„Man muss sehr viel Mut aufbringen!“

Die neue Saturn-Betriebsratsvorsitzende Claudia Malecek
© Daniel Novotny

Claudia Malecek, die neu gewählte Betriebsrätin bei SATURN Österreich, im Interview: Über den Mut, den es gilt, aufzubringen und die wichtige Rolle der Gewerkschaften bei der Gründung eines Betriebsrates.

KOMPETENZ: Liebe Kollegin Malecek – es ist erstmals gelungen, einen Betriebsrat bei Saturn Österreich zu gründen und du wurdest zur Betriebsratsvorsitzenden gewählt. Herzlichen Glückwünsch. Wie hat es sich angefühlt?

Claudia Malecek: Es war hervorragend. Nachdem wir so viel Arbeit und Energie hineingesteckt haben, war es ein richtig gutes Gefühl, das Endergebnis zu sehen und dann zu sagen: „Ja, wir haben etwas bewirkt. Wir haben es geschafft, den ersten Betriebsrat bei Mediamarkt/Saturn in Österreich zu etablieren“.

KOMPETENZ: Welche Herausforderungen stellten sich euch in den Weg?

Claudia Malecek:  Es ist nicht leicht, die Liste abzugeben, seinem Chef zu sagen, dass du eine Versammlung einberufst und einen Betriebsrat zu gründen. Darauf folgen gerne ablehnende Reaktionen wie etwa: „Nein, das brauchen wir nicht“, „Das ist doch nicht notwendig“ oder – mein Lieblingssatz „Das geht ja gar nicht“. Da denke ich mir immer: „Doch, und wie es geht. Es ist im Gesetz verankert. Es hat zu gehen und es wird funktionieren.“

KOMEPTENZ: Und wie hat die Geschäftsführung auf die Gründung reagiert? Wie ist das Betriebsklima heute?

Claudia Malecek: Zu Beginn war es nicht sehr leicht. Ich glaube, das muss man auch im Zusammenhang damit sehen, dass wir den ersten Betriebsrat von Saturn Österreich gegründet haben. Es war einfach eine neue Situation für jeden und für jede. Alle Beteiligten mussten sich erst zurechtfinden. Natürlich war es für die Geschäftsführung ein Schock, dass um zwei Stimmen meine Liste gewonnen hat. Sie wissen, dass ich den Mund aufmache. Wenn etwas nicht passt, kann ich es nicht einfach runterschlucken, sondern es muss raus.

Aber das Klima wird langsam besser. Mir wird jetzt auch ein Büro zur Verfügung gestellt. Und die Geschäftsführung sieht auch, dass ich an einer konstruktiven Zusammenarbeit interessiert bin. Da findet man dann einen Weg. Es kommt noch immer einiges, aber es wird besser.

„Die Kolleginnen und Kollegen waren sich schnell einig, dass ich es machen soll. Ich aber musste mir das vorher gut überlegen.“

KOMPETENZ: Wie kam es zu deiner Kandidatur? Hattest du Unterstützung?

Claudia Malecek: Nach dem letzten Geschäftsführerwechsel habe ich mir zunächst noch gedacht, dass ich abwarte und mir ein Bild mache. Dann wurden aber die Rufe im Pausenraum nach einem Betriebsrat immer lauter. Das Lustige dabei war, dass ich mich aus diesen Debatten absichtlich rausgehalten habe – bis zu dem Zeitpunkt, als meine KollegInnen über Namen sprachen. Es tauchte im Aufenthaltsraum die Frage auf, wer es denn überhaupt machen soll und als hätten meine KollegInnen einen Chor einstudiert, hieß es dann plötzlich: „Ja die Claudia, wer anderer kommt ja gar nicht in Frage“. Da habe ich dann aufgeschaut und gesagt: „Moment, da habe ich auch noch mitzureden. Lasst mir Zeit – ich muss mir das gut überlegen.“

Da steckt so viel dahinter und ich wusste, dass das nicht von einem Tag auf den anderen funktionieren wird. Dann kam aber die neue Bundesregierung und ich habe mir gedacht, dass das doch nicht mehr normal ist. Da regieren einige Typen, die keine Ahnung von den Arbeitsrealitäten haben, alles ändern wollen und das nicht unbedingt zum Positiven. Ich habe mir gesagt „Nein, so geht das nicht weiter.“

Da habe ich gewusst, dass ich das jetzt machen muss. Ich habe mir alle notwendigen Ansprechpersonen und Informationen besorgt. Dann habe ich Kontakt mit der GPA-djp aufgenommen und gefragt: „Was muss ich? Was brauch ich?“ Wann komme ich? Wie tun wir?“. Danach ist alles sehr flott gegangen. Ich hatte Angst, ob ich alle Fristen eingehalten habe bzw. alles beachtet habe, aber ich wurde hervorragend von der Gewerkschaft betreut, da hat es gar nichts gegeben.

„Einen Betriebsrat gründen? Mach das niemals allein! Hol dir die Gewerkschaft als Partnerin – sie steht dir zur Seite!“

KOMPETENZ: Das heißt, die Gewerkschaft war eine ganz wichtige Unterstützung für dich?

Claudia Malecek: Auf alle Fälle. Das allein durchzuziehen wäre unmöglich für mich gewesen. Es braucht die Strukturen mit dem rechtlichen Grundwissen. Wenn du das nicht hast, bist du verloren. Der Rückhalt – sei es Arbeiterkammer, ÖGB oder wer auch immer – ist so wichtig. Vonseiten der Arbeitgeber wird oft alles versucht, dass es nicht funktioniert und hierbei hält dir die Gewerkschaft den Rücken frei.

KOMPETENZ: Was sind die brennendsten Themen an deinem Standort?

Claudia Malecek: Auf alle Fälle sind das Personalbelange wie zum Beispiel Stundenabrechnungen. Alles, was Personal und Arbeit im Betrieb betrifft. Wenn ich anfange, aufzuzählen, weiß ich gar nicht wo ich anfangen soll. Die größten Themen sind Gehälter, Betriebsvereinbarungen, die Schwarz-Weiss-Regelung für Samstagsdienste. Ich wollte mit den kleinsten Brocken anfangen und wir arbeiten uns zu den großen vor. Die großen Brocken gehören absolut durchstrukturiert.

KOMPETENZ: Hast du besondere Erfahrungen als Frau gemacht? Gab es spezielle Hürden?

Claudia Malecek: Ich hatte damit zum Glück keine Schwierigkeiten. Ich glaube, der Grund dafür ist, dass wir so viele junge MitarbeiterInnen haben. Der jüngste Lehrling ist 16, der Großteil der KollegInnen ist Anfang 20 bis 30 – die sind ganz anders aufgewachsen. Die differenzieren gar nicht mehr zwischen Männern und Frauen und gendern ist für die auch schon so normal. Das ist unglaublich schön, zu beobachten.

KOMPETENZ: Wenn du deine Erfahrungen zusammenfasst, welche Tipps und Hinweise hast du für KollegInnen, die ebenfalls einen Betriebsrat gründen möchten?

Claudia Malecek: Als Allererstes: Mach das niemals allein. Hol dir die Gewerkschaft als Partnerin, damit dir wer bei allen Formalitäten und rechtlichen Fristen zur Seite steht. Zweitens: Sei dir bewusst, dass du sehr viel Mut aufbringen müssen wirst, um das durchzuziehen. Drittens: Es werden Angebote gemacht werden, damit Leute von der Wahlliste abspringen. Nehmt diese Angebote auf gar keinen Fall an. Die Devise muss lauten: „Wir vertreten die KollegInnen am Standort und bleiben dabei solidarisch.“

„In erster Linie geht es um die Menschen in der Firma. Ohne Personal gäbe es die Firma ja nicht. Das Personal ist es, das die Arbeit schafft.“

Wir arbeiten alle gerne bei Saturn. Das ist ja nicht so, dass wir uns sagen „Das machen wir ihnen jetzt z‘Fleiß“. Ganz im Gegenteil, wir sind dafür da, das Betriebsklima zu verbessern. Es geht dabei nicht um die Firma. Natürlich auch – aber in erster Linie geht es um die Menschen in der Firma. Was es dazu braucht, ist vor allem Mut und Durchhaltevermögen.

KOMPETENZ: Gibt es zum Abschluss noch etwas, was du ergänzen möchtest?

Claudia Malecek: Ich würde mir wünschen, dass ein jeder Markt von Saturn & Media Markt einen Betriebsrat gründet. Mit diesem Ziel bin ich auch in das Ganze gestartet. Ich habe mir gedacht: „Man kann den Konzernen doch nicht freie Hand lassen. Das geht doch nicht!“ Es steht im Gesetz, dass es einen Betriebsrat geben soll. Der große Fehler ist leider, dass es nicht sanktioniert wird, wenn es keinen gibt!

Zur Person:

Claudia Malecek wurde Anfang Juli 2019 zur ersten Betriebsratsvorsitzenden von SATURN Österreich gewählt. Gemeinsam mit ihrem Team vertritt sie am Standort in der Shopping City Süd rund 60 Kolleginnen und Kollegen.

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