Faktencheck: Homeoffice

Foto: Bruno Cevera, unspash.com

Vor dem Hintergrund der Covid-19-Krise arbeiten nun so viele Menschen in den eigenen vier Wänden, wie noch nie zuvor. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema Homeoffice.

Die veränderte Art zu arbeiten, kann Vor- aber auch Nachteile für die Beschäftigten bieten: Lästige Anfahrtswege fallen weg und mitunter lassen sich Privat- und Berufsleben besser in Einklang bringen. Die zeitliche und örtliche Souveränität von ArbeitnehmerInnen steigt. Andererseits erhöht sich die Gefahr, dass länger und häufig auch außerhalb der vereinbarten Arbeitszeiten gearbeitet wird, die Abgrenzung zwischen Arbeit und Privatleben fällt schwerer. Studien zeigen allerdings bereits, dass das Arbeiten zu Hause von vielen ArbeitnehmerInnen (bei allen Problemen) durchaus geschätzt wird.

Auch ArbeitgeberInnen, die der Idee des mobilen Arbeitens bislang kritisch gegenüberstanden, ändern zusehends ihre Meinung und sehen, dass viele Ängste unbegründet waren und das dislozierte Arbeiten in der Regel funktioniert. Das könnte allerdings auch zu negativen Effekten führen: Durch die zumindest zeitweise Verlagerung von Arbeit in die Wohnungen lassen sich Büroflächen und Kosten einsparen. Das allerdings beschränkt die Souveränität der ArbeitnehmerInnen bei der Wahl ihres Arbeitsortes, kann zu einer Verlagerung des wirtschaftlichen Risikos auf die Beschäftigten führen und ist daher kritisch zu bewerten.

Klare Spielregeln sind wichtig

Damit das Arbeiten im Homeoffice für beide Seiten gut funktioniert und ArbeitnehmerInnen dadurch keine Nachteile finanzieller oder anderer Natur erleiden, braucht es also klare Regeln. Hier ist der Abschluss einer Betriebsvereinbarung empfehlenswert.

Was jedenfalls in einer Betriebsvereinbarung festgelegt werden sollte: Wer hat die Möglichkeit, von daheim aus zu arbeiten, wem wird Homeoffice angeboten? Welche technische Ausstattung ist für die Arbeit im Homeoffice notwendig und kommt der/die ArbeitgeberIn finanziell dafür auf? Welches Arbeitszeitmodell wird gewählt und wie wird die Arbeitszeit von zu Hause aus aufgezeichnet? Wie sollte ein gesunder Arbeitsplatz zu Hause gestaltet sein? Wie ist mit dem Thema Datenschutz umzugehen? Wie ist vorzugehen, wenn der/die ArbeitnehmerIn versehentlich ein Arbeitsgerät beschädigt oder wenn die Arbeit kurzfristig nicht erbracht werden kann? Wie wird sichergestellt, dass nicht im Gegenzug Büroflächen verkleinert oder die Beschäftigten über digitale Tools kontrolliert werden?

Mehr dazu, wie Homeoffice geregelt werden kann findet sich in der in der Broschüre „Irgendwie – irgendwo – irgendwann.“ (Mitglieder können die Broschüre kostenlos auf der GPA-djp-Website herunter laden.)

Zur vollständigen Absicherung braucht es aber noch mehr

Dennoch ergeben sich in bestimmten Bereichen Schutzlücken, da das österreichische Arbeitsrecht nur wenige spezielle Regeln für die Arbeit in den eigenen vier Wänden vorsieht. Aus diesem Grund ist über neue gesetzliche Regelungen zumindest im Hinblick auf folgende Themen nachzudenken: Arbeitszeiterfassung, Gleichbehandlungsgebot hinsichtlich des Entgelts, Aufstiegsmöglichkeiten, betrieblicher Weiterbildung und gleitenden Arbeitszeit sowie Regelungen zu Aufwandersatz beim Einsatz von privaten Arbeitsmitteln und die Klärung von Haftungsfragen.

Eine Definition von Homeoffice als auswärtige Arbeitsstelle sollte ins ArbeitnehmerInnenschutzgesetz aufgenommen werden. Eine zeitlich befristete Erweiterung des gesetzlichen Unfallversicherungsschutzes stellt Unfälle im Homeoffice derzeit mit jenen gleich, die sich in der Arbeitsstätte ereignen. Unfallversichert sind damit auch Wege innerhalb des privaten Haushaltes wie auch z.B. von zu Hause aus angetretene Wege zum/zur ÄrztIn. Die GPA-djp fordert einen dauerhaft gesicherten Unfallversicherungsschutz der ArbeitnehmerInnen im Homeoffice.

Unter welchen Voraussetzungen kann ad-hoc Telearbeit durchgeführt werden?

Wann ad-hoc Telearbeit durchgeführt werden kann und welche Voraussetzungen dafür notwendig sind, sollte durch eine Betriebsvereinbarung geregelt werden, ansonsten darf der/die ArbeitnehmerIn nicht selbst entscheiden, wann er/sie von zu Hause aus arbeiten will. Fehlt eine solche konkrete Regelung, ist die Durchführung von anlassbezogener Telearbeit nur einvernehmlich möglich, also in jedem einzelnen Fall mit dem/der ArbeitgeberIn zu vereinbaren.

Gibt es spezielle gesetzliche Regelungen für die Bildschirmarbeit bei im Homeoffice?

Bei der Zurverfügungstellung der Arbeitsmittel für die Bildschirmarbeit durch den Arbeitgeber kommen grundsätzlich die allgemeinen Vorschriften des Arbeitnehmerschutzgesetzes hinsichtlich der Bildschirmarbeit zur Anwendung. Davon umfasst sind insbesondere die Bestimmungen zur Bildschirmarbeitsbrille. Die vom der Arbeitgeber zur Verfügung gestellten Arbeitsmittel müssen denselben Anforderungen zu entsprechen wie jene Arbeitsmittel, die in der Arbeitsstätte eingesetzt werden.

Ist der Arbeitgeber für die ergonomische Gestaltung des Heimarbeitsplatzes verantwortlich?

Die ergonomische Gestaltung der Arbeitsflächen und Sitzgelegenheiten von Bildschirmarbeitsplätzen außerhalb der Arbeitsstätte, somit im Anwendungsbereich von Homeoffice, ist laut Arbeitnehmerschutzgesetz explizit von den Arbeitgeberpflichten ausgenommen. So sind der ergonomischen Gestaltung von Heimarbeitsplätzen wohl vielfach auch praktische Grenzen gesetzt. Das bedeutet allerdings nicht, dass auf eine möglichst sinnvolle Gestaltung der Arbeitsplätze verzichtet werden soll.

Es besteht Unsicherheit, ob die ständig im Homeoffice tätigen Beschäftigten eines Unternehmens zum Betriebsrat wahlberechtigt sind. Wie ist dazu die Rechtslage?

Die im Homeoffice tätigen Beschäftigten sind gleichermaßen als »im Rahmen eines Betriebes beschäftigte Personen« anzusehen und somit wahlberechtigt. Es kommt nicht auf die räumliche Nähe oder Distanz zu den betrieblichen Räumlichkeiten an, sondern auf das Vorliegen einer engen Beziehung zum Betrieb.

Darf der Arbeitgeber die Wohnung des/der Beschäftigten betreten, um nachzusehen, ob er/sie ordentlich arbeitet?

Nein. Es ergibt sich schon aus grundrechtlichen Erwägungen, dass Arbeitgeber nicht in den Privatbereich ihrer Beschäftigten eindringen dürfen. Die zum Wesen des Arbeitsvertrages gehörenden Kontrollrechte des Arbeitgebers können daher nur auf anderem Wege wahrgenommen werden. Viele Arbeitgeber versuchen daher, die Beschäftigten mit technologiegestützten Systemen zu kontrollieren.

Ein Arbeitgeber möchte die Beschäftigten im Homeoffice stärker kontrollieren und digitale Kontrollmaßnahmen einführen – was ist zu beachten?

Grundsätzlich haben ArbeitgeberInnen das Recht, die Erbringung der im Arbeitsvertrag geschuldeten Leistung zu kontrollieren. Die Kontrollmöglichkeiten des Arbeitgebers stellen sogar ein zentrales Element des Arbeitsverhältnisses dar, weshalb die Einführung digitaler Kontrollsysteme auch zulässig ist. Allerdings kann die Einführung derartiger Kontrollsysteme laut Arbeitsverfassungsgesetz eine zustimmungspflichtige Maßnahme darstellen, bei der dem Betriebsrat ein Mitwirkungsrecht zukommt.

Der Arbeitgeber will die Verwendung eines ganz bestimmten Gerätes im Homeoffice vorschreiben. Ist das möglich?

Stellt der Arbeitgeber das Gerät zur Verfügung, liegt darin kein Problem. Fraglich ist die Situation jedoch insbesondere dann, wenn die Beschäftigten das Gerät selbst anschaffen müssen. In einem solchen Fall ist wohl davon auszugehen, dass der Arbeitgeber die Anschaffung und die damit verbundenen Kosten auf die Beschäftigten abschieben will. Darin kann man eine Überwälzung des Unternehmerrisikos erblicken, weshalb unter Umständen Sittenwidrigkeit vorliegt.

Was passiert, wenn während des Homeoffice ein Virus den Computer des Arbeitgebers befällt?

In diesem Fall stellen sich Fragen der Haftung. Wurden die vorgegebenen Sicherheitsstandards eingehalten und hat der/die ArbeitnehmerIn den Computer bestimmungsgemäß verwendet, kann er oder sie wohl nicht für auftretende Störungen und Virenbefall im Computersystem verantwortlich gemacht werden. Diese Frage sollte jedoch jedenfalls in einer Betriebsvereinbarung geregelt werden.

Dürfen die vom Arbeitgeber für die Arbeit im Rahmen von Homeoffice zur Verfügung gestellten Geräte auch privat genutzt werden?

Ob die Nutzung der vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellten Geräte auch für den Privatgebrauch zulässig ist, sollte Teil der Betriebsvereinbarung über die mobile Arbeitserbringung im Rahmen von Homeoffice sein und muss jedenfalls geregelt werden.

Die GPA-djp hilft

GPA-djp-Mitgliedern steht ein vielfältiges Beratungsangebot zu arbeitsrechtlichen Fragen zur Verfügung. Nicht-Mitglieder können unter 050301-301 eine kostenlose Erstberatung in Anspruch nehmen.

Scroll to top