Streik bei Netflix, AppleTV und Co. verzögert Produktion von Serien und Filmen

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Die US-Filmindustrie kommt wegen schlechter Arbeitsbedingungen ins Straucheln, ihre AutorInnen streiken seit letzter Woche. Die Beschäftigten fordern höhere Löhne und mehr Sicherheiten von den Streamingdiensten.

Zuerst hat es das Filmproduktionsunternehmen Marvel getroffen. Die Neuauflage seines bekannten Actionsfilms ‚Blade‘ ist wohl nur der erste Film, dem der Arbeitskampf der US-amerikanischen Gewerkschaft Writers Guild Probleme bereitet. Wegen der Arbeitsniederlegung seiner Mitglieder vor über einer Woche kommen immer mehr Film- und Serienproduktionen in Bedrängnis. Manche müssen ihre Arbeit komplett einstellen. Ein ganze Reihe bekannter Produktionen sei betroffen, schreibt das Branchenblatt Hollywood Reporter – und es können noch mehr werden: Neben der Comedyserie ‚Loot’ auf AppleTV soll sich wegen der Kampfmaßnahmen auch die beliebte Science Fiction-Serie ‚Stranger Things‘ auf Netflix verschieben. Bereits jetzt sind Late Night Shows wie „Saturday Night Live“ ausgesetzt, von der beliebten “Late Show with Stephen Colbert” werden aktuell nur mehr Wiederholungen ausgestrahlt.

On Strike!

Mit zweiten Mai sind die Mitglieder der Writers Guild of America, der Gewerkschaft der AutorInnen der Film- und Fernsehindustrie der Vereinigten Staaten, in den Streik getreten. Ihnen waren Verhandlungen mit der Alliance of Motion Picture and Television Producers (AMPTP) voraus gegangen, dem Verband US-amerikanischer Filmproduktionsgesellschaften. Die AMPTP repräsentiert die größten Unternehmen wie Amazon, Apple, Disney, Netflix, Sony oder Warner Bros. Viele von ihnen mussten zuletzt Aktienverluste hinnehmen, worauf sie mit Einsparungen bis hin zu Kündigungen reagierten. Zudem hat sich während der letzten zwei Jahrzehnte der Konsum von Filmen und Serien stark verändert, beschleunigt wurde diese Entwicklung durch die Pandemie. Gestreamte Serien haben weniger Staffeln als klassische Fernsehformate, damit sinken die Arbeitsmöglichkeiten für die AutorInnen, so CNN.

Forderungen 

Die Arbeit an Streamingformaten würden bislang schlechter entlohnt als klassische Fernsehproduktionen, obwohl die Arbeit dieselbe bleibe. Hier kämpft die Gewerkschaft für höhere Entlohnung. Die Writers Guild of America will aber noch mehr: Die Nutzung Künstlicher Intelligenz in der Filmindustrie solle einschränken werden. Zwar soll sie zur Unterstützung benutzt werden dürfen, aber keinesfalls um Jobs von AutorInnen zu ersetzen. Zudem fordert die Gewerkschaft eine vertragliche Vereinbarung über eine Mindestbesetzung und -Dauer für Produktionen. Zuletzt sind es strittige Ansprüche über die Pensions- und Krankenversicherung der AutorInnen, über die verhandelt werde.

Die Verträge zwischen den Arbeitnehmenden und ihren ArbeitgeberInnen sind mit Ende April ausgelaufen, weshalb schon seit Wochen Gespräche zwischen den beiden Parteien liefen. Sie blieben bislang aber ergebnislos. „Wir waren in die Verhandlungen gegangen um eine faire Vereinbarung erzielen. Die Antworten der Studios auf unsere Vorschläge waren aber völlig unzureichend, angesichts der existenziellen Krise, in der sich die Autoren befinden,“ wird die Gewerkschaft von CNN zitiert.

Durchsetzungswille

Beachtlich sind dabei die Maßnahmen der Gewerkschaft: Um die Effektivität des Streik zu maximieren untersagt die Writers Guild ihren Mitgliedern für die Zeit der Arbeitsniederlegung jede Tätigkeit für Unternehmen, welche von der Alliance of Motion Picture and Television Producers vertreten werden. Auch soll das Anbahnen, Verhandeln und Planen weiterer Produktionen unterlassen werden. Bei Zuwiderhandeln droht der Ausschluss aus der Writers Guild. Damit verspricht sich die Gewerkschaft den Druck auf die Filmproduktionsunternehmen zu erhöhen. Schon jetzt sind die Kosten für die ArbeitgeberInnen empfindlich. Ein Drehtag koste oft mehr als 200.000 €, glaubt man der AMPTP. Und die AutorInnen dürften sich auf einen länger anhaltenden Streik vorbereitet haben. In einer Mitgliederbefragung haben sich 98 Prozent für Kampfmaßnahmen ausgesprochen. Die rund 20.000 AutorInnen in 600 Produktionen können enormen Druck aufbauen. Ihr letzter Streik fand im Jahr 2007 statt, dauerte 100 Tage an und kostete der Filmindustrie geschätzte 2,5 Milliarden Euros.

Solidarität

Die Forderungen der Gewerkschaft werden aber auch über ihre Mitglieder hinaus unterstützt. So zeigen nicht nur SchauspielerInnen wie Niecy Nash von der Netflix-Serie „Dahmer“ ihre Solidarität an den Streikposten, auch andere Gewerkschaften unterstützen den Arbeitskampf, wie etwa die American Federation of Labor and Congress of Industrial Organizations, der mitgliederstärkste Gewerkschafts-Dachverband der USA und Kanadas. Mittlerweile fordern auch kanadische und australische Gewerkschaften aus der Filmindustrie sowie die britische Autorenvereinigung ihre Mitglieder dazu auf die Arbeit an US-Sendungen während des Streiks einzustellen.

Jüngst wurde bekannt, dass die Produktion des Game of Thrones-Spinoffs „A Knight of the Seven Kingdoms: The Hedge Knight.“ vorübergehend eingestellt werden muss. Der Drehbuchautor und Produzent George R.R. Martin schrieb auf seinem Blog: „Kein Autor, der einen Funken Verstand hat wollte den Streik, aber die Produzenten, die Studios, die Sender und die Streamer ließen uns keine Wahl. Ich hoffe, dass wir auch die Unterstützung von euch allen haben, die das hier lesen: die Zuschauer, die Fans, jene Menschen, für die wir diese ganzen Sendungen machen. Es kann ein langer Kampf werden, aber mit euch an unserer Seite können wir nicht verlieren.“

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