Faktencheck: Wer nach 45 Jahren abschlagsfrei in Pension geht

Grafik: GPA-djp Öffentlichkeitsarbeit

In der Nationalratssitzung am 19.9. 2019 wurde der Beschluss gefasst, dass bei einem Pensionsantritt vor dem Regelpensionsalter, keine Abschläge mehr anfallen, wenn 45 Jahre der Erwerbstätigkeit vorliegen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um die geplante Änderung.

Ab wann gilt die Abschlagsfreiheit?

Die neue Regelung soll mit 1.1.2020 in Kraft treten. Versicherte, die ab diesem Zeitpunkt in Pension gehen und die notwendigen Anspruchsvoraussetzungen erfüllen, haben keine Abschläge mehr.

Welche Voraussetzungen gelten hinsichtlich der erforderlichen Versicherungszeiten?

Zum Zeitpunkt des Pensionsantritts müssen mindestens 45 Arbeitsjahre bzw. 540 Monate einer Erwerbstätigkeit über der Geringfügigkeitsgrenze des jeweiligen Jahres vorliegen. Dazu zählen auch Lehrzeiten.

Können die Arbeitsjahre auch durch andere Versicherungszeiten ersetzt werden?

Von den erforderlichen 45 Arbeitsjahren können bis zu 5 Jahre durch Zeiten der Kindererziehung ersetzt werden. Andere Versicherungszeiten (z.B. Präsenz-/Zivildienstzeit, Zeiten des Krankengeld- oder Arbeitslosengeldbezuges, etc.) werden nicht angerechnet.

Welche Pensionsarten betrifft die Abschlagsfreiheit bei Vorliegen von 45 Arbeitsjahren?

Die Abschlagsfreiheit nach 45 Jahren ist für Versicherte relevant, die die Anspruchsvoraussetzungen für die Langzeitversichertenregelung ab 62 Jahre, für die Schwerarbeitspension ab 60 Jahre oder für die Berufsunfähigkeits-/Invaliditätspension erfüllen. Für alle diese Pensionsarten gelten grundsätzlich Abschläge, die bei Vorliegen von 45 Arbeitsjahren nicht zum Tragen kommen.

Besteht die Möglichkeit einer abschlagsfreien Pension auch schon vor dem 62. Lebensjahr?

Abgesehen von den erforderlichen 45 Arbeitsjahren müssen die Voraussetzungen für eine Berufsunfähigkeits-/Invaliditätspension, oder für die Schwerarbeitspension erfüllt sein, um mit 60 Jahren abschlagsfrei in Pension zu gehen. Ist dies nicht der Fall, kann frühestens ab 62 Jahren die Langzeitversichertenregelung in Anspruch genommen werden.

Kann man weiterhin eine Langzeitversichertenregelung oder Schwerarbeitspension in Anspruch nehmen, auch wenn noch keine 45 Arbeitsjahre vorliegen.

Ja. Die hier bisher bestehenden Voraussetzungen inklusive Abschlagsregelungen gelten auch weiterhin.

Wie hoch sind die Abschläge bei der Langzeitversichertenregelung, Schwerarbeitspension und Berufs-/Invaliditätspension, wenn noch keine 45 Arbeitsjahre vorliegen?

Bei der Langzeitversichertenreglung ab 62 Jahren werden derzeit Abschläge bis zu 12,6 Prozent von der Pensionshöhe abgezogen (4,2 Prozent pro Jahr, bei 3 Jahren vor dem 65. Lebensjahr sind es insgesamt 12,6 Prozent).

Die Schwerarbeitspension ermöglicht einen Pensionsantritt ab dem 60. Lebensjahr, wenn 45 Versicherungsjahre und in den letzten 20 Jahren vor dem Pensionsantritt 10 Jahre der Schwerarbeit vorliegen. Der Abschlag bei der Schwerarbeitspension beträgt maximal 9 Prozent (1,8 Prozent pro Jahr, bei 5 Jahren vor dem 65. Lebensjahr sind es insgesamt 9 Prozent).

Bei der Invaliditäts- und Berufsunfähigkeitspension beträgt der Abschlag pro Jahr 4,2 Prozent und maximal 13,8 Prozent

Gilt die neue Regelung auch für Personen, die bereits in Pension sind und zum Zeitpunkt des Pensionsantritts die Voraussetzungen für die Abschlagsfreiheit erfüllt haben.

Da die neue Regelung erst mit 1.1.2020 in Kraft treten wird, sind nur Pensionsantritte ab diesem Zeitpunkt von der Abschlagsfreiheit betroffen. Ein Antrag der SPÖ, der auch eine rückwirkende Abschlagsbefreiung vorgesehen hätte, hat im Nationalrat keine Mehrheit gefunden.

Was ist, wenn bereits ein Pensionsantrag gestellt wurde, der Pensionsstichtag noch ins Jahr 2019 fällt und 45 Arbeitsjahre vorliegen.

Auch in solchen Fällen ist maßgeblich, dass die neue Regelung erst ab 1.1.2020 gilt. Solange noch kein Bescheid von der Pensionsversicherung vorliegt, kann der Pensionsantrag zurückgezogen werden. Zu beachten ist jedoch, dass ab dem Zeitpunkt der Erfüllung der Anspruchsvoraussetzungen für eine Alterspension kein Arbeitslosengeld bezogen werden kann. Es ist in einem solchen Fall daher anzustreben, das Arbeitsverhältnis bis zum Pensionsstichtag im Jahr 2020 zu verlängern.

Frauen haben derzeit ein Regelpensionsalter von 60 Jahren. Bei einem Pensionsantritt mit 60 Jahren haben sie daher keine Abschläge. Bringt den Frauen die Regelung „45 Arbeitsjahre abschlagsfrei“ überhaupt etwas?

Frauen haben derzeit ein Regelpensionsalter von 60 Jahren. Das Pensionsalter wird jedoch für Frauen, die ab 2.12.1963 geboren sind, schrittweise angehoben. Für diese Frauen bringt die neue Regelung „nach 45 Arbeitsjahren abschlagsfrei“ sehr wohl etwas. Wie stark sie von der Abschlagsfreiheit profitieren, hängt davon ab, wie stark ihr Regelpensionsalter schon an jenes der Männer angeglichen ist. Frauen, die ab dem 2.6.1968 geboren sind, haben bereits ein gleiches Regelpensionsalter wie Männer. Diese Frauen profitieren von der Abschlagsfreiheit nach 45 Arbeitsjahren im gleichen Ausmaß wie Männer ab 2020.

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