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	<title>Modell 90 für 80 &#8211; KOMPETENZ-online</title>
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	<title>Modell 90 für 80 &#8211; KOMPETENZ-online</title>
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	<item>
		<title>Mit der 4-Tage-Woche gegen den Fachkräftemangel</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2021/08/25/mit-der-4-tage-woche-gegen-den-fachkraeftemangel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Johannes Gress]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Aug 2021 13:15:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Arbeitszeit]]></category>
		<category><![CDATA[Internationales]]></category>
		<category><![CDATA[4-Tage-Woche]]></category>
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		<category><![CDATA[Fachkräftemangel]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Erfahrungen zeigen: Kürzere Arbeitszeiten führen zu gesünderen und zufriedeneren Beschäftigten sowie höhere Produktivität.]]></description>
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<figure class="wp-block-image size-large advgb-dyn-13c31c8a"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="765" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/08/bernd_roecke_vierzudrei-1024x765.jpg" alt="" class="wp-image-17273" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/08/bernd_roecke_vierzudrei-1024x765.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/08/bernd_roecke_vierzudrei-300x224.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/08/bernd_roecke_vierzudrei-150x112.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/08/bernd_roecke_vierzudrei-768x574.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/08/bernd_roecke_vierzudrei-1536x1148.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/08/bernd_roecke_vierzudrei-2048x1531.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><strong>Bernd Röck wirbt für seinen Handwerksbetrieb Ruchti mit der 4-Tage-Woche um Fachkräfte</strong><br>Foto: Ruchti</figcaption></figure>



<p><strong><a href="https://kompetenz-online.at/2022/08/29/vier-tage-woche-der-weg-aus-dem-hamsterrad/" aria-label="Vier Tage arbeiten, drei Tage frei">Vier Tage arbeiten, drei Tage frei</a>. Das mag in der Kreativbranche funktionieren, aber klappt das auch im Handwerk? Die deutsche Firma Ruchti hat’s versucht.</strong></p>



<span id="more-17272"></span>



<p>Wenn bei Firma Ruchti nichts mehr hilft, dann müssen James Bond und Bruce Willis herhalten. Zum geplanten Kinostart des neuen „007“-Streifens im März 2020 produzierte der baden-württembergische Handwerksbetrieb eigens einen Werbespot. Mit der Synchronstimme von Bruce Willis sollte das neue Arbeitszeitmodell der Firma beworben werden: 4 Tage arbeiten, 3 Tage frei, bei vollem Lohnausgleich. Sollte. Denn dann kam Corona, die Kinos blieben zu, Bruce Willis stumm. Aber die 4-Tage-Woche kam trotzdem. Rückblickend eine gute Entscheidung? „Jein“, sagt Geschäftsführer Bernd Röck.</p>



<p>Zum Thema <a href="https://kompetenz-online.at/2022/03/02/vier-tage-woche-wer-weniger-arbeitet-leistet-mehr/" aria-label="Arbeitszeitverkürzung">Arbeitszeitverkürzung</a> existieren Dutzende wissenschaftliche Studien, aufwendige Kalkulationen zu möglichen Effizienzsteigerungen, gesundheitlichen Kosten und Finanzierbarkeit diverser Modelle – Studien, die Ruchti-Chef Röck alle nicht gelesen hat. „Denn hätte ich mir das vorher alles durchgerechnet, hätte ich das nicht gemacht“, sagt er heute. „Das war mehr so eine Augen-zu-und-durch-Entscheidung“.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Verlängertes Wochenende steigert physische und psychische Gesundheit</h4>



<p>Für ihn stand einerseits die „<a href="https://kompetenz-online.at/2019/11/26/wir-brauchen-ein-3-tage-wochenende/" aria-label="Work-Life-Balance">Work-Life-Balance</a>“ seiner MitarbeiterInnen im Vordergrund. Andererseits mangelt es gerade bei Auftragsspitzen in seinem gut 80 Personen zählenden Betrieb oftmals an Personal. Für Röck, der in seiner Firma unter anderem SchreinerInnen, SchlosserInnen, MalerInnen und LackiererInnen beschäftigt, ist „<a href="https://kompetenz-online.at/2022/10/13/fachkraeftemangel-selber-schuld/" aria-label="Fachkräftemangel">Fachkräftemangel</a>“ wahrlich kein Fremdwort.</p>



<p>Dementsprechend offensiv wurde das neue Arbeitszeitmodell zum Start beworben. Auf der Website der Firma findet sich noch heute keine Unterseite und kein Stellenangebot, wo die 4-Tage-Woche nicht hervorgehoben wird. Anfangs durchaus mit Erfolg: die 40 Bewerbungen, die bei Ruchti zuvor jährlich eingingen, kamen nun pro Woche.</p>



<p>Menschen brauchen Zeit, um sich von physisch und psychisch anstrengenden Tätigkeiten zu erholen. Mehr Zeit, als ihnen oftmals zur Verfügung steht. Eine Arbeitszeitverkürzung ist daher eine seit Jahren von verschiedensten Seiten vorgebrachte und breit diskutierte Forderung. Im Juli sorgte ein groß angelegter Versuch in <a href="https://kompetenz-online.at/2021/07/27/island-und-irland-testen-arbeitszeitverkuerzungen/" aria-label="Island">Island</a> für mediales Aufsehen. 2.500 Beschäftigte (1,3 Prozent der isländischen Bevölkerung) wechselten ohne Gehaltskürzung für fünf Jahre in den 4-Tage-Modus und arbeiteten statt bisher 40 nunmehr 36 bzw. 35 Stunden. Die TeilnehmerInnen gaben an, sie fühlen sich seither fitter, gesünder, glücklicher und waren weniger anfällig für Burnout oder Stresssymptome. Männer in heterosexuellen Beziehungen übernahmen mehr unbezahlte Heimarbeit.</p>



<p>Laut den ForscherInnen seien die Ergebnisse zudem „<a href="https://kompetenz-online.at/2021/09/06/kuerzer-arbeiten-mehr-leben/" aria-label="bahnbrechende Beweise für die Effizienz von Dienstzeitreduzierung">bahnbrechende Beweise für die Effizienz von Dienstzeitreduzierung</a>“. Denn die Produktivität der TeilnehmerInnen sei gleichgeblieben, teilweise sogar gestiegen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Letzte Arbeitszeitverkürzung liegt in Österreich 46 Jahre zurück</h4>



<p>WissenschafterInnen verweisen zudem auf die ökologischen Auswirkungen einer Arbeitszeitverkürzung: Aufgrund des verringerten PendlerInnen-Verkehrs könnten in Österreich durch die flächendeckende Einführung einer 4-Tage-Woche jährlich 250.000 Tonnen CO2 eingespart werden, errechneten VolkswirtInnen des ÖGB . ExpertInnen sehen darin außerdem eine Möglichkeit, in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit Menschen wieder vermehrt in Lohnarbeitsverhältnisse zu bringen – indem die vorhandene Arbeit einfach auf mehrere Schultern aufgeteilt wird.</p>



<p>In den Kollektivverträgen von Handel, Metall- und Baugewerbe wurde die 4-Tage-Woche bereits (unter bestimmten Voraussetzungen) verankert. Die letzte gesetzliche, für alle Branchen gültige Arbeitszeitverkürzung in Österreich liegt allerdings 46 Jahre zurück.</p>



<h4 class="wp-block-heading">„Es kam punktuell zu extremen Leistungssteigerungen“</h4>



<p>Die MitarbeiterInnen der Firma Ruchti können seit März 2020 wählen: vier Mal pro Woche neun Stunden, entweder Montag bis Donnerstag oder Dienstag bis Freitag; oder fünf Mal die Woche 7,2 Stunden. Die Jüngeren würden sich tendenziell für die 4-Tage-Variante entscheiden, ältere MitarbeiterInnen eher für die 5-Tage-Woche, beobachtet Röck. Aber für alle gilt: für denselben Lohn arbeiten sie nun statt bisher 40 nur mehr 36 Stunden.</p>



<p>Auch wenn manche etwas skeptisch dreinblickten, als Röck seinen MitarbeiterInnen das Konzept präsentierte, Beschwerden gab es keine. Denn einen Zwang zur Reduktion gibt es nicht – „und niemand wehrt sich gegen eine Lohnerhöhung“. Für Röck selbst ist das neue Arbeitszeitmodell nach wie vor ein riskantes Unterfangen. Seine „Augen-zu-und-durch-Entscheidung“ kam zwar bei den MitarbeiterInnen gut an, diese seien dank 3-Tage-Wochenende deutlich entspannter, verbringen mehr Zeit mit Hobbys, FreundInnen und Familie; aber die Lohnkosten im Unternehmen stiegen dadurch von einem Tag auf den anderen um zwölf Prozent.</p>



<p>Ob diese Mehrbelastung durch die steigende Produktivität der MitarbeiterInnen am Ende aufgewogen wird – viele Studien legen genau das nahe – kann Röck nicht mit Gewissheit sagen. „Es kam punktuell zu extremen Leistungssteigerungen“, aber durch die Corona-Krise seien Arbeitsabläufe und finanzielle Kalkulationen dermaßen durcheinandergebracht worden, dass eine seriöse Aussage kaum möglich sei.</p>



<h4 class="wp-block-heading">„Ich würd’s wieder machen!“</h4>



<p>Röck, der den Familienbetrieb Ruchti in vierter Generation führt und für den eher die 7-Tage-Woche Usus ist, sagt heute dennoch: „Ich würd’s wieder machen!“. Gerade junge BetriebsinhaberInnen aus der Region würden sich sein Modell mittlerweile zum Vorbild nehmen. Er schätzt, dass es noch sechs oder sieben Jahre dauern wird, bis das in seiner Branche ohnehin die Regel sein wird.</p>



<p>Nachdem die Werbekampagne Ruchtis im Herbst vergangenen Jahres auslief, sank auch die Zahl der BewerberInnen wieder. In Sachen Fachkräftemangel stehe man nun wieder am Anfang. Die gute Nachricht für die Firma Ruchti und Geschäftsführer Röck: Nachdem der Start mehrmals verschoben wurde, soll im Herbst endlich „Keine Zeit zu sterben“ in den Kinos anlaufen. Und mit dem neuen „007“-Film auch Ruchtis Werbespot. „Und wenn James Bond läuft, dann soll das wieder durch die Decke gehen!“.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Das könnte dich auch interessieren:</h4>



<ul class="wp-block-list">
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<li><a href="https://kompetenz-online.at/2021/12/30/mehr-zeit-fuer-die-seele/" aria-label="Wie die 37-Stunden Woche beim Kuratorium Wiener Pensionistenwohnhäuser erfolgreich umgesetzt wurde.">Wie die 37-Stunden Woche beim Kuratorium Wiener Pensionistenwohnhäuser erfolgreich umgesetzt wurde.</a></li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Island und Irland testen Arbeitszeitverkürzungen</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2021/07/27/island-und-irland-testen-arbeitszeitverkuerzungen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuel Stolz]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 Jul 2021 12:14:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Arbeitszeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Erfahrungen zeigen: Kürzere Arbeitszeiten führen zu gesünderen und zufriedeneren Beschäftigten sowie höhere Produktivität.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="645" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Island_AdobeStock_132305762-1024x645.png" alt="" class="wp-image-17184" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Island_AdobeStock_132305762-1024x645.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Island_AdobeStock_132305762-300x189.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Island_AdobeStock_132305762-150x95.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Island_AdobeStock_132305762-768x484.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/07/Island_AdobeStock_132305762.png 1500w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Foto: Adobe Stock</figcaption></figure>



<p><strong>Die Erfahrungen zeigen: Kürzere Arbeitszeiten führen zu gesünderen und zufriedeneren Beschäftigten sowie höherer Produktivität.</strong></p>



<span id="more-17182"></span>



<p>Nach dem erfolgreichen isländischen Versuch, über vier Jahre die Arbeitszeit im öffentlichen Dienst zu verkürzen, hat auch die irische Regierung im Juni angekündigt, eine halbjährliche Testphase für die 4-Tage-Arbeitswoche durchführen zu wollen. Zahlreiche positive Erfahrungen aus verschiedensten Unternehmen und Ländern zeigen, dass Arbeitszeitverkürzungen die Beschäftigten gesünder, zufriedener und produktiver machen. Die Corona-Pandemie aber auch die Klimakrise machen deutlich, dass Modelle zur Verkürzung der Arbeitszeit in vielerlei Hinsicht notwendig sind.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Island: Weltweit größter Versuch zur Arbeitszeitverkürzung</h4>



<p>Von 2015 bis 2019 haben die Stadtregierung von Reykjavik und die nationale isländische Regierung auf Druck von Gewerkschaften und zivilgesellschaftlichen Organisationen einen Versuch zur Arbeitszeitverkürzung im öffentlichen Dienst gestartet. 2500 Beschäftigte aus mehr als 100 Einrichtungen wie Krankenhäuser, Schulen, Kinderbetreuungs- und Pflegeinrichtungen oder der Stadtverwaltung von Reykjavik haben daran teilgenommen. Ihre durchschnittliche Arbeitszeit betrug 35 bis 36 Wochenstunden, anstatt der üblichen 40 Stunden. Bei vollem Lohnausgleich.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Beschäftigte gesünder, zufriedener und produktiver</h4>



<p>Auf Basis der wissenschaftlichen Begleitung während des gesamten Versuches wurden die Ergebnisse zwei Jahre lang in einem ausführlichen Bericht analysiert und dargelegt. Daraus geht hervor, dass die Beschäftigten durch die Arbeitszeitverkürzung insgesamt zufriedener sind, weil sie mehr Zeit für Erholung, Familie, Freunde oder ihre Hobbies hatten. Das Wohlbefinden der Beschäftigten steigerte sich erheblich, wie eine Reihe von Indikatoren belegte, von empfundenem Stress und Erschöpfungszustand bis hin zur Gesundheit und Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.</p>



<p>Wie schon die Ergebnisse anderer Arbeitszeitverkürzungen zeigen, verbesserte sich beim isländischen Versuch nicht nur die Qualität der Arbeit, sondern auch die Produktivität.</p>



<h4 class="wp-block-heading">86 Prozent der Beschäftigten können nun von kürzeren Arbeitszeiten profitieren</h4>



<p>Die Ergebnisse des Versuches wirken sich bereits auf die gesamte Arbeitswelt in Island aus. Mehrere Gewerkschaften haben in Folge Arbeitszeitverkürzungen ausverhandeln können. Für 86 Prozent der isländischen Beschäftigten sind die Arbeitszeiten dadurch bereits kürzer geworden bzw. haben sie zumindest die Möglichkeit erhalten, ihre Arbeitszeit zu verkürzen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Irland: Halbjährliche Testphase für 4-Tage-Arbeitswoche</h4>



<p>Die Organisation „Four Day Week“ in Irland wird von Gewerkschaften, WissenschaftlerInnen und Frauen- sowie Umweltorganisationen unterstützt. Ziel dieses Bündnisses ist es, lokale Behörden zu ermutigen, die 4-Tage-Woche auszuprobieren. Unterstützung für dieses Vorhaben gibt es nun auch von der irischen Regierung. Zur Überprüfung der Umsetzbarkeit einer generellen 4-Tage-Arbeitswoche startet Irland Anfang Jänner 2022 eine sechsmonatige Testphase und hat dafür eine Forschungsförderung von 150.000 zur Verfügung gestellt. Unternehmen, die sich an dem Pilotprojekt beteiligen, erhalten außerdem Schulungen, Unterstützung und Mentoring, um einen reibungslosen Übergang in die 4-Tage-Arbeitswoche zu ermöglichen.</p>



<p>Insbesondere die Auswirkungen von COVID-19 aber auch der fortschreitenden Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt haben die irische Regierung veranlasst, Arbeitszeitmodelle zu überdenken und neu zu bewerten.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Verringerung der CO2-Emissionen und bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie</h4>



<p>Die 4-Tage-Arbeitswoche würde laut der irischen Umweltministerin den Pendelverkehr reduzieren und dazu beitragen, CO2-Emissionen und die Luftverschmutzung insgesamt zu verringern. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf könnte durch den zusätzlichen freien Tag ebenfalls verbessert werden.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><a href="https://kompetenz-online.at/2020/07/13/warum-freiwillige-arbeitszeitverkuerzung-jetzt-helfen-kann/" data-type="URL" data-id="https://kompetenz-online.at/2020/07/13/warum-freiwillige-arbeitszeitverkuerzung-jetzt-helfen-kann/" aria-label="GPA-Modell für Österreich: „90 für 80“ – Freiwillige Arbeitszeitverkürzung">GPA-Modell für Österreich: „90 für 80“ – Freiwillige Arbeitszeitverkürzung</a></h4>



<p>WIFO-Prognosen zufolge kommt jeder zweite Job, der in Österreich heuer durch die Corona-Krise verloren geht, nächstes Jahr nicht wieder zurück. Mit dem Modell „90 für 80“ hätten wir die Chance, die Arbeitslosigkeit bis inklusive 2021 abzufedern. Bei diesem Modell können Beschäftigte freiwillig die Arbeitszeit auf 80 Prozent reduzieren und erhalten dafür 90 Prozent ihres Gehaltes. Die Differenz wird vom AMS bezahlt. Voraussetzung dafür ist, dass für die freiwerdende Zeit jemand neu im Betrieb aufgenommen wird. Für je vier Personen, die sich für das Modell entscheiden, könnte also eine neue Vollzeitstelle geschaffen werden. Von diesem Modell würden auch die UnternehmerInnen durch die steigende Produktivität profitieren. Aus Statistiken wissen wir, dass 400.000 Beschäftigte in Österreich ihre Arbeitszeit gerne reduzieren würden. Wenn nur jede/R zehnte davon mitmachen würde, könnten wir dadurch 10.000 Jobs schaffen. Entscheidet sich ein Viertel für das Modell, wären es sogar 25.000 neue Arbeitsplätze.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Spanien will 4-Tage-Arbeitswoche mit EU-Hilfsgeldern fördern</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2021/03/08/spanien-will-4-tage-arbeitswoche-mit-eu-hilfsgeldern-foerdern/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuel Stolz]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Mar 2021 15:14:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Arbeitszeit]]></category>
		<category><![CDATA[Internationales]]></category>
		<category><![CDATA[4-Tage-Woche]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitszeitverkürzung]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
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		<category><![CDATA[Manuel Stolz]]></category>
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		<category><![CDATA[Spanien]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Coronakrise hat die Arbeitslosigkeit in Europa teilweise dramatisch ansteigen lassen. Gleichzeitig gibt eine Mehrheit der EuropäerInnen in Umfragen regelmäßig an, lieber vier statt fünf Tage pro Woche arbeiten zu wollen. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/03/Mann-mit-Uhr-am-Fahrrad-AdobeStock_170333581-1024x683.png" alt="" class="wp-image-16495" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/03/Mann-mit-Uhr-am-Fahrrad-AdobeStock_170333581-1024x683.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/03/Mann-mit-Uhr-am-Fahrrad-AdobeStock_170333581-300x200.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/03/Mann-mit-Uhr-am-Fahrrad-AdobeStock_170333581-150x100.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/03/Mann-mit-Uhr-am-Fahrrad-AdobeStock_170333581-768x512.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/03/Mann-mit-Uhr-am-Fahrrad-AdobeStock_170333581-600x400.png 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/03/Mann-mit-Uhr-am-Fahrrad-AdobeStock_170333581-720x480.png 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/03/Mann-mit-Uhr-am-Fahrrad-AdobeStock_170333581-272x182.png 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2021/03/Mann-mit-Uhr-am-Fahrrad-AdobeStock_170333581.png 1500w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Foto: Adobe Stock</figcaption></figure>



<p><strong>Die Coronakrise hat die Arbeitslosigkeit in Europa teilweise dramatisch ansteigen lassen. Gleichzeitig gibt eine Mehrheit der EuropäerInnen in Umfragen regelmäßig an, lieber vier statt fünf Tage pro Woche arbeiten zu wollen.</strong></p>



<span id="more-16493"></span>



<p>Die sozialistisch angeführte spanische Regierung unter Premierminister Pedro Sanchez will deshalb Unternehmen, die eine 4-Tage-Arbeitswoche einführen wollen, künftig insgesamt 50 Mio. Euro an Fördermittel zur Verfügung stellen. Ziel dieser Maßnahme ist es, neue Arbeitsplätze zu schaffen sowie die Arbeitsproduktivität und das Wohlbefinden der Beschäftigten bei vollem Lohnausgleich zu steigern. Das spanische Arbeitsministerium erarbeitet derzeit die Details des neuen Fördermodells.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Überdurchschnittliche Arbeitszeiten und niedrige Arbeitsproduktivität</strong></h4>



<p>Die wöchentliche Arbeitszeit ist in Spanien derzeit gesetzlich auf maximal 40-Stunden begrenzt. Einzelne Arbeitstage müssen spätestens nach neun Stunden beendet werden. Nach Angaben des EU-Statistikamtes Eurostat aus dem Jahr 2019 arbeiten Beschäftigte in Spanien durchschnittlich 36,4 Stunden pro Woche. Dies entspricht beinahe dem Wochenarbeitsdurchschnitt von Frankreich, der bei 36,3 Stunden liegt (EU-Durchschnitt: 36,2 Stunden). Bei der Arbeitsproduktivität (nach dem Bruttoinlandsprodukt je Beschäftigten) hingegen liegt Spanien (95,7) deutlich hinter Frankreich (114,8) und dem EU-Durchschnitt (100). Laut Eurostat ist das Land damit eine der am wenigsten produktiven Staaten in Westeuropa. Obwohl die Beschäftigten in Spanien beinahe gleich viele Arbeitsstunden pro Woche leisten, wie im europäischen Durchschnitt.<br>Auf internationaler Ebene sind Länder mit höherer durchschnittlicher Arbeitszeit generell weniger produktiv als Länder mit kürzerer. Verschiedene Studien zeigen, dass Arbeitszeitverkürzung zu einem Anstieg der Produktivität, etwa durch eine bessere Gesundheit (weniger Stress, mehr Freizeit) führt.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Fördermittel für Unternehmen, die 4-Tage-Arbeitswoche einführen</strong></h4>



<p>Die spanische Regierung will nun mit dem Modell der 4-Tage-Arbeitswoche die Produktivitätsrate steigern und gleichzeitig auch neue Arbeitsplätze schaffen. 200 Unternehmen sollen sich an einem Projekt zur Verkürzung der Arbeitszeit beteiligen und dazu Fördermittel von insgesamt 50 Mio. Euro von der Regierung erhalten. Das Modell sieht eine Übernahme der zusätzlichen Kosten für die Betriebe vor: 100% im ersten Jahr, 50% im zweiten Jahr und 33% im dritten Jahr. Für 3000-6000 Beschäftigte soll dadurch die Arbeitszeit auf 32 Stunden pro Woche bei vollem Lohnausgleich verkürzt werden. Das Projekt soll im Herbst 2021 starten und wird Spanien zum ersten Land der Welt machen, in dem die 4-Tage-Arbeitswoche landesweit getestet wird.<br>Die Mittel dafür will man über den EU-Recovery Plan zum Wiederaufbau der Wirtschaft locker machen. Auch mehrere Regionalregierungen im Land haben bereits angekündigt, zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen, um die Produktivität und die Zufriedenheit der Beschäftigten zu steigern. Die Region Valencia wird beispielsweise Unternehmen, die eine 4-Tage-Arbeitswoche einführen, im Jahr 2021 mehr als 300 Euro pro MitarbeiterIn ausbezahlen.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>EU-Recovery Plan sieht auch 3,3 Mrd. Euro für Österreich vor</strong></h4>



<p>Auch Österreich stehen 3,3 Mrd. Euro aus dem EU-Recovery Plan für den wirtschaftlichen Wiederaufbau nach der Corona-Krise zur Verfügung. Mit diesem Hilfspaket könnten umfangreiche, öffentliche Investitionen getätigt werden. Um die Mittel des Programmes in Anspruch nehmen zu können, müssen jedoch bis Ende April nationale Aktionspläne bei der EU-Kommission zur Verwendung der Gelder eingereicht werden. Österreich zählt zu den letzten drei Staaten, die bisher noch gar keine Pläne vorgelegt haben. Auch die von der EU-Kommission diesbezüglich geforderten Gespräche mit den Sozialpartnern haben bisher noch nicht stattgefunden. Andere Mitgliedstaaten wie Finnland oder die Niederlande hingegen haben ihre Aktionspläne bereits vorgelegt und dabei vor allem auf Transparenz und den Austausch mit den Sozialpartnern gesetzt.<br>Angesichts von 450 000 Menschen ohne Beschäftigung in Österreich, könnte ein Gutteil dieser Summe in neue Arbeitsplätze und innovative Arbeitszeitmodelle investiert werden.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>„90 für 80“ – Freiwilliges Modell zur Arbeitszeitverkürzung</strong></h4>



<p>WIFO-Prognosen zufolge kommt jeder zweite Job, der in Österreich heuer durch die Corona-Krise verloren geht, nächstes Jahr nicht wieder zurück. Mit dem Modell „90 für 80“ hätten wir die Chance, die Arbeitslosigkeit bis inklusive 2021 abzufedern. Bei diesem Modell können Beschäftigte freiwillig die Arbeitszeit auf 80% reduzieren und erhalten dafür 90% ihres Gehaltes. Die Differenz wird vom AMS bezahlt. Voraussetzung dafür ist, dass für die freiwerdende Zeit jemand neu im Betrieb aufgenommen wird. Für je vier Personen, die sich für das Modell entscheiden, könnte also eine neue Vollzeitstelle geschaffen werden. Von diesem Modell würden auch die UnternehmerInnen durch die steigende Produktivität profitieren. Aus Statistiken wissen wir, dass 400 000 Beschäftigte in Österreich ihre Arbeitszeit gerne reduzieren würden. Wenn nur jede/R zehnte davon mitmachen würde, könnten wir dadurch 10 000 Jobs schaffen. Entscheidet sich ein Viertel für das Modell, wären es sogar 25 000 neue Arbeitsplätze.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Arbeitslosigkeit gerecht verteilen</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2020/12/10/arbeitslosigkeit-gerecht-verteilen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christof Mackinger]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Dec 2020 19:13:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Arbeitsmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitszeit]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgabe 2021/01]]></category>
		<category><![CDATA[Betriebsrat]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitslosigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitszeitverkürzung]]></category>
		<category><![CDATA[Christof Mackinger]]></category>
		<category><![CDATA[Günther Haberl]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Modell 90 für 80]]></category>
		<category><![CDATA[Solidaritätsprämienmodell]]></category>
		<category><![CDATA[Verein VertretungsNetz]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Solidaritätsprämienmodell ist ein brauchbares Mittel um die Arbeitszeit zu reduzieren und gleichzeitig neue Arbeitsplätze zu schaffen. Trotz der Corona-bedingten hohen Arbeitslosigkeit wird das Solidarmodell aber selten genutzt. Der Betriebsratsvorsitzende Günther Haberl erzählt warum es seine KollegInnen beim Verein VertretungsNetz seit 20 Jahren gerne in Anspruch nehmen – und wie das geht.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/12/Guenther-Haberl_7109-1024x683.png" alt="" class="wp-image-15702" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/12/Guenther-Haberl_7109-1024x683.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/12/Guenther-Haberl_7109-300x200.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/12/Guenther-Haberl_7109-150x100.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/12/Guenther-Haberl_7109-768x512.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/12/Guenther-Haberl_7109-600x400.png 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/12/Guenther-Haberl_7109-720x480.png 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/12/Guenther-Haberl_7109-272x182.png 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/12/Guenther-Haberl_7109.png 1500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Foto: Nurith Wagner-Strauss</figcaption></figure>



<p><strong>Das Solidaritätsprämienmodell ist ein brauchbares Mittel um die Arbeitszeit zu reduzieren und gleichzeitig neue Arbeitsplätze zu schaffen. Trotz der Corona-bedingten hohen Arbeitslosigkeit wird das Solidarmodell aber selten genutzt. </strong></p>



<span id="more-15701"></span>



<p><strong>Der Betriebsratsvorsitzende Günther Haberl erzählt warum es seine KollegInnen beim Verein VertretungsNetz seit 20 Jahren gerne in Anspruch nehmen – und wie das geht.</strong></p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Herr Haberl, sie sind Betriebsratsvorsitzender beim <a rel="noreferrer noopener" href="https://vertretungsnetz.at" target="_blank" aria-label="Verein VertretungsNetz (öffnet in neuem Tab)">Verein VertretungsNetz</a>. Was sind die Tätigkeitsbereiche von VertretungsNetz und wer arbeitet bei ihnen?</p>



<p><strong>Günther Haberl</strong>: Das Hauptfeld unserer Tätigkeit ist die Erwachsenenvertretung, also die Rechtsfürsorge für Menschen, die ihre Rechtsangelegenheiten nicht mehr alleine bewältigen können, sei es aufgrund einer psychischen Erkrankung oder altersbedingt. Weiters übernehmen wir durch die Patientenanwaltschaft die parteiliche Interessensvertretung psychisch kranker Menschen in psychiatrischen Krankenhäusern, sowie für die vielen Menschen in Pflege- und Behinderteneinrichtungen durch die Bewohnervertretung.</p>



<p>VertretungsNetz ist fast im ganzen Bundesgebiet mit 730 DienstnehmerInnen aktiv.</p>



<p>Drei Viertel unserer Beschäftigten sind Frauen, darunter gibt es PsychologInnen, diplomierte KrankenpflegerInnen, PädagogInnen und SoziologInnen, vor allem aber sind SozialarbeiterInnen und JuristInnen bei Vertretungsnetz beschäftigt.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>&#8222;Im Laufe der Jahre wurde das Solidaritätsprämienmodell in etwa zehn Teams genutzt.&#8220;</p><cite>Günther Haberl</cite></blockquote>



<p><strong>KOMPETENZ: </strong>In ihrem Betrieb fand das Solidaritätsprämienmodell schon zahlreiche Anwendungen. Wie kam es dazu?</p>



<p><strong>Günther Haberl</strong>: Wir haben vor 20 Jahren eine Betriebsvereinbarung abgeschlossen, in welcher der Dienstgeber seine Bereitschaft deklarierte, dem Solidaritätsprämienmodell zuzustimmen &#8211; soweit dem keine betrieblichen Gründe entgegenstehen. Im Laufe der Jahre wurde diese Art der Arbeitszeitverkürzung in etwa zehn Teams genutzt. Von Seiten unseres Betriebs hat es da nie Widerstand gegeben.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Wie kann man sich das in der Praxis vorstellen?</p>



<p><strong>Günther Haberl</strong>: Ein konkretes Beispiel: In einem unserer Teams mit über zehn DienstnehmerInnen meinten drei KollegInnen im Alter zwischen 40 und 50 Jahren: „Ich habe schon so lange Vollzeit gearbeitet, aber bis zur Pension dauert es noch. Ich würde gerne für zwei Jahre auf 30 Wochenstunden reduzieren.“ Sie wussten, damit gibt es die Chance auf einen Zuwachs im Team. Der Arbeitgeber verpflichtete sich die gesamten frei gewordenen 30 Wochenstunden nachzubesetzen. Die drei, die jeweils zehn Wochenstunden reduziert haben, bekommen über das AMS eine Solidaritätsprämie. Diese ermöglicht, dass die Gehaltseinbuße der DienstnehmerInnen nur die Hälfte der Arbeitszeitreduktion ausmacht. Das heißt, die drei bekommen 35 Wochenstunden bezahlt.</p>



<p>Das ist eine Win-Win-Situation: Mehrere Bedienstete konnten ihre Arbeitszeit reduzieren und schufen damit einen zusätzlichen Arbeitsplatz.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>&#8222;Der Dienstgeber hat dadurch eine höhere Arbeitszufriedenheit bei den MitarbeiterInnen gewonnen.&#8220;</p><cite>Günther Haberl</cite></blockquote>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Dass die Bediensteten von der vorübergehenden Arbeitszeitverkürzung profitieren ist klar. Aber hat auch der Dienstgeber davon Vorteile?</p>



<p><strong>Günther Haberl</strong>: Ja eindeutig. Der Dienstgeber hat dadurch eine höhere Arbeitszufriedenheit bei den MitarbeiterInnen gewonnen. In unserem Arbeitsbereich geht es darum, MitarbeiterInnen langfristig mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung im Unternehmen zu halten. Zeigt sich der Arbeitgeber da nicht entgegenkommend, kann das auf Dauer vielfältige negative Auswirkungen auf die Leistungserbringung haben.</p>



<p>Auch langfristig gibt es nur Vorteile: Braucht es eine Personalaufstockung ist man froh jemand aufnehmen zu können, der schon eingearbeitet ist. Das könnte dann jemand sein, der über das Solidarprämienmodell schon vorübergehend im Betrieb tätig war.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="333" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/12/guenther-haberl.png" alt="" class="wp-image-15708" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/12/guenther-haberl.png 1000w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/12/guenther-haberl-300x100.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/12/guenther-haberl-150x50.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/12/guenther-haberl-768x256.png 768w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption><strong>Günther Haberl, Jahrgang 1957, ist diplomierter Sozialarbeiter und ausgebildeter Supervisor. Mit drei KollegInnen hat Haberl im Jahr 1980 &#8211; damals noch unter dem Namen „Verein für Sachwalterschaft“ – begonnen, VertretungsNetz aufzubauen. Haberl gründete in den 1980er Jahren den ersten Betriebsrat im Verein und ist seit damals Gewerkschaftsmitglied. Nach vielen Jahren Pause übernahm er im Jahr 2002 den Vorsitz des mittlerweile 10-köpfigen Betriebsratsteams.</strong><br>Fotos: Nurith Wagner-Strauss</figcaption></figure>



<p><strong>Während die GPA für den Gesundheits- und Sozialbereich schon lange eine<a href="https://kompetenz-online.at/2020/02/21/35-stunden-sind-genug-gpa-djp-und-vida-kaempfen-fuer-eine-verkuerzung-der-arbeitszeit" aria-label="generelle Arbeitszeitverkürzung"> generelle Arbeitszeitverkürzung</a> &#8211; bei vollem Lohnausgleich &#8211; fordert, waren die Arbeitgeber trotz Corona-bedingter hoher Arbeitslosigkeit bisher strikt dagegen.</strong> <strong>Könnte hier das Solidaritätsprämienmodell Abhilfe schaffen?</strong></p>



<p><strong>Günther Haberl</strong>: Die einen sind furchtbar belastet und brechen fast zusammen, die anderen finden keine Arbeit. Ich bin fest davon überzeugt, dass es da prinzipiell ein sinnvoller Ansatz ist, die Arbeitslosigkeit auf alle Menschen zu verteilen. Und das geht natürlich über eine Arbeitszeitverkürzung. Das Solidaritätsprämienmodell ist besonders sinnvoll, weil es die Freiwilligkeit der Bediensteten mit einem Zuschuss des Staates kombiniert.</p>



<p><strong>Günther Haberl</strong>: In den letzten Monaten haben wir mit großer Bewunderung gesehen, wie enorm anstrengend etwa die Tätigkeit im Pflegebereich ist. Leider wird das bisher noch nicht ausreichend finanziell honoriert. Der Gewerkschaft ist es bisher leider noch nicht gelungen im Sozial- und Gesundheitsbereich eine Arbeitszeitverkürzung auf 35 Wochen bei vollem Personal- und Lohnausgleich durchzusetzen. Wir werden aber nicht aufgeben. Gerade die Erfahrungen in der Krise könnten uns hier Rückenwind geben.</p>



<p class="blauebox"><strong>Solidarprämienmodell:</strong><br>Das Prinzip des Solidaritätsprämienmodells funktioniert ganz einfach: Mehrere Bedienstete, die ihre Normalarbeitszeit freiwillig reduzieren wollen, bekommen dies für zwei oder drei Jahre lang gefördert. Das AMS bezahlt dabei bis zu 50 Prozent des Lohns, der durch die Arbeitszeit-Reduktion wegfällt. Die Summe der freigewordenen Arbeitsstunden werden für denselben Zeitraum mit einer arbeitsuchenden, neuen Arbeitskraft besetzt &#8211; ohne Zusatzkosten für den Betrieb.</p>
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		<title>Wege aus der Jobmisere</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2020/09/29/wege-aus-der-jobmisere/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Evelyn Holley-Spiess]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Sep 2020 15:40:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Arbeitsmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitszeit]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgabe 2020/03]]></category>
		<category><![CDATA[Coverstories]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitslosengeld]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitslosigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Corona]]></category>
		<category><![CDATA[Coronakrise]]></category>
		<category><![CDATA[Coronavirus]]></category>
		<category><![CDATA[Coverstory]]></category>
		<category><![CDATA[COVID-19]]></category>
		<category><![CDATA[Modell 90 für 80]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftskrise]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftsstandort]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Corona-Krise hat den Arbeitsmarkt auf den Kopf gestellt. Und der Höhepunkt steht zur Jahreswende noch bevor. Dennoch gibt es Möglichkeiten, gegenzusteuern. Voraussetzung dafür ist ein breiter Schulterschluss in der Gesellschaft - und das Nachdenken, wie Arbeit neu verteilt werden kann.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="682" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/09/kompetenz_innen-1024x682.png" alt="" class="wp-image-14727" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/09/kompetenz_innen-1024x682.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/09/kompetenz_innen-300x200.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/09/kompetenz_innen-150x100.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/09/kompetenz_innen-768x512.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/09/kompetenz_innen-600x400.png 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/09/kompetenz_innen-720x480.png 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/09/kompetenz_innen-272x182.png 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/09/kompetenz_innen.png 1502w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Illustration: PM Hoffmann</figcaption></figure>



<p><strong>Die Corona-Krise hat den Arbeitsmarkt auf den Kopf gestellt. Und der Höhepunkt steht zur Jahreswende noch bevor. Dennoch gibt es Möglichkeiten, gegenzusteuern. Voraussetzung dafür ist ein breiter Schulterschluss in der Gesellschaft &#8211; und das Nachdenken, wie Arbeit neu verteilt werden kann.</strong></p>



<span id="more-14725"></span>



<p>Es ist das Jahr der Negativ-Rekorde am österreichischen Arbeitsmarkt: Im April 2020 waren 571.477 Menschen ohne Job. Ein historischer Höchststand. Erstmals war die Frauenarbeitslosigkeit höher als die der Männer. Jugendliche und junge Erwachsene sind ebenso dramatisch betroffen. Nach Einschätzung des Arbeitsmarktservice (AMS) Österreich wird der Anstieg der Arbeitslosigkeit in dieser Gruppe im Vergleich zum Vorjahr am stärksten ausfallen: Im Jahresschnitt werden rund 100.000 Personen im Alter von 15 bis 25 Jahre arbeitslos gemeldet oder in Schulungen sein. Umgelegt auf die Gesamtbevölkerung rechnet AMS-Vorstand Herbert Buchinger übers Jahr mit durchschnittlich 450.000 Betroffenen. Damit nicht genug: Während die Konjunkturprognosen für 2021 eine leichte Entspannung am Jobmarkt vorhersagen, erwartet der AMS-Chef kommenden Jänner noch einmal einen neuen – auch saisonal bedingten – Höchstwert.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Wir sind in einer Situation, in der es keine einfachen Antworten mehr gibt“</p><cite>Christine Mayrhuber</cite></blockquote>



<p>„Wir sind in einer Situation, in der es keine einfachen Antworten mehr gibt“, bringt Christine Mayrhuber, WIFO-Expertin für Arbeitsmarkt, Einkommen und soziale Sicherheit die Ausgangslage für die bevorstehende Herbst- und Wintersaison auf den Punkt. Dementsprechend rauchen allerorten die Köpfe. Klar ist: So unterschiedlich die Probleme und Bedürfnisse der einzelnen Gruppen sind – so breit müssen die arbeitsmarktpolitischen Akzente gesetzt werden. Und die Zeit läuft.</p>



<h4 class="wp-block-heading">„Arbeit solidarisch verteilen“</h4>



<p>David Mum, Leiter der Grundlagenabteilung in der GPA-djp, sieht einen vielversprechenden Ansatz in einer Arbeitszeitverkürzung gepaart mit der Neueinstellung von MitarbeiterInnen. Die GPA-djp hat unter dem Titel „<a href="https://kompetenz-online.at/2020/07/13/warum-freiwillige-arbeitszeitverkuerzung-jetzt-helfen-kann/" aria-label="90 für 80">90 für 80</a>“ ein Konzept ausgearbeitet, mit dem das bisherige Solidaritätsprämienmodell weiterentwickelt wird. Die Eckpunkte: Auf freiwilliger Basis können MitarbeiterInnen ihre Arbeitszeit auf 80 Prozent reduzieren, wobei sie weiterhin 90 Prozent ihres Gehalts bekommen. Die Differenz würde das AMS für einen Zeitraum von vier Jahren übernehmen. Voraussetzung für die Förderung ist, dass eine arbeitslos gemeldete Person im Ausmaß der Arbeitszeitreduktion angestellt wird. Im Idealfall könnten vier Vollzeitbeschäftigte, die aktuell 40 Stunden pro Woche arbeiten, auf jeweils 32 Stunden reduzieren und im Gegenzug einer/einem Arbeitslosen auf diese Weise einen 32-Stunden-Job ermöglichen. Mum: „Damit können wir zusätzliche Beschäftigung bei gleichbleibendem Arbeitsvolumen schaffen.“ Geeignet wäre das Modell „vor allem für Großunternehmen und Branchen mit Schichtbetrieb“. Was es braucht ist der politische Rückenwind zur raschen Umsetzung – noch im laufenden Jahr.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>&#8222;Wir wissen, dass 400.000 Beschäftigte in Österreich ihre Arbeitszeit gerne reduzieren würden. Wenn nur jeder zehnte davon mitmacht, dann schaffen wir damit 10.000 Jobs. Wenn sich ein Viertel für das Modell entscheidet, wären es sogar 25.000 neue Arbeitsplätze.“</p><cite>Barbara Teiber</cite></blockquote>



<p>Barbara Teiber, Vorsitzende der GPA-djp, schlägt in die gleiche Kerbe: „Wir sind aktuell mit einer unfreiwilligen Arbeitszeitverkürzung konfrontiert, für jene, die sich in Kurzarbeit befinden und jene, deren Arbeitszeit auf Null gesetzt wurde. Da nicht absehbar ist, dass die ökonomische Krise schnell überwunden wird, müssen wir uns dringend gemeinsam kreative Gedanken machen, wie wir Arbeit neu und solidarisch verteilen können.“ Und weiter: „Wir wissen, dass 400.000 Beschäftigte in Österreich ihre Arbeitszeit gerne reduzieren würden. Wenn nur jeder zehnte davon mitmacht, dann schaffen wir damit 10.000 Jobs. Wenn sich ein Viertel für das Modell entscheidet, wären es sogar 25.000 neue Arbeitsplätze.“<br>AMS-Chef Buchinger hält Instrumente wie diese für „sehr gescheit“. Die Art der Förderung gewährleiste, dass „beim Arbeitnehmer nicht die volle Wucht des Gehaltverlustes und beim Arbeitgeber nicht die volle Wucht der Kostensteigerung schlagend wird.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Großer Wunsch nach kürzerer Arbeitszeit</h4>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="682" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/09/kompetenz_cover_90fuer80-1024x682.png" alt="" class="wp-image-14726" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/09/kompetenz_cover_90fuer80-1024x682.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/09/kompetenz_cover_90fuer80-300x200.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/09/kompetenz_cover_90fuer80-150x100.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/09/kompetenz_cover_90fuer80-768x512.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/09/kompetenz_cover_90fuer80-600x400.png 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/09/kompetenz_cover_90fuer80-720x480.png 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/09/kompetenz_cover_90fuer80-272x182.png 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/09/kompetenz_cover_90fuer80.png 1501w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Illustration: PM Hoffmann</figcaption></figure>



<p>Das Modell „90 für 80“ trifft den Nerv der Debatte. Denn gerade auch in Zeiten der Krise hat sich ein Wunsch manifestiert: „Viele wollen ihre Arbeitszeit verkürzen und nicht mehr zum vollen Umfang zurückkehren. Das belegen inzwischen zahlreiche Studien“, fasst Mum zusammen.</p>



<p>So hat sich die Universität Wien in einem Forschungsprojekt umfassend mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Gesellschaft befasst. Über Monate hinweg wurden wiederholt Umfragen durchgeführt – mit einer für Österreich repräsentativen Stichprobe. Die Ergebnisse waren regelmäßig in einem Corona-Blog nachzulesen. Was das Thema Arbeitszeit angeht, ist dort folgendes festgehalten: „Eine neue Debatte um eine mögliche Arbeitszeitverkürzung ist angesichts der noch länger andauernden Corona-Krise jedenfalls eingeläutet.“ Denn: „Angesichts der angespannten Lage am Arbeitsmarkt werden Rufe nach einer Arbeitszeitverkürzung laut. Auch die Befragten stehen einer Reduktion der eigenen Arbeitszeit positiv gegenüber. Mehr als die Hälfte der Befragten möchte generell kürzer arbeiten. 3 von 10 Befragten wollen ihre Arbeitszeit sogar um mehr als einen Arbeitstag pro Woche reduzieren. Lediglich 28 Prozent der ÖsterreicherInnen möchten dieselbe wöchentliche Normalarbeitszeit wie im Februar 2020 vor dem coronabedingten Lockdown in Österreich.“</p>



<h4 class="wp-block-heading">Kampf an vielen Fronten</h4>



<p>Arbeitszeitverkürzung allein wird freilich nicht reichen, um dem Einbruch am Jobmarkt beizukommen. Denn der Kreis an Betroffenen, die es besonders schwer haben, ist extrem heterogen. Eine hartnäckige Forderung der Gewerkschaft ist es, dass zumindest 50 Prozent des AMS-Förderbudgets für Frauen reserviert ist. Mayrhuber und ihre Kollegin Ulrike Huemer, ebenfalls Arbeitsmarktspezialistin beim WIFO, betonen wiederum die Herausforderungen für ältere Menschen, gering Qualifizierte sowie Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen. Huemer: „Wir wissen, dass es mitunter sehr schwer ist, diese Leute wieder zu integrieren.“ Und sie gibt den politischen EntscheidungsträgerInnen eine Warnung mit: „Es ist enorm wichtig, jetzt gegenzusteuern. Damit sich die Arbeitslosigkeit, die im Zuge der Krise dazugekommen ist, nicht verfestigt.“ Gemeint ist damit die Gefahr, dass die Zahl der sogenannten Langzeitbeschäftigungslosen dauerhaft hoch bleibt. Also all jener Personen, die mindestens ein Jahr lang ohne Job sind – Schulungen oder kurzzeitige Beschäftigungen nicht berücksichtigt. Mitte des Jahres machte deren Anteil bereits knapp 30 Prozent in der Arbeitslosenstatistik aus.</p>



<p>Für Huemer führt daher kein Weg daran vorbei, dass „das AMS mehr personelle Ressourcen erhält. Eine intensivere Betreuung bringt mehr Erfolg.“ Weiters fordert sie eine Qualifizierungsoffensive. Davon würden die TeilnehmerInnen ebenso profitieren, wie Kurs- und Ausbildungsanbieter, die damit wieder ihrem Geschäft nachgehen können. Auch die öffentliche Hand könnte sich als Arbeitgeber einbringen – etwa durch Rekrutierung von passenden Arbeitslosen für Jobs in der Verwaltung.</p>



<p>Was die alarmierende Situation bei den Jugendlichen angeht, so rechnet Huemer damit, dass sich die Lehrstellenlücke wieder vergrößern wird. Der Ausbau überbetrieblicher Lehrwerkstätten wäre die logische Konsequenz. In jedem Fall müsse man den Jungen und jungen Erwachsenen besonderes Augenmerk schenken: „Ungünstige Erfahrungen zu Beginn des Arbeitslebens können sich wie Narben durch das gesamte Erwerbsleben ziehen.“</p>



<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile blauebox"><figure class="wp-block-media-text__media"><img loading="lazy" decoding="async" width="682" height="1024" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/09/001_Buchinger_Kopf_Fotocredit_Spiola_AMS_1-1-1-682x1024.png" alt="" class="wp-image-14742" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/09/001_Buchinger_Kopf_Fotocredit_Spiola_AMS_1-1-1-682x1024.png 682w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/09/001_Buchinger_Kopf_Fotocredit_Spiola_AMS_1-1-1-200x300.png 200w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/09/001_Buchinger_Kopf_Fotocredit_Spiola_AMS_1-1-1-100x150.png 100w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/09/001_Buchinger_Kopf_Fotocredit_Spiola_AMS_1-1-1-768x1153.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/09/001_Buchinger_Kopf_Fotocredit_Spiola_AMS_1-1-1-1023x1536.png 1023w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/09/001_Buchinger_Kopf_Fotocredit_Spiola_AMS_1-1-1.png 1171w" sizes="auto, (max-width: 682px) 100vw, 682px" /></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<h4 class="wp-block-heading">5 Fragen an AMS-Vorstand<br>Herbert Buchinger</h4>



<p><strong>KOMPETENZ: </strong>Worauf bereitet sich<br>das AMS für den Herbst/Winter vor?</p>



<p><strong>Herbert Buchinger:</strong> Auf steigende<br>Arbeitslosigkeit.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Haben wir den Höhenpunkt noch vor uns?</p>



<p><strong>Herbert Buchinger:</strong> Ich rechne mit dem Höhepunkt im<br>Jänner 2021.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Welche inhaltlichen Schwerpunkte plant das AMS?</p>



<p><strong>Herbert Buchinger:</strong> Es wird eine Qualifizierungsoffensive geben. Die Schwerpunkte liegen bei Pflege, Sozial- und Betreuungsberufen, bei Metalltechnikberufen und im Bereich Elektronik/Digitale Technologie.</p>



<p><strong>KOMPETENZ:</strong> Ist das Ziel der Offensive eher Weiterqualifizierung oder die<br>Ausbildung von Grund auf?</p>



<p><strong>Herbert Buchinger:</strong> Es gibt alle Schienen. Wenn wir das Beispiel Pflege nehmen, ist die Ausbildung zum/zur PflegehelferIn genauso dabei wie jene zur diplomierten Pflegekraft. Es gibt also auch längere Ausbildungen bis ins Jahr 2022.<br><strong>KOMPETENZ:</strong> In der Gruppe der 15- bis 25-Jährigen gibt es im Vergleich zum Vorjahr den stärksten Anstieg bei der Arbeitslosigkeit. Was kann man tun?</p>



<p><strong>Herbert Buchinger:</strong> Momentan ist die Situation dramatisch. Mittelfristig ist die Perspektive für diese Gruppe aber intakt. Sie werden von einem Konjunkturaufschwung rasch profitieren, wir können ihnen gut helfen und auch die demografische Entwicklung kommt ihnen entgegen.</p>
</div></div>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Kündigungswelle quer durch Österreich</strong></h4>



<ul class="wp-block-list"><li>Mitte des Jahres gab der Kristallkonzern Swarovski bekannt, dass an<br>seinem Standort in Wattens 200 Arbeitsplätze abgebaut werden.<br>Betroffen sind die Bereiche Marketing und Vertrieb. Die Mitarbeiter-<br>Innen erhielten ihre Kündigung per E-Mail. Es wurde eine<br>Arbeitsstiftung eingerichtet.</li><li>Mit Hinweis auf die Corona-Krise verkündete ATB in Spielberg im Juli<br>das Aus für die Produktion: 360 von 400 MitarbeiterInnen des steirischen<br>Antriebsherstellers verlieren trotz massiver Proteste den Job.</li><li>Ende August meldete der Strumpf- und Wäschehersteller Wolford mit<br>Sitz in Bregenz 54 MitarbeiterInnen zur Kündigung an. Betroffen sind<br>die Bereiche Zuschnitt und Vorsortierung – die Tätigkeiten werden nach<br>Slowenien ausgelagert.</li><li>Mitte September kündigte MAN an, das Werk in Steyr schließen zu<br>wollen. Innerhalb von 3 Jahren werden 2.300 Arbeitsplätze abgebaut.</li><li>Aufatmen konnten dagegen Beschäftigte der Textilfirma Huber.<br>Nicht zuletzt die Nutzung von Kurzarbeit hat Arbeitsplätze und<br>Filialnetz erhalten.</li><li>Von teils massiven Einschnitten ist coronabedingt die gesamte<br>Reisebranche betroffen – von Veranstaltern bis zur Luftfahrt.</li></ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>4-Tage-Woche</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2020/08/17/4-tage-woche/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuel Stolz]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 Aug 2020 09:42:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Arbeitszeit]]></category>
		<category><![CDATA[Internationales]]></category>
		<category><![CDATA[32-Stunden-Arbeitswoche]]></category>
		<category><![CDATA[4-Tage-Woche]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitszeitverkürzung]]></category>
		<category><![CDATA[Manuel Stolz]]></category>
		<category><![CDATA[Modell 90 für 80]]></category>
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					<description><![CDATA[4-Tage-Woche: Erfolgreiche Bilanz eines schottischen Unternehmens]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/08/Glasgow-1-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-14510" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/08/Glasgow-1-1024x683.jpg 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/08/Glasgow-1-300x200.jpg 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/08/Glasgow-1-150x100.jpg 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/08/Glasgow-1-768x512.jpg 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/08/Glasgow-1-1536x1024.jpg 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/08/Glasgow-1-2048x1365.jpg 2048w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/08/Glasgow-1-600x400.jpg 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/08/Glasgow-1-720x480.jpg 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/08/Glasgow-1-272x182.jpg 272w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p><strong>Erfolgreiche Bilanz eines schottischen Unternehmens.</strong></p>



<span id="more-14503"></span>



<p> </p>



<p>Die vom schottischen Unternehmer Andrew Barlett geführte Beratungsfirma „Advice Direct Scotland“ hat bereits 2018 die 4-Tage-Woche eingeführt. Die Arbeitszeitverkürzung auf 32 Wochenstunden bei vollem Lohnausgleich hat neben einer höheren Produktivität auch zu einem positiveren Arbeitsumfeld und zu weniger Krankenständen bei den mehr als 90 Beschäftigten geführt. Gleichzeitig konnte auch die KundInnenzufriedenheit weiterhin sichergestellt werden. Die schottische Beratungsfirma ist damit eines von vielen Unternehmen weltweit, die im Zuge einer Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich eine erfolgreiche Bilanz auf ganzer Linie ziehen können.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Voller Lohnausgleich und weiterhin bezahlte Pausen für die Beschäftigten</strong></h4>



<p>Bei der Einführung der 4-Tage-Woche war Barlett vor allem wichtig, dass seine MitarbeiterInnen keine finanziellen Einschnitte zu spüren bekommen. Die Arbeitszeitverkürzung wurde also bei vollem Lohnausgleich umgesetzt. In der verkürzten 32-Stunden-Arbeitswoche sind auch nach wie vor die bezahlten Pausen inkludiert. Darüber hinaus ist die Initiative für mehr Freizeit bei den MitarbeiterInnen erwartungsgemäß sehr gut aufgenommen worden. Die zusätzliche Zeit konnte für Freizeitaktivitäten genutzt werden, was das allgemeine Wohlbefinden in der Belegschaft sichtlich steigerte und auch zu einer Verbesserung des Arbeitsklimas beigetragen hat.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>KundenInnenzufriedenheit weiterhin sichergestellt und Produktivität gesteigert</strong></h4>



<p>Um einen reibungslosen Übergang zur 4-Tage-Woche zu ermöglichen war laut Barlett im Vorfeld natürlich einiges an Planung mit den ManagerInnen und dem Team der Personalverwaltung nötig. Die sorgfältig geplante Arbeitszeitverkürzung konnte dann jedoch relativ unkompliziert in die Tat umgesetzt werden. Dem Unternehmer war es dabei besonders wichtig, dass die Qualität der Serviceleistung für die KundInnen darunter nicht leiden wird.</p>



<p>Dieses Ziel konnte voll und ganz erreicht werden, wie der Unternehmer berichtet. Es konnte sichergestellt werden, dass der Service des Beratungsunternehmens auch nach der Einführung der 4-Tage-Woche in gewohnter Qualität angeboten wurde. Barlett zeigt sich mit der Arbeitszeitverkürzung insgesamt sehr zufrieden und bestätigt auch, dass dadurch nicht nur ein positiveres Arbeitsumfeld, sondern auch eine Steigerung der Produktivität im Unternehmen zu verzeichnen ist. Die Motivation der Belegschaft konnte wesentlich erhöht werden und die Krankenstände sind deutlich zurückgegangen.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Einführung der 4-Tage-Woche ist auch in Österreich notwendig</strong></h4>



<p>Im Vergleich zu den Reallöhnen steigt die Produktivität in Österreich beispielsweise rasanter an. Dies führt dazu, dass zur Erzeugung derselben Güter immer weniger Beschäftigte benötigt werden. Dadurch entsteht einerseits mehr Gewinn, der nicht gerecht verteilt wird, andererseits hat diese Entwicklung den Verlust von Arbeitsplätzen zur Folge. Um diesen Wegfall ausgleichen zu können, müsste das Wirtschaftswachstum stets gleich hoch sein wie der Produktivitätsanstieg, was in den letzten Jahren aber nicht der Fall war und auch zukünftig unrealistisch sein wird. Daraus resultiert ein Verlust von Arbeitsplätzen, der nur durch eine Verringerung der generellen Arbeitszeit ausgeglichen werden kann. Es braucht daher attraktive Modelle zur Arbeitszeitverkürzung, um damit neue Arbeitsplätze zu schaffen.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>„90 für 80“ – Freiwilliges Modell zur Arbeitszeitverkürzung</strong></h4>



<p>WIFO-Prognosen zufolge kommt jeder zweite Job, der heuer durch die Corona-Krise verloren geht, nächstes Jahr nicht wieder zurück. Mit dem Modell „90 für 80“ hätten wir die Chance, die Arbeitslosigkeit bis inklusive 2021 abzufedern. Bei diesem Modell können Beschäftigte freiwillig die Arbeitszeit auf 80% reduzieren und erhalten dafür 90% ihres Gehaltes. Die Differenz wird vom AMS bezahlt. Voraussetzung dafür ist, dass für die freiwerdende Zeit jemand neu im Betrieb aufgenommen wird. Für je vier Personen, die sich für das Modell entscheiden, könnte also eine neue Vollzeitstelle geschaffen werden. Vom diesem Modell würden auch die UnternehmerInnen durch die steigende Produktivität profitieren. Aus Statistiken wissen wir, dass 400 000 Beschäftigte in Österreich ihre Arbeitszeit gerne reduzieren würden. Wenn nur jede/R zehnte davon mitmachen würde, könnten wir dadurch 10 000 Jobs schaffen. Entscheidet sich ein Viertel für das Modell, wären es sogar 25 000 neue Arbeitsplätze.</p>
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		<item>
		<title>Arbeitslosigkeit: Wieder trifft die Krise die Frauen</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2020/08/03/arbeitslosigkeit-wieder-trifft-die-krise-die-frauen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Barbara Lavaud]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Aug 2020 16:24:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Arbeitsmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitszeit]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichstellung]]></category>
		<category><![CDATA[AMS]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeiterkammer]]></category>
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		<category><![CDATA[Barbara Lavaud]]></category>
		<category><![CDATA[Barbara Teiber]]></category>
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		<category><![CDATA[Kinder]]></category>
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		<category><![CDATA[Modell 90 für 80]]></category>
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		<category><![CDATA[Teilzeit]]></category>
		<category><![CDATA[WIFO]]></category>
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					<description><![CDATA[Frauen sind die großen Verliererinnen der Corona-Krise: Im Shut-down mussten sie neben ihrem Beruf Kinderbetreuung und Homeschooling stemmen, nun trifft sie die Arbeitslosigkeit.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/08/AdobeStock_331389081-1024x683.png" alt="" class="wp-image-14405" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/08/AdobeStock_331389081-1024x683.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/08/AdobeStock_331389081-300x200.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/08/AdobeStock_331389081-150x100.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/08/AdobeStock_331389081-768x512.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/08/AdobeStock_331389081-600x400.png 600w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/08/AdobeStock_331389081-720x480.png 720w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/08/AdobeStock_331389081-272x182.png 272w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/08/AdobeStock_331389081.png 1500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p><strong>Frauen sind die großen Verliererinnen der Corona-Krise: Im Shut-down mussten sie neben ihrem Beruf Kinderbetreuung und Homeschooling stemmen, nun trifft sie die Arbeitslosigkeit.</strong></p>



<span id="more-14403"></span>



<p>Zurück in die Fünfziger Jahre: &nbsp;Während sie am Küchentisch im Home-Office arbeiteten, mussten Frauen im Shut-down für die geschlossenen Kindergärten und Schulen einspringen. Doch die Einsatzbereitschaft und Flexibilität wurden nicht belohnt, im Gegenteil. Aus den vom AMS publizierten Zahlen geht hervor, dass <a href="https://kompetenz-online.at/2020/07/15/85-prozent-aller-corona-arbeitslosen-sind-frauen/" aria-label="85 Prozent der Corona-Arbeitslosen Frauen">85 Prozent der Corona-Arbeitslosen Frauen</a> sind. 45.000 mehr Frauen als Männer suchen derzeit eine Arbeit.</p>



<p>Die Coronavirus-Krise wirkt sich auf dem Arbeitsmarkt unterschiedlich auf Frauen und Männer aus: Zu Beginn der Maßnahmen gegen die Pandemie im März waren Männer stärker von Arbeitslosigkeit betroffen als Frauen, im April und Mai war das Verhältnis ausgewogen, im Juni allerdings verloren mehr Frauen als Männer ihren Arbeitsplatz.</p>



<p>Die Arbeitslosigkeit ist in Österreich im Sommer zwar leicht zurückgegangen, davon haben aber nicht alle Arbeitssuchenden gleichermaßen profitiert. Männer finden rascher in den Job zurück als Frauen.</p>



<p>Branchen mit einem hohen Frauenanteil bei den Arbeitskräften wie der Dienstleistungsbereich, der Handel, Gastronomie und Tourismus, Erziehung und Unterricht sowie Gesundheit und Soziales waren besonders stark von der Krise betroffen. Im Handel lag der Frauenanteil am Anstieg der Arbeitslosen bei 67 Prozent, im Bereich Gesundheit und Soziales sogar bei 77 Prozent, bei den sonstigen Dienstleistungen bei 74 Prozent.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>&#8222;Anfangs wurden vor allem Männer arbeitslos, doch nun sind mehr Frauen ohne Job.&#8220;</p><cite>Julia Bock-Schappelwein, WIFO</cite></blockquote>



<p>Auch Julia Bock-Schappelwein vom WIFO bestätigt, dass anfangs vor allem Männer arbeitslos wurden, doch nun sind mehr Frauen ohne Job. Männer profitieren inzwischen von der Erholung der Baubranche, die eine klassische Männerbranche ist. Im Bauwesen gab es im Juni für Männer erstmals seit Februar keinen weiteren Beschäftigungsrückgang. Frauen hingegen arbeiten oft im Dienstleistungsbereich oder im Handel, einer typischen Frauenbranche. Dort wurden eindeutig mehr Frauen arbeitslos.</p>



<p>Bei den Männern geht es laut WIFO auch im Gesundheitswesen wieder aufwärts, bei den Frauen dagegen stagniert die Beschäftigung. In der IKT-Branche (Information und Kommunikation) gab es wieder neue Jobs, diese fallen bei den Männern ab April etwas stärker aus als bei Frauen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Kein Ende in Sicht</h4>



<p>Die jüngsten Konjunkturprognosen zeigen: Die Rezession fällt in Österreich stärker aus als anfangs angenommen. Österreich zählt zu jenen Ländern, die besonders stark unter dem Einbruch der Wirtschaft leiden. Alarmierend ist vor allem die Entwicklung bei der Arbeitslosigkeit insgesamt: Zwischen März und Juni 2020 gab es im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg um 67 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland waren es 18 Prozent.</p>



<p>Aktuelle Prognosen des IHS lassen befürchten, dass die Rekordarbeitslosigkeit noch länger andauern wird. Erst 2022 wird die österreichische Wirtschaft zurück zu einem soliden Wachstumskurs finden. Es braucht daher dringend Investitionen, die Arbeitsplätze schaffen und absichern. Sonst werden tausende Menschen über Monate hinweg keinen Job finden und in Armut abrutschen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Doppelbelastung</h4>



<p>Während der Corona-Krise waren es die Frauen, die den Laden am Laufen hielten. Sie übernahmen den Löwenanteil an unbezahlter Arbeit, indem sie ihre Kinder zu Hause betreuten, Homeschooling organisierten oder Angehörige pflegten. Ihrer Erwerbsarbeit gingen viele Frauen daheim nach, oft nachts, sie beaufsichtigten „nebenbei“ ihre Kinder und die Schulaufgaben, schupften außerdem den Haushalt.</p>



<p>Manche Frauen hatten dabei noch Glück und ihr Job war im Home-Office machbar. Andere mussten ihren Jahresurlaub verbrauchen oder Sonderbetreuungszeiten in Anspruch nehmen. Doch irgendwann waren alle freien Tage aufgebraucht, und trotzdem wurden auch nach Ende des Shut-down immer wieder Schulen und Kindergärten wegen Verdachtsfällen tagelang geschlossen. Viele Frauen gaben in dieser Situation ihre Jobs auf oder wurden vom Arbeitgeber gekündigt.</p>



<p>Eine andere Möglichkeit, durch die Krise zu kommen, war Arbeitszeitreduzierung. Studien zufolge mussten 27 Prozent der Frauen&nbsp;während der Corona-Krise ihre Arbeitszeit verringern, um die Kinderbetreuung leisten zu können – im Gegensatz zu nur 16 Prozent der Männer. Bei Haushalten mit niedrigerem Einkommen war der Unterschied noch größer.&nbsp;</p>



<p>Die doppelte Ungerechtigkeit dabei ist, dass Frauen während der Krise Job und Kinderbetreuung gleichzeitig stemmen mussten, nun aber diejenigen sind, die aus dem Arbeitsmarkt gedrängt werden.</p>



<p>Berufstätige Mütter wurden während der Krise im Stich gelassen, besonders Alleinerziehende traf der Shut-down umso härter. Für die Kinderbetreuung sind die Frauen zuständig, während Männer einer Erwerbsarbeit nachgehen. Dieses alte Muster benachteiligt Frauen seit jeher am Arbeitsmarkt &#8211; Corona hat es bestätigt und massiv verschärft.</p>



<p>Für die Arbeitgeber wurden Frauen während der Krise wegen der fehlenden Kinderbetreuung zu schwer kalkulierbaren Risiken. Die Folge: Frauen verlieren ihre Jobs, und bei der Wiedereinstellung oder der Schaffung neuer Jobs werden Männer bevorzugt.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Schlechte Karten</h4>



<p>Ingrid Moritz von der Arbeiterkammer verortet zahlreich Frauen in geringfügiger Beschäftigung oder in Teilzeitjobs. Diese Frauen haben ihre Arbeitsplätze oft sehr rasch verloren, keine Kurzarbeit bekommen und auch keine Fördertöpfe, kritisiert Moritz. Dass Frauen für die Kinderbetreuung zuständig sind, ist bei der Jobsuche ein Startnachteil. In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit, wenn viele Menschen im Wettbewerb um einen Arbeitsplatz sind, haben die Frauen die schlechteren Karten, so Moritz.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>&#8222;In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit, wenn viele Menschen im Wettbewerb um einen Arbeitsplatz sind, haben die Frauen die schlechteren Karten.&#8220;</p><cite>Ingrid Moritz, AK</cite></blockquote>



<p>Aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit wird außerdem eine&nbsp;Rückkehr zur Vollzeit für viele Frauen oft nicht möglich&nbsp;sein. Ingrid Moritz sieht hier auch langfristig Probleme für ein unabhängiges Erwerbseinkommen der Frauen, aber auch für die Pensionen. Auch hier zeigt sich einmal mehr: Ein seit langem bestehendes Problem, nämlich die deutlich niedrigeren Frauenpensionen und die Altersarmut bei Frauen, wird durch die Corona-Krise noch zusätzlich verstärkt werden.</p>



<p>Am Equal Pension Day am 30. Juli machten Frauenverbände und Arbeitnehmervertretungen darauf aufmerksam, dass an diesem Tag der durchschnittliche Pensionist seit Beginn des Jahres jene Summe erhalten hat, den die durchschnittliche Pensionistin erst mit Jahresende erreichen wird. Und das sind 2020 um skandalöse 42 Prozent weniger! Eine hohe Arbeitslosigkeit wird diese Schere in den nächsten Jahren noch vergrößern.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Sorge vor dem Herbst</h4>



<p>Während derzeit noch die Sommerbetreuung während der Schulferien für zahlreiche Familien eine Herausforderung darstellt, wartet die nächste Hürde im Herbst:</p>



<p>Was, wenn nach dem Sommer eine zweite Welle kommt? Müssen dann Frauen einmal mehr zu Hause bei den Kindern bleiben?</p>



<p>Es besteht die berechtigte Sorge, dass sich die Situation wieder verschärfen könnte. „Daher braucht es,“ so AMS Wien-Chefin Petra Draxl, „ein Corona-Management wo man dafür sorgt, dass einzelne kleine Gruppen in Quarantäne geschickt werden, aber nicht sofort Einrichtungen gesperrt werden.“</p>



<p>Draxl will die „stille Reserve“, also Frauen, die daheim bei den Kindern sind, zurück in den Arbeitsmarkt bringen. Daher sieht sie Kinderbetreuung und Schulen als versorgungskritische Einrichtungen, deren Verfügbarkeit sichergestellt werden muss. Frauen sollen auch motiviert werden, Kinder wieder in Betreuung zu geben, damit sie Arbeit suchen können oder Weiterbildung.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Daher braucht es ein Corona-Management, wo man dafür sorgt, dass einzelne kleine Gruppen in Quarantäne geschickt werden, aber nicht sofort Einrichtungen gesperrt werden.&#8220;</p><cite>Petra Draxl, AMS Wien</cite></blockquote>



<p>Zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit will das AMS Frauen ein verstärktes Beratungsangebot anbieten. Die Nachfrage nach Bildungskarenz ist wieder im Steigen, was Draxl als gutes Zeichen wertet. Angeboten werden auch Neuqualifizierungen, weg vom Dienstleistungssektor, hin zu IT- und technischen Berufen, aber auch im Pflege- und Gesundheitssektor gibt es Arbeit.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Gewerkschaftliche Forderungen</h4>



<p>Der ÖGB kritisiert, dass die Bundesregierung bis dato viel zu wenig gegen die Rekordarbeitslosigkeit unternommen hat und legt ein Programm vor, das mindestens 150.000 Menschen innerhalb eines Jahres in Beschäftigung bringen soll. Außerdem beharrt der ÖGB auf seiner Forderung, das Arbeitslosengeld zu erhöhen und lehnt ein degressives Arbeitslosengeld ab: „Der Vorschlag für ein degressives Arbeitslosengeld ist eine sozial kalte Ansage und bringt weder mehr Menschen in Beschäftigung, noch kann sich der Staat dadurch etwas ersparen&#8220;, kritisiert Ingrid Reischl, Leitende Sekretärin im ÖGB.</p>



<p>ÖGB-Vizepräsidentin und Frauenvorsitzende Korinna Schumann fordert: &#8222;Was wir brauchen, ist die dringende Wiedereinführung der Verwendung von zumindest 50 Prozent des AMS-Förderbudget für Frauen, die unter der letzten Regierung abgeschafft wurde.&#8220;</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Wir wissen, dass 400.000 Beschäftigte in Österreich ihre Arbeitszeit gerne reduzieren würden. Wenn nur jeder zehnte davon mitmacht, dann schaffen wir damit 10.000 Jobs.&#8220;</p><cite>Barbara Teiber, GPA-djp-Vorsitzende</cite></blockquote>



<p>Die GPA-djp hat gegen die Arbeitslosigkeit das <a href="https://kompetenz-online.at/2020/07/13/warum-freiwillige-arbeitszeitverkuerzung-jetzt-helfen-kann/" aria-label="Modell „90 für 80“">Modell „90 für 80“</a> entwickelt: Ein/e ArbeitnehmerIn kann freiwillig die Arbeitszeit auf 80 Prozent reduzieren und bekommt dafür 90 Prozent Gehalt, die Differenz zahlt das AMS. Voraussetzung ist, dass für die freiwerdende Zeit jemand neu im Betrieb aufgenommen wird. Für je vier Personen, die sich für das Modell entscheiden, könnte also eine neue Vollzeitstelle geschaffen werden. Vom Modell „90 für 80“`profitieren auch die Unternehmen durch eine steigende Produktivität.</p>



<p>„Wir wissen, dass 400.000 Beschäftigte in Österreich ihre Arbeitszeit gerne reduzieren würden. Wenn nur jeder zehnte davon mitmacht, dann schaffen wir damit 10.000 Jobs. Wenn sich ein Viertel für das Modell entscheidet, wären es sogar 25.000 neue Arbeitsplätze“, erklärt Barbara Teiber, Bundesvorsitzende der GPA-djp, das große Potential des Modells.</p>



<p>Laut WIFO-Prognose kommt jeder zweite Job, der heuer durch Corona verloren geht, nächstes Jahr nicht zurück. „Mit dem Modell ‚90 für 80`haben wir die Chance, die Arbeitslosigkeit bis inklusive 2021 abzufedern“, so Barbara Teiber.</p>
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		<title>85 Prozent aller Corona-Arbeitslosen sind Frauen</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2020/07/15/85-prozent-aller-corona-arbeitslosen-sind-frauen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lucia Bauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Jul 2020 08:58:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Arbeitsmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitszeit]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitslosengeld]]></category>
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		<category><![CDATA[Modell 90 für 80]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftskrise]]></category>
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					<description><![CDATA[Ende Juni sind in Österreich immer noch knapp 65.000 Menschen mehr arbeitslos als vor der Coronakrise. Die überwiegende Mehrheit davon sind Frauen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="614" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/07/Fotogramm-Arbeitslose-Frauen-Männer-1024x614.png" alt="" class="wp-image-14242" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/07/Fotogramm-Arbeitslose-Frauen-Männer-1024x614.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/07/Fotogramm-Arbeitslose-Frauen-Männer-300x180.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/07/Fotogramm-Arbeitslose-Frauen-Männer-150x90.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/07/Fotogramm-Arbeitslose-Frauen-Männer-768x461.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/07/Fotogramm-Arbeitslose-Frauen-Männer.png 1500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Grafik: GPA-djp Öffentlichkeitsarbeit, Lucia Bauer <br>Quelle: ÖGB/AMS-Daten</figcaption></figure>



<p><strong>Ende Juni sind in Österreich immer noch knapp 65.000 Menschen mehr arbeitslos als vor der Coronakrise. Die überwiegende Mehrheit davon sind Frauen.</strong></p>



<span id="more-14240"></span>



<p>Es gibt gute Nachrichten vom Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosigkeit geht langsam zurück. Seit dem Höhepunkt der Krise ist sie um etwa 146.000 Personen zurückgegangen. Die Rückkehr auf den Arbeitsmarkt ist für Frauen allerdings deutlich schwerer als für Männer. Von den 65.000 zusätzlichen Arbeitslosen im Vergleich zu vor der Krise sind 85 Prozent Frauen und nur 15 Prozent Männer. </p>



<p>Ende Februar 2020 waren in Österreich 399.359 Personen arbeitslos. Ende Juni waren es 463.505 Personen, die Arbeitslosigkeit ist also um 64.146 Personen höher. Von diesen &#8211; statistisch gesehen &#8211; &#8222;Corona-Arbeitslosen&#8220; sind 54.702 Frauen und nur 9.444 Männer. Das geht aus den Zahlen des Arbeitsmarktservice (AMS) hervor. </p>



<h4 class="wp-block-heading">Frauenbranchen besonders betroffen</h4>



<p>Der hohe Frauenanteil an den Corona-Arbeitslosen ist unter anderem darauf zurück zu führen, dass in den von Schließungen besonders betroffenen Branchen, der Hotellerie, dem Gastgewerbe, dem Handel, dem Dienstleistungssektor sowie dem Gesundheits- und Sozialbereich überproportional viele Frauen arbeiten. Im männerdominierten Bauwesen ging die Arbeitslosigkeit dagegen saisonbedingt &#8211; trotz Corona &#8211; deutlich zurück. Interessantes Detail am Rande: Bei den wenigen Frauen, die am Bau beschäftigt sind, stieg die Arbeitslosigkeit  in diesem Zeitraum trotzdem leicht an.</p>



<p>Die Folgen der Krise werden am Arbeitsmarkt daher vor allem für Frauen noch länger spürbar und eine Rückkehr zu Vollzeit unter Umständen noch schwieriger sein. Das hat drastische langfristige Folgen für das Erwerbseinkommen und somit auch die Pensionshöhe von Frauen. „Die Corona-Krise darf die ohnehin begrenzten Fortschritte der Gleichberechtigung nicht wieder rückgängig machen. Die Politik ist jetzt gefragt, Frauen bei den Maßnahmen zur Bewältigung der Krise stärker zu berücksichtigen und zu unterstützen“, forderte daher die ÖGB-Vizepräsidentin und Frauenvorsitzende Korinna Schumann in einer Aussendung. </p>



<p>Viele Frauen mussten in den letzten Monaten auch&nbsp;massiv Arbeitszeit reduzieren und Urlaub verbrauchen, um die Kinderbetreuung überhaupt stemmen zu können. Jetzt sind Sommerferien da und die Regierung hat bislang nichts zum&nbsp;<a href="https://www.oegb.at/cms/S06/S06_1.28.a/1342631253120/themen/frauen-gleichstellung/schlechtes-zeugnis-fuer-bundesregierung" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="dringend notwendigen Ausbau von kostengünstigen Betreuungsangeboten (öffnet in neuem Tab)"><strong>dringend notwendigen Ausbau von kostengünstigen Betreuungsangeboten</strong></a>&nbsp;beigetragen. </p>



<h4 class="wp-block-heading">Jeder zweite verlorene Job kommt nicht zurück</h4>



<p>Laut WIFO-Prognose kommt jeder zweite Job, der heuer durch Corona verloren geht, nächstes Jahr nicht zurück. Wir brauchen daher dringend eine Neuverteilung der Arbeitszeit. Das GPA-djp-Modell &#8222;90 für 80&#8220; würde die Chance bieten, die Arbeitslosigkeit bis inklusive 2021 abzufedern. </p>



<p>Im Modell „80 für 90“ reduziert ein/-e Arbeitnehmer/-in freiwillig die Arbeitszeit auf 80 Prozent und bekommt dafür 90 Prozent Gehalt. Die Differenz zahlt das AMS. Voraussetzung ist, dass für die freiwerdende Zeit jemand neu im Betrieb aufgenommen wird. Für je vier Personen, die sich für das Modell entscheiden, könnte also eine neue Stelle geschaffen werden. Vom Modell „90 für 80“ profitieren auch Unternehmerinnen und Unternehmer durch die steigende Produktivität.</p>



<p>„Wir wissen, dass 400.000 Beschäftigte in Österreich ihre Arbeitszeit gerne reduzieren würden. Wenn nur jeder zehnte davon mitmacht, dann schaffen wir damit 10.000 Jobs. Wenn sich ein Viertel für das Modell entscheidet, wären es sogar 25.000 neue Arbeitsplätze“, erklärt die GPA-djp-Vorsitzende Barbara Teiber.</p>
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		<title>Warum freiwillige Arbeitszeitverkürzung jetzt helfen kann</title>
		<link>https://kompetenz-online.at/2020/07/13/warum-freiwillige-arbeitszeitverkuerzung-jetzt-helfen-kann/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[David Mum]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Jul 2020 13:09:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Arbeitsmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitszeit]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[AMS]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitslosengeld]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitslosigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitszeitverkürzung]]></category>
		<category><![CDATA[David Mum]]></category>
		<category><![CDATA[Modell 90 für 80]]></category>
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					<description><![CDATA[Infolge der Coronakrise stieg die Arbeitslosigkeit auf Rekordniveau. Auch im Juni waren 139.302 Personen bzw. 43 Prozent mehr Menschen arbeitslos bzw. in Schulung als vor einem Jahr. Die Regierung muss jetzt rasch handeln.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="614" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/07/80_90modell_stunden_kompetenz_2000x1200px-1024x614.png" alt="" class="wp-image-14227" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/07/80_90modell_stunden_kompetenz_2000x1200px-1024x614.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/07/80_90modell_stunden_kompetenz_2000x1200px-300x180.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/07/80_90modell_stunden_kompetenz_2000x1200px-150x90.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/07/80_90modell_stunden_kompetenz_2000x1200px-768x461.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/07/80_90modell_stunden_kompetenz_2000x1200px-1536x922.png 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/07/80_90modell_stunden_kompetenz_2000x1200px.png 2000w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption><strong>Das Modell „90 für 80“ schafft zusätzliche Beschäftigung bei gleichbleibendem Arbeitsvolumen: Wenn vier Personen ihre Arbeitszeit reduzieren. kann eine fünfte Person eingestellt werden.</strong><br>Grafik: GPA-djp, Vera Erlachner<br></figcaption></figure>



<p><strong>Infolge der Coronakrise stieg die Arbeitslosigkeit auf Rekordniveau. Auch im Juni waren 139.302 Personen bzw. 43 Prozent mehr Menschen arbeitslos bzw. in Schulung als vor einem Jahr. Die Regierung muss jetzt rasch handeln.</strong></p>



<span id="more-14225"></span>



<p>Auch eine Erholung am Arbeitsmarkt wird nicht dazu führen, dass die Arbeitslosigkeit auf Vorkrisenniveau zurückgeht. Ohne gezielte arbeitsmarktpolitische Instrumente ist eine rasche Rückkehr der Beschäftigung auf Vorkrisenniveau unmöglich.</p>



<p>Das WIFO geht aktuell (Juni 2020) davon aus, dass die Aktivbeschäftigung 2020 heuer um 85.500 Personen sinkt. 2021 wird ein Anstieg um 45.500 Personen erwartet. Das heißt: der Beschäftigungseinbruch von 2020 wird 2021 nur etwa zur Hälfte wieder wettgemacht. Das bedeutet für die Betroffenen massive Einkommenseinbußen und enormes Armutsrisiko. Bislang bekommen die Arbeitslosen lediglich eine Einmalzahljung von 450 Euro. Das ist der Situation in keinster Weise angemessen. Die Hauptbetroffenen der Krise bekommen von den jüngsten Hilfsmaßnahmen nicht einmal ein Prozent!!!</p>



<p>Es braucht jetzt attraktive Modelle, die rasch zu einem Beschäftigungszuwachs führen. Bei geringerem Arbeitsvolumen kann das nur über Verteilung der Arbeitszeit funktionieren. Und hier wollen wir mit einem geförderten Modell der freiwilligen Arbeitszeitverkürzung ansetzen.&nbsp;</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>90 für 80 Modell</strong></h4>



<p>Viele Beschäftigte sind bei geringen finanziellen Einbußen dazu bereit, ihre Arbeitszeit zu reduzieren. Mit dem von uns vorgeschlagenen Modell „90 für 80“ kann zusätzliche Beschäftigung bei gleichbleibendem Arbeitsvolumen geschaffen werden. Das Modell beruht auf Freiwilligkeit und Anreizen und ist für die öffentliche Hand grosso modo aufkommensneutral. Es wird der bestehende Wunsch vieler Beschäftigter nach geringeren Arbeitszeiten für mehr Beschäftigung nutzbar gemacht.&nbsp;</p>



<p>Eckpunkte: Reduktion der Arbeitszeit um 20 Prozent, bei einem Lohnausgleich in Höhe der Hälfte. Bei Reduktion von 20 Prozent, würde man somit 90 Prozent des bisherigen Entgelts erhalten. Voraussetzung ist eine Aufnahme einer zuvor arbeitslos gemeldeten Person, die im Ausmaß der Arbeitszeitreduktion beschäftigt wird. Im Ausmaß der Arbeitszeitreduktion müssen Arbeitskräfte neu aufgenommen werden. ArbeitgeberInnen gewähren einen Lohnausgleich und erhalten eine Förderung vom AMS.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Beschäftigungspotenzial</strong></h4>



<p>Bei der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung 2018 der Statistik Austria haben 405.800 der Vollzeitbeschäftigten unselbstständig Erwerbstätigen angegeben, dass sie ihre wöchentliche Arbeitszeit gerne um mehr als 5 Stunden verkürzen würden. &nbsp;Wenn ein Viertel dieser Personen dass Modell umsetzen würden, könnten 25.000 Menschen zusätzlich in Beschäftigung kommen!</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Beispiel</strong></h4>



<p>Das Modell würde eine 4 Tagewoche (4 mal 8 Stunden) möglich machen. Wenn 4 Personen ihre Arbeitszeit um 8 Stunden in der Woche reduzieren, kann eine fünfte Person, die die fehlenden Arbeitsstunden dann erbringt, eingestellt werden.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="614" src="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/07/80_90modell_kosten_kompetenz_2000x1200px-1024x614.png" alt="" class="wp-image-14230" srcset="https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/07/80_90modell_kosten_kompetenz_2000x1200px-1024x614.png 1024w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/07/80_90modell_kosten_kompetenz_2000x1200px-300x180.png 300w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/07/80_90modell_kosten_kompetenz_2000x1200px-150x90.png 150w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/07/80_90modell_kosten_kompetenz_2000x1200px-768x461.png 768w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/07/80_90modell_kosten_kompetenz_2000x1200px-1536x922.png 1536w, https://kompetenz-online.at/wp-content/uploads/2020/07/80_90modell_kosten_kompetenz_2000x1200px.png 2000w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption><strong>Das Modell &#8222;90 für 80 ist aufkommensneutral, weil der Lohnausgleich für die Personen, die ihre Arbeitszeit verkürzen aufgewogen wird durch die Einsparungen beim Arbeitslosengeld.</strong><br>Grafik: GPA-djp, Vera Erlachner </figcaption></figure>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Beispiel – Lohnausgleich aufkommensneutral</strong></h4>



<p>Vier MitarbeiterInnen, die jetzt 40 Stunden arbeiten, reduzieren ihre Arbeitszeit auf 80 Prozent, also auf 32 Stunden. Dafür bekommen sie 90 Prozent Gehalt, die Differenz zahlt das AMS. Eingestellt wird eine bisher arbeitslose Person, ebenfalls mit 32 Stunden.</p>



<ul class="wp-block-list"><li>Auch gesamtwirtschaftlich rechnet sich das Modell: Vier Arbeitskräfte, die etwa 2.000 Euro brutto verdienen, verdienen nach der Verkürzung der Arbeitszeit noch 1.600 Euro brutto vom Arbeitgeber und bekommen 200 Euro vom AMS zugeschossen, haben also insgesamt 1.800 Euro. </li><li>Dem AMS kostet dieser Zuschuss im Jahr 11.200 Euro. (200 Euro Zuschuss mal 14 Zahlungen mal 4 Personen).</li><li>Eine arbeitslose Person, die zuvor 2.000 Euro verdient hat, kostet dem AMS im Jahr 11.760 Euro (monatliches Arbeitslosengeld 980 Euro mal 12 Zahlungen). </li><li>Die Lohnnebenkosten, die das AMS auch zahlt, reduzieren den Ausfall des Bundes in der Pensionsversicherung und entlasten die Krankenversicherung. Letztere ist durch die hohe Arbeitslosigkeit mit massiven Mindereinnahmen konfrontiert.&nbsp;&nbsp;</li></ul>
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