
© Tom Metschitzer
Der Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) im Betrieb weckt Ängste um Arbeitsplätze oder vor zunehmender Überwachung. Doch KI kann auch sinnvoll eingesetzt werden.
Wie alle neuen Technologien stößt auch KI noch auf Misstrauen. „Es treffen überhöhte Erwartungen und Befürchtungen aufeinander“, schildert Roland Sommer, Geschäftsführer der Plattform Industrie 4.0. „Nicht alle Firmen, die in KI investiert haben, sind von den Ergebnissen überzeugt“, führt Sommer aus. Trotzdem kann generative KI mittlerweile Beeindruckendes leisten, berichtet Sommer: Die Andritz AG aus Graz, einer der führenden Anbieter industrieller Anlagen – u.a. für die Zellstoff- und Papierindustrie – hat ein System auf Basis generativer KI entwickelt, auf das Kunden weltweit in ihrer jeweiligen Muttersprache zugreifen können. Der Betreiber einer Anlage, egal ob in Polen oder in China, kann bei Problemen Fragen an dieses KI-System stellen und Andritz garantiert, dass die Antworten korrekt sind. Das Unternehmen hat diese spezielle KI ausschließlich für seine eigenen Anlagen trainiert und dabei das Wissen seiner Facharbeiter:innen und Expert:innen genutzt. „Diese können dadurch deutlich entlastet werden! Denn bisher mussten sie oft eigens rund um die Welt reisen, um Probleme direkt vor Ort zu lösen“, erläutert Sommer die Vorteile.
Schneller und genauer
In der industriellen Produktion werden KI-gestützte Systeme längst erfolgreich eingesetzt. Beispielsweise kann die Qualitätssicherung optimiert werden, da KI-gesteuerte Kameras Schäden oder Mängel schneller erkennen als das menschliche Auge. Was künstliche Intelligenz ebenfalls besser kann: große Datenmengen verarbeiten und daraus beeindruckend schnell Lösungen ableiten.
„Nicht alle Firmen, die in KI investiert haben, sind von den Ergebnissen überzeugt“
Roland Sommer, Geschäftsführer der Plattform Industrie 4.0.
Auch in der Distribution kann KI für das Aufspüren von Mängeln eingesetzt werden: In einem Projekt der Handelskette Spar konnte zum Beispiel die Anlieferung von Waren auf Europaletten verbessert werden, erzählt Sommer. Diese Paletten sind manchmal beschädigt und können zerbrechen. In Folge gehen etwa Flaschen dann ebenfalls zu Bruch. KI kann hier mittels Bilderkennung fehlerhafte Paletten rechtzeitig aussortieren. „So werden nicht nur Prozesse optimiert, sondern zugleich Kosten und Ressourcen gespart. In Summe macht das Betriebe wettbewerbsfähiger.“
Agentische KI
Großes Potential sieht Sommer bei der sog. „agentischen KI“. Diese kann jede:r Mitarbeiter:in mehrere virtuelle ‚Agenten‘ zur Seite stellen, die sie oder ihn unterstützen. Die Buchung einer Dienstreise könnte beispielsweise von einem darauf trainierten Agenten übernommen werden. Dieser bucht Flug, Hotel, Taxi, Restaurants usw., in der richtigen Reihenfolge und in der richtigen Preisklasse – eine echte Entlastung für Beschäftigte, die dienstlich oft verreisen.
Mit einer solchen agentischen KI, die speziell für die Beratungstätigkeit des Betriebsrats entwickelt wurde, arbeitet Thomas Metschitzer bereits. Er ist Betriebsratsvorsitzender der KEBA-Group in Linz, einem international tätigen Technologieunternehmen, das sich auf Automatisierungslösungen spezialisiert hat.

© Johannes Zinner
KI wird bei KEBA in verschiedenen Produktbereichen eingesetzt, etwa in Maschinensteuerungen zur Überwachung und Optimierung von Produktionsprozessen sowie in Softwarelösungen für Predictive Maintenance um vorherzusagen, wann Wartung notwendig wird. Darüber hinaus spielt KI bei den innovativen Automatisierungslösungen von KEBA eine wichtige Rolle bei der Gestaltung der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine, beispielsweise durch Avatare und Sprachassistenzsysteme an Self-Service-Geräten.
Betriebsrat nützt KI
„Über unseren Betriebsrats-KI-Agenten können wir gezielt Informationen abfragen, zum Beispiel wenn eine Kollegin wissen will, wann der beste Zeitpunkt für ihren Pensionsantritt wäre. Dieser Agent arbeitet in einem geschlossenen System und weiß, wo er die richtigen Informationen suchen soll. Für mich ist das eine große Unterstützung“, berichtet Metschitzer.
„Über unseren Betriebsrats-KI-Agenten können wir gezielt Informationen abfragen, zum Beispiel wenn eine Kollegin wissen will, wann der beste Zeitpunkt für ihren Pensionsantritt wäre.“
Tom Metschitzer, Betriebsratsvorsitzender, KEBA-Group
Die KEBA Gruppe ist ein seit Jahrzehnten stark wachsendes Unternehmen. „Dieses Wachstum können wir nur durch den Einsatz von KI sicherstellen. Künstliche Intelligenz ist in unserem Unternehmen seit Jahren erfolgreich implementiert und das Vertrauen der Belegschaft darin ist hoch. Die Kolleg:innen – Arbeiter wie Angestellte –, wir als Betriebsrat und auch die Geschäftsführung arbeiten auf einer engen Vertrauensbasis zusammen.“ Als vor einigen Jahren die Entscheidung fiel, ChatGPT und später auch Co-Pilot im Unternehmen einzusetzen, ging das Hand in Hand mit einer offenen Kommunikation und einem umfassenden Schulungsangebot, erzählt Metschitzer. Die Mitarbeiter:innen können sich dabei Schritt für Schritt für verschiedene Anwender:innen-Levels qualifizieren, vom ‚Explorer‘ bis hin zum ‚Leader‘.
Akzeptanz im Betrieb
Um Akzeptanz von KI im Betrieb ging es im Projekt „AI for Good“, das von der Plattform Industrie 4.0 für den AK Digifonds durchgeführt wurde. Das Projekt zielte darauf ab, künstliche Intelligenz in der Produktion menschenzentriert zu gestalten. Es zeigte sich, dass die Beschäftigten sich für neue Technologie mehr Lernzeit bzw. Weiterbildung wünschten. Zu Ablehnung führt das Problemfeld Datenspeicherung, besonders seitens befragter Betriebsrät:innen. „Doch nicht bei allen Anwendungen müssen die Daten gespeichert werden. Das sollte bei der Entwicklung von KI-gestützten Lösungen von Anfang an mitgedacht werden“, gibt Sommer zu bedenken. „Je höher die Entlastung bei der Arbeit, desto höher ist die Akzeptanz der KI. Dabei muss der Arbeitnehmer aber sehen, dass ihn die KI unterstützt und eben nicht ersetzt!“
Was kann man aber tun, wenn man merkt, dass der eigene Arbeitsplatz in den nächsten Jahren durch KI eingespart werden könnte? Die KEBA Gruppe verfolgt hier den Ansatz, dass alle Mitarbeiter:innen Veränderungen beobachten und möglichst früh erkennen soll, ob und in welcher Form künstliche Intelligenz am eigenen Arbeitsplatz zur Rationalisierung führen könnte. „In unserem Unternehmen ist die Antwort darauf Weiterbildung und Entwicklung hin zu einem neuen Aufgabenbereich. Ganz zentral ist dabei ein offener Umgang mit diesen Veränderungen“, sagt Metschitzer und betont einmal mehr die zentrale Rolle des gegenseitigen Vertrauens im Betrieb: „Betriebsrat, Geschäftsführung und Personalmanagement arbeiten eng zusammen, daher finden wir für den betroffenen Arbeitnehmer gemeinsam Lösungen.“
