Vertrauensräte für junge Beschäftigte in der AUVA

Die beiden Lehrlinge Aleyna Dincer und Egemen Türkkan sind seit April 2024 im Jugendvertrauensrat der AUVA und vertreten dort Jugendliche und junge Erwachsene.
Foto: Nurith Wagner-Strauss

Aleyna Dincer und Egemen Türkkan fungieren als Jugendvertrauensräte in der Hauptstelle der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt am Wienerberg. Sie haben die Anliegen der Jungen im Blick und sammeln wertvolle Erfahrungen.

Die Belegschaftsvertretung in der Hauptstelle der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) am Wienerberg wird seit knapp einem Jahr durch zwei Jugendvertrauensräte verstärkt. Die beiden Lehrlinge Aleyna Dincer und Egemen Türkkan wurden im April 2024 für zwei Jahre gewählt und führten seitdem zahlreiche vertrauensvolle Gespräche mit Lehrlingen und jungen Beschäftigten, hauptsächlich über deren Arbeitssituation. Davon profitiert die Organisation ebenso wie die beiden Vertrauenspersonen.

Die Idee, Jugendvertrauensrät:innen am Wienerberg zu etablieren, hatte die Betriebsratsvorsitzende der Hauptstelle, Claudia Schadauer gemeinsam mit dem Vorsitzenden des AUVA-Zentralbetriebsrats Erik Lenz: „Wir beschäftigen viele Lehrlinge und wollten, dass diese Gruppe gut vertreten ist. Untereinander reden sich die jungen Erwachsenen leichter, sie haben ähnliche Interessen und tauschen sich unkompliziert aus.“

Als Jugendvertrauensräte treten Aleyna und Egemen für Lehrlinge bis zum 21. Lebensjahr und jugendliche Arbeitnehmer:innen bis 18 Jahre ein. Sie sind im Betriebsratsgremium zwar nicht stimmberechtigt, aber zu allen Sitzungen und auch den konzernweiten Konferenzen eingeladen und nehmen teil, wann immer es ihr Arbeitsalltag und die Termine der Berufsschule zulassen.

„Ich habe immer ein offenes Ohr für die Anliegen und Probleme der Lehrlinge im Haus.“

Aleyna Dincer, Jugendvertrauensrätin in der AUVA-Hauptstelle

Die 21-jährige Aleyna arbeitet seit 2023 bei der AUVA, aktuell in der Personalabteilung. Der 22-jährige Egemen macht seit 2022 eine IT-Lehre beim ServiceDesk. Auf die Idee, als Jugendvertrauensräte zu kandidieren, kamen die beiden gemeinsam, als die Gewerkschaft GPA den Beschäftigten der AUVA ihr Tätigkeitsspektrum vorgestellt hat. „Ich verstehe mich sehr gut mit Gleichaltrigen und kann mich gut in die Lage anderer versetzen“, erklärt Aleyna, der es „wichtig ist, jungen Kolleg:innen eine Stimme zu geben: Meine Ohren sind immer offen, für die Anliegen der Lehrlinge.“

Egemen und Aleyna sehen sich als Team und tauschen sich regelmäßig über wichtige Entwicklungen im Betrieb aus: „Wir finden es optimal, dass es eine weibliche und einen männlichen Vertrauensrat gibt.“ Egemen hat sich bereits vor seiner Kandidatur ein wenig mit dem gewerkschaftlichen Wirkungsbereich beschäftigt und hatte zunächst „befürchtet, dass ihn die Aufgaben als Jugendvertrauensrat in der Lehrausbildung einschränken könnten: Aber das Gegenteil ist der Fall. Die Kontakte zu den anderen Lehrlingen bereichern mich, ich kann viel lernen und wertvolle Erfahrungen sammeln.“

Gespräche mit jungen Beschäftigten können die Vertrauensrät:innen, obwohl sie für ihre Tätigkeit nicht freigestellt sind, ungestört in abgesonderten Räumlichkeiten während der Dienstzeit führen, manchmal wird aber auch einfach beim Mittagstisch geplaudert: „Uns verbindet die Situation als Lehrlinge, eigentlich verbündet es uns sogar. Viele sind erleichtert, dass sie mit uns frei über alles Mögliche sprechen können.“ In der Praxis gehe es nicht immer um schwerwiegende Probleme, oft sei es „ein Austausch, der aus einem gemeinsamen Blickwinkel heraus stattfindet: Das tut gut, wirkt oft erleichternd und schweißt uns für die Zukunft zusammen.“

„Als Jugendvertrauensrat arbeite ich viel auf der persönlichen Ebene und verbinde die Interessen und Bedürfnisse unterschiedlicher Menschen miteinander. Das ist eine wichtige Arbeit.“

Egemen Türkkan, Jugendvertrauensrat in der AUVA-Hauptstelle

Egemen findet es schön, auf der persönlichen Ebene mit Menschen zu arbeiten: „Ich bin kein Kellerhocker, ich unterstütze unsere Mitarbeiter:innen wie Kunden im EDV First Level Support und ähnlich sehe ich meine Rolle als Jugendvertrauensrat: Ich rücke in meiner Arbeit das Menschliche in den Vordergrund.“ Aleyna ist stolz, dass sich „viele Jugendliche an mich wenden: Wir sind fast 20 Lehrlinge in der Hauptstelle und alle in etwa gleich alt, wir verstehen uns untereinander gut und ich merke, dass die Kolleg:innen sich wohl fühlen, wenn sie sich mit mir über ihre berufliche Situation austauschen.“ Sie bekommt viele positive Rückmeldungen, manche sind einfach dankbar für die intensiven Gespräche: „Das sind gute Vibes, das motiviert mich sehr.“

Arbeitsrechtliche Infos sind gefragt

An erster Stelle steht die Informationsbeschaffung für die jungen Kolleg:innen im Betrieb: „Da gibt es viele Fragen, etwa zur Zusammensetzung des Gehaltes, zur Einstufung oder auch zur Schnittstelle mit der Berufsschule. Hier wollen wir Klarheit schaffen.“ Hilfreich sind dabei, neben einer vertrauensvollen Gesprächsebene zu Betriebsratschefin Schadauer, arbeitsrechtliche Schulungen der GPA sowie enge Kontakte zu den Fachabteilungen im Haus: „Als Lehrlinge rotieren wir durch alle Abteilungen, wir schnuppern überall hinein und lernen so Ansprechpartner:innen für wichtige dienstrechtliche Fragen kennen.“ Für Schadauer ist es „wertvoll, dass die Jugendvertrauensrät:innen mit den jungen Kolleg:innen auf Augenhöhe sprechen können: Ansprechpartner in einer ähnlichen Lebenssituation sind eine wichtige Basis für vertrauensvolle Gespräche.“ Der ständige Austausch könne so manchen Konflikt entschärfen, bevor er sich intensiviere.

„Manchmal möchten junge Kolleg:innen den Jugendvertrauensrät:innen einfach nur ihr Herz ausschütten, das funktioniert sehr gut.“

Claudia Schadauer, Betriebsratsvorsitzende AUVA-Hauptstelle

Schadauer sieht eine „Win-Win-Situation, in der unsere Jugendvertrauensrät:innen es schaffen, den Lehrlingen nahe zu bringen, wie betriebsrätliche Arbeit funktioniert und welche Vorteile sie bringt: Sie selbst werden durch Schulungen und das Hineinschnuppern in die Vertretungstätigkeit auf den Geschmack gebracht, im Betrieb längerfristig für die Interessen ihrer Kolleg:innen einzutreten.“

Die beiden Jugendvertrauensrät:innen Aleyna Dincer und Egemen Türkkan werden bei ihrer Tätigkeit von der Betriebsratsvorsitzenden Claudia Schadauer (Mitte) unterstützt.
Foto: Nurith Wagner-Strauss

Egemen könnte sich vorstellen, später als Betriebsrat aktiv zu bleiben: „Je länger ich dabei bin, desto stärker tendiere ich in diese Richtung. Ich sehe einfach, dass ich etwas bewirken kann und das macht mich zufrieden.“ Aleyna findet es „persönlich bereichernd, in den beruflichen Gesprächen von ihren Kolleg:innen anders wahrgenommen zu werden, als im privaten Austausch: Ich habe da eine Rolle, eine Funktion in freundschaftlicher Distanz und kann gemeinsam mit den Betroffenen über den eigenen Tellerrand schauen und Lösungsmöglichkeiten aufzeigen. So lerne ich selbst viel – inhaltlich und auch über meine eigenen Potentiale.“

Wertschätzende Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat

Aus der engen Anbindung an den Betriebsrat nehmen Aleyna und Egemen „viele persönliche Kontakte und wertvolles Wissen über politische Zusammenhänge und Strukturen mit: Betriebsratskonferenzen sind eine tolle Gelegenheit sich zu vernetzen und Einblicke in die Problemstrukturen anderer Häuser und Gesundheitseinrichtungen zu bekommen.“

Egemen fasziniert der „respektvolle Umgang sowie der enge Zusammenhalt unter den Belegschaftsvertreter:innen: Wenn man an einem Strang zieht, dann schafft man viel und kann einiges bewirken. Die Alteingesessenen wissen, wie man in heiklen Situationen am besten vorgehen muss, von dieser Erfahrung kann ich sehr profitieren.“ Als Jugendvertrauensrat fühlt er sich „wertgeschätzt und maximal unterstützt: Die Zusammenarbeit mit den Betriebsrät:innen ist toll, ich lerne wahnsinnig viel.“

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