulsystem der Coach. Das ist eine Person, idealerweise ein/e PsychologIn, die jede/n SchülerIn während der gesamten Schullaufbahn im Blick hat und sie begleitet. Der Coach beobachtet den Schulerfolg des Kindes. So bekommt jedes Kind Unterstützung, z.B. falls es Förderunterricht benötigt, oder aber auch wenn es Probleme in der Klassengemeinschaft gibt (Stichwort: Mobbing). Der Coach kennt das Kind schließlich gut genug, um auch bei der Auswahl von Fächern beratend zur Seite zu stehen und schließlich bei der Berufswahl Hilfestellung leisten zu können. Coaches sollen sicherstellen, dass jedes Kind sein Potential entfalten kann, bestmöglich gefördert wird und motiviert ist, individuell sein Bestes zu geben. Das ist v.a. bei SchülerInnen mit besonderen Bedürfnissen ganz zentral, oder aber auch bei Kindern mit mangelnden Deutschkenntnissen oder aus einem bildungsfernen Elternhaus. Die Coaches würden außerdem endlich die PädagogInnen entlasten, damit diese wieder ihrer eigentlichen Aufgabe, nämlich dem Unterricht und dem Vermitteln von Kompetenzen nachkommen können.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Elementarbildung</h4>



<p>Um Kinder bestmöglich fördern zu können, muss auch endlich der Kindergarten als erste Bildungseinrichtung in den Fokus rücken. Die Arbeitsbedingungen für ElementarpädagogInnen müssen dringend verbessert werden. Kleinere Gruppen und damit ein neuer Pädagogin-Kind-Schlüssels sind längst überfällig und v.a. die Sprachförderung sollte im Kindergarten im Zentrum stehen. Das Ziel ist, dass alle Kinder beim Schuleintritt über ein adäquates Sprachniveau verfügen.</p>



<p>Ein weiterer Bereich, der in einem erneuerten Schulsystem einen prominenten Platz bekommen sollte, ist für Weiss die Erziehung zur Demokratie. Diese Querschnittsmaterie lässt sich in Unterrichtsalltag gut üben, indem bereits mit sehr jungen Kindern Entscheidungen, die die Klasse betreffen, gemeinsam getroffen werden. Kinder sollen lernen, wie man in Diskussionen die Meinung des/der anderen respektiert, und was der Unterschied zwischen Fakten und Meinung ist.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Fit für den Arbeitsmarkt</h4>



<p>Mit dem jetzigen System ist eigentlich niemand zufrieden, weder die SchülerInnen, noch die LehrerInnen, und auch nicht die Eltern. Die Wirtschaft klagt ebenfalls über fehlende Grundkompetenzen bei SchulabsolventInnen, wie z.B. Defizite beim sinnerfassenden Lesen oder bei den Grundrechnungsarten. Viele Ausbildungsplätze oder Jobs werden derzeit nicht vergeben, weil es den KandidatInnen an Qualifikationen fehlt. Derzeit fallen daher immer mehr Jugendliche aus dem Ausbildungssystem oder verfügen über keinen Abschluss. Ein neues Schulsystem könnte daher jungen Menschen bessere Startchancen geben und sie fit für den Arbeitsmarkt machen, was den Sozialstaat langfristig entlasten würde.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Nicht finanzierbar?</h4>



<p>Dem Totschlagargument: „Das ist nicht finanzierbar“ hält Weiss die indirekten Kosten des derzeitigen ineffizienten Systems entgegen. Natürlich würde eine wirklich grundlegende Schulreform hohe Kosten mit sich bringen. Doch war es nicht in den letzten zwei Jahren möglich, enorme Summen für die Corona-Hilfen lockerzumachen? Investitionen in Bildung machen sich bezahlt, sowohl zur Bekämpfung von Arbeitslosigkeit, als auch für die Wirtschaft, die über Personalmangel klagt und in vielen Branchen nach gut ausgebildeten Fachkräften sucht. Umgekehrt müsste man hier auch die Folgekosten des derzeitigen schlechten Schulsystems beziffern.</p>



<p>„Wer eine gerechtere Gesellschaft will, muss ganz am Anfang ansetzen. Und der Anfang, das sind in diesem Fall die Kinder. Für sie müssen wir einen völligen Neuzugang wagen“, schließt Weiss ihr Plädoyer. Daher auch ihre radikale Forderung: „Zerschlagt das Schulsystem&#8230; und baut es neu!“</p>



<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile"><figure class="wp-block-media-text__media"><img loading="lazy" decoding="async" width="643" height="1024" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/09/1024-1631-643x1024.jpg" alt="" class="wp-image-18969 size-full" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/09/1024-1631-643x1024.jpg 643w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/09/1024-1631-188x300.jpg 188w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/09/1024-1631-94x150.jpg 94w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/09/1024-1631-768x1223.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/09/1024-1631-964x1536.jpg 964w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/09/1024-1631.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 643px) 100vw, 643px" /></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<p><strong>Alexia, Weiss</strong>: Zerschlagt das Schulsystem&#8230; und baut es neu! Eine Streitschrift. Kremayr &amp; Scheriau 2022.</p>



<p>Zu beziehen in der Fachbuchhandlung des ÖGB,  1010 Wien, Rathausstraße 21, oder <a href="https://besserewelt.at/zerschlagt-das-schulsystem-und-baut-es-neu" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="Online (öffnet in neuem Tab)">Online</a></p>
</div></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Buchtipp: „Das Büro ist der Tod“</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2022/06/20/buchtipp-das-buero-ist-der-tod/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christof Mackinger]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Jun 2022 14:19:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Buchtipp]]></category>
		<category><![CDATA[Alex Lippmann]]></category>
		<category><![CDATA[Burnout]]></category>
		<category><![CDATA[Christof Mackinger]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Roman]]></category>
		<category><![CDATA[Stress]]></category>
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					<description><![CDATA[Der neue Roman „Innere Gewalt“ des Wiener Autors Alex Lippmann beschreibt die deprimierende Arbeitswelt der Olivia Wolf. Deprimierend, weil sie kaum noch den Absprung schafft. Christof Mackinger hat ihn gelesen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Buchtipps_lippmann-1024x576.png" alt="" class="wp-image-18542" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Buchtipps_lippmann-1024x576.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Buchtipps_lippmann-300x169.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Buchtipps_lippmann-150x84.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Buchtipps_lippmann-768x432.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/06/Buchtipps_lippmann.png 1500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p><strong>Der neue Roman „Innere Gewalt“ des Wiener Autors Alex Lippmann beschreibt die deprimierende Arbeitswelt der Olivia Wolf. Deprimierend, weil sie kaum noch den Absprung schafft. Christof Mackinger hat ihn gelesen</strong>.</p>



<span id="more-18532"></span>



<p>„Sie scrollt seit 15 Minuten durch die Online-Gallerie der Sammlung und sucht nach diesem Bild, obwohl das absolut nichts mit ihrer Aufgabe zu tun hat. Sie könnte, sie sollte, sie müsste: schreiben, recherchieren, strukturieren, ein Dokument öffnen, jemanden anrufen – mit irgendwas beginnen. Sie hat nur zwei Tage Zeit für das Konzept. Aber sie fängt nicht an.“</p>



<p>Olivia Wolfs Leben ist, gelinde gesagt, beklemmend: Ihre Mutter leidet unter wiederholten Schüben einer psychischen Krankheit und setzt ihre Wohnung unter Wasser. Dies wiederum weiß eine windige Seelsorgerin auszunutzen – zumindest befürchtet das ihre Tochter. Olivias Freund, ein wenig erfolgreicher Musiker, weckt ihre Hoffnung auf eine stabile Zukunft mit Kind und Haus – und zerschlägt sie letztlich mit wenig vertrauenserweckenden Aktionen. Und dann ist da noch Olivias Arbeit. Die ihr Leben bestimmende, aber weitgehend langweilige Tätigkeit in einer PR-Agentur macht der jungen Frau wirklich zu schaffen. Sei es die Konkurrenz zu ihrem streberhaften Kollegen, der sich beim Chef einzuschleimen weiß, das ständig-erreichbar-Sein und die Langeweile im Büro, das Rausschieben unangenehmer Aufgaben und das Vortäuschen von Beschäftigt-Sein. Aber dann kommt Olivias große Chance im Unternehmen aufzusteigen: Ein neues Projekt, ein neuer Geldgeber und ein, leider bleibt Olivia auch das nicht erspart, ein etwas zudringlicher Chef. Der Kollege fällt aus, der Chef setzt alles auf Olivia. Fast scheitert sie an dieser großen Bürde, doch dann kommt ohnehin alles anders.</p>



<p>Halb unabsichtlich, halb gewollt stolpert Olivia die Karriereleiter hinauf, wird aber auch dort nicht glücklich. Vielmehr nähert sie sich stressbedingt sogar selbst dem Wahnsinn an. Sind es Tabletten? Sind es Träume? Sind es psychotische Schübe? Man weiß es nicht. Jedenfalls geht es Olivia Wolf nicht gut und sie dabei zu beobachten ist beklemmend. Aber so muss es nicht bleiben….</p>



<p>Alxander Lippmanns Roman „Innere Gewalt“ ist ein beeindruckendes Zeugnis des psychischen Drucks, den die Arbeit auf Angestellte aufbauen kann. Das Gefühl nicht zu wollen, nicht zu können, aber trotzdem sich jeden morgen ins Büro quälen zu müssen und dabei noch gute Miene vermitteln zu müssen. Burn-Out, Übermüdung, Doppelt- und Dreifachbelastung und &#8211; vermeintlich – kein Entkommen. Im zweiten Roman des Wiener Autors wird das deprimierende Leben, die Langeweile gepaart mit Stress einer inhaltsleeren, unerfüllenden Arbeit derart gut vermittelt, dass es der Leserin, dem die Leser schon fast zur Belastung wird. Und fast ebenso grauenhaft mit „anzusehen“ ist, wie sich selbst die Chefetage den potentiellen GeldgeberInnen an den Hals wirft:</p>



<p>„Wolfgang sieht völlig fertig aus. Die Haare wirken beinahe verfilzt, sein Hemd ist durch geschwitzt, das Sakko liegt schon lange auf einem Sessel. Er wirkt gehetzt, dreht sich immer wieder verstohlen um, nur um zu sehen, dass sein alter Freund ihn immer noch beobachtet. Auf Olivia wirkt er wie die ausgelaugte Version einer ausgebeuteten Stripperin, die für irgendeinen Boss tanzt, weil sie keine andere Wahl hat.“</p>



<p>Olivias Lage ist verzwickt, ausweglos, sie macht ohnmächtig. Beeindruckend, dass Olivia dann doch den Absprung schafft. Ein Absprung der erzählerisch aber nicht an den Rest des Buches heran kommt. Zu glatt und fast zu plötzlich schafft es die Protagonistin viel zu spät das Blatt zu wenden, ihrem scheinbar schicksalhaften Ausgeliefert-Sein doch noch zu entkommen. Am Weg dorthin sind es aber Dialoge wie der folgende, der Lippmanns LeserInnen auch mal zum Schmunzeln bringt:</p>



<p>„Ich gehe dorthin nicht mehr zurück.“</p>



<p>„Wohin?“ fragt Klara</p>



<p>„Ins Büro“</p>



<p>„Das musst du nicht.“</p>



<p>„Das Büro ist der Tod.“ Klara nickt und nimmt Olivias Hände.</p>



<p>„Innere Gewalt“ fesselt, bringt aber auch zum Verzweifeln. Es beklemmt und verwirrt, der befreiende Paukenschlag, der all dies zerschlägt bleibt aber fast aus. Insofern ist das Buch keines, das sonderlich viel Hoffnung bringt. Es beschreibt die Zwänge der modernen Arbeitsweg, kaum aber die Wege, die auch Olivia gehen könnte sich dagegen zu stemmen.</p>



<p>Am Ende aber ist „Innere Gewalt“ schon fast ein Zeitdokument, wie die neoliberalen Arbeitsverhältnisse im Dienstleistungssektor alle Beteiligten kaputt machen können. Diese Zwänge als Zeitdokument einzuordnen gibt zumindest die Hoffnung, dass solch verrückte Arbeitsverhältnisse irgendwann auch der Vergangenheit angehören könnten. Zumindest Olivia schafft den Absprung noch im letzten Moment. Bleibt nur zu hoffen, dass es ihr alle anderen bald gleichtun.</p>



<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile"><figure class="wp-block-media-text__media"></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h4 class="wp-block-heading">Alexander Lippmann</h4>



<p><strong><a href="https://bahoebooks.net/start_de.php?action=201&amp;id=175" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="Innere Gewalt (öffnet in neuem Tab)">Innere Gewalt</a></strong></p>



<p>Bahoe Books (Wien)<br>280 Seiten | € 22,00<br>ISBN 978-3-903290-68-6</p>
</div></div>



<p><br><br></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Buchtipp: Kapitalismus und Opposition in Zeiten der Klimakrise</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2022/05/18/buchtipp-kapitalismus-und-opposition-in-zeiten-der-klimakrise/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andrea Rogy]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 May 2022 11:29:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Buchtipp]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Andrea Rogy]]></category>
		<category><![CDATA[Johannes Gress]]></category>
		<category><![CDATA[Klimakrise]]></category>
		<category><![CDATA[Klimawandel]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftswachstum]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kompetenz-online.at/?p=18380</guid>

					<description><![CDATA[Der Wiener Journalist und Politikwissenschaftler Johannes Greß legt eine tiefgehende Analyse der ideologischen Grundsätze rund um das Phänomen „Konsum“ innerhalb unseres Wirtschaftssystems vor. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/05/Buchtipps_gress-1024x576.png" alt="" class="wp-image-18382" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/05/Buchtipps_gress-1024x576.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/05/Buchtipps_gress-300x169.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/05/Buchtipps_gress-150x84.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/05/Buchtipps_gress-768x432.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/05/Buchtipps_gress.png 1500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p><strong>Der Wiener Journalist und Politikwissenschaftler Johannes Greß legt eine tiefgehende Analyse der ideologischen Grundsätze rund um das Phänomen „Konsum“ innerhalb unseres Wirtschaftssystems vor. </strong></p>



<span id="more-18380"></span>



<p>Greß legt dar, dass die ideologische Funktion von Konsum mit ökologischen und biophysischen Grenzen kollidiert und geht der Frage nach, inwieweit Wirtschaftswachstum und das globale Konsumverhalten, die lange Zeit als Garanten gesellschaftlicher Stabilität galten, durch ihre destruktiven ökologischen und sozialen Folgen zur gesellschaftlichen Destabilisierung beitragen. Mit seinen Ausführungen tritt er gegen die herrschende Naivität an, zu glauben, dass die Menschheit die gegenwärtige ökologische Krise nachhaltig bewältigen könnte, ohne etwas Grundlegendes an ihrer Lebensweise zu verändern.</p>



<p>Viele seiner Überlegungen knüpft Greß an das Gedankengut des deutsch-amerikanischen Philosophen und Politologen Herbert Marcuse. Weitere Verbindungen werden zu ideologietheoretischen Überlegungen des argentinischen Politologen Ernesto Laclau und des slowenischen Philosophen Slavoj Žižek hergestellt.</p>



<p>Greß theoretisiert auch individuelle journalistische Erfahrungen, Eindrücke und Gesprächsinhalte, um der These nachzugehen, wonach die unendlichen Konsummöglichkeiten als Ideologie zur Integration der (oppositionellen) Massen ins kapitalistische System fungieren. Zwecks Reflexion der Grundsätze politischer Theorien an Alltagsphänomenen begibt sich der Autor auch auf Spurensuche. Dabei werden die Mechanismen der materiellen Bedürfnisbefriedigung ebenso schonungslos analysiert wie der Zusammenhang zwischen Verzicht, Verbot bzw. Entsagung und Gewalt – den Greß als keinen zufälligen entlarvt.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Bestehende Machtstrukturen absichern</h4>



<p>Die Tatsache, dass Regierungen und Unternehmen auf der ganzen Welt derzeit versuchen, den Spagat, zwischen materiellen Wohlstandszuwächsen und gleichzeitiger ökologischer Nachhaltigkeit zu schaffen, bezeichnet Greß als „grünen Kapitalismus“, der ebenso wie das sogenannte „nachhaltige Wachstum“ bzw. die „ökologische Modernisierung“ weniger darauf abziele, die Umwelt zu bewahren, als bestehende Macht- und Herrschaftsstrukturen abzusichern.</p>



<p>Eindrucksvoll zeichnet er den krassen Interessenskonflikt zwischen dem Glauben, dass durch Wachstum Ungleichheit verringert werden könnte bzw. dass durch steigende Produktionen Beschäftigung und gesellschaftliche Integration möglich wären und der Begrenztheit natürlicher Ressourcen nach. Greß zeigt, dass die Auswirkungen der ökologischen Krise längst bei den Globalisierungsgewinnern der nördlichen Industriewelt angekommen sind und schafft damit ein durch Daten und Fakten fundiertes Plädoyer für eine nachhaltige Lebensweise.</p>



<p>Der Autor entwirft den Begriff der Konsumideologie und geht der Frage nach, welche Funktion „entpolitisierter Massenkonsum“ heute haben kann. In einem alternativen Entwurf, bemisst Greß Wohlstand nicht anhand wirtschaftlicher Indikatoren, sondern am Freisein von Ausbeutung, Unterdrückung und einer Klassenherrschaft. Als Konstanten eines erfüllten Lebens definiert er sinnstiftende Arbeit, soziale Teilhabe, leistbare Mobilität und Gemeingüter, eine intakte Umwelt sowie eine hochwertige und inklusive Bildung.</p>



<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile"><figure class="wp-block-media-text__media"><img loading="lazy" decoding="async" width="495" height="862" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/05/konsumideolgie-gelb-bildimtext-Kopie.jpg" alt="" class="wp-image-18386 size-full" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/05/konsumideolgie-gelb-bildimtext-Kopie.jpg 495w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/05/konsumideolgie-gelb-bildimtext-Kopie-172x300.jpg 172w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/05/konsumideolgie-gelb-bildimtext-Kopie-86x150.jpg 86w" sizes="auto, (max-width: 495px) 100vw, 495px" /></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h4 class="wp-block-heading">Johannes Gress</h4>



<p><strong><a href="https://besserewelt.at/konsumideologie" data-type="URL" data-id="https://besserewelt.at/konsumideologie" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="Konsumideologie: Kapitalismus und Opposition in Zeiten der Klimakrise: (öffnet in neuem Tab)">Konsumideologie: Kapitalismus und Opposition in Zeiten der Klimakrise: </a>Von Bio-Bananen, Postdemokratie und Grünem Kapitalismus.</strong></p>



<p>Black Books. Schmetterling Verlag, Stuttgart 2022</p>
</div></div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„Chavs“: Der Proll als Sündenbock systemischen Versagens</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2022/03/31/chavs-der-proll-als-suendenbock-systemischen-versagens/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Johannes Gress]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 Mar 2022 14:29:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Buchtipp]]></category>
		<category><![CDATA[Großbritannien]]></category>
		<category><![CDATA[Johannes Gress]]></category>
		<category><![CDATA[Labour]]></category>
		<category><![CDATA[New Labour]]></category>
		<category><![CDATA[Owen Jones]]></category>
		<category><![CDATA[Thatcher]]></category>
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					<description><![CDATA[In einer herausragenden Analyse zeichnet der britische Journalist Owen Jones die „Dämonisierung der Arbeiterklasse“ nach. Sein Fazit: Für diese kann es nur geeint wieder nach oben gehen!]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/03/Buchtipps_prolls-1024x576.png" alt="" class="wp-image-18211" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/03/Buchtipps_prolls-1024x576.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/03/Buchtipps_prolls-300x169.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/03/Buchtipps_prolls-150x84.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/03/Buchtipps_prolls-768x432.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/03/Buchtipps_prolls.png 1500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p><strong>In einer herausragenden Analyse zeichnet der britische Journalist Owen Jones die „Dämonisierung der Arbeiterklasse“ nach. Sein Fazit: Für diese kann es nur geeint wieder nach oben gehen!</strong></p>



<span id="more-18210"></span>



<p>Verschwitztes Unterleiberl, fettiges Haar, dazu ein Dosenbier. So sitzt er da, der Proll, der dümmlich-aggressive und sexuell enthemmte Proll, und schaut TV. Den ganzen Tag über, und will nicht arbeiten. „Chavs. The Demonization of the Working Class“ (dt. Prolls. Die Dämonisierung der Arbeiterklasse) vom britischen Journalisten Owen Jones wurde bereits 2010 veröffentlicht, unlängst neu aufgelegt – und ist aus österreichischer Sicht brandaktuell.</p>



<p>In der Nachkriegszeit, schreibt Jones, war die britische ArbeiterInnenklasse eine, die mit Würde, mit Stolz erfüllt war. Angehörige(r) der ArbeiterInnenklasse zu sein war Statussymbol, bedeutete Gemeinschaft, Zusammenhalt, eine starke Gewerkschaft im Rücken, jährliche Lohnzuwächse, eine allgemeine Verbesserung der Situation von Jahr zu Jahr.</p>



<p>Dann kam Thatcher. Mit der Machtergreifung der Tory-Politikerin Margaret Thatcher im Jahr 1979 kam es zu einem Frontalangriff auf Gewerkschaften und die ArbeiterInnenklasse. In der gewaltsamen Niederschlagung der Bergarbeiterstreiks 1984/85 sieht Jones einen entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte der britischen ArbeiterInnenklasse. Fortan wurden die Rechte von Gewerkschaften beschränkt, so stark wie in keinem anderen europäischen Land, Sozialstandards abgebaut und Steuern für Reiche gesenkt. Innerhalb weniger Monate verloren Tausende ArbeiterInnen ihre Jobs, ihre Häuser und Wohnungen. Ihre Würde und ihren Stolz.</p>



<h4 class="wp-block-heading">New Labour: Der ArbeiterInnenklasse <em>entkommen</em></h4>



<p>Die sozialen Auswirkungen in den kommenden Jahren waren frappierend: kaum ein europäisches Land zählt so viele Armutsbetroffene wie Großbritannien, nirgends klafft die Schere zwischen Arm und Reich derart auseinander. In der Folge stieg die Zahl der Obdachlosen, der Drogenabhängigen, der Suizide und Gewalttaten.</p>



<p>Infolge der traumatisierenden Thatcher-Jahre änderte auch die Labour Party Anfang der 1990er-Jahre ihren Kurs, allen voran unter Parteichef Tony Blair. Dessen Wahl zum Premierminister 1997 führte jedoch – entgegen der Erwartung vieler WählerInnen – kaum zu einer Verbesserung der Situation der ArbeiterInnenklasse. Denn Labour war von nun an New Labour, nicht mehr Klassenkampf und Sozialismus, sondern ein „Arrangement“ mit den „Bedürfnissen des Marktes“ stand auf der Agenda. Sinnbildlich dafür ihr Slogan: „We are all middleclass now!“. Eine entscheidende Veränderung, konstatiert Jones. Denn das Ziel von New Labour lautete fortan nicht mehr, die Situation der ArbeiterInnenklasse <em>als Ganzes</em> zu verbessern, sondern Mittelklasse zu werden, ergo der ArbeiterInnenklasse zu <em>entkommen</em>. Die Labour Party machte Klassenkampf damit zu einer individuellen Aufgabe, kritisiert Jones.</p>



<p>Wenn Klassenkampf zur individuellen Aufgabe verkommt, man es also selbst in der Hand hat, alleine schaffen kann – dann gilt umgekehrt: wer es nicht schafft, nicht Mittelklasse wird, ist eben selbst schuld.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Weil er eben nicht will, der Proll</h4>



<p>Die toxische Symbiose aus Thatcherismus und New Labour verdichtet sich schließlich im Proll, dem zum Grund allen Übels hochstilisierten Sündenbock. Während sich herrschende Kapitalfraktionen – mit tatkräftiger Unterstützung der Politik – schamlos bereichern, die Situation von ArbeiterInnen immer prekärer wird, die Arbeitslosigkeit und mittelbar Gewalt- und Drogendelikte in die Höhe schnellen, sind die Herrschenden in Politik und Wirtschaft um Erklärungen bemüht: Der Proll. Der eben nicht will, lieber Chips in sich hineinfrisst, sich unaufhörlich vermehrt, fett wird und verdientermaßen verarmt, versifft. Weil er eben nicht will, der Proll.</p>



<p>Für die Herrschenden hat die Verklärung des Prolls, so Jones, den angenehmen Nebeneffekt, dass einerseits ein Sündenbock für jegliche gesellschaftliche Verwerfungen gefunden ist – und andererseits die ArbeiterInnenklasse als solches gespalten wird. Denn mithilfe der Medien und breit angelegten Kampagnen wird der Proll auch innerhalb der ArbeitInnenklasse zum Feindbild, zur ideellen Schablone sämtlicher gesellschaftlicher Verwerfungen.</p>



<p>Bei dieser Dämonisierung, kritisiert Jones, ist es nicht nur der Boulevard, der munter mitmischt, sondern nahezu die gesamte Medienlandschaft. Denn deren MitarbeiterInnen entstammten nur in den allerseltensten Fällen der ArbeiterInnenklasse. Kaum eine seiner KollegInnen habe eine Ahnung von den Lebensrealitäten jener, die mit drei Jobs gleichzeitig und 60 Stunden Arbeit pro Woche trotzdem nicht genug zum Leben haben.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Nur gemeinsam</h4>



<p>Mit viel Zahlenmaterial und Dutzenden, teils schockierenden Beispielen – zum Beispiel die Forderung nach „Geburtenkontrollen“ für Prolls – skizziert Jones eindrucksvoll die gezielte Demontage einer einst stolzen ArbeiterInnenklasse. Kaum ein Kapitel, bei dem man sich nicht auch an Österreich erinnert fühlt. Wenn hierzulande vom „degressiven Arbeitslosengeld“ die Rede ist, damit Arbeitslose stärker „motiviert“ werden, um einen Job anzunehmen; wenn sich UnternehmerInnen im Boulevard darüber echauffieren dürfen, dass man keine BewerberInnen finde, obwohl man doch eh 1.500 brutto zahle; wenn selbsternannte Qualitätszeitungen darüber schreiben, dass unser „Sozialsystem zu großzügig für die Generation Honiglebkuchen“ sei. Nach unten tritt sich’s leichter.</p>



<p>Es sind dieselben Mechanismen und Strategien, die hierzulande zum Einsatz kommen, die Jones – bereits Jahrzehnte zuvor – in Großbritannien beobachtet. Ziel müsse es sein, so der Autor, den umgekehrten Weg zu gehen: nicht als Summe von Individuen gegeneinander zu kämpfen, sondern gemeinsam, als Klasse, gegen einen gemeinsamen Gegner. Nur vereint könnten ArbeiterInnen wieder etwas an ihrer Situation verbessern!</p>



<p>Beim Lesen wünscht man sich an manchen Stellen anstatt dem x-ten Dämonisierungs-Beispiel etwas mehr analytische Schärfe. So bekommt man insgesamt den Eindruck, nicht die kapitalistische Klasse, sondern die Mittelklasse ist es, die Jones ihrer Macht berauben möchte. Die strategischen Verbindungen zwischen Staat, Medien und Kapital, der Herrschenden, bleiben leider ebenso im Dunkeln wie grundlegende kapitalistische Mechanismen. Insgesamt aber bleibt nicht vielmehr zu sagen als: Absolut lesenswert!</p>



<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile"><figure class="wp-block-media-text__media"><img loading="lazy" decoding="async" width="394" height="630" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/03/Prolls.jpg" alt="" class="wp-image-18215 size-full" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/03/Prolls.jpg 394w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/03/Prolls-188x300.jpg 188w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2022/03/Prolls-94x150.jpg 94w" sizes="auto, (max-width: 394px) 100vw, 394px" /></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h4 class="wp-block-heading">Zum Buch</h4>



<p>Chavs: The Demonization of the Working Class, <em>dt. </em><em>Prolls. Die Dämonisierung der Arbeiterklasse.</em></p>



<p>Verlag: Verso Books</p>



<p>Owen Jones</p>
</div></div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ernst Fettner: Ein Jahrhundert Leben</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2021/10/14/freiheitskaempfer-antifaschist-kommunist-journalist-gewerkschafter/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexia Weiss]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 Oct 2021 14:59:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2021/04]]></category>
		<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Buchtipp]]></category>
		<category><![CDATA[Porträt]]></category>
		<category><![CDATA[Alexia Weiss]]></category>
		<category><![CDATA[Ernst Fettner]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Journalistengewerkschaft]]></category>
		<category><![CDATA[JournalistInnengewerkschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalsozialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Volksstimme]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitzeuge]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://kompetenz-online.at/?p=17505</guid>

					<description><![CDATA[Ernst Fettner ist unfassbare 100 Jahre alt. In seinem langen Leben war er Journalist, Soldat, Widerstandskämpfer, Kommunist und Gewerkschafter. Wir haben ihn für die Kompetenz interviewt. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/10/Port_Ernst-Fettner_0121-1024x683.png" alt="" class="wp-image-17510" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/10/Port_Ernst-Fettner_0121-1024x683.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/10/Port_Ernst-Fettner_0121-300x200.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/10/Port_Ernst-Fettner_0121-150x100.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/10/Port_Ernst-Fettner_0121-768x512.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/10/Port_Ernst-Fettner_0121-600x400.png 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/10/Port_Ernst-Fettner_0121-720x480.png 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/10/Port_Ernst-Fettner_0121-272x182.png 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/10/Port_Ernst-Fettner_0121.png 1500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Foto: Nurith Wagner-Strauss</figcaption></figure>



<p><strong>Freiheitskämpfer, Antifaschist, Kommunist, Journalist, Gewerkschafter.</strong> <strong>Ernst Fettner wurde heuer 100 Jahre alt. Mit dem Buch „Geh’ du voran – Ein Jahrhundert“ hat er nun sein Leben in Text und Bildern vorgelegt. Als Jude und Kommunist von den Nationalsozialisten verfolgt, musste er Österreich verlassen und konnte nach Großbritannien flüchten. </strong></p>



<span id="more-17505"></span>



<p><strong>Als Teil von „Young Austria“ setzte er sich dort für ein freies Österreich ein und kehrte schließlich nach dem Krieg als Soldat der britischen Armee zurück. Die KOMPETENZ sprach mit dem langjährigen „Volksstimme“-Redakteur über seinen Antrieb für sein politisches Engagement und seine Erinnerungen an die Jahre als Vorstandsmitglied der JournalistInnengewerkschaft.</strong></p>



<p>In 100 Jahren erlebt ein Mensch so viel, dass man sich schwer tut, eine Auswahl zu treffen, wozu man ihm Fragen stellen möchte. Als ich Ernst Fettner dieser Tage in seiner Wohnung in Wien-Penzing treffe, macht er auch rasch klar, wie er Fragen an ihn einordnet: ja, als Verfolgter des NS-Regimes und Kämpfer für ein unabhängiges Österreich ist er heute ein wichtiger Zeitzeuge. Aber eben nicht nur. „Ich war 24, als der Krieg aus war. Man kann doch nicht über mein Leben schreiben und mich nur als Zeitzeuge sehen.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Jugendzeit in Wien</h4>



<p>Viel hat Fettner bis 1938 erlebt, viel bis 1945 – aber eben auch viel in den Jahrzehnten danach. 1921 in Wien geboren, wuchs er zunächst zwar in armen, aber behüteten Verhältnissen auf. Doch schon 1926 starb seine Mutter an der Grippe, der Vater tat sich schwer, sich um Ernst und dessen Schwester Wali zu kümmern, so wuchs der Bub im jüdischen Waisenhaus in Baden auf, wo er auch die Schule besuchte. Währenddessen heiratete der Vater erneut, es kamen drei Halbgeschwister zur Welt.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Ich war Z’sammrambua und Packlträger, ein bissl im Verkauf, gelernt hab ich nichts, auch nicht in der Berufsschule. Es war die reinste Ausbeutung. Als Lehrling hab ich 2,50 Schilling in der Woche bekommen – als Aspirant in Richtung Verkauf hätte ich 20 Schilling bekommen müssen.“&nbsp;</p><cite>Ernst Fettner</cite></blockquote>



<p>Im Alter von 14 verließ Ernst Fettner das Waisenhaus, der Vater hatte ihm eine Lehrstelle gesucht: eine Ausbildung zum „Mieder- und Wäschewarenerzeuger“ sollte es werden. In der Schneiderei Baruch Friedländer hatte er alle Hände voll zu tun – nur das Fertigen von Textilien lernte er dort nicht. „Ich war Z’sammrambua und Packlträger, ein bissl im Verkauf, gelernt hab ich nichts, auch nicht in der Berufsschule. Es war die reinste Ausbeutung. Als Lehrling hab ich 2,50 Schilling in der Woche bekommen – als Aspirant in Richtung Verkauf hätte ich 20 Schilling bekommen müssen.“&nbsp;</p>



<p>Das Gefühl, so behandelt zu werden, sollte Jahre später in seine vielen Sozialreportagen einfließen, die er zunächst für den „Volkswille“ in Klagenfurt, später die „Volksstimme“ – beides Medien der KPÖ – schrieb. „Da hab ich auch schon einmal gerne hineingefetzt.“ Ungerechtigkeiten zeigte er aber auch als Betriebsratsobmann in der „Volksstimme“ und später auch als Mitglied des Präsidiums der Journalistengewerkschaft auf. Als Vertreter der „Gewerkschaftlichen Einheit“ wurde er unter Präsident Günther Nenning Mitglied dieses Führungsgremiums.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="341" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/10/ernst-fettner-1024x341.png" alt="" class="wp-image-17511" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/10/ernst-fettner-1024x341.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/10/ernst-fettner-300x100.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/10/ernst-fettner-150x50.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/10/ernst-fettner-768x256.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/10/ernst-fettner.png 1500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Fotos: Nurith Wagner-Strauss</figcaption></figure>



<h4 class="wp-block-heading">Gewerkschaftliches Engagement</h4>



<p>Und womit hatte er sich damals – Fettner war bis zu seiner Pensionierung Anfang der 1980er Jahre gewerkschaftlich engagiert &#8211;&nbsp; als Interessenvertreter der JournalistInnen auseinanderzusetzen? „Der Lohndruck ist immer ärger geworden. Und für die freien Journalisten war es schon damals arg. Ich habe immer gesagt: wovon sollen die leben? Ich habe mein Gehalt gekriegt, der Kollektivvertrag war gut, ich habe gut verdient. Ich weiß, viele sagen, ich will frei sein, dann kann ich schreiben, was ich möchte, aber das stimmt ja nicht. Ich muss meine Texte ja auch unterbringen. Und auf Zeile zu schreiben, das ist schwer verdientes Geld. Da ist man nicht stark.“</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>&#8222;Und für die freien Journalisten war es schon damals arg. Ich habe immer gesagt: wovon sollen die leben?&#8220;</p><cite>Ernst Fettner</cite></blockquote>



<p>Er selbst musste schon in jungen Jahren sehr stark sein. Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, war er 17 Jahre alt und arbeitete – die Lehre dauerte damals nur zwei Jahre und er hatte sie bereits beendet – für die Schneiderei Pein im neunten Bezirk als Fahrradbote. In der Pogromnacht im November 1938 blieb er mit seinen Arbeitskollegen und Vorgesetzten in den Räumen der Schneiderei. Die Männer wurden aber offenbar verraten und verhaftet. Beim anschließenden Verhör wurden sie gefragt, ob sie Kommunisten seien, einer nach dem anderen verneinte – und wurde niedergeprügelt. Fettner beschloss ja zu sagen – „dabei habe ich damals nicht einmal gewusst, was das ist, der Kommunismus. Aber mich haben sie dann nicht verprügelt.“ Gefühlt hat Fettner in diesem Moment jedenfalls etwas mitgenommen: dass der Kommunismus etwas Gutes ist. Alles, was Anti-Nazi ist, müsse etwas Gutes sein.</p>



<p>Mehrere Wochen blieb er damals in Haft, wurde auch im berüchtigten Gestapo-Quartier am Morzinplatz verhört. Man entließ ihn schließlich mit der Auflage, das Land zu verlassen. Sein eigentliches Ziel war Israel – seine ältere Schwester war bereits dorthin aufgebrochen – zuvor sollte er allerdings in England eine landwirtschaftliche Ausbildung erhalten. Unter diesem Titel erhielt er auch die Aufenthaltsbewilligung für Großbritannien – was ihn allerdings nicht davor bewahrte, dort schließlich auch interniert zu werden. Der Krieg war ausgebrochen und er galt nun als „enemy alien“, als feindlicher Ausländer. Die Internierung auf der Isle of Man hat er allerdings nicht in schlimmer Erinnerung: viele Gespräche seien damals geführt worden, viel habe er gelernt, vor allem über politische Zusammenhänge.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Kampf für eine freies Österreich</h4>



<p>In England schloss er sich „Young Austria“ an, einer Bewegung, die sich dafür einsetzte, für ein freies Österreich zu kämpfen. Dabei habe man auch in den Unions, den Gewerkschaften, Überzeugungsarbeit geleistet, erinnert sich Fettner. Damals seien ja sogar die Sozialdemokrat:innen davon ausgegangen, dass auch nach Kriegsende Österreich Teil von Deutschland bleibe, erinnert er sich. Wichtig ist Fettner festzuhalten, dass „Young Austria“ eine überparteiliche Initiative war. Ja, da seien auch KommunistInnen darunter gewesen, aber eben nicht nur.</p>



<p>Fettner und einige andere wollten aber noch mehr tun: als Teil der britischen Armee selbst gegen die Nazis kämpfen. Es sollte ihnen schließlich gelingen. 1943 wurde Fettner Mitglied der Gordon Highlander, eines Infanterieregiments der British Army. 1944 landete er mit seiner Einheit in der Normandie, zu Kriegsende war er in Neustadt am Rübenberge in Deutschland, einer Kleinstadt nahe Hannover und das in der Rolle des Besatzers. In dieser sollte er schließlich 1946 nach Österreich zurückkehren: nach Klagenfurt. Dort war er einerseits als Soldat der britischen Armee stationiert, dort engagierte er sich aber auch bei der „Freien Österreichischen Jugend“ und begann für die KPÖ-Zeitung „Volkswille“ zu schreiben.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Rückkehr nach Wien</h4>



<p>Nach seinem Ausscheiden aus der englischen Armee 1947 wurde er Redakteur der Zeitung. Damals trat er auch der Gewerkschaft bei, wie sich Fettner erinnert. 1949 heiratete er seine erste Frau Hilde, sie hatte er über „Young Austria“ kennengelernt. Bald kamen die beiden Söhne des Paares zur Welt. Doch Hilde starb früh an Krebs und Fettner heiratete später erneut, und zwar seine „Volksstimme“-Kollegin Herta Gisela Felbermayer. Mit ihr sollte er schließlich sogar Goldene Hochzeit feiern – inzwischen ist auch sie verstorben.</p>



<p>Dass er nochmals für ein KPÖ-Medium schreiben sollte, war allerdings in den 1950er Jahren gar nicht klar. Denn den „Volkswille“ musste er verlassen. Offenbar hatte die KPÖ-Führung seine Tätigkeit für die britische Armee als problematisch eingestuft. Ein triftiger Grund für seine Entlassung sei ihm aber nie genannt worden. „Als braver Parteisoldat hatte ich zu gehorchen.“</p>



<p>Die Partei sorgte aber auch für ihre Mitglieder: er hatte in England unter anderem auch als Schweißer gearbeitet und so besorgte sie ihm einen Job bei Steyr-Daimler-Puch in Wien-Favoriten, damals ein russisch verwalteter USIA-Betrieb (Abkürzung für Uprawlenje Sowjetskim Imuschestwom w Awstrij, übersetzt: Verwaltung des Sowjetischen Vermögens in Österreichs). Nebenbei machte er allerdings auch dort Zeitung: die Betriebszeitung. Hauptsächlich arbeitete er aber als Schweißer, Dreher, Ventilprüfer, zuletzt auch im Magazin. Und er bildete sich fort und absolvierte Buchhaltungskurse. Kurz war er dann 1954 bei „Heimpel &amp; Besler“ (ebenfalls ein USIA-Betrieb) in Mödling als Magazin- und Versandleiter tätig.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Arbeit als Redakteur</h4>



<p>Doch dann traf er nach einer Parteiveranstaltung eine frühere Redaktionskollegin, eins ergab das andere und er konnte nun in Wien beginnen, für die „Volksstimme“ zu arbeiten. Zunächst coverte er Niederösterreich-Geschichten, später schrieb er große Reportagen, immer wieder Reisegeschichten, er berichtete 1968 aus Prag, kommentierte, schrieb über Soziales und Gewerkschaftliches, was ihn schließlich auch zur Betriebsratsarbeit und dem Mitwirken in der JournalistInnengewerkschaft brachte. Der SPÖ-Kanzler Bruno Kreisky habe ihn einmal als „Freund-Feind“ bezeichnet, erzählt Fettner, ist aber sichtlich stolz, auch bei Kreisky zu Hause gewesen zu sein.</p>



<p>Nach seiner offiziellen Pensionierung schrieb Fettner übrigens als Freier weiter: unter einem Pseudonym berichtete er als Motorjournalist mehr als zehn Jahre lang über neue Automodelle. Und auch sonst ist der sechsfache Groß- und dreifache Urgroßvater stets aktiv geblieben: er spielte Golf, das halte angesichts des umfangreichen Regelwerks nicht nur körperlich, sondern auch geistig fit, wie er betont.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Politisch interessiert auch im hohen Alter</h4>



<p>Bis heute verfolgt Fettner das politische Geschehen: den Sieg der KPÖ in Graz fand er „wunderbar“. Formal sei er zwar nie aus der KPÖ ausgetreten, nur irgendwann habe er den Mitgliedsbeitrag nicht mehr eingezahlt, damit scheide man automatisch aus. „Ich bin zwar nicht mehr aktiv. Aber natürlich fühle ich mich noch zugehörig.“ Und auch sonst geht Fettner bis heute mit der Zeit: so bleibt er über das soziale Netzwerk Facebook mit seiner in alle Welt verstreuten Verwandtschaft – die in Israel, aber auch Kanada und Australien lebt – in Verbindung. Sein Vater, seine Stiefmutter und zwei seiner Stiefgeschwister sollten den NS-Terror nicht überleben, der Vater wurde in Dachau, der Rest der Familie in Maly Trostinec ermordet. Seine ältere Schwester und seine jüngere Halbschwester aber überlebten – die eine in Israel, die andere in England, wohin sie mit einem Kindertransport gelangt war.</p>



<p>Chuzpe habe er gehabt, als er nach seinem Verhör bei der Gestapo am Morzinplatz ein zweites Mal in diese Hölle ging, um darauf hinzuweisen, dass er nicht in der vorgegebenen Frist ausreisen könne, da die Beamtenschaft die nötigen Papiere nicht ausstelle, erzählt Fettner. Aber das habe funktioniert, man habe ihm einen Aufschub gewährt. Es war wahrscheinlich dieselbe Chuzpe, die ihn dazu brachte, 1939 zu sagen, er sei Kommunist, oder Jahrzehnte später für seine KollegInnen in der Volksstimme eine kräftige Gehaltserhöhung zu fordern und auch zu erreichen. Man könnte auch sagen, Ernst Fettners Motto ist „wer nicht wagt, der nicht gewinnt“. Dafür sollte er auch Anerkennung bekommen: 1980 erhielt er für sein Mitwirken bei der britischen Armee das „Ehrenzeichen für Verdienste um die Befreiung Österreichs“ und 2007 das „Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien“.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/10/Buchtipps_ernst-fettner-1024x576.png" alt="" class="wp-image-17508" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/10/Buchtipps_ernst-fettner-1024x576.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/10/Buchtipps_ernst-fettner-300x169.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/10/Buchtipps_ernst-fettner-150x84.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/10/Buchtipps_ernst-fettner-768x432.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/10/Buchtipps_ernst-fettner.png 1500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p><a href="https://abo.falter.at/detail/9783902542939/geh-du-voran" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="Ernst Fettner: „Geh’ du voran“ Ein Jahrhundert (öffnet in neuem Tab)">Ernst Fettner: <strong>„Geh’ du voran“</strong> <strong>Ein Jahrhundert</strong></a></p>



<p>Herausgegeben von Jana Waldhör, Graz 2021, Verlag CLIO</p>



<p>184 Seiten, 25 Euro, ISBN 978-3-902542-93-9</p>
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