Arbeit für eine klimaneutrale Zukunft

Das Engagement für Klima und Umwelt bei Jugend am Werk Steiermark wird von Betriebsrat und Geschäftsführung getragen. Im Klimaschutzgarten in Gosdorf bei Mureck werden Transitarbeitskräfte vorübergehend beschäftigt und so auf neue Jobs vorbereitet.
© miriam raneburger

Der Transformationspreis von AK und ÖGB holt Beschäftigte und ihre Betriebsräte vor den Vorhang, die den ökologischen Wandel aktiv voranbringen. Ausgezeichnet wurden dabei innovative Projekte aus Betrieben und Regionen, die ökologische Ziele mit sozialer Fairness verbinden.

Wir dürfen den Klimawandel nicht leugnen, es ist noch nicht zu spät zu handeln!“ So sieht es Günter Holzer, Betriebsratsvorsitzender bei Jugend am Werk Steiermark. Verantwortung trage dabei jede und jeder Einzelne, das Ziel müsse es sein, heute die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen.

Auch Betriebsratsvorsitzender Alexander Marhavy von der STIWA Group in Oberösterreich, der sich für nachhaltige Verkehrslösungen einsetzt, betont: „Es gibt genügend Potential für einen Wandel, wir müssen das nur richtig umsetzen! “Klimaziele, die Hand in Hand mit sozialer Verantwortung gehen, sind längst kein Schlagwort mehr, sondern im Alltag zahlreicher Betriebe angekommen. Genau hier setzt der Transformationspreis von Arbeiterkammer und ÖGB an: Er macht sichtbar, wie Betriebsrät:innen diese Veränderungen im Sinne der Beschäftigten aktiv mitgestalten.

Im Mittelpunkt stehen Initiativen von Betriebsratsteams: für gute Arbeitsbedingungen, für ökologische Nachhaltigkeit und für eine aktive Mitbestimmung in Zeiten des Wandels. „Der Preis will erfolgreiche Projekte sichtbar machen, damit wir voneinander lernen können“, bringt es Marhavy auf den Punkt.

„Öko? logisch!“

Das Projekt „Öko? logisch!“ des Betriebsrats in der STIWA Group – einem Unternehmen der Automatisierungstechnik – begann mit einer einfachen Frage: Wie kommen die rund 1.050 Beschäftigten am Standort Attnang-Puchheim täglich zur Arbeit? Insgesamt legen die Mitarbeiter:innen dabei jeden Tag mehr als 39.000 Kilometer zurück, hatte Marhavy errechnet.

Alexander Marhavy, Betriebsratsvorsitzender bei der STIWA Group, setzt sich für nachhaltige Verkehrslösungen ein, von denen die Kolleg:innen profitieren.
©kreativpaket/Bernhard Friebl

Mit dieser Zahl eröffnete er auch die Diskussion mit Kolleg:innen im Betrieb: „Der Erdumfang beträgt 40.075 Kilometer. Das heißt, wir fahren hier jeden Tag fast einmal um die Welt um in die Arbeit zu kommen!“ Mit Hilfe dieses Vergleichs wurde die Dimension greifbar. Die Befragung der Mitarbeiter:innen führte zu zahlreichen Gesprächen und Diskussionen, außerdem analysierte der Betriebsrat über einen längeren Zeitraum die Auslastung der Parkplätze am Standort.

Fahrgemeinschaften

„Bei den Gesprächen wurde zahlreichen Kolleg:innen bewusst, dass es sehr wohl Alternativen zum eigenen Auto gibt, die sich relativ einfach umsetzen ließen“, erinnert sich Marhavy. Dabei zeigte sich auch, dass Fahrgemeinschaften oft unterschätzt werden. Vor allem war vielen gar nicht bekannt, wo andere Kolleg:innen wohnen. Im Laufe der Gespräche stellte sich heraus, wer alles den gleichen Weg zur Arbeit zurücklegt.

„Bei den Gesprächen wurde zahlreichen Kolleg:innen bewusst, dass es sehr wohl Alternativen zum eigenen Auto gibt, die sich relativ einfach umsetzen ließen.“

Alexander Marhavy,
Betriebsratsvorsitzender, STIWA Group

Als Maßnahme wurde in der Folge eine interne Mitfahrbörse vereinbart, wo die Mitarbeiter:innen ihr Interesse bekannt geben und sich selbst organisieren konnten. „Das Projekt hat damit nicht nur neue Optionen zur Mobilität aufgezeigt, sondern auch den Austausch im Betrieb gestärkt. Für mich als Betriebsrat wurde auch deutlich, wie wichtig das persönliche Gespräch bei dieser Initiative war!“

Jobrad und Fuhrpark

Für Beschäftigte, die mit dem Fahrrad kommen, sind am Standort ausreichend Duschen vorhanden, es gibt auch Ladestationen für E-Bikes. Der betriebliche Fuhrpark wurde mit Ausnahme der Montagebusse auf Elektroautos umgestellt. Früh umgesetzt wurde auch ein Jobrad-Modell: STIWA gehörte zu den ersten Unternehmen, die dieses Angebot eingeführt haben. „Aktuell bremsen allerdings Sparmaßnahmen und die wirtschaftliche Lage den weiteren Ausbau, obwohl die Nachfrage da wäre“, bedauert Marhavy.

Ein weiterer Fortschritt konnte durch eine Verbesserung der Öffis erreicht werden: Der Standort des Unternehmens in Gampern war nur schlecht an den öffentlichen Verkehr angebunden. Die Idee eines eigenen Schichtbusses erwies sich als zu kostspielig. Stattdessen gelang es, die Verkehrsbetriebe zu überzeugen, eine bestehende Buslinie zu verlegen. Diese verbindet nun im Halbstundentakt die Standorte Gampern und Attnang sowie den benachbarten Gewerbepark.

„Gerade in Stoßzeiten ist die Anbindung mit Bus und Bahn nun wirklich die bessere Wahl, weil man als Pendler dem täglichen Stau entgeht“, findet Marhavy. Hier fließen auch seine persönliche Erfahrungen in das Projekt mit ein: Bereits vor einigen Jahren verzichtete er bewusst auf den Kauf eines neuen Autos und stieg auf öffentliche Verkehrsmittel um. „Auch meine Frau fand es gut, dass ich pünktlich und viel entspannter heimkomme.“ Der Kostenaspekt spielt dabei ebenfalls eine Rolle: Ein Klimaticket ist mit etwas über 30 Euro pro Monat deutlich günstiger als das tägliche Pendeln mit dem Auto. Für Marhavy ist klar: „Ich bin überzeugt, dass wir unser Potential hier noch nicht voll ausgeschöpft haben!“

Dass das Potential groß ist, zeigt auch ein weiteres Projekt im Betrieb: Auf den riesigen Dachflächen der Produktionshallen in Attnang und Gampern wurden PV-Anlagen errichtet, an denen sich die Mitarbeiter:innen zu attraktiven Konditionen beteiligen können.

Nachhaltigkeit als Prinzip

Günter Holzer von Jugend am Werk Steiermark vertritt mit einem Betriebsratsteam von 15 Mitgliedern dort knapp 1.500 Beschäftigte. Die Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung beschreibt Holzer als konstruktiv und wertschätzend. Entscheidungen würden auf Augenhöhe diskutiert, mit dem Anspruch, das Verbindende vor das Trennende zu stellen. „Wir suchen nach Lösungen, die dem Unternehmen und den Beschäftigten gleichermaßen zugutekommen.“

Günter Holzer, Betriebsratsvorsitzender bei Jugend am Werk Steiermark, will seinen Kindern und Enkeln eine lebenswerte Umwelt hinterlassen.
© Nurith Wagner-strauss

Auch das Engagement für Umwelt- und Klimaschutz wird von Betriebsrat und Geschäftsführung gemeinsam getragen. Das Unternehmen habe immer auf einen ressourcenschonenden Umgang geachtet, betont Holzer. So wurde der Fuhrpark auf Elektro- und Hybridfahrzeuge umgestellt. Außerdem wird nach Möglichkeit die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel gefördert, ebenso wird in den Bereichen Einkauf und Energie nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit entschieden.

Artenvielfalt erhalten

Doch der Umweltschutz betrifft nicht nur das Betriebsmanagement, sondern wird auch unmittelbar in verschiedenen Projekten gelebt. Eins der Herzensprojekte von Holzer ist der von Jugend am Werk betreute Klimaschutzgarten in Gosdorf bei Mureck, wo Nachhaltigkeit und der Erhalt der Artenvielfalt im Mittelpunkt stehen.

„Der Umgang mit der Natur wirkt sich positiv auf die Transitarbeitskräfte aus, sie empfinden ihre Arbeit als sinnstiftend.“

Günter Holzer,
Betriebsratsvorsitzender, Jugend am Werk Steiermark

Der Klimaschutzgarten grenzt an die steirische Mur mit ihren Auenlandschaften. Er wird im Rahmen eines gemeinnützigen Beschäftigungsprojekts naturnah gestaltet und gepflegt und bietet Arbeitsplätze für Transitmitarbeiter:innen, die durch eine vorübergehende Beschäftigung auf den Arbeitsmarkt vorbereitet werden. „Der Umgang mit der Natur wirkt sich positiv auf die Transitarbeitskräfte aus, sie empfinden ihre Arbeit als sinnstiftend“, erklärt Holzer. Der Garten ist öffentlich zugänglich und die dort hergestellten Produkte können erworben werden. Diese werden in den Beschäftigungsprojekten entworfen und von den Transitmitarbeiter:innen ausgeführt. Bei der Herstellung wird auf den ökologischen Fußabdruck geachtet, ressourcenschonend und energiebewusst gearbeitet.

Als Non-Profit-Unternehmen finanziert sich Jugend am Werk vorwiegend aus der öffentlichen Hand. „Wir hoffen sehr, dass die geplanten Einsparungen im Sozialbereich von solchen zukunftsweisenden Projekten abgewendet werden können“, betont der Betriebsratsvorsitzende. Was für ihn beim Transformationspreis im Vordergrund steht, ist die Sichtbarmachung der ausgezeichneten Projekte: Sie können als Denkanstoß dienen. „Das Ziel muss es sein, für Nachhaltigkeit zu sensibilisieren. Wir wollen Beispiele guter Praxis aufzeigen, die Vorbilder für andere Projekte sein können.“

Für Holzer ist klar: „Der Klimawandel darf nicht geleugnet werden! Jeder von uns trägt Verantwortung, ebenso wie Politik, Wirtschaft und Gesellschaft insgesamt.“ Ihm ist es ein großes Anliegen, seinen Kindern und Enkeln eine lebenswerte Umwelt zu hinterlassen. Ansatzpunkte sieht Holzer z.B. bei Heizsystemen oder der Wahl von Fahrzeugen. „Hier kann jeder was tun, jede Maßnahme zählt. Ich bin überzeugt, dass wir alle einen Beitrag leisten können!“

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