Fachhochschulen-Kollektivvertrag in Reichweite

Bereits im vergangenen Jahr haben Beschäftigte mit Aktionen gezeigt, dass es einen Kollektivvertrag für die Fachhochschulen braucht.
© Edgar Ketzer

In die Gespräche über einen Kollektivvertrag für die österreichweit 9.000 Beschäftigten an 21 Fachhochschulen ist im Spätherbst ordentlich Bewegung gekommen. GPA-Wirtschaftsbereichssekretär Christoph Zeiselberger sieht die Zeit für faire Bezahlung und klare Spielregeln gekommen. Die Gründung eines freiwilligen Arbeitgeberverbandes wäre aus seiner Sicht die einfachste Lösung um rasch Verhandlungen starten zu können.

Die Angestellten an den FHs sind einem einheitlichen Kollektivvertrag große Schritte nähergekommen. Nach stockenden Gesprächen und Stillstand bei der Gründung des benötigten Arbeitgeberverbandes hat die GPA den September zum Aktionsmonat „Fachhochschulen verdienen einen Kollektivvertrag“ ausgerufen und dadurch positiven Druck aufgebaut, der beachtliche Wirkung zeigte.

GPA-Wirtschaftsbereichssekretär Christoph Zeiselberger freut sich über den großen Erfolg der Aktionswochen, in denen „viel Information verbreitet und dadurch mit vielen Mythen aufgeräumt wurde: Das Bedürfnis nach einem einheitlichen KV ist enorm. In einer großen Beschäftigtenbefragung haben wir 1.500 Kolleg:innen erreicht, neun von zehn haben sich für einheitliche Rahmenbedingungen mit Mindeststandards ausgesprochen.“

Zeiselberger fordert nun von den Arbeitgeber:innen „Mut zur Reform ein: Spitzenforschung und qualitative Bildung gedeihen nicht auf einem Fleckerlteppich. Eine überwältigende Mehrheit von über 90 Prozent der Bediensteten hat sich für ein modernes, transparentes Entlohnungssystem ausgesprochen, das Jobwechsel und Vernetzung erleichtert.“

Kollektivvertrag brächte viele Verbesserungen

Mehr als zwei Drittel der Befragten glauben, dass ein einheitlicher Kollektivvertrag ihre berufliche Situation verbessern wird, rund 70 Prozent hatten bereits vor ihrer FH-Tätigkeit Erfahrung mit einem KV. „Die Beschäftigten schätzten vor allem die Sicherheit und Vergleichbarkeit, die ein einheitliches Gehaltssystem schafft“, findet es Zeiselberger „bemerkenswert, dass 9 von 10 Befragten möchten, dass sich unsere Betriebsräte auch weiterhin für einen gemeinsamen Kollektivvertrag einsetzen, der eine faire Bezahlung, Transparenz und einheitliche Standards garantiert.“

Im Aktionsmonat fanden zahlreiche Betriebsversammlungen statt um darauf aufmerksam zu machen, dass die Gehaltsunterschiede innerhalb der Branche bis zu 50 Prozent betragen. „Derzeit sind Lohnsteigerungen, Regelungen zur Telearbeit, Zuschläge für Wochenendarbeit und Ansprüche wie Sabbatical oder Karenz höchst unterschiedlich geregelt“, betont Zeiselberger, dass „gemeinsame Standards als solides Fundament auch den Arbeitgebern nützen würden: „Um kluge Köpfe im Haus zu halten und die Fluktuation gering zu halten, braucht es gute Bedingungen.“ Weniger Bürokratie und rasche Nachbesetzungen könnten sich als Wettbewerbsvorteile bezahlt machen.

Als Höhepunkt des Aktionsmonats fanden sich die Belegschaftsvertreter:innen der Branche Ende September zu einer Konferenz der Betriebsrät:innen zusammen.

Arbeitgeberverband dringend notwendig

Der Abschluss eines KVs hakt immer noch daran, dass es auf Arbeitgeberseite kein Gegenüber gibt, mit dem die Gewerkschaft einen einheitlichen Kollektivvertrag verhandeln und abschließen kann. Seit Monaten fordert die GPA daher, dass sich die Arbeitgeber bündeln und einen privaten Verband der Dienstgeber gründen. Zeiselberger verweist auf die Sozialwirtschaft Österreich, die durch einen freiwilligen Zusammenschluss aller Dienstgeber:innen kollektivvertragsfähig wurde: „Einzelne FHs sind mangels Zugehörigkeit zur Wirtschaftskammer nicht kollektivvertragsfähig, die Fachhochschul-Konferenz FHK ist dringend gefordert, eine Lösung zu finden.“

Seitens der Arbeitgeber habe nun ein Nachdenkprozess begonnen, Zeiselberger ortet „starke Signale, dass das Thema Fahrt aufgenommen hat und konkrete Schritte zur Gründung eines Arbeitgeberverbandes erarbeitet werden: Das Thema wird ernst genommen, arbeitsrechtliche Aspekte im Detail besprochen.“

„Die Zeit für einen einheitlichen Kollektivvertrag ist reif. Gerade weil die finanziellen Rahmenbedingungen aktuell schwierig sind, sollte ein Abkommen auch in besseren Zeiten halten.“

GPA-Wirtschaftsbereichssekretär Christoph Zeiselberger

Eine gesetzliche Regelung, die Teile der Arbeitgeber:innen fordern, sieht Zeiselberger als „nicht notwendig an: Berührungspunkte zur Politik verkomplizieren und verzögern die Sache unnötig.“ Am einfachsten wäre es aus Sicht des Gewerkschafters, wenn die 21 Träger der Fachhochschulen einen Verein gründen: „Als solcher können sie sich sehr unkompliziert und rasch beim Bundeseinigungsamt als kollektivvertragsfähiger Verband der Arbeitgeber:innen anmelden.“

Zwar sei die budgetäre Lage aktuell nicht günstig für neue Kollektivvertragsabschlüsse, Zeiselberger sieht die Krise jedoch als Chance: „Ein KV, der unter schlechten finanziellen Rahmenbedingungen verhandelt wird, überdauert dann auch in guten Zeiten.“

Satzung ist keine leere Drohung

Die GPA nehme zwar Rücksicht auf die laufenden Abstimmungsprozesse, zieht aber laut Zeiselberger weiterhin die Möglichkeit in Erwägung, den Kollektivvertrag der Universitäten für die FHs beim Bundeseinigungsamt satzen zu lassen, falls in absehbarer Zeit auf regulärem Weg kein Verband der Arbeitgeber:innen gegründet werde: „Wir erwarten keine Schnellschüsse aber spürbare Schritte hin zu einem modernen und schlanken Kollektivvertrag, welcher der Branche entspricht.“

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