„Wir sind der Werkzeugkoffer der Betriebsrät:innen“

Regionalsekretärin Katharina Hurt sieht sich als strategische Reserve für Betriebsrät:innen.
Foto: Edgar Ketzer

Die Regionalsekretär:innen der GPA beraten bei arbeitsrechtlichen Problemen, unterstützen bei Umstrukturierungen und sind unverzichtbare Vertrauenspersonen. Wir haben sie bei ihrer Arbeit begleitet.

Regionalsekretär Michael Muszumanski ist auf dem Weg zu zwei Betriebsrätinnen einer Immobilienverwaltung in Wien. Nach einer Zusammenlegung vor zwei Jahren stehen Vorsitzende Isabella Gettinger und Kassiererin Marina Troger nun vor der Herausforderung, die Vertretungskompetenzen für die 137-köpfige Belegschaft neu ordnen zu müssen: „Die ursprünglich drei Betriebe agieren ab Anfang 2027 getrennt als zwei eigenständige Firmen, wir müssen nun rasch Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten entflechten.“

Dabei ploppt eine Fülle an arbeitsrechtlichen Detailfragen auf, die mit Muszumanski besprochen wird. Interessant ist, wie viele hauptamtliche Betriebsrät:innen es bei der gesunkenen Zahl an Beschäftigten künftig braucht, wie der Betriebsratsfonds nach der Spaltung aufgeteilt wird und ob die Vereinbarung zur Betriebsratsumlage auch nach dem Teilbetriebsübergang gültig bleibt.

Vieles kann Muszumanski aus dem Stegreif beantworten, einige Details liest er vor Ort im Arbeitsverfassungsgesetz nach, anderes notiert er und verspricht eine zeitnahe Klarstellung.

Wichtige Unterstützung

Gettinger will „den Betriebsrat nach dem Teilbetriebsübergang neu aufstellen und mit Muszumanski gegenchecken, wie lange sie für die ausgegliederten Mitarbeiter:innen verantwortlich bleibt: Die Trennung soll sauber vonstattengehen. Wir müssen uns die neue Struktur genau ansehen, künftig sind wir rund 55 Beschäftigte.“

Muszumanski hält es für „sinnvoll, wenn sich in den beiden abgespaltenen Firmen möglichst rasch ein eigener Betriebsrat kümmern würde: Es könnten Verschlechterungen drohen, da braucht es ein eigenes Gremium, das langfristig verantwortlich ist.“

Lust auf Mehr

Die Bedeutung und Durchschlagskraft betriebsrätlichen Engagements hat Muszumanski vor seinem Job bei der GPA als Betriebsratsvorsitzender des Einrichtungshauses IKEA am Wiener Westbahnhof am eigenen Leib erfahren. Er vertrat die Interessen von rund 200 Angestellten und hat in der Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft „Lust auf mehr bekommen: Ich wollte möglichst vielen Kolleg:innen helfen, zu ihrem Recht zu kommen.“

GPA-Regionalsekretär Michael Muszumanski im Gespräch mit den Betriebsrät:innen Marina Troger und Isabella Gettinger.
Foto: Nurith Wagner-Strauss

Das Handwerkszeug dazu lernte Muszumanski in der Betriebsratsakademie der Arbeiterkammer, einige taktische Kniffe in der Gesprächsführung und beim Anwerben neuer Mitglieder hat er sich von erfahrenen Gewerkschafter:innen abgeschaut: „In der neuen Funktion kann ich mich für viele tausend Beschäftigte einsetzen. Es taugt mir, mich ins Zeug zu hauen und den Kolleg:innen die Vorzüge einer Mitgliedschaft schmackhaft zu machen.“

Mit Rat und Tat zur Seite

Das vertrauensvolle und intensive Gespräch in der Immobilienverwaltung dreht sich lange um Details zu Besetzung, Wahl und notwendigen Nachrückungen innerhalb des Betriebsratsgremiums und illustriert anschaulich, welche wichtige Rolle Regionalsekretär:innen im Gefüge zwischen Gewerkschaft und Betriebsrat spielen. „Ich höre mir an, welche Probleme es gibt, berate und verweise an Expert:innen innerhalb der GPA“, erklärt Muszumanski. „Abseits der Rechtslage geht es häufig auch um strategische Fragen und Tipps.“

Die Betriebsrätinnen haben zwar grundsätzlich „ein gutes Einvernehmen mit unserem Geschäftsführer, die bevorstehende Spaltung ist dennoch eine Herausforderung: Diese ist leichter zu meistern, wenn man weiß, dass bei Fragen ein persönlicher und kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung steht.“

Hilfe bei Detailfragen

Muszumanski betreut zahlreiche Betriebe in ganz Wien und unterstützt „Betriebsrät:innen bei Umstrukturierungen, bei der Erstellung von Betriebsvereinbarungen und Arbeitszeitregelungen, bei der Vorbereitung von Betriebsratswahlen oder der Erarbeitung von Sozialplänen.“ Auch mit Interventionen hilft der Regionalsekretär und konnte erst kürzlich „zwei Entlassungen in vorteilhaftere einvernehmliche Lösungen umwandeln: Somit gab es für die Kolleg:innen noch Geld aus der Kündigungsentschädigung und aliquote Sonderzahlungen.“

Neue Mitglieder ansprechen

Nach erfolgreichen Interventionen gibt es in vielen Betrieben Bemühungen, weitere Kolleg:innen für die gewerkschaftliche Idee zu begeistern. Gerade Unternehmensteilungen zeigen laut Muszumanski anschaulich, dass „Gewerkschaftsmitglieder durch den Rechtsschutz, über den sie durch ihre Mitgliedschaft verfügen, große Vorteile haben: Die Beratung geht über das hinaus, was alle Arbeitnehmer:innen bei der AK bekommen.“

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Katharina Hurt, die als Regionalsekretärin in Wien unter anderem die Bereiche Gesundheit, Soziale Dienstleistungen sowie die Kinder- und Jugendwohlfahrt betreut, sieht sich als „wichtiges Backup für betriebliche Interessensvertreter:innen: Ich bin eine Art Werkzeugkoffer der Betriebsrät:innen. Wenn sie nicht mehr weiterkommen, schauen wir gemeinsam, wie ich sie unterstützen kann.“

Dazu ist Hurt bei Betriebsversammlungen, wichtigen Verhandlungen und manchmal auch unangenehmen Streitgesprächen dabei: „Als strategische Reserve kann ich an passender Stelle meine Expertise – manchmal auch andere Blickwinkel – einbringen.“ Das umfasst neben rechtlichem Fachwissen auch die Zusammenarbeit innerhalb des Gremiums, Kommunikation mit den Kolleg:innen, Mobilisierung bei Kollektivvertragsverhandlungen und – wenn nötig –das Erstellen von Eskalations- bzw. Aktionsplänen.

Als Kern ihres Handwerkes sieht die Regionalsekretärin „die Ausgestaltung von Betriebsvereinbarungen: Hier versuchen wir zu regeln, was geregelt gehört. Häufig geht es um Datenschutz, Künstliche Intelligenz oder unerlaubte Überwachungen.“
Starke Lobby braucht viele

Mitglieder

Auch für Hurt ist es „ein wichtiges Ziel, durch meine Arbeit die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder zu erhöhen: Wir funktionieren nicht ohne Mitglieder. Je mehr wir sind, desto stärker können wir die Interessen der Arbeitnehmer:innen in Gesprächen und Verhandlungen durchsetzen.“

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