Elternkarenz: Das Engagement der Väter fördern

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GPA-Frauenvorsitzende Sandra Steiner macht sich für mehr Väterbeteiligung an der Kinderbetreuung stark. Nicht nur die Arbeitszeiten und die öffentliche Kinderbetreuung spielen hier eine wesentliche Rolle, auch bei der Unternehmenskultur muss der Hebel angesetzt werden.

Seit mehr als 30 Jahren haben Männer in Österreich per Gesetz die Möglichkeit, in Väterkarenz zu gehen. Die Idee: Mutter und Vater teilen sich die Karenzzeit mit dem Baby partnerschaftlich auf. Die Zahl der Väter, die Karenz nehmen und Kinderbetreuungsgeld beziehen hat sich seit 2006 zwar mehr als verdoppelt, trotzdem bleibt der Erfolg des Modells hinter den Erwartungen zurück.

Nur jeder fünfte Vater geht in Papamonat oder Väterkarenz, das zeigen aktuelle Zahlen der Arbeiterkammer. Zwei Prozent der Väter in Partnerschaften unterbrechen die Erwerbstätigkeit für drei bis sechs Monate, lediglich ein Prozent für mehr als sechs Monate. Zehn Prozent der Väter in Karenz wählt eine Karenzdauer, die nicht länger als drei Monate dauert.

„Österreich ist eines der fortschrittlichsten Länder Europas, aber Haushalt und Kinderbetreuung bleiben nach wie vor an den Frauen hängen“, stellt Sandra Steiner, Frauenvorsitzende der Gewerkschaft GPA, fest. Die Väterkarenz könnte hier ein wesentlicher Baustein für mehr Gerechtigkeit sein. Offenbar fehlen jedoch Anreize, damit Kindererziehung und Familienzeit fair zwischen Mutter und Vater geteilt werden.

Traditionelle Rollenbilder aufzubrechen erweist sich hierzulande einmal mehr als schwierig. Es sind vor allem die Unternehmen gefordert, Männer in ihrer Rolle als Vater zu bestärken. Vor allem junge Väter wollen nicht nur Wochenend-Väter sein, sondern von Geburt an ihre Kinder gleichberechtigt beim Aufwachsen begleiten.

„Ein wesentlicher Faktor, um die Kinderbetreuung zwischen Müttern und Vätern gerechter aufzuteilen, ist die Arbeitszeit. Daher muss es in Richtung allgemeine Verkürzung der Arbeitszeit gehen.“

Sandra Steiner

Sandra Steiner, Betriebsratsvorsitzende beim IT-Dienstleister Atos IT Solutions, spricht aus eigener Erfahrung: Sie hat nach der Geburt ihres Sohnes die Karenz mit ihrem Mann geteilt. Steiner unterstützt folglich auch die Forderung nach familienfreundlichen Arbeitszeiten und einer Reduzierung der Wochenarbeitszeit: „Ein wesentlicher Faktor, um die Kinderbetreuung zwischen Müttern und Vätern gerechter aufzuteilen, ist die Arbeitszeit. Daher muss es in Richtung allgemeine Verkürzung der Arbeitszeit gehen. Nur so kann Familienzeit geschaffen werden!“

Einkommenssituation

Wie sieht es nun mit der Einkommenssituation von Müttern und Vätern nach der Geburt eines Kindes aus? Die Karenzzeiten hängen wenig überraschend mit den Einkommen der Eltern zusammen: Je besser der Mann verdient, desto kürzer fällt seine Karenz aus. Verdient die Partnerin 4.000 Euro aufwärts, fördert dies eine längere Väterkarenz, fand die Arbeiterkammer bei ihren Umfragen heraus. Da viele Väter schon vor der Geburt eines Kindes besser verdienen als die Mütter – besonders wenn es das zweite oder dritte Kind ist – gehen aus finanziellen Gründen weiterhin die Mütter in Karenz.

Männer verdienen nach einer Karenz langfristig sogar besser, Frauen dagegen schlechter. Ein wesentlicher Grund dafür ist die deutlich längere Erwerbsunterbrechung bei Müttern einerseits und andererseits die Tatsache, dass die Väter nach der Karenz fast ausschließlich wieder Vollzeit arbeiten, während Frauen zum Großteil Teilzeit arbeiten.

„Dank des jahrelangen Einsatzes der Gewerkschaften gibt es gute gesetzliche Maßnahmen um das Engagement der Väter zu fördern. Nach wie vor werden Papamonat, Väterkarenz und Elternteilzeit von Vätern zu wenig genutzt“, betont Steiner. Wichtig wäre daher, dass sowohl der öffentliche Bereich als auch größere Unternehmen deutlich mehr gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen. Betriebe, die hier mit gutem Beispiel vorangehen, wären sehr wichtig, um einen Kulturwandel herbeizuführen.

Öffentliche Kinderbetreuung

Ein anderer Hebel, der angesetzt werden muss, ist die Verfügbarkeit öffentlicher Kinderbetreuung und zwar leistbar und mit entsprechenden

Öffnungszeiten, damit Mütter und Väter nach der Geburt des Kindes

auch weiterhin Vollzeit arbeiten können, wenn sie das wollen.

Bei den Väterkarenzen gibt es auch ein Stadt-Land-Gefälle: In Städten nehmen Männer deutlich längere Karenzen in Anspruch als in ländlichen Gebieten. Fehlende Kinderbetreuung ist leider im ländlichen Raum ein Thema, zusammen mit traditionellen Rollenbildern erschwert dies jungen Eltern, neue Wege zu gehen.

Insgesamt gesehen bleibt die Karenz also für die Männer eine Option, während sie für die Frauen eine Selbstverständlichkeit ist.

Familienarbeitszeit

Ein Lösungsvorschlag kommt von ÖGB und AK: Das Modell der „Familienarbeitszeit” soll endlich mehr Gerechtigkeit bei der Kinderbetreuung schaffen. Das ÖGB/AK-Modell sieht einen finanziellen Anreiz für Eltern vor, die jeweils zwischen 28 und 32 Stunden pro Woche arbeiten. Konkret soll es dafür im Anschluss an das Kinderbetreuungsgeld für jedes Elternteil eine staatliche Förderung von 250 Euro im Monat geben. Damit kann mehr Ausgewogenheit zwischen den Geschlechtern geschaffen und der Einkommensverlust kann insgesamt geringgehalten werden.

Denn aktuell kommen Eltern im Schnitt auf eine Erwerbsarbeitszeit von 60 Stunden in der Woche. Diese wird allerdings nicht zu gleichen Teilen zwischen den Eltern aufgeteilt; vielmehr geht in der Regel die Frau in Teilzeit, während der Mann Vollzeit weiterarbeitet oder sogar Überstunden macht. Eine Familienarbeitszeit würde Frauen mehr Geld sowie Entlastung bei der Kinderbetreuung bringen, und Männer hätten mehr Zeit für ihre Kinder.

Papamonat: ein Monat mit dem Baby, für alle jungen Väter!

Alle Väter haben Anspruch auf einen so genannten „Papamonat“, sofern sie mit dem Kind in einem gemeinsamen Haushalt leben und den Anspruch dem Arbeitgeber spätestens drei Monate vor dem Geburtstermin melden. Bei gleichgeschlechtlichen Paaren gilt der Anspruch für den zweiten Elternteil.

Der Papamonat will frischgebackenen Eltern die gemeinsame Betreuung des Kindes in den ersten Lebenswochen ermöglichen. Voraussetzung ist, den Papamonat innerhalb der ersten zwei Monate nach Geburt des Kindes zu nehmen. Es besteht auch ein Kündigungsschutz.

Da es sich beim Papamonat um eine Dienstfreistellung ohne Gehaltsfortzahlung handelt, können Väter während dieses Monats den Familienzeitbonus in der Höhe von rund 700 Euro beziehen. Vorsicht, dieser Betrag wird allerdings bei einem späteren Bezug von Kinderbetreuungsgeld des Vaters wieder abgezogen.

Während des Bezugs vom Familienzeitbonus muss der Vater seine Erwerbstätigkeit unterbrechen und darf weder einen Verdienst noch eine Krankenstandsleistung oder ein Urlaubsentgelt beziehen. Sofern ein Anspruch auf Familienzeitbonus besteht, sind Väter während des Papamonats kranken- und pensionsversichert.

Tipp: Benutzen Sie den Familienzeitbonus Online Rechner

Mehr dazu https://www.arbeiterkammer.at/papamonat

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