„Unsere Arbeit macht Sinn“

Foto: Mustafa Durmus

Im Schulungszentrum Fohnsdorf können sich Menschen für neue Berufswege qualifizieren. Betriebsratsvorsitzende Sylvia Ippavitz erzählt, wie das Unternehmen auf die Veränderungen in der Branche reagiert und das SZF zukunftsfit machen wird.

Als gemeinnütziger Verein bietet das Schulungszentrum Fohnsdorf (SZF) berufliche Qualifizierung sowie professionelle Begleitung beim (Wieder-)einstieg in den Arbeitsmarkt an. Am Hauptstandort in Fohnsdorf und an einem kleineren Standort in Fürstenfeld arbeiten insgesamt 150 Beschäftigte. Auftraggeber des SZF ist das AMS Steiermark. „Wir unterstützen Teilnehmende durch unser Schulungen, eine neue Chance am Arbeitsmarkt zu ergreifen“, erklärt Betriebsratsvorsitzende Sylvia Ippavitz, „Mit einer professionellen individuellen Qualifizierung werden Menschen beruflich erfolgreicher.“

Ippavitz ist seit 2008 Betriebsrätin, seit 2016 ist sie freigestellt und hat im Team den Vorsitz inne. Ihre Motivation dafür entspringt ihrem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn: „Arbeitsprozesse müssen fair sein. Zwischen jenen, die die Macht in der Hand haben und Entscheidungen treffen und jenen, die davon betroffen sind, braucht es einen Ausgleich.“

Als Betriebsrätin bemüht sich Ippavitz um Problemlösung gemeinsam mit der Geschäftsführung, mit der es eine konstruktive Zusammenarbeit gibt, wie sie betont. Neben einer sinnstiftenden Arbeit reicht das Angebot für die Beschäftigten im Betrieb von der Betriebsküche und Kantine mit günstigem Mittagessen bis hin zu betrieblicher Gesundheitsförderung. „Wir bieten wirklich ein gesundes Klima für unsere KollegInnen“, berichtet Ippavitz stolz. Zur Qualifizierung ins SZF kommen v.a. arbeitsuchende Menschen, die fehlende Kompetenzen haben oder deren Berufe kaum noch Perspektive bieten. Qualifizierungen sind, weiß Ippavitz, auch die beste Prävention gegen Langzeitarbeitslosigkeit. „Wir ermöglichen einen neuen Start! Und die Wirtschaft sucht derzeit Fachkräfte in vielen Bereichen, von der Elektrotechnik über IT bis zur Gastronomie. Das SZF hat seinen Fokus auf das Erlernen von Kompetenzen gelegt. „Das ist unser didaktisches Konzept. Nicht das Wissen alleine, sondern vor allem die Praxis, das ‚Können’, steht bei uns im Zentrum.“

Zukunftsthemen

Zwei große Themen beschäftigen den Betriebsrat derzeit: Der Generationenwechsel im Betrieb und die Verdichtung der Arbeit. „Die Mehrheit meiner KollegInnen ist über 50“, erzählt Ippavitz, „daher müssen wir uns Gedanken machen, wie wir für jüngere Menschen attraktiv sein können.“

Die Verdichtung der Arbeit bringt es mit sich, dass immer mehr zusätzliche Aufgaben anfallen, die „miterledigt“ werden müssen. „Die Digitalisierung kann hier zwar einiges auffangen, trotzdem wächst die Arbeit kontinuierlich an.“ So kam es z.B. während der Pandemie zu einer Umstellung auf hybrides Arbeiten: „Wir mussten uns neue digitale Kompetenzen aneignen, und zwar sehr rasch – dabei entstand viel extra Arbeit!“

Was sich ebenfalls geändert hat, ist die Intensität der erforderlichen Begleitung. „Die Betreuung wurde intensiver, die Hilfestellung, die wir leisten müssen, umfassender und komplexer. TrainerInnen sind Begleitpersonen, und unterstützen in ganz unterschiedlichen Situationen.

„Arbeitsprozesse müssen fair sein. Zwischen jenen, die die Macht in der Hand haben und Entscheidungen treffen und jenen, die davon betroffen sind, braucht es einen Ausgleich. “

Sylvia Ippavitz

Generationenwechsel

TrainerInnen zu finden, die z.B. IT oder Elektrotechnik unterrichten können, ist nicht einfach, denn: „Das sind Fachkräfte aus Branchen, die sehr gute Gehälter bezahlen. Da können wir leider bei den Kollektivverträgen und den Überzahlungen nicht mithalten, denn aufgrund des Förderregimes des AMS sind uns die Hände gebunden.“ Das Dilemma: Der Anspruch an die TrainerInnen ist sehr hoch, die Gehälter bilden das leider nicht ab.
Die KV-Verhandlungen dieses Jahr fanden unter schwierigen Rahmenbedingungen statt. Die hohe Inflation, aber auch die Pandemie und ihre Belastungen im Arbeitsalltag sollten abgegolten werden. Sylvia Ippavitz war im großen Verhandlungsteam dabei und konnte so den Abschluss mitgestalten. „Die 3,7 bis 3,9 Prozent, die wir erreicht haben, sind ein sehr solides Ergebnis und liegen nicht nur deutlich über dem Abschluss vom Vorjahr, sondern auch klar über der ‚roten Linie’ der Arbeitgeber, die äußerst selbstbewusst aufgetreten sind und sich kaum bewegen wollten“, berichtet die Betriebsratsvorsitzende. Über den Abschluss herrscht allgemein große Zufriedenheit. „Wenn wir noch mehr erreichen wollen, dann wird es in Zukunft aber auch eine stärkere Bereitschaft von den Beschäftigten brauchen, sich aktiv einzubringen“, macht Ippavitz deutlich.

„Nicht nur das Geld zählt, auch die Rahmenbedingungen und die Arbeit als solche.“

Sylvia Ippavitz

Wie also in Zukunft neue TrainerInnen finden? Was kann man MitarbeiterInnen bieten? „Nicht nur das Geld zählt, auch die Rahmenbedingungen und die Arbeit als solche“, findet Ippavitz, „Und da sind wir anderen Branchen klar voraus! Bei uns gibt es geregelte Arbeitszeiten, keine Arbeit am Wochenende, im Sommer drei Wochen Betriebsurlaub, eine ausgezeichnete Kantine und ein tolles Weiterbildungsprogramm“, zählt Ippavitz auf. „Aber das beste ist eigentlich die Arbeit hier als solche. Denn als TrainerInnen unterstützen wir Menschen, die arbeitslos waren, und so entwickeln sie neue Perspektiven und Chancen.

Das ist ein hoher Wert, sowohl für die Teilnehmenden, als auch für die Gesellschaft als Ganzes. Eine solche Arbeit macht Sinn und wird als befriedigend erlebt. Das kompensiert durchaus ein nicht so üppiges Gehalt!“

Zur Person:

Auch in ihrer Freizeit gestaltet Sylvia Ippavitz aktiv die Politik mit: In ihrem Wohnort Trofaiach ist sie als Finanzstadträtin, Frauenreferentin und Vorsitzende der Stadtpartei der SPÖ tätig, außerdem ist sie Kammerrätin in der AK. „Ich bin einfach ein sehr politischer Mensch“, sagt Ippavitz. Wenn dann noch Zeit bleibt, zieht es sie in die Natur: Wandern, laufen, Schi fahren sind ihr Ausgleich, aber auch gutes Essen und Trinken mit Freunden genießen.

Hast du schon einmal überlegt selbst einen Betriebsrat zu gründen?

Wenn es bei dir im Betrieb mindestens 5 Beschäftigte gibt, kann eine Betriebsratswahl stattfinden. Dein Chef/deine Chefin, darf die Wahl nicht behindern. Als Betriebsrätin/Betriebsrat hast du einen
besonderen Kündigungsschutz und du kannst einen Teil deiner Arbeitszeit für die Betriebsratstätigkeit verwenden.
Wir unterstützen und begleiten dich und deine KollegInnen bei der Durchführung der Betriebsratswahl.
Du möchtest mit uns darüber reden? Dann wende dich an unsere Beratung in deinem Bundesland.
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