Arbeitsrechte sind Menschenrechte

Foto: Bilderbüchi

Katarzyna Winiecka, Geschäftsleiterin der UNDOK-Anlaufstelle, versucht das Thema undokumentierte Arbeit bekannter zu machen. Von der Politik fordert sie mehr rechtliche Sicherheit für Betroffene während eines laufenden Verfahrens.

KOMPETENZ: UNDOK feiert zehnjähriges Bestehen. Worauf bist du am meisten stolz?

Katarzyna Winiecka: Ich bin stolz darauf, Teil des Teams der Anlaufstelle zu sein, an das sich besonders verletzliche Personengruppen im Vertrauen wenden. Das ist nicht selbstverständlich und das Ergebnis jahrelanger Aufbauarbeit. Unsere Erfolge in der Durchsetzung von Rechten und die vielen Fälle, in denen wir erfolgreich interveniert haben, zeigen, dass unsere Arbeit wirklich einen Unterschied macht.

KOMPETENZ: Was waren die größten Herausforderungen in den letzten zehn Jahren?

Katarzyna Winiecka: Eine der größten Herausforderungen in der Beratung ist die Angst vor und die Gefahr von Abschiebung oder rechtlichen Konsequenzen vieler undokumentiert arbeitender Kolleg:innen. Ausbeuterische Arbeitgeber:innen zu konfrontieren, ist für die Betroffenen viel schwieriger. Wichtig ist: Undokumentierte Arbeitnehmer:innen sind (arbeits-)rechtlich gleichgestellt. Dieses Wissen fehlt an vielen Stellen. Daher arbeiten wir auch daran, bessere Zugänge für die Betroffenen zu bestehenden Interessenvertretungen zu schaffen.

KOMPETENZ: Wie hat sich die gesellschaftliche Wahrnehmung von undokumentierten Arbeitnehmer:innen in Österreich verändert?

Katarzyna Winiecka: Wir versuchen das Thema undokumentierte Arbeit in der Öffentlichkeit und bei politischen Entscheidungsträger:innen zu platzieren. Insgesamt sehen wir durchaus, dass prekäre Arbeitsverhältnisse stärker thematisiert werden. Weil es bei undokumentierten Arbeitnehmer:innen um Migrant:innen geht, ist Rassismus am Arbeitsmarkt auch Thema.

KOMPETENZ: Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen und Behörden?

Katarzyna Winiecka: Wir arbeiten eng mit NGOs, Gewerkschaften, Arbeiterkammern, fallweise auch Sozialversicherungsträgern zusammen, um die Betroffenen bestmöglich zu unterstützen. Diese Zusammenarbeit ist unverzichtbar und entscheidend, um effektiv auf Missstände reagieren zu können.

KOMPETENZ: Was wünscht du dir für die Zukunft?

Katarzyna Winiecka: Eine bessere und sichere Finanzierung der Anlaufstelle. Der Bedarf nach Beratung und Unterstützung ist enorm. Wir wollen unsere Arbeit verstärken, um nicht nur individuell, sondern auch auf systemischer Ebene Veränderungen zu bewirken.

KOMPETENZ: Was können Mitglieder der Gewerkschaft GPA tun, um die Arbeit von UNDOK zu unterstützen?

Katarzyna Winiecka: Jedes Mitglied kann einen Beitrag leisten, sei es durch aktive Unterstützung unserer Kampagnen oder einfach durch das Weitertragen von Informationen. Jede Form der Unterstützung hilft, das Bewusstsein zu schärfen und die Bedingungen für undokumentierte Arbeitnehmer:innen zu verbessern.

KOMPETENZ: Welche Forderungen stellt UNDOK?

Katarzyna Winiecka: Asylwerber:innen dürfen nach drei Monaten im Asylverfahren in jedem Job arbeiten – theoretisch. In der Praxis gibt es aber weiterhin hohe Barrieren wie die Beschäftigungsbewilligung. Besonders wichtig wäre auch, dass undokumentierte Arbeitnehmer:innen zumindest während arbeitsrechtlicher Verfahren einen gesicherten Aufenthalt haben. Wir sagen: Arbeitsrechte sind Menschenrechte – und die müssen für alle gleich gelten.

UNDOK – Anlaufstelle zur gewerkschaftlichen Unterstützung undokumentiert Arbeitender
Beratung: Montag 9.00–12.00 Uhr, Mittwoch 15.00–18.00 Uhr oder nach Vereinbarung
office@undok.at oder +43 (0)1 534 44-39040
ÖGB / Catamaran, Lounge / Erdgeschoß, Beratungs-Koje, Johann-Böhm-Platz 1, 1020 Wien
www.undok.at

Scroll to top