Die Gewerkschaft hilft, wenn Unterstützung gebraucht wird

Peter Schober übernahm 2016 den Vorsitz im Betriebsrat und spürte rasch die Verantwortung, die damit einhergeht.
© Nurith Wagner-Strauss

Peter Schober ist Betriebsratsvorsitzender des Wiener Arbeitnehmer:innen Förderungsfonds WAFF. Seit der Schulzeit verbindet ihn eine gelingende Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft, diese wertschätzende Unterstützung gibt er als Belegschaftsvertreter großzügig weiter.

Peter Schober sagt von sich selbst, „grundsätzlich immer schon gewerkschaftlich unterwegs gewesen zu sein: In der Berufsschule war ich Klassensprecher, später sogar Schulsprecher.“ Früh entdeckte er, dass unpassende oder belastende Rahmenbedingungen durch persönlichen Einsatz gut veränderbar sind. Schober und seine Mitschüler:innen litten unter der Tatsache, dass die Berufsschule auch an Samstagen stattfand: „Das war für uns zäh, niemand anderer musste am Wochenende arbeiten.“ Also knüpften die Schüler:innen, auf den Tipp eines Lehrers hin, erste Kontakte zur Gewerkschaft Bau-Holz, die sich dann erfolgreich dafür eingesetzt hat, dass keine Schulstunden mehr an Samstagen abgehalten wurden.

Von der Arbeitnehmer:innen Vertretung fühlte sich Schober „sofort ernst genommen: Die Profis haben uns gesagt, wie wir vorgehen müssen und haben auch geholfen, offizielle Schreiben zu formulieren.“

Gewerkschaft hilft rasch

Diese unkomplizierte Hilfe war für den damals 17-Jährigen eine „prägende Erfahrung: Ich habe mein Werkzeug gefunden und war fortan überzeugt: Hier bekomme ich Hilfe, wenn ich sie brauche.“

Nach einer Lehre zum Bauspengler und Dachdecker fand Schober einen Job in Wien. Als es Schwierigkeiten mit dem Arbeitgeber gab, wandte er sich erneut erfolgreich an die Gewerkschaft: „Es ging um das Ausbezahlen von Überstunden. Ein Brief hat gereicht und das Geld war 14 Tage später auf meinem Konto.“

„Ich wusste, die Gewerkschaft hilft mir weiter, wenn ich Schwierigkeiten mit meinem Dienstgeber habe.“

Peter Schober, Betriebsratsvorsitzender des WAFF

Im Betrieb befasste sich Schober mit der Ausbildung junger Kolleg:innen: „Wir hatten viele Lehrlinge, ich habe die Jungen in der Werkstatt angeleitet und hatte großen Spaß dabei.“ 2004 wechselte er in den WAFF, den Wiener Arbeitnehmer:innen Förderungsfonds und kümmerte sich zu Beginn in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftskammer darum, Lehrlinge an Klein- und Mittelbetriebe zu vermitteln: „Ich führe gerne Gespräche und hatte auch regen Kontakt zum AMS. So habe ich den WAFF als Organisation von Grund auf kennen und verstehen gelernt“, erklärt Schober, wie er bei zahlreichen Betriebsbesuchen unterschiedliche Interessen verknüpfte: „Die Unternehmen haben mir gezeigt, in welchen Bereichen sie Lehrlinge ausbilden möchten und was die jungen Leute erwartet.“

Betriebsratsgründung

Du denkst auch darüber nach, in deinem Betrieb oder in deiner Filiale einen Betriebsrat zu gründen? Ab fünf dauernd beschäftigten Mitarbeiter:innen habt ihr das Recht, eine Belegschaftsvertretung zu wählen! Deine Gewerkschaft GPA unterstützt dich dabei! Alle Infos zur Wahl und Unterstützung (auch nach der Gründung) erhältst du in deiner Regionalgeschäftsstelle. Für Nicht-Mitglieder ist eine Erstberatung kostenlos!

Mehr zur Betriebsratswahl findest du hier.

Unterstützung für die Kolleg:innen

Als 2008 eine Betriebsratswahl anstand, kandidierte Schober auf der Liste des damaligen Betriebsratsvorsitzenden und schaffte es, auch nach einem Vorsitzwechsel, seine gute Gesprächsbasis zur Betriebsratsspitze aufrecht zu erhalten: „In meiner Abteilung hatte ich mir da bereits das Standing erarbeitet, dass ich die Kolleg:innen gerne unterstütze, wenn es Probleme gibt. “

2016 übernahm Schober den Vorsitz und spürte rasch die Verantwortung: „Plötzlich hat es nicht mehr gereicht, von der zweiten Reihe aus Ideen kundzutun, ich musste unsere Vorschläge gegenüber der Geschäftsführung und dem Management auch umsetzen können.“

Schober stellte sein Team neu zusammen, dabei waren erstmals alle Belegschaftsvertreter:innen auch Gewerkschaftsmitglieder. Heute besteht der Betriebsrat aus sechs Aktiven und sechs Ersatzmitgliedern, sie vertreten die Interessen von knapp 300 Beschäftigten. Dem Vorsitzenden ist es wichtig, dass „wir Betriebsrät:innen loyal sind und Werte vertreten, die im Interesse der Beschäftigten sind: Ich habe ein hochmotiviertes Team, sie sind begeistert von ihren Aufgaben und funkeln im übertragenen Sinn.“

„Interessenvertretung passiert oft im Stillen. Ich möchte die Arbeit des Betriebsrates stärker sichtbar machen.“

Peter Schober, Betriebsratsvorsitzender des WAFF

Basale Rechte mussten Schober und sein Team nicht erkämpfen, weil „der WAFF 1995 von der Gewerkschaft mitgegründet wurde, herrschen faire Arbeitsbedingungen und gelebte Wertschätzung: „Die Höhe der Bezahlung richtet sich nach den Dienstjahren und dem Aufgabenbereich, nicht nach dem Geschlecht. Homeoffice ist üblich, die Gleitzeit ohne Kernzeit längst etabliert.“

Gearbeitet wird daran, die Nachhaltigkeit vorhandener Benefits und Goodies zu stärken und die Arbeit der Belegschaftsvertretung sichtbarer zu machen: „Wir kaufen bei Wiener Unternehmen, haben erreicht, dass das Unternehmen Periodenprodukte für die Kolleg:innen zur Verfügung stellt und sind stolz darauf, dass Frauen und Männer bei uns für die gleiche Arbeit die gleiche Entlohnung bekommen.“

Persönliches Gespräch zum Einstieg

Weiters ist es Schober „ein extremes Anliegen, wieder mehr Kolleg:innen zur Gewerkschaft zu bringen: Wir haben eine Mappe, die alle Betriebsrät:innen mit Foto vorstellt und neuen Mitarbeiter:innen nach dem Einstellungsgespräch persönlich übergeben wird.“ So können die Belegschaftsvertreter:innen gleich zu Beginn klarmachen, für welche arbeitsrechtlichen Vorteile der Betriebsrat verantwortlich zeichnet und wo Unterstützung geboten wird: „Das Konzept ist genial, im Erstgespräch gelingt es uns, acht von zehn neuen Mitarbeiter:innen von den Vorteilen einer Mitgliedschaft zu überzeugen.“ 

Als Einstandsgeschenk gibt es eine Trinkflasche mit dem WAFF-Betriebsrats Logo drauf, die Resonanz auf die persönliche Begrüßung ist sehr gut: „Die Beschäftigten fühlen sich direkt angesprochen“, erklärt Schober warum es wichtig ist, „die Bedeutung des Betriebsrates zu stärken: Es geht vor allem um Solidarität. Gemeinsam sind wir stärker.“

WAFF fördert Aus- und Weiterbildung

Seit 2024 ist Schober für betriebsrätliche Arbeit freigestellt. „Wir organisieren und fördern Aus- und Weiterbildungen für Beschäftigte mit Hauptwohnsitz in Wien“, skizziert er die vielfältigen Aufgaben des WAFF, wobei Wertschätzung „immer eine besondere Rolle spielt: Wir wollen die Situation von Menschen verbessern, die es am Arbeitsmarkt schwer haben oder einen Bildungsabschluss nachholen.“

Neben Sprachkursen für neu zugewanderte Menschen, Qualifizierungsmaßnahmen für Hilfsarbeiter:innen und speziellen Förderungen für Arbeitsplätze im Gesundheits- und Sozialbereich können sich Arbeitskräfte etwa im Bereich Pflege über Arbeitsstiftungen weiter qualifizieren. Für Frauen gibt es spezielle Förderprogramme – wie etwa FRECH (Frauen ergreifen Chancen), weil diese am Arbeitsmarkt „leider nach wie vor oft benachteiligt sind: Insbesondere bei Einkommen, Karrierechancen oder auch im Hinblick auf Altersarmut.“

Als Ausgleich zur Arbeit betreibt Schober Kraftsport: „Bewegung hilft mir dabei abzuschalten, Energie zu tanken und den Kopf freizubekommen. Außerdem genieße ich ruhige Zeit mit Familie, Musik und Menschen, die mir wichtig sind.“

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