„Ein Exempel statuieren“

Sabrina E., gekündigte Douglas-Mitarbeiterin
Foto: Daniel Novotny

Zuerst vom größten Konkurrenten abgeworben, jetzt von Douglas gekündigt – vermutlich, weil sie einen Betriebsrat gründen wollte. Mit gewerkschaftlicher Hilfe klagt Sabrina E. dagegen. Und will ihr Ziel weiterverfolgen.

KOMPETENZ: Wie geht es Ihnen heute?

Sabrina E.: Sehr gut, weil ich in den vergangenen Tagen sehr viel positives Feedback bekommen habe.

KOMPETENZ: Von ehemaligen Arbeitskolleginnen?

Sabrina E.: Lustigerweise von denen eher weniger. Aber von Ex-Mitarbeiterinnen, die schon seit zwei, drei Jahren nicht mehr im Unternehmen sind, aber 20 Jahre lang dort gearbeitet haben, und auch von Leuten, die auf ähnliche Art und Weise ihren Job verloren haben.

KOMPETENZ: Also Sie fühlen sich verstanden?

Sabrina E.: Auf jeden Fall. Das ist eine Sache, wo, glaube ich, alle ArbeitnehmerInnen mitfühlen können.

KOMPETENZ: Sie sind von einer anderen Parfümeriekette und dem größten Konkurrenten von Douglas abgeworben worden. Haben Sie sich je erträumt, dass eine geplante Betriebsratsgründung so enden würde?

Sabrina E.: Um ehrlich zu sein, habe ich schon bei meinem alten Arbeitsplatz daran gedacht. Ich studiere Jus, arbeite in Teilzeit und habe immer wieder gesehen, dass etwas falsch läuft für die ArbeitnehmerInnen. Deshalb war ich auch zum Jobwechsel bereit. Aber dass die Missstände in diesem Ausmaß sind, bei Douglas genauso wie bei meinem vorherigen Arbeitgeber, hätte ich nicht gedacht. Und schon gar nicht, dass dann so unprofessionell damit umgegangen wird und dass Arbeitsrecht einfach missachtet wird!

KOMPETENZ: Ihr ehemaliger Arbeitgeber unterstellt Ihnen, Sie hätten „Unruhe stiften“ wollen.

Sabrina E.: Das ist eine lächerliche Anschuldigung. Leute, die den Mund aufmachen und die etwas verändern wollen, werden allgemein einfach als „UnruhestifterInnen“ abgestempelt – auch vor KollegInnen. Weil man offenbar als Gefahr gesehen wird. Da kann man noch so gute Verkaufszahlen haben.

KOMPETENZ: Welche Dinge haben Sie so gestört, dass sie diese aufzeigen wollten?

Sabrina E.: Neben Taschen- und Spindkontrollen in Abwesenheit der Mitarbeiterinnen wurde das Wohlbefinden der Arbeitnehmerinnen leichtfertig auf’s Spiel gesetzt. Brandschutzgesetze in Filialen wurden nicht eingehalten, obwohl das Arbeitsinspektorat bereits Verbesserungen gefordert hatte. Zum Beispiel weil im Hochsommer die Klimaanlage nicht funktionierte, wir aber die nicht wettergerechte Arbeitsuniform tragen mussten. Oder im Krankenstad wurde man unter Druck gesetzt, trotzdem arbeiten zu kommen. Ich selbst arbeite neben dem Studium in Teilzeit, musste aber im April 30 Wochenstunden arbeiten anstatt 15 – und man wird schief angeschaut, wenn man nicht flexibel sein kann arbeitstechnisch. Auch die Kommunikation zu den Vorgesetzten hat nicht optimal funktioniert.

KOMPETENZ: Die Pressestelle behauptet jetzt, eine Arbeitnehmervertretung wäre dem Unternehmen sehr wohl wichtig. Wie sehen Sie das?

Sabrina E.: Die Pressestelle hat ihren Sitz in Deutschland. Dort gibt es seit zwei Jahren einen Gesamtbetriebsrat, davor gab es nur in einzelnen deutschen Filialen einen Betriebsrat. In Österreich ist das anders: Hier braucht man zuerst einen Gesamtbetriebsrat, bevor der Schritt von einer Filiale ausgehen kann. Deshalb gab es in den österreichischen Filialen noch keinen Betriebsrat.

KOMPETENZ: Wenn Douglas in Deutschland zwar unter anderen Vorzeichen einen Betriebsrat hat, warum wird es dann aber den Mitarbeiterinnen in Österreich so schwer gemacht, eine Arbeitnehmervertretung zu gründen?

Sabrina E.: Das ist eine gute Frage. Meine Vermutung ist – und das soll keine Anschuldigung sein: Wenn man nichts zu verbergen hat, kann man auch einen Betriebsrat zulassen. Die Kündigungswelle der letzten Zeit wie in meinem Fall und im Fall meiner beiden Kolleginnen in Wien wegen „Unruhestiftung“ wäre unter einem Betriebsrat sicherlich nicht möglich gewesen.

KOMPETENZ: Sehen Sie einen Zusammenhang mit den Plänen des Unternehmens, von den europaweit 2.400 Filialen 70 Filialen zu schließen?

Sabrina E.: Nein. Die geplanten Filialschließungen sollen anscheinend nur Südeuropa betreffen. Uns war jedenfalls versichert worden, dass Deutschland und Österreich davon nicht betroffen sein würde.

KOMPETENZ: Es gibt ja mittlerweile sehr viele Theorien für gute MitarbeiterInnen-Führung. War hier das Management bei Ihnen sehr aktiv?

„Geht auf jeden Fall zur Gewerkschaft! Denn die Unterstützung, die ich in den letzten Wochen von der Gewerkschaft erfahren habe, war enorm.“

Sabrina E., gekündigte Douglas-Mitarbeiterin

Sabrina E.: Es gab „Motivationsgespräche“ – aber unmittelbar vor meiner Kündigung und der meiner Kolleginnen. Sogar Mitarbeiterinnen, die das Unternehmen seit Jahrzehnten kennen, bestätigten mir, diese Gespräche dienten nur zur Spionage, um Kolleginnen auszuhorchen. Das Management hat versucht, Fehler bei den Mitarbeiterinnen zu finden, anstatt bei sich selbst zu suchen und vor der eigenen Haustür zu kehren.

KOMPETENZ: Ihre Klage gegen die Kündigung läuft auch auf Wiedereinstellung hinaus. Würden Sie wirklich wieder für Douglas arbeiten wollen?

Sabrina E.: Ich würde sehr gerne zurückkehren gemeinsam mit meiner Kollegin und auch die Gründung eines Betriebsrates vorantreiben. Weil wir denken, dass das sehr wichtig ist. Ich war ja nur teilzeitbeschäftigt, deshalb habe ich andere gebeten, mir beizustehen und weitere Kandidatinnen für den Betriebsrat zu finden. Jetzt denken vielleicht manche Kolleginnen, die Unternehmensleitung hat recht gehabt. Aber wenn wir zurückkehren, können wir ein Exempel statuieren, dass das Recht auf unserer Seite ist. Dann müsste ich auch nicht mehr im Geheimen Kolleginnen für den Betriebsrat akquirieren, und niemand müsste Angst haben. Denn seit meiner Kündigung wurden andere Mitarbeiterinnen ebenfalls gekündigt, die ich bereits angeworben hatte für einen neuen Betriebsrat.

KOMPETENZ: Was würden Sie anderen ArbeitnehmerInnen raten, die von Missständen betroffen sind und/oder einen Betriebsrat gründen wollen?

Sabrina E.: Geht auf jeden Fall zur Gewerkschaft! Denn die Unterstützung, die ich in den vergangenen Wochen durch die Gewerkschaft erfahren habe, war enorm. Einen Betriebsrat zu gründen ist in kleinen Betrieben einfacher, weil fünf MitarbeiterInnen genügen. In größeren Unternehmen ist das schwieriger, auch weil nicht alle solche Pläne für sich behalten können. Ich würde auch empfehlen, mit dem Personalchef oder der Personalchefin zu reden oder mit einer anderen Vertrauensperson. Ein Betriebsrat ist auf jeden Fall ein tolles Instrument, das ich jedem Betrieb empfehlen würde – auch wenn es einen guten Personalchef oder eine gute Personalchefin gibt. Und: Nicht unterkriegen lassen! Es wird immer KollegInnen geben, die einen von so einem Vorhaben abhalten wollen. Ich würde mich davon nie abhalten lassen. Ich weiß, das ist leichter gesagt, wenn man nicht wirklich abhängig ist von dem Job. Trotzdem: Man muss für eine Sache wirklich einstehen. Der Betriebsrat ist ein wichtiges Mitbestimmungsinstrument und ein Gegenmonopol für die ArbeitnehmerInnen.

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