Verbesserungen kommen nicht von heute auf morgen

Corina Stampfer – vor einem der neuen Generatoren im Kraftwerk Vermunt – hat sich als verlässliche Ansprechpartnerin für rund 100 Monteur:innen der Illwerke in Vorarlberg etabliert – wer Lösungen sucht, findet Unterstützung bei der gelernten Elektrotechnikerin.
Foto: privat

Elektrotechnikerin Corina Stampfer sammelt die Anliegen ihrer verstreut arbeitenden Monteurkollegenschaft ein, um mitzugestalten. Über ihre Funktion im Aufsichtsrat will sie die Bedürfnisse der Mitarbeiter:innen in der Zukunftsstrategie des Unternehmens verankern.

Corina Stampfer arbeitet im Team der technischen Instandhaltung Elektro- und Maschinenbautechnik der Illwerke VKW im Vorarlberger Vandans. Nach der Handelsakademie absolvierte sie eine Maschinenbaulehre und setzte noch die Ausbildung zur Elektrotechnikerin drauf: „Ich wollte mich in beiden Bereichen gut auskennen, ich bin für Generatoren zuständig, das sind elektromechanische Maschinen.“

Als Betriebsrätin vertritt die dynamische junge Frau rund 100 Mitarbeiter:innen, die in kleinen Montageteams bei Revisionen und Neubauten in den Wasserkraftanlagen dabei sind. Die Bedürfnisse der Belegschaft sind so breit gefächert wie deren Aufgabenbereich: „Wir sind in ganz Vorarlberg unterwegs. Wir betreuen über 20 Wasserkraftwerke, überall dort, wo wichtige Arbeiten zu erledigen sind.“ Der Trupp wartet Maschinen, erledigt Reparaturen an den komplexen Anlagen oder implementiert neue Technologien: „Zu unserem Arbeitsalltag gehören auch tägliche Anfahrten, bei weit entfernten Kraftwerken sind das bis zu drei Stunden Fahrtzeit täglich.“

Zulagen als wichtiger Gehaltsbestandteil

Bei den Zulagen für Wege von und zu Langzeitbaustellen hat die Belegschaftsvertretung eine wichtige Verbesserung für alle Kolleg:innen im Außendienst erreicht: „Früher sind die Reisespesen nach drei Monaten Bauzeit weggefallen, weil das Kraftwerk gewissermaßen zum neuen Dienstort wurde.“ Über eine Betriebsvereinbarung wurde diese Zeitspanne auf sechs Monate ausgedehnt. „Da geht es um bis zu 500 Euro pro Monat“, erklärt Stampfer, warum die Spesen für dienstliche Fahrten, ausgehend vom Unternehmenssitz in Vandans, wichtig sind: „Das sind ja keine privaten Wege, das muss natürlich auch bei Dauerbaustellen vergütet werden.“

Solche Erfolge bestärken Stampfer, die seit 2025 als aktive Betriebsrätin eine der größten Gruppen im Unternehmen vertritt, in ihrer Motivation „für die Rechte anderer einzutreten: Mir gefällt es, wenn ich mitgestalten kann.“ Um Lösungen zu finden, brauche es auch die Bereitschaft sich einzubringen: „Ich bin motiviert, unpassende Situationen zu verbessern.“ Das bringe auch dem Unternehmen Vorteile: „Gute Arbeitsbedingungen erhöhen die Motivation.“

„Ich habe den Drang, Verbesserungen umzusetzen. Wenn ich eine Lösung sehe, setze ich mich dafür ein.“

Corina Stampfer, Betriebsrätin Illwerke VKW

Das Verständnis für die Wirksamkeit betriebsrätlicher Arbeit reifte bei Stampfer bereits in jungen Jahren heran. Als 20-Jährige engagierte sie sich als Jugendvertrauensrätin und erinnert sich an einen Kollegen, der kurz vor der Lehrabschlussprüfung „in der Luft hing: Er wusste nicht, ob er vom Unternehmen weiterbeschäftigt wird. Das hat ihn so verärgert, dass er den Betrieb verlassen hat.“

Stampfer hat dafür Verständnis, wollte aber „selbst weitermachen, um solche Zustände zu verändern: Es ist nicht angenehm, wenn man so behandelt und vergrault wird, obwohl man Interesse am Unternehmen hatte.“ Im Gespräch zeigte sich, dass den Zuständigen nicht klar war, wie belastend fehlende berufliche Perspektiven für Lehrlinge sind: „Heute wird frühzeitig gemeinsam geschaut, welche Abteilung für junge Mitarbeiter:innen spannend und geeignet erscheint.“

Steter Tropfen höhlt den Stein

Dass in großen Unternehmen manchmal erst ein „steter Tropfen den Stein höhlt“, ärgert die 30-Jährige nicht: „Wenn ich auch anfangs auf taube Ohren stoße, weiß ich, dass manche Veränderungen einfach Zeit brauchen. Ich bleibe dran und wiederhole mein Anliegen, um ans Ziel zu kommen. Manche Problemlagen kann man nie perfekt lösen, aber man kann sich annähern und das ist die Motivation dahinter.“

Stampfer ist Teil einer Belegschaftsvertretung aus 14 aktiven und 14 passiven Betriebsrät:innen. Durch ihre vielen Außendienste sind die Gesprächskanäle flexibel und vielfältig: „Meine Kolleg:innen sind extrem verstreut, wir sehen uns nicht regelmäßig, weil ich mich selten in der Werkstatt aufhalte.“

Wichtige Inhalte finden dennoch immer ihren Weg zur beliebten Betriebsrätin: „Ich bin seit zehn Jahren im Unternehmen, viele kennen mich und trauen sich auch, mich anzusprechen“, erklärt Stampfer, die oft „einfach durch die Werkstatt läuft und sich umhört, was die Leute gerade beschäftigt: Wenn es einmal wirklich brennt, dann rufen die Betroffenen sofort an.“ Zu erreichen ist die Belegschaftsvertretung auch über die Homepage und eine anonyme Box für Anliegen.

„Die Belegschaft kennt und schätzt uns Betriebsrät:innen. Brennende Probleme erreichen uns rasch und ohne Umwege.“

Corina Stampfer, Betriebsrätin Illwerke VKW

Der Kontakt zum Vorstand ist für Stampfer „ein wichtiger Gesprächskanal: Weil ich als Belegschaftsvertreterin im Aufsichtsrat sitze, habe ich regelmäßigen Kontakt zu den Führungskräften und der Personalabteilung. Ich schätze diese persönliche, teils amikale Ebene sehr und bekomme dort spannende Einblicke in das Unternehmen und dessen Strategie für die Zukunft.“

Momentan beschäftigt sich der Betriebsrat gerade mit Regelungen zur zukünftigen Verwendung der Firmenfahrzeuge sowie des Fahrtenbuchs. „In Zeiten mit immer stärkerem Fokus auf Work-Life-Balance und Emissionsreduktion sollten unnötige Wege vermieden werden können, wie beispielsweise beim direkten Anfahren von Baustellen vom Wohnort aus“, erklärt Stampfer, dass eine flexible Nutzung der Fahrzeuge „möglich sein sollte, solange alle – Unternehmen, Mitarbeiter:innen und Umwelt – davon profitieren.“

Schwierigkeiten sieht die Betriebsrätin „in der Vereinbarkeit einer sinnvollen Nutzung von Ressourcen und der Einhaltung strikter finanzrechtlicher Vorgaben: Hier wäre die Politik gefordert, einschränkende und veraltete Gesetze dem Zeitgeist anzupassen.“
In ihrer Freizeit restauriert Stampfer derzeit gemeinsam mit ihrem Partner einen historischen Lastwagen und ist ansonsten gerne in den Bergen unterwegs.

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